<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Hannah Arendt - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
	<atom:link href="https://www.hannah-arendt.de/category/hannah-arendt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.hannah-arendt.de</link>
	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
	<lastBuildDate>Thu, 30 Apr 2026 13:19:34 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	
	<item>
		<title>Die Rache des Philosophen</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 17:52:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2410</guid>

					<description><![CDATA[<p>Meyer, Thomas: Hannah Arendt, Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe, Piper Verlag, München, November 2025, 525 Seiten Im November 2025 kommt zwei Jahre nach der Hardcover Version die Taschenbuchausgabe einer neuen Arendt Biografie von Thomas Meyer auf den deutschen Büchermarkt. Der Autor... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/">Die Rache des Philosophen</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><em><span class="tm7">Meyer, Thomas: Hannah Arendt, Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe, Piper Verlag, München, November 2025, 525 Seiten</span></em></p>
<p class="Normal tm6 tm7"><span class="tm8">Im November 2025 kommt zwei Jahre nach der Hardcover Version die Taschenbuchausgabe einer neuen Arendt Biografie von Thomas Meyer auf den deutschen Büchermarkt. Der Autor ist außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität München und beschäftigt sich laut eigenen Angaben mit der Ideen- und Philosophiegeschichte der griechischen Antike und des 20. Jahrhunderts. Der Piper-Verlag hat ihn mit der Herausgabe der Studienausgabe von Hannah Arendt betraut, ein Experte also. In die Neugier mischt sich eine erste Irritation: auf dem Umschlag prangt ein roter Aufkleber „SPIEGEL Bestseller“. Hannah Arendt ein Bestseller und das zu einer Sache, mit der man sich nach dem Lübbe Wort vom „kommunikativen Beschweigen“ besser nicht beschäftigt? Der Klappentext verheißt einen ‚radikal‘ neuen Zugang zum ‚revolutionären Denken‘ Hannah Arendts, der eine Neubewertung notwendig mache. Auch ein Buch will verkauft und konsumiert werden. Die Rezensenten der klassischen Medien zeigen sich begeistert: „absolut sensationell“ (SZ), „völlig überraschende Biografie“ (DIE ZEIT), der Rezensent der H-Soz-Kult zeigt sich schon skeptischer, das Buch habe Längen und Lücken, aber den Geschmack des Publikums getroffen. Der Rezensent der</span><em><span class="tm9"> Jüdischen Allgemeinen</span></em><span class="tm8"> ist zwar mit der Fokussierung Arendts auf eine öffentliche Intellektuelle und politische Aktivistin nicht ganz einverstanden, geht aber diesem Eindruck nicht weiter nach und reiht, wie die meisten anderen auch, die üblichen nichtssagenden Textbausteine aneinander. The Games must go on.<br>
</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Geht es in dieser Biografie um Hannah Arendt? Aber natürlich, wird es mir unisono entgegen schallen. Was für eine unmögliche Frage? Auf dem Titel steht Hannah Arendt, auf Hunderten von Seiten werden durch akribisches Quellenstudium und viel Fleißarbeit Kindheit und Jugend in Königsberg, ihre Zeit in Paris sowie die ersten Jahre in New York ausgebreitet. Sind Sie von Sinnen? Ich gebe zu, die Frage war zu provokant gestellt, ich formuliere sie im zweiten Anlauf anders. Um welche Arendt geht es, um eine oder mehrere? Auch diese Frage enthält noch zu viele Mehrdeutigkeiten. Verschiedene, aber als verschiedene gleichrangige Interpretationen des Lebenswerkes einer Person wären legitim. Die Rezeptionsgeschichten berühmter Autoren sind voll davon. Die eine Arendt gibt es ohnehin nicht, ebenso wenig wie die eine Wahrheit. So kommen wir nicht weiter. Oder geht es um ein hergestelltes, ein eigens konstruiertes Arendt-Image, das als Schutzschirm vor die andere Arendt gestellt wird. Geht es um eine gemachte Arendt, mit der man sich die tatsächliche Arendt vom Leibe halten kann? So formuliert, bekommt die Sache schon einen anderen Dreh, denn jetzt geht es ums Lesen. Wie liest Meyer? Liest er über Arendt, mit ihr oder gegen sie?<br>
</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Meyer erwähnt das „Haus der Bücher“ in Königsberg (S. 290), ein Tempel der Lesehungrigen mit 200.000 Büchern, die zur damaligen Zeit sicher größte Buchhandlung Europas, vielleicht sogar der Welt. Meyer erwähnt auch die Stundenpläne der humanistischen Gymnasien, in denen Lesen, zumal der antiken Klassiker, noch einen anderen Rang einnahm als heute. Wir können unterstellen, dass Arendt schon eine gute Leserin war, bevor sie mit dem Studium begann. Als sie Heidegger 1924 in Marburg das erste Mal begegnete - in der Vorlesung zu Platons „Sophistes“ - muss es eine Offenbarung für Sie gewesen sein. Etwas von diesem Schock hört man noch aus einem Brief heraus, den sie Heidegger 50 Jahre später schrieb: „Wie Du liest, liest keiner und hat auch niemand vor Dir gelesen“ (Briefwechsel, S. 250). Das Lesen, vor allem das Lesen Platons hat Arendt von Heidegger gelernt. Hat Meyer das Lesen von Arendt gelernt?</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">&nbsp;</span><span class="tm8">Ich beschränke mich auf zwei Schlüsselstellen. Etwa in der Mitte des 500-seitigen Machwerks finden sich zwei Sätze, die es wert sind, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Der Philosoph Thomas Meyer legt fest, was das Politische seiner Ansicht nach sei: „Das Politische ist das, was geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen, Konflikte austragen, einander töten oder lieben“, so der erste Satz (S. 233). Jedem halbwegs geübten Leser wird der Widerspruch auffallen: entweder kommt man ins Gespräch, oder man tötet sich, mit dem Töten tötet man auch das Gespräch, die Gewalt ist stumm. Dagegen Arendt: „Wo die Gewalt in die Politik selbst eindringt, ist es um die Politik geschehen“ heißt es in der Einleitung zum Revolutionsbuch mit Bezug auf die modernen Revolutionen, die im Terror enden. Auch der Verweis auf Kain, der Abel erschlug fehlt nicht. Wie geschieht das Politische, wenn Menschen einander lieben? Auch hier formuliert Arendt präzise: „Die Liebe ist ihrem Wesen nach nicht nur weltlos, sondern sogar weltzerstörend, und daher nicht nur apolitisch, sondern sogar antipolitisch - vermutlich die mächtigste aller antipolitischen Kräfte.“ (Vita Activa, S. 238). Weiter: Das Politische geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen: welche Menschen und was für ein Gespräch? Geschieht das Politische, wenn der Herr mit dem Knecht spricht, die Eltern mit den Kindern oder die Herrschenden mit den Beherrschten? Man könnte zu Meyers Ehrenrettung anführen, dass er wahrscheinlich das Gaus Interview im Sinn hatte, aber es steht nicht da und präzise formulieren ist nicht seine Stärke. Wir konkretisieren in seinem Sinne: das Politische geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen, die sich als gleichrangig anerkennen. Wie erkennen sich Menschen trotz ihrer natürlichen Verschiedenheit ohne Kampf auf Leben und Tod als gleichrangig an (Hegels Kampf um Anerkennung)? Hier hätte das Gesetz ins Spiel kommen müssen und Arendts Einklammerung der Tradition, die das Gesetz zur Vorschrift umgemünzt hat. Meyer erwähnt weder das Gesetz noch, dass Arendt mit dem geänderten Sinn von Gesetz </span><span class="tm7">hervor holt, was auch der zweite große Verteidiger des Politischen wieder entdeckte: Carl Schmitt. </span><span class="tm8">Sind es bloße Lücken, verzeihliche Ungenauigkeiten? Wir sind noch immer am ersten Satz: Das Politische geschieht. Einfach so, ohne unser Zutun? Der bürgerliche Ort, an dem Menschen ins Gespräch kamen, war der Salon. Geschah dort das Politische? Als 1934 in der „Nacht der langen Messer“ der Staatsterror offenkundig wurde, die Regierung als kriminelle Verschwörung erkennbar war, geschah - nichts. Robert Kempner, seinerzeit Verwaltungsjurist im Berliner Innenministerium und später Ankläger im Nürnberger Prozess sprach aus, was die deutschen Bürger nicht hören wollen: „Es war eine Niederlage in ganz großem Maße, an der die Bürgerschaft, teilweise auch die Arbeiterschaft, beteiligt war.“ (Lebenserinnerungen, S. 92). Eine vergleichbar totale Niederlage beschrieb Sebastian Haffner in der Geschichte eines Deutschen, als SA-Horden das altehrwürdige Berliner Kammergericht stürmten und ohne jede Gegenwehr das Recht austrieben. Kommen wir zum zweiten Satz: „die Frage ist dann, […] wie viel Raum man dieser anthropologischen Konstante gibt, wie sie ausgehandelt, also erst bewusst gemacht wird, da sie ja natürlich ist.“ Das ist, etwas moderner formuliert, die klassische aristotelische Definition vom </span><em><span class="tm9">zoon politikon</span></em><span class="tm8">. Damit bestätigt Meyer, was Arendt 1950, also in dem Zeitraum, der den Biografen ganz besonders interessiert, über die Philosophen schrieb: „Die Philosophie hat zwei gute Gründe, niemals auch nur den Ort zu finden, an dem Politik entsteht. Der erste ist: 1) Zoon politikon: als ob es </span><em><span class="tm9">im</span></em><span class="tm8"> Menschen etwas Politisches gäbe, das zu seiner Essenz gehört. Dies gerade stimmt nicht; der Mensch ist a-politisch. Politik entsteht in dem </span><em><span class="tm9">Zwischen-den</span></em><span class="tm8">-Menschen, also durchaus </span><em><span class="tm9">außerhalb</span></em><span class="tm8"> des Menschen. 2. Die monotheistische Gottesvorstellung - [des Gottes], in dessen Ebenbild der Mensch geschaffen sein soll.“ (Was ist Politik?, S. 11). Damit lässt sich die erste Frage beantworten: Meyer schreibt eine Menge über Arendt, aber er liest sie nicht. Das Resultat führt unmittelbar zur nächsten Frage: was ist der Sinn dieser Biografie, wenn es nicht um das Verstehen Arendts geht?</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Die Schlüsselstelle dazu findet sich auf S. 131. Dass Hannah Arendt Philosophin oder politische Theoretikerin oder beides gleichzeitig war, findet Meyer „eigentümlich“. Eigentümlich schreibt jemand, der nicht genau versteht, warum etwas so ist, wie es ist, aber zugleich keine Neigung verspürt, dieser Irritation Raum zur Entfaltung zu geben, es könnte lieb gewordene Gewissheiten in Frage stellen. Dass sich hinter dem „eigentümlich“ das verbirgt, womit sich Hannah Arendt ihr Leben lang beschäftigte, entgeht so dem akademischen Philosophen. Er muss diktatorisch festklopfen, womit er selbst sich nicht befassen will. Hannah Arendt habe sich von der Philosophie abgewandt und würde nach dem Augustinus-Buch „nie wieder“ (S. 132) eine philosophische Interpretation unternehmen. Die These der Abwendung von der Philosophie könnte chronologisch gemeint sein. Wer sich abwendet, kann sich auch wieder zuwenden. Meyers theoriepolitischer Sinn erschließt sich etliche Seiten später rückwirkend. Wenn er, etwas gönnerhaft im Ton, über Arendts Philosophieren referiert, ist die Verstrickung der philosophischen Tradition in die Erfahrung totaler Herrschaft erfolgreich gekappt, die Metaphysik exkulpiert. Arendts Philosophieren ist dann keine Antwort mehr auf das, „was nie hätte geschehen dürfen“, sondern wird zu etwas wie ihrem Privatvergnügen, ihre Emanzipation vom übermächtigen Lehrer oder einfach nur eine wohlgesinnte Sonntagsrede, die die Langeweile der geschwätzigen Öffentlichkeit vertreibt. Die Bresche in der Mauer der Gewissheiten scheint erfolgreich gestopft. Dass diese auffällige Diskrepanz im Umgang mit Arendt schon vor 30 Jahren von </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/zoltan-szankay/arendtsche-denkungsart-und-offnungsweisen-der-demokratischen-frage/" target="_blank" rel="noopener"><span class="tm8">Zoltán Szankay</span></a></u><span class="tm8"> vermerkt wurde,&nbsp;</span><span class="tm7">zeigt sowohl die Hartnäckigkeit der Ignoranz als auch den außergewöhnlichen Ort Arendts. </span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Tatsächlich hat Arendt das Verhältnis zwischen Philosophie und Politik, dessen Auswirkungen auf die abendländische Tradition, sowie ihren Bezug dazu präzise benannt. In einer Fußnote im Revolutionsbuch heißt es: „seit Sokrates Tod hat eine an Feindseligkeit grenzende Spannung zwischen Philosophie und Politik wie ein Fluch auf der abendländischen Geistesgeschichte gelegen“ (S. 395). Die Rede vom Fluch steht nicht zufällig im Revolutionsbuch, denn der Fluch trifft jene, die Herrschaftsordnungen etablieren, sowie auch solche, die sie zur Befreiung des Menschen umstürzen wollen. Wer liest und seiner Bedeutung nachdenkt, dem wird unmittelbar verständlich, dass ein Lebenswerk wie Arendts, das sich wie kein anderes des 20. Jahrhunderts dem Abbau dieser Feindschaft verschrieben hat, nicht nur beide Perspektiven einnimmt, diese in ihrem Verhältnis zueinander versetzt, sondern auch das Gesetz mitdenkt, das solche Standort-Setzungen einräumt. </span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Es sind im wesentlichen ein Heidegger-Image und drei Arendt-Images, die der Philosoph kreiert, um den Angriff auf das Selbstverständnis seines akademischen Fachs abzuwehren: Heidegger ist ihm so etwas wie ein heidnischer Schamane, der mit Wortzaubereien die orientierungslose Jugend irreführt. Wenn er könnte, würde er ihm noch nachträglich den Schierlingsbecher reichen. Aus der Unruhe stiftenden Arendt macht er drei entschärfte Fassungen: die eine zieht er von der Philosophie ab und entsorgt sie in der Schublade: historisch-soziologische Studien. Die zweite fabriziert er zur jüdischen Aktivistin, womit er sie zu den Klima- und Flüchtlingsaktivisten der Gegenwart anschlussfähig macht und die dritte stilisiert er zur öffentlichen Medien-Intellektuellen, also das, was tagtäglich an Volksverdummung in den Talkshows stattfindet. Die für den Konsum einer Öffentlichkeit zurecht frisierten Arendt-Images vermeiden sorgfältig alles, was die gewohnte Gleichgültigkeit beunruhigen könnte.</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Warum einer sich berufen fühlt, eine Arendt Biografie vorzulegen, der schon ihr zentrales Anliegen verfehlt und dafür Verlag und Lektoren findet, müssen die Beteiligten verantworten. Man muss es wohl als Symptom fortschreitenden geistigen Ruins zur Kenntnis nehmen. Zweifellos wird es für Verlag und Autor ein großartiger ökonomischer Erfolg werden. Es sei ihnen gegönnt. Nur, wer von geistigem Rang will dann noch mit einem solchen Verlag zusammenarbeiten?</span></p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-arendt-zoff-um-bestseller-biografie-zerlegt-dieser-philosoph-hannah-arendt/" target="_blank" rel="noopener">tabularasa Magazin</a>,&nbsp;<a href="https://wir-selbst.com/2026/04/26/die-rache-des-philosophen/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a></p>
<p class="Normal">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/">Die Rache des Philosophen</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 12:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2269</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen, sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu opfern, politisch hoffnungslos ist“ Alexandre Kojéve an... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das<br>
fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen,<br>
</span></em><em><span class="tm6">sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale<br>
Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu<br>
opfern, politisch hoffnungslos ist“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Alexandre Kojéve an de Gaulle, 1945</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Manchmal frage ich mich, was wohl schwieriger ist, den<br>
</span></em><em><span class="tm6">&nbsp;Deutschen einen Sinn für Politik oder den Amerikanern ei-<br>
</span></em><em><span class="tm6">nen leichten Dunst auch nur von Philosophie beizubringen“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Hannah Arendt an Karl Jaspers, 1949</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>06/1967: Am 2. Juni wurde in einem West-Berliner Hinterhof der Student Benno Ohnesorg von einem Kriminalbeamten in Zivil durch einen Kopfschuss von hinten aus kurzer Entfernung getötet. Die Tat wurde vertuscht, der Täter freigesprochen. Die junge Demokratie erwies sich als unfähig, das verletzte Recht wieder einzurichten. Der kriegerische Modus der Auseinandersetzung bestimmte auch die Wahrnehmung auf der anderen Seite. Der Schuss wurde als Komplott, als „gezielte Aktion zur physischen Ausschaltung der Opposition“ (Kuby) verstanden. 40 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schütze langjähriges Mitglied der SED und Mitarbeiter der STASI war. Ob er im Auftrag gehandelt hat, ist Spekulation. Am 8. Juni wurde der Leichnam von Benno Ohnesorg mit tatkräftiger Unterstützung der DDR nach Hannover überführt. Die DDR verzichtete auf die sonst üblichen Schikanen und postierte entlang der Strecke tausende FDJ’ler mit „Opfer des Polizeiterrors“ Schildern. Während Ohnesorg am 9. Juni in Hannover im Kreis seiner Familie beerdigt wurde, fand in der Innenstadt ein Trauermarsch statt, an dem sich ca. 7.000 Personen beteiligten. Auf dem abendlichen Kongress „Bedingungen und Organisation des Widerstandes“ sprach Rudi Dutschke der bürgerlichen Demokratie die Legitimation ab, weil sie auf der „geistigen Reduziertheit systematisch entmündigter Massen“ beruhe und erklärte ihr den offenen Krieg, was Jürgen Habermas noch am selben Abend als linken Faschismus qualifizierte. Aus einer politischen und rechtlichen Perspektive hätte Dutschkes Ankündigung, die demokratischen Spielregeln nicht zu akzeptieren und durch seine eigenen zu ersetzen, als Hochverrat gewertet werden müssen. Es war jedoch niemand da, der dem Recht Geltung verschaffte. Mit der Verlagerung in radikal-revolutionäre Klassenkampf-Ideologie war die „Deutsche Frage“ für lange Zeit kalt gestellt.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/1988: Der Bundestagspräsident Jenninger hielt im Parlament eine Rede zum 50sten Jahrestag der Reichspogromnacht und wollte den politisch fatalen Eindruck der verantwortungslosen Weizäcker-Befreiungs-Rede korrigieren. Befreit wurden die Lagerinsassen. Wir wurden besiegt. Die Hexenjagd eröffnete ein Mitglied der Fraktion der Grünen. Wenige Tage später war Jenninger vollständig von der politischen Bühne verschwunden. Nie wieder ist ein führender Repräsentant der Bundesrepublik so schnell und so radikal exkommuniziert worden. Die Auffälligkeit dieses Phänomens habe ich hier interpretiert: </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">03/2010: Der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender wurde von einer Clique um Ministerpräsident Roland Koch (Hessen) aus seiner Position entfernt. Er hatte seinen Redakteuren empfohlen, sich inhaltliche Änderungswünsche von Politikern schriftlich geben zu lassen. In einem öffentlichen Protestbrief warnten mehrere Redaktionsleiter vor der „gefährlichen Einmischung der Politik“. Es war das letzte Aufbegehren. Seither befinden sich die ÖRR im freien Fall und verkommen zu Propagandaanstalten. Das schlechte Gewissen wird mit obszönen Gehältern korrumpiert. Ich hatte seinerzeit meinen GEZ-Beitrag um den ZDF-Anteil reduziert und wollte über den Instanzenweg der Verwaltungsgerichte vor das Oberste Gericht ziehen. Bremens seinerzeit bester Verfassungsrechtler hatte seine Unterstützung zugesagt. Als es ernst wurde, zog er angesichts des Arbeitsaufwandes und seinem bevorstehenden Eintritt in den dritten Lebensabschnitt seine Zusage zurück.&nbsp;</span><span class="tm8">Wenn eine wichtige Herausforderung jeden Einzelnen schnell überfordern würde, schließt man sich zusammen. Das gilt für verlegerische Großtaten, die nur über Subskriptionen realisierbar sind, für Patenschaften, die notwendig sind, um qualifizierten Journalismus zu erhalten und </span><u><a href="https://www.beitragsblocker.de/"><span class="tm8">dort</span></a></u><span class="tm8">, wo man in die Mauer der organisierten Lügen eine Bresche schlagen muss. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">08/2010: Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel erklärte das Buch von Thilo Sarrazin, das sie nach eigenen Angaben gar nicht gelesen hatte, für „nicht hilfreich“ und reihte sich damit in die Tradition der National- und anderer Sozialisten ein, die von oben dekretieren, welche Lektüren erlaubt und welche verboten sind (by the way: meinen Vornamen verdanke ich einem damals in der Sowjetunion verbotenen Buch: Dr. Schiwago von Boris Pasternak). Wer das Lesen von Büchern kontrollieren möchte, kontrolliert auch, wer sich öffentlich zu Wort melden darf. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">03/2011: Mit dem Atom-Moratorium entmachtete Bundeskanzlerin Merkel das Parlament und setzte die Gewaltenteilung außer Kraft. Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz kann auch nur von diesem und nicht per Dekret wieder geändert werden. In Fachzeitschriften sprachen Verfassungsrechtler von einem „Tsunami für den deutschen Rechtsstaat.“ Die </span><span class="tm7">Parlamentarier des Bundestages&nbsp;</span><span class="tm6">beklatschten ihre eigene Entmachtung. Spätestens jetzt war die zweite deutsche Demokratie, was ihre offiziellen Repräsentanten anbelangt, gescheitert. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2014: In ihrer <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/neujahrsansprache-2015-798300" target="_blank" rel="noopener">Neujahrsansprache</a> machte Frau Dr. Merkel deutlich, dass sie das politischste aller Rechte - das Versammlungsrecht - nicht im Sinne des Grundgesetzes interpretiert. Sie forderte die Staatsbürger auf, sich nur mit denen öffentlich zu versammeln, die der Regierung auch genehm sind. Ein allgemeiner Aufschrei über diese schleichende Aushöhlung der Verfassung blieb aus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2015: Der formal unqualifizierte Sozialpädagoge Stefan Kramer wurde zum Präsidenten des Verfassungsschutzes Thüringen ernannt. Er sorgte dafür, dass die frei erfundene Parole „gesichert rechtsextrem“ die öffentliche Meinung entsprechend beeinflusste und auf ein Verbotsverfahren der Opposition vorbereitete.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2017: Ein Feuilleton Redakteur des SPIEGEL reagierte auf die Diskursverengung und sorgte dafür, dass ein Denkanstoß des Soziologen Rolf Peter Sieferle (<em>finis germania</em>) auf der Liste der Sachbücher des Monats des WDR erschien. Johannes Saltzwedel wurde daraufhin, der Skandalisierung um Jenninger vergleichbar, öffentlich hingerichtet, das Buch von Rolf Peter Sieferle zählt seither zu den verbotenen Büchern. Der deutsche Mitläufer kam wieder überall zum Vorschein. Rolf Peter Sieferle schied ein Jahr zuvor durch Suizid aus dem Leben und beklagte in einem Brief die katastrophale Politik von Frau Dr. Angela Merkel, die den „urdemokratischen Mechanismus“ eines Wechsels zwischen Regierung und Opposition „außer Kraft“ gesetzt hat. „Für die Wähler bedeutete dies, dass sie einem totalitär-geschlossenen Block gegenüberstanden, bei dem sie wählen konnten, was sie wollten, ohne dass dies Auswirkungen auf die eigentlich entscheidenden Fragen hatte.“ </span><u><a href="https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/"><span class="tm6">https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">08/2018: Die von einem&nbsp;</span><span class="tm7">anti-faschistischen Aktivisten&nbsp;</span><span class="tm6">aufgebrachte Lüge der „Hetzjagden von Chemnitz“ wurde von der Bundesregierung aufgegriffen und verbreitet, obwohl alle Zeugen vor Ort dem widersprachen. Die schlichte Tatsachenwahrheit, dass ein Landsmann von einem Migranten getötet worden war, wurde durch die organisierte Lüge verdeckt. H.G. Maaßen hatte als einer der wenigen bundesweiten Stimmen den Mut, gegenüber einer offenkundigen Propagandalüge Skepsis zu äußern. Er wurde durch einen willfährigen Funktionär ausgetauscht. Merke: Wer sich offen gegen die Regierungspropaganda stellt, verliert seinen Job. Die Wirksamkeit dieser erzieherischen Maßnahme zeigte sich kurz darauf im Verhalten von RKI und PEI während der „Pandemie“.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/2018: Stefan Harbarth wurde als Richter ins Bundesverfassungsgericht bugsiert. Er sorgte für den gewünschten Tabubruch und brachte eine sozialistische Herrschaftsideologie (Klimaschutz) in eine Verfassung, die aus gutem Grund inhaltlich neutral zu sein hat.</span></p>
<p>10/2019: In einem Interview, das auf <a href="https://www.tichyseinblick.de/meinungen/litauens-ex-staatschef-landsbergis-deutschland-gleitet-ein-drittes-mal-in-den-sozialismus-ab/" target="_blank" rel="noopener">Tichys Einblick</a> erschien, formulierte Vytautas Landsbergis, einer der führenden Köpfe der neben Polen erfolgreichsten politischen Revolution des 20. Jahrhunderts und spätere Staatspräsident Litauens, sein Bedauern darüber, „dass die Deutschen ihre Lektion nicht gelernt haben – aus der Geschichte, aus dem nationalen Sozialismus, aus dem DDR-Sozialismus – und dass sie jetzt offenbar ein drittes Mal in den Sozialismus abgleiten.“ Wie viele andere verhallte auch diese Mahnung ungehört und unverstanden.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2020: Eine demokratische Wahl im Landtag von Thüringen wurde von der Bundeskanzlerin Merkel auf einer Pressekonferenz in Südafrika als „unverzeihlich“ bezeichnet. Die untertänigen Parlamentarier folgten ihrer Führerin und machten die Wahl rückgängig. Zwei Jahre später entschied das BVerfG, dass die Einmischung Merkels verfassungswidrig war </span><span class="tm7">(</span><span class="tm6">Az.2 BvE 4/20, 2 BvE 5/20).</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2021: Die Bundeskanzlerin Merkel ließ „Berechtigungsscheine für Masken“ an alle Bürger verteilen und verwandelte damit unter der Hand ein Verfassungsrecht in ein Zuteilungsprivileg. Ich sandte ihr in einem offenen Brief die Berechtigungsscheine zurück. Ich benötige weder Lebensmittel-, Wohnungs- noch andere Berechtigungsscheine, die mir von der Regierung bei entsprechendem Wohlverhalten zugeteilt werden. </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2022: Die Sachverständigenkommission veröffentlichte ihren nach §5 Abs. 9 IfSG erforderlichen </span><a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/BER_lfSG-BMG.pdf"><span class="tm6">Bericht</span></a><span class="tm6"> zur Evaluation der Pandemiemaßnahmen. Im Abschnitt 7.3.2.7 mit dem Titel Absonderung wurden alle freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die ohne richterliche Überprüfung erlassen wurden, als verfassungswidrig eingestuft. Konsequenzen aus diesem massenhaften Amtsmissbrauch sind mir keine bekannt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">05/2024: in einem </span><u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y_dOFk_HWJg"><span class="tm7">taz Talk zur Klimakrise</span></a></u><span class="tm7"> formulierte eine Vordenkerin der Grünen, Prof. Hedwig Richter, einen bemerkenswerten Satz: „… dass es eine der ganz wichtigen Lehren aus dem 20. Jahrhundert war, also damit beschäftigen wir uns auch ausführlich, dass wir für unsere Demokratie viele, viele Lehren aus dem Nationalsozialismus und aus den Faschismen gezogen haben und eine war eben, auf keinen Fall radikal sein, auf keinen Fall Revolution, ähm für die Sozialdemokratie sowieso eine ganz wichtige Lehre, schon aus dem Kaiserreich sozusagen, dass man in der Demokratie mitarbeiten kann, ohne dass man jetzt das ganze System zerstört und ähm, diese Lehre ist jetzt total hinderlich, also das ist wirklich ne Grammatik aus dem letzten Jahrhundert, weil sie keine Radikalität mehr zulässt“ (ca. ab Minute 13:00). Ich habe mir erlaubt, die Aufforderung von Frau Prof. Richter, heute wieder an der Radikalität von Nationalsozialismus und Faschismus anzuknüpfen, </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/"><span class="tm7">hier</span></a></u><span class="tm7"> zu kommentieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">06/2025: Die SPD nominierte zwei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht. Beide machten kein Hehl daraus, dass sie das Recht als Waffe einsetzen wollen, um das, was sie als das Gute und Notwendige erkannt zu haben glauben, durchzusetzen. Gegen eine der beiden formierte sich öffentlicher Widerstand, sie zog ihre Kandidatur zurück. Die politisch gesprochen weitaus gefährlichere hingegen wurde vom Bundestag gewählt.</span></p>
<p>08/2025: Der Wahlausschuss der Stadt Ludwigshafen entschied am 05.08.2025, den aussichtsreichsten Kandidaten für die kommende OB-Wahl am 21. September 25 von der Wahl auszuschließen. Als Begründung wurden von dem sechsköpfigen Wahlausschuss aus Altparteien unter Vorsitz der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (Ex-SPD) Zweifel an der Verfassungstreue des Kandidaten angegeben. Das umgehend veröffentlichte 11-seitige Gutachten des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz enthielt keinerlei belastbare Indizien für derartige Zweifel. Es handelte sich daher bei der Entscheidung des Wahlausschusses um einen eindeutigen Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, vulgo Hochverrat.</p>
<p>10/2025. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt soll privaten Rundfunk und Telemedien im Hinblick auf Jugendmedienschutz, journalistische Sorgfaltspflicht, Werbung und Impressumspflicht beaufsichtigen. Am 21. Oktober 2025 erlies Sie einen <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2025-10-21-nlm-bescheid.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Bescheid</a> gegen den unabhängigen Journalisten <a href="https://www.alexander-wallasch.de/" target="_blank" rel="noopener">Alexander Wallasch</a>, beanstandete mit durchsichtigen Begründungen einer verletzen „journalistischen Sorgfaltspflicht“ drei Beiträge, verhängte ein Zwangsgeld von 500,00 € pro Beitrag plus einer Verwaltungsgebühr von 2.500,00 €. Solche Übergriffe setzen massenmedial mobilisierte Denunzianten voraus. Die 38-seitige <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2026-01-19-begruendung-klage-nlm.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Klageschrift</a> des Verteidigers von Herrn Wallasch, RA Dirk Schmitz, sieht in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen zentrale Grundrechte unserer Verfassung, Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG (Presse- und Medienfreiheit), Art. 5 Abs. 1 S. 3 GG (Zensurverbot),&nbsp; Art. 20 Abs. 3 GG, (Bestimmtheitsgebot), Art. 5 Abs. 2 GG (Verhältnismäßigkeit), Art. 3 Abs. 1 GG (Gleichbehandlung). Nach der Entfernung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (siehe 10/2010) ist dies der eindeutige Versuch, mit der Verhängung von Zwangsgeldern jede Art von unabhängiger privater Berichterstattung zu unterbinden. <span class="tm7">Das Vorgehen bestätigt die </span><u><a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/j.-d.-vance-die-muenchener-rede-des-us-vizepraesidenten-im-wortlaut/100107881.html"><span class="tm7">Aussage</span></a></u><span class="tm7"> von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz: „In Großbritannien und ganz Europa, so fürchte ich, ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug.“</span></p>
<p>ohne Anspruch auf Vollständigkeit .…</p>
<p>======</p>
<p>publiziert auf: <a href="https://globkult.de/politik/deutschland/2489-meilensteine-auf-dem-marsch-in-den-dritten-sozialismus" target="_blank" rel="noopener">GlobKult</a>, eine frühere Fassung erschien auf <a href="https://reitschuster.de/post/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/" target="_blank" rel="noopener">Reitschuster.de,&nbsp;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>6</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mütter werden behindert</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2025 05:19:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2247</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mütter sind genial. Sie können nicht nur Kinder in ihrem eigenen Körper heranwachsen lassen und gebären; sie sind nicht nur in der Lage, neues Leben in unsere geriatrischen Gemeinwesen zu bringen; sie können nicht nur völlig hilflose Schreibabys in ihr... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/">Mütter werden behindert</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Mütter sind genial. Sie können nicht nur Kinder in ihrem eigenen Körper heranwachsen lassen und gebären; sie sind nicht nur in der Lage, neues Leben in unsere geriatrischen Gemeinwesen zu bringen; sie können nicht nur völlig hilflose Schreibabys in ihr eigenes Leben führen, dass diese schließlich selbst Windeln wechseln. Mütter sind bereit, Schlaf und Gewebespannung für unsere zukünftigen Genies zu verlieren. Zu all dem sind sie, neben ihrem normalen Beitrag als Frau in der Gesellschaft, fähig. Was ist der Dank? Eine Gratisschippe voller Schuldgefühle und einen Blumenstrauß an Ermahnungen und Bevormundungen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9"><a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-2249" src="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial-199x300.jpg" alt width="199" height="300" srcset="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial-199x300.jpg 199w, https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial.jpg 345w" sizes="(max-width: 199px) 100vw, 199px"></a>&nbsp;</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Mutter-Bashing is opportun</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Anstatt die Leistungen der Mütter zu ehren, ist Mutter-Bashing en vogue. Selbst die kleinen Kinder haben es mitbekommen und ich höre täglich in der Praxis wie kleine - zuweilen noch nicht einmal trockene - Kinder ihre Mütter öffentlich auszählen und herunterputzen. Sie erklären, auch vor anderen, welch schlechte Mutter ihre einzige und „good enough mother“ (Donald Winnicott) ist. Mutter-Bashing is opportun. Oft reagieren Mütter mit Scham und Schuldgefühlen; und lassen sich diese Entwertung von den großen und kleinen Kritikern gefallen. Mütter kennen das: Wer Mütter kritisiert und entmündigt wird gut bezahlt und ist für eine journalistische oder akademische Karriere prädestiniert. Das ist schon seit einigen Jahrzehnten so. Neu ist aber: Mütter gehen mit sich selbst und anderen Müttern heftig ins Gericht und das Zentralkomitee der perfekten Mutterschaft tagt ständig und ist dicht mit Müttern besetzt. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Liebe, Dankbarkeit, Neid</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Einige von denen, die Mütter bashen, sind gleichzeitig diejenigen, die jede mögliche Gelegenheit nutzen, den Einfallsreichtum von Müttern zu stehlen. Bisher waren die Versuche, Mütter zu ersetzen, mäßig erfolgreich. Das Entwicklungsziel der Ambivalenzfähigkeit und Dankbarkeit (Melanie Klein) wird auch durch noch mehr Heil- und Sozialpädagogen in Kndergärten und Schulen nicht erreicht, wenn die Basis der Intervention das Mutter bashing ist.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Fähigkeiten der Mütter werden von jenen, die nie Mutterliebe erfahren haben, mit Neid betrachtet. Insbesondere der sozialistische Erziehungsstaat hält den Daumen auf die Mütter, da er die „<a href="https://www.achgut.com/artikel/die_lufthoheit_ueber_den_kinderbetten" target="_blank" rel="noopener">Lufthoheit über die Kinderbetten“</a> (Olaf Scholz) erlangt hat. Die Botschaft der Heerscharen an Sozialarbeitern, die heute unsere Bildungseinrichtungen unterminiert haben, lassen kaum eine Gelegenheit aus, Müttern klar zu machen: „Du bist ersetzbar“.&nbsp; Der stärkste Mutterersatz, der sich - seit der Französischen Revolution - in das Mutterteam drängt, ist ein mächtiger Akteur mit einer starken Botschaft: Der Wohlfahrtsstaat ist die beste Mutter!</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Ob ein sozialdemokratischer Parteivorsitzender und Herrscher der Lüfte auch am Bett meines fiebernden und sich übergebenden Sohnes sitzen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die wohlfahrtsstaatliche Mutter arbeitet in Maschinensprache, bürokratisch regulativ und mit Fernsteuerung. Nichts davon braucht ein Kind. Geduld und Liebe zur kindlichen Kotze ist außerdem noch kein Staatsziel. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Kinder im freien Fall</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Während der mütterliche Staat die echten Mütter ersetzen will, sprechen die Ergebnisse für sich. Die Mutter-Imitate und Mutter-Ersatzprodukte haben kläglich versagt. Anstatt aus Kindern normale und gesunde Menschen zu machen, werden diese völlig hängen gelassen. Jahr für Jahr geht es ihnen daher schlechter. Anstatt selbstkritisch das eigene Versagen zur Kenntnis zu nehmen, werden Mütter auf die schlimmste Art und Weise, die eine Mutter kennt, geschwächt. Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen wiegeln Kinder gegen ihre Mütter auf. Der Sozialstaat wirft sich in die Pose des Kinderschützers und Verteidigers der infantilen Rechte. In der Perspektive des Erziehungsstaates gelten Kinder als die die am wenigsten geschützte Gruppe. Daher sollten sie endlich alle Segnungen des Wohlfahrtsstaates erhalten, der sie vor - wem wohl? - den Eltern schützt. Wer in den Zeiten der Pandemiepolitik den Quarantänebescheid für das eigene Kind mit der Drohung des Kindesentzuges gelesen hat, weiss wie weit der „Schutz“ des Wohlfahrtsstaates gehen kann. Die ständige Drohung mit Kindesentzug ist die hinterhältigste Seite einer Zermürbungstaktik, die ans Eingemachte der Mütter und Väter geht. Wer diesen, oft verdeckten, Drohungen entgegentritt erlebt seltsames. Einerseits wiegeln Sozialarbeiter dann ab - Mann und Frau stehen dann blöd da und werden wie hysterisch gewordene Eltern behandelt. Andererseits kommt es ebeos oft vor, dass die pädagogische Institution oder der behandelnde Arzt im Krankenhaus Klartext redet und deutlich macht, dass Eltern - wenn es hart auf hart kommt – nichts zu melden haben.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Diese Androhung, dem starken Vater sein Kind zu entziehen, ist die Parallelaktion zur Mütterentwertung. Dem Hinweis des Staates, dem Vater könne sein Kind entzogen werden, kommt die symbolische Kastration des Mannes im Vater gleich: Ein Mann der seine eigene Brut und Frau nicht schützen kann ist kein Mann. Erinnert sich noch jemand an die Sofa-Helden der Pandemie: jene Männer, deren Heldenmut darin bestand, sich selbst und ihre Familie in vorauseilendem Gehorsam in Quarantäne zu nehmen? Das waren die glücklichen, selbst-kastrierenden Männer, die der Staat den behinderten Müttern zur Seite stellt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Aufwachsen als Ausnahmezustand?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Kinder gegen Mütter und Eltern aufzuwiegeln zerstört die Lebensgrundlage und die Ökosphäre der Kinder, die Familie. Während Mütter auf allen Kanälen und Plattformen demontiert werden, bekommen Kinder „Rechte“, die nur - wer wohl? - der Staat garantieren kann. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Im März 2025 war in der Online-Ausgabe von „Die Welt“ die Überschrift zu lesen: „<a href="https://x.com/welt/status/1904162682925928865" target="_blank" rel="noopener">Vorstellung, Eltern könnten Ihre Kinder wirksam vertreten, kaum noch haltbar</a>“. Das war das Zitat eines Professors dessen Lehrstuhlkombination so waghalsig klingt wie seine Forschungsergebnisse: „Erziehungs- und Migrationswissenschaft“. Der Artikel beginnt mit der Behauptung, dass Kinder eine Minderheit ohne Schutz sind, die im Ausnahmezustand des Aufwachsens leben. Wer nun, nach den Erkenntnissen der Erziehungs-, Umerziehungs- und Umzugswissenschaften, Schuld am Unverständnis-Notstand ist, liegt auf der Hand: Eltern haben sich einfach zu weit von der Realität ihrer Kinder entfernt. Ein Schalk, der fragt: Wie konnte es nur zu einer solchen Entkopplung der Lebensbereiche in einem Land kommen, das kein staatliches Erziehungsprogramm ausgelassen hat und keine Gelegenheit verpasst hat, die Ideologie der Bindungstheorie heilbringend und flächendeckend umzusetzen. Offenbar fehlt aber noch der letzte Streich beim Putschversuch des Kinderparlaments: Kinder an die Macht!</span><span class="tm7"> Der</span><span class="tm7"> Staat wird demnächst nicht nur die Rechte der Kinder schützen, sondern auch das neue Recht des Menschen, verstanden zu werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Böckenförde-Dilemma der Mutter</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die moderne Mutter scheitert an der mütterlichen Version des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Böckenförde-Diktum" target="_blank" rel="noopener">Böckenförde-Dilemmas</a>. Sie lebt von Grundannahmen, die sie selbst - nicht mehr - erschaffen kann. Ihr Dilemma besteht darin, dass sie jene gemeinsamen Werte, die eine Mutter unterstützen, weder in sich, im Kind noch im gesellschaftlichen Umfeld erzeugen kann. Die Kultur, in der sich Mütter um ihre Kinder kümmern, hat sich vollkommen verändert. Kinder werden von der sozialpädagogischen Propaganda-Wissenschaft und vom Sozialstaat wie mündige Erwachsene behandelt, während die</span> <span class="tm7">Erwachsenen wie Kinder erzogen werden. Eine Mutter soll ihr maximal abhängiges und inkompetentes Baby zu einem verantwortungsvollen, an der Realität orientiertem und interessierten Erwachsenen erziehen und zugleich einer Ideologie und Kultur zustimmen, die:</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- Mütter entwertet und Kinder gegen Eltern aufwiegelt,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- schwachen Vätern die Rolle der besseren Mutter zuschiebt,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- Kinder „auf Augenhöhe“ inthronisiert und Rechte zuspricht, die nur der Staat garantieren kann,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Deshalb stellen wir zur Verteidigung der Mütter fest: Mütter werden behindert.</span></p>
<p class="Normal tm6">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/">Mütter werden behindert</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Glücklicher Du</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 08:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2215</guid>

					<description><![CDATA[<p>In unserer Hafenstadt küsst dich der Wind, Unsere Wale, unsere Zwerge, alle tanzen, wenn ein Kind erwacht Wir schaukeln und singen, im Bauch und in tiefer See Heute wie damals in Ninive Jona winkt, uns zu sich Glücklicher Du, weißt... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/">Glücklicher Du</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Hafenstadt küsst dich der Wind,<br>
Unsere Wale, unsere Zwerge,<br>
alle tanzen, wenn ein Kind erwacht<br>
Wir schaukeln und singen,<br>
im Bauch und in tiefer See<br>
Heute wie damals in Ninive<br>
Jona winkt, uns zu sich</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Ich wache auf, Augen sperrangel weit offen,<br>
sehen kann ich nichts, kein Wunder<br>
meine Geburt, Anfang und Ende.<br>
Da küsst wer - ich weiss wer es ist -<br>
meine Äpfel, ihre keimenden Triebe<br>
meine Tränen, ein Ozean der Liebe.<br>
Meine Güte, was soll mir schon passieren</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Der trübe Blick lichtet sich<br>
ein Geist der Leben erschafft<br>
ein Hauch, kein Rauch<br>
eine Schöpfung ohne Opfergeruch.<br>
In Stadt und Land, es wird gesungen<br>
tröstlich und gnädig, aus allen Lungen<br>
berührbar und mutig, sie finden sich</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Auf Bauten, über Brücken<br>
In Gondeln und gigantischen Schiffen<br>
Gezeter und Geschrei,<br>
Scharren und Knarzen<br>
der knurrende Magen einer hungrigen Nation<br>
gestillt an der Fülle der letzten Generation</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Kräftige Hände zerren, zarte Füsse<br>
über stolpernde Steine, die Gebeine<br>
wie Flügel schwingen, Engelsstimmen erklingen<br>
auf offenen Fluren, Steinway auf dem Highway<br>
eine Hymne, vom größten gemeinsamen Nenner<br>
in allen Sprachen, auf hohen Hacken und barfuß als Penner<br>
heilende Geistesblitze, einen Freunde und Feinde</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Ein Knallen und Blitzen, die Gemüter erhitzen.<br>
Ein Schrei aus der Wunde, der Kluft die klafft,<br>
Chirurgen rennen, elegant zu trennen,<br>
Wunder und Feuer, die in allen brennen.<br>
Ein Türknall der Geschichte, in der Seele ein Hall<br>
das unsichtbare Band, übersteht den Brand<br>
Gott sei’s gelobt, Wunden und Menschen sind verbunden</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Sie tanzen in Trachten, auf Plätzen und Krachten<br>
werfen sich, die Arme hoch, fangen mich<br>
das Knie beschwingt, in die Himmel dringt<br>
die Stadt, zwischen zwei Meeren und Heeren<br>
Im Wechsel der Zeiten und Gezeiten<br>
Trägt das alte Gesetz in alle Weiten:<br>
Im Lieben die Kraft, die den Wandel schafft.</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist<br>
__________<br>
Copyright: Peter Levin &amp; Valbona Ava Levin, Hamburg, 2025.<br>
Public Domain: Frei verfügbar, für alle, die guten Willens sind.<br>
Geschrieben<br>
- für jene, die Mut haben<br>
- und jene, die Ermutigung brauchen:<br>
1: Veränderung ist gut, schön und aufregend!<br>
2: Ein Leben ohne Mauern: was sonst!<br>
3: Wer gemeinsam singt und tanzt braucht keine Angst vor Bränden und Katastrophen</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/">Glücklicher Du</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 09:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2121</guid>

					<description><![CDATA[<p>Eine Hommage an Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt Kattowitz In Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="Normal tm6"><span class="tm7">Eine Hommage an </span><span class="tm7">Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt </span><span class="tm7">Kattowitz</span></h3>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">In </span><span class="tm9">Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam auch der polnische Papst Karol Wojtyla zur Welt und erwarb dort seinen freiheitlichen Charakter. Und in Kattowitz startete </span><span class="tm9">Greta Thunberg ihre internationale Panik-Show. Beim Treffen der </span><span class="tm9">Propheten und Profiteure des Untergangs war auch Al Gore als Prototyp des Politikers und Katastrophen-Wissenschaftler dabei. Das war im Dezember 2018 und ein Jahr später lief schon die nächste Panik-Show, in der das Zeitalter der Verklärung zu Ende geht. Es gab Ankündigungen und wir wussten natürlich, dass das Herz vieler Klima-Aktivisten nicht nur für Mutter Erde schlug, sondern auch für ihre eigene, totalitäre Machtergreifung. Daher war es nicht Gretas </span><span class="tm9">Herz für Gaza, die das Ende der Verklärung einläutete, sondern </span><span class="tm9">die Freude der Klima-Aktivisten am Zerstörungswerk der globalen Politik der Pandemie. </span>Ausgerechnet in Kattowitz wurde dieser Zeitenwandel angekündigt. „Katowice for a change“ heißt die Werbekampagne der polnischen Stadt, der historischer ausfstieg ganz im Zeichen der Kohle stand: Mal was Neues - Kattowitz!</p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Verliebten </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Irgendwo müssen wir die zu Ende gehende Geschichte beginnen lassen und ich setze mit dem Jahr 1964 ein, das den Gipfel der Nach-Kriegs-Euphorie durch Kinderreichtum markiert hat. John F. Kennedy wurde im November 1963 ermordet und die Gemüter brauchten Leichtigkeit und Frohsinn, schrille Farben und Feuerwerk. Das neue Jahr begann mit der deutschen TV-Premiere von „Dinner for One“. Verliebt war diese Generation in die Beatles und Schlager, die das Leben feierten. Nach fast 20 Jahren konzentrierter Schaffenskraft und sachlicher Rechtschaffenheit waren die Menschen offen für intensive Gefühle, auch für die Liebe. Ihr Lieblingstier war der Schmetterling, der für Wiedergeburt und für globale Effekte lokaler Bewegungen stand. Mit Edward Lorenz‘ Chaostheorie wurde dieses geflügelte Insekt zum Sinnbild der guten und schönen Ordnung („butterfly attractor“). Kein Wunder also, wenn in dieser Zeit auch die marginalsten Befreiungsbewegungen, von Che Guevara Im Westen bis zur PLO im Nahen Osten, auch ihre Anziehungskraft (Attraktion) entwickelten. Die Befreiung des nahe gelegenen Ostens, der Länder des Ostblocks, lag dieser Generation vergleichsweise fern. Kattowize kannten vor allem die Flüchtlinge aus dem Osten. Die revolutionären Subjekte dieser Generation kämpften in den Entkolonialisierungskriegen auf der ganzen Welt. Ihr katastrophales Subjekt war eine neue Kategorie, um die sich bis dahin kaum jemand gekümmert hatte: „die Menschheit“.</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">Ich schlage vor, die letzten beiden Generationen als </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verliebten (1964 bis 1994) und </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verklärten (1994 bis 2024)</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">zu bezeichnen. Die Generation der Verklärung tritt gerade von der öffentlichen Bühne ab und es wird spannend zu sehen, ob die nächste Generation mit enttäuschtem Desinteresse reagiert, oder ob sie den Mut aufbringt, das Bröckeln des Heiligenscheins willkommen zu heißen. Gerade weil der äußere Glanz der Verklärung erlischt, kann in einer momentanen Verdunkelung wieder Selbstaufklärung als innere Erhellung entstehen. Falls Ihnen, liebe Leser, diese Sprache zu religiös oder blumig daherkommt, gebe ich zu bedenken: Verstehen Sie den Wahnsinn der Wirklichkeit noch mit den Mitteln des normalen Menschenverstands oder der natürlichen Wissenschaftlichkeit – also durch Lernen aus Erfahrung? Ich komme hier täglich an Grenzen und greife deshalb auf fundamentale Worte zurück, die mir noch geeignet erscheinen, die Realität zu beschreiben: Liebe und Hass, Hoffnung und Enttäuschung, Mut und Gefahr, Kairos (Glücksmoment) und Katastrophe, Gastfreundschaft und Dankbarkeit, Verführung und Schuld, Böses und Dämonisches, Freund und Feind, Geburt und Tod. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Zeit der Verklärung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">War die Studentenbewegung anfangs der 60er Jahre eine „letzte Liebeserklärung“ (Klaus Heinrich) an den Anspruch einer Universität, Selbstbestimmung mit der Selbstaufklärung der Gattung Mensch zu verbinden, versank sie spätestens ab 1967 in der Selbstverliebtheit. Der Anspruch auf Selbstaufklärung wurde als erster zu Grabe getragen. So konnte sich Verliebtheit nicht zur Liebe entwickeln und die Bewunderung schlug in Verklärung um. In der Verklärung hängen wir dem Objekt des Begehrens einen Heiligenschein an, der dann uns - von außen – erwärmt und anstrahlt. Dann können wir uns trotz innerer Leere für etwas begeistern und es fühlt sich an als ob wir selbst leuchten. Heute scheinen nur noch wenige, den Unterschied zwischen innerem Leuchten und äußerer Bestrahlung zu kennen. Aber dieser Unterschied wäre heute wichtig, denn wer von innen strahlt kann viel weniger durch Propaganda verstrahlt werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Früh bahnte sich in den Verliebten eine Wende in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an. Die noch in den Kinderschuhen steckende Beschäftigung mit den Verbrechen in den Zeiten totaler Herrschaft wurde zugunsten ökonomisch-marxistischer Theorien aufgegeben. Als Hannah Arendt 1964 bei Günter Gaus ihr <a href="https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw" target="_blank" rel="noopener">berühmtes Interview</a> gab, hatte die Auseinandersetzung mit der Erfahrung der Selbstabschaffung der bürgerlichen Mitte gerade erst begonnen. Die studentische Protestbewegung war aber schon dabei, ihre anti-bürgerlichen und anti-republikanische Liebäugelei in eine handfeste Schlagseite auszubauen. Arendt wusste aus eigener Erfahrung, wie leicht es den Nationalsozialisten gelang den republikanisch-demokratischen Widerstand einzuverleiben oder auszuschalten. Das bürgerliche Lager hatte 1932 „die sozialistische Entscheidung“ (Paul Tillich) für ein Bündnis gegen Selbstzerstörung verschlafen oder verweigert; die Anbiederung an die Kräfte des Nationalsozialismus und Internationalsozialismus hat sie nicht vor deren Terror bewahrt. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die verliebte Generation flirtet heute immer noch mit den Kräften des Internationalsozialismus. Das hat – wie wir heute deutlich erkennen können - ihren Realismus und ihre Liebesfähigkeit sehr gestört. Enttäuschungen waren vorprogrammiert.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9"> </span><strong><span class="tm10">Erste enttäuschte Liebe</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft ist es die erste große Liebe, die eine Biografie prägt und die Verliebten hatten einen besonders schweren Anfang. Ihre erste große Liebe galt einem katastrophalen Subjekt, der Menschheit. Diese war eine Verführung und eine tickende Zeitbombe. Wer sich in sie verliebte, wurde in den Strudel lustvoller Selbstzerstörung gesogen. Die Menschheit galt damals als extrem suizidgefährdet. Das Ehepaar Anna und Paul Ehrlich veröffentlichte 1968 ein Buch über die explodierende Bevölkerungsbombe („The population bomb“), das die Faszination und Obsession dieser Generation mit der Menschheit auf den Punkt brachte. Die beiden hatten an Schmetterlingen geforscht und ihre Erkenntnisse auf die Menschheit übertragen. Paul war promovierter Insektenforscher an einer renommierten US-amerikanischen Universität. Bei der Recherche zu Annas akademischer Karriere begegnen wir einem heute wohlbekannten Phänomen: es findet sich fast nichts Handfestes, dafür aber eine lange Liste an staatsfinanzierten, politischen Gremien in denen sie aktiv war. Die Ehrlichs sahen nicht nur Afrika und Indien durch den Zuwachs menschlicher Subjekte in Armut versinken; Paul Ehrlich prophezeite zudem, dass die 7-Millionen-Stadt London im Jahr 2000 verschwunden sein wird. Das provozierte den Ökonomen Julian Simon. Dieser schlug eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Simon–Ehrlich_wager" target="_blank" rel="noopener">Wette</a> vor, die Ehrlich annahm und auf ganzer Linie verlor. Simon widersprach Ehrlichs Unterstellung, dass sich der Preis für wichtige Grundelemente der industriellen Produktion massiv verteuern werde. Simons Vorhersage war: vorausgesetzt es gibt keine staatlichen Preiskontrollen, werden diese Materialien billiger, nicht teurer. Tatsächlich waren 10 Jahre später die Weltmarktpreise für Kupfer, Chrom, Nickel, Zinn und Wolfram gefallen und die Stoffe im Durchschnitt um mehr als ein Drittel billiger. Wer nun denkt, dass Simon durch seine Wette zum Millionär oder zumindest zum Wirtschaftsberater der Regierung ernannt wurde, hat die Zeichen der damaligen Zeit nicht mitbekommen. Wissenschaftler, die korrekte Vorhersagen machen, haben zwar die Grundlagen ihres Faches verstanden, eignen sich aber nicht so sehr für politische Kampagnen und für die Politisierung ihrer Wissenschaft. Das zeigt die Karriere von John Haldron, dem späteren Co-Autor von Paul Ehrlich. Dieser war aus der Astronautik in die irdischen Gefilde der sexuellen Reproduktion der Gattung gewechselt. Dieser ungewöhnliche Sprung aus der kalten Ruhe und Einsamkeit des menschenleeren Kosmos ins laute Gewimmel einer zeugungsfreudigen Menschheit wurde entsprechend belohnt. Zuerst war Haldron Wissenschaftsberater bei Präsident Clinton, dann „Wissenschafts-Zar“ </span><span class="tm9">(Director of the Office of Science and Technology Policy) bei Präsident Obama. Wer politisch genehme Wissenschaft produziert, bekommt politische Posten zugeschoben. Haldron wurde dabei noch nicht einmal zum Fallstrick, dass er in den 70ern mit Ehrlich zusammen allzu laut über die Durchsetzbarkeit der wünschenswerten Ein-Kind-Politik, über Sterilisation durch Trinkwasser und über Zwangs-Adoptionen und Zwangs-Abtreibungen nachgedacht hat. Wenn die Wissenschaft die Welt retten soll, darf sie eben nicht zimperlich sein. Sie muss dem Sog in </span><span class="tm9">die lustvolle Selbstzerstörung auch gegen bessere Einsicht und den Einbruch der Realität nachgeben. </span><span class="tm9">London steht immer noch, die Armut nahm in den letzten 40 Jahren deutlich ab, während die Menschheit weiter zunahm.</span><span class="tm9"> Die Verliebten waren vom Objekt der Begierde (der Menschheit) enttäuscht und reagierten wie Verliebte das eben tun, wenn Hingabe und Liebe zurückgewiesen wird. Sie zetern, jammern, klagen und klagen an, bashen und stalken.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das katastrophale Subjekt wird revolutionär</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zum Glück für die Enttäuschten stand der selbstmörderischen Menschheit das Selbstbestimmungsrecht der Völker zur Seite. Die unterdrückten Völker der Erde wurden zur Rettung der Menschheit angerufen. Sie sollten die hemmungslose Selbstverwirklichung der Einzelnen, die Befreiung vom Kolonialismus und die Selbsthemmung der sexuellen Reproduktion der Gattung verbinden. Das war möglich, indem das katastrophale Subjekt revolutionär wurde. Katastrophal und revolutionär – das ist harter Tobak und gelang nur wenigen. In dieser Zeit begann die Verklärung, und der Terror.</span> <span class="tm9">Die erzwungene Entschärfung der Populationsbombe fand ihre Entsprechung im Selbstmordattentat für die Selbstbestimmung der Völker. Das Selbstmordattentat wurde zum </span><span class="tm9">Kennzeichen der verliebten Generation. Es ist eine sinnlose Zerstörung und Selbstzerstörung mit einer einfachen aber zynischen Botschaft: Wenn die Verdammten dieser Erde sich schon nicht selbst retten können mögen sie wenigstens den Planeten von ihrer störenden Anwesenheit befreien. Oder dann wieder ganz praktisch im terroristischen Befreiungskampf: Da wir euch sowieso ins Meer treiben, könnt ihr auch aufhören euch zu vermehren. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Immer wieder gibt es Hinweise auf eine deutsche Besonderheit was die Radikalität des katastrophalen Subjekts angeht. Offenbar gehört es auch zum nationalen Charakter beim Selbstmord Unbeteiligte mit ins Verderben zu ziehen. Der Anlass zur Vergemeinschaftung in der Selbstzerstörung kann neben der Weltrettung auch die individuelle Depression sein. Die sicherste Fluggesellschaft der Welt ist offenbar nur so sicher wie der depressivste ihrer Piloten. Warum jemand in seinem Elend gleich das voll besetzte Flugzeug mit in den Abgrund nimmt, bleibt ein zu verstehendes Rätsel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das Lächeln der Kinder und die Selbstreproduktion der Gattung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft wurde </span><span class="tm9">das Selbstmordattentat - </span><span class="tm9">angesichts der Abwesenheit realer Strategien und erreichbarer politischer Ziele </span><span class="tm9">– zur Fortsetzung des Befreiungskampfes als Bevölkerungspolitik. Es geht beim Selbstmordattentat nicht darum, eine bestimmte Forderung durchzusetzen. Es geht darum, den Gehassten die Lust und die Freude am Leben und - stellvertretend dafür - am Kinderkriegen und Kinder groß ziehen, zu nehmen. Die Logik ist allen Eltern klar: So viel Aufwand und Einsatz, um Kinder auf die Erde und ins Leben zu bringen; all das, um dann zu spüren, dass andere das eigene Glück so sehr stört, dass ihnen alle Mittel recht sind, einem das Leben zu vermiesen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die diversen </span><span class="tm9">Palästina-Befreiungs-Organisationen liefern hier anschauliche Beispiele. Sie wollten den Juden in Israel und auf der ganzen Welt das Leben so schwer machen, dass sie das tun was sie selbst als die größte Katastrophe empfinden, die eigene Heimat verlassen. Da ihre militärische Stärke die direkte Konfrontation nicht zuließ, wählten sie Angst und Schrecken. Der Terror im eigenen Haus sollte </span><span class="tm9">den Israelis die Lust an der Erhaltung des Hauses und an der Reproduktion nehmen. Jene, die beim Anblick des Lächelns ihrer Kinder schon glücklich sind, müssen aushalten, dass Eltern bereit sind, das Lächeln ihrer eigenen Kinder dafür ein zu tauschen, anderen die Freude am Kinderkriegen zu vermiesen. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Steigerung des Terrors im Selbstmordattentat</span><span class="tm9"> signalisiert die Bereitschaft des revolutionär-katastrophalen Subjekts sich selbst zu opfern, um den anderen das Überleben zum Albtraum zu machen. Kaum ein Volk verkörpert das katastrophale Scheitern dieses Versuchs dramatischer als die Palästinenser. Heute, 60 Jahre nach der Gründung der Palästina-Befreiungs-Organisation (PLO) ist das Gegenteil von dem eingetreten was die PLO angestrebt hatte. Das Leben der meisten Palästinenser ist ein Albtraum. Israel ist das geburtenreichste Land (3,5 Kinder pro Frau) der westlichen Welt; es strotzt vor Lebenswille; während jeder getötete, junge Soldat in den israelischen Medien mit vollem Namen und Siegerlächeln gezeigt wird, ist die PLO vergreist und die jungen, palästinensischen Männer kämpfen und sterben namenlos und maskiert im Tunnel. Von außen betrachtet: Für welches Land will ein junger Mensch leben und sterben? Jede Anstrengung, jeder Kampf und jede Armee braucht ab und zu das Schild: Mission accomplished! (Mission erfüllt!). Was aber ist die Mission der Palästina-Befreiungs-Organisationen? Die PLO wurde 1964 auf Druck arabischer Staaten gegründet und ihre Mission war von Anfang an fragwürdig: Wer sollte eigentlich befreit werden? Sollte die PLO eine Volksgruppe befreien, deren Mehrheit in den arabischen Staaten lebte? Sollte die PLO, die von Ägypten und Jordanien besetzten Gebiete (Gaza, West-Jordan-Land) befreien? Oder sollten die PLO die „Befreiung“ des gesamten Mandatsgebietes Palästina von Juden erwirken, also die 1948 von den arabischen Nationen vermasselte Zerstörung Israels erneut versuchen? </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">1964 ist lange her und manche der arabischen Geburtshelfer von damals distanzieren sich von ihrer eigenen Kreation. Kein Wunder, denn die Geburtsfehler von 1964 haben sich inzwischen zur häufigsten, nicht-natürlichen Todesursache entwickelt. Die Geschichte der PLO zeigt exemplarisch, wie die selbstverliebte Umdeutung der eigenen Geschichte zum Befreiungskampf eine ganze Generation und Region in den Abgrund ziehen kann. Das gilt insbesondere dann, wenn das Böse immer nur im Anderen zu finden ist und dadurch die Fähigkeit zur Politik und zum Kompromiss gänzlich auf der Strecke bleibt. Und sie zeigt auch die Bedeutung hoher Geburtenraten und der damit einhergehenden Geschlechterbeziehung in einem Freiheitskampf, der bereit ist die kommende Generation zu opfern. Nach 60 Jahren haben wir eine „explodierende Bevölkerungs-Bombe“ im doppelten Sinne. Über 50% der Bewohner von Gaza und der Westbank sind unter 20 Jahre und haben kaum eine Aussicht auf ein normales Leben mit Kindern. Die Bereitschaft der Führung und Anhängerschaft die eigenen Söhne als Selbstmord-Bomben oder als „Bombenfutter“ zu verheizen, wäre aber ohne die hohe Geburtenrate nicht zu halten.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Geschichte der Palästinenser ist ein trauriges Beispiel für die ideologische Erbarmungslosigkeit, mit der diese Generation ihre eigenen Kinder für edle Ziele verkauft. Eine Kritik dieser Bereitschaft, die eigenen Leute selbst für kurzfristige Erfolge zu verheizen, ist nahezu unmöglich. Wer Selbstmord als Politik öffentlich kritisiert, ist entweder übermütig oder suizidal. Durch die Verklärung der Selbstmörder zu Märtyrern in den islamistischen Nachfolge-Organisationen, der Hamas und des Palestine Islamic Jihad (PIJ), ist die öffentliche Diskussion dieser selbstzerstörerischen Politik praktisch unmöglich. Gewalt und Terror ohne Politik hat auch im Falle der PLO dazu geführt, dass das zu befreiende Subjekt (die Palästinenser) zu den bedauerlichsten Objekten der Geschichte des 21. Jahrhunderts geworden sind. Sie bringen sich selbst und jenen, die sich für sie einsetzen kein Glück. Heute wissen die arabischen Regierungen der Region aus eigener Erfahrung: palestinians are bad luck. Die Invasion Israels durch den arabischen Widerstand (Hamas) hat dazu geführt, dass heute (Dezemebr 2024) die arabischen Nationen kaum noch etwas zu melden haben, wenn es um die Zukunft der Region geht. Im Moment sieht es so aus, als würden die drei nicht-arabischen Nationen im Nahen Ostens den Ton angeben: Iran, Türkei, Israel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Terror und Gastfreundschaft </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zuerst hat die PLO es sich mit ihrem Gastgeber Jordanien verdorben und wurde rausgeworfen. Den Staat der nächsten Zufluchtsstätte (Libanon) hat sie destabilisiert und musste sich daher 1982 erneut eine neue Bleibe suchen. Als der Anführer des Befreiungskampfes, Jassir Arafat, </span><span class="tm9">1990 Saddam Hussein umarmte, nachdem dieser gerade seinen arabischen Nachbarn und vielfachen PLO-Unterstützer in Kuwait überfallen hatte, deportierte Kuwait nach dem Abzug der irakischen Armee kurzerhand die in Kuwait lebenden Palästinenser. Von den ca 400.000 Palästinensern, die vor dem Überfall 1990 in Kuwait lebten waren am Ende kaum noch 20.000 übrig. Ein Massenexodus und eine Deportation - 200.000 in einer Woche. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die PLO brachte den Palästinensern ebenso wenig Glück, wie ihren Asyl- und Gastgebern. Am Ende blieb ihr nur noch der verzweifelte Versuch, bei den Objekten ihres Befreiungskampfes selbst um Zuflucht zu bitten. Durch die Oslo-Verträge konnte die PLO (endlich?) bei ihren Schwestern und Brüdern in der Westbank und in Gaza ihren Platz finden. Aber selbst das war nicht vom Glück geküsst. Nachdem die PLO dann noch 2000/2001 den Glücksmoment eines maximalen Angebots der Israelis verpasste, verlor selbst das saudische Königshaus die Geduld und sprach aus, was viele dachten: Allah hat den Palästinensern die schlechtesten aller Politiker gegeben. Dem PLO-Hamas-PSJ-Kontinuum blieb dann wenig übrig, als beim schiitischen Erzfeind anzuklopfen. Inzwischen wird die sunnitische Hamas vorwiegend von der schiitischen Hisbollah und von der schiitischen Republik Iran unterstützt, die anderenorts Sunniten massakrieren, einfach weil sie als Sunniten Widersacher im Kampf um schiitische Dominanz sind. Das Massaker am 7. Oktober 2023 hat das Ende der PLO-Hamas-Ära besiegelt. Die Hamas wollte die „islamische Welle“ der Zerstörung von allen Seiten über Israel rollen lassen. Nur die Hisbollah war - mehr oder weniger und halbherzig - bereit, sich für den verlorenen Befreiungskampf selbst ins Elend zu stürzen. Das Ergebnis ist für die Palästinenser seit Jahrzehnten das Gleiche: Selbstzerstörung und Hoffnungslosigkeit. Auch die Schiiten wissen nun Bescheid und die Hisbollah hat erlebt was es heißt, beim Befreiungskampf der Palästinenser mitzumachen. Es könnte gut sein, dass auch sie in Zukunft einen Bogen um die ebenso revolutionären wie katastrophalen, palästinensischen Subjekte machen. Manche funktionalisieren das Leid der Palästinenser, im eigenen Land mag sie in der Region kaum noch jemand haben. Die Selbstverliebtheit und Verklärung ihrer Führer hat sie an den Rand des Abgrunds geführt. Nur bei den westlichen Linken und Grünen schlägt noch das „Herz für Palästina“ und herrscht Freude, Palästinenser ins eigene Boot und Haus zu holen. Nur geht das Boot, in dem sie gemeinsam sitzen, gerade unter. Das ist außerordentlich erstaunlich, denn es waren die Grünen, denen die Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt in unnachahmlicher Weise gelang.</span></p>
<p>Teil 2 veröffentlichen wir am nächsten Sonntag</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die gescheiterte Generation</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Nov 2024 10:46:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Generation]]></category>
		<category><![CDATA[Generationenkonflikt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2101</guid>

					<description><![CDATA[<p>Fragt man die allwissende Müllhalde Google, zu welcher Generation man selbst gerechnet wird, so sortiert sie einen aus dem Jahrgang 1960 zur Baby Boomer Generation. Im Vergleich zur Vorgänger-Generation, die als Generation Silent bezeichnet wird, fehlt bei Baby Boomer ein... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/">Die gescheiterte Generation</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Fragt man die allwissende Müllhalde Google, zu welcher Generation man selbst gerechnet wird, so sortiert sie einen aus dem Jahrgang 1960 zur Baby Boomer Generation. Im Vergleich zur Vorgänger-Generation, die als Generation Silent bezeichnet wird, fehlt bei Baby Boomer ein Hinweis, der für das 1928 vom Soziologen Karl Mannheim eingeführte Generationenkonzept essenziell ist: so etwas wie eine gemeinsame, prägende Erfahrung, die mehr oder weniger intensiv alle dieser Generation kennzeichnet, bei vor- und nachfolgenden Generationen aber fehlt. Baby Boomer heißt einfach nur viele, ob mit oder ohne Erfahrung. Die Bezeichnung silent für die Vorgängergeneration ist da schon deutlich sprechender, denn wahrscheinlich kennt in meiner Altersklasse so gut wie jeder mindestens einen in seiner Verwandtschaft, der über seine Erfahrungen im Dritten Reich sein Lebtag lang nichts erzählt hat oder noch fataler einen Großvater, der in den tradierten Familiengeschichten offiziell nicht vorkommt, als Gespenst aber sein Unwesen treibt, weil sein Name auf staatlichen Urkunden noch vorhanden ist.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Vor kurzem wurde im Fernsehen ein Film mit dem Titel „Das Schweigen“ gezeigt, der von der Begegnung zwischen einem Täter-Enkel und einer Opfer-Enkelin berichtete, die zwar in Kontakt kamen, sich offen ausgetauscht und auch gemeinsam auf die Suche nach den „Wirkungs“-Stätten ihrer Großeltern gemacht hatten, aber mit der Erfahrung konfrontiert wurden, dass auch noch die Enkelgeneration an gegenseitige Verständnisblockaden stößt, die sie auch bei bestem Willen nicht ohne weiteres überspringen kann. Man kann also nicht nach silent einfach einen Strich ziehen und so tun, alle hätten alle „Befreiten“ nichts mehr mit der Last der Verantwortung zu tun. Das Phänomen ist auch auf jüdischer Seite bekannt. Die „Schuld“, als Einziger überlebt zu haben, kann noch an Enkel und Urenkel untergründig weitergegeben werden und Symptome generieren. Das legt den Verdacht nahe, dass mit dem Begriff Baby Boomer etwas übersprungen wird, was zwischen der Silent und der nachfolgenden Generation liegt. Wer zu lesen und von Freud’s Hören auf die Versprecher gelernt hat, ahnt, dass das Ungesagte in Text oder Gespräch manchmal sprechender als alles andere sein kann.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Einen entscheidenden Hinweis auf das prägende Erfahrungselement der Baby Boomer Generation erhielt ich von Bernward Vesper, dem zeitweiligen Lebensgefährten von Gudrun Enslin und Vater des gemeinsamen Kindes Felix Enslin, das er, nachdem sich Gudrun Andreas Baader an den Hals geworfen und ganz dem Terror verschworen hatte, als alleinerziehender Vater bis zu seinem Selbstmord aufzog. Er liegt zwar als 1938 Geborener noch etwas vor der offiziellen Baby Boomer Generation, hatte aber in einem stark autobiografisch angelegtem Roman aus dem Konflikt mit seinem erfahrungsresistenten völkischen Vater und einer Bourgeoisie, die sich nur um sich selbst drehte, den Schluss gezogen: „wir müssen erst zur totalen Verantwortungslosigkeit zurück finden, um uns überhaupt zu retten.“</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Satz formuliert eine radikale Umkehr: um zur Verantwortungslosigkeit zurück zu finden, muss man erst auf dem normalen Weg der allmählichen Verantwortungsübernahme gewesen sein, vor dieser aus noch nicht näher geklärten Umständen zurückgeschreckt und dann einen Weg zurück eingeschlagen haben. Aus dem lateinischen „regressio“ für umkehren, zurückgehen hat die Psychologie das Konzept der Regression abgeleitet, womit ein von nicht beherrschbarer Angst ausgelöster Rückzug auf frühere Entwicklungs- oder Reifestufen gemeint ist, der sich, sofern er sich verhärtet, mit zunehmendem Alter in mehr oder weniger auffälligem Sozialverhalten Bahn bricht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gut fünfzig Jahre nach Vespers Satz nennt eine Gesellschaft seine Kanzlerin „Mutti“, ein 55-jähriger Kanzlerkandidat erweist sich als so dünnhäutig, dass er schon bei kleinsten Zweifeln an der Integrität seiner Person wild um sich schlägt. Zahlreiche Organisationen werden mit der Aufgabe betraut, politische Auseinandersetzungen zu verhindern, man fördert erneut die „Tugend“ der Denunziation und eine professionell organisierte Angstkampagne genügt, um eine ganze Gesellschaft an den Rand des Abgrunds zu treiben. Die Folgen der zunehmenden Infantilisierung sind so unübersehbar, dass es sich lohnen könnte, auf den Satz von Bernward Vesper zurück zu kommen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Übergang von der einen zur nächsten Generation verläuft normalerweise über einen klassischen Generationenkonflikt. Die heranwachsende Generation will zunächst alles völlig anders als die der Väter machen, man reibt und streitet sich aneinander, am Ende bleiben ein paar wenige Neuerungen übrig und im wesentlichen wird von den Vätern übernommen, was sich schon seit Generationen bewährt hat. Für die Väter geht es in diesem Konflikt, so hat es einmal Winnicott formuliert, nur darum, einfach da zu sein und da zu bleiben. Sie müssen die Tötungswünsche der Söhne nur überleben und eine Umgebung repräsentieren, die in wesentlichen Aspekten unzerstörbar ist. Hält die Umgebung dieser Probe stand, kann sie als verlässlich wahrgenommen werden. Die Väter der Silent Generation hatten den Krieg überlebt, für Ihre Söhne hatten sie weder Kraft noch Standpunkt und die Umgebung, die sie vertraten, war extrem zerbrechlich. Dem Ansturm der Anti-Autoritären hatten sie außer Gewalt und einer blutleeren Rigidität nichts entgegenzusetzen. Die schon seit mehr als einer Generation verlorene Sittlichkeit war durch keine Rechtschaffenheit wieder aufgebaut worden und befeuerte so die Flucht in einen zwanghaften Moralismus, an dessen Ende die Gewalt des Terrors stand.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der amerikanische Soziologe Theodore Abel hatte im Juni 1934 in Nazizeitungen Preise von insgesamt 400 Mark für die beste Antwort auf die Frage ausgeschrieben, warum jemand Anhänger der Nazibewegung geworden sei. Die Frist für das Einreichen war der September 1934. An dem Preisausschreiben konnte sich jeder, ob männlich oder weiblich, mit einer Lebensgeschichte beteiligen, der vor dem 1. Januar 1933 Mitglied der NSDAP geworden war oder mit ihr sympathisiert hatte. Es kamen 683 Berichte zusammen, von denen 581 mit einem Umfang von 3700 Seiten erhalten sind. Wieland Giebel, der im Rahmen der Planungen für eine Ausstellung in Berlin auf erste Hinweise zu dieser Quelle stieß, hat 2018 erstmalig 83 dieser Dokumente in Deutschland unter dem Titel „Warum ich Nazi wurde“ veröffentlicht. Etwa zeitgleich erschienen zwei weitere Publikationen von Felix Sven Kellerhoff und Katja Kosubek, die von dieser „wertvollsten Primärquelle“ ausführlich Gebrauch machten. Das Erstaunlichste an diesen Biogrammen ist die Tatsache, dass und wie lange sie verschwiegen wurden. Giebel schreibt: „Ich sprach mit Historikern, was das für Material sei, ob das vertrauensvolle Quellen sein können, aber keiner konnte mir helfen. Diese Berichte sind einfach nicht wahrgenommen worden. Sie kommen an keinem der vielen Lehrstühle vor, die sich mit dem Nationalsozialismus befassen, und auch keines der zahlreichen ebenso staatlich finanzierten Institute hatte sich darum gekümmert.“ </span><span class="tm6">Ein bemerkenswerter Kontrast zum Lärm der Erinnerungs- und Betroffenheitsindustrie.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Handelte es sich beim Übergang von der Generation Silent zur Baby Boomer Generation um einen „normalen“ Generationswechsel, wie er seit Jahrtausenden stattfindet? Schon die Zuschreibung „silent“ deutet darauf hin, dass nichts von den Vätern oder Großvätern übergeben wurde, sei es, weil sie nicht mehr vorhanden waren, sei es, weil sie selbst geschwiegen haben und andere dies Schweigen unterstützten. Zudem waren schon die Väter zu einer Zeit aufgewachsen, in der das, was man gewöhnlich Mores nennt, die Gewohnheiten, die Stabilität, Zeitlichkeit und eine haltende Umgebung verleihen, nicht mehr vorhanden waren. Was sie und ihre Väter in den zwei Kriegen und der Zwischenkriegsphase an Erfahrungen erleiden mussten, kam zum bereits vorhanden Zerstörungswerk noch oben drauf. Was hätten sie ihren Kindern an Bewährtem übergeben sollen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Schweigen generierte einen weiteren Effekt: solange nichts erzählt wurde, hatten die heranwachsenden Kinder keine Möglichkeit, in homöopathischen und damit verarbeitbaren Dosen an das herangeführt zu werden, was man den Holocaust nennt. Sie lernten auch innerhalb der Familien keine unterschiedlichen Perspektiven des Umgangs damit kennen, der eine bestreitet, der nächste verdrängt, der dritte suhlt sich in Schuld usw. Ich habe weder in der Schule noch im Elternhaus irgendetwas inhaltliches aus der Nazizeit vermittelt bekommen. Meine erste Konfrontation erlebte ich in einem winzigen kommunalen Schachtelkino, das einen Holocaust Film vorführte, den die meisten Dritten Programme ausgestrahlt hatten. Der Bayerische Rundfunk hingegen hatte sich verweigert. Ich war Anfang 20, wohnte in einer WG, wir waren zu dritt im Kino und brauchten mehrere Tage, bis wir die Sprache wiedergefunden hatten. Die Silent Generation hatte uns die Last, die sie selbst nicht schultern wollte oder konnte, vor die Füße geschmissen - sollten wir sie aufheben? Wir haben aus dem Schweigen ein beredtes Schweigen gemacht, die Last aber liegen gelassen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine gesunde Lösung des Generationenkonfliktes vermeidet die beiden Extreme, das Individuum gibt weder das Selbst zugunsten der Gemeinschaft, noch die Gemeinschaft zugunsten des Selbst auf. Der ausgefallene Generationenkonflikt hatte jedoch zur Folge, dass viele von uns Antifaschisten wurden, um überhaupt irgend etwas zu sein. Hatte es für solche mit Herz und Verstand andere sinnvolle Identifikationsangebote gegeben? Hatte man uns andere Helden gezeigt, denen man hätte nacheifern können? Den Namen Schindler erfuhr ich von Steven Spielberg. Jede Einfügung in die vorhandene symbolische Ordnung, jede Weiterführung galt es zu vermeiden. Der Kulturbruch wurde zum Programm. Wir sprachen im Ausland englisch, um nicht als Deutsche erkannt zu werden. Die Einbildung ersetzte nicht nur Genealogie und Tradition, sondern auch die Realität. Ohne (Realitäts-) Erfahrung gibt es keinen Standpunkt von dem aus man sich mit anderen Standpunkten auseinandersetzen könnte; man schließt sich einer Bewegung an, um wenigstens das Leben und den Zusammenhalt der Gesinnungsfreunde genießen zu können. Was eine Gesinnungsgemeinschaft zusammenbindet, ist das geteilte, aber erfahrungslose Feindbild, das ihnen allen ihr Anderssein garantiert, zugleich aber nur auswechselbare Automaten hervorbringt, die außer den immer gleichen sinnfreien Parolen nichts zu sagen haben, auch dies eine Form des Schweigens. Sloterdijk, der jene sektenähnlichen Meinungsgenossenschaften als Regressionssystem erläuterte, in denen in kleinkindlicher Weise der gemeinsame Irrsinn geteilt werde, meinte inhaltlich richtig, zielte aber völlig daneben, indem der damit die skeptischen Querdenker abqualifizierte, statt den Finger auf die eigentliche Wunde zu legen: der Umgang mit den Ungeimpften hatte die zentrale Lebenslüge der „Vergangenheitsbewältigung“ so deutlich offenbart, dass man bei der erforderlichen Aufarbeitung auch zu Bernward Vespers Rettung in die Verantwortungslosigkeit zurück kommen wird.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Regression in die totale Verantwortungslosigkeit musste, um als wahrer Kern verschleiert zu werden, von einer omnipotenten Scheinverantwortung umhüllt werden, ein Konstrukt, dessen wirkliche Schäden selbst mit höchst bezahlter Propaganda nun nicht mehr verdeckt werden können. Die Folgen der Selbstzerstörung machen sich überall hartnäckig bemerkbar. Aus der Erfahrung des Scheiterns der grünen Bewegung, die nie die Welt, sondern nur sich selbst retten wollte, gilt es nun, die politischen Konsequenzen zu ziehen. Die Umkehr von der Umkehr könnte der Anfang sein, sich wieder auf den Weg zu machen und Verlorenes nachzuholen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Mutigsten in der postheroischen Ära nehmen das unterbrochene Gespräch mit der eigenen Genealogie dort wieder auf, wo etwas zu finden ist, in Tagebüchern, Schuhkartons mit vergilbten Fotos, in alten Zeitungen, Gerichtsprotokollen und bei solchen, die noch aus eigener Anschauung darüber berichten können. Die Allermutigsten reisen in die Orte, in denen Ihr Groß- oder Urgroßvater gewütet hat und suchen den Kontakt zu Angehörigen der Opfer, sofern sie noch vorhanden sind. Kommt es dort zu einer Begegnung auf Augenhöhe und zu einem gegenseitigen Erzählen, kann man von Wiedereingliederung in die eigene Geschichtlichkeit sprechen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>=====</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.achgut.com/artikel/generation_verantwortungslosigkeit" target="_blank" rel="noopener">Die Achse des Guten,</a> <a href="https://reitschuster.de/post/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>, <a href="https://www.dersandwirt.de/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>, <a href="https://wir-selbst.com/2024/12/01/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/">Die gescheiterte Generation</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>20. Juli 2024 „Du immer mit deinen Verschwörungstheorien“</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2024 15:27:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=2035</guid>

					<description><![CDATA[<p>Mit Verschwörung wird die Komplizenschaft in einem geplanten Verbrechen bezeichnet. Es kann mit einem geheimen Treffen beginnen. Je größer das Verbrechen, desto weniger ist der Ausschluss der Öffentlichkeit realisierbar. Daher sind heutige Verschwörungen zumindest teilweise öffentlich. Öffentliche Verschwörung Verschwörungen zum... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/">20. Juli 2024 „Du immer mit deinen Verschwörungstheorien“</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Mit Verschwörung wird die Komplizenschaft in einem geplanten Verbrechen bezeichnet. Es kann mit einem geheimen Treffen beginnen. Je größer das Verbrechen, desto weniger ist der Ausschluss der Öffentlichkeit realisierbar. Daher sind heutige Verschwörungen zumindest teilweise öffentlich.</span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Öffentliche Verschwörung</span></strong></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Verschwörungen zum praktischen Tyrannenmord wie der 20. Juli 1944 sind selten. Ein Merkmal heutiger Verschwörungen ist die mediale Ausgestaltung des Verbrechens. In den letzten Wochen wurde deutlich, dass die Medien kein Problem damit haben gleichzeitig und beide US-Präsidentschaftskandidaten als unwählbar (not fit for office) darzustellen. Da sie lieber als Königsmacher denn als Königsmörder agieren, wird dem symbolischen Königsmord bald eine Krönung folgen müssen. </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Viele Verschwörungen des letzten Jahrhunderts wurden öffentlich angekündigt und durchgeführt. Geheimhaltung bedingt kleine Gruppen. Große Verbrechen wie Vertreibung und Massenmord brauchen die Beteiligung vieler und werden auch in aller Öffentlichkeit geplant und durchgeführt. Das Verhältnis von verschwörerischer Geheimhaltung und Öffentlichkeit hat sich gedreht. Die öffentliche Darstellung in den Medien ist ein kreativer und konstruktiver Aspekt der Verschwörung. Deshalb ist diesen Verschwörungen nicht - wie den bisherigen - mit Aufklärung beizukommen. Das Bedürfnis nach Aufklärung steht selbst in Verruf, verschwörerisch zu sein. Dieser Verwirrung kann nur noch mit Humor sinnvoll begegnet werden: Sagt die Sau zur anderen: „Die geben uns nur so gutes Futter, weil sie uns am Ende schlachten wollen“. Antwortet die angesprochene Sau: „Du immer mit deinen Verschwörungstheorien“.</span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Komplizen werden Bundesgenossen?</span></strong></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Das Attentat am 20. Juli 1944 war das Ergebnis einer klassischen Verschwörung. Aufgrund des inneren Terrors und dem Bandencharakter des nationalsozialistischen Staates hatte Widerstand fast nur noch als geheime Verschwörung eine Chance auf Erfolg. Das Attentat vom 20. Juli war eine kleine Verschwörung zur Beendigung der großen Verschwörung der Vernichtungsfeldzüge. Es folgte einem bekannten Muster, das wir vom Schweizer Vorbild kennen. Aus der geheimen Verschwörung zum Mord wurde ein öffentlicher Bundesschluss und am Ende eine Genossenschaft des geschworenen Eides (Eidgenossenschaft). Der geheime Schwur der Verschwörer kann also auch zum öffentlichen Schwur im Bund und zum Bündnis führen.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Es kann aber auch ganz anders kommen, wenn der Komplizenschaft in der gemeinsam begangenen, verbrecherischen Tat die Komplizenschaft des gemeinsamen Verschweigens der Tat folgt. Dann dreht sich das Problem der Öffentlichkeit und der Gruppengröße in der Verschwörung um: je mehr von dem Verbrechen wissen und öffentlich darüber schweigen, desto stabiler ist der Zusammenhalt der Komplizenschaft. Das Hauptmerkmal dieser zweiten Phase der Verschwörung zeigt sich im Schweigen. Der deutsche Nationalcharakter und die deutsche Sprache kennt die aktive Verbform: Ich schweige oder verschweige etwas. Beides sind aktive Handlungen von kompetenten Akteuren. Jeder religiöse Mensch wird darauf bestehen, dass Stille und Schweigen nicht das Gleiche sind. Im Englischen ist Stille und Schweigen fast identisch (silence) und es gibt keine aktive Verbform das eigene Tun zu beschreiben - to silence heißt: jemand zum Schweigen bringen und ist so mafiös wie es klingt. Schweigen wird zu still sein (be silent) oder umgangsprachlich zum stillen Wort (mum’s my word). </span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Sounds of silence</span></strong></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Schweigen über die eigene Beteiligung an einem Verbrechen ist die zweite Phase der Verschwörung. Zwar stellt die Veröffentlichung der RKI-files Öffentlichkeit her, indem es bisher Geheimgehaltenes zum Sprechen bringt. Die Aufklärung des absichtlich Verschwiegenen der Jahre 2020 bis 2023 wird aber vom aktiven Schweigen der Medien und Politik verhindert. Das Schweigen zieht sich wie ein Nebel-Schleier der Interesselosigkeit und Apathie durch alle Schichten und politischen Strömungen. Das erinnert an die Zeit von 1945 bis 1960.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Eine Ahnung von der gruseligen Kraft des Schweigens gibt der Song „sound of silence“ von Simon and Garfunkel. Das Lied wurde für jene geschrieben, die nicht mehr intellektuell und emotional kommunizieren können und die nicht mehr berührbar sind<a href="#footnote1"><sup>1</sup></a><a id="footnote1back"></a>: „People talking without speaking. </span><span class="tm9">People hearing without listening. ….. No one dared disturb the sound of silence”. </span></p>
<p class="Normal tm12"><strong><span class="tm10">Langzeitwirkung eines Unwortes: „Verschwörungstheorie“</span></strong></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Die Komplizenschaft des Schweigens schützt die Komplizenschaft der Täter. Die Halbwertszeit einer solchen öffentlichen Verschwörung liegt bei 5-15 Jahre nach der Beendigung des Verbrechens. Letzteres ist aber der wunde Punkt, denn zumindest in der medialen Öffentlichkeit und Politik wurde das Verbrechen noch nicht beendet. Rufe nach einer völligen Offenlegung aller Dokumente und Kommunikation, sowie einer öffentlichen Nachbearbeitung stehen immer noch unter dem Verdacht der „Verschwörungstheorie“. Der Vorwurf und das Wort selbst zeigen wie sehr es um Deutungsmacht und sprachpolizeiliche Maßnahmen geht. </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Wer käme besser für die Aufgabe, Wortschöpfungen und Realität in Reibung zu bringen, in Frage als die „Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung“? Noch im November 2023 hat sie zu einer Veranstaltung über „Verschwörungstheorie - und wie sie sprachlich glaubhaft gemacht werden“ eingeladen<a href="#footnote2"><sup>2</sup></a><a id="footnote2back"></a>. Das klingt zwar wie ein handwerklicher Workshop für sogennannte Verschwörungstheoretiker“, war es aber nicht. Schon in der Einladung wird der Labor-Ursprung des SarsCov2 als eine Verschwörungstheorie bezeichnet. Das ist an inhaltlicher Unkenntnis und Desinteresse an der Frage, wie Wortschöpfung und Realität zusammenkommen können, kaum zu überbieten. „Verschwörungstheorie“ ist ein Unwort und hätte diesen Titel 2020 erhalten sollen. Es ist eine Wortschöpfung, die zwei wichtige Realitäten zu einem Schimpfwort verbindet: </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">1. Verschwörungen sind historische Ereignisse; kaum eine Staats- und Religionsgründung kam ohne eine aus. Die Wortschöpfung „Verschwörungstheorie“ ist eine Verharmlosung der Tatsache, das wichtige historische Ereignisse durch Verschwörungen möglich wurden. Der 20. Juli 1944 ist Beispiel genug.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">2. Theorie-Bildung ist ein wichtiger Schritt in einer wissenschaftlichen Untersuchung und Auseinandersetzung. Insbesondere die Theorie der Komplizenschaft in den permanenten Bandenbildungen des Nationalsozialismus ist eine der wichtigsten Instrumente, um zu verstehen wie das Undenkbare möglich wurde, ganze Volksgruppen in ein Verbrechen einzubinden. </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Wir brauchen eine Theorie der Verschwörung und keine Beschimpfung von „Verschwörungstheorien“. Was die deutschen Sprachpolizisten bewegt hat, als sie anstelle von „Verschwörungstheorie“ die Wortschöpfung „Corona-Diktatur“ zum Unwort des Jahres 2020 erkoren haben, mögen sie selbst ergründen. Wie viel „Diktatur“ (Willkür) in den „Corona“-Maßnahmen steckte, hatte das Unwort-Gremium<a href="#footnote3"><sup>3</sup></a> weder interessiert noch war es in der Lage dies zu belegen oder zu falsifizieren. Falsifizieren ist wörtlich genommen „für falsch erklären“ und drückt die formelle Minimalanforderung aus, dass eine wissenschaftliche Theorie überprüfbar sein muss, indem sie sich auch als falsch erweisen kann. </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm9">Dem Unwort-Gremium lag aber eine inhaltliche Widerlegung der „Corona-Diktatur“ fern. Eine Weile war die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung dafür zuständig Unwörter auszuloben. Das Gremium, das heute über Unwörter entscheidet ist eine kleine, selbsternannte und eingeschworene Gruppe aus fünf Personen mit loser Verbindung zur Akademie. Ob aus einem eingeschworenen Gremium eine verschworene Bande wird, hängt daran ob sie eine kriminelle Absicht verfolgt oder aktiv Verbrechen verschweigt. Angesichst der erdrückenden Beweise wäre eine öffentliche Entschuldigung der Akademie für Sprache und Dichtung und des Gremiums dringend nötig. Das selbsternannte Unwort-Gremium steht heute im Verdacht bewusst sprachpolizeiliche Übergriffe begangen zu haben. </span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Aktives Schweigen</span></strong></p>
<p class="Normal tm14"><span class="tm9">Obschon in 2020/21 der Zugang zu einer realistischen Einschätzung der Pandemie-Politik erschwert wurde, war schon damals die Verbindung von „Theorie“ und „Verschwörung“ in einer Beschimpfung offensichtlich von Missachtung geprägt. Es gibt also Grund zur Annahme, dass die Entscheidung „Corona-Diktatur“ und nicht „Verschwörungstheorie“ zum Unwort zu küren, einem absichtlichen Verschweigen gleichkommt. Auch in 2020 wurden die Verschwörer und Attentäter des 20. Juli offiziell geehrt. Die gleichzeitige Beschimpfung von Menschen, denen die Überprüfung (Falsifizierung) ihrer Wahrnehmung (Willkür) verweigert wurde, war schon 2020 ein deutlicher Widerspruch. Wenn dann noch „Theorie“ als Schimpfwort verwendet wird, fühlt sich das für wissenschaftlich gesonnene Menschen, wie ein Tritt in die Magengrube an. Wie viel Willkür und Diktatur, wie viele nicht-falsifizierbare Theorien die Corona-Politik und die tatsächlichen Absprachen in den Krisenstäben enthielten, kann heute ohne Probleme überprüft werden. Die RKI-files sowie die veröffentlichten Emails und anlaufenden Gerichtsverfahren in den USA geben ausreichend Gelegenheit. Heute stehen die Kritiker der Wortschöpfung „Corona-Diktatur“ als „Verschwörungstheoretiker“ da. Diese Wendung ist durchaus typisch in der Geschichte der Verschwörungen. Plötzlich kippt der Bezugsrahmen ins Gegenteil und es trifft ein was im Satz des Göppingers für alle Zeiten festgehalten ist: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“.</span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Überraschte Mitmacher und Mitläufer</span></strong></p>
<p class="Normal tm14"><span class="tm9">Wer diese Wendung verpasst, eröffnet das nächste Kapitel der Theorie der Verschwörung: Warum glauben so viele Mitläufer, dass es kein „Danach“ gibt? Den verschworenen Mitläufer und aktiven Verschweiger trifft es dann unverhofft, wenn er oder sie nicht mehr Ankläger ist, sondern auf der Anklagebank sitzt. Selbst der Prototyp des Mitmachers - Eichmann - konnte sich nicht vorstellen, dass der Zauber ein Ende haben kann und er plötzlich in Jerusalem vor Gericht steht. Diese Unfähigkeit, die Endlichkeit der eigenen Lügengebäude überhaupt mitzudenken, hat die Prozessbeobachterin Hannah Arendt beschäftig. Hier landen wir bei einem menschlich besonders schmerzlichen Punkt der Theorie der Verschwörung: Gibt es ein Recht auf Gehorsam und auch ein Recht auf Widerstand in der Verschwörung? Corona-Mitmacher und Corona-Widerständler haben sich bisher kaum angenähert. Es gibt kein gemeinsames Interesse der Aufarbeitung – noch nicht. Vielleicht wäre eine genauere Auseinandersetzung mit den Verschwörern des 20. Julis hilfreich, um zu erkennen, dass Mitmacher und Widerständler zuweilen zusammenarbeiten können; gar müssen, um weitere Verheerungen zu verhindern. Die meisten Verschwörer verband eine Geschichte des Mitmachens und des Widerstands.</span></p>
<p class="Normal tm8"><strong><span class="tm10">Widerstand ohne Verschwörung?</span></strong></p>
<p class="Normal tm14"><span class="tm9">Hannah Arendt hat sich in dieser schmerzlichen und persönlichen Angelegenheit klar positioniert. Sie sprach der bürgerlichen Mitte, der natürlichen Repräsentantin eines Bündnisses gegen Komplizenschaft und Bandenbildung, das „Recht auf Gehorsam“ ab. Parallel hat das Grundgesetz das Recht auf Widerstand, gegen den Versuch die Verfassungsordnung zu zerstören, bestätigt. Eine Pflicht zum Widerstand gibt es aber nicht. Wir dürfen Menschen nicht zum Widerstand und Heldentum verpflichten. In Gang gekommene Terror- und Vernichtungskriege sind aber nicht ohne Widerstand, Heldentum und Verschwörung zu beenden. Das ist unangenehm und wird daher gerne vergessen. Die offizielle Version der Verschwörung vom 20. Juli spricht gerne über „Widerstand“. Widerstand ohne Verschwörung ist ein geschicktes sprachpolitisches Manöver. Die Ziele der Verschwörer sind manchen nicht gerade opportun und werden kaum benannt. Ein Schalk wer hier Absicht unterstellt. Wie klingt es in den Ohren der Majestäten des Maßnahmen-Staats und den Verfechtern des Ausnahmezustands, wenn Verschwörer eine Regierungserklärung<a href="#footnote4"><sup>4</sup></a><a id="footnote4back"></a></span> <span class="tm9"> abgeben und von der „Wiederherstellung der vollkommenen Majestät des Rechts“ sprechen? Wie reagieren die Verantwortlichen eines – in Ausmaß und Langzeitwirkung noch unbegreiflichen - Verbrechens auf folgende Anleitung zur Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen: „Verlangt die nationale Würde von uns zur Zeit den Verzicht auf bittere Anklage, so werden wir doch dafür sorgen, daß auch hier die Verantwortlichen, soweit es Deutsche sind, zur Rechenschaft gezogen werden. So notwendig dies ist, wichtiger ist, daß wir dem Frieden zustreben.“ Soll das etwa heißen: Wer keine Aufarbeitung will, hat allen Grund den inneren und äußeren Frieden zu verhindern? „Du immer mit deinen Verschwörungstheorien!“. </span></p>
<p class="Normal tm16"><span class="tm9">&nbsp;</span></p>
<hr>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm11"><a id="footnote1"></a><a href="#footnote1back"><sup>1</sup></a> &nbsp;https://www.youtube.com/watch?v=DczvzKzNLbU</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm11"><a id="footnote2"></a><a href="#footnote2back"><sup>2</sup></a> &nbsp;https://www.deutscheakademie.de/de/akademie/presse/2023-11-22/frankfurter-debatte-ueber-die-sprache-verschwoerungstheorien</span></p>
<p class="Normal_Web_ tm13"><span class="tm11"><a id="footnote3"></a><a href="#footnote3back"><sup>3</sup></a> </span><span class="tm11">&nbsp;</span><span class="tm11">https://www.unwortdesjahres.net/unwort/die-jury-seit-1991/</span></p>
<p class="Normal tm15"><span class="tm11"><a id="footnote4"></a><a href="#footnote4back"><sup>4</sup></a> </span><span class="tm11">&nbsp;</span><span class="tm11">Aus: Hans-Adolf Jacobsen (Hg.): »Spiegelbild einer Verschwörung«, Bd. 1, Stuttgart 1984, S. 147-156.</span></p>
<p class="Normal tm15"><u><a href="https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/zeitgeschichte/ns/widerstand/stauffenberg/t4.pdf"><span class="tm11">https://www.schule-bw.de/faecher-und-schularten/gesellschaftswissenschaftliche-und-philosophische-faecher/landeskunde-landesgeschichte/module/epochen/zeitgeschichte/ns/widerstand/stauffenberg/t4.pdf</span></a></u></p>
<p class="Normal tm15"><span class="tm11">&nbsp;</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm11">&nbsp;</span></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/">20. Juli 2024 „Du immer mit deinen Verschwörungstheorien“</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/07/20-juli-2024-du-immer-mit-deinen-verschwoerungstheorien/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alle wollen nach Jerusalem, ich auch</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Jun 2024 17:09:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=1994</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wer noch ein Mensch ist wollte in den letzten Monaten in Israel leben. Nicht im Israel des ständigen Raketenbeschusses und der Schutzbunker; nicht im Israel, das immer noch ein Massaker erlebt; nicht im Israel, in dem die eigenen Kinder in... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/">Alle wollen nach Jerusalem, ich auch</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wer noch ein Mensch ist wollte in den letzten Monaten in Israel leben. Nicht im Israel des ständigen Raketenbeschusses und der Schutzbunker; nicht im Israel, das immer noch ein Massaker erlebt; nicht im Israel, in dem die eigenen Kinder in der Armee kämpfen, und es jederzeit an der Tür klopfen kann. Wer noch ein Mensch ist will in Israel leben, weil die normalen Israelis offenbar Ressourcen und Möglichkeiten haben, von denen wir hier nur träumen können. Vieles was bei uns kindisch und bizarr ist, ist in Israel schlichtweg unmöglich. Das hat mit der langjährigen Erfahrung eines Alltags an der Grenze und mit der jüdischen Religion selbst zu tun. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Die Grenze als Faktenchecker</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Israelis gehören zu jenen im dekadenten Westen, die reale Not und Notwendigkeit von fiktiven selbstgemachten Krisen unterscheiden können müssen. Auch wenn sie sich durch die WHO, den Weltklimarat und die eigenen Leute hinters Licht führen lassen, gibt es doch einen spezifisch israelischen Realitätscheck: die Grenze zu Gaza, Ägypten, Jordanien, zur Westbank, zu Syrien und zum Libanon. Aufgrund dieses Faktenchecks ist Israel wohl das einzige Land im Westen, das noch das hat was alle wollen: National- und Gemeinschaftsgefühl, Nachbar- und Freundschaft, Familien und Kinder. Dort gehören beispielsweise Erwartungen und Hoffnungen an einen ernsthaften Journalismus, eine funktionierende Armee oder an die Möglichkeit durch tägliche Demonstrationen die Regierung zu einem besseren Handeln zu veranlassen, noch zur Normalität. Werden diese Erwartungen enttäuscht gibt es lautstarke Kritik und massiven Druck auf die Verantwortlichen. Verantwortliche zu kennen und zur Verantwortung zu ziehen ist für das tägliche Leben dort überlebensnotwendig. Die israelische Normalität klingt für uns wie ein demokratisches und menschliches Schlaraffenland. Wer also noch Mensch sein will, den wird es nach Israel ziehen. Auch wenn es eine Idealisierung ist kann ich nur raten, einen Besuch zu wagen. Der Realitätscheck kommt von selbst und im Schock ist niemand allein. Nur eines ist manchmal schwer in Israel zu bekommen, selbst gewählte Einsamkeit. Wer die sucht muss wie Jesus in die Wüste.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Das Jerusalem Syndrom</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wenn Christen Israel besuchen kommt es immer wieder vor, dass manche durchlässige Seele die Christusenergie zu sehr in sich wirken lässt und glaubt selbst Jesu von Nazareth zu sein. Die medizinische Erklärung hebt darauf ab, dass diese Menschen den Widerspruch zwischen vorgestellter, biblischer Realität und dem Wahnsinn der israelischen Wirklichkeit nicht aushalten und daher eine Persönlichkeitsspaltung erleben. Aufgrund eigener Erfahrungen habe ich starke Zweifel an dieser Erklärung und würde das Argument umdrehen: Wer längere Zeit in Jerusalem verbringt und dabei nicht an die tiefsten Fragen des eigenen Menschseins rührt, der hat ein Problem. Wer die dichten und engen Wege der Altstadt und der Via dolorosa geht und nicht an dem schier unlösbaren Problem des Zusammenlebens von so vielen Individuen, die wenig Talent für Gemeinschaft und Zivilisation mitbringen, verzweifelt - was für ein Mensch ist das? Man muss nicht Christ sein, um den Schmerz zu spüren, den großen menschlichen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Wer sich fragen will, warum wir immer wieder in gewalttätigen Lösungen stecken bleiben, ist hier am rechten Ort. Wer die eigene und kollektive Selbstgefälligkeit feiern will, ist hier fehl am Platz. Daher ist Jerusalem eine Form der deprimierenden Dekadenz-Behandlung. Hilfreich deprimierend gegen selbstzerstörerischen Individualismus; hilfreich deprimierend gegen selbstgefällige Katastrophensucht. Es mag schneller wirkende, chemische Medikamente geben, aber ich kenne kein längerfristig wirkendes als Jerusalem. Wie immer geht es um die Dosis. Überdosiert führt diese Therapie zum Jerusalem-Syndrom.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Für Christen bleibt Jerusalem eine Irritation. Angeblich gelingt es uns die Leistung der Juden durch den Glauben an Christus auszuhalten und uns von Jerusalem frei zu machen. Tatsächlich wissen wir aber, wie schwer es uns in den letzten 2000 Jahren fiel, die überragende Vorarbeit des Judentums zu bewahren, geschweige denn sie zu überbieten.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm6">Freiheit ohne Menschenopfer</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Entwicklung der jüdischen Gemeindepraxis und Theologie hat die Freiheit des Menschen als zentralen Bestandteil der Beziehung zu Gott auf Dauer installiert. Der offenkundigste Ausdruck dieser Leistung ist die endgültige Abschaffung des gottgefälligen Menschenopfers: Es gibt keine aber auch wirklich keine Rechtfertigung dafür, Menschen einem wie auch immer gearteten religiösen, politischen oder anderen Zweck zu opfern. Diese Entwicklung des Judentums ist die Grundlage liberaler Demokratie und der Grundrechte (<em>bill of rights</em>) als Schutz vor dem Opferzwang des Staates. Das Opferverbot in der Version der liberalen Republik lautet: Keine Solidarität rechtfertigt das Opfer individueller Schutzrechte oder gar der Einzelnen selbst. Das Opfergeschrei der Medien lautet aber: Solidarität in der Katastrophe ist Zwang und rechtfertigt alles. Das heutige Wort für Opfer lautet Katastrophe. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In der Katastrophe kollektiv zu reagieren und die Rechte der Einzelnen nicht mit Füssen zu treten - das ist nur durch den Opferverzicht möglich geworden. Der permanente Opferverzicht wurde Gott selbst zugeschrieben und gilt unabhängig von menschlichen Launen und politischen Umständen. Es gibt im Judentum der letzten 2000 Jahre keine religiöse Rechtfertigung dafür, das eigene oder das Leben der anderen für irgendeinen göttlichen Zweck zu zerstören. Selbstverteidigung oder Selbsttötung aus Verzweiflung ist eine andere Angelegenheit. Politisch motivierte Selbstmordattentate entstanden im Christentum und Islam. Die radikale Absage ans gottgefällige Menschenopfer ist einzigartig in der Gattungsgeschichte und bietet immer wieder Anlass für neid-getriebenen Hass auf Juden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Stadt auf dem Berg</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Das symbolische Jerusalem, die Stadt im Westen und die Stadt des Friedens steht seit dem 17. Jhdt. für die Hoffnung auf ein besseres Leben in Freiheit und Wohlstand (<em>city upon a hill</em>). Die reale Stadt Jerusalem symbolisiert heute immer noch die radikale Abkehr vom Menschenopfer. Wer hier Zeit verbringt, kann dem Eingemachten der mittelmeerischen Zivilisation begegnen; der Wiege einer Zivilisation, die bereit ist individuelle, geistige und politische Freiheit in einem komplexen Verhältnis der Einzelnen zur Gemeinschaft (der Familie, des Stammes und Staates) auszuhandeln. Es ist daher kein Zufall, dass der Satz „Es gibt kein Recht auf Gehorsam“ von einer säkularen Jüdin stammt, die ein Buch über „Eichmann in Jerusalem“ geschrieben hat und dafür von ihrem eigenen Stamm aufs schärfste kritisiert wurde. Schon die Formulierung „säkulare Jüdin“ ist eine unsinnige Verdoppelung im Judentum. Ursprünglich wurde das Wort „säkular“ für Mönche verwendet, die das klösterliche Leben verlassen und sich als Priester unters Volk begeben haben. Wenn wir „säkular“ also mit „religös im Weltlichen“ übersetzen wäre <em>Hannah Arendt</em> eine „Jüdin im Weltlichen“ - was denn sonst? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Auch Jerusalem ist ein realer Ort der Begegnung und Reibung zwischen den geistigen und politischen Ambitionen der drei westlichen und monotheistischen Religionen. Der wunde Punkt der Reibungen zwischen Juden einerseits und Moslems und Christen andererseits ist die religiöse Interpretation des Verhältnisses von Ideologie, Lüge und Wahrheit. Juden müssen sich im argumentativen Kampf mit ihrem Gott bewähren. Falsches Zeugnis abzulegen gehört zu den schlimmsten Vergehen gegen das Bündnis mit Gott, mit der eigenen Gemeinschaft und mit sich selbst (8. Gebot). Im Islam darf und muss gelogen werden, um die Widersacher zu täuschen. Das haben Friedensaktivisten immer wieder schmerzlich erlebt. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wir Christen können uns auf Paulus ausruhen, der seinen Brüdern und Schwestern im Angesicht der realen Katastrophe und begonnenen Endzeit ein „Leben-als-ob“ empfohlen hat. Das Ausbleiben der Endzeit oder die mangelnde Geduld ob ihrer langen Dauer, hat dazu geführt, dass Christen nach weltlichen Katastrophen suchen, denen sie eine heilbringende, spirituelle Endzeitstimmung abgewinnen können. Die Rechtfertigung von Lügengebäuden, sind dann kaum noch von willentlicher Selbsttäuschung oder einem „Leben-als-ob“ zu unterscheiden. Daher finden insbesonders westliche Christen ihr „Jerusalem-als-ob“ immer wieder in weltlichen Katastrophenszenarien. Im realen Israel finden sie sich dann selbst und am Grenzzaun oder im Gazastreifen wieder. Für eine kleine aber sehr laute Minderheit ist der Grenzzaun zwischen Gaza und Israel ein Ort der heilsamen Katastrophe - die aktuelle Version der Rechtfertigung des Menschenopfers. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In Israel und an dessen Grenzen prallen Kulturen und Zivilisationen aufeinander. Hier werden Konflikte real und ihre Lösung existenziell. Es betrifft alle und es braucht (fast) alle für eine gelingende, gewaltfreie Lösung. Die Stadt auf dem Berg ist ein Hoffnungszeichen, dass es Wege gab und gibt, diese Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Wir brauchen solche Hoffnungszeichen von jenen, die hautnah mit diesen Konflikten leben.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Jerusalem ist Frontstadt, Israel ist Friedensmodell</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Was viele im Westen nicht mehr verstehen können oder wollen: Es gibt eine Front, eine existentielle Grenze. Ein Name (<em>ha shem</em>) und ein Ort (<em>ha makom</em>) dieser Grenze ist „Jerusalem“. Für einige Jahre haben viele gehofft, die Grenze könnte verschoben werden und nur noch entlang des Gaza-Streifens oder der Westbank verlaufen. Das hat sich als unbegründete Hoffnung erwiesen. Im Gegenteil, die Palästinenser und ihre Verbündeten im Westen wollten seit langem diese Grenze und diesen Konflikt internationalisieren; das ist ihnen gelungen. Heute verläuft diese Grenze auch durch unsere Städte und Gemeinden. In Israel ist sie deutlich sichtbar und anzufassen, real und tödlich. Die Situation in Israel ist durch die Mischung aus dauerhaftem Kriegszustand im Außenverhältnis und dauerhafter Kulturanstrengung der friedlichen Ko-Existenz im Inneren gekennzeichnet. Daher trägt Israel das Modell für einen Weg zur friedlichen Ko-Existenz mit seinen Nachbarn in sich: Äußere Sicherheit und innerer Koexistenz. Das weitgehend gewaltlose und friedliche Zusammenleben völlig gegensätzlicher Gruppen und Interessen auf engstem Raum ist Vorbild und Beweis, dass eine Lösung möglich ist. Was es bräuchte: Verzicht auf die Rechtfertigung des Menschenopfer zur Erreichung politischer Ziele, konsequent gewaltloser Widerstand, demokratische Prozesse. Noch 1994 gaben über 80% der Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen an, Israel sei die stärkste Demokratie in der ganzen Welt, noch vor den USA. Erst die massive Propaganda der palästinensischen Eliten und der Kollaps der illusionären Gleichung der Friedensbewegung („<em>land for peace</em>“) haben dieses Bild nachhaltig verändert. Damals wäre noch ein palästinensischer Martin Luther King möglich gewesen, der - ähnlich der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung - d</span><span class="tm7">en Weg des gewaltlosen Widerstands bis zur Bildung eines friedlichen, palästinensischen Staates an der Seite Israels voraus gegangen wäre. Aber dieser Vorschlag (von <em>Haviv Rettig Gur</em>) widerspricht heute der Selbstlüge und Fremdlüge der meisten Akteure. Im Moment ist noch nicht einmal erkenntlich, wer einen palästinensischen Martin Luther King auch nur einen Tag vor einem Attentat schützen könnte. <em>Martin Luther King</em> und <em>Yitzhak Rabin</em> haben ihr Angebot Frieden an </span><span class="tm7">Gewaltverzicht zu koppeln nicht überlebt; aber <em>Ehud Barak</em> hat fünf Jahre nach Rabins Ermordung (Camp David 2000, Taba 2021) das Undenkbare getan und das Angebot maximal erweitert: fast die ganze Westbank, Siedlungen abbauen, Gaza und Ost-Jerusalem als Hauptstadt - und Arafat hat erneut das Undenkbare getan und abgelehnt. Es war damals möglich: Frieden ohne unerträgliche, gegenseitige Opfer; ein paar Kompromisse und Zugeständnisse auf beiden Seiten, schmerzhaft wie jede Geburt, aber die Freude am Glück der Kinder hätte alles vergessen lassen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie so oft kristallisieren sich diese Fragen an der Bedeutung der Familie und Kinder. Im Judentum kann es keine Rechtfertigung dafür geben, die eigenen Kinder in Kriege zu schicken, die nicht der puren Selbstverteidigung des Stammes und Staates dienen. Religiöse, ideologische, sozial oder klimatisch motivierte Kreuzzüge sind niemals religiös begründbar. Dagegen steht die offenbar gezielte Zerstörung von Familien durch die Hamas. In einem kaum zu ertragenden <a href="https://www.timesofisrael.com/what-matters-now-to-lawyer-cochav-elkayam-levy-denialism-of-oct-7-sexual-violence/" target="_blank" rel="noopener">Interview</a> beschreibt </span><span class="tm8"><em>Cochav Elkayam-Levy</em> die Politik der gezielten Schändung und Ermordung von Frauen und Kindern, um ganze Familien auszulöschen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">&nbsp;</span></strong><strong><span class="tm6">Verdorrte Hoffnungen, erfrischendes Jerusalem</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Nachdem Arafat abgelehnt hat was Palästinenser Jahrzehnte ersehnt haben sind alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung durch eine Zwei-Staaten-Lösung verdorrt. Die israelische Linke ist dadurch ebenso ausgetrocknet und marginalisiert. Das scheinen viele außerhalb Israels nicht mitbekommen zu haben. Im Gegenzug haben sich in diese lokale Dürre drei Strömungen der ebenso an geistiger und menschlicher Magersucht leidenden, westlichen Wohlstandsgesellschaft gemischt und dem lokalen Konflikt den kitschigen Zuckerguss einer globalen Befreiungsbewegung verpasst. In Israel nimmt das niemand, der ernst genommen werden will, ernst. Das erfrischende an Israel und dem Judentum ist die Gelassenheit der Absage an die drei Grundannahmen der Ideologie oder Religion unserer Tage: Selbstvergöttlichung, Theokratie, Katastrophenlust. Die jüdische Tradition ist eine ständige Auseinandersetzung mit diesen drei Sünden der Menschheit. Es ist auch ein unerschöpfliches Reservoir an Absagen und Widerstand gegen deren Versuchungen:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">1. Eine Absage an die Selbstverherrlichung des Menschen und des Staates ( = an die Religion der internationalen Institutionen und des Sozialismus).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">2. Eine Absage an die freiwillige Selbstunterwerfung unter die Theokratie enttäuschter Imperialisten ( = an den gegenwärtig dominierenden Islam und die WHO/WEF-Vision der Weltregierung).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">3. Eine Absage an den permanenten Notstand der inszenierten Katastrophe als erlösende Apokalypse im Endkampf gegen Natur (Klima) und Krankheit (= an die christlich angehauchte Rechtfertigung des Menschenopfers als gesellschaftliche Solidarität der guten Menschen).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Diese dreifache Absage gilt auch den damit verbundenen, politischen Mächten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts massiv Fahrt aufgenommen und sich - trotz ihrer Widersprüchlichkeit - immer wieder zusammengeschlossen haben. Ihr gemeinsames Ziel ist die Verhinderung einer Heimstätte für Juden und des Staates Israel. Alle drei Strömungen jammern noch heute über ihr verlorenes Imperium und geben sich anti-imperialistisch. Wer sich heute ganz sicher ist, es könne keine Koalition von sozialistischen Anti-Imperialisten mit muslimischen Imperialisten, also kein grün-sozialistisches Kalifat geben, ist gut beraten sich mit der Geschichte der Region seit 1881 zu befassen. Seitdem die ersten jüdischen Flüchtlinge nach den Pogromen in Russland 1881 im osmanischen Imperium (Kalifat mit Sitz in Istanbul) aufgenommen wurden, werden Juden als missliebige Störenfriede und Fremdkörper in der Region behandelt. Ob als mögliche russische Spione nach 1881 oder als nicht zu trauenden Verbündeten der imperialen Mächte Deutschland, Frankreich oder England (nach 1918); ob als atheistisch-sozialistische Bedrohung des muslimisch-arabischen Nationalismus (nach 1948) oder heute als Verbündete des westlichen Kapitalismus und der USA - die Juden Palästinas wurden von den imperial gesonnenen, muslimischen und arabischen Eliten gerne als Agenten des Imperialismus dargestellt. Der Hass auf Juden vereint auch jene, die jeder Zeit und anderen Orts bereit sind sich gegenseitig den Garaus (Jemen, Syrien, Irak, Pakistan) zu machen. Dass Juden aus Russland und Europa sowie aus den muslimischen und arabischen Ländern des Nahen Osten geflüchtet sind, weil ihnen die dortigen Imperien schlimmste Gewalt antaten, wurde und wird nicht gesehen. Damals wie heute dominiert ein von Enttäuschung über das verlorene Weltreich geprägter Blick. Besonders bitter war es für die arabischen und muslimischen Eliten anzuerkennen, dass die eigene, imperiale Religion das größte Hindernis für den Erhalt der Großmacht war. Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts war dem Kalifen und allen klar, dass das osmanische Reich chancenlos gegen die geistigen und technischen Entwicklungen des Westens war. Die muslimische Welt hat es über Jahrhunderte verpasst eine eigene Zivilisation aufzubauen und wurde daher Stück für Stück von den europäischen Imperien übernommen. Die Enttäuschung der imperialen Träume führt bis heute zum Vorwurf mangelnder, inner-arabischer oder inner-muslimischer Solidarität. Der geistige Vater und Namensgeber der Brigaden und Raketen der Hamas, <em>Izz ad-Din al-Qassam</em>, ist die Verkörperung dieser verbitterten und gewalttätigen Tradition. Aus dieser Gefühlslage ist zu verstehen, warum die Hamas (= arabischer Widerstand) weder das Wort Palästina im Namen trägt noch besonders am Schicksal des palästinensischen Volkes interessiert ist. Jede Gewalttat gegen Juden wird mit der Begleitmusik der enttäuschten Bruderschaft untermalt: dem Aufruf an die muslimischen und arabischen Eliten sich endlich dem Aufstand (Intifada) anzuschließen. Seit einige arabische Staaten die Zwangssolidarität mit Palästinenser-Organisationen (von Fatah über Hamas bis islamischer Jihad) aufgegeben und die „Abraham Accords“ unterzeichnet haben, wurde das Ende dieser Periode eingeläutet. Die Palästinenser-Organisationen haben sich auf Geiselnahme spezialisiert, aber ausgerechnet die eigenen arabischen Brüder wollen nicht länger Geiseln der politischen Inkompetenz oder selbstzerstörerischen Politik der PLO und Hamas sein; sie wollen sich ihre eigenen Ambitionen und Visionen für eine aufstrebende Region nicht länger von Teheran oder vom Terror der PLO zerstören lassen. Daher richten sich heute die Aufrufe der sunnitischen Hamas vor allem an die schiitischen Erzfeinde. Wenn eine sunnitische Terrororganisation sich von einem schiitischen Staat finanzieren und führen lässt ist das entweder eine brenzlig-instabile Bruderschaft unter Erzfeinden oder aber der verzweifelte Versuch sich an die eigenen Henker zu verkaufen. Für jene Palästinenser, die ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand wollen, ist diese Allianz ein trauriger Beweis, auf welchen Abwegen sich ihr Traum von einem eigenen Staat heute befindet. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die einzige Hoffnung liegt derzeit im erklärten Willen vieler Bewohner der Region, eine bessere Zukunft auf der Basis der gemeinsamen Kindschaft zu gestalten: Wir sind alle Kinder von Abraham, Sarah und Hagar. Für die Realisierung dieser Hoffnung werden sich die regionalen Akteure auf die Erfahrungen der israelischen Gesellschaft stützen, trotz extremer Gegensätze ein gewaltfreies und freudiges Miteinander demokratisch gestalten zu können: mit National- und Gemeinschaftsgefühl, in Nachbarschaft und Freundschaft, mit riesigen Familien und vielen Kindern. Jerusalem ist der Ort an dem die Kinder in Zukunft gemeinsam spielen werden, während ihre Eltern sich mit hitzigen Argumenten die Köpfe heiß reden. Alle wollen nach Jerusalem, ich auch.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7"><strong>Karoly Oppenauer</strong> lebt mit Familie in Deutschland und würde lieber in Jerusalem leben.</span></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/">Alle wollen nach Jerusalem, ich auch</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir müssen jetzt radikal werden</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 May 2024 10:32:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=1947</guid>

					<description><![CDATA[<p>Alles Nazis außer Mutti war gestern. Jene, welche noch vor Kurzem mit dem Finger auf jeden zeigten, der ihre Meinung nicht teilte, präsentieren sich nun selbst als direkte Nachfolger der revolutionären Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts, was nicht weiter überrascht, denn... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/">Wir müssen jetzt radikal werden</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Alles Nazis außer Mutti war gestern. Jene, welche noch vor Kurzem mit dem Finger auf jeden zeigten, der ihre Meinung nicht teilte, präsentieren sich nun selbst als direkte Nachfolger der revolutionären Bewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts, was nicht weiter überrascht, denn jedem Kundigen war bewusst, dass Faschist und Antifaschist in ihrer imaginären Verklammerung zusammengehören wie zweieiige Zwillinge.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><span class="tm7">Wenn das Klima, wie seine Jünger nicht müde werden, uns täglich als apokalyptische Johannes Posaune ins Ohr zu pusten, immer extremer wird, muss kriegslogischerweise zur Bekämpfung dieser drohenden Urkatastrophe auf jene Gewaltexzesse zurück gegriffen werden, die dem „</span><em><span class="tm8">Zeitalter der Extreme</span></em><span class="tm7">“ den Namen gegeben haben.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Frau Prof. Hedwig Richter, die gerade mit Bernd Ulrich ein Buch unter dem Titel <em>„Demokratie und Revolution“</em> geschrieben hat und gelegentlich eine gewisse Leidenschaft an den Tag legt, sich mit decouvrierenden Sentenzen ins Gespräch zu bringen, äußerte kürzlich in einem taz Talk einen Satz, der es wert ist, erwähnt zu werden, weil er, wie oben schon angedeutet, eine neue Qualität markiert. Lassen Sie mich, bevor wir zur anstößigen Sache selbst kommen, zunächst den Rahmen erläutern, in dem das Ganze stattfand.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Von der Vorsehung zur Maßnahme</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Gesprächsreihe der taz wird mit zwei Begriffen näher qualifiziert: Weiterdenken und Futur zwei. </span><span class="tm7">Weiterdenken wird als Königindisziplin eingeführt und soll einen wesentlichen Unterschied zur Geltung bringen, nämlich den zwischen den Weiter- und den Kürzerdenkern. Wenn wir statt Denken das Sehen einsetzen, handelt es sich um den Unterschied zwischen der Vorhut, die zur Auskundung vorausgeschickt wird und dem nachfolgenden Rest der Truppe. Schon an dieser Selbstbeschreibung lässt sich ablesen, dass die Voraussehenden den Anspruch erheben, den Kurzsichtigen die Richtung vorzugeben, in der sich die ganze Truppe zu bewegen hat. Je nach Intensität der Kriegführung kann denen, die falsch abbiegen oder gar desertieren ein unerfreuliches Schicksal blühen.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm8"><span class="tm7">Das ganze hat also mit Demokratie wenig und noch weniger mit Denken zu tun, das, wie Arendt zu Recht vermerkte, immer ein Nach- und gerade kein Weiterdenken, bzw. Voraussehen ist. Wir können konstatieren, dass Weiterdenken nichts weiter ist, als die schwach verhüllte Umschreibung dessen, was bei Lenin die Avantgarde und später die führende Rolle der Partei hieß und in jeder ordentlichen sozialistischen Verfassung an prominenter Stelle zu stehen hatte.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Auch der zweite Begriff verweist in die gleiche Richtung: Futur zwei wird grammatisch mit der Formulierung erläutert: es wird gewesen sein. Das impliziert eine geistige Bewegung, die mehr rennt als denkt, denn man muss ganz schnell nach ganz weit vorne rennen, sehen was ist und dann ganz schnell wieder zurück rennen, um den daheimgebliebenen Kurzsichtigen das Ergebnis dieser fantastischen Reise noch ganz außer Atem mitzuteilen. Es versteht sich von selbst, dass bei dieser ganzen Rennerei für die gegenwärtige Lage keine Zeit bleibt.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm8"><span class="tm7">Die Sache nun, um die es in genau dieser Gesprächsrunde zu </span><em><span class="tm9">Klimakrise und Öko-Revolution</span></em><span class="tm7"> gehen soll, wird vom Moderator mit einer Feststellung von Karl Lauterbach eingeleitet, der nicht etwa als geltungssüchtiger Panikprophet, sondern seriöser Zeitdiagnostiker mit dem Satz vorgestellt wird. „Alle Versuche, die Klimakrise so zu kommunizieren, dass sich genug ändert, sind bisher gescheitert.“ Damit ist das Problem ausreichend umschrieben. Nachdem an der Grundlage selbst keine weiteren Zweifel erlaubt sind, geht es um die Frage, wie man Menschen zu etwas zwingen soll, das sie nicht bereit sind, von sich aus zu tun. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><strong><span class="tm7">Vom Parteiensystem zur Revolution</span></strong></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Frau Prof. Hedwig Richter positionierte sich dazu mit der Aussage, dass die Konsequenzen, die man nach dem Krieg aus dem Nationalsozialismus gezogen hätte - den Stalinismus erwähnte sie nicht - heute hinderlich wären und über Bord geworfen werden müssten. Man müsse heute an die revolutionäre Radikalität von damals wieder anknüpfen. Anders könne man die widerspenstige Bevölkerung nicht von ihrer zerstörerischen Normalität abbringen und auf eine heilsgewisse Linie zwingen. Sekundiert wurde sie von Bernd Ulrich, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Wochenzeitung DIE ZEIT, der zu bedenken gab, dass das realpolitische Vorgeplänkel der Grünen erkennbar gescheitert sei und man jetzt wieder auf den fundamentalistisch-revolutionären Kern umschalten müsse. Damit ist die geplante Marschrichtung: bolschewistischer Putsch. Natürlich distanziert man sich scheinheilig gegenüber der Anwendung von Gewalt, um dann, wie es im Deutschen Herbst in gewissen Kreisen üblich war, insgeheim begeistert zu klatschen, wenn es wieder einen Repräsentanten des Schweinesystems erwischt hatte. „Wo immer die Lebensnotwendigkeiten sich in ihrer elementar zwingenden Gewalt zur Geltung bringen, ist es um die Freiheit einer von Menschen erstellten Welt geschehen“ formulierte Arendt als Konsequenz der Erfahrung der europäischen Revolutionen, die im Terror endeten.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Wer in Erwägung zieht, mit den Grünen zu koalieren, sollte bedenken, dass mit der Absage an grüne Realpolitik auch die Frage Partei oder Bewegung entschieden wurde. Was eine linke Bewegung ausmacht, hat Ulrike Meinhof unmissverständlich klar gemacht: „was wir wollen ist die revolution. das heisst: es gibt das ziel - im verhältnis zu dem ziel gibt es keinen standpunkt, sondern </span><strong><span class="tm8">nur</span></strong><span class="tm7"> bewegung. […] standpunkt und bewegung schließen sich aus“ (letzte texte von ulrike).</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Wer sich an Frau Richters Wort von der Suppenkasperfreiheit erinnert, wird zu fragen haben, wer denn hier der intellektuelle Suppenkasper ist, der aus der längst fauligen Brühe der Begründungsontologien sein bereits zigmal aufgewärmtes linkes Revolutionssüppchen kredenzen möchte. </span><span class="tm7">Mit ihren regressiv-vormodernen Fantasien von Allwissenheit und Allmacht wollen die grünen Weiterdenker sich zu denen gesellen, die Sloterdijk die Aktivisten des „guten Verbrechens“ nannte, eine illustre Gesellschaft, zu der er Lenin, Stalin, Hitler und Mao Zedong zählte. </span><span class="tm7">Die intellektuelle Notdurft dieser Nachtröpfler reicht deshalb gerade noch für die Pissrinne, womit nebenbei an merklich fehlende Stimmen wie Georg Schramm erinnert werden soll, dem wir diese unvergessenen Formulierungen für den Zeitgeist der Klofrauen verdanken.<br>
</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Nachdem Gott als plausible zentrale Begründung weggefallen war, das metaphysische Subjekt und der Weltgeist keinen vollwertigen Ersatz lieferten, entstanden im 19. Jahrhundert die zahlreichen Versuche, im Bereich des Realen einen neuen Grund ausfindig zu machen, auf den sich alles Geschehen zurück führen ließe. Das war bei Marx die Geschichte, die bekanntlich eine von Klassenkämpfen sein soll, bei Darwin die Natur und heute muss das Klima jene Leerstelle füllen, für die die Sterblichen nach dem Verlust göttlicher Vorsehung noch keine politische Antwort gefunden haben, mit der sie ihre Ängste bei aufkommender Orientierungslosigkeit beruhigen könnten.</span></p>
<p class="Normal PageBreak"><span class="tm7">&nbsp;</span><span class="tm7">„Revolution und Demokratie sind gegensätzliche Begriffe“ schrieb Raymond Aron 1955 in </span><em><span class="tm8">Opium für Intellektuelle</span></em><span class="tm7"> angesichts der Begeisterung der Linken für Gewaltorgien im Namen revolutionärer Herstellung ganz neuer Normalitäten.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Dass es nicht nur einen Sinn von Revolution gibt, war Hannah Arendt an der ungarischen Revolution von 1956 aufgefallen. Diese hatte die eigentlich moderne Tradition der französischen und bolschewistischen Revolution unterbrochen und damit unwissentlich an die älteren politischen Revolutionen wie z.B. die niederländische wieder angeknüpft, was unter anderem daran lag, dass die Ungarn ihr Ungarn wieder haben und nicht ein Außenlager der Stalinisten werden wollten. Ich gehe wahrscheinlich nicht fehl in der Annahme, dass Arendt, die 1975 gestorben ist, auch die polnische und die baltischen Revolutionen in diesem Sinne beurteilt und geschätzt hätte. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">In einem Interview, das vor wenigen Tagen erschienen ist, positionierte sich Hans-Georg Maaßen gegen die simplifizierende Rhetorik der Radikalität und plädierte für Verhältnismäßigkeit, Maß und Mitte. Das Interview endet mit dem Satz: Ich möchte mein Deutschland wieder zurück haben. Dem kann ich mich ohne wenn und aber anschließen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span class="tm7">taz Talk: <a href="https://taz.de/taz-Talk-mit-Hedwig-Richter-und-Bernd-Ulrich/!vn6008207/" target="_blank" rel="noopener">https://taz.de/taz-Talk-mit-Hedwig-Richter-und-Bernd-Ulrich/!vn6008207/</a></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>============</p>
<p>Publiziert: Eine erste, etwas kürzere Fassung erschien auf <a href="https://www.achgut.com/artikel/radikal_fuers_klima" target="_blank" rel="noopener">Die Achse des Guten</a>, die längere auf: <a href="https://wir-selbst.com/2024/05/25/die-aktivisten-des-guten-verbrechens-wir-mussen-jetzt-radikal-werden/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-vom-parteiensystem-zur-revolution/" target="_blank" rel="noopener">tabula rasa Magazin</a>, <a href="https://www.dersandwirt.de/aktivisten-des-guten-verbrechens/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>,</p>
<p class="Normal">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/">Wir müssen jetzt radikal werden</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„So genau wollte ich es nicht wissen“</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Feb 2024 16:12:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=1855</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr. Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/">„So genau wollte ich es nicht wissen“</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h5 class="Normal tm5"><span class="tm6">Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr.</span></h5>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin heraus: „So genau wollte ich es nicht wissen“ und die ganze Runde brach in fröhliches Lachen aus. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie genau wollen Sie - lieber Leser und Leserin - es wissen, warum jemand zu spät kommt, die Zeichen der Zeit nicht erkennt und Geschichte verpennt? Interessiert Sie dann, ob es der Rechts- oder Linksverkehr, Geschichts- oder Geschlechtsverkehr war? Oder sind Sie wie viele schon, verdrossen und unberührbar geworden - nur noch in Sorgen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Glauben auch Sie, es sei schon zu spät, für ein fröhliches Lachen und ein Morgen? Fühlen sich schwach, ohne Macht? Wir wissen doch noch wie es kracht, wenn wer die Geschichte verpasst. Dann hilft weder Staat noch Stasi, nicht einmal diese verbleiben den Kummer zu vertreiben. Sanssauci - ohne Sorge - gibt’s nur in Potsdam, nicht im ganzen Land. Dort gab es früher mal eine Brücke, einen geheimen Grenzverkehr für die Spione der geheimen Dienste. Die Brücke steht noch, das Land ist verbunden, die Wunden der Spaltung sind …. so genau wollte ich es nicht wissen! Geheim ist nichts mehr, auch nicht wer wem zu Dienste, und wer welchen Geschlechtsverkehr. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wer braucht die geheimen Dienste noch, wenn alles am Boden liegt: Hände hoch! Faktenbestimmer im eigenen Wohnzimmer? Wo einmal eine vermittelnde Mitte war, tönt es heute aus allen Kanonen: Nie wieder! Das Brandmauern muss sich lohnen. Die Spaltung, die lohnt sich, immer noch. Mut zur Mitte, bitte nicht doch. Mut zur Lücke, die bringt uns voran. Zu genau will es sowieso niemand wissen. Lieber halten wir uns an die Staatsräson: „Wissenslücken aus freien Stücken. Der Staat ist Allah, und er ist allmächtig“ - im Alltag funktioniert das prächtig. Gestern, als mein sechs-jähriger Sohn mit Mama im öffentlich rechtlichen Bus des VerkehrsVerbunds saß. Es sind die Meinen, wie stolz ich war, dachte: welch ein Anblick, welch ein Paar. Beim Wegfahren im Konterfei der <a href="https://vhhbus.de/olivia-jones-diversity-bus/" target="_blank" rel="noopener">HHV-Bus-Außenwerbung</a> ich sie sah, eingerahmt von kecken HVV-Kanaken und lasziven Transtravestiterinnen - welch ein Anblick, welch ein Paar. Als stolzer Kanake, darf ich doch, meine nicht weniger stolzen Mit-Kanaken Kanaken nennen. Geht das noch? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es geht viel mehr, meine Tochter in der sechsten Klasse lernt gerade ihre Klassenlehrerin kennen. Es braucht kein Schlüsselloch, sie kann mir die Facebookseite nennen. Die Kaiserin ist nackt, ihre Tatsachen sind nackt … nein, nicht was Sie denken, sie ist kein Trottel, nur eben Talent zum Dessou-Model. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Kaum etwas bleibt ungesagt, gezeigt nur im Verborgenen. Die Kleinen, die nicht wissen was es alles gibt, für diese sind Papa und Mama groß und allmächtig. Heute schreiben Ihre Eltern Geschichte, und so es daneben geht auch mal ein Gedicht, das mehr als zwölf „aufregende Zukunftsbilder“ verspricht. Sie denken wie ich an Sonnen-Auf- oder Untergänge, nicht? Wie naiv wir nur sind! Sie dichtet, kaum zu glauben aber wahr, über ihre schönsten „<a href="https://www.amazon.de/Die-besten-Weltuntergänge-aufregende-Zukunftsbilder/dp/395470255X" target="_blank" rel="noopener">Weltuntergänge</a>“. Gewiss, sie ist nicht ganz dicht. Und wenn Sie sagen - das war er nicht selbst, es war nur die Frau des Ministers - wie recht Sie haben. Der eine ist katastrophal, sie nur katastrophenlüstern. Welch ein Ausblick, welch ein Paar, was wissen wir schon über deren Links- oder Schlechtverkehr?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Was glauben Sie, ob diese Gemengelage - Untergänge und Wissenslücken von nationaler Tragweite - ihren oder meinen Sohn in auch nur geringster Weise anspricht. Ich kann sagen, meinen ficht das nicht. Die sexuelle Revolution, kalter Kaffee ihm ist. Mit seinen kaum siebzehn Jahren ist er Experte schon, für die Beziehung einer alten Frau mit dem Sohn einer anderen. Dieser ist gerade mal 15 Jahre alt und muss schon jobben, als Vorleser und Bettvorleger für eine, die nicht Lesen und nichts Besseres kann („<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser" target="_blank" rel="noopener">Der Vorleser</a>“). Sozial und empathisch, wie gerne hätte ich so einen Sohn. Meiner ist da ganz anders. Bei diesen Sprüchen seines Vaters, wie soll ich es ihm verdenken: Brot für die Welt, die Wurst können sie auch bald haben. Wir geben alles her, Lesen können braucht niemand mehr. Er hat allen Grund sich zu beklagen, nicht einmal bedaure ich seinen Frust bei der Pflicht-Lektüre ganz ohne Wissensdurst. „Ekelig“ und „nie wieder“ quittiert er Erotik und Kinderverführung, eine Erzählung pervers und ohne Lust, ich erspar ihm nicht das Gewicht des hohen Gericht. Er muss ihn aushalten, den Richterspruch seiner Generation, der Schlächter- und Gerechtigkeitsfraktion. Weh tut es mir schon, zu sehen wie sein Gesicht fällt. Er ist ein Kind, kein Kain, dem das</span><span class="tm7"> „Antlitz fiel“ als er den Bruder erschlug im ungerechten Zorn. Auch ein Abel ist er nicht: das Opfer für den gerechten und barmherzigen Herrn? Er weiß es schon, wie der Herr Präsident heute spricht, das ist der Brüderspaltung bitterer Lohn. Nur Lug und Trug, mehr ist es nicht; der Abel sein Opfer abbricht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Urteil ist gefallen, welch ein Glück, nur Bewährung mit Auflagen: Das Buch ist zu gut, Lektüre ist nicht genug. Zur Strafe der Film zum Buch, dann das Theaterstück zum Film; und weil die Rekonvaleszenz ist unsere Pflicht, schlußendlich die englische Verfilmung des unansehlichen Stoffs im Englisch-Unterricht. Hartes Urteil meinen Sie? Keine Sorge, die Kinder verstehen diese Botschaft immer und es ist gut: der Stoff ist wichtig, Widerstand nichtig. Direkt an zweiter Stelle unter Gerechtigkeit kommt das Geschlecht, nicht schlecht? Wer wie mein Kind rechnen kann, auch mit dem Transgerechtgeschlecht-Rechenschieber, der bekommt heraus: Geschlecht ist gerecht und auf keinen Fall „Rechts“. Auch bei hohem Aufkommen in der Gauss*****schen Mitte lässt sich das spielend ver-rechnen. Das Ergebnis erstaunt nur jene, die niemals die Mitte im römischen Kreisverkehr halten sollten: Mittelstreifenverkehr ist Kamikaze, die Mitte ist schon viel zu weit rechts. Streifenwechsel ist Pflicht, angezeigt wird er nicht. Die Linksfahrer drehen im Kreis, die Rechtsausleger wollen raus. Sie wissen doch, im Kampf gegen ungerechten Rechts-Verkehr geht es darum Zeichen zu setzten: links blinken, rechts rausfahren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Endlich klärt die Klassenlehrerin die aufgeklärten Eltern auf, was wirklich hier die Sache ist. Das macht sie gern, das sieht sie als ihre höchste Pflicht. Im Buch geht es weder um jenes, was die Jugendlichen sticht noch was mich als Vater anspricht. Die Sache ist - sie ahnen es schon - die Erinnerungs- und Schulddiskussion. Der Hanna im Roman fehlt das H und ihre HER-story die ER-innerung. Denkt bitte jetzt nicht an die Hanna ohne H, mit R wie Resch und mit der ARD. Die hatte es auch schwer mit der Erinnerung. Ihr fiel zumindest noch ein was wichtig ist: der Israeli ein rechter Schurke ist („<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Fq-ecR6Arpw" target="_blank" rel="noopener">Hanna Resch sammelt sich</a>“). Dann musste sie sich sammeln - ich mich auch, und die Runde brach in schmerzlich-hysterisches Lachen aus. Pfui, wer gar an die Hannah mit H und Arendt dacht. Welch ein Hohn, ein deutscher Schurke du bist! Verstehen was auf dem Spiel steht bei jeder Tat? Das war ihr Auftrag, ihr Bündnis und Verkehrsverbund, der „Integrität der Tatsache“ verpflichtet. Sie stand aufrecht auch wenn sie saß, inspirierte während sie öffentlich-rechtlich ihre Fluppe qualmte. Ihr Element, die amerikanische Revolution, das town hall meeting in lebendiger Diskussion - der Geruch von Freiheit und die Macht der öffentlichen Tat, er vertreibt den bullshit, der uns in allen Kanälen küsst. Im Abflussrohr sitzen Faktenkleckerer, mit Mundgeruch und konspirativen Abhörinstrumenten. Sie Klotzen und Kotzen, bis einer sich ver ….</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Arendt’sche Mut war groß, wie ihrer Widersacher viele. Im Jammertal der Pädophilie hat sie ebenso wenig verloren wie als poster child auf dem Bus der Anarchie. Meine Lehrerin damals, schaute mir tief in die Augen ins Herz, und sagte: Sie müssen Hannah von A bis Z lesen. Heute sagt die Lehrerin dem Vater vom Sohn, warum zu lesen sei die story der Hanna ohne H, der pädophilen Kindermörderin ohne Kind. Wen es stört, der möge sich bei jenen beklagen, die an höchster Stelle steh‚n. Beamte führen nur aus was die Führer sagen: Demokratie fördern, Spritzen und Spitzen verteilen, alle Eichmänner und Eichfrauen bei Fuß - oh je, welch ein Graus.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schade ist es schon, denn wie sollte ich beim Werther oder bei Antigone sagen: „Mein Sohn, schau mal, Vorlesen lohnt sich, schlag Gold aus der üblen Pflicht. Deine Chancen bei den Girls steigen exponential, eröffne deinen eigenen Vorlesekanal“. Er war Feuer und Flamme für diesen Staat und hatte den Titel schon parat: „Weder Rechts noch Sex“. Hier ist er voll auf Spur, streaming on line und mainstreaming auf der PubertätsVerhinderungsMittel-Spur: „Sei du selbst“ und verarsch deine Eltern mit dem Gesetz das Selbstbestimmung macht zum ehernen Gesetz: Kinder gehören dem Staat, ihr Eltern habt den Windelsalat. Das Motto des Sprechkanals ist solchen Lappalien entronnen, seiner Zeit weit voraus: „Sprechakt statt Geschlechtsakt“ - es klatschen alle Applaus. </span></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/">„So genau wollte ich es nicht wissen“</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
