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	<title>Konservativismus - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Siegmar Faust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2022 18:13:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Konservativismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel schon voll abgestempelt: „</span><em><span class="tm7">In der DDR stritten sie als Bürgerrechtler für Demokratie – jetzt triften Freiheitskämpfer von einst nach rechts ab. Warum?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotei"><sup>i</sup></a><a id="footnoteiback"></a> Vor der Überschrift „Was für Helden“ wurde in rot noch eine Ortsangabe gesetzt: „Ostdeutschland”. Keiner der Beschriebenen stammt aus den ehemaligen Ostgebieten, sondern alle wuchsen im Sendebereich des Mitteldeutschen Rundfunks auf. Schon mit solch einer Manipulation oder Geistlosigkeit begann es. Immerhin war der Journalist so ehrlich zuzugeben, dass sein Artikel viele Leserbriefe hervorrief, „doch 80% ergriffen für Sie Partei“. Drei Monate darauf kam es noch schlimmer. Wenn es in einer Demokratie, die sich ja gern mit Sir Popper als „offene Gesellschaft” versteht, nur gestattet ist, links zu sein, dann kann das nur eine Diktatur sein, im harmlosesten Fall eine Demokratur.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der zunehmenden Anmaßung von Journalisten, die durch ihre Kumpanei mit politischen oder finanziellen Machthabern das Volk ständig in die Illusion einlullen, diese autoritäre Bevormundung sei Demokratie, wird sie massiv untergraben. Noch deutlicher sprach es Oberon Reger aus: „<em>Durch ein deutsches Journalistengehirn gequetscht zu werden ist das Schrecklichste, was einer Wirklichkeit passieren kann.</em>“ Genau das passierte mir drei Monate später, nachdem ich dem angeblich katholischen Journalisten Markus Decker für die „Berliner Zeitung“<a href="#footnoteii"><sup>ii</sup></a><a id="footnoteiiback"></a> ein Interview gab, das dann gleichzeitig ohne mein Wissen in einem Dutzend weiterer Zeitungen ganzseitig erschien, wo er mir nicht nur gefälschte Worte in den Mund gelegt hatte, sondern mir auch noch unterstellte, dass ich nach „rechts außen geschwenkt“ sei. Die Zeitung druckte weder meine Gegendarstellung ab, noch nahm die Staatsanwaltschaft meine Anzeige an.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Im Alten Testament hieß es noch: „</span><em><span class="tm7">Der Verstand des Gebildeten wählt den rechten Weg, der Verstand des Ungebildeten den linken…</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnoteiii"><sup>iii</sup></a><a id="footnoteiiiback"></a> Der „Fortschritt” brachte es jedoch mit sich, dass es heute genau andersherum gültig sein soll. In kritischen Leserbriefen gegen den Kurs der BILD-Zeitung hieß es im Februar 2018: „</span><em><span class="tm7">Es gibt nicht mehr links und rechts, es gibt nur noch ein oben und unten, wobei die ‚oben‘ die Systemlinge, die Abhängigen sind.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Dazu passt auch eine weitere Zuschrift: „</span><em><span class="tm7">Die BILD geht den Leidensweg der SPD, man verlässt die Welt des kleinen Mannes und versucht sich stattdessen in moralischer Unterweisung des Volkes. Das kann nicht funktionieren und endet in der Bedeutungslosigkeit!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, „oben” und „unten” ist ebenso ein vor allem politisch auslegbares Gegensatzpaar, das in jeder Zeit und Ordnung mehr oder weniger präsent ist, doch es ist politisch nicht mehr so dominant wie der modernere Spannungsbogen zwischen rechts und links. Was verstehen wir heute eigentlich unter „links” und „rechts”? Diese politische Einteilung entstand bekanntlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich mit der Sitzordnung der Nationalversammlung. In der damaligen Deputiertenkammer saßen links die „Bewegungsparteien”, deren Ziel es war, die politisch-sozialen Verhältnisse zu verändern, rechts die „Ordnungsparteien”, die mehr auf die Bewahrung der politisch-sozialen Verhältnisse hinwirkten. Auch in vielen anderen Parlamenten setzte sich diese Sitzordnung durch. Das ist bis heute so, und auch bei der Sitzverteilung der Parteien im Deutschen Bundestag sitzt die SED-Linkspartei, deren politische Ausrichtung sogar auf ihrem Namensschild steht, vom Bundestagspräsidium aus gesehen links, und auf der rechten Seite sitzen gegenwärtig die Abgeordneten der AfD.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Möge die Einteilung der Parteien in das „Links-Rechts”-Schema heutzutage für viele immer unübersichtlicher und damit entbehrlich geworden sein, so werden viele trotzdem auch in Zukunft nicht ohne diese Klischeebegriffe auskommen, denn nirgendwo lässt sich die auf Erden und im materiellen Universum herrschende Polarität, also der uns alle beherrschende Dualismus aufheben. Ohne Gegensätze ließe sich auch gar nichts erkennen. Dabei muss ich mich vordergründig nicht zum Dualisten abstempeln lassen, nur weil ich als zur Transzendenz neigender Zeitgenosse im Sinne Christian Wolffs „</span><em><span class="tm7">die Existenz materieller und immaterieller Substanzen</span></em><span class="Endnotenzeichen">” anerkenne und mich gleichzeitig an der Bergpredigt von Jesus orientiere.<a href="#footnoteiv"><sup>iv</sup></a><a id="footnoteivback"></a> Bei allem Respekt vor dem antiken Philosophen Plotin, der in seiner monistischen Philosophie alles, was geistig oder physisch existiert, auf das Eine zurückzuführen suchte. Falls sich das auf Gott bezieht – stimme ich zu, falls damit aber die Gegensätze in der Welt und in der Natur gemeint sein sollen, dann passe ich.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Was wäre denn die Literatur, von den Liebes- oder Kriminalromanen mal ganz abgesehen, ohne solch ein dualistisches Figurenpaar der Dichtung wie Faust/Mephisto? Deutlicher wird vieles, wenn Parteien und Menschen besonders radikale Ansichten vertreten oder antagonistische Gegensätze verkörpern. Normalerweise verträgt eine stabile Demokratie auch radikale, also bis an den Rand oder bis zur Wurzel reichende Ansichten, Forderungen oder Bestrebungen. Doch in jeder Gesellschaftsordnung gibt es auch durch Grundgesetze vorgegebene „rote Linien”. Wer bis zur Linie geht ist radikal, wer sie jedoch überschreitet, sei er ein besonders aktiver „Freund des Fortschritts” oder ein sogenannter „Reaktionär”, wird zumeist und zurecht als „Extremist”<a href="#footnotev"><sup>v</sup></a><a id="footnotevback"></a> bezeichnet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Links- oder Rechtsextremisten wollen entweder als Frustrierte oder sonst wie Abgehängte das bestehende Staats- und Gesellschaftssystem verändern, nicht selten auch mittels Putsches oder Revolution, also durch Gewaltanwendung. Das rechtfertigt den Verfassungsschutz, jedoch nur, wenn deren Vertreter nicht auf einem Auge blind sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Luthers Anerkennung der weltlichen Obrigkeit und seine Forderung, sich ihr in irdisch- politischen Fragen unterzuordnen, bereitete den Boden für das oft zu enge Bündnis von Thron und Altar im deutschen Protestantismus. Erst die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts führten bei dem Theologen Dietrich Bonhoeffer zu einer kritischen Interpretation von Luthers Lehre, denn er postulierte im Nazi-Regime, wenn der Staat in seinem Recht und Ordnung schaffenden Funktion versagt, ein Recht auf Widerstand. Das ist dann auch in den Artikel 20 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eingeflochten worden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ich nehme wie der ehemalige sächsische Justizminister und Bundespräsidentschaftskandidat Steffen Heitmann an, dass sich „</span><em><span class="tm7">hinter den Begriffen rechts und links unterschiedliche Wirklichkeitsverständnisse verbergen, unterschiedliche geistige Ansätze, die dann jeweils auch unterschiedliche politische Akzentsetzungen nach sich ziehen</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Wollte ich nun genau die eigentlichen Unterschiede zwischen den politisch linken oder rechten Überzeugungen analysieren, dann käme am Ende ein dickes Buch heraus. Deshalb kann ich hier nur skizzenhaft die Unterschiede andeuten. Rechts eingestellte Menschen und Parteien haben ein konservatives Menschenbild, das sich aus der Tradition bis hin zur biblischen Geschichte speist, also auch vom Sündenfall des ersten Menschenpaares weiß. Für sie steht, um es aktuell auszudrücken, das Wohl der eigenen Familie und Nation samt ihrer Staatsbürger im Vordergrund, während bei links eingestellten Menschen und Parteien weltweit die soziale Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen im Vordergrund stehen. In der Theorie. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Davon kann der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß folgendes Lied singen: Er war mit einer Bundestagsabgeordneten der SED-Linken mal auf Auslandsreise. Er bekam mit, dass sich diese Dame beim Rückflug auf First Class umbuchen ließ. „</span><em><span class="tm7">Ich war überrascht und fragte, ob die Linken nicht eher Holzklasse fliegen müssen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Die Linke erklärte ihm daraufhin, dass er da etwas falsch verstanden habe: „</span><em><span class="tm7">Im Sozialismus fliegen alle First Class.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Tja, so fliegen die Vertreter der Armen, Ausgebeuteten und Benachteiligten schon mal ihrer Zeit etwas voraus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Denn die Avantgarde muss schon etwas früher im Sozialismus ankommen, um dann die Masse der Entrechteten dort gebührend empfangen zu können. Das kennen wir schon aus dem Verhalten der einst regierenden Bonzen in den sogenannten sozialistischen Ländern, die ebenfalls Wasser predigten und heimlich guten Wein vom Klassenfeind soffen, um wieder in Anlehnung an ein Bibelzitat deutlich zu machen, dass die Technik sich zwar wahnsinnig schnell fortentwickelt, aber der Charakter, das Wesen des Menschen bleibt unverändert: der alte Adam.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Der alte Adam in uns soll ersäuft werden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Das sagte Martin Luther und schlussfolgerte: „</span><em><span class="tm7">Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie der von den Linken sicher nicht erträumte, aber durch ihre Politik entstehende neue solidarische Mensch oder deutlicher gesagt: der abgerichtete Mensch aussieht, das lässt sich heute deutlich in Nordkorea oder China studieren. Nichts schreckt die Linken ab, die Welt zu revolutionieren, damit das Glücksversprechen für alle endlich seine Erfüllung findet. Das hieße in der Konsequenz, alle Gegensätze zwischen den Menschen und ihren Verhältnissen abzuschaffen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Welch in Irrsinn! Allein schon die Gesetze der Ungleichzeitigkeit lassen sich nicht abschaffen, denn das hieße, die Zeit anhalten oder abschaffen zu wollen. Das könnte uns lediglich im Jenseits widerfahren. „</span><em><span class="tm7">Da aber die positiven Wissenschaften</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Martin Heidegger, „</span><em><span class="tm7">auf die ontologische Arbeit der Philosophie weder warten ‚können‘ noch sollen, wird sich der Fortgang der Forschung nicht vollziehen als ‚Fortschritt‘, sondern als Wiederholung und ontologisch durchsichtigere Reinigung des ontisch Entdeckten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotevi"><sup>vi</sup></a><a id="footnoteviback"></a> Doch die Fortschrittsmenschen werden nichts unversucht lassen, den neuen Menschen, besessen von Diversität, Inklusion und Egalität, zu züchten, dieses Mal mit Hilfe der Digitaltechnik.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke empfinden sich in der Tradition der Aufklärung stehend und halten die Welt grundsätzlich für durchschaubar, steuerbar und beherrschbar, wenn auch bar jeder Vernunft, während Rechte ihre bescheidenere Besonnenheit der Transzendenz unterordnen, wissend, dass sie nicht die Schöpfer der Welt und des Universums sind und deshalb ehrfurchtsvoll die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit beachten, soll heißen, sich selbst nicht zur letzten Instanz erheben. Linke glauben im Sinne Darwins und Heckels an den Fortschritt vom Niederen zum Höheren. Dann ist es auch logisch, die Marx‘sche Stufenleiter vom Urkommunismus über die Sklavenhalterordnung und den Feudalismus hochzukraxeln, um in der letzten Station, die sich Sozialismus nennt, vor dem kommunistischen Paradies auf Erden den teuflischen Kapitalismus zu überwinden. Denn erst dann wird die vom Klassenkampf bestimmte „Vorgeschichte der Menschheit“ überwunden sein, und der neue Mensch wird ein von Entfremdung und Ausbeutung befreites Leben führen und seine Geschichte bewusst und selbstständig gestalten können. Wer könnte denn etwas gegen eine solche klassenlose Gesellschaft haben? Wer will nicht die göttlichen von Marx entdeckten Geschichtsgesetze anerkennen? Gehören diese Leugner nicht in geschlossene psychiatrische Anstalten gesperrt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder die anderen, die von der ungerechten kapitalistischen Ordnung schwärmen, weil sie von ihr profitieren, müssten sie nicht weggesperrt werden? Und gar die Produktionsmittelbesitzer, gehören sie nicht enteignet? Marx, der ja gern mit Fremdworten herumprahlte, nannte das „</span><em><span class="tm7">Expropriation der Expropriateure</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Und siehe: Die Marx‘sche Theorie wurde zur materiellen Gewalt. Das „Manifest der kommunistischen Partei” wurde zum Bestseller. Die Weltbevölkerung bekam dank Marx ab 1850 bis heute 6,6 Milliarden Zuwachs. Kein Wunder, dass Lebensmittel in den sozialistischen Staaten noch heute knapp sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Also: „</span><em><span class="tm7">Völker, hört die Signale! / Auf, zum letzten Gefecht! / Die Internationale / Erkämpft das Menschenrecht…</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie heißt es dazu bei Marx? „</span><em><span class="tm7">Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotevii"><sup>vii</sup></a><a id="footnoteviiback"></a> Das haben sich weder die Sturmabteilungen der Nationalsozialisten noch die Kommunisten des Rotfrontkämpferbundes zweimal sagen lassen. In dieser Tradition stehen bis heute vor allem die vermummten Antifa-Banden, die überall nur Nazis und Rassisten sehen wollen, sie regelrecht hervorkitzeln und dafür brav und dumm, wenn nicht gar verbrecherisch vom demokratisch sein wollenden Rechtsstaat subventioniert werden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ehemalige Linke, die nach rechts konvertierten wie der Herausgeber Stéphane Courtois, brachten 1997 das „Schwarzbuch des Kommunismus” heraus. Darin wird äußerst zurückhaltend die Bilanz dieser marxistisch-kommunistischen Ideologie aufgelistet: 100 Millionen Tote. Schnell unterstellen darauf Linke den Rechten: Ihr habt zwei Weltkriege auf dem Gewissen samt Holocaust. Wer so dumm argumentiert, will Verwirrung stiften, denn der totalitäre Nationalsozialismus ist ein linkes Gewächs, wenn auch nicht unmittelbar auf dem Nährboden des Marxismus gekeimt. Die Befürworter der ersten fragilen Demokratie auf deutschem Boden hatten 1924 den mitgliederreichsten Verband zur Verteidigung der Demokratie gegründet: das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Fast drei Millionen Mitglieder setzten sich vor allem gegen die aggressiven Kommunisten und Nationalsozialisten zur Wehr. Überwiegend bestand das Reichsbanner aus Sozialdemokraten, doch auch Anhänger der Deutschen Zentrumspartei (DZP) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) hatten das Reichsbanner mitgegründet. Ein Mitglied war auch Prinz Hubertus zu Löwenstein, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sofort ins Exil gehen musste und in den USA 1936 die Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil gründete. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt gründete er 1973 den Freien Deutschen Autorenverband (FDA), weil sich der Schriftstellerverband (VS) unter Böll und Grass in die von dem Ex-Kommunisten Leonhard Mahlein geleitete Gewerkschaft Druck und Papier eingegliedert hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Neben Reiner Kunze und anderen aus der DDR ausgesiedelten oder freigekauften Autoren verließ ich ebenfalls den von dem Stasi-Mitarbeiter Bernt Engelmann geführten VS und wurde bald Vizepräsident des FDA. Dort konnte ich mich auch für einige von der Stasi verfolgte DDR-Autoren wie Heide Härtl, Wolfgang Hilbig und Gert Neumann, die damals in Leipzig lebten, einsetzen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Moderne im Wohlstand des Westens aufgewachsene Autoren oder verbeamtete Linke, die gern für das große Endziel ihrer Utopien die Freiheiten Andersdenkender einschränken, beanspruchen jedoch alle Freiheiten für sich, um ihre Gleichheitsgedanken in die Welt trompeten zu können, aber nicht in dem Sinn, dass wir alle vor Gott oder dem Richter gleich sind, nein, eher in dem Sinn, dass es nichts geben darf, was uns differenziert, sondern uns grundsätzlich auf eine Stufe stellt. Deshalb nicht nur die „</span><em><span class="tm7">Ehe für alle</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, sondern alles für alle, denn selbst in einer „</span><em><span class="tm7">sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei es nicht länger hinzunehmen, „</span><em><span class="tm7">dass Namen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Der Artikel gehört dem Mann, doch die Artikel im Plural der Frau. Ist das nicht großzügig?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es geht auch ernsthafter, denn aus manchen linken Spaßvögeln oder Revolutionären sind oft vernünftige Konservative verschiedener Schattierungen hervorgegangen, wie der ehemalige SPIEGEL-Redakteur Jan Fleischhauer, der erkannte: „</span><em><span class="tm7">Die Krux jeder utopistischen Bewegung besteht darin, dass ihre Bemühungen um die Herstellung einer besseren Welt nie ein definiertes Ende haben. Deshalb kann man das Gespräch mit Linken auch immer weitertreiben, über den Punkt der Absurdität hinaus. Das macht es so komisch. Klar, nicht alle können lachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Von der linksgrünen Gleichstellungsbeauftragten Franza Drechsel erfuhr er nun etwas über die Feinheiten der Gendersprache, um alle Menschen gleichberechtigt einbeziehen zu können, auch jene, die sich sexuell nicht zuordnen wollen. Am besten sogar, so belehrt sie ihn, „</span><em><span class="tm7">mit Unterstrich und kleinem i</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. „Der wirklich aufgeklärte Linke“, so Fleischhauer, „schreibt deshalb konsequent nur noch von Vergewaltiger_innen – das nenne ich wahre Gleichberechtigung!”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Überzeugungs- oder Glaubensänderungen sind nichts Neues in der Geschichte. Sie können jedoch noch heute in einigen Ländern der Erde mit dem Tod bestraft werden. In demokratischen Rechtsstaaten hingegen kommen viel zu leicht ehemalige Extremisten an die Macht, das fing bei Herbert Wehner und Ernst Reuter an, die als stramme Kommunisten natürlich auch Dreck am Stecken hatten. Im Gegensatz zu späteren Konvertiten aus dem linksextremen Spektrum sind sie jedoch echte Demokraten geworden, was ich bei Politikern wie „Joschka” Fischer, Claudia Roth, Joscha Schmierer, Hans-Christian Ströbele, Jürgen Trittin und vielen anderen dieses Kalibers bisher nicht erkennen konnte. Denen stehen jedoch Hunderte Konvertierte gegenüber, die wirklich von linksradikalen bis extremen Positionen zur bürgerlich-konservativen Mitte fanden, seien es Philosophen wie André Glucksmann, Rüdiger Safranski oder Peter Sloterdijk, Schriftsteller wie Hans Christoph Buch, George Orwell oder Botho Strauß, seien es Wissenschaftler wie Jörg Baberowski, Klaus Schröder oder Manés Sperber, seien es Journalisten wie Dieter Borkowski, Matthias Matussek oder Günter Zehm, seien es Politiker wie Viktor Orbán, Günter Schabowski oder Miloš Zeman. Auch an den im Februar 2022 verstorbenen Rechtsintellektuellen Günter Maschke möchte ich hier erinnern.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es gibt nur selten eine Wandlung von rechts nach links. Da fallen mir nur der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ein, der öfters durch stark polarisierende Äußerungen über politische Gegner auffiel, doch bald sorgte seine Wendung zu tendenziell linken Positionen für beträchtliches Aufsehen. Zuvor gab es den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heineman, der von der CDU zur SPD wechselte. Die Rechten haben kaum noch einen Arsch in der Hose. Rainer Zitelmann, der sich wie Tausende andere auch von linksextrem über linksradikal und links auf die Gegenseite bewegt hat, was einem natürlichen Reifungsprozess entspricht, resümierte: „</span><em><span class="tm7">Es bedarf einer Überwindung, sich selbst als ‚rechts‘ zu bezeichnen. (…) Merkwürdigerweise trifft all dies auf den Gegenbegriff ‚links‘ nicht zu.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnoteviii"><sup>viii</sup></a><a id="footnoteviiiback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, warum wohl? Die Mehrheit des deutschen Volkes, die im Berufsleben steht und keine Zeit hat, sich ständig von Gender-Affen agitieren oder im Schlussverkauf politischer Moden zum Schnäppchenkauf verführen zu lassen, ist eigentlich ganz gut ausgeglichen, aber es hat nicht die Regierung, die es verdient (oder doch?), es hat trotz Zwangsbezahlung nicht die Medien, die objektiv berichten. Die Volkserzieher dominieren, und sie wollen bestimmen was links und rechts ist. Links ist für sie gut, rechts ist böse. Und das wird über alle zwangsfinanzierten Kanäle durchgepeitscht bis zum Geht-nicht-mehr! Der Schriftsteller und Journalist Ulrich Schacht, der sich einst sein kritisches Bewusstsein in der Stasi-Haft schärfen ließ, drückt es so aus: „</span><em><span class="tm7">Ich meine, dass wer heute die hohntriefenden oder hassverzerrten Masken von Figuren der öffentlich-rechtlichen Medien – die behaupten, Nachrichten zu verkünden – bei der täglichen Arbeit der Lüge durch dreisteste Manipulation beobachtet – also die Physiognomien der Slomka, Miosga oder Kleber, wenn sie den Feind vor sich haben, wahlweise Trump, Putin, Orban, Farage, Gauland oder gleich die ganze AfD, gleich ob im Interview oder im Text -, der sieht doch plötzlich mitten in Deutschland nordkoreanisches Fernsehen: fanatisches Augenrollen, hassbebende Stimme, siegessicheres Lächerlichmachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">All das fordert den Rechten viel Verantwortungsgefühl ab. Obwohl sie von der prinzipiellen Ungleichheit der Menschen ausgehen, befürworten sie eine Hierarchie traditionell bewährter Werte und Normen, in denen die individuelle Freiheit wichtiger zu sein hat als die soziale Gleichheit. Mit rechten Werten, erkannte schon die Pionierin der Demoskopie, Elisabeth Noelle-Neumann, verbinden Menschen neben Betonung der Unterschiede, Distanz, Autorität, Disziplin, geregelte Umgangsformen, das Nationale und das „Sie”. Für Ausländer sind das typisch deutsche Eigenschaften, die jedoch immer mehr verlorengehen, denn Linke sind Freiheitshalbierer. Sie grenzen den Raum nicht nur in machtpolitischer Hinsicht ein, sondern auch in moralisch-ethischer Hinsicht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Linken habe ich, obwohl sie schon über ein halbes Jahrhundert den Club Voltaire unterhalten, noch nie Voltaires Zitat gehört: „</span><em><span class="tm7">Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Linke sind als eindimensionale Rechthaber zu erkennen, weil sie sich fortschrittlich wähnen und eine Vision von der besseren Welt im Kopf haben, für die sie, wenn es die Umstände erfordern, auch über Leichen gehen. Denn für dieses gute Ziel darf, nein, muss man auch Menschen opfern, die sich dem edlen Ziel in den Weg stellen. Auf die „Diktatur des Proletariats” nach Marx‘scher Diktion wagen sich heute nur noch wenige direkt zu berufen, doch auf die anmaßende Diktatur der richtigen Weltanschauung schon.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Rechte haben kein festgezurrtes Weltbild, nicht alle sind religiös gebunden, sie sind geistig viel flexibler, oft auch Wechselwähler, denn sie glauben nicht an den Fortschrittswahn und das Paradies auf Erden. Sie sind Gegner jeder Sozialismusvariante und jeder Eine-Welt-Regierung, die sich Linke ebenso wie die Profiteure des Banken- und Großkapitals wünschen. Rechte sind nicht so anmaßend, die Welt retten zu wollen, aber in ihrem Umfeld, also ihrem Nächsten gegenüber, sind sie oft gerechter und sozialer als Linke, die vor allem immer die große Veränderung im Weltmaßstab im Blick haben und in ihrem Umfeld oft die größten Egoisten sind. Großzügig sind Linke immer nur beim Anheben ihrer Diäten und im Ausgeben von Steuergeldern, auch für die sinnlosesten Projekte der sogenannten Entwicklungshilfe. In unserem Staat sind die Linken, einschließlich der verkommenen Sozialdemokratie, die größten Aussauger des deutschen Wohlfahrtsstaates, der auf den Konzepten der von ihnen bekämpften Ordoliberalen beruht und von Ludwig Erhard umgesetzt wurde, von der die SED-Linke Sahra Wagenknecht in einem SPIEGEL-Interview<a href="#footnoteix"><sup>ix</sup></a><a id="footnoteixback"></a> noch glaubte, dass er heute bei den Linken andocken würde. Zum Lachen konnte sie schon reizen als einstige Stalin- und Ulbricht-Verehrerin, die jedoch mittlerweile durch die Beschäftigung mit den Ordo-Liberalen nicht nur viel reifer, sondern an der Seite des einstigen Honecker-Verehrers Oskar Lafontaine bedeutend reicher geworden ist. „Wagenknechts Wochenschau“ sehe ich mir regelmäßig an und kann fast allem, was sie kritisch analysiert, zustimmen. Gewandelte freuen sich über jeden Wandler.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einer der interessantesten deutschen Philosophen der Gegenwart, Peter Sloterdijk, schlug sogar eine neue Kulturrevolution vor, einen radikalen psychosozialen Wandel, der von der Einsicht ausgeht, dass die ausgebeutete produktive Schicht heute nicht mehr die Arbeiterklasse, sondern die obere Mittelklasse ist. Deren Vertreter sind die wahren „Gebenden”, deren hohe Besteuerung die Bildung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr der Mehrheit finanziert. Um diesen Wandel zu bewerkstelligen, müssten wir den Etatismus überwinden, jenes Relikt des Absolutismus, das auf seltsame Weise in unserem demokratischen Zeitalter weiterlebt: die Idee also, die selbst in der traditionellen Linken starken Zuspruch findet, der Staat habe das Recht, seine Bürger zu besteuern, ihren Beitrag zur Produktion zu ermitteln und einen Teil davon einzuziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder muss die Frage gestellt werden: Ist der Staat für die Menschen da oder der Mensch für den Staat? In archaisch strukturierten Gesellschaftsformen zählt das Individuum wenig, aber die Familie, der Clan, die Religionsgemeinschaft alles. Auch Atheisten, die meinetwegen nur an die Wissenschaften glauben, sollten wissen, dass sie es ebenfalls dem „Reformator” Jesus Christus zu verdanken haben, dass sie heute so selbstbewusst individuell auftreten können. „</span><em><span class="tm7">Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wiederum unter einem Joch der Knechtschaft halten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotex"><sup>x</sup></a><a id="footnotexback"></a> Weder im Alten Testament noch im Koran habe ich Wesentliches zu dem Begriff „Freiheit” finden können. Linke, die ständig von Solidarität faseln, halten aber die Bürger für die größten Egoisten, die gezwungen werden müssen, zum Gemeinwohl beizutragen. Um sie abzuschöpfen, um Vermögen umzuverteilen, bedarf es eines riesigen Beamtenapparates, so dass den Bürgern immer mehr Zeit gestohlen wird, weil sie sich mit unübersichtlichen Steuererklärungen und sonstigem Bürokratenmüll herumschlagen müssen. So bekommt der erschöpfte Bürger kaum mit, was mit seinem Geld alles finanziert wird oder wie sein hart erarbeitetes Geld in Milliardenhöhe sinn- und verantwortungslos in- und ausländisch verpulvert wird – von Bankenrettungen oder dem Berliner Flughafen und anderen Millionenprojekt-Ruinen ganz zu schweigen. Keiner der Politiker wird dafür zur Verantwortung gezogen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Trotzdem hat es dem niveauvollen Rechten klar zu sein: Das Linke zu leugnen, hieße selbstverständlich, das Rechte aufzuheben – und umgekehrt. Die Wahrheit ihrer logischen und phänomenologischen Differenz besteht in ihrer Einheit. Das Linke bedarf eines Gegenübers, auf den es seine Wirksamkeit beziehen kann, an dem es sein Profil bezieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Das Rechte braucht das Linke und umgekehrt, damit das Eigene überhaupt erkannt werden kann in seiner Wesenheit. Und das gilt prinzipiell für alle Dualismen, die sich auch in Platons „Zwei-Welten-Lehre” darstellt und die unser irdisches Leben einkreisen. Deshalb ist es eine Ungeheuerlichkeit, dass eine demokratisch sein wollende Regierung, deren Aufgabe es ist, neutral die Balance zwischen notwendigen Gegensätzen zu wahren, dreist den mit Steuermitteln geführten „</span><em><span class="tm7">Kampf gegen rechts</span></em><span class="Endnotenzeichen">” führt. Das ist ein totalitärer Eingriff in die Substanz des inneren Friedens einer Gesellschaft, der eindeutig entlarvt, dass solche Regierungen von dem dialektischen Geschichtsprozessen nichts verstehen, um die harmlosere Variante zu vermuten, und somit das Gesellschaftsschiff einer Katastrophe zusteuern. Zum Glück sind solche Regierungen abwählbar, sodass immer die rechte Hoffnung besteht, dass das Steuer noch rechtzeitig – von wem auch immer – herumgerissen werden kann. Was sagte dazu der als pessimistisch geltende Arthur Schopenhauer? „Solange der Ausgang einer gefährlichen Sache nur noch zweifelhaft ist, solange nur noch die Möglichkeit, dass er ein glücklicher werde, vorhanden ist, darf an kein Zagen gedacht werden, sondern bloß an Widerstand…”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein Demokrat bekennt sich dazu, eine linke und eine rechte Hirnhälfte als auch linke und rechte Gliedmaßen zu besitzen. Alles Einseitige im Menschen liegt mittig, auch wenn links ausgerichtete Menschen stolz darauf verweisen, dass unser Kreislaufmotor, also das Herz, links schlägt. Ist das der Grund, warum Linke gern zuschlagen, gern Revolutionär sein wollen? Wissen sie nicht, dass jeder jakobinische Revolutionär zum Verbrecher, weil zum Mörder wird?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder nehmen wir die sanfteren sozialdemokratischen Gutmenschen, sie kämpfen ja immer um soziale Gerechtigkeit. Was haben sie hervorgebracht? Ein Steuerrechtsmonster, das einem Heer von Beamten und Steuerberatern zwar sinnlose Einkünfte verschafft, aber dem Volk nur Ärger bereitet und kostbare Lebenszeit stiehlt. Nur Reiche, die sich gute Anwälte leisten, haben etwas davon. Mit dem rechts-links Maßstab ist es nicht einfach. Ich weiß zwar, was meine linke Faust ist und was ich meiner rechten zutrauen kann. Doch wenn ich mich umdrehe, ist das, was links von mir war, plötzlich rechts. Und je schneller ich mich drehe, umso verdrehter wird alles, bis ich schließlich durchdrehe…</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Genauso so geht es mir, wenn ich in das zwangsfinanzierte Staatsfernsehen gucke, um zu sehen, dass ich kaum etwas von dem erkenne, was ich mit eignen Augen sehe. Es macht mich schwindelig, und ich frage mich benommen: Wer will mich hier eigentlich beschwindeln? Sie zeigen mir eine heile Welt und kommentieren: „</span><em><span class="tm7">Noch nie ging es den Deutschen so gut wie heute.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Die Wahrheit ist bekanntlich nach Hegel immer das Ganze, das kein Mensch überblicken kann, wenn er nicht Gottes Auge verkörpert, der von allen und allem zu aller Zeit alles sieht und durchschaut. Es wäre also vernünftiger, einem allmächtigen Gott zu vertrauen, der Himmel und Erde schuf, als Menschenhirnis zu vertrauen, die sich gierig anmaßen, andere regieren, dirigieren und relegieren zu wollen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Alle Schöpfungsmythen zeugen von ersten Teilungen zwischen Licht und Schatten, Sonne und Mond, Himmel und Erde, Tag und Nacht bis hin zu Mann und Weib, Herr und Knecht, Täter und Opfer, Freude und Leid… Macht und Machtmissbrauch hingegen sind kein Gegensatz, sondern ein Paar. Auch aus Gegensätzen ergeben sich manchmal Grundsätze, die für beide Seiten gültig sein können. Die klügsten Sprüche entstammen oft den Widersprüchen. Weil wir jedoch nur mit Sprache denken können, manche nur noch in stereotypen Formeln, kommen wir unserem Dasein, unserem Sosein in Raum und Zeit nie richtig auf die Spur, denn wir gehören, um es trivial auszudrücken, der Welt auf drei Ebenen an: durch Seele, Geist und Körper.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Im Geiste sind wir auf Streit angelegt. Hier wollen wir alles infrage stellen, neu bewerten, entdecken, erforschen – immer auch in Konkurrenz, im Wettstreit zu anderen Menschen. Nicht nur im Sport, auch in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Politik, ja, auch im Kampf um den schönsten Lebenspartner, überall lassen sich rote Linien des Anstandes, der Fairness und der Humanität überschreiten, wenn manche es vom Ehrgeiz getrieben bis zum Ausschalten des Gegners treiben, von der Diffamierung, dem Rufmord bis zum körperlichen Mord. Und das hat noch nicht einmal etwas mit unseren Machttrieben zu tun, die ebenfalls in uns schlummern. Ach ja, die menschlichen Triebe! Davon gibt’s einige, die uns nicht selten zum Tier erniedrigen wollen, falls damit nicht schon die Tiere beleidigt werden. Bleibt noch die Seele übrig, die gute Unbekannte. Ist sie es, die uns zum Mitgefühl, zum Mitleiden befähigt? Sind wir dadurch nicht auch zur Kooperation befähigt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Natürlich nicht zu jedem und allem, so wie wir höchstens zur Nächsten-, aber nicht zur Fernstenliebe fähig sind und nach dem Gebot des Christentums auch nicht sein sollen. Das wäre Gottanmaßung. Wir können uns noch sonst wie in die Höhe strecken, mit bloßen Armen oder mit Raketen, wir werden immer nur, selbst auf fremden Planeten, irdische Kinder bleiben, selbst dann noch, wenn wir uns durch unsere eigenen Robotergeschöpfe ersetzt haben. Erstaunlich, womit wir alles zu jonglieren haben, womit wir Maß und Mitte in unseren eigenen Veranlagungen ausbalancieren sollen, um ein friedensstiftendes Subjekt sein zu dürfen, falls wir es denn überhaupt wollen. Und könnten wir es wollen, dann würde der Teufel arbeitslos. Wollen wir das?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Wie soll ich z.B. die ehemalige Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen und Grünen-Politikerin Marianne Birthler verstehen, die einem SPIEGEL-Redakteur verriet: „</span><em><span class="tm7">Es gibt eben keine Garantie, dass man in seinem Leben immer auf der richtigen Seite steht.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Mal ehrlich, möchte jemand sein ganzes Leben lang stehen? Gar noch auf der richtigen Seite? Und die wäre? Wir Klügeren wissen ja, was sie meint: „Links, links, links, zwo, drei vier…” Und irgendwann ist Stillgestanden angesagt. Dann der nächste Befehl: „</span><em><span class="tm7">Diiiiiiiiiiie Augen – links!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Na also! Ganz locker bleiben, durchaus den Versuchungen nachgehen, einmal aus der Reihe zu tanzen, mal links, mal rechtsherum, mal Wiener Walzer, mal schön im Tangoschritt, mal Foxtrott bis zum sportlichen Rock‘ n‘ Roll. Dann endlich eine Pause mit einem erotischen Bauchtanz wohlproportionierter Damen aus dem Orient. Wäre das nicht Lebensfreude pur? Nein, belehren mich die neuen Oberlehrer*innen, das ist Sexismus pur, also neuerdings strafbar! Wie wir Älteren wissen, lauert der Verführer überall. Haben sie Erfolg, gehen sie bald zum Befehlen über, so wie einst die Führer in der jungen Sowjetunion und im Deutschen Reich; und selbst der tote KPD-Chef Ernst Thälmann war, auferstanden in einem DDR-Pflichtfilmepos, erst ein „Sohn“, dann im zweiten Teil des Filmes: ein „Führer“ seiner Klasse. Was manche noch heute dazu verführt, auf der „richtigen Seite” mit erhobener Faust stramm zu stehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer könnte nicht mit Milan Kundera hadern, weil jemand nicht weiß, ob er auf der richtigen Seite der Erde steht oder geht? „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” - sein weltberühmter Roman, darin es heißt: „</span><em><span class="tm7">Man kann nicht wissen, was man wollen soll, weil</span></em> <em><span class="tm7">man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Freilich, wer glaubt, über oder durch den Komiker Charlie Marx die Geschichtsgesetze erkannt zu haben und sich damit garantiert immer auf der richtigen Seite aufhält, hat auf dieser Welt das große Los gezogen. Wer solche Imperative auf der religiösen Schiene braucht, und sei es nur zur Ergänzung, der ist beim letzten Propheten Mohammed am besten an-, wenn nicht gar aufgehoben. Denn dieser Analphabet war nach Meinung des französischen romantischen Dichters Alphonse de Lamartine zusätzlich noch „</span><em><span class="tm7">Philosoph, Redner, Gesetzgeber, Kämpfer, Eroberer, Denker, Prophet, Gründer der Religion des Verstandes und einer Dienerschaft ohne Statuen oder Götzen. Dazu war er ein Führer von 20 irdischen Reichen und des seelischen Imperiums, welches keine Grenzen hat.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Tja, da können wir Deutschen nicht mithalten. Für solch einen Führer lohnt es sich vielleicht doch, seinen Arsch fünfmal täglich gen Himmel zu heben? Zumal er Gottes letzte Botschaft in die Welt brachte, die im Koran zusammengefasst worden sei. Und zwar als „</span><em><span class="tm7">schönste Poesie der Welt</span></em><span class="Endnotenzeichen">” überhaupt, indem zusätzlich jeder Vers ein Gesetz (!) anordnet. Dazu sind die Sätze nach Ihrer Länge angeordnet. Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, die Bibel der Marxisten, „Das Kapital”, ebenfalls nach der Länge der Sätze zu ordnen? Vielleicht würde dann der tiefe Unsinn erst richtig verständlich? Mohammed, der – wie später auch Stalin – ein Drittel der damaligen Welt eroberte, war, wie es heißt, „</span><em><span class="tm7">im Diesseits anwesend und gleichzeitig nicht da, denn sein Herz hing nur an Allah</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexi"><sup>xi</sup></a><a id="footnotexiback"></a>. Ob es noch heute dort hängt? Arabische Ölmonarchen pumpten bisher schon fast eine Milliarde € nach Europa, freilich nur an muslimische Organisationen.<a href="#footnotexii"><sup>xii</sup></a><a id="footnotexiiback"></a> Warum wohl? Und was macht Deutschland? Wir zahlen der kommunistischen Weltwirtschaftsmacht China jährlich über 600 Millionen „Entwicklungshilfe“, also Steuergelder. Irre? Das ist zu milde ausgedrückt.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ähnliche Verherrlichung wie Mohammed erfuhr im Westen ab dem 19. Jahrhundert lediglich nach seinem Tod Karl Marx, den im Westen Deutschlands nicht nur der bayerische Politikwissenschaftler Prof. Konrad Löw schon in alle Einzelteile zerlegt hatte, sondern später auch der ehemalige Marxismus-Professor an der Ost-Berliner Humboldt-Universität, Hermann von Berg, der nach gründlichen Recherchen Marx als Scharlatan unter dem Namen Karl Murks entlarvte. Zu seinen Lebzeiten nahm Marx, diesen Vielschreiber, niemand als Philosoph ernst, aber im freien Westen wird er heute umso euphorischer zum größten Denker, Analytiker und Zukunftspropheten aller Zeiten stilisiert. Hochdotierte Wissenschaftler basteln schon seit Jahren auf Kosten des deutschen Steuerzahlers an der Marx-Engels-Gesamtausgabe, die einmal mindestens 114 Bände umfassen soll.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein ehemaliger politischer DDR-Häftling schreibt in einer Häftlingszeitung<a href="#footnotexiii"><sup>xiii</sup></a><a id="footnotexiiiback"></a> empört: „</span><em><span class="tm7">Nun ist etwas passiert, was unglaublich zu sein scheint. Der SPD-Bundespräsident (Frank-Walter Steinmeier) hat die Schirmherrschaft über die Ehrungen für den Vater der Ideologie des Kommunismus, Karl Marx, 2018 in Trier übernommen! Ist das der Bundespräsident aller Deutschen? Hat er die Menschen vergessen, die zwischen 1945 und 1989 durch die Ideologie des Marxismus-Kommunismus in Deutschland ermordet wurden? Sollen die zum Teil 90jährigen Workuta-Häftlinge am Ende ihres Lebens feststellen, dass ihre Peiniger im Recht waren, als sie mit Marx-Zitaten auf den Lippen Todesurteile und 25-jährige Zwangsarbeit aussprachen? Wann hat der Bundespräsident je die Schirmherrschaft für die Millionen umgekommenen Menschen der Lager Buchenwald, Ketschendorf, Workuta übernommen?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der Philosoph Friedrich Nietzsche, ein Zeitgenosse von Marx &amp; Engels wies schon 1878 darauf hin, dass der Sozialismus</span><em><span class="tm7"> „der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei, „</span><em><span class="tm7">den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur jeder Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmäßiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Deshalb, so weiter bei Nietzsche, „</span><em><span class="tm7">bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort ‚Gerechtigkeit‘ wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Immerhin, so der Dialektiker Nietzsche, kann der Sozialismus auch dazu dienen, „</span><em><span class="tm7">die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflößen. Wenn seine raue Stimme in das Feldgeschrei ’so viel Staat wie möglich‘ einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit um so größerer Kraft hervor: ‚so wenig Staat wie möglich‘.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexiv"><sup>xiv</sup></a><a id="footnotexivback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wieso wird Nietzsche nicht als Prophet bezeichnet? Hat er nicht klar vorausgesehen, was Millionen Menschen später in sozialistischen Staaten erleben mussten und weiterhin dürfen? Stattdessen gibt es überall in Deutschland, natürlich vor allem auf dem ehemaligen Gebiet der DDR, noch immer Straßen und Plätze, die nach Karl Marx benannt sind, Denkmale stehen überall herum, Personenkultfilme laufen im Kino und im Fernsehen, als wäre nicht längst bewiesen, dass alle Machthaber, die sich auf ihn beriefen und seine obskuren Theorien in die Praxis umzusetzen versuchten, unwiderlegbar Massenmörder geworden waren, bevor sie mit ihren Regimen unter Lenins so witzigem wie unlogischem Motto „</span><em><span class="tm7">Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist</span></em><span class="Endnotenzeichen">” jämmerlich gescheitert sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder werden Menschen geboren, die das ganz anders sehen wollen. Das Gleiche lässt sich zum Islam sagen, dessen Praxis von Anfang an, also seitdem Mohammed seine Heimatstadt Mekka verlassen musste und erst anschließend erfolgreich wurde, fast immer nur einer Kriegswirtschaft glich. Türme von abgeschlagenen Köpfen zieren seinen Weg bis in die Gegenwart. 270 Millionen sollen bislang dem islamischen Heiligen Krieg zum Opfer gefallen sein, und die versklavten und vergewaltigten Terroropfer lassen sich kaum zählen. Auch hier könnte der Nato-verbündete Moslembruder Erdoğan mit gleicher Logik behaupten: „</span><em><span class="tm7">Der Islam ist wahr, weil er allmächtig ist.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Das Todbringende, das Böse, das Niederträchtige und Erniedrigende wird immer Bestandteil unseres menschlich-unmenschlichen Wesens sein. Jede Nation hat ihre Leichen im Keller, kein Volk ist auserwählt, nur Böses hervorzubringen – und umgekehrt. Wandlungen finden nicht nur im Menschen statt, auch Städte, Staaten und Landschaften wandeln sich, so dass neue Formen, Farben und Gestaltungen immer wieder neue Rätsel gebären. Francis Bondy berichtete über eine Begegnung mit dem ebenfalls vom Kommunismus abgefallenen italienischen Schriftsteller Ignazio Silone, bei der er sagte: „</span><em><span class="tm7">Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus‘.”</span></em><span class="Endnotenzeichen"> Heute ist ersichtlich, wie Recht er hatte, da jene, die den Antifaschismus instrumentalisierten, selbst zu brutalen Jakobinern geworden sind - unterstützt dabei von vielen Etablierten. Robespierres sture politische Linie, sein damaliges Eintreten für den Terror im Namen der Tugend, führte nicht nur die Revolution in ihre blutigste Phase, sondern auch zur eigenen Hinrichtung.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ulrich Schacht sah durch als er konstatierte: „</span><em><span class="tm7">Aber diese Sturmtrupps der ‚totalitären Demokratie‘ (Jakob L. Talmon) sind mitnichten das Hauptproblem unserer Tage. Das Hauptproblem sind ihre intellektuellen Wasserträger in Parteien, Massenmedien, Universitäten und kulturellen Institutionen, die mit dürren Worten Rechtsstaatsnormen verteidigen, aber mit ungleich mehr Vokabeln die so terrorisierten Kritiker der im blockparteilichen Gleichschaltungswahn dahin taumelnden deutschen Merkel-Gesellschaft ins moralische Unrecht zu versetzen suchen, gegen das (fast) alles erlaubt ist. Sie hassen dabei im Kern den Nationalstaat, die Heimat, das Christentum, vor allem aber das Volk, das all diese Identitätstopei nicht hasst, sondern verteidigt – warum? Weil sie das Eigene, also sich selbst hassen und aus diesem Selbsthass, in einem Akt nachgeholten Jakobinertums, die universalistische Generaltugend des 21. Jahrhunderts gemacht haben.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Genauso verlogen ist die französische Parole „</span><em><span class="tm7">Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Für Goethe stand schon damals fest: „</span><em><span class="tm7">Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Charlatans.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexv"><sup>xv</sup></a><a id="footnotexvback"></a> Christen müssten sich eigentlich affrontiert fühlen, wie ihre Trinität „</span><em><span class="tm7">Glaube, Hoffnung, Liebe</span></em><span class="Endnotenzeichen">” verdrängt worden ist durch utopische Ungereimtheiten und infantile Argumentationen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Was wird sich durchsetzen, ersetzen, absetzen? Die Utopie des chinesischen Kommunismus? Die totalitäre Welteroberungsideologie im Namen Allahs? Der allen alles versprechende Atheismus? Der intelligente Roboter, der uns endlich sagen kann, was „die richtige Seite” ist? Jeder Wissenschaftler hat die Pflicht, seine Thesen oder Hypothesen durch Versuchsreihen zu überprüfen und nachzuweisen. Aber derselbe Wissenschaftler als Mensch kann nur eins in seinem Leben beweisen – ja, was eigentlich? Dass er gelebt und etwas Neues entdeckt hat! Alles, was wir an Erfindungen und Entdeckungen hinterlassen, lässt sich nutzen und ausnutzen, sowohl im humanen als auch gegenteiligen Sinn. Ein Brotmesser lässt sich halt immer auch als Mordwaffe einsetzen, wie es seit kurzer Zeit im Durchschnitt 50-mal täglich geschieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wäre es da nicht bescheidener, anständiger, gleich an eine höhere Macht zu glauben, die wir eben nicht erfassen und verstehen, aber manchmal wenigstens erfahren können? Nur der Allwissende kann wissen, was richtig und falsch ist; nur er kann uns richten oder aufrichten. Und selbst wenn wir uns nach Gott richten wollen – nach welchen? Wenn der Gott der Juden, der Christen und Mohammedaner der Gleiche wäre, wäre schon alles viel einfacher. Und Toleranz gegenüber der Intoleranz ist auch keine Lösung. Im Gegenteil! Um wie viel einfacher und damit freier wäre es in einer modernen Zivilisation, wenn es nur die Zehn Gebote gäbe, die Moses als 1. Prophet dem Menschen offenbarte. Alle Vielfalt, die sich auf Erden entwickelt hat, soll bleiben, aber dort, wo sie ihre Wurzeln hat. Ausbreitung wird es immer geben, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler und jener, die alle Grenzen abschaffen wollen, weil sie ihre Nation hassen oder sich wie Konzernprofiteure zum Globalisten berufen fühlen. Wesentliches steckt oft im Detail. „</span><em><span class="tm7">Das Vaterunser hat 56 Wörter, die Zehn Gebote haben 297 und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300. Aber eine Verordnung der EWG-Kommission über den Import von Karamellen und Karamelprodukten zieht sich über 26 911 Wörter hin.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexvi"><sup>xvi</sup></a><a id="footnotexviback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Mit diesem Vorhalt wurde schon damals die überbordende Bürokratie auf europäischer Ebene angeprangert.<a href="#footnotexvii"><sup>xvii</sup></a><a id="footnotexviiback"></a> So kann auch die freieste Verfassung der Welt das Leben in einer solch angeblich „offenen Gesellschaft” zur Bürokratendiktatur im Alltag herunterkommen lassen. Wo Bürokratie die „soziale Marktwirtschaft“ und damit die Kreativität unterdrückt, bahnt sich zugleich sozialistische Planwirtschaft an, die immer in der Armut und im Elend für die Massen endet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ein mit Regeln, Ordnungen, Gesetzen und vor allem ideologischen Sprachregelungen vollgestopfter Alltag, der zusätzlich noch von Staus auf Autobahnen, endlosen Baustellen, übervollen S- und U-Bahnen erschwert oder mit verlockenden Supersonderangeboten und sonsterlei Reklame zugemüllt wird, kann mitunter anstrengender sein als das Dasein in einer Diktatur. Diktatoren lassen sich leichter betrügen, weil unter ihnen eigentlich fast jeder weiß, was sie wollen. Da finden zumindest die Schlauen und Heuchler leichter ihre Freiräume. Doch in einer westlichen Demokratur ist alles mittlerweile so verlogen und überzogen, so eckigrund und kunterbunt, so einerlei wie entscheidungsfrei, so kriminell und universell, so verpuppt wie korrupt, so abwägend wie aufregend, so unermesslich vergesslich, dass einem oft die Luft ausgehen will und was viele unter Bluthochdruck leiden lässt. Im Vordergrund noch immer die rote Verheißung, im Hintergrund die große Verscheißerung. Alles in allem trotzdem ein abwechslungsreiches Leben, das viele Sensible ständig als Gefährdung erleben, trotz der vielen fröhlichen Gefährten.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Warum muss ich mir, fragen sich viele, die mich und meine traumatisierende Leidens- und Lebensgeschichte in der DDR-Diktatur kennen, von linken Wohlstandskindern, von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern oder Profiteuren eines Unrechtsregimes, die noch nie für ihre Überzeugung geradestehen, also Verantwortung übernehmen mussten oder für ihre Schuld gegenüber anderen Menschen zu büßen hatten, so vieles gefallen lassen? Wie sollen wir vom SED-Regime Gedemütigten einen Kanzler Scholz anerkennen, der in den 80er Jahren neunmal die SED-Bonzen besuchte und sich für deren Politik einspannen ließ? Selbst die Gemäßigten innerhalb der SPD waren bereit, die DDR anzuerkennen und damit die endgültige Spaltung Deutschlands zu besiegeln.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nicht wenige fühlen sich meinen Freunden und mir gegenüber moralisch haushoch überlegen, und nur, weil wir keine Linken mehr sein können und wollen. Und was sind wird dann in deren Augen? Rechtspopulisten, Reaktionäre, Verschwörungstheoretiker, auf alle Fälle schlechte Menschen, wenn nicht gar Naaaaaaziiiis. Und dann sind sie zumeist schon am Ende ihres dümmlichen Lateins.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„Könnte es sogar sein”, lässt sich hier berechtigt mit Jürgen Fritz fragen, „dass wir es hier in Wahrheit mit einer Form der moralischen Minderwertigkeit und tief internalisierten Mustern zu tun haben, die um einer in der Zukunft antizipierten in höchstem Maße fragwürdigen Gerechtigkeit willen im hier und jetzt unzählige Ungerechtigkeiten begehen, so dass letztlich die Ungerechtigkeit selbst mehr und mehr zu ihrem inneren Wesen wird?”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Meine Vorbilder sind jedenfalls – moralisch wie politisch – die Widerstandskämpfer der Weißen Rose, die keine Linken waren, geschweige denn Kommunisten, sondern bürgerlich-konservative Christen. Aus ihren ethischen Prinzipien heraus haben sie sich über die NS-Gesetze hinweggesetzt und das totalitäre System bekämpft. Ausgerechnet Heinz Kucharski, der zwar in Hamburg die Flugblätter der Weißen Rose mit verteilte, die seine Klassenkameradin Traute Lafrenz von München nach Hamburg gebracht hatte, verriet der Gestapo nach seiner Verhaftung über 30 Widerständige und Unschuldige, von denen acht nicht überlebten. Seiner eigenen Hinrichtung konnte er durch Flucht entkommen. Er ging anschließend, da er in Hamburg nicht entnazifiziert wurde, in die Ostzone, wo er bald ein fleißiger Stasi-Mitarbeiter wurde und mich, der ich ihn für einen väterlichen Freund hielt, mit zu meinen Gefängnisaufenthalten verhalf.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der mehrfach preisgekrönte Lügner und Fälscher Claas Relotius besuchte für den SPIEGEL auch Kucharskis Klassenkameradin Traute Lafrenz in den USA, die letzte Überlebende der Weißen Rose Hamburg. Und selbst dieser mittlerweile 103-jährigen höchst ehrwürdigen Frau legte dieser linke Volkserzieher Worte in den Mund, die sie nachweislich nie gesagt hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Traute Lafrenz erfuhr ich, dass Heinz Kucharski schon als Schüler der Lichtwark Reformschule sehr links war, Marx, Engels, Lenin und Stalin las und damit gar nicht zur Weißen Rose passte. Vor allem, weil er plante, Gewalt anzuwenden, obwohl er von Natur aus ein schulbekannter Feigling war.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Linke sind für mich Menschen, die kaum an einen realen Gott glauben, sondern vor allem mit Marx an sich selbst, maßlos überzeugt von ihrer Mission, die letztlich einer infantilen Ideologie verhaftet ist. Und dafür dürfen sie sich selbstverständlich über das bestehende Recht hinwegsetzen, wenn damit nur jeder Gegner zum Feind abgestempelt werden kann. Die Opferung der Gleichbehandlung dient ausschließlich jenem utopischen Ziel, das die Herstellung der Gleichheit in der Zukunft fördert. Die einfachste Form, Ungleichheit abzubauen, bedeutet nach der Logik der Antifa-Faschisten, die Erfolg-Reichen mit Gewalt zu enteignen oder diese angeblichen Unterdrücker einfach irgendwie totzukriegen. Doch da Milliardäre wie Soros oder Gates nicht blöd sind, unterstützen sie oft Projekte der Linken oder finanzieren gar deren Parteitage.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke und Grüne sind nicht böse, nein, sie wollen doch für alle Menschen dieser Erde nur das Gute. Das wollte der gebildete Massenmörder Leo Trotzki ebenfalls, denn im kommunistischen Paradies auf Erden wird, so prophezeite er, der Mensch „</span><em><span class="tm7">unvergleichlich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewegungen werden rhythmischer und seine Stimme wird musikalischer werden. Die Formen des Alltagslebens werden dynamische Theatralität annehmen. Der durchschnittliche Menschentyp wird sich bis zum Niveau des Aristoteles, Goethe und Marx erheben. Und über dieser Gebirgskette werden neue Gipfel aufragen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es werden wohl menschengemachte Roboter sein, die bald diese Bedingungen erfüllen können, nicht wahr? Der Genderismus will ebenfalls einen neuen Menschen formen, der keine Eltern mehr hat, sondern nur noch Elter 1 und Elter 2, die ihm staatlicherseits beliebig zugeordnet werden können. Eine der Vorreiter*innen des Genderismus war Sartres Partnerin Simone de Beauvoir. Sie schrieb schon 1949: „</span><em><span class="tm7">Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Damit wird das Mannsein und Frausein zu einem Irrtum erklärt, die durch gesellschaftliche und kulturelle Überformung entstanden sei. Verbunden damit ist die Forderung nach der Neuen Power-Frau und dem Neuen Softie-Mann. Als Konsequenz muss der Frau die Mutterschaft und dem Mann die Vaterschaft abgesprochen werden. Eltern werden so zu willkürlich zuordbaren „Bezugspersonen” für die Kinder.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einige Zitate von Simone de Beauvoir beweisen ihre Nähe zur kommunistischen Ideologie: „</span><em><span class="tm7">Eine Welt, in der Mann und Frau gleich sind, kann man sich leicht vorstellen. Denn es ist genau die Welt, welche die sowjetische Revolution versprochen hatte: Die Frauen würden genau wie die Männer erzogen und geformt, sie arbeiteten unter den gleichen Bedingungen und um den gleichen Lohn. […] Die sexuelle Freiheit würde von den Sitten gestattet. […] Die Frau würde genötigt sein, sich einen anderen Lebensunterhalt zu sichern. Die Ehe würde auf einer freien Vereinbarung beruhen, welche die Gatten aufkündigen könnten, sobald sie wollten. Die Mutterschaft wäre frei, d. h. man würde die Geburten-Beschränkung und die Abtreibung gestatten und dafür allen Müttern und ihren Kindern genau dieselben Rechte geben, ob sie verheiratet sind oder nicht. Schwangerschaftsurlaub würde von der Kollektivität bezahlt werden, welche die Betreuung der Kinder übernähme.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder: „</span><em><span class="tm7">Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Seitdem werden vom Frauenministerium zahlreiche Umerziehungsprogramme ersonnen, um Kinder in Krippen und Kindertagesstätten zu neuen, sexuell aufgeklärten Gendermenschen zu erziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Jemandem, der in einer realsozialistischen Diktatur aufwuchs, ist es kaum nachvollziehbar, dass es immer wieder unbelehrbare Menschen des gleichen Kulturkreises gibt, die noch an die Parolen von der Abschaffung der Ungleichheit, von der Gleichstellung und der Gleichheit glauben können. Gibt es denn immer noch zu wenige Filme, Zeitzeugenberichte und wissenschaftlichen Abhandlungen, die beweisen, dass solche Versuche der politischen Umsetzung für die Masse der Menschen immer in einer totalitären Diktatur endeten? Oder streben sie in einer solchen Diktatur einen Platz an der Sonne an als Erzieher in Gefängnissen, als überdurchschnittlich bezahlte Geheimdienstmitarbeiter, als Parteisekretäre oder Politbüromitglieder?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Der typisch linke Gleichheitstraum aus Gerechtigkeitsgründen würde sich nicht einmal mit geklonten Menschen erreichen lassen. „</span><em><span class="tm7">Ihr Genmaterial würde</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Andreas Unterberger, „</span><em><span class="tm7">zwar ununterscheidbar. Jedoch: Der Mensch ist nicht nur durch seine Erbmasse geprägt, sondern in einem hohen Ausmaß auch durch seine Umwelt, durch die unendlich vielen zwischenmenschlichen Begegnungen im Lauf des Lebens, durch absolut unplanbare Glücks- wie auch Unglücksfälle.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nirgendwo in der Welt hat eine sozialistische Planwirtschaft mit einer am Markt orientierten Wirtschaft mithalten können, wenn sie nicht durch korrupte und mafiöse Strukturen zerstört wird. Ebenso sind alle unter der Gleichheits-Ideologie ausgeführten Experimente, nämlich Neugeborene den Müttern sofort abzunehmen, um sie völlig gleich vom Babyalter an staatlich erziehen zu können, dramatisch gescheitert. Dennoch wird in der Bundesrepublik Deutschland der Trend gefördert, alle Kinder als gleich zu behandeln und in eine Klasse zu stecken, seien es behinderte Kinder, lernfaule oder hochbegabte. Was kann dabei schon herauskommen? Unteres Mittelmaß! Die unterforderten Hochbegabten könnten dadurch sogar auf kriminelle Bahnen gelangen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Die Betonung der Individualität, also der Ungleichheit unter den Menschen bedeutet jedoch nicht, das Prinzip der gleichen Würde aller Menschen, ihrem Anspruch auf Chancengleichheit und ihre Gleichwertigkeit nicht anerkennen zu wollen, im Gegenteil. Doch die Grünlinken wollten in Hessen Zensuren prinzipiell abschaffen. Wer Chancengleichheit so missverstehen möchte, reduziert folglich alle Leistungsanforderungen. Das ist schon auf vielen Gymnasien zu beobachten, wo unfähige Schüler aufgenommen werden und das Gesamtniveau dermaßen senken, dass anschließend an den Hochschulen immer mehr frustrierte Studienabbrecher dem kapitalistischen System die Schuld in die Schuhe schieben wollen. Aus dieser Ressource sprießen nicht wenige der gestandenen Grünlinken. Solche Typen sind auch zu echten Streitgesprächen nicht mehr fähig.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Zu primitiv gedacht? Was ließe sich dann erst dem angeblich großen französischen Freiheitsdenker und Revolutionsträumer Jean-Paul Sartre vorwerfen, der 1961 dialektisch von sich gab: „</span><em><span class="tm7">Denn in der ersten Zeit des Aufstands muss getötet werden: Einen Europäer erschlagen heißt zwei Fliegen auf einmal treffen, nämlich gleichzeitig einen Unterdrücker und einen Unterdrückten aus der Welt schaffen. Was übrigbleibt, ist ein toter Mensch und ein freier Mensch.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Dieser Zynismus, wie ihn nur seine Gegner verstehen können, ist nicht untypisch für linke Intellektuelle. Hauptsache der Zweck heiligt die Mittel, dann kann der einzelne Mensch zum Objekt degradiert und seiner Würde beraubt werden. Das lässt sich alles in seiner brutalen Wirklichkeit schon in der Französischen Revolution, bei Marx, Lenin, Stalin, Mao oder Kim Jong-Un studieren, aber auch bei den europäischen Neuen Linken, zu denen die an die Macht gekommenen Grünen gehören, Mitglieder jener Melonenpartei, die außen grün, innen rot, im Kernbereich sogar braun ist. Die dümmliche Arroganz dieser Halbgebildeten kostet die Gesellschaft ein Vermögen, das diese Wohlstandsverwöhnten selten in die Lage versetzt, es selbst nur ansatzweise erwirtschaften zu können.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Psychologisch gesehen brauchen Linke immer einen Feind, den sie bekämpfen möchten, aber leider nie ihren inneren Schweinehund. Wer so denkt und fühlt, hat natürlich kein echtes Demokratieverständnis. Er sieht im Gegner keinen Konkurrenten, der zu Höchstleistungen antreiben oder zu neuen Erkenntnissen verführen könnte, nein, der Andersdenkende wird schon als Feind behandelt, denn der von sich selbst berauschte Linke braucht den „bösen Rechten“, um sich über ihn stellen zu können, damit er sein krankes Selbstwertgefühl nicht zu arg spüren muss. Genauso geht es den Rechtsextremisten, eben nur im umgekehrten Sinne. Doch es sollte klar sein, dass jene, die als Rechtsextreme, als Nazis verschrien sind, eigentlich Linke sind, denn es ist unbestreitbar, dass die Nationalsozialisten vieles wollten, was Sozialisten ebenfalls anstrebten. Es waren bekanntermaßen rd. 60.000 der 300.000 KPD-Genossen, die sich nach 1933 der NSDAP anschlossen, darunter auch hohe Funktionäre. Nationalsozialisten waren selten Marxisten, davon es aber einige unter den Sozialdemokraten gab. Otto Grotewohl war solch ein marxistischer Sozi, der gern mit den Kommunisten in der Sowjetzone ein Bündnis einging, Mitbegründer der SED wurde und sogar erster Ministerpräsident der DDR.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Kurt Schumacher hingegen, die Führungsfigur der Sozialdemokratie in den westlichen Besatzungszonen, war ein knallharter Gegner der Nationalsozialisten, die ihm neun Jahre in verschiedenen KZs eingesperrt hielten, doch ebenso der Kommunisten, die er als Häftling bis zum Erbrechen kennenlernte und die er mehrmals als rotlackierte Nazis bezeichnet hatte. Tausende Sozialdemokraten, die in der Ostzone als Schumacher-Sympathisanten galten, wurden nach dem Krieg in 11 sowjetischen Speziallagern gequält. Von insgesamt 123.000 Internierten kamen ca. 43.000 um, darunter auch viele Jugendliche. Das scheint leider vergessen zu sein, denn ein Demokrat, der sein Volk, seine Kultur, seine Heimat, seine Nation und sich selbst lieben kann, steht heute in der Gefahr, in diesem gegenwärtigen Irrenhaus, dass sich mit Inbrunst einer undemokratischen und größenwahnsinnigen Banker-Weltherrschaftselite verschrieben hat, mit den „</span><em><span class="tm7">schon länger hier Lebenden</span></em><span class="Endnotenzeichen">” (Merkels Redewendung) unterzugehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch was nützt alle Freiheit, aller Wohlstand, wenn jemand den Glauben verliert, den er nie besaß? Dann verflüchtigt sich auch jede Hoffnung. Und vor allem das Wichtigste davon: die Liebe. Diese Lieblosigkeit gegenüber dem eigenen Volk, den Vorfahren und Traditionen drückt sich am deutlichsten bei den Grünen, den SED-Anhängern und den Jungsozialisten aus. Letztere sind ebenfalls immer mit ihrem Irrsinn zur Stelle, wenn der Gleichheits-Kindergarten der Grünen gerade mal pausiert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ob „Unisex-Umkleiden“ oder „</span><em><span class="tm7">Abtreibung für alle und solange man will</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ – die Jusos lassen nichts aus. Es soll nicht vergessen werden, dass gerade der SPD-Nachwuchs aus Hannover einst eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ ins Leben rief. Solches lässt sich nur noch von der „Antifa“ überbieten: „</span><em><span class="tm7">Anlässlich mehrerer staatlich begangener Jubiläen zu 20 Jahren Mauerfall, 60 Jahren Grundgesetz und 20 Jahren deutscher Wiedervereinigung – initiierte das Bündnis im Jahr 2009 eine antinationale Kampagne unter dem Motto: „Staat.Nation.Kapital.Scheiße!</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexviii"><sup>xviii</sup></a><a id="footnotexviiiback"></a> </span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Solchem Fortschritt auf dem Fuße folgend erkennen diese realitätsverweigernden Weltverbesserer „</span><em><span class="tm7">eine weitgehende Toleranz gegenüber modernen Formen des Nationalismus und Patriotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, der ihrem Empfinden nach aus allen Löchern kriecht. Eine besonders schlimme Form dieses verhassten Nationalismus ist für die Internationalsozialisten der „Party-Patriotismus“. Und den empfinden sie besonders krass bei Fußballspielen. Jedoch auch das „Wir-Gefühl“, das durch ihre Brille gesehen den virulent um sich greifenden Nationalismus stärkt, entlockt ihnen eine wütende Fratze. Deshalb haben die Jusos eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ gestartet, und diese präsentieren sie ihrem Niveau entsprechend auf ihren Kaffeebechern: „</span><em><span class="tm7">Mein Vaterland interessiert mich nicht die Bohne.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Eigentlich lässt sich das sogar noch unter Humor abbuchen, denn viel schlimmer sind jene Journalisten, die es so trieben wie der bestbezahlte SPIEGEL-Journalist Claas Relotius, der leider kein Einzelfall ist, sondern es nur etwas übertrieb, was jedoch dazu führte, dass er mit Preisauszeichnungen geradezu überhäuft wurde. Und solche Kriminelle regen sich gar über ihre Vorfahren auf, die Hitler nicht verhindert haben? Eins steht jetzt schon fest: Unsere Nachfahren werden sich über uns, die wir so lange das verlogene und irrationale System Merkel und Scholz ertragen haben, einmal genauso naserümpfend ekeln wie sich die Linken heute zumeist über ihre Großeltern empören. Ja, sie wollen die Welt retten, das Klima, die Vielfalt aller Rassen und Viren, die Gerechtigkeit unter allen Menschen und Tieren… Und überhaupt! Was könnte ich dem entgegensetzen? Bequemerweise drücke ich es mit Michael Dienstbier so aus: „</span><em><span class="tm7">Rechte oder konservative Identitätspolitik – wenn man sie denn so bezeichnen möchte – geht vielmehr von organisch gewachsenen Gemeinschaften aus, die immer durch Einflüsse von außen verändert werden, dies aber in einem vertretbaren Tempo</span></em> <em><span class="tm7">unter steter Wertschätzung der eigenen historischen, kulturellen und mythischen Ursprünge.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer vor ungefähr 40 oder 50 Jahren aus einer Sowjet-Kolonie in den Westen kam, glaubte sich ins kommunistische Paradies versetzt. Nicht nur der Überfluss an Konsumartikeln samt freundlicher Bedienung ließ staunen, sondern auch die Pünktlichkeit der Züge, die sauberen Städte und Landschaften, die übervollen Buchhandlungen und Zeitungskioske, die Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten, Vereinen, Meinungen und Farben. Wer hätte schon die kostenfreie ärztliche Versorgung erwartet? Brille, Zahnbehandlung – alles kostenlos. Zu keinem Medikament musste zugezahlt werden. Es gab einen großen Mittelstand, obwohl noch wenige Frauen dazu verdienten. Viele Familien hatten zwei Autos und fuhren zweimal im Jahr in Urlaub. In Kreuzberger Schulen gab es alles frei, sowohl Lehrbücher samt den Schreib- und Malutensilien als auch die besten Zensuren. Fast alle Rentner konnten sich Weltreisen leisten. Bettler sah ich damals nur im Ausland.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch RAF<a href="#footnotexix"><sup>xix</sup></a><a id="footnotexixback"></a> -Spuren waren ebenso wenig zu übersehen wie Mao- oder Stalin-Poster in Universitäten. Geisteswissenschaftler und verbildete BAföG-Bezieher wähnten sich in einem faschistoiden System. Sie hassten ihre Eltern, die Hitler gar gewählt hatten, was sie jedoch nicht hinderte, Deutschlands zweite rotfaschistische Diktatur in Mitteldeutschland für fortschrittlich zu halten, auch wenn dort während der Entspannungspolitik Kindersoldaten im schulpflichtigen Wehrkundeunterricht herangebildet wurden. Die heruntergekommenen Städte, verdreckten Flüsse und Seen lobten solche Besucher durch ihre rot-grünen Brillen als „naturbelassen“. 250.000 politische Gefangene in Zuchthäusern zu DDR-Zeiten erweckten in diesen Kreisen weder Mitleid noch Solidarität, denn dies blieb für eingesperrte Terror-Kommunisten wie Angela Davis oder Luis Corvalán reserviert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Die 68er, denen der lange Marsch durch die Institutionen bis nach ganz oben gelang, durften immer effizienter ihr Zersetzungswerk fortsetzen. Die Qualität deutscher Schulen und Universitäten konnte nun rasch auf den Hund kommen, ebenso Familienbindungen und evangelische Kirchgemeinden. Die Wiedervereinigung lehnten sie damals durchweg ab, was sie nun ermächtigt, die ganze Nation zu ruinieren. Polen sollte ihrer Meinung nach, bitte schön, an Frankreich grenzen. Der Globalisierungs-, Gender- und Coronawahn kamen nun als Methode daher.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Was die 68er damals ideologisch legitimierten, hat sich gesellschaftlich vollzogen, aber nicht als Utopie, sondern als Verwahrlosung.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Dieser Satz der Schriftstellerin Sophie Dannenberg, die selbst in einer linken Familie aufwuchs, kann zwar nicht trösten, aber den nötigen Zorn aufkommen lassen. Denn der ist noch nötiger geworden, seitdem Europa nun mit einer neuen totalitären Eroberungsideologie unter dem Kopftuch einer Religion überflutet wird. Das meiste davon müsste emanzipierte Revolutionärsfrauen oder fortschrittlich-schwule Ehe-für-alle-Vertreter eigentlich auf die Barrikade treiben, aber nein doch! Diese für sie unbedeutenden Unterschiede zu unserer Kultur, Nation und Zivilisation macht doch unsere Welt erst richtig bunt. Totalitäre Veranlagungen und der Hass auf den Westen stehen sich also näher als jede Vernunft. Damit ist der von Oswald Spengler vorausgesagte und von „Mutti“ Merkel grandios vorangetriebene Untergang des Abendlandes besiegelt. Es sei denn, es gelingt den zunehmenden Protestantenströmen, konservativ-modernen Christen und der neuen Volks- und Oppositionspartei AfD eine echte Reformation im Stile Luthers.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Als erstes müssten sich alle Richter, Offiziere und Beamten klar werden, dass sie als Staatsdiener keiner Partei angehören dürfen. Und wer den Eid leistet, dem deutschen Volke dienen zu wollen, der hat absolut keiner Nebentätigkeit nachzugehen. Berufslose und berufsunerfahrene Berufspolitiker haben im Bundestag nichts zu suchen, denn wer möchte sich gern von solchen Dumpfbacken wie… (Na, da fallen wohl jedem genügend Beispiele ein) regieren lassen?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Da ließen sich leider zu viele Versager aufzählen, die uns mit großem Pomp und hundertprozentiger Zustimmung der Parteien aufgetischt wurden. Wir brauchen sicher noch weitere 93 Thesen, wenn wir die Demokratie im Lande sinnvoll umgestalten und ein mütterliches Europa der Vaterländer hervorbringen wollen. Mit dem Sturz der jetzt verantwortungslos Herrschenden ist noch nichts erreicht, wenn keine Lehren aus dem voranschreitenden Chaos und der zu einem möglichen Bürgerkrieg führenden Spaltung unserer Nation und Europas gezogen werden. Viele Gesetze müssen überarbeitet, die überwuchernde Bürokratie muss gestutzt werden. Wer Schäden, angeblich „alternativlos“, in Milliardenhöhe anrichtet, müsste dafür in einem funktionierenden Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen werden. Wieso genießen die Diener des Volkes Sonderrechte und verdienen fünfmal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es sollte eine große Diskussion angestoßen werden, um in letzter Not noch die Demokratie, also die Volksherrschaft vor einer zumeist arroganten, abgehobenen, überbezahlten Schicht, die sich gar als Elite versteht, zu retten. Ob es noch gelingen kann? Die westliche Welt befindet sich im freien Fall. Alles, was uns bisher zusammenhielt, löste sich schon unter Merkels Regie auf. Während Massenmedien die neue Vielfalt feiern, werden gewachsene Strukturen wie Familie, Glaube und Nation zielgerichtet unterwandert und zerstört. Wer nach der „Bibel in gerechter Sprache“ noch Fragen zum Geisteszustand der selbsternannten Volkserzieher hatte, bekommt sie in der Broschüre „Für eine geschlechtergerechte Sprache“ der Stadt Hannover endgültig beantwortet. Es handelt sich um nicht weniger als um einen sprachlichen Atombombenabwurf auf das Denken. Hier wird die Totalverblödung des vormaligen Volkes der Dichter und Denker aggressiv vorangetrieben. Und wer treibt eine solche politisch-korrekte Barbarei wieder voran? Da brauche ich nicht lange zu fragen. Grün und Rot vermischt ergibt eine Farbe, die wir glaubten, hinter uns gelassen zu haben.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nun brauchte ich neben vielen Jahren der Reifung nur 20 Seiten, um begründen zu können, warum ich heute als Gegner der Linken ein Rechter bin – und das mit vollem Recht!</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<hr>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotei"></a><a href="#footnoteiback"><sup>i</sup></a> &nbsp;Es betraf neben mir noch Angelika Barbe, Werner Molik und Arnold Vaatz, SPIEGEL 2/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteii"></a><a href="#footnoteiiback"><sup>ii</sup></a> &nbsp;30. Mai 2018, S. 3</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiii"></a><a href="#footnoteiiiback"><sup>iii</sup></a> &nbsp;Kohelet 10,2</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiv"></a><a href="#footnoteivback"><sup>iv</sup></a> &nbsp;„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ – so heißt es in der Lutherbibel bei Matthäus 22,21.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotev"></a><a href="#footnotevback"><sup>v</sup></a> &nbsp;von lateinisch ex → für „aus“ oder „heraus“</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevi"></a><a href="#footnoteviback"><sup>vi</sup></a> &nbsp;aus „Sein und Zeit“, S. 51</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevii"></a><a href="#footnoteviiback"><sup>vii</sup></a> &nbsp;Band 6, S. 505</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteviii"></a><a href="#footnoteviiiback"><sup>viii</sup></a> &nbsp;in „Die selbstbewusste Nation“, Berlin 1994, S. 164f</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteix"></a><a href="#footnoteixback"><sup>ix</sup></a> &nbsp;1/2013</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotex"></a><a href="#footnotexback"><sup>x</sup></a> &nbsp;Galater 5,1</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexi"></a><a href="#footnotexiback"><sup>xi</sup></a> &nbsp;aus: “Muhammed, der Gesandte Allahs, Friede sei auf ihm” von Abdul Rahman Al-Shea</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexii"></a><a href="#footnotexiiback"><sup>xii</sup></a> &nbsp;Nach Recherchen des Middle East Forum (USA)</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiii"></a><a href="#footnotexiiiback"><sup>xiii</sup></a> &nbsp;„der stacheldraht”, 1/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiv"></a><a href="#footnotexivback"><sup>xiv</sup></a> &nbsp;aus: Menschliches, Allzumenschliches, 1878</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexv"></a><a href="#footnotexvback"><sup>xv</sup></a> &nbsp;Maximen und Reflexionen, über Literatur und Leben</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvi"></a><a href="#footnotexviback"><sup>xvi</sup></a> &nbsp;Zitat von Alwin Münchmeyer im SPIEGEL 29/1974</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvii"></a><a href="#footnotexviiback"><sup>xvii</sup></a> &nbsp;Diese Verordnung war tatsächlich einmal in Vorbereitung, ist aber Dank der Kritik nicht realisiert worden.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexviii"></a><a href="#footnotexviiiback"><sup>xviii</sup></a> &nbsp;Wikipedia: Ums Ganze / Kampagnen und Proteste</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexix"></a><a href="#footnotexixback"><sup>xix</sup></a> &nbsp;Rote Armee Fraktion – eine linksextremistische Terrororganisation, 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet.</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Was heißt uns Roger Scruton lesen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Oct 2019 12:13:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Edmund Burke]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Konservativismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Roger Scruton]]></category>
		<category><![CDATA[Von der Idee Konservativ zu sein]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Anmerkungen zu: „Von der Idee, konservativ zu sein“ Nach Bad Langensalza kamen wir eher zufällig. Die thüringische Kurstadt liegt am Rande des Nationalparks Hainich, einem UNESCO-Weltnaturerbe, in dem wir wandern und die Herbstfarben genießen wollten. Die Stadt hatte sich schön... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2019/10/was-heisst-uns-roger-scruton-lesen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2019/10/was-heisst-uns-roger-scruton-lesen/">Was heißt uns Roger Scruton lesen?</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm8"><span class="tm10">Anmerkungen zu: „<a href="https://www.m-vg.de/finanzbuchverlag/shop/article/17239-von-der-idee-konservativ-zu-sein/">Von der Idee, konservativ zu sein</a>“</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">Nach Bad Langensalza kamen wir eher zufällig. Die thüringische Kurstadt liegt am Rande des Nationalparks Hainich, einem UNESCO-Weltnaturerbe, in dem wir wandern und die Herbstfarben genießen wollten. Die Stadt hatte sich schön gemacht, eigens für sich und die Gäste herausgeputzt, die Falten geglättet und viel Farbe aufgelegt. Sie empfing uns ordentlich aufgeräumt, zum Verweilen einladend. Herumlungerndes Gesindel war nicht zu sehen, kein unangenehmer Geruch störte den ersten Eindruck und nur ganz wenige Gebäude zeigten Anzeichen des Verfalls. Wahrscheinlich war dort die Eigentumsfrage noch ungeklärt. All die anderen Häuser hatten auf Ihrer öffentlichen Seite zu Straße oder Plätzen hin ihre Individualität hervorgehoben, jedes sah in Farbe, Form und Fassadenschmuck anders aus als die Nachbarhäuser und dennoch war ein harmonischer, anheimelnder Gesamteindruck entstanden. „Acting in concert“, jene bekannte Wendung von Edmund Burke, trifft es wohl am besten, denn auch im Konzert hat jedes Instrument seine eigene unverwechselbare Stimme, die ihren Teil zum Gesamteindruck beiträgt. Zudem hatte sich der Kurort mit mehreren angelegten Parks und Gärten dem Wettbewerb gestellt und sich einen Namen als blühendste Stadt Europas gemacht. Es war eine Art von geschenktem Glück, selbstvergessen in die Wahrnehmung all der Schönheiten einzutauchen. ‚Interesseloses Wohlgefallen‘ hatte Kant das genannt.</span><span id="more-985"></span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">Wer sich noch an den Anblick verwesender Verwahrlosung erinnert, den das ‚Paradies der Werktätigen‘ vor der unterbrochenen Revolution von 1989 bot, kann sich unser Erstaunen vorstellen. Neugierig geworden fragten wir den ein oder anderen Ladeninhaber, woher denn dieser aus dem üblichen Mittelmaß herausragende Eindruck käme. Sie berichteten von Ihrem Bürgermeister, der dreimal hintereinander gewählt worden war und viel für die Stadt und seine Bewohner getan hatte. Seine Parteizugehörigkeit war nebensächlich, es war ihre Stadt und ihr Bürgermeister. Vor allem, das sah man ihren Gesichtern mit den leuchtenden Augen an, hatte er ihnen nach all den Demütigungen, die sie im Sozialismus ertragen mussten, ihren Stolz und ihre Würde wiedergegeben. Sie dankten es ihm und machten aus einer planwirtschaftlich funktionalen Aufbewahrungsanstalt eine schöne Stadt.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp;</span><span class="tm12">Die Leidenschaft, sich zu zeigen heißt uns Vorübergehende, unsere Selbstbezogenheit zumindest kurzfristig aufzugeben. Geh nicht achtlos vorüber, lass dir Zeit, schau mich an. Aus dem Werben um Aufmerksamkeit, aus dem Anspruch, wahrgenommen werden zu wollen, entsteht ein freundschaftlicher, aber stets zwangloser Bezug zwischen dem, der sich zeigt und dem, der es sich zeigen lässt. Man wird an-, aber nicht festgehalten, könnte jederzeit weitergehen. Tritt in dem Moment der Besitzer des Hauses, dessen Schönheit man gerade bewundert, zufällig aus der Haustür und bemerkt den staunenden Blick, wie leicht könnte aus dieser Gelegenheit ein Gespräch zwischen dem Einheimischen und dem Fremden entstehen. In diesem Moment würde sich der schon bestehende Bezug quasi aus dem Nichts heraus in einen Zeit-Spiel-Raum zwischen dem Einheimischen und dem Fremden erweitern, der vieles ermöglicht, aber nichts erzwingt. Man könnte sich über das Objekt der Bewunderung unterhalten, der Einheimische könnte in die Rolle des Gastgebers wechseln und die Einladung, die das Haus schon ausgesprochen hat, an den ungebetenen Gast vertiefen, oder man geht nach ein paar ausgetauschten Sätzen im beiderseitigen Einvernehmen wieder freundlich auseinander, wodurch sich der spontan entstandene Zeitspielraum wieder auflösen, aber eine angenehme Erinnerung bleiben würde. Natürlich war auch in Bad Langensalza das Problem der Abwanderung der gut ausgebildeten jungen Leute nicht unbekannt, aber man kämpfte mit Mut, Beharrlichkeit und einem gemeinsamen Sinn für Schönheit dagegen an.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; Zum Auftaktkonzert für das Rigaer Stadtfest im Jahr 2014, als Riga europäische Kulturhauptstadt war, hatte Lettland seinen bekanntesten Komponisten, den fast 80-jährigen Raimonds Pauls an den Flügel einer eigens für diese Darbietung errichteten Bühne im Stadtpark gesetzt und ihm neben dem Orchester zwei junge kräftige Stimmen an die Seite gestellt. Als Zuschauer und -Hörer saßen wir unter freiem Himmel auf Bänken und wunderten uns zunächst, warum sich etliche Einheimische, die durch ihre für einen Westeuropäer ungewohnten Gesichtszüge als solche erkennbar waren, während des Konzerts ganz spontan immer wieder zu uns umdrehten, bis wir den Anlass ihrer Neugier verstanden. Sie wollten wissen, ob auch uns Gästen ihre Darbietung gefällt und waren erst zufrieden, als wir ihnen durch Körperhaltung, Mimik und Applaus die Frage beantwortet hatten. Die erwartbare Trennung zwischen Bühne und Zuschauermenge verwirrten die Umschauenden durch einen weiteren Unterschied, der in dieser Form nur noch selten wahrnehmbar ist. Das Konzert war nicht nur die Darbietung einer Bühne, sondern zusätzlich die der Stadt und des Landes, wodurch der Unterschied zwischen gastgebenden Landsleuten und Gästen den zwischen Künstler und Publikum überlagerte. Das spontane und wohl kaum geplante oder gar zuvor verabredete Umschauen der Einheimischen strafte zudem jenen Satz Lügen, der gerne auf ästhetische Urteile angewandt wird und da lautet: „Über Geschmack lässt sich nicht streiten“, ein Satz der den Eindruck erweckt, als ob die Erfahrung der Schönheit nur eine rein subjektive, aber keine Sache des Gemeinsinns sein könne. Tatsächlich kam es den Umschauenden gerade auf die Anerkennung durch uns Gäste an. Es ging ihnen mehr um die gemeinsame Erfahrung einer Gegenwärtigkeit, als um die Geltendmachung einer allgemeinen Wahrheit.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; In den letzten Septembertagen des Jahres 1943 verdichteten sich im besetzten Dänemark die Gerüchte, dass die Nazis eine „Judenaktion“ planen und in einer Nacht und Nebel Aktion die hauptsächlich in Kopenhagen konzentrierten Juden aus ihren Häusern holen, in Sammellagern zusammentreiben, auf Schiffe verladen und in das Konzentrationslager Theresienstadt oder auch gleich in die Vernichtungslager deportieren würden. Dänemark sollte judenrein gemacht werden. Zwar wusste niemand Genaueres, aber die Warnungen kamen aus so vielen unterschiedlichen Quellen, dass der Druck auf die Juden stieg, angesichts der Gefahr selbst zu handeln, das Wichtigste zusammenzupacken, die eigene bekannte Bleibe zu verlassen, kurzfristig anderswo Unterschlupf zu suchen und dann nach einer Gelegenheit Ausschau zu halten, Dänemark an der Küste in Richtung Schweden zu verlassen, das bereitwillig angekündigt hatte, die dänischen jüdischen Flüchtlinge aufzunehmen. So gut wie alle dänischen Institutionen und Zusammenschlüsse, der König und die Parteien, die Kirchen, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände und zahlreiche andere Vereinigungen des Landes hatten durch entsprechende Protestnoten den Nazis signalisiert, dass sich die Dänen als geeinte Volksgemeinschaft verstehen und einen Angriff auf die Juden als Angriff auf ihre Art des Zusammenlebens wahrnehmen würden. Die dänischen Sicherheitsorgane hatten eigens die Anweisung erhalten, sich keinesfalls aktiv an der „Judenaktion“ zu beteiligen. Auch Küstenwache und Hafenpolizei schauten nicht nur einfach weg, sondern unterstützten in vielen Fällen die Flucht der Juden.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">In den ersten Oktobertagen 1943 wurde Gilleleja, ein kleines 1700 Seelen Fischerdorf im Norden Dänemarks mit jüdischen Flüchtlingen regelrecht überflutet. Nur wenige gelangten unmittelbar nach der Ankunft am Hafen noch auf ein Fischerboot Richtung Schweden, die meisten wurden chaotisch irgendwie auf die Einwohnerhäuser verteilt. Man schätzt, dass etwa 500 Flüchtlinge in fast jedem Haus, auf jedem Speicher, hinter jeder Schuppenwand vor einer jederzeit möglichen Razzia der Gestapo versteckt wurden. Eine Gruppe von etwa 80 Personen wurde auf dem Dachboden der örtlichen Kirche versteckt. In einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt, ist die einzige Dorfkirche ein besonderer, ein heiliger gemeinsamer Raum. In ihm verbinden sich die Toten mit den Lebenden und den Ungeborenen. Die Neugeborenen werden ebenso hier getauft, wie die die Messe für die Toten hier gelesen wird. Die Einwohner waren davon ausgegangen, dass eine Kirche respektiert werden würde und wurden eines Besseren belehrt. In der Nacht vom 6. auf den 7. Oktober weckte um drei Uhr früh Gestapo-Juhl den Totengräber und zwang ihn, die Kirche zu öffnen. Die Juden auf dem Dachboden wurden entdeckt und abtransportiert. Tags darauf trafen sich spontan im Haus des Mechanikers Peter Petersen zehn Bürger von Gilleleja und bildeten ein später sogenanntes „Judenkomitee“. Keiner von Ihnen hatte zuvor direkt etwas mit Politik zu tun oder trug administrative Verantwortung. Es waren ganz normale Bürger mit ganz normalen Berufen: Tischler, Lehrer, Lebensmittelhändler, Dorfarzt, Mechaniker. Sie teilten weder Gesinnung noch Ideologie. Erst recht waren sie keine Antifaschisten. Ihr Gemeinsames war lediglich, dass sie alle Einwohner desselben Dorfes waren. Bis auf einen hatte keiner bislang irgendwelche Erfahrungen mit illegalen Aktivitäten oder aktivem Widerstand, aber alle zehn, die aus unterschiedlichen Schichten und Milieus spontan zusammengekommen waren, hatten intuitiv verstanden, dass mit der gewaltsamen Stürmung Ihrer Dorfkirche das Gesetz ihres Dorfes auf dem Spiel stand. „Es liegen mehrere spätere Berichte über die Debatten dieser selbst ernannten Aktionsgruppe vor, und es ist wirklich erwähnenswert, was diese Männer antrieb: Für sie stand der Ruf von ganz Gilleleja auf dem Spiel, die Ehre ihres Gemeinderats und die aller Bürger“ schreibt Bo Lidegaard<a href="#footnote1"><sup>1</sup></a><a id="footnote1back"></a>. Die Gruppe der Zehn organisierte den Transfer der Juden aus dem Dorf in umliegende Sommerhäuser und kleine Höfe, die Verpflegung und Versorgung mit benötigter Kleidung und die Verteilung auf die Fischerboote, die sie in den nächsten Tagen nach Schweden in Sicherheit bringen sollten. In zahlreichen anderen dänischen Küstenorten waren spontan aus den bestehenden Dorfgemeinschaften vergleichbare Räte entstanden, die das Schicksal der dänischen Juden entscheidend beeinflussten und der Welt ein einzigartiges Beispiel gaben, das, so muss man bedauernd hinzufügen, noch kaum verstanden wurde. Für die handelnden Dänen wurde es eine prägende Erfahrung, die Gerda, die Frau des Rektors und Religionslehrers Bertelsen, im Rückblick so ausdrückte: “Es ist, als ob man zuvor nie verstanden habe, was Leben heißt.“<a href="#footnote2"><sup>2</sup></a><a id="footnote2back"></a></span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Drei kleine, lokale Geschichten, in denen als handelndes Subjekt ein „Wir“ in Erscheinung tritt, dessen gemeinsames und hervorstechendes Merkmal seine Ortsgebundenheit ist. Land und Leute sind hier eine nachbarschaftliche Verbindung eingegangen, die man mit dem bei uns außer Gebrauch geratenen Wort „Landsleute“ bezeichnet. Kein Glaube an die gleiche Idee, kein Bund mit einem höchsten Wesen, sondern einer, dessen tragendes Element der gemeinsam bewohnte Raum ist. Diese orts- und erdgebundenen „Wirs“ haben etwas Äußeres gemeinsam, das von ihnen allen geteilt wird, keinem einzelnen gehört, zu dem sie aber gehören, das von der Generation davor geerbt und an die nächste weitervererbt wird und das von allen erfahren werden kann. Ob die Stadt schön oder hässlich, ob die Landschaft blühend oder verwüstet, ist kein bloß ‚subjektiver‘ Eindruck. Solche „Wirs“ bilden heute die große Ausnahme gegenüber den Massen an Entwurzelten, die wie heruntergefallenes Laub so haltlos geworden sind, dass die Blätter widerstandslos von jedem windigen Gerücht aufgewirbelt und vor sich hergetrieben werden können. Das Buch von Bo Lidegaard über die Rettung der dänischen Juden, das in der deutschen Übersetzung mit „Die Ausnahme“ betitelt ist, lautet im englischen Original „Countrymen“.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Wer etwas in Europa herumgereist ist, wird vielleicht bemerkt haben, dass man solchen Ausnahmen eher an der Peripherie, als im Zentrum begegnen kann, in den baltischen Republiken, den Visegradstaaten, auch im Süden Europas. In Sarajevo, einer Stadt, in der die Gefahr des Krieges noch ganz real ist, wurde mir vor Kurzem erzählt, lernen die Kinder auf den höheren Schulen als zweite Fremdsprache Deutsch und man lehrt sie, dass die kleinste Einheit der Gesellschaft die Familie sei, ein bemerkenswertes Paradox, erscheinen doch gerade Deutschland und Frankreich, der einst gerühmte ‚Motor‘ Europas, heute als die Länder, in denen der Zerstörungsgrad, die innere Zersetzung und Entwurzelung am weitesten fortgeschritten sind. Das Entsetzt-Sein in seiner doppelten Bedeutung ist zum Signum des ‚westlichen‘ Zeitgeistes geworden.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Drei Ausnahme-Geschichten, die uns darauf einstimmen, warum nicht nur Leser im Allgemeinen, sondern gerade wir Deutschen, wie Douglas Murray in seinem an uns adressierten Vorwort ausdrücklich betont, der Stimme von Roger Scruton und der konservativen Tradition, die er fortsetzt, Gehör schenken sollten, denn die Ausnahme ist, man denke an Carl Schmitt, ein guter Ort, um von dort aus die Regel zu verstehen. Auch Hannah Arendt wusste das besondere Verstehenspotenzial der Pariaposition zu nutzen. Roger Scruton ist für uns nicht nur irgendeine Stimme, eine Meinung im Stimmengewirr der prinzipiell gleichgültigen Meinungen, sondern eine herausragende Ausnahmestimme, die etwas für uns aufbewahrt hat, was durch den Normalfall zu verschwinden droht. Es kommt nicht auf die Menge, sondern gerade auf den an, der dem Wahn der Menge, mit sich identisch zu sein, widersteht. Die angelsächsische Tradition hat das besser verstanden, wie man an Filmen wie „Die zwölf Geschworenen“ oder „Quiz Show“ erfahren kann. Wenn die Europäer wieder dem Wahn verfallen, die Menschheit zu sein, bleiben die Engländer lieber die Engländer.<a href="#footnote3"><sup>3</sup></a><a id="footnote3back"></a></span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; Wer handelt und Worumwillen und was ermöglicht dieses Handeln? Schon die einfach scheinende Frage, was dieses „Wir“ ausmacht, das in diesen drei Geschichten handelnd hervortritt, öffnet uns einen Zugang zu einer Schlüsselerfahrung: nach den totalitären Einbrüchen des 20. Jahrhunderts stehen wir, was das Verstehen politischen Handelns anbelangt, gewissermaßen mit leeren Händen da. Wir können bestenfalls sagen, was es nicht ist. Dieses „Wir“ ist weder eine Klasse, noch eine soziologische Schicht, noch ein Milieu, dieses „Wir“ handelt weder interessengeleitet noch irrational. Kurz: wer mit den klassischen Kategorien der Politischen Philosophie und der, was die Begründungsontologien anbelangt, davon abgeleiteten Gesellschaftswissenschaften solche Erfahrungen verstehen möchte, kommt schnell an seine Grenzen.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Nachdem er im deutschen Diskursraum lange Zeit weitgehend ignoriert wurde, sind im Abstand von wenigen Monaten zwei von den zahlreichen Büchern, die der führende britische konservative Denker bereits veröffentlicht hat, in einer deutschen Übersetzung erschienen. Die „</span><u><a href="https://www.manuscriptum.de/verlage/edition-sonderwege/bekenntnisse-eines-haeretikers.html">Bekenntnisse eines Häretikers</a></u><span class="tm12">“, übersetzt von Julia Bantzer, erschienen in der Edition Sonderwege und „</span><u><a href="https://www.m-vg.de/finanzbuchverlag/shop/article/17239-von-der-idee-konservativ-zu-sein/">Von der Idee konservativ zu sein</a></u><span class="tm12">“, übersetzt von Krisztina Koenen und erschienen im Finanzbuchverlag. Das etwas Gewichtigere scheint mir das Letztere zu sein. Roger Scruton unterscheidet darin zwei Sorten von Konservatismus, einen metaphysischen, den es als Glauben an heilige und erhaltenswerte Dinge immer gegeben habe und einen empirischen, der erst als Reaktion auf Schlüsselereignisse der europäischen Moderne entstanden sei und mit dem er sich vorzugsweise beschäftige. Die europäischen Schlüsselereignisse wiederum haben einen mehr englischen und einen mehr kontinentaleuropäischen Aspekt, weswegen wir uns als angesprochene Deutsche auf Letzteren beschränken, also auf die Französische Revolution und die englischen Antworten darauf.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; Was heißt uns, Roger Scruton zu lesen? Warum ihn und warum jetzt? Hat es etwas mit der wachsenden Wahrnehmung der Gefährdung zu tun, der eine rechtsstaatliche Demokratie ausgesetzt ist, wenn die „Identitäten eher konfessionell als territorial definiert sind“?<a href="#footnote4"><sup>4</sup></a><a id="footnote4back"></a> Eine Einsicht in das, was auf dem Spiel steht, die auch den dänischen klassischen Philologen Hartvig Frisch auszeichnete, der mit dem 1933 erschienenen Buch „Pest over Europa“ seinen Landsleuten ein Verständnis der Gefahr nahelegte, die von Bolschewismus, Faschismus und Nationalsozialismus der dänischen Demokratie drohte und damit maßgeblich zur dänischen „Ausnahme“ beitrug. Hat es etwas mit dem neuerlichen Wiederaufleben des revolutionären Mythos zu tun, für den Rechtsordnungen und Demokratie entbehrlich scheinen, wenn es um die revolutionäre Herstellung ganz neuer Wirklichkeiten, die Schöpfung des neuen Menschen geht? Hat es etwas damit zu tun, dass uns im Namen einer selbstgewissen Wahrheit ein Verhalten aufgezwungen werden soll, das keinen Freiheitsspielraum mehr zulassen kann und alles einer einzigen totalen Vorschrift unterwerfen will? Hat es etwas damit zu tun, dass gerade wir West-Deutschen uns immer noch im unverstandenen Erwartungshorizont der Französischen Revolution bewegen und versäumt haben, sie einzuklammern, zu beenden und unserem Land die Form zu geben, die ihm und seiner Geschichte angemessen ist?</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Mit der Französischen Revolution wurde die politische Philosophie praktisch. Sie interpretierte nicht nur die Welt, sie änderte sie und verlieh mit der Revolution dem Jahrhundert der Aufklärung ihren krönenden Abschluss, so zumindest ein weit verbreitetes Selbstverständnis. Mit diesem Eindringen der Philosophie in die Politik wurde jedoch etwas sichtbar, was in der Zeit der machtfernen und von jeglicher politischer Verantwortung abgesonderten philosophischen Gesellschaften verdeckt blieb: die Herkunft der klassischen Philosophie aus einem radikalen Feindschaftsverhältnis zum Politischen. Der Jakobinismus etablierte ein ideologisches System identitärer Entsprechungen, in dem die Idee der Souveränität mit der Idee des Volkes und der einer ‚reinen Demokratie‘ in Eins konvergierten. Für Abweichungen, gar Unterschiede war in diesem System kein Platz, weshalb der Adel als Symbol des Unterschieds ihr erstes Opfer wurde. Die imaginäre Gemeinschaft der Gleichgesinnten geriet mit der geschichtlich gewachsenen Gemeinschaft der Landsleute in einen Konflikt, der nur gewaltsam, mithilfe des Terrors zu lösen war. Die Jakobiner „bedienten sich der Sprache des Notstands, versetzten das französische Volk in Alarmstimmung und sprachen von bevorstehender Vernichtung, wenn nicht sofort etwas geschähe. […] Im Katastrophenfall muss eine zentrale Macht ‚von oben‘ alle Entscheidungen treffen. Eine Notstandssituation kann nur gemeistert werden, wenn die Gesellschaft als Ganzes mobilisiert wird. Dann braucht es eine Befehlsstruktur, die das Volk unter dem Banner eines gemeinsamen Ziels vereint.“<a href="#footnote5"><sup>5</sup></a><a id="footnote5back"></a> Damit verwüsteten die französischen Revolutionäre, die sich als Vorhut der Menschheit verstanden, das Politische und führten zwei Elemente in die Politik ein, die wir - wider alle Erfahrung - bis heute noch nicht wieder daraus heraus drängen konnten: die Herrschaft des Einen und den Vernichtungskrieg. Was Edmund Burke ein „geometrisches und arithmetisches Staatsexperiment“<a href="#footnote6"><sup>6</sup></a><a id="footnote6back"></a> nannte, bedeutete in der Praxis, dass eine selbstgewisse und nicht weiter bezweifelbare Vernunftwahrheit nur planvoll von der Idee in die Wirklichkeit gesetzt werden konnte, wenn zuvor alles gewachsene und vorhandene Wirkliche planiert wurde. Vernunftwahrheiten, das unterscheidet sie von politischen Wahrheiten, kommen, sobald sie einmal begründet erscheinen, ohne jeden Bezug auf andere aus. Sie gelten unbedingt und benötigen weder Gegenseitigkeit, Autorisierung&nbsp; noch Aushandlung. Vor dem, was durch das urteilende Zusammenspiel entstanden und für wohntauglich befunden wurde, haben sie keinerlei Respekt. Gegenüber der Ver-Wirklichung scheint die Wirklichkeit entbehrlich. Durch den permanenten Gebrauch sprachlicher Wendungen, die um Verwirklichung gruppiert sind, insbesondere die aus der Flucht vor der Verantwortung motivierte Selbst-Verwirklichung, haben wir verlernt, die ungeheuerliche Anmaßung zu erfassen, die darin liegt, die aus dem Zusammenspiel von Millionen intelligibler Wesen gewachsene Wirklichkeit von einem einzigen Punkt aus für nichtig zu erklären.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Vernunftwahrheiten begründen einen sequenziellen Zwang: wenn zwei plus zwei vier ist, dann ist zwingend vier plus vier acht und nichts anderes. Aus der logischen Sequenz entsteht eine richtige Richtung und damit eine absolute Unterscheidung zwischen richtig und falsch. Bevor ein politisches ‚Wir‘ von Landsleuten überhaupt spontan entstehen könnte, ist es schon entlang einer unüberwindlichen Barrikade gespalten, die diejenigen auf der richtigen Seite von denen trennt, die auf der falschen Seite stehen. Wer auf einer solchen Schiene fährt, muss springen, um sich von diesem Zwang wieder zu befreien. Der feindselige Konflikt zwischen einem Geltungsanspruch von Vernunftwahrheiten und einem Wahrheitsgeschehen, das sich zwischen den um ihre gemeinsame Sache Beteiligten ereignet, kommt mit der französchen Revolution zum gewaltsamen Austrag. Werden solche Vernunftwahrheiten zur Legitimation scheinbar politischer Aktivitäten erhoben, erscheinen spontan entstandene Handlungsspielräume nur noch als auszuräumendes Hindernis, in der weiteren Radikalisierung als konterrevolutionär. Zum gemeinsamen Handeln ist aus dieser Perspektive kein Platz mehr übrig. Für die Herstellung des Neuen muss das Alte ausgelöscht werden, ein Entwurzelungs- und Entsetzungsvorgang, der bis heute anhält und mit der Illusion des „Alles muss anders werden“ die Morgenröte einer neuen Menschheit verbindet.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; Zum anderen kann das Eine nur herrschen, wenn die Vielen keine Möglichkeiten bekommen, sich zusammenzuschließen und ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Lokale und ortsgebundene „Wirs“ müssen an der Einflussnahme gehindert werden. Entstehen dennoch Gruppen, die sich Herrschaftsanspruch und Gehorsamsgebot nicht fügen wollen, bleibt nur die gewaltsame Vernichtung. Roger Scruton erwähnt </span><span class="tm16">János Kádár, den ungarischen Innenminister unter dem Rákosi-Regime, der „5000 solcher Gemeinschaften nur innerhalb eines Jahres auflösen“ ließ: „Blasorchester, Chöre, Theatergruppen, die Organisation der Pfadfinder, Lesezirkel, Wandervereine, private Schulen, kirchliche Institutionen, Wohltätigkeitsvereine zur Unterstützung der Armen, Diskussionszirkel, Bibliotheken, Winzervereine, Jagd- und Fischereivereine.“<a href="#footnote7"><sup>7</sup></a><a id="footnote7back"></a> Auch heute hat man den Eindruck, dass immer mehr Entscheidungen den lokalen Körperschaften entzogen und einem bürokratischen Zentrum übertragen werden, das weder politisch autorisiert noch legitimiert ist, eine besonders perfide Form totaler Herrschaft, die Hannah Arendt „Herrschaft des Niemand“ nannte, weil jeder zwischenmenschliche Bezug darin ausgelöscht wurde.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm16">&nbsp; &nbsp;</span><span class="tm12">Verstanden zu haben, was durch dieses Verwüstungspotenzial einer Herrschaft des Einen auf dem Spiel steht, zeichnet die konservativen Antworten auf die großen Fortschrittsprojekte der Moderne aus, die entstehen, ‘sobald die Zukunft zum Herrscher über Gegenwart und Vergangenheit erklärt wird.“<a href="#footnote8"><sup>8</sup></a><a id="footnote8back"></a> Dass auch über den Sinn von Wahrheit stets politisch gesprochen werden kann, heißt uns Roger Scruton in acht Kapiteln, die jeweils die Wahrheit einer bestimmten Ideologie in den Blick nehmen, ihr Sinngefängnis aufbrechen und sie wieder zum Thema eines freundschaftlichen Gesprächs machen, das, wie alle Gespräche, nie zu einem finalen Ende kommen kann, solange Menschen denken und immer wieder neue Menschen solche Gespräche suchen.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Schauen wir Roger Scruton bei dem ersten dieser Wahrheitskapitel genauer über die Schulter. „Wahrheit </span><em><span class="tm17">im</span></em><span class="tm12"> Nationalismus“ bedeutet etwas anderes als „Wahrheit </span><em><span class="tm17">des</span></em><span class="tm12"> Nationalismus“. Scruton schlägt einen großen Bogen von der Idee der Nation, wie sie von Sieyés exemplarisch ausgedrückt wurde bis zum Europa in Trümmern von 1945 und streng genommen müssten wir diesen Bogen noch mindestens bis zum Fall des Eisernen Vorhangs erweitern, der erst das ganze Ausmaß der Verwüstungen sichtbar machte, das die selbst ernannte „Avantgarde der Menschheit“ hinterlassen hatte. Wir haben es also wenigstens mit drei verschiedenen Bedeutungen von Wahrheit zu tun, derjenigen, auf die die Idee der Nation Anspruch erhebt, die Wahrheit der Leichenberge, die im Namen solcher ‚fiktiver Ideen‘ hinterlassen wurden und die alltägliche Wahrheit der Nation, die erfahrbar war, bevor sie durch die ‚Idee‘ der Nation an den Rand gedrängt wurde. Der Zusammenhang zwischen „fiktiven Ideen“ und wachsenden Leichenbergen ist auf den ersten Blick jedoch ebenso wenig ersichtlich, wie die spezielle Bedeutung der Französischen Revolution. </span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Was als Französische Revolution bekannt wurde, ist streng genommen weder Französisch noch eine Revolution im hergebrachten politischen Sinn. Ihr fehlt sowohl das „Wir“, wie Gebundenheit und Begrenzung an einen bestimmten Raum. Zum einen taucht bezeichnenderweise in der französischen Erklärung der Menschenrechte das ortsgebundene „Wir“, das im amerikanischen Pendant enthalten ist (‚we hold these truths…‘) nicht auf. Zum anderen will die Französische Revolution nicht eine in ihrem Land aus den Fugen geratene Ordnung wieder einrenken, sondern einen Neubeginn der Menschheit verwirklichen. Sie strebt, wie François Furet schreibt, gar keinen stabilen Zustand ihres Landes an, sondern markiert den Ursprung einer Bewegung, der ein imaginäres Versprechen in die Welt setzt, das von keinem Ereignis eingelöst werden kann.<a href="#footnote9"><sup>9</sup></a><a id="footnote9back"></a> Die revolutionäre Idee der französischen Nation ist zugleich mehr und weniger als jede politische Nation; weniger, weil sie von vorn herein eine nationale Gruppe - den Adel - als Fremdkörper ausschließt, womit das Entstehenkönnen eines raumgebundenen „Wirs“ dauerhaft blockiert ist. Mehr, weil diese Idee der Nation immer schon über die erfahrbare Nation hinaus ist. Sie versteht sich als Vorreiternation, die im Namen der gesamten Menschheit spricht. Mit ihrer Vorstellung des Einen entsteht gleichursprünglich die Vorstellung des anderen, der nicht Gegner werden kann, sondern als absoluter Feind bekämpft werden muss. Die Angst vor der Verschwörung wird ein konstitutives Moment dieser ideologischen Identität der Nation. Das revolutionäre Bewusstsein war in den mal gelehrten, mal geheimen Gesellschaften vorbereitet worden, die befreit von jeglicher politischer Verantwortung Meinungen austauschten, ein politik- und machtferner Kontext mit Folgen. Die imaginäre Vorstellung der absoluten Macht entstand aus der tatsächlichen Erfahrung der Ohnmacht heraus, war also per se a-politisch. Sie bildete sich als Vorstellung, weil sie als Erfahrung fehlte. Die als Spiegel der imaginären Vorstellung einer absoluten Macht entstandene Idee des Volks enthält damit immer schon einen Bedeutungsüberschuss, der über jedes tatsächliche politische Volk hinausweist und nur die Französische Revolution zu etwas werden lässt, das als universalgeschichtliches Beispiel von etwas ganz Neuem fungieren kann. Keine andere Revolution kam in den Rang einer Mutterrevolution, die von Nachfolgern als Ursprung einer geschichtlich notwendigen, grenzenlosen Bewegung wahrgenommen wurde, deren Zweck es ist, alle Unterschiede zugunsten einer einzigen Welt, einer einzigen Menschheit auszulöschen. Mit der imaginären Vorstellung der absoluten Macht entstand zugleich die nicht weniger imaginäre Vorstellung von dem, was diese Macht bedroht, mit der Folge, dass sich diese Vorstellung von Macht nur im und durch den permanenten Krieg behaupten kann. Der absolute Feind ist für die absolute Macht konstitutiv.<a href="#footnote10"><sup>10</sup></a><a id="footnote10back"></a></span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Nachdem Europa in Trümmern lag, schien der Schuldige schnell gefunden: die Nationalstaaten sollen es gewesen sein. Die bequeme Erklärung hatte zwei große Vorteile: man konnte mit dem Finger auf andere zeigen, war damit jeglicher eigener Verantwortung enthoben und, noch wichtiger, man konnte an der ‚one world‘ Fiktion der französischen Revolution festhalten. Der Anspruch auf Unterbrechung wurde geflissentlich überhört, man blieb ihm gewohnten Fahrwasser und ersetzte die Idee der Nation durch die Idee Europa. Die näher liegende Einsicht, dass eine stabile und gefestigte Nation einen totalitären Einbruch hätte verhindern können, wie man der dänischen Ausnahme entnehmen konnte, geriet fast überall in Vergessenheit, jedoch im angelsächsischen Sprachraum weniger als im ‚Westen‘. Von Leni Yahils in hebräisch verfasster Promotion von 1964 gibt es seit 1969 unter dem Titel „The Rescue of Danish Jewry - Test of a Democracy“ eine amerikanische Übersetzung, aber bis heute keine deutsche.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; </span><span class="tm12">Roger Scruton bringt uns jene politische Bedeutung von Nation wieder, die zwar nicht immer als Begriff, aber als Erfahrung eines ortsgebundenen “Wir“ jahrhundertelang selbstverständlich war, bevor sie durch den philosophischen Übergriff und seine Folgen der Verdammung verfiel. „Für einfache Menschen, die im freien Zusammenschluss mit ihren Nachbarn leben, bedeutet „Nation“ einfach die historische Identität und die fortdauernde Loyalität, die sie in ihren Staaten eint. Sie ist der Erste-Person-Plural der Sesshaften.“<a href="#footnote11"><sup>11</sup></a><a id="footnote11back"></a> Der historische Grundgehalt dieser Erfahrung ist die freie Stadt, das freie Land, das unterschiedet diese Erfahrung von der machtfernen Erfahrung jener philosophischen Gesellschaften, in denen sich im 18. Jahrhundert die revolutionäre Ideologie vorbereitet hat. Die Bindung des Raumes löste nicht nur die Bindung des Blutes oder des Glaubens ab, sie zivilisierte und befriedete, indem die Gewalt, die als Blutrache der Sippe oder Reinigungsleidenschaft der Rechtgläubigen die Nachbarn gegeneinander aufbrachte, in ein gemeinsames Recht überführt wurde, das als Gesetz des Raumes ein friedliches Zusammenleben stiftete, bewahrte und vor Gewalteinbrüchen freihielt. Das englische ‚common law‘ ist ja nicht nur ein fallbezogenes Recht, sondern zugleich ein Gewohnheitsrecht, das an das gemeinsame Bewohnen eines Raumes gebunden ist und sich gegenüber Herrschaftsvorschriften von außen zu behaupten wusste. Die zentrale Figur solcher friedlicher Räume ist der Nachbar, auf den man - nicht nur in Momenten der Gefahr - in vielerlei Hinsicht angewiesen ist. Man teilt mit ihm nicht nur den gemeinsamen Raum, sondern auch die Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten, die in Jahrhunderten entstanden sind, sich ohne große Brüche dem Wandel der Zeiten anpassen und mit jedem ‚normalen‘ Generationenkonflikt einen Anteil Neues zulassen, ohne das Alte in Bausch und Bogen verwerfen zu müssen, eine Normalität, die in der deutschen Nachkriegsgeschichte blockiert war. Das territoriale „Wir“ ist von anderer Art als das religiöse oder ethnische. Es ermöglicht dem Einheimischen, gegenüber dem Fremden die Kultur der Gastfreundschaft zu pflegen<a href="#footnote12"><sup>12</sup></a><a id="footnote12back"></a>. Das religiöse Wir dagegen teilt den Glauben und trennt den Raum, es unterscheidet den Gläubigen vom Ungläubigen, ein Bezug von Reinheit und Gefährdung, der nur entweder die völlige Absonderung von der Welt der anderen wie in den frühen Klöstern, oder Konversion, Unterwerfung, schlimmstenfalls Ausrottung zulässt. Nur in ganz wenigen Städten und meist auch nur für eine sehr begrenzte Zeit ist es gelungen, die Bindung des Raumes der des Glaubens überzuordnen und ein friedliches Zusammenleben zwischen den abrahamitischen Religionen zu ermöglichen, was uns lehrt, dass der Bluts- oder Glaubensbruder ein höchst fragiles Modell für ein politisches Zusammenleben ist, das jederzeit in Hass- und Gewaltausbrüchen wieder auseinanderfallen kann, eine Erfahrung, durch die auch Europa erst hindurch gehen musste, bevor es den Wert säkularer Rechtsvorstellungen zu schätzen lernte. Gegenüber der französischen Verkündigung der Brüderlichkeit ist demnach Skepsis angesagt, zumal die Muslim-Brüderschaft gegenwärtig den gefährlichsten Angriff auf die europäische Weise des Zusammenlebens darstellt. Man muss hier zwei Arten von Bindungen, zwei Bedeutungen von Religion unterscheiden: die Bindungen des Blutes und die der Gesinnung oder des Glaubens beruhen auf einem Element, das in allen Mitgliedern der Gemeinschaft gleich ist. Die Bindung des Raumes hingegen beruht auf einem Element, das nicht in ihnen ist, sondern zu dem sie alle einen Bezug haben. Aus dem gemeinsamen Bezug entsteht ein geteiltes Zwischen. Es handelt sich um verschiedene Formen der Vergemeinschaftung. Aus der einen entsteht die Masse, die man organisieren und mobilisieren muss, aus der anderen die Stadt, die am Schönheitswettbewerb teilnimmt.</span></p>
<p class="Normal tm8"><span class="tm12">&nbsp; Kehren wir zum Anfang zurück. Apokalyptische Stimmungen sind Krisensymptome. Sie beziehen ihr Überzeugungsmoment aus einer generellen Krise der politischen Ordnung, die sie beschwören, beschleunigen und gleichzeitig verhüllen, indem sie verhindern, dass die tatsächlichen Ursachen der Krise zum Thema einer politischen Auseinandersetzung werden können<a href="#footnote13"><sup>13</sup></a><a id="footnote13back"></a>. Als ‚theologisch-ideologische‘ Deutung der Ereignisse können sie sich nur dort in den Vordergrund schieben, wo die Fähigkeit oder Bereitschaft zur politischen Deutung der Ereignisse zu wenig verbreitet, unterentwickelt oder zu schwach ist. Das exzessive Befeuern solcher Stimmungen spielt einem politischen Personal in die Hände, das seine Autorität längst verspielt hat und sich auf demokratischem Wege nicht mehr an der Macht halten könnte. Werden solche apokalyptischen Stimmungen mit revolutionärem Pathos verknüpft, gerät die rechtsstaatlich verfasste Demokratie in existenzielle Gefahr, denn die Gewalt wird zum notwendigen Mittel der Verwirklichung verklärt.<a href="#footnote14"><sup>14</sup></a><a id="footnote14back"></a> Wird Apokalyptik revolutionär, will sie die vorhandene Totalität vernichten und durch eine vollkommen neue Totalität ersetzen. Die Französische Revolution endete im Terror, Napoleon verwüstete halb Europa. Ihr direkter Nachfolger, die bolschewistische Revolution endete in noch weit größerem Terror und verwüstete für Jahrzehnte ganz Mittel- und Osteuropa. Für einen dritten Aufguss dieses revolutionären Mythos besteht keine Veranlassung. Statt sich vom Klimarettungswahn eine Scheinidentität suggerieren und von seiner apokalyptischen Fiktion mobilisieren zu lassen, würde es völlig genügen, die noch vorhandenen Bindungen zu pflegen und zu festigen, zusammen mit seinen Nachbarn seine eigene Stadt so herzurichten, in Ordnung zu halten und schön zu machen, dass sie von Fremden gerne besucht wird und von den Bewohnern als ihre Stadt in ihre Sorge genommen werden kann. In dem Kapitel „Bauen, was bleibt“ aus „Bekenntnisse eines Häretikers“ schildert Scruton die Vorstellungen des Architekten Léon Krier, der Städte nach der Regel baut, in einer Stadt für Bewohner müsse alles in zehn Minuten zu Fuß erreichbar sein. Sie wären eine lohnenswerte Anregung für eine drängende Wiedersesshaftwerdung, deren Sinn uns abhanden gekommen scheint.</span></p>
<p><strong>Weitere Veröffentlichungen:</strong></p>
<p>The European: <a href="https://www.theeuropean.de/boris-blaha/was-heist-uns-roger-scruton-lesen/">Von der Idee, konservativ zu sein</a><strong><br>
TUMULT-Blog: </strong><a href="https://www.tumult-magazine.net/post/boris-blaha-roger-scruton-lesen">Roger Scruton lesen</a><br>
<a href="https://cato-magazin.de/artikel/"><strong>CATO</strong> - Magazin für neue Sachlichkeit</a> - 01/202</p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote1"></a><a href="#footnote1back"><sup>1</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">Bo Lidegaard: </span><em><span class="tm14">Die Ausnahme, Oktober 1943: Wie die dänischen Juden mithilfe ihrer Mitbürger der Vernichtung entkamen</span></em><span class="tm13">, München 2013, S. 464, es ist für mich auch eines der besten Bücher, um den Unterschied zwischen Aktion/Aktivist und ‚acting in concert‘ zu verstehen. Aktion war die Sache der Nazis, acting in concert die der Dänen.</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote2"></a><a href="#footnote2back"><sup>2</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">Aage Bertelsen: Oktober 43, München 1960, S. 107, er verbindet die Erfahrung seiner Frau mit einem Satz von Schiller: „Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird Euch das Leben gewonnen sein.“</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote3"></a><a href="#footnote3back"><sup>3</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">„Die Meinungen der Mehrheit können falsch sein, die Wünsche der Mehrheit können bösartig sein, die Stärke der Mehrheit kann gefährlich sein. Deshalb gibt es jemanden, der wichtiger ist als die Mehrheit, nämlich die Person, die anderer Meinung ist. Diese Person müssen wir schützen.“ Roger Scruton: </span><em><span class="tm14">Von der Idee, konservativ zu sein</span></em><span class="tm13">, S. 65</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote4"></a><a href="#footnote4back"><sup>4</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">Roger Scruton: </span><em><span class="tm14">Von der Idee konservativ zu sein,</span></em><span class="tm13"> München 2019, S. 41</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote5"></a><a href="#footnote5back"><sup>5</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">Roger Scruton: </span><em><span class="tm14">Grüne Philosophie</span></em><span class="tm13">, München 2013, S. 89</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote6"></a><a href="#footnote6back"><sup>6</sup></a> &nbsp;„<span class="tm13">Soll unsere monarchische Verfassung mit allen Gesetzen und Tribunalen und allen alten Korporationen des Reiches vernichtet werden? Soll jeder Grenzstein im Königreich zugunsten eines geometrischen und arithmetischen Staatsexperiments von seiner Stelle weichen?“ in: Edmund Burke: </span><em><span class="tm14">Betrachtungen über die Französische Revolution</span></em><span class="tm13">, Zürich 1986, S. 122</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote7"></a><a href="#footnote7back"><sup>7</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">Roger Scruton: </span><em><span class="tm14">Von der Idee konservativ zu sein</span></em><span class="tm13">, München 2019, S. 191</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote8"></a><a href="#footnote8back"><sup>8</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">ebd.</span>,<span class="tm13"> siehe auch R. Scruton: </span><em><span class="tm14">Grüne Philosophie</span></em><span class="tm13">, S. 180: „Der radikale Egalitarier befindet sich gewöhnlich im Dauerclinch mit der Welt des „Gebens und Nehmens“, die ihn umgibt. Seine Zugehörigkeit bezieht sich nicht auf das Hier und Heute, auf die ererbte und unvollkommene soziale Ordnung aller, die sich eben irgendwie durchschlagen. Er ist Teil einer imaginären Gesellschaft von Gleichgesinnten, die sich - edel im Gemüt - um ein gerechtes, gemeinsames Ziel scharen. Wo sich der Konservative mit der Familie, der Gemeinde und der Nation identifiziert, fühlt der Radikale sich einer </span><em><span class="tm14">Bewegung</span></em><span class="tm13"> (kursiv im Original, BB) zugehörig, die seinen ewigen Schmerz des Getrenntseins lindert und auflöst.“ </span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote9"></a><a href="#footnote9back"><sup>9</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">vgl. François Furet: </span><em><span class="tm14">1789 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft</span></em><span class="tm13">: „Der Kampf um die Demokratie und der Kampf um den Sozialismus (heute müssen wir den Kampf um den Globus hinzufügen, BB) sind zwei aufeinanderfolgende Konfigurationen, deren dynamisches Prinzip die Gleichheit ist, die wiederum in der Französischen Revolution ihren Ursprung hat. So entstand eine Vision, eine lineare Geschichte der Befreiung des Menschen.“. Berlin 1980, S. 12f </span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote10"></a><a href="#footnote10back"><sup>10</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">„Ebenso wie der Volkswille ist die Verschwörung ein Machtwahn; zusammen stellen sie die beiden Seiten dessen dar, was man die demokratische Fiktion der Macht nennen könnte.“ ebd. S. 68</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote11"></a><a href="#footnote11back"><sup>11</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">Roger Scruton: </span><em><span class="tm14">Von der Idee, konservativ zu sein,</span></em><span class="tm13"> S. 64</span></p>
<p class="Fu_notentext"><span class="tm13"><a id="footnote12"></a><a href="#footnote12back"><sup>12</sup></a> </span>&nbsp;<span class="tm13">Um Missverständnissen vorzubeugen: Der ‚welcome refugees‘ Wahn hat nichts mit Gastfreundschaft zu tun. Es ist der verzweifelte Versuch, sich der Last der Geschichte auf bequemste Art zu entledigen. Gastfreundschaft basiert auf der Gegenseitigkeit, dem Anderen einen gewaltfreien Schutzraum für einen zeitweisen Aufenthalt gewähren zu können. vgl. auch Roger Scruton: Grüne Philosophie: „Stammesmitglieder betrachten sich als Familie. Mitglieder religiöser Gemeinschaften sehen einander als „die Gläubigen“ an. Menschen einer Nation sehen einander als Nachbarn. All diese Formen von Selbst-Identität wurzeln in Bindung und Zugehörigkeit. Doch nur beim Nationalgefühl spielt das Territorium eine zentrale Rolle. Damit liefert es der Gruppe von Fremden eine erste Person Plural und ermöglicht eine friedliche Koexistenz von Menschen, die untereinander keine familiären oder religiösen Bindungen haben.“ S. 248</span></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote13"></a><a href="#footnote13back"><sup>13</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">Der Ursprung des apokalyptischen Geistes ist Israel. Das Volk Israel wurde mit all seinen Wurzeln aus der Erde gerissen und verkehrt herum nach oben aufgehängt. Dadurch entstand erst jener besondere Nicht-Ort, von dem aus die gesamte existierende Welt als das Falsche, das zu Vernichtende angesehen werden konnte. vgl. Jacob Taubes,</span><em><span class="tm14"> Abendländische Eschatologie</span></em></p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote14"></a><a href="#footnote14back"><sup>14</sup></a> &nbsp;<span class="tm13">Die Gewalt kann nie mehr, als die Grenzen des politischen Raumes zu schützen. Wo die Gewalt in die Politik selbst eindringt, ist es um die Politik geschehen.“ Hannah Arendt, </span><em><span class="tm14">Über die Revolution</span></em><span class="tm13">, München 1994, S. 20</span></p>
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