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	<title>Freiheit - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Hurra - endlich wieder Katastrophe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 08:27:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Reaktionen der alt-europäischen Eliten auf die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz und der Triumphzug, den sie dem ukrainischen Präsidenten Selenskyi nach dem Eklat, den dieser im Oval Office provozierte, ermöglichten, haben der US-Administration klargemacht: die... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/hurra-endlich-wieder-katastrophe/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Reaktionen der alt-europäischen Eliten auf die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz und der Triumphzug, den sie dem ukrainischen Präsidenten Selenskyi nach dem Eklat, den dieser im Oval Office provozierte, ermöglichten, haben der US-Administration klargemacht: die dominierende Klasse in den meisten Ländern der Europäischen Union ist sinnvollen Argumenten nicht mehr zugänglich. Amerikas Versuch, ihnen im 20. Jahrhundert ein paar <em>basics in politics</em> nahezubringen, sind trotz umfangreicher militärischer und wirtschaftlicher Begleitbemühungen gescheitert. Die korrupten europäischen Eliten mussten derweil zur Kenntnis nehmen, dass die Trump-Administration weder die verschärften Zensurbemühungen noch den Notbehelf einer Wahlannulierung goutieren wird. Personalentscheidungen wie Kash Patel (siehe sein Buch „Government Gangsters“) dürften auch dem Letzten klar gemacht haben, dass der Anti-Korruptionszug vor den Toren Europas nicht haltmachen wird. Das Tischtuch der gemeinsamen Räuberbande war zerschnitten.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><span class="tm7">Es schien den neofeudalen Eliten daher geboten, gegenüber der amerikanischen politischen Erneuerung, erst recht gegenüber dem Brandherd einer gefährlichen Pandemie-Aufklärung einen neuen Schutzwall zu errichten. Dazu muss die ehemalige Befreiungs- und Schutzmacht zur neuen Inkarnation des Bösen mit infektiöser Ansteckungsgefahr umdeklariert werden. Das an seinem politischen Unvermögen zerfallene Europa schickt sich an, gleichzeitig die russische Despotie im Osten und den amerikanischen Faschismus im Westen erfolgreich besiegen zu wollen. Gewisse Parallelen zur irrationalen Kriegsbegeisterung zu Beginn des Ersten Weltkrieges drängen sich auf. Einkreisungsphobien in Zeiten bröckelnder Herrschaftslegitimierung sind sowohl aus der Geschichte Frankreichs, wie der Deutschlands bekannt. In beiden Fällen führte die Flucht nach vorne zum Ende der bestehenden Ordnung. Amerika hingegen wird sich seine Freunde unter denen suchen, die die Freiheit zu schätzen wissen. Aus ihrer Sicht gibt es jetzt Wichtigeres als die Ewiggestrigen aus Old Europe. Man sollte daher die aufgeregte „Verrat am freien Westen“ Rhetorik als das nehmen, was sie ist: blanke Verzweiflung einer Clique, die vor einem riesigen Trümmerhaufen und, würde der allgemein bekannt werden, einem Nürnberg 2.0 steht.</span></p>
<p><strong>Die Rechtgläubigen und der Abfall</strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Krisen führen im christlichen Abendland in schöner Regelmäßigkeit zu einem Rückfall in Verhaltensweisen, deren Spuren sich bis auf die Durchsetzung der </span><em><span class="tm9">Rechtgläubigkeit</span></em><span class="tm8"> in der Spätantike zurück verfolgen lassen. Der schier unerschöpfliche Fundus christlicher Traditionen bei gleichzeitigem fast vollständigem Fehlen politischer Paradigmen begünstigt die Verlagerung von politischen Herausforderungen in religiöse Konflikte, was die Krisen nicht entschärft, sondern eigens noch auf gewaltsame Entladungen hin zuspitzt. Das in der Spätantike entstandene Konzept der „Rechtgläubigkeit“, das zunächst nur die Absicht verfolgte, die eine geoffenbarte Wahrheit gegen alle anderen Meinungen abzusondern, die dadurch als Abfall vom wahren Glauben definiert werden konnten, erhielt etwa ab der Jahrtausendwende eine zusätzliche politische Aufladung. Der einzige Sinn der christlichen Offenbarungswahrheit konnte von oben diktiert, alles andere als Abweichung definiert werden. Zwischen der Offenbarungswahrheit, die vorgeschrieben und der Tatsachenwahrheit, über deren Bedeutung stets gestritten werden muss, wurde eine Trennungslinie gezogen, die, aller Aufklärung zum Trotz, bis heute in der Alten Welt Bestand hat. Der ursprünglich neutrale Begriff Häresie, der nur die Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten bezeichnete, wurde genutzt, um aus den vom wahren Glauben Abgefallenen den Häretiker als Feindbild zu extrahieren und damit jegliche unerwünschte innerkirchliche Reformbestrebung schon im Ansatz unterbinden zu können. Der Stoffwechsel einer Ordnung aus Rechtgläubigen benötigt keine Alternativen, zwischen denen man wählen und entscheiden könnte. Das Unverdauliche kann als Abfall ausgeschieden und entsorgt werden. Egal, wie gut begründet, Reformbewegungen wurden als heuchlerische Verschwörung des Antichristen, wo nötig mithilfe einer peinlichen Befragung, entlarvt und, sofern sie nicht freiwillig in den Schoss der Kirche zurück kehrten, mit Endzeitklängen bekämpft bis hin zu gewaltsam vernichtet. Das, was wir heute als zivile Streitkultur bezeichnen, konnte ihn diesem Rahmen weder entstehen, noch sich als Gewohnheit verwurzeln. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm8">Natürlich nutzten auch die weltlichen Herrn alsbald die probaten Methoden von Herrschaftssicherung und Vermögensvermehrung. Als Philipp IV, König von Frankreich, unter Geldsorgen litt, wurde der Templerorden wegen Ketzerei, Götzenanbetung, Sodomie und anderer teuflischer Praktiken verurteilt, ein Großteil der Ordensritter inklusive des Großmeisters verbrannt, was im entstehenden Absolutismus nicht nur einen Machtkonkurrenten ausschaltete, sondern zusätzlich Geld in die Kassen des Königs spülte. Seither ist es ein vertrautes Muster: Reformansprüche - einerlei ob religiöser oder politischer Natur - werden durch ihre erst religiöse, heute moralische Verketzerung politisch delegitimiert, um den eigenen Status Quo zu retten. Es gehört zum Standardrepertoire europäischer Machtbehauptung, sich vor allem in den Innenverhältnissen unliebsamer Konkurrenz durch moralische Dehumanisierung zu entledigen.</span></p>
<p class="Normal"><strong><span class="tm5">Religion und Politik - reloaded</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Eine mit Besonnenheit, Geduld und Klugheit lösbare Aufgabe wird aus dem politischen Feld in das religiöse übertragen, was eine politische Herausforderung in einen potenziell religiösen Konflikt umwandelt und eine normale Krise erst in eine Frage von Leben und Tod im Kampf gegen das Böse künstlich eskaliert. Die Selbstwahrnehmung Europas als Herz der „Freien Welt“, das seine Lebensenergie gleichzeitig gegen Russland, Amerika und China behaupten müsse, liegt so fernab vom tatsächlichen Krankheitszustand des einstmals großen Kriegers, dass man am Geisteszustand der europäischen Eliten ernsthafte Zweifel anmelden muss. Europa hat seinen Bedeutungsverlust nach der Hochphase der Herrschaft über den gesamten Erdball offenbar noch immer nicht verkraftet und fantasiert sich eine Größe, die längst der Vergangenheit angehört. Die Zeiten, als Papst Alexander VI. nach der Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus den Globus in zwei Hälften teilte und eine den Portugiesen, die andere den Spaniern zur Ausplünderung übergab, Zeiten, in denen sich Europa als die Sonne fühlen konnte, um die sich alles dreht, sind definitiv vorbei. Freud sprach von den drei großen narzisstischen Kränkungen, der von Kopernikus, der die Erde aus dem Zentrum rückte, der von Darwin, der erklärte, dass die gottgleichen Geschöpfe vom Affen abstammen und der von Freud selbst, der belegen konnte, dass das souveräne Ich nicht Herr in eigenen Haus ist.</span></p>
<p><strong>Amerika und „der Westen“</strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Die beiden zentralen Machtfaktoren des westlichen Kontinentaleuropas sind in einem beklagenswerten Zustand. Frankreich, mittlerweile bei der Fünften Republik angekommen, hat seit der französischen Revolution sein eigenes Souveränitätsproblem nicht gelöst und jagt als einzige westeuropäische Atommacht alten absolutistischen Träumen europäischer Hegemonialmacht hinterher. Deutschland, das sich nach zwei Niederlagen an ihrer Weltherrschaftsfantasie die Finger verbrannte, hat sich politisch so weitgehend infantilisiert, dass es als ernst zu nehmender Machtfaktor ausfällt, zumal es schon mit der Verketzerung einer alternativen politischen Partei überfordert ist, von der vorauseilenden Unterwerfung unter einen eingewanderten fundamentalistischen Islam gar nicht zureden. Ein Land mit umfangreicher Erfahrung in der Perversion des Rechts, das erneut die eigene Justiz für den Machterhalt politisiert, will sich als kontinentaler Rechtsträger aufspielen? Nach den zwei angezettelten Weltkriegen darf Deutschland im europäischen Konzert ohnehin nur mit dem Scheckbuch wedeln. Den jungen Amerikanern, die statt aufs College zu gehen am Omaha Beach auf den Strand liefen und zusammengeschossen wurden, konnte Präsident Roosevelt noch annähernd glaubhaft vermitteln, wofür sie ihr Leben opfern. Welcher halbwegs intelligente europäische Student soll für diesen faulenden Apfel sein Leben aufs Spiel setzen?</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Der Machtauseinandersetzung mit Russland war verloren, als „der Westen“ entschied, die Russen in die Ukraine einmarschieren zu lassen und kein Stoppschild aufstellte. Inzwischen ist aus der ursprünglich als „Spezial-Operation“ deklarierten Maßnahme ein zynischer Abnutzungskrieg geworden, von dem nur wenige profitieren, aber viele den Preis bezahlen. Handfeste US-Interessen im Land wären die beste Sicherheitsgarantie, die die Ukraine bekommen kann, weit vor allen internationalen Verträgen und anderen liberalen Illusionen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Aktuell gibt es lediglich drei globale Machtakteure mit je unterschiedlichen Vorstellungen einer politischen Großraumordnung, von denen die chinesische für jede freiheitliche Perspektive am gefährlichsten ist. Nach dem Zerfall des Sowjetimperiums kämpft Russland darum, überhaupt wieder ernst genommen zu werden - Fukuyama’s Ende der Geschichte bedeutete nicht das Ende des Kampfes um Anerkennung - China will den Globus in ein riesiges Lager verwandeln und die Menschheit in eine dressierte Affenhorde transformieren, während Amerika sich zum Teil wieder seiner Wurzeln erinnert. Europas Problem ist weder Russland noch die USA, sondern ausschließlich Europa selbst und das schon ziemlich lange. Europa als vernachlässigbare Größe sollte sich gut überlegen, welche Ordnung seinen Bürgern am ehesten zukommt und sich dieser als nützlicher Gefährte anbieten.</span></p>
<p>=====</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.dersandwirt.de/hurra-endlich-wieder-katastrophe/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>, <a href="https://www.globkult.de/politik/welt/2451-hurra-endlich-wieder-katastrophe" target="_blank" rel="noopener">GlobKult Magazin</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/hurra-endlich-wieder-katastrophe/">Hurra - endlich wieder Katastrophe</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 07:21:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während die einen den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, ersehnen die anderen seine Rettung. Der massive Realitätsverlust hat beide Lager gleichermaßen erfasst.</span><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">IT-Krieger, ob beauftragt oder proaktiv, suchten im Vorfeld die Server, die das Gespräch für den deutschsprachigen Raum weiterverbreiteten, mit <em>denial-of-service</em> Attacken lahm zu legen. Ein Spezialtrupp von 150 EU-Beamten wurde zur Feindaufklärung für die Gegenoffensive in Stellung gebracht. Üblicherweise lösen feindliche Mobilisierungen solche Gegenmaßnahmen aus. Für den aktuellen Zustand Deutschlands genügt eine Gesprächsankündigung</span>.</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine neo-feudale Negativelite, die mit dem Rücken zur Wand steht und schon vor Jahren hätte abtreten müssen, versammelt das letzte Aufgebot zum letzten Gefecht gegen das eigene Volk. Bevor das Volk falsch wählt, soll es entwaffnet und entmachtet werden. Einen Vorteil hat die martialische Rhetorik: der einzige Sinn der nächsten Bundestagswahl ist, ihre Annullierung zu provozieren. Dann hat auch der letzte begriffen, was diese EU unter Demokratie versteht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nach 45 kommentierte A. Kojève, ein russisch-französischer Philosoph, dass nur ein politisch hoffnungsloses Land wie Deutschland einer Illusion bis zur Erschöpfung nachlaufen könne, was der Kabarettist Pispers auf die Formel brachte: Der Deutsche glaubt noch an den Endsieg, wenn der Russe schon vor der Tür steht. Das es diese Leute wirklich gab, konnte ich einem Bericht der Schwester von Bonhoeffer entnehmen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Interessanter als das letzte Gefecht der Linken, die in ganz Mitteleuropa schon 1989 gescheitert waren, sind allerdings die zahlreichen Reaktionen des anderen Lagers nach dem Gespräch. Sie verraten viel über die Defizite, die Kojève zur Einschätzung „politisch hoffnungslos“ brachten. Ich beschränke mich auf die auffälligsten Punkte.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gastgeber des Gesprächs war Elon Musk, woraus sich auch der vorrangige Adressatenkreis ergab, der zu Beginn des Gesprächs genannt wurde. Frau Weidel wurde gebeten, den amerikanischen Zuschauern zu erläutern, um was für eine Partei es sich bei der AfD handele. Bei der weit überwiegenden Zahl der Kommentatoren musste man den Eindruck gewinnen, dass ihnen schon die Fähigkeit fehlte, ihren Platz in einer Konstellation unterschiedlicher Plätze verorten zu können. Die deutschen Kommentatoren saßen weder in der ersten Reihe, noch drehte sich das Gespräch um sie, was zahlreiche „Intellektuelle“, für die Arendt nach der Erfahrung der freiwilligen Gleichschaltung nur noch Verachtung übrig hatte, dazu verleitete, sich in elaborierter Stammstichpöbelei zu ergehen. Wer verstehen will, was gegenwärtig auf dem Spiel steht, braucht keine der Fähigkeiten, deren Mangel dort wortmächtig beklagt wurde.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Frau Weidel stottere mit stümperhaftem Englisch herum, verwechsle Kommunisten mit Sozialisten, sei intellektuell peinlich, ein provinzielles Groupie und würde bei Israel nur herum eiern, um nur ein paar zu nennen. Es fehlten nur noch die Blondinenwitze. Erinnern Sie sich noch, als Kohl vom gleichen Milieu zur Birne gemacht wurde? Intellektuelle sind bessere Hofnarren. Sie suchen die Nähe des Herrn, der sie für ihr Geschwätz alimentiert. Zahlreiche dieser Invektiven verraten daher mehr über die Sprecher, als über das, worüber sie sich echauffieren. Ich lese sie als Indiz für die unverändert verbreitete Sehnsucht noch dem mythisch-romantischen Helden, dem Erlöser, der sie endlich aus der Dunkelheit ins Licht führt. Dass Hitler auf dieser Welle nach oben gespült wurde, scheint bei aller Vergangenheitsbewältigung unverstanden.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Frage, ob Hitler ein Linker oder Rechter war, ist so sinnlos wie ein Kropf, weswegen sie ein Lieblingsspiel der Einfaltspinsel bleibt, die aus dem geistigen Horizont der Religionskriege nicht herauskommen. Politisch betrachtet gab es zwei Hitler. Der private soll ein freundlicher, zugewandter, sogar charmanter Zeitgenosse gewesen sein. Der öffentliche war weder Individuum noch Charakter. Als Führer einer Bewegung war er eine Hohlform ohne eigenes Selbst. Als Wille des Volkes saugte, sammelte, konzentrierte und verkörperte er all das, was diejenigen, die ihn nach oben trugen, in ihm sehen wollten. Deshalb ist die Bild headline bei der Wahl Ratzingers zum Papst noch immer die trefflichste Formulierung. Wir waren Hitler. „Ein Mensch. Ein Wort“&nbsp; - heißt es heute beim Führer der neuen Bewegung, womit er getreulich die Vorgabe seiner Vordenkerin erfüllt, an die <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/" target="_blank" rel="noopener">revolutionäre Radikalität der Nationalsozialisten</a> anzuknüpfen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nur ganz wenigen war aufgefallen, dass man Zeuge eines Gesprächs war, einer lockeren, entspannten Feierabendplauderei über Gott und die Welt, einer Selbstverständlichkeit, die in normalen Gemeinwesen Alltag ist, aber in Deutschland längst Seltenheitswert hat, weil so gut wie alles und jedes sofort zum Gesinnungskrieg umfunktioniert wird. Dass Frau Weidel nicht der Siegfried ist, der in funkelnder Rüstung den linken Drachen bekämpft, hätte man auch vorher wissen können.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Freiheit in dieser Hinsicht ist sowohl die Eigenschaft einer Gesprächsumgebung, die gut genug sein muss, als auch die Bedingung der Möglichkeit, Fehler machen zu können. Mir sind authentische Personen, die Fehler zulassen können und unmittelbar aus ihnen lernen, weitaus lieber, als solche, die in Heldenpose ein Projekt verwirklichen müssen und selbst dann noch eisern weitermachen, wenn das Scheitern längst offenkundig ist</span><span class="tm7">.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein Letztes: </span><span class="tm6">Ich halte den Satz von Elon Musk „Nur die AfD kann Deutschland retten“ für irreführend. Die politische Aufgabe der AfD ist deutlich begrenzter, womit ich anschließe, was ich schon früher formulierte („<a href="https://www.tumult-magazine.net/post/boris-blaha-die-afd-der-fu%C3%9F-in-der-t%C3%BCr" target="_blank" rel="noopener">Die AfD - der Fuß in der Tür</a>“). Den Durchmarsch einer sozialistisch-autoritären bis totalitären Einheitspartei kann nur die AfD aufhalten. Eine andere politische Macht ist nicht in Sicht. Sie könnte, wenn man sie liesse, den Irrsinn stoppen, eine Schadensbegrenzung einleiten, den Rückwärtsgang einlegen und für uns Zeit gewinnen, mehr nicht. Dafür ist Frau Dr. Alice Weidel ausreichend qualifiziert. Die Frage, warum auch die zweite deutsche Demokratie gescheitert ist, können nur die Deutschen selbst beantworten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>======</p>
<p>Publiziert auf: eine geringfügig kürzere Fassung erschein bei <a href="https://reitschuster.de/post/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Ende der Verklärung - Teil2: Die Verklärten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Dec 2024 16:11:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
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		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Heiligenschein der Erde Eine geniale Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt gelang jahrelang jenen, die heute auf dem Zenit der Selbstverliebtheit das Ende der Verklärung verkörpern: den Grünen. Ihnen gelang über Jahrzehnte die Quadratur des Kreises, da sie die... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil2-die-verklaerten/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil2-die-verklaerten/">Das Ende der Verklärung - Teil2: Die Verklärten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Im Heiligenschein der Erde</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Eine geniale Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt gelang jahrelang jenen, die heute auf dem Zenit der Selbstverliebtheit das Ende der Verklärung verkörpern: den Grünen. Ihnen gelang über Jahrzehnte die Quadratur des Kreises, da sie die Katastrophenszenarien der Menschen-als-Bombe mit den Bomben im Befreiungskampf der kolonialisierten Menschen zu verbinden wussten. Wir können es nur bewundernd feststellen und als Phänomen beschreiben. Entkolonialisiert wurde ab den 60er Jahren alles und alle: Afrikaner und Algerier, Kinder und Inder, Frauen und Familienkonzepte, Hochschulen im Allgemeinen und die Geisteswissenschaften im Besonderen. Immer mehr Kinder mit der Gnade der späten Geburt empfanden sich als mitten im Befreiungskampf, den ihre Eltern nicht gekämpft hatten. Selbst Judenselektion fand wieder statt (Entebbe) und linker Antisemitismus war hoffähig. Während der „Club of Rome“ den Endkampf um die zu Ende gehenden Ressourcen proklamierte, riefen die Grünen zur Entwaffnung Europas auf. Ich setze 1994 als Übergangsjahr von der Verliebtheit zur Verklärung an, da damals das erste Mal ein friedliches Land der Welt (Ukraine) freiwillig seine nukleare Bewaffnung aufgab.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie die Grünen all diese Stränge der Geschichte verbanden, bleibt rätselhaft und die Absurdität des Unterfanges zeigte sich überdeutlich im Zerfall. Zuerst stand, durch den Zusammenbruch der UdSSR, die Welt der Verliebten auf dem Kopf. Die neue Katastrophisierung wurde zwar schon seit 1988 (James Hansen vor dem US-Senat) vorbereitet, nahm aber erst Mitte der 1990er volle Fahrt auf. Angela Merkel wurde spätestens 1995 bei einer ihrer ersten Klima-Konferenzen initiiert. Nun folgte eine Konferenz der nächstem, die das neue Bombenszenario und die neue Qualität des Selbstmordattentats ausgestaltete. Wir kamen in die planetarische Phase der Verklärung der Erde zum revolutionären Subjekt und dem Wetter zum kollektiven Selbstmordattentat. Die Bombe des explosiven (exponentiellen) Wachstums der Weltbevölkerung hatte nicht die vorhergesagte Verheerung provoziert. Im Gegenteil, die Menschheit wurde mehr und die Armut nahm ab. Indien versank nicht in Armut, sondern wurde zu einem Nahrungsmittelproduzent für andere Länder. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Anfang des 21. Jahrhunderts wurde dann die neue Bombe scharf gemacht. Das explosive (wieder: exponentielle) Wachstum der Kohlenstoffe bedrohte nun nicht mehr die „Menschheit“, sondern das neue Objekt der Verliebten: die Erde. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im Gegensatz zum Gewusel der Menschen in der Menschheit eignet sich die menschenleere Erde viel besser zur Idealisierung und Verklärung. Die Verzückung über die neue Ikone wurde durch eine Verrückung der Perspektive möglich. Das Bild des Planeten vom Weltall aus gesehen zeigt die Atmosphäre als Heiligenschein. In einer Parallelaktion wurde die Schönheit der „wilden“ Natur neu entdeckt. Dadurch bekam die Verklärung auch eine irdische Aufladung und einen politischen Auftrag: die Reinheit der wilden und schönen Erde vor ihren unreinen und hässlichen Bewohnern zu schützen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im Übergang von der Verliebtheit zur Verklärung werden Menschen kindlich und kindisch. Ihr Bild der, angeblich vom Menschen unberührten, wilden und schönen Natur wird kitschig; die Liebe zu wilden Tieren erreichte ihren kindischen Höhepunkt im Tier-Film. DreamWorks ging 2005 mit „Madagaskar“ in die Kinos, einem Film, der erzählte wie zivilisierte Zoo-Tiere ihre tierische Natur und innere Wildheit entdecken, um diese dann am Ende doch zu überwinden. Madagaskar war finanziell erfolgreich und zeigte wie Steak-Esser sich in zahme Vegetarier oder zumindest in Sushi-Liebhaber verwandeln konnten. Damit war auch die neue, klima-neutrale und wunderschön domestizierte Männlichkeit definiert. Die männliche Menopause wurde zur Verkörperung des gebändigten Mannes. Der zivilisierte Mann ist harmlos, a-sexuell, fleischlos und schwammig – und darf auch so zur EuroVision antreten. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Al Gore und der Klima-Porno</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In dieser DreamWorks-Version des heilsamen Dschungels passen kindische Politiker und politisierte Kinder gut ins Bild. Im Zentrum ihrer Realität steht der planetarische Überlebenskampf der guten, wilden Natur gegen eine verruchte und unzivilisierte Menschheit. Letztere bedroht die Existenz und das Selbstbestimmungsrecht der Erde mit einem Selbstmordattentat. Um diesen Mord der Gattung an ihrem eigenen Planeten in jeder Stube und in jedem sozialen Medium omnipräsent zu inszenieren, wurden alle Register der obszönen und pornografischen Darstellung (</span><span class="tm7">Susanne Kappeler</span><span class="tm7">) gezogen. Als oberster Regisseur dieser lustvollen Ausgestaltung der Katastrophe trat die Wissenschaft auf. Diese wurde Jahr für Jahr immer politischer und immer mehr Politiker waren und empfanden sich als Wissenschaftler. Auch der neue Papst war – eigentlich – Wissenschaftler. Die Strahlkraft der Verklärung ließ Wissenschaft und Politik im neuen Glanz erscheinen und die Verliebten waren begeistert und bereit zur Ekstase: Es gibt so viel Gutes zu tun und die Leidenschaft es zu tun ergibt unvorstellbar viel Sinn.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie beim Tanz ums goldene Kalb hoffte die neue Generation, dass etwas vom Gold und dessen Glanz auch bei ihnen zu Hause landen würde. Kaum einer verkörpert diese Hoffnung auf Gewinn und Zuwachs an eigenem Glanz beim Übergang in die Verklärung besser als Al Gore. Al Gore war von 1993 bis 2001 Vize-Präsident der USA und ist der Prototyp des „Politiker als Wissenschaftler“ und des neuen revolutionären Subjekts als Katastrophengewinnler. Während er 1992 noch vor der Überbevölkerung als dem größten Problem warnte, wurde er 2006 mit seinem „Wahrheitsfilm“ weltberühmt und steinreich. Während das Polit-Ehepaar Tripper and Al Gore in den 80iger Jahren noch ganz züchtig für die Werte der Familie (family values) kämpfte und selbst die Zensurkeule gegen Künstler wie Prince (Purple Rain) und Frank Zappa auspackten, war Al Gore nach der verlorenen Wahl 2000 – die viele Demokraten als Wahlbetrug bezeichneten – lange Zeit der unbestrittene Anführer des neuen KKK, des Klima-Katastropen-Kurs. Erst durch das Auftreten des züchtigen Kindes Greta änderte sich das Bild. Mit Greta beginnt der Heiligenschein zu bröckeln. </span><span class="tm7">Sie ist der Würge-Engel der verliebten und verklärten Generationen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Ausgerechnet Kattowitz </span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als </span><span class="tm7">Greta Thunberg im Dezember 2018 </span><span class="tm7">in Kattowitz das erste Mal außerhalb Schwedens auftrat, war <a href="https://croniquessubsidiaries.org/2020/07/25/an-inconvenient-truth-for-al-gore-greta-thunbergs-effectiveness/" target="_blank" rel="noopener">Al Gore</a></span><span class="tm7"> mit von der Partie. Gerade auf dem aufsteigenden Ast ihrer messianischen Phase</span><span class="tm7">, lief ein Jahr später schon die nächste globale Panik-Show. Dadurch geriet das Gravitationszentrum des revolutionär-katastrophalen Subjekts </span><span class="tm7">endgültig aus dem Lot</span><span class="tm7">. In der Politik der Pandemie wurde deutlich, wie gut medizinische und militärische Strukturen vernetzt waren. Dieses Netz war nicht mehr mit der bedrohten Erde oder der ungebremsten Reproduktion der Gattung befasst. Ihre Bombe war wiederum das exponentielle, explosive Wachstum - diesmal der Viren. Heute geht es um die kleinsten Teile, die Abschnitte und Abschriften der Gene. D</span><span class="tm7">iese molekularen Texte können </span><span class="tm7">nur noch wenige lesen und verstehen. Noch viel wenigere können mit der der dabei verwendeten Technologie in Hochsicherheitslabors sicher umgehen und die Öffentlichkeit erfährt von diesen elementaren Forschungen fast nichts. Aber, fast alle haben ihre Konsequenzen zu spüren bekommen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die entscheidenden Forschungen im Bereich der Biotechnologie und Physik finden in geheimen, medizin-militärischen Labors, meist ohne Wissen und Kontrolle der Öffentlichkeit statt. Das hat vor 20 Jahren der ebenso mutige wie geniale Nobelpreisträger für Physik, Robert Laughlin (Stanford University) angedeutet. Er hat darauf hingewiesen, dass jene, die öffentlich über diese Tatsache der Geheimforschung oder gar deren Inhalte sprechen, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OeG9iLR9_nE" target="_blank" rel="noopener">drakonischen Strafandrohungen ausgesetzt sind</a>. Er selbst war kurze Zeit auf der anderen Seite, hinter dem Zaun der Geheimhaltung und hat vorhergesehen, was wir nun alle bestätigen können: Der medizinisch-militärische Komplex ist fest installiert, global vernetzt und läuft wie geschmiert. Seine Akteure müssen sich auch nicht wie Selbstmordattentäter in Tunnels verstecken. Sie bekommen öffentliche Ämter und Verdienstkreuze.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Follow the scientists</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die zuerst verliebte und dann verklärte Generation hat diese Entwicklung zuerst zugelassen und dann enthusiastisch begrüßt. Das Versagen der Klima-Bewegung schreit zum Himmel. Anstatt den Wissenschaftlern in ihre geheime Labors zu folgen und auf die Finger zu schauen, traten sie mit Füßen, was nicht nur Paulus als das Wichtigste ansah: die Liebe. Was die Verklärten der Liebe anzutun bereit sind, hat der Vatikan für die Nachwelt festgehalten</span><span class="tm7">. </span><span class="tm7">Er hat die globale Anwendung eines Toxins als Liebesdienst („gift of love“) auf einer Gedenkmünze feiern lassen. Zukünftige Archäologen werden staunen, wie einprägsam die Generation der Verklärten ihren eigenen Niedergang auf </span><span class="tm7">ein paar</span><span class="tm7"> Quadratzentimeter Metall zelebriert haben. Mit „a gift of love“ wurde bis 2020 das Lebenswerk von Johannes Paul II geehrt. Sein Nachfolger, </span><span class="tm7">Jorge Mario Bergoglio (Franziskus)</span><span class="tm7"> aus Buenos Aires, hat sich vom Viren-Teufel persönlich, von Anthony Fauci, informieren und inspirieren lassen. Das globale Verbrechen gegen die Liebe wurde als Ausdruck derselben auf Münzen verewigt – es gibt kaum ein deutlicheres Zeichen, wie sehr sich die verliebte Generation in der selbstverliebten Verklärung verloren hat.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als der Doktor der Physik, Bundeskanzlerin Angela Merkel, im Bundestag den PCR-Test erklärte, stimmte nicht einer ihrer Sätze mit der Realität überein; nicht ein Wort von dem, was sie sagte, hatte medizinisch-wissenschaftlichen oder menschlichen Verstand. So ging die Phase der Verklärung zu Ende und hinterlässt einen Scherbenhaufen, den die Selbstverliebten immer noch als große reinigende Katastrophe an den Horizont der Geschichte projizieren. In Anspielung an Platons Höhlengleichnis können wir feststellen: Die Höhle ist leer, der Film ist gerissen. Der nächste Film läuft schon anderen Orts, in den Tunnels der Hamas und Hisbollah oder </span><span class="tm7">in den geheimen biotechnologischen Labors in China, der Ukraine, …. Aber, </span><span class="tm7">wer heute noch ein Leben haben will, schaut sowieso nicht mehr Filme und das Motto der nächsten Generation könnte lauten: Follow the science – notfalls auch in geheime Labors und geheime Filmstudios. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Verklärten residieren in einer untertunnelten Landschaft, die mit Pomp, Protz und Propaganda als großes Kino verkauft wird. Nur langsam kommt an: Nicht die Erde, sondern die Klima-Bewegung ist am Ende. Auch die Palästinenser sind weiter denn je von einem eigenen Staat entfernt und die PLO wird als UNO-betreute Geriatrie-Station geführt. In Gaza will - außer der Hamas - niemand mehr leben und regieren. Das „H“ der Hamas und Hisbollah steht auch nicht mehr für religiösen Eifer oder arabische Widerstandskraft, sondern für Hospiz. Die israelische Armee gewährt heute jeder neuen Führungsperson die entsprechende Sterbebegleitung. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Was tun?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Bevor Lenin auf diese Frage eingeht, exekutiert er gleich zu Beginn die Freiheit der Kritik. Heute wird sein Leichnam von Soldaten bewacht. Seine Antworten haben sich durchwegs als Desaster erwiesen, da er glaubte, die Zukunft „wissenschaftlich“ vorher sagen zu können, bevor sie auf ihn zu kam. Tatsächlich ist die Zukunft aber offen und das Ende der Verklärung böte wieder mal die Chance, ein neues und diesmal politisches Bündnis aller bürgerlichen Kräfte zu wagen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als Moses mit den 10 Geboten den Berg runter stieg und sah, wie das verlorene Volk sich in das goldene Kalb verliebt hatte, wurden ihm von Gott zwei Wege angeboten: </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">1: Ein Neubeginn mit einem neuen Volk, das alte würde Gott zerstören.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">2: Ein Neubeginn mit dem Volk wie es ist, aber in einem neuen Bündnis mit Vertrag und Bündnistreue.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Moses lehnte die katastrophale Zerstörung des ganzen Volkes ab und schlug den steinigen zweiten Weg ein. Er wählte den Neubeginn in einem Vertrag unter Anerkennung der schwierigen Ausgangslage des real-existierenden Volkes. Aber auch dieser Neubeginn wurde von einem Bruder- und Schwesterkrieg eingeleitet (2 Mose, 32). Moses zog der globalen Zerstörung den begrenzten Bürgerkrieg vor. Er entschied sich aber auch für das langfristige Projekt, das verklärende Leuchten des Goldes in den matteren Glanz realer Prosperität zu verwandeln. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Was tun? Die goldenen Kälber schlachten anstatt die eigenen Brüder und Schwestern.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Zukunft hat gerade erst begonnen und kommt noch auf uns zu. Wir sollten den Mut zu einem neuen Bündnis aufbringen. Ein dreifaches Bündnis</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit uns selbst zur Selbstaufklärung,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit den anderen zu Gestaltung der Freiheit und Produktion des Wohlstands für alle,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit Gott, zur Selbstbegrenzung der über alle Ziele hinaus schießenden Gattung. </span></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil2-die-verklaerten/">Das Ende der Verklärung - Teil2: Die Verklärten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Mütterlicher Inzest - queer mothers for martyrs</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Jun 2024 09:04:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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		<category><![CDATA[Mütterlicher Inzest]]></category>
		<category><![CDATA[Opfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir mögen uns über „queer for Gaza“ lustig machen, weil in der aktuellen Lage „queers in Gaza“ ebenso unwahrscheinlich sind wie eine Zwei-Staatenlösung. Wir sollten uns aber eine Vorstellung von möglichen Resonanzen und realisierbaren Allianzen dieser politischen Bewegungen machen. Es... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/">Mütterlicher Inzest - queer mothers for martyrs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wir mögen uns über „queer for Gaza“ lustig machen, weil in der aktuellen Lage „queers in Gaza“ ebenso unwahrscheinlich sind wie eine Zwei-Staatenlösung. Wir sollten uns aber eine Vorstellung von möglichen Resonanzen und realisierbaren Allianzen dieser politischen Bewegungen machen. Es gibt eine gemeinsame Schwingungsebene und Stimmung von Queer-Gaza, Hamas-Gaza und der brutalen Naivität jener, die einen Staat-Gaza propagieren: die Normalisierung des mütterlichen Inzests. Ich werde zeigen, wie Täter-Opfer-Umkehr in der Sympathie für eine gute, mütterliche Gewalt und in der Bereitschaft, die Sexualität des Sohnes oder den Sohn selbst zu opfern, entsteht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Mütterlicher Inzest gilt als normal und harmlos</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wem der Ausdruck „mütterlicher Inzest“ absonderlich erscheint, kann sich mittels folgender Fragen dem Thema nähern: Wie viele Mütter kenne ich, die zumindest zeitweise das Gefühl haben, ihr Kind vor dem Vater beschützen zu müssen? Wie viele Väter kenne ich, bei denen ich - auch nur zeitweise - das Gefühl hatte, sie würden ihrem Kind absichtlich schaden? Wie viele Familien kenne ich, in denen ein Elternteil glaubt, das gemeinsame Kind mehr zu lieben? </span><span class="tm6">In denen Eltern kleine Kinder wie Partner behandeln?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Inzesttabu verbietet Eltern die Sexualisierung der Beziehung zum Kind. Es ist auch ein Bannspruch gegen den Versuch der Kinder, ihre sexuellen Wünsche mit einem Elternteil oder innerhalb der Familie auszuleben. Das Inzesttabu schützt alle in der Familie vor ihren schlimmsten Impulsen, vor Sodom und Gomorra. Es steht dem Menschenopfer-Tabu in nichts nach. Es aufzuweichen hat ungeheuerliche Konsequenzen, deren Verheerungen sich bis in kommende Generationen hinein fortsetzen. Das wissen jene, die für eine Aufweichung des Tabus plädieren. </span><span class="tm6">Ein deutliches Indiz, wie weit die Verharmlosung des Inzests vorangeschritten ist, besteht in der (sehr öffentlichen) Kampagne gegen ein wichtiges (sehr privates) Gefühl, das vom Inzestverbot beschützt wurde: der Scham.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ich spreche von der Verharmlosung des mütterlichen Inzests, weil die Rechtfertigung von Gewalt und Opfer heute oft mit dem Hinweis auf die mütterlich-sorgende und uneigennützig-solidarische Qualität der Akteure erfogt. Diese Akzeptanz für mütterliche Opferbereitschaft ist enorm und steht im diametralen Gegensatz zur realen Macht der Mütter. Das ist wichtig für alle Mütter, die diese Zeilen lesen: Nur weil sie als Frau und Mutter gesellschaftlich fast nichts zu melden haben, kann der mütterliche Inzest als Rechtfertigung für Gewalt und Opfer herangezogen werden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es geht bei der Normalisierung des mütterlichen Inzests nicht um sexuelle Beziehungen von realen Müttern mit ihren Kindern. Vielmehr geht es darum, wie die Mutter-Tochter-Beziehung als harmlose Form der Gewaltausübung propagiert wird; um die Unterstellung, dass in dieser Beziehung nur Solidarität und Gerechtigkeit entstehen. Dagegen ist die Vater-Sohn-Dynamik als Quelle von Gewalt und Krieg abzulehnen. Diese Konstellation von Sympathie für weibliche, homo-sexuelle Friedfertigkeit und Antipathie gegen männliche Homo- oder Hetero-Sexualität macht den Kern des mütterlichen Inzests aus: Mütterliche Gewalt ist gut, väterliche schlecht; weibliche Sexualität ist friedfertig, männliche kriegerisch; die offenen Arme der Mutter sind reine Liebe, die starke und begrenzende Hand des Vaters potenziell gewalttätig. Söhne gehen in dieser Dynamik verloren. Da sie dabei sowieso verloren gehen, können sie auch der gerechten Sache geopfert werden. Dafür steht dann die derzeit in Gaza praktizierte, muslimische Version des mütterlichen Inzests - queers and mothers for martyrs.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Gute Mütter können mit Opfern rechnen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im mütterlichen Inzest werden offensichtlichste Formen der mütterlichen Gewaltausübung - von der Aufgabe eines wirksamen Vater-Land-Schutzes über die mütterlichen Gewaltekzesse der Pandemiepolitik zum permanenten Massaker jugendlicher Palästinenser an israelischen Frauen - plötzlich zum Akt ausgleichender Gerechtigkeit. Die Täter-Opfer-Umkehr ist eigentlich keine Umkehr. Sie ist Sympathie für das mütterliche Opfer. Die gute Mutter weiß, was gute und was schlechte Opfer sind. Sie kann und darf Opfer verrechnen. Offensichtlich geht es dabei nicht um nachvollziehbare Argumente, welches Kind mehr geschützt und welches geopfert werden kann. Es geht um Sympathie und Antipathie, also um Gefühle und tief sitzende Einstellungen: </span></p>
<ul>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Das (böse) begrenzende Vaterland ist (gutes) offenes Mutterland geworden</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Der (destruktive) Notstands-Staat kann nur das Beste für uns wollen</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Die (mordenden) Kinder und Zivilisten in Gaza sind (unschuldige) Opfer.</span></li>
</ul>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Diese Überlegungen sind teilweise so abschreckend und widerwärtig, dass es mir auch lieber wäre, wir würden sie nicht anstellen müssen. Das meiste ist daher nur schemenhaft angedeutet und darf individuell weitergesponnen werden. Es wird leicht sein, das Abstoßende dem Autor in die Schuhe zu schieben. Hier geht es um die Beschreibung eines aktuellen Phänomens, nicht um mögliche Erklärungen. Ich kann mein ungläubiges Erstaunen ebenso wenig verbergen, wie die Gefühle der angewiderten Ablehnung. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass viele sehr kluge und warmherzige Menschen, die Voraussetzungen für die gegenwärtigen Selbstzerstörungsprozesse beschrieben und analysiert haben*. Auf deren Arbeit stütze ich mich und hebe an der aktuellen Normalisierung des mütterlichen Inzests drei Aspekte heraus:<br>
</span></p>
<ul>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">die Verniedlichung der mütterlichen Gewalt im mütterlichen Merkel-Staat</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">das Opfer des Sohnes im muslimischen Matriarchat</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">das Opfer der männlichen Heterosexualität im Transgender-Paradies.</span></li>
</ul>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span><span class="tm6">Ich beginne mit der Beschreibung der äußersten Schicht, dem mütterlichen Inzest als guter Staat.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Mütterlicher Inzest und guter Staat</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Merkel-Staat ist der gute, mütterliche Staat, dem nichts Böses zuzutrauen ist. Er regiert mit Zuwendung, seine Gewalt erzieht, seine Macht ist die Ohnmacht der Mutter. Er ist ohne Eigeninteresse, wie eine sorgende Mutter. Er ist gemütlich und schützt die Kinder vor der Härte des Lebens (Vater). Die Mutter ist a-sexuell und geschlechts-neutral. Der Staat als gute Mutter verteilt alles gerecht und ist auf Harmonie bedacht. Disharmonie, Gewalt und aggressive Sexualität kommen vom Vater. Die Söhne werden der väterlich-liebevollen Dominanz und Aggression entzogen und ent-sexualisiert. Das familiäre Dreieck wird von der Mutter „sanft“ regiert. Die Mutter stabilisiert sich selbst durch dieses Dreieck (Merkel-Geste). </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Dies ist das Merkel-Matriarchat als mütterlicher Inzest: Die gute, a-sexuelle Mutter reguliert lautlos und sanft durch Blicke und Gesten ihre a-sexuellen (= trans) und ohnmächtigen (= Opfer) Söhne. Die Gewalt im Staate ist gerecht und voller Sorge; Gewaltentrennung ist nicht nötig und sogar gefährlich, da sie Väter und Söhne ermächtigen würde.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Mütterlicher Inzest und Opfer des Sohnes</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das muslimische Matriarchat etabliert den guten, mütterlichen Hofstaat. Ihr Herrschaftsgebiet ist die Familie, ihre Subjekte ihre Kinder; ihr wertvollstes Pfand sind ihre Söhne. Auch ihr ist nichts Böses zuzutrauen. Als Frau ist sie gesellschaftlich minderwertig und ihre Sexualität darf niemals öffentlich sein. Als Mutter ist sie allmächtig; sie entwertet den Mann zum nutzlosen Vater. Ihre äußerliche Ohnmacht entspricht ihrem inneren Wesen; sie ist „unterwürfig, rein und sanft“ (Nasrallah über seine verstorbene Mutter). Ihr unumstrittenes Machtmittel ist der alleinige Zugriff auf den Sohn. In ihrer Ohnmacht als Frau ist sie allmächtig als Mutter eines Sohnes. Die aufkeimende Sexualität der Söhne ist Krise und Katastrophe, Bedrohung und Chance für die mütterliche Kontrolle über den Inzest. Sie bestimmt, welchen Weg ihr Sohn geht. Entweder das Opfer der männlichen Sexualität in der Ehe und verachteten Vaterschaft oder das Opfer im Martyrium. Das ist die momentane Form des muslimischen Matriarchats als Sohnesopfer in Gaza: Gewalt und Sexualität erfahren im Opfer des Sohnes eine völlige Umkehr. Sexualität und Gewalt des Sohnes wird zur Ehrerbietung an die Mutter und die a-sexuelle und ohnmächtige Frau erlebt als Mutter eine öffentliche Ekstase. Diese kann weltweit zur Schau gestellt werden, in der Erregung einer Mutter, die erfährt, dass ihr minderjähriger Sohn, während er israelische Frauen vergewaltigt hat, den Märtyrertod gestorben ist. Ihr mütterlicher Auftrag wurde von Gott als Opfer angenommen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Mütterlicher Inzest und Opfer der männlichen Sexualität</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Normalisierung des mütterlichen Inzests ist in der trans-sexuellen Bewegung am weitesten entwickelt. Manche Äußerungen der Aktivisten richten sich direkt an die Kinder und rufen diese dazu auf, das Inzestverbot zu unterlaufen und Erwachsene (auch Eltern) zu verführen. Die Diversität des Trans-Sexuellen ist bisher mit dem Frontalangriff gegen das Inzestverbot und die kulturelle wie emotionale Bedeutung der Vater-Sohn-Beziehung vergesellschaftet. Andere Formen der Trans-Sexualität werden mit aller Kraft unterdrückt. Im Moment gibt es Trans-Sexualität nur unter der Herrschaft des mütterlichen Inzests. Dieser lebt von der Ent-Sexualisierung des Sohnes, der Entwertung der Väter und dem Opfer der männlichen Sexualität. Der Schritt von der Austrocknung der männlichen Linie zum Opfer des Sohnes selbst ist groß. </span><span class="tm6">Wie weit trans-gender (= geschlecht-überschreitenden) Aktivisten in ihrer Faszination für die Abschaffung der Familie und der Vater-Sohn-Schaft gehen würden, ist keineswegs absehbar.&nbsp;</span><span class="tm6">Wie offen sind sie für Ausrottung des Familienstammes (eines Geschlechts), wenn dadurch die Befreiung vom Joch der Heterosexualität und der Dominanz des Vaters über die Söhne möglich wird? Tatsache ist die offene Sympathie für geschlecht- und geschlechter-zerstörenden Politik der Hamas und deren bewusst betriebene Ausrottung ganzer Familien (Geschlechter).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der mütterliche Inzest im Transgender-Paradies sieht so aus: Die Mutter agiert sanft und sicher im Medium der Trans-Sexualität; „trans“ bedeutet Ent-Sexualisierung der Zeugung und der Elternschaft; außerdem die Verleugnung des Geschlechts und der Geschlechter-Zugehörigkeit der Kinder. Der trans-gender Inzest der Mütter ruft nach einem frühzeitigen Zugriff des Staates auf die sexuelle Entwicklung der Kinder. Dieser ist heute leicht möglich, da wir der sozialistischen Vision einer Gesellschaft ohne familiäre Bande schon sehr nahe gekommen sind. Die gerechten Trans-Mütter (guter Staat) schützen ihre Kinder vor dem gewalttätigen Vater (gefährliche Familie). Die Neutralisierung der Geschlechterspannung wird durch die trans-sexuelle Verniedlichung der Sexualität möglich: Sex ist gewaltlos und gerecht. Die Mutter-Tochter-Beziehung wird zum Modell des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Solidarität. Die Gemeinheit und Aggressivität zwischen Mutter und Tochter - unter Frauen - wird geleugnet und alles Übel in der Vater-Sohn-Dynamik verortet. Die Aggressivität und Zerstörungskraft des mütterlichen Inzests wird einerseits auf andere projiziert und tritt andererseits immer deutlicher in die Öffentlichkeit: die unverhohlenen und oft körperlichen Angriffe auf Frauen und Feministinnen, die Normalisierung weiblicher Essstörungen und Lobpreisungen verformter Frauenkörper, die Rede vom gerechten Krieg als mütterlich-gerechtfertigtes Opfer der Söhne, die Sympathie und Faszination für erlösende Massaker an Frauen als Emanzipation der unterdrückten Söhne.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Mütterlicher Inzest und Judentum</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Mütterlicher Inzest ist nur möglich vor dem Hintergrund der Ablehnung der zentralen Aufgaben der Vaterschaft und tief sitzender Ressentiments gegen Männlichkeit. Männer sind gefährlich, weibliche Sexualität ist friedfertig, Söhne sterben für die gerechte Sache der Mütter. Nicht zufällig stehen all diese Aussagen dem Fundament des Judaismus diametral entgegen. Dieses ist geprägt von der vollständigen Absage an jegliche religiöse Rechtfertigung des Menschenopfers in der Vater-Sohn-Beziehung (Abraham-Isaak-Erzählung). Ebenso von der Rolle der Frauen und der Weiblichkeit als vermittelnde Geisteskraft (Schechina) in der Gottesbeziehung. Diese weibliche Kraft wurde zum Vorbild des Heiligen Geistes als vermittelnde Position in der Vater-Sohn-Dynamik der christlichen Trinität. Außerdem ist die jüdische Mutter der Garant der Blutlinie des Stammes, des Fortbestands des Geschlechts. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Im Judentum schützt das Inzestverbot die Position der Frau und Mutter. Die Gotteskindschaft des Menschen ist Auftrag an Vater und Mutter gleichermaßen, die eigenen Kinder wie das Ebenbild Gottes zu behandeln und wie den eigenen Augapfel zu schützen. Familien- und Gottesbeziehungen überlappen sich; väterlicher und mütterlicher Inzest sind ein Bruch des Treue-Bündnisses untereinander und mit Gott. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Ein sozialistisches Transgender-Kalifat ist möglich</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Wer die eigene Kindschaft verleugnet und weder Vater und Mutter hat, sucht Zuflucht beim Staat. Dieser arbeitet aber heute gemäß der Gesetze des mütterlichen Inzest. Die Vorstellung, dass es eine Konvergenz zwischen der Ekstase der Gaza-Mutter mit Gaza-queers und der Gemütlichkeit des mütterlichen Inzest-Staates geben könnte, ist alles andere als absurd. Die Gleichzeitigkeit von gewalttätiger Ekstase und gemütlichem Sozialstaat war schon einmal der phänomenale Ausdruck einer selbstzerstörerischen Koalition in unserem Land (1933-45). Ein sozialistisches, transgender Kalifat klingt absurd - aber was heißt das schon im heutigen Geschehen permanenter Grenzüberschreitungen, als dass es morgen möglich wird. Ob diese Konvergenz im mütterlichen Inzest je in einer politisch motivierten Koalition zum Tragen kommt und politische Realität erschafft, ist fraglich. Tatsache ist aber, dass die gegenwärtigen Annäherungen so ungeheuerlich sind, dass wir das Gespräch darüber lieber vermeiden. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Gibt es ein Inzestverbot im Politischen?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Es ist natürlich auch kein Zufall, dass ausgerechnet eine jüdische Liebhaberin der Republik auf </span><span class="tm7">den wirksamsten Schutz vor mütterlichem Inzest hingewiesen hat. </span><span class="tm7">Hannah </span><span class="tm7">Arendt‘s Unterscheidung der Güter produzierenden Sphäre (Haus und Ökonomie = oikos) von der Freiheit produzierenden Sphäre (Öffentlichkeit und Politik = polis) ist eine der wundersamsten Übersetzungen des Inzestverbotes in das Leben der Republik. Bestand und Trennung dieser beiden Sphären sind die Voraussetzung für Freiheit. Die Aufhebung dieser Trennung führt zum Zusammenbruch des Politischen mit seinen vielen Formen der Vermittlung von Interessen und Ideen. Dann kommt die Faszination für die archaischen und gewaltsamen Formen, den gesellschaftlichen Zusammenhang zu beschwören (erzwungene Solidarität) und herzustellen (verbindende Opfer) wieder durch. Der Zusammenbruch des Politischen hat sich in unserem Land nach 1989 (verpasster politischer Moment) angedeutet und ist spätestens seit 2009 (entpolitisierende Politik selbst gemachter Krisen) in vollem Gange.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Arendts Unterscheidung hatte es schwer, Gehör zu finden in einer Generation, die mit den Selbstverständlichkeiten der marxistischen Sozialwissenschaften aufgewachsen ist: dem für alle möglichen Ungerechtigkeiten verantwortlichen Gegensatz von weiblicher Arbeit (Haus = Reproduktion) und männlicher Arbeit (Feld, Fabrik = Produktion). Nicht nur meine Generation lief damit in die selbst ausgelegte Falle. Emanzipation wurde als Aufhebung der Trennung von häuslicher und öffentlicher Sphäre propagiert. Häuslicher Friede wurde zum Vorbild für globalen Frieden, aus oikos wurde Öko-logie, aus mütterlicher (Ohn)Macht wurde Weltmacht, die Wunden der männlichen Naturbeherrschung wurden durch die Nachhaltigkeit der Mutter-Tochter-Ökonomie geheilt. Im Höhenflug der Selbstgewissheit wurden nicht einmal die Warnungen zugeneigter Mitstreiter gehört. Klaus Heinrich: „</span><span class="tm8">Emanzipation ist ein Wort aus der Sklavenhaltersprache. Der Emanzipierte (sei es Sklave, Jude, Frau) blieb minderen Rechts. Man sollte das Wort nur gebrauchen, wenn man sich bei seinem Gebrauch immer vor Augen hält, dass Frauen und Männer in gleichem Maße emanzipationsbedürftig sind, beide zugleich Sklavenhalter und Sklaven, und dass (ein unerhörter Vorgang in der Sklavenhaltersprache) Emanzipation heute Selbstfreigabe bedeuten muss“ (Das Argument, 4. Jg. 1962).</span><span class="apple_converted_space">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm6">Es würde sich auch noch heute lohnen „<span class="tm7">Selbstfreigabe“ zu ergründen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-------</p>
<p><span class="tm6">* </span><span class="tm6">Eine liebevolle Auseinandersetzung mit der Macht der Mütter findet sich in den Arbeiten der Kinderpsychoanalytikern Melanie Klein und Donald Winnicott. Klein hat bei Karl Abraham gelernt, einer der ersten Analytiker, der sich traute, die destruktive Macht der Mütter zu erforschen. Für Sigmund Freud waren Mütter vor allem liebevoll und zugewandt. Erst der Einbruch des Vaters brachte Konfliktpotential und Aggression in die Mutter-Kind-Beziehung. Freud selbst sagte vorher, dass eine Generation von Frauen-Analytikern jene Zeit vor den ödipalen Konflikten ergründen wird. Auf den Arbeiten Klein’s bauen jene auf, die entscheidende Hinweise auf die aktuelle gesellschaftliche Situation gegeben haben: Georgio Agamben, Jan Assman, Gunnar Heinsohn, Klaus Heinrich, Renate Schlesier, Gerburg Treusch-Dieter.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
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		<title>„So genau wollte ich es nicht wissen“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Feb 2024 16:12:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr. Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 class="Normal tm5"><span class="tm6">Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr.</span></h5>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin heraus: „So genau wollte ich es nicht wissen“ und die ganze Runde brach in fröhliches Lachen aus. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie genau wollen Sie - lieber Leser und Leserin - es wissen, warum jemand zu spät kommt, die Zeichen der Zeit nicht erkennt und Geschichte verpennt? Interessiert Sie dann, ob es der Rechts- oder Linksverkehr, Geschichts- oder Geschlechtsverkehr war? Oder sind Sie wie viele schon, verdrossen und unberührbar geworden - nur noch in Sorgen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Glauben auch Sie, es sei schon zu spät, für ein fröhliches Lachen und ein Morgen? Fühlen sich schwach, ohne Macht? Wir wissen doch noch wie es kracht, wenn wer die Geschichte verpasst. Dann hilft weder Staat noch Stasi, nicht einmal diese verbleiben den Kummer zu vertreiben. Sanssauci - ohne Sorge - gibt’s nur in Potsdam, nicht im ganzen Land. Dort gab es früher mal eine Brücke, einen geheimen Grenzverkehr für die Spione der geheimen Dienste. Die Brücke steht noch, das Land ist verbunden, die Wunden der Spaltung sind …. so genau wollte ich es nicht wissen! Geheim ist nichts mehr, auch nicht wer wem zu Dienste, und wer welchen Geschlechtsverkehr. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wer braucht die geheimen Dienste noch, wenn alles am Boden liegt: Hände hoch! Faktenbestimmer im eigenen Wohnzimmer? Wo einmal eine vermittelnde Mitte war, tönt es heute aus allen Kanonen: Nie wieder! Das Brandmauern muss sich lohnen. Die Spaltung, die lohnt sich, immer noch. Mut zur Mitte, bitte nicht doch. Mut zur Lücke, die bringt uns voran. Zu genau will es sowieso niemand wissen. Lieber halten wir uns an die Staatsräson: „Wissenslücken aus freien Stücken. Der Staat ist Allah, und er ist allmächtig“ - im Alltag funktioniert das prächtig. Gestern, als mein sechs-jähriger Sohn mit Mama im öffentlich rechtlichen Bus des VerkehrsVerbunds saß. Es sind die Meinen, wie stolz ich war, dachte: welch ein Anblick, welch ein Paar. Beim Wegfahren im Konterfei der <a href="https://vhhbus.de/olivia-jones-diversity-bus/" target="_blank" rel="noopener">HHV-Bus-Außenwerbung</a> ich sie sah, eingerahmt von kecken HVV-Kanaken und lasziven Transtravestiterinnen - welch ein Anblick, welch ein Paar. Als stolzer Kanake, darf ich doch, meine nicht weniger stolzen Mit-Kanaken Kanaken nennen. Geht das noch? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es geht viel mehr, meine Tochter in der sechsten Klasse lernt gerade ihre Klassenlehrerin kennen. Es braucht kein Schlüsselloch, sie kann mir die Facebookseite nennen. Die Kaiserin ist nackt, ihre Tatsachen sind nackt … nein, nicht was Sie denken, sie ist kein Trottel, nur eben Talent zum Dessou-Model. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Kaum etwas bleibt ungesagt, gezeigt nur im Verborgenen. Die Kleinen, die nicht wissen was es alles gibt, für diese sind Papa und Mama groß und allmächtig. Heute schreiben Ihre Eltern Geschichte, und so es daneben geht auch mal ein Gedicht, das mehr als zwölf „aufregende Zukunftsbilder“ verspricht. Sie denken wie ich an Sonnen-Auf- oder Untergänge, nicht? Wie naiv wir nur sind! Sie dichtet, kaum zu glauben aber wahr, über ihre schönsten „<a href="https://www.amazon.de/Die-besten-Weltuntergänge-aufregende-Zukunftsbilder/dp/395470255X" target="_blank" rel="noopener">Weltuntergänge</a>“. Gewiss, sie ist nicht ganz dicht. Und wenn Sie sagen - das war er nicht selbst, es war nur die Frau des Ministers - wie recht Sie haben. Der eine ist katastrophal, sie nur katastrophenlüstern. Welch ein Ausblick, welch ein Paar, was wissen wir schon über deren Links- oder Schlechtverkehr?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Was glauben Sie, ob diese Gemengelage - Untergänge und Wissenslücken von nationaler Tragweite - ihren oder meinen Sohn in auch nur geringster Weise anspricht. Ich kann sagen, meinen ficht das nicht. Die sexuelle Revolution, kalter Kaffee ihm ist. Mit seinen kaum siebzehn Jahren ist er Experte schon, für die Beziehung einer alten Frau mit dem Sohn einer anderen. Dieser ist gerade mal 15 Jahre alt und muss schon jobben, als Vorleser und Bettvorleger für eine, die nicht Lesen und nichts Besseres kann („<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser" target="_blank" rel="noopener">Der Vorleser</a>“). Sozial und empathisch, wie gerne hätte ich so einen Sohn. Meiner ist da ganz anders. Bei diesen Sprüchen seines Vaters, wie soll ich es ihm verdenken: Brot für die Welt, die Wurst können sie auch bald haben. Wir geben alles her, Lesen können braucht niemand mehr. Er hat allen Grund sich zu beklagen, nicht einmal bedaure ich seinen Frust bei der Pflicht-Lektüre ganz ohne Wissensdurst. „Ekelig“ und „nie wieder“ quittiert er Erotik und Kinderverführung, eine Erzählung pervers und ohne Lust, ich erspar ihm nicht das Gewicht des hohen Gericht. Er muss ihn aushalten, den Richterspruch seiner Generation, der Schlächter- und Gerechtigkeitsfraktion. Weh tut es mir schon, zu sehen wie sein Gesicht fällt. Er ist ein Kind, kein Kain, dem das</span><span class="tm7"> „Antlitz fiel“ als er den Bruder erschlug im ungerechten Zorn. Auch ein Abel ist er nicht: das Opfer für den gerechten und barmherzigen Herrn? Er weiß es schon, wie der Herr Präsident heute spricht, das ist der Brüderspaltung bitterer Lohn. Nur Lug und Trug, mehr ist es nicht; der Abel sein Opfer abbricht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Urteil ist gefallen, welch ein Glück, nur Bewährung mit Auflagen: Das Buch ist zu gut, Lektüre ist nicht genug. Zur Strafe der Film zum Buch, dann das Theaterstück zum Film; und weil die Rekonvaleszenz ist unsere Pflicht, schlußendlich die englische Verfilmung des unansehlichen Stoffs im Englisch-Unterricht. Hartes Urteil meinen Sie? Keine Sorge, die Kinder verstehen diese Botschaft immer und es ist gut: der Stoff ist wichtig, Widerstand nichtig. Direkt an zweiter Stelle unter Gerechtigkeit kommt das Geschlecht, nicht schlecht? Wer wie mein Kind rechnen kann, auch mit dem Transgerechtgeschlecht-Rechenschieber, der bekommt heraus: Geschlecht ist gerecht und auf keinen Fall „Rechts“. Auch bei hohem Aufkommen in der Gauss*****schen Mitte lässt sich das spielend ver-rechnen. Das Ergebnis erstaunt nur jene, die niemals die Mitte im römischen Kreisverkehr halten sollten: Mittelstreifenverkehr ist Kamikaze, die Mitte ist schon viel zu weit rechts. Streifenwechsel ist Pflicht, angezeigt wird er nicht. Die Linksfahrer drehen im Kreis, die Rechtsausleger wollen raus. Sie wissen doch, im Kampf gegen ungerechten Rechts-Verkehr geht es darum Zeichen zu setzten: links blinken, rechts rausfahren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Endlich klärt die Klassenlehrerin die aufgeklärten Eltern auf, was wirklich hier die Sache ist. Das macht sie gern, das sieht sie als ihre höchste Pflicht. Im Buch geht es weder um jenes, was die Jugendlichen sticht noch was mich als Vater anspricht. Die Sache ist - sie ahnen es schon - die Erinnerungs- und Schulddiskussion. Der Hanna im Roman fehlt das H und ihre HER-story die ER-innerung. Denkt bitte jetzt nicht an die Hanna ohne H, mit R wie Resch und mit der ARD. Die hatte es auch schwer mit der Erinnerung. Ihr fiel zumindest noch ein was wichtig ist: der Israeli ein rechter Schurke ist („<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Fq-ecR6Arpw" target="_blank" rel="noopener">Hanna Resch sammelt sich</a>“). Dann musste sie sich sammeln - ich mich auch, und die Runde brach in schmerzlich-hysterisches Lachen aus. Pfui, wer gar an die Hannah mit H und Arendt dacht. Welch ein Hohn, ein deutscher Schurke du bist! Verstehen was auf dem Spiel steht bei jeder Tat? Das war ihr Auftrag, ihr Bündnis und Verkehrsverbund, der „Integrität der Tatsache“ verpflichtet. Sie stand aufrecht auch wenn sie saß, inspirierte während sie öffentlich-rechtlich ihre Fluppe qualmte. Ihr Element, die amerikanische Revolution, das town hall meeting in lebendiger Diskussion - der Geruch von Freiheit und die Macht der öffentlichen Tat, er vertreibt den bullshit, der uns in allen Kanälen küsst. Im Abflussrohr sitzen Faktenkleckerer, mit Mundgeruch und konspirativen Abhörinstrumenten. Sie Klotzen und Kotzen, bis einer sich ver ….</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Arendt’sche Mut war groß, wie ihrer Widersacher viele. Im Jammertal der Pädophilie hat sie ebenso wenig verloren wie als poster child auf dem Bus der Anarchie. Meine Lehrerin damals, schaute mir tief in die Augen ins Herz, und sagte: Sie müssen Hannah von A bis Z lesen. Heute sagt die Lehrerin dem Vater vom Sohn, warum zu lesen sei die story der Hanna ohne H, der pädophilen Kindermörderin ohne Kind. Wen es stört, der möge sich bei jenen beklagen, die an höchster Stelle steh‚n. Beamte führen nur aus was die Führer sagen: Demokratie fördern, Spritzen und Spitzen verteilen, alle Eichmänner und Eichfrauen bei Fuß - oh je, welch ein Graus.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schade ist es schon, denn wie sollte ich beim Werther oder bei Antigone sagen: „Mein Sohn, schau mal, Vorlesen lohnt sich, schlag Gold aus der üblen Pflicht. Deine Chancen bei den Girls steigen exponential, eröffne deinen eigenen Vorlesekanal“. Er war Feuer und Flamme für diesen Staat und hatte den Titel schon parat: „Weder Rechts noch Sex“. Hier ist er voll auf Spur, streaming on line und mainstreaming auf der PubertätsVerhinderungsMittel-Spur: „Sei du selbst“ und verarsch deine Eltern mit dem Gesetz das Selbstbestimmung macht zum ehernen Gesetz: Kinder gehören dem Staat, ihr Eltern habt den Windelsalat. Das Motto des Sprechkanals ist solchen Lappalien entronnen, seiner Zeit weit voraus: „Sprechakt statt Geschlechtsakt“ - es klatschen alle Applaus. </span></p>
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		<item>
		<title>In eigener Sache: Darf man Bundestagsabgeordnete als Verfassungsfeind bezeichnen?</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2023/05/in-eigener-sache-darf-man-bundestagsabgeordnete-als-verfassungsfeind-bezeichnen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 May 2023 17:30:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Pandemie]]></category>
		<category><![CDATA[Rechtsstaat]]></category>
		<category><![CDATA[Staatsversagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Bremer Gericht entschied nun: man darf. Ich persönlich füge hinzu: man darf nicht nur, man sollte. Doch der Reihe nach. Am 18.11.2020 fand im Bundestag die namentliche Abstimmung zum Zweiten „Pandemie-Ermächtigungsgesetz“ statt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits ausreichend Informationen... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2023/05/in-eigener-sache-darf-man-bundestagsabgeordnete-als-verfassungsfeind-bezeichnen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Bremer Gericht entschied nun: man darf. Ich persönlich füge hinzu: man darf nicht nur, man sollte. Doch der Reihe nach. Am 18.11.2020 fand im Bundestag die namentliche Abstimmung zum Zweiten „Pandemie-Ermächtigungsgesetz“ statt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits ausreichend Informationen frei verfügbar, um sich selbstständig eine sachlich fundierte, eigene Meinung zu bilden. Mehrfach hintereinander eine „Epidemische Lage nationaler Tragweite“ zu beschließen, die nur in der massenmedial erzeugten Fantasie existierte, in der Welt der Tatsachen aber nicht aufzufinden war, wird in die Annalen der an Ruhmestaten so reichen deutschen Parlamentsgeschichte eingehen. Wozu sich ausgerechnet ein Land wie Deutschland ein Parlament mit mehr als siebenhundert reichlich alimentierten Abgeordneten leistet, wenn die Mehrheit derselben zwischen Gerücht und Tatsache nicht zu unterscheiden weiß und sich seiner wichtigsten Aufgabe - der Kontrolle der Regierungsarbeit -&nbsp; verweigert, wird man Leuten, die sich um die Stabilität eines Gemeinwesens sorgen, schwer erklären können. Mit Parteien, die sich auf die Rolle einer Stellenvermittlungsagentur beschränken, ist kein Staat mehr zu machen. Inzwischen kursiert in informierten Kreisen der Witz: Was ist der Unterschied zwischen einer Verschwörungstheorie und einer Tatsachenwahrheit? Zwölf Monate.</p>
<p>Die vier Bremer Bundestagsabgeordneten, die ungeachtet der tatsächlichen Lage mit ihrer <a href="https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=698" target="_blank" rel="noopener">Abstimmung </a>erneut den Ausnahmezustand verlängert und damit die massivsten Grundrechtseinschränkungen der Nachkriegszeit ermöglicht hatten, erhielten tags darauf ein zweiseitiges Schreiben an ihre Abgeordnetenadresse, in dem ich ihr verantwortungsloses Tun mit Verweis auf die deutsche Geschichte scharf kritisierte und sie wegen der Auswirkungen ihrer Abstimmung als Verfassungsfeind bezeichnete, wohl wissend, dass in der deutschen staatshörigen Tradition die Feindzuschreibung als Volks, Staats- oder Feind aller Wohlgesinnten mehr als Herrschaftssicherung denn als Machtkritik gebräuchlich ist (eines der vier gleichlautenden Schreiben ist <a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2023/05/20201119_CoronaAbstimmungKappert-Gonther_geschwaerzt-1.pdf" target="_blank" rel="noopener">hier exemplarisch verlinkt</a>).</p>
<p>Die drei weiblichen Abgeordneten, allen voran die Vertreterin der Grünen, nutzten statt dem politischen Meinungsaustausch das Strafrecht, stellten Strafanzeige und -antrag wegen Beleidigung und meinten wohl, sich so der politischen Verantwortung entziehen zu können. Frau Kerstin Kappert-Gonther am 20.11.2020, Frau Elisabeth Motschmann (CDU) am 25.11.2020 und Frau Sarah Ryglewski (SPD) im November 2020, ein präzises Datum ist nicht angegeben.</p>
<p>Einen Tag nach meinem Schreiben meldeten sich Bremer Polizisten in Zivil vor meinem Haus und wollten von mir wissen, ob ich Briefe an Bremer Bundestagsabgeordnete geschrieben hätte. Meine mehrfache Nachfrage, ob denn etwas vorliege und sie mir eine Vorgangsnummer geben könnten, verneinten sie. Sie betonten, nur reden zu wollen, was ich, nachdem ja nichts vorlag, dankend ablehnte. Da sie sich auf meinem Grundstück aufhielten, aber keinen Durchsuchungsbefehl vorweisen konnten, zogen sie unverrichteter Dinge wieder von dannen. Ich vergaß den Vorfall, bis mir anderthalb Jahre später am 04.08.2022 ein Strafbefehl in Höhe von 75 Tagessätzen a 30,00 € zugestellt wurde. Wer als unabhängiges Gericht diesen Strafbefehl erlassen hat, war entweder sehr in Eile, inkompetent oder hatte mehr die Parteipolitik, denn die Verfassung im Sinn, denn sonst hätte man sich daran erinnern können, „dass der Schutz der Meinungsfreiheit gerade aus dem besonderen Schutzbedürfnis der Machtkritik erwachsen ist und darin unverändert seine Bedeutung findet (vgl. BVerfGE 93, 266 &lt;293&gt;). Teil dieser Freiheit ist, dass Bürger von ihnen als verantwortlich angesehene Amtsträger in anklagender und personalisierter Weise für deren Art und Weise der Machtausübung angreifen können, ohne befürchten zu müssen, dass die personenbezogenen Elemente solcher Äußerungen aus diesem Kontext herausgelöst werden und die Grundlage für einschneidende gerichtliche Sanktionen bilden.“ (BVerfG, Beschluss vom 19.05.2020, Az. 1 BvR 2397/19). Es ist schon peinlich genug, in einem Land mit zwei totalitären Ordnungen in seiner Geschichte auf derlei Selbstverständlichkeiten überhaupt hinweisen zu müssen.</p>
<p>Erst über diesen Strafbefehl habe ich von den drei Strafanzeigen-/anträgen erfahren und umgehend die zur Wahrung rechtsstaatlicher Verhältnisse außerordentlich engagierte Anwältin Jessica Hamed eingeschaltet, die uns bereits in erster Instanz erfolgreich gegen den Bundesgesundheitsminister Lauterbach vertreten hatte, als dieser ohne sachliche Rechtfertigung in einer Nacht- und Nebel Aktion die Frist für Genesene von sechs auf drei Monate verkürzt hatte. RA Hamed beantragte Akteneinsicht, legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein und verwies in ihrem <a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2023/05/20220927_SchriftsatzHamed.pdf" target="_blank" rel="noopener">umfangreichen Schriftsatz</a> an das Gericht darauf, dass ein Sachverhalt gegeben ist, „<em>der schulbuchmäßig einen Fall beschreibt, der gerade nicht justiziabel, sondern klar von der Meinungsfreiheit gedeckt“</em> sei. Sie führte zahlreiche öffentliche Stellungnahmen von Politkern bis hin zu Spitzenjuristen an, die in der Sache ähnlich argumentierten. Die Bremer Staatsanwaltschaft lehnte die geforderte Einstellung des Verfahrens ab, es kam am 20.03.2023 zum Prozess. Die drei Verursacher dieser Farce waren nicht geladen.</p>
<p>Das Gericht schloss sich den Ausführungen der Anwältin an, erkannte auf <a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2023/05/20230329_AmtsgerichtUrteil.pdf" target="_blank" rel="noopener">Freispruch auf Kosten der Staatskasse</a> und betonte in seiner mündlichen Begründung, dass ein Element persönlicher Beleidigung nicht erkennbar sei. Die Schreiben seien an die jeweilige Abgeordnetenadresse gegangen, enthielten eine ausführliche Begründung einer zwar scharfen, aber jederzeit sachlichen Kritik und seien daher von den „Beleidigten“ in ihrer Funktion als politische Repräsentanten hinzunehmen. Nach der Urteilsverkündung nutzte ich die Gelegenheit, das Gericht auf eine bestimmte Textstelle der offiziellen „Maßnahmenevaluation“ aufmerksam zu machen.</p>
<p>Gemäß § 5 Absatz 9 Infektionsschutzgesetz (<abbr class="fr-abbr-item" lang="de" title="Infektionsschutzgesetz">IfSG</abbr>) hatte das Bundesgesundheitsministerium eine externe Evaluation der Pandemiemaßnahmen in Auftrag gegeben, deren <a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/BER_lfSG-BMG.pdf" target="_blank" rel="noopener">Ergebnis</a> am 30. Juni 2022 vorgelegt worden war. Der Bericht der Sachverständigenkommission enthält im Abschnitt 7.3.2.7 mit dem Titel „<em>Absonderung</em>“ einen interessanten Satz, den ich hier zitiere: „§ 30 IfSG erlaubt die Absonderung (also die Anordnung von Quarantäne und Isolation) im Einzelfall. Dabei handelt es sich nach herrschender Meinung um eine Freiheitsentziehung gem. Art. 2 Abs. 2 S. 2 GG. Im Ergebnis bedeutet dies, dass auch für Absonderungen nach § 30 Abs. 1 IfSG (und nicht nur für solche nach § 30 Abs. 2 IfSG) der Richtervorbehalt des Art. 104 Abs. 2 S. 1 GG gilt, den die Vorschrift aber nicht vorsieht.“ Im Klartext: sämtliche freiheitseinschränkenden oder -entziehenden Anordnungen, die von Gesundheitsämtern ausgesprochen wurden und die nicht von einem Richter bestätigt wurden, waren verfassungswidrig und stellen eine Amtspflichtverletzung dar.</p>
<p>Abgesehen davon, dass ein PCR-Testergebnis ohne jede weiter Differentialdiagnostik schon methodisch ungeeignet ist, jegliche Art von Grundrechtseinschränkung zu rechtfertigen, war ein Ergebnis von mir zusätzlich laut schriftlichem Laborbefund „grenzwertig“, eine Gen-Sequenz schwach positiv, die andere negativ. Eine freundliche Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes Bremervörde erklärte mir telefonisch, grenzwertig gäbe es nicht, es gäbe nur positiv oder negativ, also wäre hier grenzwertig positiv und die Quarantäne müsse verlängert werden. Ich muss bei dieser bestechenden Logik so zornig geworden sein, dass sich die konsternierte Dame nie wieder gemeldet hat. Die allgemeine Frage aber bleibt: wieviele solcher freiheitseinschränkenden und -entziehenden Anordnungen wurden bundesweit erlassen? Welche Konsequenzen haben die politisch verantwortlichen Gesundheitsminister getroffen, um einen derart massenhaften Amtsmissbrauch in Zukunft zu verhindern?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><em>Freiheitsrechte sind ohne eine Rechtsgemeinschaft, </em><em>die sie<br>
durchsetzt und in der sie einklagbar sind, tat</em><em>sächlich nur<br>
Gemeinplätze für </em><em>Sonntagsreden und </em><em>Legitimitätskulisse</em>.<br>
Michael Esders</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>So erfreulich das Freispruch-Urteil ist, in gesunden politisch-rechtlichen Verhältnissen hätte man den entrüsteten Abgeordneten ein Grundgesetz zur Lektüre mitgegeben und sie wieder nach Hause geschickt. Schon der Polizist auf der Wache, der die Strafanzeige aufnehmen soll, spätestens der Staatsanwalt hätte ihnen ironisch sagen können: „Früher hätte man ja politische Gegner gerne eingesperrt, aber heute sei das nicht mehr üblich.“ Bei hartnäckiger Einsichtslosigkeit hätte man den Parlamentarierinnen ein sechsmonatiges Praktikum im englischen Unterhaus empfohlen. Ihre Vorstellungen von den Aufgaben eines Gesetzgebers seien bedenklich unterentwickelt. Das Urteil bleibt Stückwerk, solange die deutsche Justiz fortwährend an der Herausforderung scheitert, ihre unrühmliche Tradition willfähriger Staatsdiener zu beenden und politisch erwachsen zu werden. Die deutschen Juristen als Berufsstand, als Organ der Rechtspflege - einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel - haben kontinuierlich versagt, in der Weimarer Republik, als die politische Gewalt Normalität wurde, man denke nur an die bekanntesten Mordopfer Rathenau, Erzberger, Liebknecht und Luxemburg, sie haben 1933 versagt, als eine Bande von Kriminellen vor aller Augen den Staatsterror etablierte; sie haben 1945 versagt; kein einziger Richter, so schreibt Ingo Müller in „Furchtbare Juristen“, wurde von seinen deutschen Juristenkollegen juristisch für seine monströsen Urteile zur Verantwortung gezogen und es gibt wenig Anlaß, an der Einschätzung des damaligen hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer zu zweifeln, dass ein Adolf Eichmann in Deutschland nicht vor Gericht gestellt worden wäre; er sorgte dafür, dass die Israelis tun konnten, was die Deutschen nicht tun wollten; sie haben 1968 versagt, als der Mann, der Benno Ohnesorg von hinten erschoss, freigesprochen wurde, sie haben 1989 versagt, als die Unrechtsjuristen der DDR hätten bestraft werden müssen und sie haben gerade eben wieder katastrophal versagt, als sie einer maßlos übergriffigen Exekutive zur Wiederherstellung einer mühsam austarierten Machtbalance unmittelbar die rechtlichen Grenzen hätten setzen müssen. Die Hoffnung der Amerikaner, den Deutschen mit den Nürnberger Prozessen einen Sinn für Rechtswahrung zu übertragen, hat sich nicht erfüllt. Ausmass und Qualität der verbalen Entgleisungen, die in den „Pandemie“ - Jahren von Politikern, Funktionären und zahllosen mehr oder minder prominenten Mitläufern gegenüber solchen gefallen sind, die in der Massenhysterie einen klaren Kopf behielten, legen beredt Zeugnis ab, wie viele Deutsche bis heute nicht verstanden haben, warum die Sache mit der Würde in unserem Grundgesetz an so prominenter Stelle steht. Schonungslos hat die Corona-Krise die deutsche Lebenslüge der bewältigten Vergangenheit ans Licht gebracht und daran erinnert, wie dünn die zivilisierte Schicht an der Oberfläche tatsächlich ist.</p>
<p>Sich freiwillig von Jämmerlichkeiten wie das, was gegenwärtig als politisch-mediale Elite hofiert wird, auf der Nase herum tanzen zu lassen, wird nicht geeignet sein, dem Land politisch im Ausland Respekt zu verschaffen. Eher wird man die scheinbar unausrottbare Leidenschaft der Deutschen, hergelaufene Scharlatane als neue Heilsbringer anzubeten, achselzuckend zur Kenntnis nehmen, die Deutschen, solange sie nur sich selbst schädigen, ignorieren und sich bei der Wahl nach geeigneten Partnern zur Aufrechterhaltung einer zivilisierten Ordnung anderweitig orientieren. Ich appelliere deshalb an meine Landsleute, in Erwägung zu ziehen, ob es nicht klüger wäre, die unterbrochene Revolution von 1989 in einer „constitutio libertatis“ zu Ende zu bringen und das labile Gemeinwesen auf stabilere Füße zu stellen.</p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<p>Erwähnt/Publiziert auf: <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/" target="_blank" rel="noopener">Weissgerber Freiheit</a>, <a href="https://www.achgut.com/artikel/man_darf_bundestagsabgeordnete_als_verfassungsfeind_bezeichnen" target="_blank" rel="noopener">Achse des Guten</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-darf-man-bundestagsabgeordnete-als-verfassungsfeind-bezeichnen/" target="_blank" rel="noopener">Tabula Rasa Magazin</a>, <a href="https://reitschuster.de/post/darf-man-bundestagsabgeordnete-verfassungsfeinde-nennen/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>, <a href="https://www.kompetenznetz-mittelstand.de/de/app/account/boris-blaha/article/darf-man-bundestagsabgeordnete-als-verfassungsfein_libjbvvh.html" target="_blank" rel="noopener">PT-Magazin</a>,</p>
<p style="text-align: center;">-----------------</p>
<p>Nachtrag vom 27.05.2023: Die Geschichte von den drei Bremer Bundestagsabgeordneten, der Bremer Polizei und Staatsanwaltschaft, zwei unterschiedlichen Bremer Gerichten und ihrem jeweiligen Verhältnis zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde als <a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2023/05/PM_Verfassungsfeinde.pdf">sachliche und kurze Pressemitteilung</a> am 23.05.2023 an Silke Hellwig und die Redaktion vom Weser-Kurier, an Bettina Gößler und Robert Lürssen und die Redaktion vom WeserReport, an die Online Redaktion von buten und binnen und die Bremer taz gesendet. Keine der angeschriebenen Redaktionen hat es für wert befunden, über das gestörte Verhältnis von Teilen der Bremer Politik und Justiz zur geltenden Verfassung zu berichten.</p>
<p style="text-align: center;">-----------------</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2023/05/in-eigener-sache-darf-man-bundestagsabgeordnete-als-verfassungsfeind-bezeichnen/">In eigener Sache: Darf man Bundestagsabgeordnete als Verfassungsfeind bezeichnen?</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Russlands Demagoge: Alexander Dugin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2022 12:58:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Westen]]></category>
		<category><![CDATA[Alexander Dugin]]></category>
		<category><![CDATA[Putin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Name Dugin erst durch den tatsächlichen oder vermeintlichen Anschlag auf seine Tochter bekannt, zu dem gar der Papst unbedingt meinte, sich äußern zu müssen. Ob der Papst auch die ideengeschichtlichen Hintergründe der öffentlichen Äußerungen von... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/08/russlands-demagoge-alexander-dugin/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Name Dugin erst durch den tatsächlichen oder vermeintlichen Anschlag auf seine Tochter bekannt, zu dem gar der Papst unbedingt meinte, sich äußern zu müssen. Ob der Papst auch die ideengeschichtlichen Hintergründe der öffentlichen Äußerungen von Vater und Tochter genauer durchleuchtet hat, darf bezweifelt werden. Wir sollten uns diese Ignoranz nicht leisten. Alexander Dugin, Jahrgang 1962, gilt als einer der maßgeblichen aktuellen politischen Kommentatoren in Russland, Mitbegründer der mittlerweile verbotenen </span><em><span class="tm8">Nationalbolschewistischen Partei</span></em><span class="tm7"> und Autor zahlreicher Bücher und Artikel. Zeitweise besetzte er auch den Lehrstuhl für Soziologie an der Moskauer Lomonossow-Universität</span><span class="tm9">. </span><span class="tm7">Seit etwa 2012 liefert er ideologische Unterstützung für Putins ‚postkommunistischen Mafiastaat‘ (Magyar).</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Ich gehöre ja noch zu diesen altmodischen, weißen alten Männern, die einen Autor lesen, bevor sie über ihn urteilen. Also habe ich, nachdem er so hochgelobt wurde, eine aktuelle Schrift von Alexander Dugin zur Kenntnis genommen: „</span><em><span class="tm8">Das große Erwachen gegen den Great Reset</span></em><span class="tm7">“. Ursprünglich wollte ich auch noch „</span><em><span class="tm8">Die vierte Theorie</span></em><span class="tm7">“ und „</span><em><span class="tm8">Die Grundlagen der Geopolitik</span></em><span class="tm7">“ lesen, aber das ‚große Erwachen‘ erwies sich bereits als so herbe Enttäuschung, dass ich mir den Rest sparen kann. Schon der Vergleich zum Niveau der russischen </span><em><span class="tm8">Vechi</span></em><span class="tm7"> (Wegzeichen) und </span><em><span class="tm8">De profundis</span></em><span class="tm7"> Autoren, die etwa hundert Jahre zuvor ihre fundamentale Kritik an der Urkatastrophe der russischen Revolutionen artikuliert hatten, fällt für Dugin wenig schmeichelhaft aus.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Russlands rühriger Demagoge ist bloß ein pseudo-intellektueller Scharlatan. Fundierte Bildung - Fehlanzeige. Das Ganze ist nicht mehr als ein aus beliebigen Versatzstücken zusammengerührter ungenießbarer Weltanschaungsbrei. Woran mag es liegen, dass russische Zaren eine Vorliebe für so höchst zweifelhafte Figuren wie Rasputin oder Dugin entwickeln, wobei man fairerweise zugeben muss, dass Rasputin mehr die Zarin als Nikolaus II. in seinen Bann gezogen hat?</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Das neue ideologische Feindbild, der Titel lässt es ahnen, ist der Liberalismus. Dugin verweist zwar gerne auf Carl Schmitts Definition des Politischen, schmückt sich mit Heidegger und anderen, hat aber schon den Unterschied zwischen Feind und Feindbild nicht verstanden. Ein politischer Feind und ein ideologisches Feindbild sind zwei gänzlich unterschiedliche Angelegenheiten. Beim persischen Großkönig Dareios I., dessen Einmarsch im Mutterland der poleis 490 v. Chr. zu der für die dadurch entstandenen Griechen erfolgreichen Schlacht von Marathon führte, handelte es sich um einen politischen Feind, ebenso wie Putin aus Sicht der Ukraine ein politischer Feind ist, dagegen handelt es sich bei der „jüdischen Weltverschwörung“ oder dem, was Dugin unter Liberalismus verstanden wissen möchte, um ein ideologisches Feind</span><em><span class="tm8">bild</span></em><span class="tm7">. So gibt es in Dugins Darstellung nur einen Liberalismus als zentrales Feindbild und auch nur eine einzige allumfassende Geschichte, die ungebrochen vom Universalienstreit im 12. Jahrhundert bis zur heutigen Globalisierung reicht. Geschichtsphilosophisch winken ganz von ferne Hegel &amp; Marx. Nur das mit der Dialektik war Dugin zu kompliziert. Personalisiert heißen die beiden Hauptfeinde Joe Biden und George Soros. Vor allem letzterer erweist sich als taktischer Schachzug. Damit lässt sich auch im Westen ordentlich Proselytenmacherei betreiben.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Liberalismus, insbesondere die Herauslösung des Individuums aus allen vorherigen traditionellen Bindungen, steht bei Dugin zum einen für die Moderne schlechthin, die in Bausch und Bogen als zivilisatorische Fehlentwicklung abgelehnt wird, zum anderen aber, weil er keinerlei Vorstellung davon hat, was sich politisch mit einem freigesetzten Individuum anfangen ließe, für das Andere des EINEN. Über Entwurzelung als unbeabsichtigte Nebenfolge der durch die Trennung von Staat und Gesellschaft hervorgerufenen Atomisierung ließe sich ja noch diskutieren, aber Auseinandersetzungen sind hier nicht vorgesehen. Die Masse muss zusammengepresst eine einzige gewaltige Kraft und dann in Bewegung gesetzt werden. Damit eine Ideologie Massen mobilisieren kann, muss sie einfach und leicht verständlich sein, eine Erfahrung, die ganz nebenbei auch Hitler bei seinen ersten Erfolgserlebnissen als Redner ermutigte. Hatte er zu Beginn seiner Rednerkarriere Kritik und Hetztiraden gegen mehrere unterschiedliche Personen verteilt, war der erwünschte Effekt weitaus schwächer. Zuhörer lassen sich dramaturgisch nur dann aus der Besonnenheit herauslocken und in die gezielte Erregung versetzen, wenn man sich als Redner auf ein einziges Feindbild beschränkt, dies aber zum Inbegriff alles Negativen verdichtet. Unterschiede dürfen da keinerlei Rolle spielen, nicht die zwischen Frankreich und Deutschland, nicht die zwischen kontinentaleuropäischem und angelsächsischem Denken und erst recht nicht, dass die amerikanische eine gänzlich andere Revolution war und nicht bloß der kleine Bruder der französischen. Wo die Wirklichkeit zu störend ins Bild kommt, wie beim Phänomen Trump, macht Dugin Liberalismus 1.0 und 2.0 daraus. Schon passt es wieder. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Bezogen auf einen metaphysischen, allgemeingültigen Wahrheitsbegriff, der den menschlichen Angelegenheiten von Zeit und Raum entzogen ist, wären individuelle Wahrheiten der Abgrund des Allgemeinen. Sammlung, Zeitlichkeit, Vermittlung kann Dugin nicht denken. In einer orthodoxen ideengeschichtlichen Tradition, die weder das (römische) Recht als ein Verhältnis zwischen Personen, noch eine Person nicht nur als Träger von Rechten und Pflichten, sondern auch als Überträger von wahrgenommer und mitgeteilter Wirklichkeit kennt und der EINE die einzige Person und damit auch die einzige Quelle von Gerechtigkeit ist, muss jede individuelle Abweichung als das metaphysisch Böse schlechthin bekämpft werden. Von hier aus speist sich das Motiv der Verteufelung des Individuums. Dugin muss deshalb mit zwei Liberalismen hantieren, einem historisch, ideengeschichtlich, politisch wie ökonomisch bestimmten, der Moderne, und einem, der mehr einer alttestamentarischen Grundkonstante gleicht. Aus allen Kontexten herausgeschält ist der zweite Liberalismus nicht nur irgendein Feind, sondern muss zum „uralten Feind der gesamten Menschheit“ hypostasiert werden. Bei so viel religiösen Anleihen wundert es nicht, dass dieser Liberalismus von Dugin als </span><em><span class="tm8">satanisch</span></em><span class="tm7"> qualifiziert wird. Bei den Nationalsozialisten übernahm diese Position im Weltanschauungskonstrukt die jüdische Weltverschwörung. Und natürlich geht es auch bei Dugin um Armageddon, die letzte Schlacht. Wenn es nur einen Gott gibt, kann es auch nur einen Auserwählten geben. Bescheidener wird es daher nicht, schließlich „geht es nicht nur um die Rettung des Westens […], sondern um die Errettung der Menschheit […] von der totalitären Diktatur der liberal-kapitalistischen Eliten.“</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Mit Differenzierungen hält sich Dugin nicht auf. Wo es nur gut und böse gibt, weder Unsicherheit noch Zweideutigkeit irgendeine Rolle spielen dürfen, sind die beiden Felder beiderseits der Front jeder Auseinandersetzung entzogen - tertium non datur. Grenzgängerei wäre da ein Kapitalverbrechen. Alle Differenzen werden ausgelöscht zugunsten einer einzigen, die alles erklärt. Man setzt auf Gewissheiten und eindeutige Zuordnungen. „Es gibt nur zwei Parteien auf der Welt: die globalistische Partei des Great Resets und die antiglobalistische Partei des großen Erwachens. Und nichts in der Mitte.“ Mit westlicher Kreuzzugsrhethorik muss der Kampf gegen eben diesen Westen universell werden, denn die Globalisten seien das absolut Böse.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Für eine Neuauflage des Widerstandes gegen die liberale Zerstörung der Menschheit wird gar Orwell ins Reich heimgeholt. „Die Dystopie von Orwells 1984 wird nicht von einem kommunistischen oder faschistischen, sondern von einem liberalen Regime verkörpert.“ Dugins einfache Lösung der Links-Rechts Blockade: Die Linke müsse ihren Anti-Faschismus, die Rechte ihren Anti-Kommunismus aufgeben. Nur vereint sei der Liberalismus zu schlagen. Aus Dugins Perspektive sind russischer und deutscher (National)-Sozialismus kein Zivilisationsbruch, sondern legitime Widerstandsformen gegen das absolute Böse. Ihr einziger Nachteil war nur, dass sie noch zu modern und deshalb nicht siegreich waren. Dugins Vorschlag: Man muss über den Westen und die gesamte Moderne zurückgehen und sich am Osten orientieren. Iran, Indien, China, selbst das archaische Afrika sollen die Vorbilder für die erneuerte Zivilisation sein. Da reichen sich, ideologisch gesprochen, </span><span class="tm9">Ayatollah Khomeini und Alexander Dugin die Hände, aber nicht auf Augenhöhe. </span><span class="tm7">Russland sei, so Dugin, die Avantgarde und daher berufen, sich an die Spitze zu stellen, um den internationalen Kampf der Völker gegen die Globalisten anzuführen. Solche Textbausteine, minimal angepasst, klingen vertraut. Es waren auch nur die westlichen Demokratien, die sich „angesichts einer Pandemie rasch in totalitäre Gesellschaften verwandeln“. Dass China dafür das Modell lieferte, muss Dugin’s Konstrukt verschämt verschweigen.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Nicht, dass es an Liberalismus und Globalisierung nichts auszusetzen gäbe, aber doch bitte nicht so. Arendt hat sich ja nicht umsonst schon Anfang der Fünfziger in einem Brief an Blücher über die ‚Wiederkehr des verstunkenen Liberalismus‘ empört. Wer Scharlatanen wie Dugin auf den Leim geht, sollte vielleicht doch noch einmal über ein Studium nachdenken. Es gibt in Russland keine Tradition politischen Denkens, nicht einmal als verborgene oder verschüttete, oder haben Sie schon mal was von einem russischen Machiavelli oder einem russischen Thukydides oder Tocqueville gehört. Am deutlichsten spürt man das in den Texten der oben erwähnten </span><em><span class="tm8">Vechi</span></em><span class="tm7"> und </span><em><span class="tm8">De profundis</span></em><span class="tm7"> Autoren, denen es trotz radikaler Kritik an den russischen Revolutionen nicht gelingt, ihre Kritik von einer politischen Perspektive aus zu artikulieren. Irgendwie kommt immer eine Variante der Theokratie dabei heraus.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die griechische Erfindung des Politischen und das römische Recht mit Person und Körperschaft als Träger von Rechten und Pflichten sind aus abendländischer Sicht Hoffnungsanker gegen einen erneuten Rückfall in die Barbarei, während sie für Dugin die größte Bedrohung seiner Vorstellung eines geordneten orthodoxen Gemeinwesens darstellen. Folgerichtig schwärmt Dugin von Platons drei Stände Modell. Ganz oben herrschen die Priesterphilosophen, die Aristokraten machen die Krieger und der Rest sind Bauern, die kurz und dumm gehalten werden. Jeder an seinem Platz. Vertikale Mobilität, auch bekannt als „vom Tellerwäscher zum Millionär“, ist nicht vorgesehen.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die Unfähigkeit, zwischen Person und Persönlichkeit, zwischen Amt und Amtsinhaber unterscheiden zu können, eine für das römische Recht zentrale Differenz, verleitet Dugin zu einer für Russland fatalen Fehleinschätzung. Aus Bidens Schwäche liest er die Schwäche Amerikas und eine Einladung für Russland. „Im Moment - solange in den USA ein Idiot an der Macht ist - hat Russland die historische Chance, […] seinen Einflußbereich fast weltweit dramatisch auszudehnen.“ Dass Amerika weit mehr ist als das, was Dugin unter Liberalismus versteht, dass die abendländische Tradition politischen Denkens nach Amerika ausgewandert war, bevor sie sich in der kontinentaleuropäischen Moderne verwurzeln konnte, hat Dugin übersehen. Der Preis dieser Ignoranz ist hoch.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Hannah Arendt schrieb in den Fragmenten zur Politik: Die politische Philosophie beginnt mit Platon und endet mit Marx. Soll heißen: das Politische kam innerhalb dieser Tradition nicht zu Wort. Außerhalb dieser Tradition, dafür lieferte die amerikanische constitutio libertatis ein überzeugendes Beispiel, war das anders.</span><span class="tm9"> Wer die entpolitisierenden Effekte des Liberalismus der Moderne korrigieren möchte, braucht dafür nicht nach Indien, China, Iran oder Russland gehen.</span></p>
<p>_____</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/2022/09/02/russlands-demagoge-alexander-dugin/">Weissgerber Freiheit</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/russlands-demagoge-alexander-geljewitsch-dugin/">tabula rasa magazin</a>, <a href="https://www.pt-magazin.de/de/gesellschaft/aufgespiesst/russlands-demagoge-alexander-dugin_l7kgjq93.html">PT-Magazin</a>,</p>
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		<title>Gesetzloses Russland</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2022 18:52:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Russland]]></category>
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		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Absolutismus]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft des EINEN]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nirgends in Europa hat der Absolutismus in einem solchen Ausmaß alle gesellschaftlichen Kräfte vernichtet wie in Rußland. A.S. Izgoev, Moskau 1910 &#160; &#160; Deutschland und Russland teilen die Besonderheit, sich in politischen Krisenzeiten für Anführer zu begeistern, die aus einer... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/gesetzloses-russland/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Nirgends in Europa hat der Absolutismus in einem</em><br>
<em> solchen Ausmaß alle gesellschaftlichen </em><br>
<em>Kräfte vernichtet wie in Rußland</em>.</p>
<p style="text-align: right;">A.S. Izgoev, Moskau 1910</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Deutschland und Russland teilen die Besonderheit, sich in politischen Krisenzeiten für Anführer zu begeistern, die aus einer lösbaren Herausforderung durch ihre herausragenden Fähigkeiten erst eine um ein Vielfaches potenziertere Katastrophe machen können. Man würde wohl nicht allzu fehl gehen, ein solches Phänomen der in beiden Ländern mangelnden Tradition politischer Urteilskraft zuzuschreiben. Während Deutschland den Vorzug hat, wie schon Napoleon und die Franzosen zuvor, mit der vollständigen Niederlage gegenüber der vereinten Macht einer militärischen Allianz eine unmißverständliche Lektion erhalten zu haben, konnte Russland der Dynamik einer vergleichbaren Erfahrung unter dem schützenden Dach der Lorbeeren des großen vaterländischen Sieges bislang entkommen. Dies scheint nun vorbei zu sein.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Russlands gegenwärtiges Problem ist nicht der Westen. Russlands Problem sind auch nicht die USA oder der propagandistische Popanz NATO-Osterweiterung. Noch schwachsinniger ist die von von etlichen Nostalgie-Konservativen nach dem Motto, der Feind meines Feindes muss mein Freund sein, dogmatisch verbreitete Ansicht, Russland hätte eine konstruktive Antwort auf die zweifellos drängenden Dekadenzprobleme des Westens. Russlands Problem ist ausschließlich Russland selbst. Ein kurzer Blick in die Geschichte mag das erläutern.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nach gründlicher theologischer Vorarbeit entstand im Westen als Reaktion auf die exzessiven Todeserfahrungen des Dreißigjährigen Krieges eine Ordnungsphantasie, die nach ihrer Verwirklichung Absolutismus genannt wurde. Die Angst rückte ins Zentrum von Überlegungen, die von der Sorge ums reine Überleben dominiert wurden. Freiheit spielte da plötzlich keine Rolle mehr. Hobbes wurde einer ihrer wirkmächtigsten ideengeschichtlichen Vordenker. Aus der Wortbedeutung von ab- als etwas wegmachen, abtrennen, und solus als ein von allen anderen getrennter Einzelner entstand ein politisches Phantasma, das sich im Auspruch Ludwig XIV. „Der Staat bin ich“ verdichtete.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die schon in sich paradoxe Kompensationsphantasie eines allmächtigen Einen konnte nur aus einer tatsächlichen Ohnmachtserfahrung heraus entstanden sein, einer Situation absoluter Verlassenheit, in der keine anderen mehr da waren, an die man sich hätte wenden können. Das Fehlen aller anderen macht diese Phantasie zu einer radikal a-politischen, denn echte politische Macht entsteht und vergeht nur zwischen Menschen, aber niemals im Menschen selbst. Ein Einzelner ist per se machtlos, ein allmächtiger Einzelner ein fundamentaler Widerspruch in sich. Maßlos gefährlich wird eine solche Phantasie, wenn Sie aus der Verlassenheit in den Kreis der anderen zurückkehrt, in das Politische eindringt und es zu beherrschen sucht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Allen europäischen Ländern, mal früher mal später, mal dauer- mal wechselhafter, gelang es, das destruktive Potential dieses a-politischen Phantasmas durch eine Re-Politisierung wieder zu entschärfen, mit einer Ausnahme: Russland. Die Polen als klassische Adelsrepublik waren weitgehend immun gegen diese theologische Vergiftung des Politischen und daher durchaus naheliegend das erste Land im sowjetischen Herrschaftsbereich, das mit Solidarność und „Rundem Tisch“ ein erfolgreiches politisches Gegenmodell etablierte. Die Engländer köpften ihren König schon im 17. Jahrhundert und fanden in der Formel „king in parliament“ einen sprechenden Ausdruck für die Wiedereinsetzung des abgetrennten Einen in den Kreis der anderen. Auch die Franzosen realisierten das ab-solute, guillotinierten ihren Souverän, erhielten aber mit Napoleon kurz darauf die nächste Verkörperung. Es bedurfte der vereinten Macht einer anti-napoleonischen Allianz, um auch diese gesamteuropäische Gefahr zu neutralisieren. Im Unterschied zu den Deutschen schafften es die Italiener immerhin selbst, ihren „Duce“ zu entmachten, während es auch bei den Deutschen einer Anti-Hitler Allianz bedurfte, um die gewaltigen Destruktionskräfte, die ein solches a-politisches Phantasma freisetzen kann wieder einzuhegen. Spanier und Portugiesen hatten irgendwann genug von ihren Diktatoren, der Vollständigkeit halber gibt es etliche konstitutionelle Monarchien in Europa und die Litauer, Letten und Esten demonstrierten am fünfzigsten Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes mit einer beeindruckenden Menschenkette durchs gesamte Baltikum die politische Macht eines „acting in concert“.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">An der Art des Umgangs der Sowjetunion mit der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl konnten die Ukrainer am eigenen Leib überaus schmerzhaft erfahren, wie wenig ihr Überleben und ihre Sicherheit dem Mann in Moskau wert waren. Das Aufrechterhalten der Lüge war Gorbatschow wichtiger. Dass eine derartig existentielle Erfahrung zur Konsequenz führt, die Dinge wieder in die eigenen Hände nehmen zu müssen, ist nicht weiter verwunderlich. Ein Jahr nach dem Unfall entstand in der sowjetischen Ukraine die erste legale politische Partei seit den 1920er Jahren (vgl. Serhii Plokhy, Die Frontlinie, Hamburg 2022).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nur in Russland vergiftet mit tatkräftiger Unterstützung der orthodoxen Kirche die mit Peter dem Großen aus dem Westen importierte Phantasie des allmächtigen Einen das gemeinschaftliche Zusammenleben bis heute vollständig ungebrochen. Das allerdings ist Russlands Problem. Ob und wie sie es lösen, ist ihre Sache. Was unseren Umgang mit Russland betrifft, sollte man allerdings einen entscheidenen Faktor nicht aus dem Auge verlieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zogen einige russische Intellektuelle aus dem Scheitern der Revolution von 1905 etliche Schlussfolgerungen, die nicht nur über einhundert Jahre danach noch Bestand haben, sondern darüber hinaus auch für unsere eigene Lage überaus lesenswert sind. Ich beziehe mich auf eine Aufsatzsammlung, die unter dem Titel „Vechi - Wegzeichen“ 1909 in Moskau erschienen ist und in einer deutschen Übersetzung unter dem Titel „Wegzeichen - Zur Krise der russischen Intelligenz“ 1990 als Band 67 der Anderen Bibliothek beim Eichborn Verlag heraus kam. Ich beschränke mich auf den Aspekt, der die verbreitete westliche Vorstellung, man müsse mit Putin verhandeln, ad absurdum führt.</span></p>
<p>Die Ablösung von archaischer Gewalt durch eine zivilere Verrechtlichung ist in der abendländischen Tradition tief verankert, man denke nur an die griechische Orestie oder die römische Rechtstradition. Auch das Entscheidende an Arendts Eichmann Buch ist nicht das Individuum Adolf Eichmann, sondern seine Wiedereinsetzung in einen rechtlich instituierten Raum.</p>
<p>In Russland hingegen kam 1909 der Rechtsgelehrte Bogdan Kistjakovskij, der die jüngere Vorgeschichte der russischen Negation jeglicher Rechtsordnung aufarbeitete, zu dem Schluss, dass es in der russischen Literatur im Unterschied zu allen anderen europäischen Ländern wie England, Frankreich, Deutschland keine einzige Studie gibt, die sich dem politischen Sinn von Rechtsordnung widmen würde. Zu Namen wie Montesquieu, Locke, Althusius oder Kant und Hegel, um nur ein paar zu nennen, gäbe es in der russischen Tradition kein Äquivalent. Das westliche „bürgerliche“ Konstrukt eines Rechts- und Verfassungsstaates, dessen Kern die Freiheit und Unantastbarkeit der Person ist, hätte die russische Intelligenz schon Ende des 19. Jahrhunderts im naiven Glauben abgelehnt, man könne diese Phase überspringen und gleich im sozialistischen Paradies landen. Gegen die Herrschaft des Einen hatte in Russland die Herrschaft der Gesetze keine Chance. Während es in Deutschland in der Zwischenkriegszeit eine breite rechtshistorische bis rechtsphilosophische Auseinandersetzung gab, von Verfassungsrecht und Widerstand im Mittelalter, über die Rechtsfindungspraktiken der Germanen bis zum Nomos der Erde, waren spätestens durch die Schauprozesse der späten 20er und 30er Jahre die von Zar Alexander II. eingeleiteten Rechtsreformen Makulatur. Überflüssig zu erwähnen, dass der ältere Bruder Lenins wegen Beteiligung an der Ermordung jenes vergleichweise „liberalen“ Zaren hingerichtet wurde.</p>
<p>Es gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich seither Wesentliches geändert haben sollte. Bis heute ist Russland ein gesetzloses Land. Oppositionelle können mitten am Tag auf offener Straße ebenso hingerichtet werden, wie verwöhnte Oligarchenkinder in St. Petersburg ihre Autorennen a<span class="tm6">uf belebten Hauptverkehrsstraßen </span>ohne jegliche Rücksicht auf den Tod Unbeteiligter austoben können.</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es gibt Schlachten, die deswegen berühmt und im kollektiven Gedächtnis erhalten geblieben sind, weil eine Ordnung sich gegenüber dem expansiven Vordringen einer anderen Ordnung erfolgreich behaupten und dadurch gewährleisten konnte, dass mindestens zwei unterschiedliche Ordnungen nebeneinander gleichzeitig, wenn auch in unterschiedlichen Räumen existieren können. Das eine wurde vom anderen durch eine zwar durchlässige aber erfahrbare Grenze getrennt, ein Aspekt, den es heute gegenüber den Ideologen einer allumfassenden Weltinnenpolitik zu betonen gilt. Der ursprüngliche Sinn von Gesetz stammt nicht aus einem moralischen, sondern räumlichen Kontext. Eine auf dem Land gezogene Furche trennt einen gesetzlosen von einem gesetzten Raum und schützt dadurch letzteren vor der Gewalt, die im anderen vorherrscht.<br>
</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/2022/07/28/gesetzloses-russland/">Weissgerber-Freiheit</a>, <a href="https://wir-selbst.com/2022/07/31/gesetzloses-russland/">wir selbst</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/gesetzloses-russland/">tabularasa</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/gesetzloses-russland/">Gesetzloses Russland</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Unser tägliches Brot gib uns heute, und bitte vergiss nicht das Wasser dazu</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2022/07/unser-taegliches-brot-gib-uns-heute-und-bitte-vergiss-nicht-das-wasser-dazu/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Jul 2022 16:21:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Exodus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Peter Levin: &#160; Vierzig Jahre wanderte das Volk in der Wüste. Dort ist es kalt bei Nacht. Tags plagt die Hitze, der Durst und Hunger. Das Brot kam weder täglich noch hatte es Geschmack. Es war ungesäuert... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/unser-taegliches-brot-gib-uns-heute-und-bitte-vergiss-nicht-das-wasser-dazu/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/unser-taegliches-brot-gib-uns-heute-und-bitte-vergiss-nicht-das-wasser-dazu/">Unser tägliches Brot gib uns heute, und bitte vergiss nicht das Wasser dazu</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Peter Levin:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vierzig Jahre wanderte das Volk in der Wüste. Dort ist es kalt bei Nacht. Tags plagt die Hitze, der Durst und Hunger. Das Brot kam weder täglich noch hatte es Geschmack. Es war ungesäuert und es fehlte Salz in der Suppe. Das Volk sollte das Salz der Erde werden. Es murrte nicht knapp unter dieser Last. Freiheit im gelobten Land war versprochen, nicht endloses Darben auf der Durststrecke. Am Ende kam es zum Bündnis aller und zum Vertrag mit der göttlichen Führungsmacht.</p>
<p>Der Bitte um täglich Brot folgt jene um Vergebung. Kaum hörbar im Geschrei der Verknappung geht das elementare Gut verloren: Wahrheit, Vergebung, Barmherzigkeit&nbsp; - genau in dieser Reihenfolge. Die Engel der Verknappung rufen auf, den Mangel zu bezwingen. Sie verachten den Hort der Fülle, Gott. Alternativlos und allmachtvoll, kennen sie nur gnadenlosen Überfluss und das Gnadenbrot staatlicher Zuteilungen.</p>
<p>Und führe uns nicht in die Versuchung, dem Nachbar den Reichtum zu neiden und zu rauben. Russland bezwingen zu wollen, war immer mit Frostbeulen verbunden. Das ist heute noch so. Wir sind aber zu knapp im Geiste und schwach im wahren Willen, es bis zur Wolga zu schaffen. Heldenhaft ist wer zu Hause bleibt, und friert, bis zum Endsieg.</p>
<p>Unser Schwimmbad drosselt die Heizung wegen steigender Kosten. Die Biologie antwortet prompt. Sinkende Wassertemperatur verändert die Brühe: Inkontinenz soll retten den Kontinent. Das Kind ist raus mit dem Badewasser. Wir Menschen brauchen klares Wasser und Brot wie Wahrheit in der Not.</p>
<p>Der Täufer am Jordan lebte von Heuschrecken und Honig,&nbsp; bedeckte sich mit Kamelhaar und taufte mit Jordan-H2O und heiligem Geist. Heute taufen wir digital, die Himmel bleiben verschlossen. Wer beten kann soll beten!</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/unser-taegliches-brot-gib-uns-heute-und-bitte-vergiss-nicht-das-wasser-dazu/">Unser tägliches Brot gib uns heute, und bitte vergiss nicht das Wasser dazu</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Siegmar Faust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2022 18:13:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Konservativismus]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[links]]></category>
		<category><![CDATA[rechts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel schon voll abgestempelt: „</span><em><span class="tm7">In der DDR stritten sie als Bürgerrechtler für Demokratie – jetzt triften Freiheitskämpfer von einst nach rechts ab. Warum?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotei"><sup>i</sup></a><a id="footnoteiback"></a> Vor der Überschrift „Was für Helden“ wurde in rot noch eine Ortsangabe gesetzt: „Ostdeutschland”. Keiner der Beschriebenen stammt aus den ehemaligen Ostgebieten, sondern alle wuchsen im Sendebereich des Mitteldeutschen Rundfunks auf. Schon mit solch einer Manipulation oder Geistlosigkeit begann es. Immerhin war der Journalist so ehrlich zuzugeben, dass sein Artikel viele Leserbriefe hervorrief, „doch 80% ergriffen für Sie Partei“. Drei Monate darauf kam es noch schlimmer. Wenn es in einer Demokratie, die sich ja gern mit Sir Popper als „offene Gesellschaft” versteht, nur gestattet ist, links zu sein, dann kann das nur eine Diktatur sein, im harmlosesten Fall eine Demokratur.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der zunehmenden Anmaßung von Journalisten, die durch ihre Kumpanei mit politischen oder finanziellen Machthabern das Volk ständig in die Illusion einlullen, diese autoritäre Bevormundung sei Demokratie, wird sie massiv untergraben. Noch deutlicher sprach es Oberon Reger aus: „<em>Durch ein deutsches Journalistengehirn gequetscht zu werden ist das Schrecklichste, was einer Wirklichkeit passieren kann.</em>“ Genau das passierte mir drei Monate später, nachdem ich dem angeblich katholischen Journalisten Markus Decker für die „Berliner Zeitung“<a href="#footnoteii"><sup>ii</sup></a><a id="footnoteiiback"></a> ein Interview gab, das dann gleichzeitig ohne mein Wissen in einem Dutzend weiterer Zeitungen ganzseitig erschien, wo er mir nicht nur gefälschte Worte in den Mund gelegt hatte, sondern mir auch noch unterstellte, dass ich nach „rechts außen geschwenkt“ sei. Die Zeitung druckte weder meine Gegendarstellung ab, noch nahm die Staatsanwaltschaft meine Anzeige an.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Im Alten Testament hieß es noch: „</span><em><span class="tm7">Der Verstand des Gebildeten wählt den rechten Weg, der Verstand des Ungebildeten den linken…</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnoteiii"><sup>iii</sup></a><a id="footnoteiiiback"></a> Der „Fortschritt” brachte es jedoch mit sich, dass es heute genau andersherum gültig sein soll. In kritischen Leserbriefen gegen den Kurs der BILD-Zeitung hieß es im Februar 2018: „</span><em><span class="tm7">Es gibt nicht mehr links und rechts, es gibt nur noch ein oben und unten, wobei die ‚oben‘ die Systemlinge, die Abhängigen sind.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Dazu passt auch eine weitere Zuschrift: „</span><em><span class="tm7">Die BILD geht den Leidensweg der SPD, man verlässt die Welt des kleinen Mannes und versucht sich stattdessen in moralischer Unterweisung des Volkes. Das kann nicht funktionieren und endet in der Bedeutungslosigkeit!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, „oben” und „unten” ist ebenso ein vor allem politisch auslegbares Gegensatzpaar, das in jeder Zeit und Ordnung mehr oder weniger präsent ist, doch es ist politisch nicht mehr so dominant wie der modernere Spannungsbogen zwischen rechts und links. Was verstehen wir heute eigentlich unter „links” und „rechts”? Diese politische Einteilung entstand bekanntlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich mit der Sitzordnung der Nationalversammlung. In der damaligen Deputiertenkammer saßen links die „Bewegungsparteien”, deren Ziel es war, die politisch-sozialen Verhältnisse zu verändern, rechts die „Ordnungsparteien”, die mehr auf die Bewahrung der politisch-sozialen Verhältnisse hinwirkten. Auch in vielen anderen Parlamenten setzte sich diese Sitzordnung durch. Das ist bis heute so, und auch bei der Sitzverteilung der Parteien im Deutschen Bundestag sitzt die SED-Linkspartei, deren politische Ausrichtung sogar auf ihrem Namensschild steht, vom Bundestagspräsidium aus gesehen links, und auf der rechten Seite sitzen gegenwärtig die Abgeordneten der AfD.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Möge die Einteilung der Parteien in das „Links-Rechts”-Schema heutzutage für viele immer unübersichtlicher und damit entbehrlich geworden sein, so werden viele trotzdem auch in Zukunft nicht ohne diese Klischeebegriffe auskommen, denn nirgendwo lässt sich die auf Erden und im materiellen Universum herrschende Polarität, also der uns alle beherrschende Dualismus aufheben. Ohne Gegensätze ließe sich auch gar nichts erkennen. Dabei muss ich mich vordergründig nicht zum Dualisten abstempeln lassen, nur weil ich als zur Transzendenz neigender Zeitgenosse im Sinne Christian Wolffs „</span><em><span class="tm7">die Existenz materieller und immaterieller Substanzen</span></em><span class="Endnotenzeichen">” anerkenne und mich gleichzeitig an der Bergpredigt von Jesus orientiere.<a href="#footnoteiv"><sup>iv</sup></a><a id="footnoteivback"></a> Bei allem Respekt vor dem antiken Philosophen Plotin, der in seiner monistischen Philosophie alles, was geistig oder physisch existiert, auf das Eine zurückzuführen suchte. Falls sich das auf Gott bezieht – stimme ich zu, falls damit aber die Gegensätze in der Welt und in der Natur gemeint sein sollen, dann passe ich.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Was wäre denn die Literatur, von den Liebes- oder Kriminalromanen mal ganz abgesehen, ohne solch ein dualistisches Figurenpaar der Dichtung wie Faust/Mephisto? Deutlicher wird vieles, wenn Parteien und Menschen besonders radikale Ansichten vertreten oder antagonistische Gegensätze verkörpern. Normalerweise verträgt eine stabile Demokratie auch radikale, also bis an den Rand oder bis zur Wurzel reichende Ansichten, Forderungen oder Bestrebungen. Doch in jeder Gesellschaftsordnung gibt es auch durch Grundgesetze vorgegebene „rote Linien”. Wer bis zur Linie geht ist radikal, wer sie jedoch überschreitet, sei er ein besonders aktiver „Freund des Fortschritts” oder ein sogenannter „Reaktionär”, wird zumeist und zurecht als „Extremist”<a href="#footnotev"><sup>v</sup></a><a id="footnotevback"></a> bezeichnet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Links- oder Rechtsextremisten wollen entweder als Frustrierte oder sonst wie Abgehängte das bestehende Staats- und Gesellschaftssystem verändern, nicht selten auch mittels Putsches oder Revolution, also durch Gewaltanwendung. Das rechtfertigt den Verfassungsschutz, jedoch nur, wenn deren Vertreter nicht auf einem Auge blind sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Luthers Anerkennung der weltlichen Obrigkeit und seine Forderung, sich ihr in irdisch- politischen Fragen unterzuordnen, bereitete den Boden für das oft zu enge Bündnis von Thron und Altar im deutschen Protestantismus. Erst die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts führten bei dem Theologen Dietrich Bonhoeffer zu einer kritischen Interpretation von Luthers Lehre, denn er postulierte im Nazi-Regime, wenn der Staat in seinem Recht und Ordnung schaffenden Funktion versagt, ein Recht auf Widerstand. Das ist dann auch in den Artikel 20 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eingeflochten worden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ich nehme wie der ehemalige sächsische Justizminister und Bundespräsidentschaftskandidat Steffen Heitmann an, dass sich „</span><em><span class="tm7">hinter den Begriffen rechts und links unterschiedliche Wirklichkeitsverständnisse verbergen, unterschiedliche geistige Ansätze, die dann jeweils auch unterschiedliche politische Akzentsetzungen nach sich ziehen</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Wollte ich nun genau die eigentlichen Unterschiede zwischen den politisch linken oder rechten Überzeugungen analysieren, dann käme am Ende ein dickes Buch heraus. Deshalb kann ich hier nur skizzenhaft die Unterschiede andeuten. Rechts eingestellte Menschen und Parteien haben ein konservatives Menschenbild, das sich aus der Tradition bis hin zur biblischen Geschichte speist, also auch vom Sündenfall des ersten Menschenpaares weiß. Für sie steht, um es aktuell auszudrücken, das Wohl der eigenen Familie und Nation samt ihrer Staatsbürger im Vordergrund, während bei links eingestellten Menschen und Parteien weltweit die soziale Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen im Vordergrund stehen. In der Theorie. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Davon kann der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß folgendes Lied singen: Er war mit einer Bundestagsabgeordneten der SED-Linken mal auf Auslandsreise. Er bekam mit, dass sich diese Dame beim Rückflug auf First Class umbuchen ließ. „</span><em><span class="tm7">Ich war überrascht und fragte, ob die Linken nicht eher Holzklasse fliegen müssen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Die Linke erklärte ihm daraufhin, dass er da etwas falsch verstanden habe: „</span><em><span class="tm7">Im Sozialismus fliegen alle First Class.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Tja, so fliegen die Vertreter der Armen, Ausgebeuteten und Benachteiligten schon mal ihrer Zeit etwas voraus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Denn die Avantgarde muss schon etwas früher im Sozialismus ankommen, um dann die Masse der Entrechteten dort gebührend empfangen zu können. Das kennen wir schon aus dem Verhalten der einst regierenden Bonzen in den sogenannten sozialistischen Ländern, die ebenfalls Wasser predigten und heimlich guten Wein vom Klassenfeind soffen, um wieder in Anlehnung an ein Bibelzitat deutlich zu machen, dass die Technik sich zwar wahnsinnig schnell fortentwickelt, aber der Charakter, das Wesen des Menschen bleibt unverändert: der alte Adam.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Der alte Adam in uns soll ersäuft werden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Das sagte Martin Luther und schlussfolgerte: „</span><em><span class="tm7">Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie der von den Linken sicher nicht erträumte, aber durch ihre Politik entstehende neue solidarische Mensch oder deutlicher gesagt: der abgerichtete Mensch aussieht, das lässt sich heute deutlich in Nordkorea oder China studieren. Nichts schreckt die Linken ab, die Welt zu revolutionieren, damit das Glücksversprechen für alle endlich seine Erfüllung findet. Das hieße in der Konsequenz, alle Gegensätze zwischen den Menschen und ihren Verhältnissen abzuschaffen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Welch in Irrsinn! Allein schon die Gesetze der Ungleichzeitigkeit lassen sich nicht abschaffen, denn das hieße, die Zeit anhalten oder abschaffen zu wollen. Das könnte uns lediglich im Jenseits widerfahren. „</span><em><span class="tm7">Da aber die positiven Wissenschaften</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Martin Heidegger, „</span><em><span class="tm7">auf die ontologische Arbeit der Philosophie weder warten ‚können‘ noch sollen, wird sich der Fortgang der Forschung nicht vollziehen als ‚Fortschritt‘, sondern als Wiederholung und ontologisch durchsichtigere Reinigung des ontisch Entdeckten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotevi"><sup>vi</sup></a><a id="footnoteviback"></a> Doch die Fortschrittsmenschen werden nichts unversucht lassen, den neuen Menschen, besessen von Diversität, Inklusion und Egalität, zu züchten, dieses Mal mit Hilfe der Digitaltechnik.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke empfinden sich in der Tradition der Aufklärung stehend und halten die Welt grundsätzlich für durchschaubar, steuerbar und beherrschbar, wenn auch bar jeder Vernunft, während Rechte ihre bescheidenere Besonnenheit der Transzendenz unterordnen, wissend, dass sie nicht die Schöpfer der Welt und des Universums sind und deshalb ehrfurchtsvoll die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit beachten, soll heißen, sich selbst nicht zur letzten Instanz erheben. Linke glauben im Sinne Darwins und Heckels an den Fortschritt vom Niederen zum Höheren. Dann ist es auch logisch, die Marx‘sche Stufenleiter vom Urkommunismus über die Sklavenhalterordnung und den Feudalismus hochzukraxeln, um in der letzten Station, die sich Sozialismus nennt, vor dem kommunistischen Paradies auf Erden den teuflischen Kapitalismus zu überwinden. Denn erst dann wird die vom Klassenkampf bestimmte „Vorgeschichte der Menschheit“ überwunden sein, und der neue Mensch wird ein von Entfremdung und Ausbeutung befreites Leben führen und seine Geschichte bewusst und selbstständig gestalten können. Wer könnte denn etwas gegen eine solche klassenlose Gesellschaft haben? Wer will nicht die göttlichen von Marx entdeckten Geschichtsgesetze anerkennen? Gehören diese Leugner nicht in geschlossene psychiatrische Anstalten gesperrt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder die anderen, die von der ungerechten kapitalistischen Ordnung schwärmen, weil sie von ihr profitieren, müssten sie nicht weggesperrt werden? Und gar die Produktionsmittelbesitzer, gehören sie nicht enteignet? Marx, der ja gern mit Fremdworten herumprahlte, nannte das „</span><em><span class="tm7">Expropriation der Expropriateure</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Und siehe: Die Marx‘sche Theorie wurde zur materiellen Gewalt. Das „Manifest der kommunistischen Partei” wurde zum Bestseller. Die Weltbevölkerung bekam dank Marx ab 1850 bis heute 6,6 Milliarden Zuwachs. Kein Wunder, dass Lebensmittel in den sozialistischen Staaten noch heute knapp sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Also: „</span><em><span class="tm7">Völker, hört die Signale! / Auf, zum letzten Gefecht! / Die Internationale / Erkämpft das Menschenrecht…</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie heißt es dazu bei Marx? „</span><em><span class="tm7">Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotevii"><sup>vii</sup></a><a id="footnoteviiback"></a> Das haben sich weder die Sturmabteilungen der Nationalsozialisten noch die Kommunisten des Rotfrontkämpferbundes zweimal sagen lassen. In dieser Tradition stehen bis heute vor allem die vermummten Antifa-Banden, die überall nur Nazis und Rassisten sehen wollen, sie regelrecht hervorkitzeln und dafür brav und dumm, wenn nicht gar verbrecherisch vom demokratisch sein wollenden Rechtsstaat subventioniert werden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ehemalige Linke, die nach rechts konvertierten wie der Herausgeber Stéphane Courtois, brachten 1997 das „Schwarzbuch des Kommunismus” heraus. Darin wird äußerst zurückhaltend die Bilanz dieser marxistisch-kommunistischen Ideologie aufgelistet: 100 Millionen Tote. Schnell unterstellen darauf Linke den Rechten: Ihr habt zwei Weltkriege auf dem Gewissen samt Holocaust. Wer so dumm argumentiert, will Verwirrung stiften, denn der totalitäre Nationalsozialismus ist ein linkes Gewächs, wenn auch nicht unmittelbar auf dem Nährboden des Marxismus gekeimt. Die Befürworter der ersten fragilen Demokratie auf deutschem Boden hatten 1924 den mitgliederreichsten Verband zur Verteidigung der Demokratie gegründet: das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Fast drei Millionen Mitglieder setzten sich vor allem gegen die aggressiven Kommunisten und Nationalsozialisten zur Wehr. Überwiegend bestand das Reichsbanner aus Sozialdemokraten, doch auch Anhänger der Deutschen Zentrumspartei (DZP) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) hatten das Reichsbanner mitgegründet. Ein Mitglied war auch Prinz Hubertus zu Löwenstein, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sofort ins Exil gehen musste und in den USA 1936 die Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil gründete. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt gründete er 1973 den Freien Deutschen Autorenverband (FDA), weil sich der Schriftstellerverband (VS) unter Böll und Grass in die von dem Ex-Kommunisten Leonhard Mahlein geleitete Gewerkschaft Druck und Papier eingegliedert hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Neben Reiner Kunze und anderen aus der DDR ausgesiedelten oder freigekauften Autoren verließ ich ebenfalls den von dem Stasi-Mitarbeiter Bernt Engelmann geführten VS und wurde bald Vizepräsident des FDA. Dort konnte ich mich auch für einige von der Stasi verfolgte DDR-Autoren wie Heide Härtl, Wolfgang Hilbig und Gert Neumann, die damals in Leipzig lebten, einsetzen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Moderne im Wohlstand des Westens aufgewachsene Autoren oder verbeamtete Linke, die gern für das große Endziel ihrer Utopien die Freiheiten Andersdenkender einschränken, beanspruchen jedoch alle Freiheiten für sich, um ihre Gleichheitsgedanken in die Welt trompeten zu können, aber nicht in dem Sinn, dass wir alle vor Gott oder dem Richter gleich sind, nein, eher in dem Sinn, dass es nichts geben darf, was uns differenziert, sondern uns grundsätzlich auf eine Stufe stellt. Deshalb nicht nur die „</span><em><span class="tm7">Ehe für alle</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, sondern alles für alle, denn selbst in einer „</span><em><span class="tm7">sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei es nicht länger hinzunehmen, „</span><em><span class="tm7">dass Namen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Der Artikel gehört dem Mann, doch die Artikel im Plural der Frau. Ist das nicht großzügig?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es geht auch ernsthafter, denn aus manchen linken Spaßvögeln oder Revolutionären sind oft vernünftige Konservative verschiedener Schattierungen hervorgegangen, wie der ehemalige SPIEGEL-Redakteur Jan Fleischhauer, der erkannte: „</span><em><span class="tm7">Die Krux jeder utopistischen Bewegung besteht darin, dass ihre Bemühungen um die Herstellung einer besseren Welt nie ein definiertes Ende haben. Deshalb kann man das Gespräch mit Linken auch immer weitertreiben, über den Punkt der Absurdität hinaus. Das macht es so komisch. Klar, nicht alle können lachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Von der linksgrünen Gleichstellungsbeauftragten Franza Drechsel erfuhr er nun etwas über die Feinheiten der Gendersprache, um alle Menschen gleichberechtigt einbeziehen zu können, auch jene, die sich sexuell nicht zuordnen wollen. Am besten sogar, so belehrt sie ihn, „</span><em><span class="tm7">mit Unterstrich und kleinem i</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. „Der wirklich aufgeklärte Linke“, so Fleischhauer, „schreibt deshalb konsequent nur noch von Vergewaltiger_innen – das nenne ich wahre Gleichberechtigung!”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Überzeugungs- oder Glaubensänderungen sind nichts Neues in der Geschichte. Sie können jedoch noch heute in einigen Ländern der Erde mit dem Tod bestraft werden. In demokratischen Rechtsstaaten hingegen kommen viel zu leicht ehemalige Extremisten an die Macht, das fing bei Herbert Wehner und Ernst Reuter an, die als stramme Kommunisten natürlich auch Dreck am Stecken hatten. Im Gegensatz zu späteren Konvertiten aus dem linksextremen Spektrum sind sie jedoch echte Demokraten geworden, was ich bei Politikern wie „Joschka” Fischer, Claudia Roth, Joscha Schmierer, Hans-Christian Ströbele, Jürgen Trittin und vielen anderen dieses Kalibers bisher nicht erkennen konnte. Denen stehen jedoch Hunderte Konvertierte gegenüber, die wirklich von linksradikalen bis extremen Positionen zur bürgerlich-konservativen Mitte fanden, seien es Philosophen wie André Glucksmann, Rüdiger Safranski oder Peter Sloterdijk, Schriftsteller wie Hans Christoph Buch, George Orwell oder Botho Strauß, seien es Wissenschaftler wie Jörg Baberowski, Klaus Schröder oder Manés Sperber, seien es Journalisten wie Dieter Borkowski, Matthias Matussek oder Günter Zehm, seien es Politiker wie Viktor Orbán, Günter Schabowski oder Miloš Zeman. Auch an den im Februar 2022 verstorbenen Rechtsintellektuellen Günter Maschke möchte ich hier erinnern.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es gibt nur selten eine Wandlung von rechts nach links. Da fallen mir nur der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ein, der öfters durch stark polarisierende Äußerungen über politische Gegner auffiel, doch bald sorgte seine Wendung zu tendenziell linken Positionen für beträchtliches Aufsehen. Zuvor gab es den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heineman, der von der CDU zur SPD wechselte. Die Rechten haben kaum noch einen Arsch in der Hose. Rainer Zitelmann, der sich wie Tausende andere auch von linksextrem über linksradikal und links auf die Gegenseite bewegt hat, was einem natürlichen Reifungsprozess entspricht, resümierte: „</span><em><span class="tm7">Es bedarf einer Überwindung, sich selbst als ‚rechts‘ zu bezeichnen. (…) Merkwürdigerweise trifft all dies auf den Gegenbegriff ‚links‘ nicht zu.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnoteviii"><sup>viii</sup></a><a id="footnoteviiiback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, warum wohl? Die Mehrheit des deutschen Volkes, die im Berufsleben steht und keine Zeit hat, sich ständig von Gender-Affen agitieren oder im Schlussverkauf politischer Moden zum Schnäppchenkauf verführen zu lassen, ist eigentlich ganz gut ausgeglichen, aber es hat nicht die Regierung, die es verdient (oder doch?), es hat trotz Zwangsbezahlung nicht die Medien, die objektiv berichten. Die Volkserzieher dominieren, und sie wollen bestimmen was links und rechts ist. Links ist für sie gut, rechts ist böse. Und das wird über alle zwangsfinanzierten Kanäle durchgepeitscht bis zum Geht-nicht-mehr! Der Schriftsteller und Journalist Ulrich Schacht, der sich einst sein kritisches Bewusstsein in der Stasi-Haft schärfen ließ, drückt es so aus: „</span><em><span class="tm7">Ich meine, dass wer heute die hohntriefenden oder hassverzerrten Masken von Figuren der öffentlich-rechtlichen Medien – die behaupten, Nachrichten zu verkünden – bei der täglichen Arbeit der Lüge durch dreisteste Manipulation beobachtet – also die Physiognomien der Slomka, Miosga oder Kleber, wenn sie den Feind vor sich haben, wahlweise Trump, Putin, Orban, Farage, Gauland oder gleich die ganze AfD, gleich ob im Interview oder im Text -, der sieht doch plötzlich mitten in Deutschland nordkoreanisches Fernsehen: fanatisches Augenrollen, hassbebende Stimme, siegessicheres Lächerlichmachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">All das fordert den Rechten viel Verantwortungsgefühl ab. Obwohl sie von der prinzipiellen Ungleichheit der Menschen ausgehen, befürworten sie eine Hierarchie traditionell bewährter Werte und Normen, in denen die individuelle Freiheit wichtiger zu sein hat als die soziale Gleichheit. Mit rechten Werten, erkannte schon die Pionierin der Demoskopie, Elisabeth Noelle-Neumann, verbinden Menschen neben Betonung der Unterschiede, Distanz, Autorität, Disziplin, geregelte Umgangsformen, das Nationale und das „Sie”. Für Ausländer sind das typisch deutsche Eigenschaften, die jedoch immer mehr verlorengehen, denn Linke sind Freiheitshalbierer. Sie grenzen den Raum nicht nur in machtpolitischer Hinsicht ein, sondern auch in moralisch-ethischer Hinsicht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Linken habe ich, obwohl sie schon über ein halbes Jahrhundert den Club Voltaire unterhalten, noch nie Voltaires Zitat gehört: „</span><em><span class="tm7">Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Linke sind als eindimensionale Rechthaber zu erkennen, weil sie sich fortschrittlich wähnen und eine Vision von der besseren Welt im Kopf haben, für die sie, wenn es die Umstände erfordern, auch über Leichen gehen. Denn für dieses gute Ziel darf, nein, muss man auch Menschen opfern, die sich dem edlen Ziel in den Weg stellen. Auf die „Diktatur des Proletariats” nach Marx‘scher Diktion wagen sich heute nur noch wenige direkt zu berufen, doch auf die anmaßende Diktatur der richtigen Weltanschauung schon.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Rechte haben kein festgezurrtes Weltbild, nicht alle sind religiös gebunden, sie sind geistig viel flexibler, oft auch Wechselwähler, denn sie glauben nicht an den Fortschrittswahn und das Paradies auf Erden. Sie sind Gegner jeder Sozialismusvariante und jeder Eine-Welt-Regierung, die sich Linke ebenso wie die Profiteure des Banken- und Großkapitals wünschen. Rechte sind nicht so anmaßend, die Welt retten zu wollen, aber in ihrem Umfeld, also ihrem Nächsten gegenüber, sind sie oft gerechter und sozialer als Linke, die vor allem immer die große Veränderung im Weltmaßstab im Blick haben und in ihrem Umfeld oft die größten Egoisten sind. Großzügig sind Linke immer nur beim Anheben ihrer Diäten und im Ausgeben von Steuergeldern, auch für die sinnlosesten Projekte der sogenannten Entwicklungshilfe. In unserem Staat sind die Linken, einschließlich der verkommenen Sozialdemokratie, die größten Aussauger des deutschen Wohlfahrtsstaates, der auf den Konzepten der von ihnen bekämpften Ordoliberalen beruht und von Ludwig Erhard umgesetzt wurde, von der die SED-Linke Sahra Wagenknecht in einem SPIEGEL-Interview<a href="#footnoteix"><sup>ix</sup></a><a id="footnoteixback"></a> noch glaubte, dass er heute bei den Linken andocken würde. Zum Lachen konnte sie schon reizen als einstige Stalin- und Ulbricht-Verehrerin, die jedoch mittlerweile durch die Beschäftigung mit den Ordo-Liberalen nicht nur viel reifer, sondern an der Seite des einstigen Honecker-Verehrers Oskar Lafontaine bedeutend reicher geworden ist. „Wagenknechts Wochenschau“ sehe ich mir regelmäßig an und kann fast allem, was sie kritisch analysiert, zustimmen. Gewandelte freuen sich über jeden Wandler.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einer der interessantesten deutschen Philosophen der Gegenwart, Peter Sloterdijk, schlug sogar eine neue Kulturrevolution vor, einen radikalen psychosozialen Wandel, der von der Einsicht ausgeht, dass die ausgebeutete produktive Schicht heute nicht mehr die Arbeiterklasse, sondern die obere Mittelklasse ist. Deren Vertreter sind die wahren „Gebenden”, deren hohe Besteuerung die Bildung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr der Mehrheit finanziert. Um diesen Wandel zu bewerkstelligen, müssten wir den Etatismus überwinden, jenes Relikt des Absolutismus, das auf seltsame Weise in unserem demokratischen Zeitalter weiterlebt: die Idee also, die selbst in der traditionellen Linken starken Zuspruch findet, der Staat habe das Recht, seine Bürger zu besteuern, ihren Beitrag zur Produktion zu ermitteln und einen Teil davon einzuziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder muss die Frage gestellt werden: Ist der Staat für die Menschen da oder der Mensch für den Staat? In archaisch strukturierten Gesellschaftsformen zählt das Individuum wenig, aber die Familie, der Clan, die Religionsgemeinschaft alles. Auch Atheisten, die meinetwegen nur an die Wissenschaften glauben, sollten wissen, dass sie es ebenfalls dem „Reformator” Jesus Christus zu verdanken haben, dass sie heute so selbstbewusst individuell auftreten können. „</span><em><span class="tm7">Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wiederum unter einem Joch der Knechtschaft halten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotex"><sup>x</sup></a><a id="footnotexback"></a> Weder im Alten Testament noch im Koran habe ich Wesentliches zu dem Begriff „Freiheit” finden können. Linke, die ständig von Solidarität faseln, halten aber die Bürger für die größten Egoisten, die gezwungen werden müssen, zum Gemeinwohl beizutragen. Um sie abzuschöpfen, um Vermögen umzuverteilen, bedarf es eines riesigen Beamtenapparates, so dass den Bürgern immer mehr Zeit gestohlen wird, weil sie sich mit unübersichtlichen Steuererklärungen und sonstigem Bürokratenmüll herumschlagen müssen. So bekommt der erschöpfte Bürger kaum mit, was mit seinem Geld alles finanziert wird oder wie sein hart erarbeitetes Geld in Milliardenhöhe sinn- und verantwortungslos in- und ausländisch verpulvert wird – von Bankenrettungen oder dem Berliner Flughafen und anderen Millionenprojekt-Ruinen ganz zu schweigen. Keiner der Politiker wird dafür zur Verantwortung gezogen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Trotzdem hat es dem niveauvollen Rechten klar zu sein: Das Linke zu leugnen, hieße selbstverständlich, das Rechte aufzuheben – und umgekehrt. Die Wahrheit ihrer logischen und phänomenologischen Differenz besteht in ihrer Einheit. Das Linke bedarf eines Gegenübers, auf den es seine Wirksamkeit beziehen kann, an dem es sein Profil bezieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Das Rechte braucht das Linke und umgekehrt, damit das Eigene überhaupt erkannt werden kann in seiner Wesenheit. Und das gilt prinzipiell für alle Dualismen, die sich auch in Platons „Zwei-Welten-Lehre” darstellt und die unser irdisches Leben einkreisen. Deshalb ist es eine Ungeheuerlichkeit, dass eine demokratisch sein wollende Regierung, deren Aufgabe es ist, neutral die Balance zwischen notwendigen Gegensätzen zu wahren, dreist den mit Steuermitteln geführten „</span><em><span class="tm7">Kampf gegen rechts</span></em><span class="Endnotenzeichen">” führt. Das ist ein totalitärer Eingriff in die Substanz des inneren Friedens einer Gesellschaft, der eindeutig entlarvt, dass solche Regierungen von dem dialektischen Geschichtsprozessen nichts verstehen, um die harmlosere Variante zu vermuten, und somit das Gesellschaftsschiff einer Katastrophe zusteuern. Zum Glück sind solche Regierungen abwählbar, sodass immer die rechte Hoffnung besteht, dass das Steuer noch rechtzeitig – von wem auch immer – herumgerissen werden kann. Was sagte dazu der als pessimistisch geltende Arthur Schopenhauer? „Solange der Ausgang einer gefährlichen Sache nur noch zweifelhaft ist, solange nur noch die Möglichkeit, dass er ein glücklicher werde, vorhanden ist, darf an kein Zagen gedacht werden, sondern bloß an Widerstand…”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein Demokrat bekennt sich dazu, eine linke und eine rechte Hirnhälfte als auch linke und rechte Gliedmaßen zu besitzen. Alles Einseitige im Menschen liegt mittig, auch wenn links ausgerichtete Menschen stolz darauf verweisen, dass unser Kreislaufmotor, also das Herz, links schlägt. Ist das der Grund, warum Linke gern zuschlagen, gern Revolutionär sein wollen? Wissen sie nicht, dass jeder jakobinische Revolutionär zum Verbrecher, weil zum Mörder wird?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder nehmen wir die sanfteren sozialdemokratischen Gutmenschen, sie kämpfen ja immer um soziale Gerechtigkeit. Was haben sie hervorgebracht? Ein Steuerrechtsmonster, das einem Heer von Beamten und Steuerberatern zwar sinnlose Einkünfte verschafft, aber dem Volk nur Ärger bereitet und kostbare Lebenszeit stiehlt. Nur Reiche, die sich gute Anwälte leisten, haben etwas davon. Mit dem rechts-links Maßstab ist es nicht einfach. Ich weiß zwar, was meine linke Faust ist und was ich meiner rechten zutrauen kann. Doch wenn ich mich umdrehe, ist das, was links von mir war, plötzlich rechts. Und je schneller ich mich drehe, umso verdrehter wird alles, bis ich schließlich durchdrehe…</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Genauso so geht es mir, wenn ich in das zwangsfinanzierte Staatsfernsehen gucke, um zu sehen, dass ich kaum etwas von dem erkenne, was ich mit eignen Augen sehe. Es macht mich schwindelig, und ich frage mich benommen: Wer will mich hier eigentlich beschwindeln? Sie zeigen mir eine heile Welt und kommentieren: „</span><em><span class="tm7">Noch nie ging es den Deutschen so gut wie heute.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Die Wahrheit ist bekanntlich nach Hegel immer das Ganze, das kein Mensch überblicken kann, wenn er nicht Gottes Auge verkörpert, der von allen und allem zu aller Zeit alles sieht und durchschaut. Es wäre also vernünftiger, einem allmächtigen Gott zu vertrauen, der Himmel und Erde schuf, als Menschenhirnis zu vertrauen, die sich gierig anmaßen, andere regieren, dirigieren und relegieren zu wollen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Alle Schöpfungsmythen zeugen von ersten Teilungen zwischen Licht und Schatten, Sonne und Mond, Himmel und Erde, Tag und Nacht bis hin zu Mann und Weib, Herr und Knecht, Täter und Opfer, Freude und Leid… Macht und Machtmissbrauch hingegen sind kein Gegensatz, sondern ein Paar. Auch aus Gegensätzen ergeben sich manchmal Grundsätze, die für beide Seiten gültig sein können. Die klügsten Sprüche entstammen oft den Widersprüchen. Weil wir jedoch nur mit Sprache denken können, manche nur noch in stereotypen Formeln, kommen wir unserem Dasein, unserem Sosein in Raum und Zeit nie richtig auf die Spur, denn wir gehören, um es trivial auszudrücken, der Welt auf drei Ebenen an: durch Seele, Geist und Körper.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Im Geiste sind wir auf Streit angelegt. Hier wollen wir alles infrage stellen, neu bewerten, entdecken, erforschen – immer auch in Konkurrenz, im Wettstreit zu anderen Menschen. Nicht nur im Sport, auch in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Politik, ja, auch im Kampf um den schönsten Lebenspartner, überall lassen sich rote Linien des Anstandes, der Fairness und der Humanität überschreiten, wenn manche es vom Ehrgeiz getrieben bis zum Ausschalten des Gegners treiben, von der Diffamierung, dem Rufmord bis zum körperlichen Mord. Und das hat noch nicht einmal etwas mit unseren Machttrieben zu tun, die ebenfalls in uns schlummern. Ach ja, die menschlichen Triebe! Davon gibt’s einige, die uns nicht selten zum Tier erniedrigen wollen, falls damit nicht schon die Tiere beleidigt werden. Bleibt noch die Seele übrig, die gute Unbekannte. Ist sie es, die uns zum Mitgefühl, zum Mitleiden befähigt? Sind wir dadurch nicht auch zur Kooperation befähigt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Natürlich nicht zu jedem und allem, so wie wir höchstens zur Nächsten-, aber nicht zur Fernstenliebe fähig sind und nach dem Gebot des Christentums auch nicht sein sollen. Das wäre Gottanmaßung. Wir können uns noch sonst wie in die Höhe strecken, mit bloßen Armen oder mit Raketen, wir werden immer nur, selbst auf fremden Planeten, irdische Kinder bleiben, selbst dann noch, wenn wir uns durch unsere eigenen Robotergeschöpfe ersetzt haben. Erstaunlich, womit wir alles zu jonglieren haben, womit wir Maß und Mitte in unseren eigenen Veranlagungen ausbalancieren sollen, um ein friedensstiftendes Subjekt sein zu dürfen, falls wir es denn überhaupt wollen. Und könnten wir es wollen, dann würde der Teufel arbeitslos. Wollen wir das?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Wie soll ich z.B. die ehemalige Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen und Grünen-Politikerin Marianne Birthler verstehen, die einem SPIEGEL-Redakteur verriet: „</span><em><span class="tm7">Es gibt eben keine Garantie, dass man in seinem Leben immer auf der richtigen Seite steht.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Mal ehrlich, möchte jemand sein ganzes Leben lang stehen? Gar noch auf der richtigen Seite? Und die wäre? Wir Klügeren wissen ja, was sie meint: „Links, links, links, zwo, drei vier…” Und irgendwann ist Stillgestanden angesagt. Dann der nächste Befehl: „</span><em><span class="tm7">Diiiiiiiiiiie Augen – links!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Na also! Ganz locker bleiben, durchaus den Versuchungen nachgehen, einmal aus der Reihe zu tanzen, mal links, mal rechtsherum, mal Wiener Walzer, mal schön im Tangoschritt, mal Foxtrott bis zum sportlichen Rock‘ n‘ Roll. Dann endlich eine Pause mit einem erotischen Bauchtanz wohlproportionierter Damen aus dem Orient. Wäre das nicht Lebensfreude pur? Nein, belehren mich die neuen Oberlehrer*innen, das ist Sexismus pur, also neuerdings strafbar! Wie wir Älteren wissen, lauert der Verführer überall. Haben sie Erfolg, gehen sie bald zum Befehlen über, so wie einst die Führer in der jungen Sowjetunion und im Deutschen Reich; und selbst der tote KPD-Chef Ernst Thälmann war, auferstanden in einem DDR-Pflichtfilmepos, erst ein „Sohn“, dann im zweiten Teil des Filmes: ein „Führer“ seiner Klasse. Was manche noch heute dazu verführt, auf der „richtigen Seite” mit erhobener Faust stramm zu stehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer könnte nicht mit Milan Kundera hadern, weil jemand nicht weiß, ob er auf der richtigen Seite der Erde steht oder geht? „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” - sein weltberühmter Roman, darin es heißt: „</span><em><span class="tm7">Man kann nicht wissen, was man wollen soll, weil</span></em> <em><span class="tm7">man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Freilich, wer glaubt, über oder durch den Komiker Charlie Marx die Geschichtsgesetze erkannt zu haben und sich damit garantiert immer auf der richtigen Seite aufhält, hat auf dieser Welt das große Los gezogen. Wer solche Imperative auf der religiösen Schiene braucht, und sei es nur zur Ergänzung, der ist beim letzten Propheten Mohammed am besten an-, wenn nicht gar aufgehoben. Denn dieser Analphabet war nach Meinung des französischen romantischen Dichters Alphonse de Lamartine zusätzlich noch „</span><em><span class="tm7">Philosoph, Redner, Gesetzgeber, Kämpfer, Eroberer, Denker, Prophet, Gründer der Religion des Verstandes und einer Dienerschaft ohne Statuen oder Götzen. Dazu war er ein Führer von 20 irdischen Reichen und des seelischen Imperiums, welches keine Grenzen hat.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Tja, da können wir Deutschen nicht mithalten. Für solch einen Führer lohnt es sich vielleicht doch, seinen Arsch fünfmal täglich gen Himmel zu heben? Zumal er Gottes letzte Botschaft in die Welt brachte, die im Koran zusammengefasst worden sei. Und zwar als „</span><em><span class="tm7">schönste Poesie der Welt</span></em><span class="Endnotenzeichen">” überhaupt, indem zusätzlich jeder Vers ein Gesetz (!) anordnet. Dazu sind die Sätze nach Ihrer Länge angeordnet. Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, die Bibel der Marxisten, „Das Kapital”, ebenfalls nach der Länge der Sätze zu ordnen? Vielleicht würde dann der tiefe Unsinn erst richtig verständlich? Mohammed, der – wie später auch Stalin – ein Drittel der damaligen Welt eroberte, war, wie es heißt, „</span><em><span class="tm7">im Diesseits anwesend und gleichzeitig nicht da, denn sein Herz hing nur an Allah</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexi"><sup>xi</sup></a><a id="footnotexiback"></a>. Ob es noch heute dort hängt? Arabische Ölmonarchen pumpten bisher schon fast eine Milliarde € nach Europa, freilich nur an muslimische Organisationen.<a href="#footnotexii"><sup>xii</sup></a><a id="footnotexiiback"></a> Warum wohl? Und was macht Deutschland? Wir zahlen der kommunistischen Weltwirtschaftsmacht China jährlich über 600 Millionen „Entwicklungshilfe“, also Steuergelder. Irre? Das ist zu milde ausgedrückt.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ähnliche Verherrlichung wie Mohammed erfuhr im Westen ab dem 19. Jahrhundert lediglich nach seinem Tod Karl Marx, den im Westen Deutschlands nicht nur der bayerische Politikwissenschaftler Prof. Konrad Löw schon in alle Einzelteile zerlegt hatte, sondern später auch der ehemalige Marxismus-Professor an der Ost-Berliner Humboldt-Universität, Hermann von Berg, der nach gründlichen Recherchen Marx als Scharlatan unter dem Namen Karl Murks entlarvte. Zu seinen Lebzeiten nahm Marx, diesen Vielschreiber, niemand als Philosoph ernst, aber im freien Westen wird er heute umso euphorischer zum größten Denker, Analytiker und Zukunftspropheten aller Zeiten stilisiert. Hochdotierte Wissenschaftler basteln schon seit Jahren auf Kosten des deutschen Steuerzahlers an der Marx-Engels-Gesamtausgabe, die einmal mindestens 114 Bände umfassen soll.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein ehemaliger politischer DDR-Häftling schreibt in einer Häftlingszeitung<a href="#footnotexiii"><sup>xiii</sup></a><a id="footnotexiiiback"></a> empört: „</span><em><span class="tm7">Nun ist etwas passiert, was unglaublich zu sein scheint. Der SPD-Bundespräsident (Frank-Walter Steinmeier) hat die Schirmherrschaft über die Ehrungen für den Vater der Ideologie des Kommunismus, Karl Marx, 2018 in Trier übernommen! Ist das der Bundespräsident aller Deutschen? Hat er die Menschen vergessen, die zwischen 1945 und 1989 durch die Ideologie des Marxismus-Kommunismus in Deutschland ermordet wurden? Sollen die zum Teil 90jährigen Workuta-Häftlinge am Ende ihres Lebens feststellen, dass ihre Peiniger im Recht waren, als sie mit Marx-Zitaten auf den Lippen Todesurteile und 25-jährige Zwangsarbeit aussprachen? Wann hat der Bundespräsident je die Schirmherrschaft für die Millionen umgekommenen Menschen der Lager Buchenwald, Ketschendorf, Workuta übernommen?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der Philosoph Friedrich Nietzsche, ein Zeitgenosse von Marx &amp; Engels wies schon 1878 darauf hin, dass der Sozialismus</span><em><span class="tm7"> „der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei, „</span><em><span class="tm7">den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur jeder Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmäßiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Deshalb, so weiter bei Nietzsche, „</span><em><span class="tm7">bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort ‚Gerechtigkeit‘ wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Immerhin, so der Dialektiker Nietzsche, kann der Sozialismus auch dazu dienen, „</span><em><span class="tm7">die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflößen. Wenn seine raue Stimme in das Feldgeschrei ’so viel Staat wie möglich‘ einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit um so größerer Kraft hervor: ‚so wenig Staat wie möglich‘.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexiv"><sup>xiv</sup></a><a id="footnotexivback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wieso wird Nietzsche nicht als Prophet bezeichnet? Hat er nicht klar vorausgesehen, was Millionen Menschen später in sozialistischen Staaten erleben mussten und weiterhin dürfen? Stattdessen gibt es überall in Deutschland, natürlich vor allem auf dem ehemaligen Gebiet der DDR, noch immer Straßen und Plätze, die nach Karl Marx benannt sind, Denkmale stehen überall herum, Personenkultfilme laufen im Kino und im Fernsehen, als wäre nicht längst bewiesen, dass alle Machthaber, die sich auf ihn beriefen und seine obskuren Theorien in die Praxis umzusetzen versuchten, unwiderlegbar Massenmörder geworden waren, bevor sie mit ihren Regimen unter Lenins so witzigem wie unlogischem Motto „</span><em><span class="tm7">Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist</span></em><span class="Endnotenzeichen">” jämmerlich gescheitert sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder werden Menschen geboren, die das ganz anders sehen wollen. Das Gleiche lässt sich zum Islam sagen, dessen Praxis von Anfang an, also seitdem Mohammed seine Heimatstadt Mekka verlassen musste und erst anschließend erfolgreich wurde, fast immer nur einer Kriegswirtschaft glich. Türme von abgeschlagenen Köpfen zieren seinen Weg bis in die Gegenwart. 270 Millionen sollen bislang dem islamischen Heiligen Krieg zum Opfer gefallen sein, und die versklavten und vergewaltigten Terroropfer lassen sich kaum zählen. Auch hier könnte der Nato-verbündete Moslembruder Erdoğan mit gleicher Logik behaupten: „</span><em><span class="tm7">Der Islam ist wahr, weil er allmächtig ist.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Das Todbringende, das Böse, das Niederträchtige und Erniedrigende wird immer Bestandteil unseres menschlich-unmenschlichen Wesens sein. Jede Nation hat ihre Leichen im Keller, kein Volk ist auserwählt, nur Böses hervorzubringen – und umgekehrt. Wandlungen finden nicht nur im Menschen statt, auch Städte, Staaten und Landschaften wandeln sich, so dass neue Formen, Farben und Gestaltungen immer wieder neue Rätsel gebären. Francis Bondy berichtete über eine Begegnung mit dem ebenfalls vom Kommunismus abgefallenen italienischen Schriftsteller Ignazio Silone, bei der er sagte: „</span><em><span class="tm7">Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus‘.”</span></em><span class="Endnotenzeichen"> Heute ist ersichtlich, wie Recht er hatte, da jene, die den Antifaschismus instrumentalisierten, selbst zu brutalen Jakobinern geworden sind - unterstützt dabei von vielen Etablierten. Robespierres sture politische Linie, sein damaliges Eintreten für den Terror im Namen der Tugend, führte nicht nur die Revolution in ihre blutigste Phase, sondern auch zur eigenen Hinrichtung.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ulrich Schacht sah durch als er konstatierte: „</span><em><span class="tm7">Aber diese Sturmtrupps der ‚totalitären Demokratie‘ (Jakob L. Talmon) sind mitnichten das Hauptproblem unserer Tage. Das Hauptproblem sind ihre intellektuellen Wasserträger in Parteien, Massenmedien, Universitäten und kulturellen Institutionen, die mit dürren Worten Rechtsstaatsnormen verteidigen, aber mit ungleich mehr Vokabeln die so terrorisierten Kritiker der im blockparteilichen Gleichschaltungswahn dahin taumelnden deutschen Merkel-Gesellschaft ins moralische Unrecht zu versetzen suchen, gegen das (fast) alles erlaubt ist. Sie hassen dabei im Kern den Nationalstaat, die Heimat, das Christentum, vor allem aber das Volk, das all diese Identitätstopei nicht hasst, sondern verteidigt – warum? Weil sie das Eigene, also sich selbst hassen und aus diesem Selbsthass, in einem Akt nachgeholten Jakobinertums, die universalistische Generaltugend des 21. Jahrhunderts gemacht haben.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Genauso verlogen ist die französische Parole „</span><em><span class="tm7">Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Für Goethe stand schon damals fest: „</span><em><span class="tm7">Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Charlatans.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexv"><sup>xv</sup></a><a id="footnotexvback"></a> Christen müssten sich eigentlich affrontiert fühlen, wie ihre Trinität „</span><em><span class="tm7">Glaube, Hoffnung, Liebe</span></em><span class="Endnotenzeichen">” verdrängt worden ist durch utopische Ungereimtheiten und infantile Argumentationen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Was wird sich durchsetzen, ersetzen, absetzen? Die Utopie des chinesischen Kommunismus? Die totalitäre Welteroberungsideologie im Namen Allahs? Der allen alles versprechende Atheismus? Der intelligente Roboter, der uns endlich sagen kann, was „die richtige Seite” ist? Jeder Wissenschaftler hat die Pflicht, seine Thesen oder Hypothesen durch Versuchsreihen zu überprüfen und nachzuweisen. Aber derselbe Wissenschaftler als Mensch kann nur eins in seinem Leben beweisen – ja, was eigentlich? Dass er gelebt und etwas Neues entdeckt hat! Alles, was wir an Erfindungen und Entdeckungen hinterlassen, lässt sich nutzen und ausnutzen, sowohl im humanen als auch gegenteiligen Sinn. Ein Brotmesser lässt sich halt immer auch als Mordwaffe einsetzen, wie es seit kurzer Zeit im Durchschnitt 50-mal täglich geschieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wäre es da nicht bescheidener, anständiger, gleich an eine höhere Macht zu glauben, die wir eben nicht erfassen und verstehen, aber manchmal wenigstens erfahren können? Nur der Allwissende kann wissen, was richtig und falsch ist; nur er kann uns richten oder aufrichten. Und selbst wenn wir uns nach Gott richten wollen – nach welchen? Wenn der Gott der Juden, der Christen und Mohammedaner der Gleiche wäre, wäre schon alles viel einfacher. Und Toleranz gegenüber der Intoleranz ist auch keine Lösung. Im Gegenteil! Um wie viel einfacher und damit freier wäre es in einer modernen Zivilisation, wenn es nur die Zehn Gebote gäbe, die Moses als 1. Prophet dem Menschen offenbarte. Alle Vielfalt, die sich auf Erden entwickelt hat, soll bleiben, aber dort, wo sie ihre Wurzeln hat. Ausbreitung wird es immer geben, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler und jener, die alle Grenzen abschaffen wollen, weil sie ihre Nation hassen oder sich wie Konzernprofiteure zum Globalisten berufen fühlen. Wesentliches steckt oft im Detail. „</span><em><span class="tm7">Das Vaterunser hat 56 Wörter, die Zehn Gebote haben 297 und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300. Aber eine Verordnung der EWG-Kommission über den Import von Karamellen und Karamelprodukten zieht sich über 26 911 Wörter hin.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexvi"><sup>xvi</sup></a><a id="footnotexviback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Mit diesem Vorhalt wurde schon damals die überbordende Bürokratie auf europäischer Ebene angeprangert.<a href="#footnotexvii"><sup>xvii</sup></a><a id="footnotexviiback"></a> So kann auch die freieste Verfassung der Welt das Leben in einer solch angeblich „offenen Gesellschaft” zur Bürokratendiktatur im Alltag herunterkommen lassen. Wo Bürokratie die „soziale Marktwirtschaft“ und damit die Kreativität unterdrückt, bahnt sich zugleich sozialistische Planwirtschaft an, die immer in der Armut und im Elend für die Massen endet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ein mit Regeln, Ordnungen, Gesetzen und vor allem ideologischen Sprachregelungen vollgestopfter Alltag, der zusätzlich noch von Staus auf Autobahnen, endlosen Baustellen, übervollen S- und U-Bahnen erschwert oder mit verlockenden Supersonderangeboten und sonsterlei Reklame zugemüllt wird, kann mitunter anstrengender sein als das Dasein in einer Diktatur. Diktatoren lassen sich leichter betrügen, weil unter ihnen eigentlich fast jeder weiß, was sie wollen. Da finden zumindest die Schlauen und Heuchler leichter ihre Freiräume. Doch in einer westlichen Demokratur ist alles mittlerweile so verlogen und überzogen, so eckigrund und kunterbunt, so einerlei wie entscheidungsfrei, so kriminell und universell, so verpuppt wie korrupt, so abwägend wie aufregend, so unermesslich vergesslich, dass einem oft die Luft ausgehen will und was viele unter Bluthochdruck leiden lässt. Im Vordergrund noch immer die rote Verheißung, im Hintergrund die große Verscheißerung. Alles in allem trotzdem ein abwechslungsreiches Leben, das viele Sensible ständig als Gefährdung erleben, trotz der vielen fröhlichen Gefährten.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Warum muss ich mir, fragen sich viele, die mich und meine traumatisierende Leidens- und Lebensgeschichte in der DDR-Diktatur kennen, von linken Wohlstandskindern, von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern oder Profiteuren eines Unrechtsregimes, die noch nie für ihre Überzeugung geradestehen, also Verantwortung übernehmen mussten oder für ihre Schuld gegenüber anderen Menschen zu büßen hatten, so vieles gefallen lassen? Wie sollen wir vom SED-Regime Gedemütigten einen Kanzler Scholz anerkennen, der in den 80er Jahren neunmal die SED-Bonzen besuchte und sich für deren Politik einspannen ließ? Selbst die Gemäßigten innerhalb der SPD waren bereit, die DDR anzuerkennen und damit die endgültige Spaltung Deutschlands zu besiegeln.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nicht wenige fühlen sich meinen Freunden und mir gegenüber moralisch haushoch überlegen, und nur, weil wir keine Linken mehr sein können und wollen. Und was sind wird dann in deren Augen? Rechtspopulisten, Reaktionäre, Verschwörungstheoretiker, auf alle Fälle schlechte Menschen, wenn nicht gar Naaaaaaziiiis. Und dann sind sie zumeist schon am Ende ihres dümmlichen Lateins.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„Könnte es sogar sein”, lässt sich hier berechtigt mit Jürgen Fritz fragen, „dass wir es hier in Wahrheit mit einer Form der moralischen Minderwertigkeit und tief internalisierten Mustern zu tun haben, die um einer in der Zukunft antizipierten in höchstem Maße fragwürdigen Gerechtigkeit willen im hier und jetzt unzählige Ungerechtigkeiten begehen, so dass letztlich die Ungerechtigkeit selbst mehr und mehr zu ihrem inneren Wesen wird?”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Meine Vorbilder sind jedenfalls – moralisch wie politisch – die Widerstandskämpfer der Weißen Rose, die keine Linken waren, geschweige denn Kommunisten, sondern bürgerlich-konservative Christen. Aus ihren ethischen Prinzipien heraus haben sie sich über die NS-Gesetze hinweggesetzt und das totalitäre System bekämpft. Ausgerechnet Heinz Kucharski, der zwar in Hamburg die Flugblätter der Weißen Rose mit verteilte, die seine Klassenkameradin Traute Lafrenz von München nach Hamburg gebracht hatte, verriet der Gestapo nach seiner Verhaftung über 30 Widerständige und Unschuldige, von denen acht nicht überlebten. Seiner eigenen Hinrichtung konnte er durch Flucht entkommen. Er ging anschließend, da er in Hamburg nicht entnazifiziert wurde, in die Ostzone, wo er bald ein fleißiger Stasi-Mitarbeiter wurde und mich, der ich ihn für einen väterlichen Freund hielt, mit zu meinen Gefängnisaufenthalten verhalf.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der mehrfach preisgekrönte Lügner und Fälscher Claas Relotius besuchte für den SPIEGEL auch Kucharskis Klassenkameradin Traute Lafrenz in den USA, die letzte Überlebende der Weißen Rose Hamburg. Und selbst dieser mittlerweile 103-jährigen höchst ehrwürdigen Frau legte dieser linke Volkserzieher Worte in den Mund, die sie nachweislich nie gesagt hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Traute Lafrenz erfuhr ich, dass Heinz Kucharski schon als Schüler der Lichtwark Reformschule sehr links war, Marx, Engels, Lenin und Stalin las und damit gar nicht zur Weißen Rose passte. Vor allem, weil er plante, Gewalt anzuwenden, obwohl er von Natur aus ein schulbekannter Feigling war.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Linke sind für mich Menschen, die kaum an einen realen Gott glauben, sondern vor allem mit Marx an sich selbst, maßlos überzeugt von ihrer Mission, die letztlich einer infantilen Ideologie verhaftet ist. Und dafür dürfen sie sich selbstverständlich über das bestehende Recht hinwegsetzen, wenn damit nur jeder Gegner zum Feind abgestempelt werden kann. Die Opferung der Gleichbehandlung dient ausschließlich jenem utopischen Ziel, das die Herstellung der Gleichheit in der Zukunft fördert. Die einfachste Form, Ungleichheit abzubauen, bedeutet nach der Logik der Antifa-Faschisten, die Erfolg-Reichen mit Gewalt zu enteignen oder diese angeblichen Unterdrücker einfach irgendwie totzukriegen. Doch da Milliardäre wie Soros oder Gates nicht blöd sind, unterstützen sie oft Projekte der Linken oder finanzieren gar deren Parteitage.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke und Grüne sind nicht böse, nein, sie wollen doch für alle Menschen dieser Erde nur das Gute. Das wollte der gebildete Massenmörder Leo Trotzki ebenfalls, denn im kommunistischen Paradies auf Erden wird, so prophezeite er, der Mensch „</span><em><span class="tm7">unvergleichlich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewegungen werden rhythmischer und seine Stimme wird musikalischer werden. Die Formen des Alltagslebens werden dynamische Theatralität annehmen. Der durchschnittliche Menschentyp wird sich bis zum Niveau des Aristoteles, Goethe und Marx erheben. Und über dieser Gebirgskette werden neue Gipfel aufragen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es werden wohl menschengemachte Roboter sein, die bald diese Bedingungen erfüllen können, nicht wahr? Der Genderismus will ebenfalls einen neuen Menschen formen, der keine Eltern mehr hat, sondern nur noch Elter 1 und Elter 2, die ihm staatlicherseits beliebig zugeordnet werden können. Eine der Vorreiter*innen des Genderismus war Sartres Partnerin Simone de Beauvoir. Sie schrieb schon 1949: „</span><em><span class="tm7">Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Damit wird das Mannsein und Frausein zu einem Irrtum erklärt, die durch gesellschaftliche und kulturelle Überformung entstanden sei. Verbunden damit ist die Forderung nach der Neuen Power-Frau und dem Neuen Softie-Mann. Als Konsequenz muss der Frau die Mutterschaft und dem Mann die Vaterschaft abgesprochen werden. Eltern werden so zu willkürlich zuordbaren „Bezugspersonen” für die Kinder.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einige Zitate von Simone de Beauvoir beweisen ihre Nähe zur kommunistischen Ideologie: „</span><em><span class="tm7">Eine Welt, in der Mann und Frau gleich sind, kann man sich leicht vorstellen. Denn es ist genau die Welt, welche die sowjetische Revolution versprochen hatte: Die Frauen würden genau wie die Männer erzogen und geformt, sie arbeiteten unter den gleichen Bedingungen und um den gleichen Lohn. […] Die sexuelle Freiheit würde von den Sitten gestattet. […] Die Frau würde genötigt sein, sich einen anderen Lebensunterhalt zu sichern. Die Ehe würde auf einer freien Vereinbarung beruhen, welche die Gatten aufkündigen könnten, sobald sie wollten. Die Mutterschaft wäre frei, d. h. man würde die Geburten-Beschränkung und die Abtreibung gestatten und dafür allen Müttern und ihren Kindern genau dieselben Rechte geben, ob sie verheiratet sind oder nicht. Schwangerschaftsurlaub würde von der Kollektivität bezahlt werden, welche die Betreuung der Kinder übernähme.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder: „</span><em><span class="tm7">Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Seitdem werden vom Frauenministerium zahlreiche Umerziehungsprogramme ersonnen, um Kinder in Krippen und Kindertagesstätten zu neuen, sexuell aufgeklärten Gendermenschen zu erziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Jemandem, der in einer realsozialistischen Diktatur aufwuchs, ist es kaum nachvollziehbar, dass es immer wieder unbelehrbare Menschen des gleichen Kulturkreises gibt, die noch an die Parolen von der Abschaffung der Ungleichheit, von der Gleichstellung und der Gleichheit glauben können. Gibt es denn immer noch zu wenige Filme, Zeitzeugenberichte und wissenschaftlichen Abhandlungen, die beweisen, dass solche Versuche der politischen Umsetzung für die Masse der Menschen immer in einer totalitären Diktatur endeten? Oder streben sie in einer solchen Diktatur einen Platz an der Sonne an als Erzieher in Gefängnissen, als überdurchschnittlich bezahlte Geheimdienstmitarbeiter, als Parteisekretäre oder Politbüromitglieder?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Der typisch linke Gleichheitstraum aus Gerechtigkeitsgründen würde sich nicht einmal mit geklonten Menschen erreichen lassen. „</span><em><span class="tm7">Ihr Genmaterial würde</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Andreas Unterberger, „</span><em><span class="tm7">zwar ununterscheidbar. Jedoch: Der Mensch ist nicht nur durch seine Erbmasse geprägt, sondern in einem hohen Ausmaß auch durch seine Umwelt, durch die unendlich vielen zwischenmenschlichen Begegnungen im Lauf des Lebens, durch absolut unplanbare Glücks- wie auch Unglücksfälle.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nirgendwo in der Welt hat eine sozialistische Planwirtschaft mit einer am Markt orientierten Wirtschaft mithalten können, wenn sie nicht durch korrupte und mafiöse Strukturen zerstört wird. Ebenso sind alle unter der Gleichheits-Ideologie ausgeführten Experimente, nämlich Neugeborene den Müttern sofort abzunehmen, um sie völlig gleich vom Babyalter an staatlich erziehen zu können, dramatisch gescheitert. Dennoch wird in der Bundesrepublik Deutschland der Trend gefördert, alle Kinder als gleich zu behandeln und in eine Klasse zu stecken, seien es behinderte Kinder, lernfaule oder hochbegabte. Was kann dabei schon herauskommen? Unteres Mittelmaß! Die unterforderten Hochbegabten könnten dadurch sogar auf kriminelle Bahnen gelangen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Die Betonung der Individualität, also der Ungleichheit unter den Menschen bedeutet jedoch nicht, das Prinzip der gleichen Würde aller Menschen, ihrem Anspruch auf Chancengleichheit und ihre Gleichwertigkeit nicht anerkennen zu wollen, im Gegenteil. Doch die Grünlinken wollten in Hessen Zensuren prinzipiell abschaffen. Wer Chancengleichheit so missverstehen möchte, reduziert folglich alle Leistungsanforderungen. Das ist schon auf vielen Gymnasien zu beobachten, wo unfähige Schüler aufgenommen werden und das Gesamtniveau dermaßen senken, dass anschließend an den Hochschulen immer mehr frustrierte Studienabbrecher dem kapitalistischen System die Schuld in die Schuhe schieben wollen. Aus dieser Ressource sprießen nicht wenige der gestandenen Grünlinken. Solche Typen sind auch zu echten Streitgesprächen nicht mehr fähig.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Zu primitiv gedacht? Was ließe sich dann erst dem angeblich großen französischen Freiheitsdenker und Revolutionsträumer Jean-Paul Sartre vorwerfen, der 1961 dialektisch von sich gab: „</span><em><span class="tm7">Denn in der ersten Zeit des Aufstands muss getötet werden: Einen Europäer erschlagen heißt zwei Fliegen auf einmal treffen, nämlich gleichzeitig einen Unterdrücker und einen Unterdrückten aus der Welt schaffen. Was übrigbleibt, ist ein toter Mensch und ein freier Mensch.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Dieser Zynismus, wie ihn nur seine Gegner verstehen können, ist nicht untypisch für linke Intellektuelle. Hauptsache der Zweck heiligt die Mittel, dann kann der einzelne Mensch zum Objekt degradiert und seiner Würde beraubt werden. Das lässt sich alles in seiner brutalen Wirklichkeit schon in der Französischen Revolution, bei Marx, Lenin, Stalin, Mao oder Kim Jong-Un studieren, aber auch bei den europäischen Neuen Linken, zu denen die an die Macht gekommenen Grünen gehören, Mitglieder jener Melonenpartei, die außen grün, innen rot, im Kernbereich sogar braun ist. Die dümmliche Arroganz dieser Halbgebildeten kostet die Gesellschaft ein Vermögen, das diese Wohlstandsverwöhnten selten in die Lage versetzt, es selbst nur ansatzweise erwirtschaften zu können.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Psychologisch gesehen brauchen Linke immer einen Feind, den sie bekämpfen möchten, aber leider nie ihren inneren Schweinehund. Wer so denkt und fühlt, hat natürlich kein echtes Demokratieverständnis. Er sieht im Gegner keinen Konkurrenten, der zu Höchstleistungen antreiben oder zu neuen Erkenntnissen verführen könnte, nein, der Andersdenkende wird schon als Feind behandelt, denn der von sich selbst berauschte Linke braucht den „bösen Rechten“, um sich über ihn stellen zu können, damit er sein krankes Selbstwertgefühl nicht zu arg spüren muss. Genauso geht es den Rechtsextremisten, eben nur im umgekehrten Sinne. Doch es sollte klar sein, dass jene, die als Rechtsextreme, als Nazis verschrien sind, eigentlich Linke sind, denn es ist unbestreitbar, dass die Nationalsozialisten vieles wollten, was Sozialisten ebenfalls anstrebten. Es waren bekanntermaßen rd. 60.000 der 300.000 KPD-Genossen, die sich nach 1933 der NSDAP anschlossen, darunter auch hohe Funktionäre. Nationalsozialisten waren selten Marxisten, davon es aber einige unter den Sozialdemokraten gab. Otto Grotewohl war solch ein marxistischer Sozi, der gern mit den Kommunisten in der Sowjetzone ein Bündnis einging, Mitbegründer der SED wurde und sogar erster Ministerpräsident der DDR.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Kurt Schumacher hingegen, die Führungsfigur der Sozialdemokratie in den westlichen Besatzungszonen, war ein knallharter Gegner der Nationalsozialisten, die ihm neun Jahre in verschiedenen KZs eingesperrt hielten, doch ebenso der Kommunisten, die er als Häftling bis zum Erbrechen kennenlernte und die er mehrmals als rotlackierte Nazis bezeichnet hatte. Tausende Sozialdemokraten, die in der Ostzone als Schumacher-Sympathisanten galten, wurden nach dem Krieg in 11 sowjetischen Speziallagern gequält. Von insgesamt 123.000 Internierten kamen ca. 43.000 um, darunter auch viele Jugendliche. Das scheint leider vergessen zu sein, denn ein Demokrat, der sein Volk, seine Kultur, seine Heimat, seine Nation und sich selbst lieben kann, steht heute in der Gefahr, in diesem gegenwärtigen Irrenhaus, dass sich mit Inbrunst einer undemokratischen und größenwahnsinnigen Banker-Weltherrschaftselite verschrieben hat, mit den „</span><em><span class="tm7">schon länger hier Lebenden</span></em><span class="Endnotenzeichen">” (Merkels Redewendung) unterzugehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch was nützt alle Freiheit, aller Wohlstand, wenn jemand den Glauben verliert, den er nie besaß? Dann verflüchtigt sich auch jede Hoffnung. Und vor allem das Wichtigste davon: die Liebe. Diese Lieblosigkeit gegenüber dem eigenen Volk, den Vorfahren und Traditionen drückt sich am deutlichsten bei den Grünen, den SED-Anhängern und den Jungsozialisten aus. Letztere sind ebenfalls immer mit ihrem Irrsinn zur Stelle, wenn der Gleichheits-Kindergarten der Grünen gerade mal pausiert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ob „Unisex-Umkleiden“ oder „</span><em><span class="tm7">Abtreibung für alle und solange man will</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ – die Jusos lassen nichts aus. Es soll nicht vergessen werden, dass gerade der SPD-Nachwuchs aus Hannover einst eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ ins Leben rief. Solches lässt sich nur noch von der „Antifa“ überbieten: „</span><em><span class="tm7">Anlässlich mehrerer staatlich begangener Jubiläen zu 20 Jahren Mauerfall, 60 Jahren Grundgesetz und 20 Jahren deutscher Wiedervereinigung – initiierte das Bündnis im Jahr 2009 eine antinationale Kampagne unter dem Motto: „Staat.Nation.Kapital.Scheiße!</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexviii"><sup>xviii</sup></a><a id="footnotexviiiback"></a> </span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Solchem Fortschritt auf dem Fuße folgend erkennen diese realitätsverweigernden Weltverbesserer „</span><em><span class="tm7">eine weitgehende Toleranz gegenüber modernen Formen des Nationalismus und Patriotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, der ihrem Empfinden nach aus allen Löchern kriecht. Eine besonders schlimme Form dieses verhassten Nationalismus ist für die Internationalsozialisten der „Party-Patriotismus“. Und den empfinden sie besonders krass bei Fußballspielen. Jedoch auch das „Wir-Gefühl“, das durch ihre Brille gesehen den virulent um sich greifenden Nationalismus stärkt, entlockt ihnen eine wütende Fratze. Deshalb haben die Jusos eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ gestartet, und diese präsentieren sie ihrem Niveau entsprechend auf ihren Kaffeebechern: „</span><em><span class="tm7">Mein Vaterland interessiert mich nicht die Bohne.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Eigentlich lässt sich das sogar noch unter Humor abbuchen, denn viel schlimmer sind jene Journalisten, die es so trieben wie der bestbezahlte SPIEGEL-Journalist Claas Relotius, der leider kein Einzelfall ist, sondern es nur etwas übertrieb, was jedoch dazu führte, dass er mit Preisauszeichnungen geradezu überhäuft wurde. Und solche Kriminelle regen sich gar über ihre Vorfahren auf, die Hitler nicht verhindert haben? Eins steht jetzt schon fest: Unsere Nachfahren werden sich über uns, die wir so lange das verlogene und irrationale System Merkel und Scholz ertragen haben, einmal genauso naserümpfend ekeln wie sich die Linken heute zumeist über ihre Großeltern empören. Ja, sie wollen die Welt retten, das Klima, die Vielfalt aller Rassen und Viren, die Gerechtigkeit unter allen Menschen und Tieren… Und überhaupt! Was könnte ich dem entgegensetzen? Bequemerweise drücke ich es mit Michael Dienstbier so aus: „</span><em><span class="tm7">Rechte oder konservative Identitätspolitik – wenn man sie denn so bezeichnen möchte – geht vielmehr von organisch gewachsenen Gemeinschaften aus, die immer durch Einflüsse von außen verändert werden, dies aber in einem vertretbaren Tempo</span></em> <em><span class="tm7">unter steter Wertschätzung der eigenen historischen, kulturellen und mythischen Ursprünge.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer vor ungefähr 40 oder 50 Jahren aus einer Sowjet-Kolonie in den Westen kam, glaubte sich ins kommunistische Paradies versetzt. Nicht nur der Überfluss an Konsumartikeln samt freundlicher Bedienung ließ staunen, sondern auch die Pünktlichkeit der Züge, die sauberen Städte und Landschaften, die übervollen Buchhandlungen und Zeitungskioske, die Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten, Vereinen, Meinungen und Farben. Wer hätte schon die kostenfreie ärztliche Versorgung erwartet? Brille, Zahnbehandlung – alles kostenlos. Zu keinem Medikament musste zugezahlt werden. Es gab einen großen Mittelstand, obwohl noch wenige Frauen dazu verdienten. Viele Familien hatten zwei Autos und fuhren zweimal im Jahr in Urlaub. In Kreuzberger Schulen gab es alles frei, sowohl Lehrbücher samt den Schreib- und Malutensilien als auch die besten Zensuren. Fast alle Rentner konnten sich Weltreisen leisten. Bettler sah ich damals nur im Ausland.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch RAF<a href="#footnotexix"><sup>xix</sup></a><a id="footnotexixback"></a> -Spuren waren ebenso wenig zu übersehen wie Mao- oder Stalin-Poster in Universitäten. Geisteswissenschaftler und verbildete BAföG-Bezieher wähnten sich in einem faschistoiden System. Sie hassten ihre Eltern, die Hitler gar gewählt hatten, was sie jedoch nicht hinderte, Deutschlands zweite rotfaschistische Diktatur in Mitteldeutschland für fortschrittlich zu halten, auch wenn dort während der Entspannungspolitik Kindersoldaten im schulpflichtigen Wehrkundeunterricht herangebildet wurden. Die heruntergekommenen Städte, verdreckten Flüsse und Seen lobten solche Besucher durch ihre rot-grünen Brillen als „naturbelassen“. 250.000 politische Gefangene in Zuchthäusern zu DDR-Zeiten erweckten in diesen Kreisen weder Mitleid noch Solidarität, denn dies blieb für eingesperrte Terror-Kommunisten wie Angela Davis oder Luis Corvalán reserviert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Die 68er, denen der lange Marsch durch die Institutionen bis nach ganz oben gelang, durften immer effizienter ihr Zersetzungswerk fortsetzen. Die Qualität deutscher Schulen und Universitäten konnte nun rasch auf den Hund kommen, ebenso Familienbindungen und evangelische Kirchgemeinden. Die Wiedervereinigung lehnten sie damals durchweg ab, was sie nun ermächtigt, die ganze Nation zu ruinieren. Polen sollte ihrer Meinung nach, bitte schön, an Frankreich grenzen. Der Globalisierungs-, Gender- und Coronawahn kamen nun als Methode daher.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Was die 68er damals ideologisch legitimierten, hat sich gesellschaftlich vollzogen, aber nicht als Utopie, sondern als Verwahrlosung.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Dieser Satz der Schriftstellerin Sophie Dannenberg, die selbst in einer linken Familie aufwuchs, kann zwar nicht trösten, aber den nötigen Zorn aufkommen lassen. Denn der ist noch nötiger geworden, seitdem Europa nun mit einer neuen totalitären Eroberungsideologie unter dem Kopftuch einer Religion überflutet wird. Das meiste davon müsste emanzipierte Revolutionärsfrauen oder fortschrittlich-schwule Ehe-für-alle-Vertreter eigentlich auf die Barrikade treiben, aber nein doch! Diese für sie unbedeutenden Unterschiede zu unserer Kultur, Nation und Zivilisation macht doch unsere Welt erst richtig bunt. Totalitäre Veranlagungen und der Hass auf den Westen stehen sich also näher als jede Vernunft. Damit ist der von Oswald Spengler vorausgesagte und von „Mutti“ Merkel grandios vorangetriebene Untergang des Abendlandes besiegelt. Es sei denn, es gelingt den zunehmenden Protestantenströmen, konservativ-modernen Christen und der neuen Volks- und Oppositionspartei AfD eine echte Reformation im Stile Luthers.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Als erstes müssten sich alle Richter, Offiziere und Beamten klar werden, dass sie als Staatsdiener keiner Partei angehören dürfen. Und wer den Eid leistet, dem deutschen Volke dienen zu wollen, der hat absolut keiner Nebentätigkeit nachzugehen. Berufslose und berufsunerfahrene Berufspolitiker haben im Bundestag nichts zu suchen, denn wer möchte sich gern von solchen Dumpfbacken wie… (Na, da fallen wohl jedem genügend Beispiele ein) regieren lassen?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Da ließen sich leider zu viele Versager aufzählen, die uns mit großem Pomp und hundertprozentiger Zustimmung der Parteien aufgetischt wurden. Wir brauchen sicher noch weitere 93 Thesen, wenn wir die Demokratie im Lande sinnvoll umgestalten und ein mütterliches Europa der Vaterländer hervorbringen wollen. Mit dem Sturz der jetzt verantwortungslos Herrschenden ist noch nichts erreicht, wenn keine Lehren aus dem voranschreitenden Chaos und der zu einem möglichen Bürgerkrieg führenden Spaltung unserer Nation und Europas gezogen werden. Viele Gesetze müssen überarbeitet, die überwuchernde Bürokratie muss gestutzt werden. Wer Schäden, angeblich „alternativlos“, in Milliardenhöhe anrichtet, müsste dafür in einem funktionierenden Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen werden. Wieso genießen die Diener des Volkes Sonderrechte und verdienen fünfmal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es sollte eine große Diskussion angestoßen werden, um in letzter Not noch die Demokratie, also die Volksherrschaft vor einer zumeist arroganten, abgehobenen, überbezahlten Schicht, die sich gar als Elite versteht, zu retten. Ob es noch gelingen kann? Die westliche Welt befindet sich im freien Fall. Alles, was uns bisher zusammenhielt, löste sich schon unter Merkels Regie auf. Während Massenmedien die neue Vielfalt feiern, werden gewachsene Strukturen wie Familie, Glaube und Nation zielgerichtet unterwandert und zerstört. Wer nach der „Bibel in gerechter Sprache“ noch Fragen zum Geisteszustand der selbsternannten Volkserzieher hatte, bekommt sie in der Broschüre „Für eine geschlechtergerechte Sprache“ der Stadt Hannover endgültig beantwortet. Es handelt sich um nicht weniger als um einen sprachlichen Atombombenabwurf auf das Denken. Hier wird die Totalverblödung des vormaligen Volkes der Dichter und Denker aggressiv vorangetrieben. Und wer treibt eine solche politisch-korrekte Barbarei wieder voran? Da brauche ich nicht lange zu fragen. Grün und Rot vermischt ergibt eine Farbe, die wir glaubten, hinter uns gelassen zu haben.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nun brauchte ich neben vielen Jahren der Reifung nur 20 Seiten, um begründen zu können, warum ich heute als Gegner der Linken ein Rechter bin – und das mit vollem Recht!</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<hr>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotei"></a><a href="#footnoteiback"><sup>i</sup></a> &nbsp;Es betraf neben mir noch Angelika Barbe, Werner Molik und Arnold Vaatz, SPIEGEL 2/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteii"></a><a href="#footnoteiiback"><sup>ii</sup></a> &nbsp;30. Mai 2018, S. 3</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiii"></a><a href="#footnoteiiiback"><sup>iii</sup></a> &nbsp;Kohelet 10,2</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiv"></a><a href="#footnoteivback"><sup>iv</sup></a> &nbsp;„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ – so heißt es in der Lutherbibel bei Matthäus 22,21.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotev"></a><a href="#footnotevback"><sup>v</sup></a> &nbsp;von lateinisch ex → für „aus“ oder „heraus“</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevi"></a><a href="#footnoteviback"><sup>vi</sup></a> &nbsp;aus „Sein und Zeit“, S. 51</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevii"></a><a href="#footnoteviiback"><sup>vii</sup></a> &nbsp;Band 6, S. 505</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteviii"></a><a href="#footnoteviiiback"><sup>viii</sup></a> &nbsp;in „Die selbstbewusste Nation“, Berlin 1994, S. 164f</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteix"></a><a href="#footnoteixback"><sup>ix</sup></a> &nbsp;1/2013</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotex"></a><a href="#footnotexback"><sup>x</sup></a> &nbsp;Galater 5,1</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexi"></a><a href="#footnotexiback"><sup>xi</sup></a> &nbsp;aus: “Muhammed, der Gesandte Allahs, Friede sei auf ihm” von Abdul Rahman Al-Shea</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexii"></a><a href="#footnotexiiback"><sup>xii</sup></a> &nbsp;Nach Recherchen des Middle East Forum (USA)</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiii"></a><a href="#footnotexiiiback"><sup>xiii</sup></a> &nbsp;„der stacheldraht”, 1/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiv"></a><a href="#footnotexivback"><sup>xiv</sup></a> &nbsp;aus: Menschliches, Allzumenschliches, 1878</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexv"></a><a href="#footnotexvback"><sup>xv</sup></a> &nbsp;Maximen und Reflexionen, über Literatur und Leben</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvi"></a><a href="#footnotexviback"><sup>xvi</sup></a> &nbsp;Zitat von Alwin Münchmeyer im SPIEGEL 29/1974</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvii"></a><a href="#footnotexviiback"><sup>xvii</sup></a> &nbsp;Diese Verordnung war tatsächlich einmal in Vorbereitung, ist aber Dank der Kritik nicht realisiert worden.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexviii"></a><a href="#footnotexviiiback"><sup>xviii</sup></a> &nbsp;Wikipedia: Ums Ganze / Kampagnen und Proteste</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexix"></a><a href="#footnotexixback"><sup>xix</sup></a> &nbsp;Rote Armee Fraktion – eine linksextremistische Terrororganisation, 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet.</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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