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	<title>1968 - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Siegmar Faust]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Feb 2022 18:13:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Konservativismus]]></category>
		<category><![CDATA[1968]]></category>
		<category><![CDATA[links]]></category>
		<category><![CDATA[rechts]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Gastbeitrag von Siegmar Faust</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der auch von Milliardären wie Bill Gates gesponserten Zeitschrift DER SPIEGEL wurden zu Beginn des Jahres 2018 von einem adligen Journalisten aus durchaus gutem Hause fünf Dissidenten und Bürgerrechtler skizzenhaft porträtiert und im Untertitel schon voll abgestempelt: „</span><em><span class="tm7">In der DDR stritten sie als Bürgerrechtler für Demokratie – jetzt triften Freiheitskämpfer von einst nach rechts ab. Warum?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotei"><sup>i</sup></a><a id="footnoteiback"></a> Vor der Überschrift „Was für Helden“ wurde in rot noch eine Ortsangabe gesetzt: „Ostdeutschland”. Keiner der Beschriebenen stammt aus den ehemaligen Ostgebieten, sondern alle wuchsen im Sendebereich des Mitteldeutschen Rundfunks auf. Schon mit solch einer Manipulation oder Geistlosigkeit begann es. Immerhin war der Journalist so ehrlich zuzugeben, dass sein Artikel viele Leserbriefe hervorrief, „doch 80% ergriffen für Sie Partei“. Drei Monate darauf kam es noch schlimmer. Wenn es in einer Demokratie, die sich ja gern mit Sir Popper als „offene Gesellschaft” versteht, nur gestattet ist, links zu sein, dann kann das nur eine Diktatur sein, im harmlosesten Fall eine Demokratur.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">In der zunehmenden Anmaßung von Journalisten, die durch ihre Kumpanei mit politischen oder finanziellen Machthabern das Volk ständig in die Illusion einlullen, diese autoritäre Bevormundung sei Demokratie, wird sie massiv untergraben. Noch deutlicher sprach es Oberon Reger aus: „<em>Durch ein deutsches Journalistengehirn gequetscht zu werden ist das Schrecklichste, was einer Wirklichkeit passieren kann.</em>“ Genau das passierte mir drei Monate später, nachdem ich dem angeblich katholischen Journalisten Markus Decker für die „Berliner Zeitung“<a href="#footnoteii"><sup>ii</sup></a><a id="footnoteiiback"></a> ein Interview gab, das dann gleichzeitig ohne mein Wissen in einem Dutzend weiterer Zeitungen ganzseitig erschien, wo er mir nicht nur gefälschte Worte in den Mund gelegt hatte, sondern mir auch noch unterstellte, dass ich nach „rechts außen geschwenkt“ sei. Die Zeitung druckte weder meine Gegendarstellung ab, noch nahm die Staatsanwaltschaft meine Anzeige an.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Im Alten Testament hieß es noch: „</span><em><span class="tm7">Der Verstand des Gebildeten wählt den rechten Weg, der Verstand des Ungebildeten den linken…</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnoteiii"><sup>iii</sup></a><a id="footnoteiiiback"></a> Der „Fortschritt” brachte es jedoch mit sich, dass es heute genau andersherum gültig sein soll. In kritischen Leserbriefen gegen den Kurs der BILD-Zeitung hieß es im Februar 2018: „</span><em><span class="tm7">Es gibt nicht mehr links und rechts, es gibt nur noch ein oben und unten, wobei die ‚oben‘ die Systemlinge, die Abhängigen sind.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Dazu passt auch eine weitere Zuschrift: „</span><em><span class="tm7">Die BILD geht den Leidensweg der SPD, man verlässt die Welt des kleinen Mannes und versucht sich stattdessen in moralischer Unterweisung des Volkes. Das kann nicht funktionieren und endet in der Bedeutungslosigkeit!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, „oben” und „unten” ist ebenso ein vor allem politisch auslegbares Gegensatzpaar, das in jeder Zeit und Ordnung mehr oder weniger präsent ist, doch es ist politisch nicht mehr so dominant wie der modernere Spannungsbogen zwischen rechts und links. Was verstehen wir heute eigentlich unter „links” und „rechts”? Diese politische Einteilung entstand bekanntlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich mit der Sitzordnung der Nationalversammlung. In der damaligen Deputiertenkammer saßen links die „Bewegungsparteien”, deren Ziel es war, die politisch-sozialen Verhältnisse zu verändern, rechts die „Ordnungsparteien”, die mehr auf die Bewahrung der politisch-sozialen Verhältnisse hinwirkten. Auch in vielen anderen Parlamenten setzte sich diese Sitzordnung durch. Das ist bis heute so, und auch bei der Sitzverteilung der Parteien im Deutschen Bundestag sitzt die SED-Linkspartei, deren politische Ausrichtung sogar auf ihrem Namensschild steht, vom Bundestagspräsidium aus gesehen links, und auf der rechten Seite sitzen gegenwärtig die Abgeordneten der AfD.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Möge die Einteilung der Parteien in das „Links-Rechts”-Schema heutzutage für viele immer unübersichtlicher und damit entbehrlich geworden sein, so werden viele trotzdem auch in Zukunft nicht ohne diese Klischeebegriffe auskommen, denn nirgendwo lässt sich die auf Erden und im materiellen Universum herrschende Polarität, also der uns alle beherrschende Dualismus aufheben. Ohne Gegensätze ließe sich auch gar nichts erkennen. Dabei muss ich mich vordergründig nicht zum Dualisten abstempeln lassen, nur weil ich als zur Transzendenz neigender Zeitgenosse im Sinne Christian Wolffs „</span><em><span class="tm7">die Existenz materieller und immaterieller Substanzen</span></em><span class="Endnotenzeichen">” anerkenne und mich gleichzeitig an der Bergpredigt von Jesus orientiere.<a href="#footnoteiv"><sup>iv</sup></a><a id="footnoteivback"></a> Bei allem Respekt vor dem antiken Philosophen Plotin, der in seiner monistischen Philosophie alles, was geistig oder physisch existiert, auf das Eine zurückzuführen suchte. Falls sich das auf Gott bezieht – stimme ich zu, falls damit aber die Gegensätze in der Welt und in der Natur gemeint sein sollen, dann passe ich.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Was wäre denn die Literatur, von den Liebes- oder Kriminalromanen mal ganz abgesehen, ohne solch ein dualistisches Figurenpaar der Dichtung wie Faust/Mephisto? Deutlicher wird vieles, wenn Parteien und Menschen besonders radikale Ansichten vertreten oder antagonistische Gegensätze verkörpern. Normalerweise verträgt eine stabile Demokratie auch radikale, also bis an den Rand oder bis zur Wurzel reichende Ansichten, Forderungen oder Bestrebungen. Doch in jeder Gesellschaftsordnung gibt es auch durch Grundgesetze vorgegebene „rote Linien”. Wer bis zur Linie geht ist radikal, wer sie jedoch überschreitet, sei er ein besonders aktiver „Freund des Fortschritts” oder ein sogenannter „Reaktionär”, wird zumeist und zurecht als „Extremist”<a href="#footnotev"><sup>v</sup></a><a id="footnotevback"></a> bezeichnet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Links- oder Rechtsextremisten wollen entweder als Frustrierte oder sonst wie Abgehängte das bestehende Staats- und Gesellschaftssystem verändern, nicht selten auch mittels Putsches oder Revolution, also durch Gewaltanwendung. Das rechtfertigt den Verfassungsschutz, jedoch nur, wenn deren Vertreter nicht auf einem Auge blind sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Luthers Anerkennung der weltlichen Obrigkeit und seine Forderung, sich ihr in irdisch- politischen Fragen unterzuordnen, bereitete den Boden für das oft zu enge Bündnis von Thron und Altar im deutschen Protestantismus. Erst die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts führten bei dem Theologen Dietrich Bonhoeffer zu einer kritischen Interpretation von Luthers Lehre, denn er postulierte im Nazi-Regime, wenn der Staat in seinem Recht und Ordnung schaffenden Funktion versagt, ein Recht auf Widerstand. Das ist dann auch in den Artikel 20 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland eingeflochten worden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ich nehme wie der ehemalige sächsische Justizminister und Bundespräsidentschaftskandidat Steffen Heitmann an, dass sich „</span><em><span class="tm7">hinter den Begriffen rechts und links unterschiedliche Wirklichkeitsverständnisse verbergen, unterschiedliche geistige Ansätze, die dann jeweils auch unterschiedliche politische Akzentsetzungen nach sich ziehen</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Wollte ich nun genau die eigentlichen Unterschiede zwischen den politisch linken oder rechten Überzeugungen analysieren, dann käme am Ende ein dickes Buch heraus. Deshalb kann ich hier nur skizzenhaft die Unterschiede andeuten. Rechts eingestellte Menschen und Parteien haben ein konservatives Menschenbild, das sich aus der Tradition bis hin zur biblischen Geschichte speist, also auch vom Sündenfall des ersten Menschenpaares weiß. Für sie steht, um es aktuell auszudrücken, das Wohl der eigenen Familie und Nation samt ihrer Staatsbürger im Vordergrund, während bei links eingestellten Menschen und Parteien weltweit die soziale Gerechtigkeit und die Gleichheit aller Menschen im Vordergrund stehen. In der Theorie. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Davon kann der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß folgendes Lied singen: Er war mit einer Bundestagsabgeordneten der SED-Linken mal auf Auslandsreise. Er bekam mit, dass sich diese Dame beim Rückflug auf First Class umbuchen ließ. „</span><em><span class="tm7">Ich war überrascht und fragte, ob die Linken nicht eher Holzklasse fliegen müssen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Die Linke erklärte ihm daraufhin, dass er da etwas falsch verstanden habe: „</span><em><span class="tm7">Im Sozialismus fliegen alle First Class.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Tja, so fliegen die Vertreter der Armen, Ausgebeuteten und Benachteiligten schon mal ihrer Zeit etwas voraus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Denn die Avantgarde muss schon etwas früher im Sozialismus ankommen, um dann die Masse der Entrechteten dort gebührend empfangen zu können. Das kennen wir schon aus dem Verhalten der einst regierenden Bonzen in den sogenannten sozialistischen Ländern, die ebenfalls Wasser predigten und heimlich guten Wein vom Klassenfeind soffen, um wieder in Anlehnung an ein Bibelzitat deutlich zu machen, dass die Technik sich zwar wahnsinnig schnell fortentwickelt, aber der Charakter, das Wesen des Menschen bleibt unverändert: der alte Adam.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Der alte Adam in uns soll ersäuft werden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Das sagte Martin Luther und schlussfolgerte: „</span><em><span class="tm7">Nimm dich aber in Acht, das Aas kann schwimmen!</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie der von den Linken sicher nicht erträumte, aber durch ihre Politik entstehende neue solidarische Mensch oder deutlicher gesagt: der abgerichtete Mensch aussieht, das lässt sich heute deutlich in Nordkorea oder China studieren. Nichts schreckt die Linken ab, die Welt zu revolutionieren, damit das Glücksversprechen für alle endlich seine Erfüllung findet. Das hieße in der Konsequenz, alle Gegensätze zwischen den Menschen und ihren Verhältnissen abzuschaffen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Welch in Irrsinn! Allein schon die Gesetze der Ungleichzeitigkeit lassen sich nicht abschaffen, denn das hieße, die Zeit anhalten oder abschaffen zu wollen. Das könnte uns lediglich im Jenseits widerfahren. „</span><em><span class="tm7">Da aber die positiven Wissenschaften</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Martin Heidegger, „</span><em><span class="tm7">auf die ontologische Arbeit der Philosophie weder warten ‚können‘ noch sollen, wird sich der Fortgang der Forschung nicht vollziehen als ‚Fortschritt‘, sondern als Wiederholung und ontologisch durchsichtigere Reinigung des ontisch Entdeckten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotevi"><sup>vi</sup></a><a id="footnoteviback"></a> Doch die Fortschrittsmenschen werden nichts unversucht lassen, den neuen Menschen, besessen von Diversität, Inklusion und Egalität, zu züchten, dieses Mal mit Hilfe der Digitaltechnik.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke empfinden sich in der Tradition der Aufklärung stehend und halten die Welt grundsätzlich für durchschaubar, steuerbar und beherrschbar, wenn auch bar jeder Vernunft, während Rechte ihre bescheidenere Besonnenheit der Transzendenz unterordnen, wissend, dass sie nicht die Schöpfer der Welt und des Universums sind und deshalb ehrfurchtsvoll die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit beachten, soll heißen, sich selbst nicht zur letzten Instanz erheben. Linke glauben im Sinne Darwins und Heckels an den Fortschritt vom Niederen zum Höheren. Dann ist es auch logisch, die Marx‘sche Stufenleiter vom Urkommunismus über die Sklavenhalterordnung und den Feudalismus hochzukraxeln, um in der letzten Station, die sich Sozialismus nennt, vor dem kommunistischen Paradies auf Erden den teuflischen Kapitalismus zu überwinden. Denn erst dann wird die vom Klassenkampf bestimmte „Vorgeschichte der Menschheit“ überwunden sein, und der neue Mensch wird ein von Entfremdung und Ausbeutung befreites Leben führen und seine Geschichte bewusst und selbstständig gestalten können. Wer könnte denn etwas gegen eine solche klassenlose Gesellschaft haben? Wer will nicht die göttlichen von Marx entdeckten Geschichtsgesetze anerkennen? Gehören diese Leugner nicht in geschlossene psychiatrische Anstalten gesperrt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder die anderen, die von der ungerechten kapitalistischen Ordnung schwärmen, weil sie von ihr profitieren, müssten sie nicht weggesperrt werden? Und gar die Produktionsmittelbesitzer, gehören sie nicht enteignet? Marx, der ja gern mit Fremdworten herumprahlte, nannte das „</span><em><span class="tm7">Expropriation der Expropriateure</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Und siehe: Die Marx‘sche Theorie wurde zur materiellen Gewalt. Das „Manifest der kommunistischen Partei” wurde zum Bestseller. Die Weltbevölkerung bekam dank Marx ab 1850 bis heute 6,6 Milliarden Zuwachs. Kein Wunder, dass Lebensmittel in den sozialistischen Staaten noch heute knapp sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Also: „</span><em><span class="tm7">Völker, hört die Signale! / Auf, zum letzten Gefecht! / Die Internationale / Erkämpft das Menschenrecht…</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Und wie heißt es dazu bei Marx? „</span><em><span class="tm7">Es gibt nur ein Mittel, die mörderischen Todeswehen der alten Gesellschaft, die blutigen Geburtswehen der neuen Gesellschaft abzukürzen, zu vereinfachen, zu konzentrieren, nur ein Mittel – den revolutionären Terrorismus.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotevii"><sup>vii</sup></a><a id="footnoteviiback"></a> Das haben sich weder die Sturmabteilungen der Nationalsozialisten noch die Kommunisten des Rotfrontkämpferbundes zweimal sagen lassen. In dieser Tradition stehen bis heute vor allem die vermummten Antifa-Banden, die überall nur Nazis und Rassisten sehen wollen, sie regelrecht hervorkitzeln und dafür brav und dumm, wenn nicht gar verbrecherisch vom demokratisch sein wollenden Rechtsstaat subventioniert werden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ehemalige Linke, die nach rechts konvertierten wie der Herausgeber Stéphane Courtois, brachten 1997 das „Schwarzbuch des Kommunismus” heraus. Darin wird äußerst zurückhaltend die Bilanz dieser marxistisch-kommunistischen Ideologie aufgelistet: 100 Millionen Tote. Schnell unterstellen darauf Linke den Rechten: Ihr habt zwei Weltkriege auf dem Gewissen samt Holocaust. Wer so dumm argumentiert, will Verwirrung stiften, denn der totalitäre Nationalsozialismus ist ein linkes Gewächs, wenn auch nicht unmittelbar auf dem Nährboden des Marxismus gekeimt. Die Befürworter der ersten fragilen Demokratie auf deutschem Boden hatten 1924 den mitgliederreichsten Verband zur Verteidigung der Demokratie gegründet: das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Fast drei Millionen Mitglieder setzten sich vor allem gegen die aggressiven Kommunisten und Nationalsozialisten zur Wehr. Überwiegend bestand das Reichsbanner aus Sozialdemokraten, doch auch Anhänger der Deutschen Zentrumspartei (DZP) und der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) hatten das Reichsbanner mitgegründet. Ein Mitglied war auch Prinz Hubertus zu Löwenstein, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sofort ins Exil gehen musste und in den USA 1936 die Deutschen Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil gründete. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt gründete er 1973 den Freien Deutschen Autorenverband (FDA), weil sich der Schriftstellerverband (VS) unter Böll und Grass in die von dem Ex-Kommunisten Leonhard Mahlein geleitete Gewerkschaft Druck und Papier eingegliedert hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Neben Reiner Kunze und anderen aus der DDR ausgesiedelten oder freigekauften Autoren verließ ich ebenfalls den von dem Stasi-Mitarbeiter Bernt Engelmann geführten VS und wurde bald Vizepräsident des FDA. Dort konnte ich mich auch für einige von der Stasi verfolgte DDR-Autoren wie Heide Härtl, Wolfgang Hilbig und Gert Neumann, die damals in Leipzig lebten, einsetzen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Moderne im Wohlstand des Westens aufgewachsene Autoren oder verbeamtete Linke, die gern für das große Endziel ihrer Utopien die Freiheiten Andersdenkender einschränken, beanspruchen jedoch alle Freiheiten für sich, um ihre Gleichheitsgedanken in die Welt trompeten zu können, aber nicht in dem Sinn, dass wir alle vor Gott oder dem Richter gleich sind, nein, eher in dem Sinn, dass es nichts geben darf, was uns differenziert, sondern uns grundsätzlich auf eine Stufe stellt. Deshalb nicht nur die „</span><em><span class="tm7">Ehe für alle</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, sondern alles für alle, denn selbst in einer „</span><em><span class="tm7">sozial gerechten und antidiskriminierenden Gesellschaft</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei es nicht länger hinzunehmen, „</span><em><span class="tm7">dass Namen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Der Artikel gehört dem Mann, doch die Artikel im Plural der Frau. Ist das nicht großzügig?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es geht auch ernsthafter, denn aus manchen linken Spaßvögeln oder Revolutionären sind oft vernünftige Konservative verschiedener Schattierungen hervorgegangen, wie der ehemalige SPIEGEL-Redakteur Jan Fleischhauer, der erkannte: „</span><em><span class="tm7">Die Krux jeder utopistischen Bewegung besteht darin, dass ihre Bemühungen um die Herstellung einer besseren Welt nie ein definiertes Ende haben. Deshalb kann man das Gespräch mit Linken auch immer weitertreiben, über den Punkt der Absurdität hinaus. Das macht es so komisch. Klar, nicht alle können lachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Von der linksgrünen Gleichstellungsbeauftragten Franza Drechsel erfuhr er nun etwas über die Feinheiten der Gendersprache, um alle Menschen gleichberechtigt einbeziehen zu können, auch jene, die sich sexuell nicht zuordnen wollen. Am besten sogar, so belehrt sie ihn, „</span><em><span class="tm7">mit Unterstrich und kleinem i</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. „Der wirklich aufgeklärte Linke“, so Fleischhauer, „schreibt deshalb konsequent nur noch von Vergewaltiger_innen – das nenne ich wahre Gleichberechtigung!”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Überzeugungs- oder Glaubensänderungen sind nichts Neues in der Geschichte. Sie können jedoch noch heute in einigen Ländern der Erde mit dem Tod bestraft werden. In demokratischen Rechtsstaaten hingegen kommen viel zu leicht ehemalige Extremisten an die Macht, das fing bei Herbert Wehner und Ernst Reuter an, die als stramme Kommunisten natürlich auch Dreck am Stecken hatten. Im Gegensatz zu späteren Konvertiten aus dem linksextremen Spektrum sind sie jedoch echte Demokraten geworden, was ich bei Politikern wie „Joschka” Fischer, Claudia Roth, Joscha Schmierer, Hans-Christian Ströbele, Jürgen Trittin und vielen anderen dieses Kalibers bisher nicht erkennen konnte. Denen stehen jedoch Hunderte Konvertierte gegenüber, die wirklich von linksradikalen bis extremen Positionen zur bürgerlich-konservativen Mitte fanden, seien es Philosophen wie André Glucksmann, Rüdiger Safranski oder Peter Sloterdijk, Schriftsteller wie Hans Christoph Buch, George Orwell oder Botho Strauß, seien es Wissenschaftler wie Jörg Baberowski, Klaus Schröder oder Manés Sperber, seien es Journalisten wie Dieter Borkowski, Matthias Matussek oder Günter Zehm, seien es Politiker wie Viktor Orbán, Günter Schabowski oder Miloš Zeman. Auch an den im Februar 2022 verstorbenen Rechtsintellektuellen Günter Maschke möchte ich hier erinnern.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es gibt nur selten eine Wandlung von rechts nach links. Da fallen mir nur der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ein, der öfters durch stark polarisierende Äußerungen über politische Gegner auffiel, doch bald sorgte seine Wendung zu tendenziell linken Positionen für beträchtliches Aufsehen. Zuvor gab es den ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heineman, der von der CDU zur SPD wechselte. Die Rechten haben kaum noch einen Arsch in der Hose. Rainer Zitelmann, der sich wie Tausende andere auch von linksextrem über linksradikal und links auf die Gegenseite bewegt hat, was einem natürlichen Reifungsprozess entspricht, resümierte: „</span><em><span class="tm7">Es bedarf einer Überwindung, sich selbst als ‚rechts‘ zu bezeichnen. (…) Merkwürdigerweise trifft all dies auf den Gegenbegriff ‚links‘ nicht zu.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnoteviii"><sup>viii</sup></a><a id="footnoteviiiback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ja, warum wohl? Die Mehrheit des deutschen Volkes, die im Berufsleben steht und keine Zeit hat, sich ständig von Gender-Affen agitieren oder im Schlussverkauf politischer Moden zum Schnäppchenkauf verführen zu lassen, ist eigentlich ganz gut ausgeglichen, aber es hat nicht die Regierung, die es verdient (oder doch?), es hat trotz Zwangsbezahlung nicht die Medien, die objektiv berichten. Die Volkserzieher dominieren, und sie wollen bestimmen was links und rechts ist. Links ist für sie gut, rechts ist böse. Und das wird über alle zwangsfinanzierten Kanäle durchgepeitscht bis zum Geht-nicht-mehr! Der Schriftsteller und Journalist Ulrich Schacht, der sich einst sein kritisches Bewusstsein in der Stasi-Haft schärfen ließ, drückt es so aus: „</span><em><span class="tm7">Ich meine, dass wer heute die hohntriefenden oder hassverzerrten Masken von Figuren der öffentlich-rechtlichen Medien – die behaupten, Nachrichten zu verkünden – bei der täglichen Arbeit der Lüge durch dreisteste Manipulation beobachtet – also die Physiognomien der Slomka, Miosga oder Kleber, wenn sie den Feind vor sich haben, wahlweise Trump, Putin, Orban, Farage, Gauland oder gleich die ganze AfD, gleich ob im Interview oder im Text -, der sieht doch plötzlich mitten in Deutschland nordkoreanisches Fernsehen: fanatisches Augenrollen, hassbebende Stimme, siegessicheres Lächerlichmachen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">All das fordert den Rechten viel Verantwortungsgefühl ab. Obwohl sie von der prinzipiellen Ungleichheit der Menschen ausgehen, befürworten sie eine Hierarchie traditionell bewährter Werte und Normen, in denen die individuelle Freiheit wichtiger zu sein hat als die soziale Gleichheit. Mit rechten Werten, erkannte schon die Pionierin der Demoskopie, Elisabeth Noelle-Neumann, verbinden Menschen neben Betonung der Unterschiede, Distanz, Autorität, Disziplin, geregelte Umgangsformen, das Nationale und das „Sie”. Für Ausländer sind das typisch deutsche Eigenschaften, die jedoch immer mehr verlorengehen, denn Linke sind Freiheitshalbierer. Sie grenzen den Raum nicht nur in machtpolitischer Hinsicht ein, sondern auch in moralisch-ethischer Hinsicht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Linken habe ich, obwohl sie schon über ein halbes Jahrhundert den Club Voltaire unterhalten, noch nie Voltaires Zitat gehört: „</span><em><span class="tm7">Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Linke sind als eindimensionale Rechthaber zu erkennen, weil sie sich fortschrittlich wähnen und eine Vision von der besseren Welt im Kopf haben, für die sie, wenn es die Umstände erfordern, auch über Leichen gehen. Denn für dieses gute Ziel darf, nein, muss man auch Menschen opfern, die sich dem edlen Ziel in den Weg stellen. Auf die „Diktatur des Proletariats” nach Marx‘scher Diktion wagen sich heute nur noch wenige direkt zu berufen, doch auf die anmaßende Diktatur der richtigen Weltanschauung schon.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Rechte haben kein festgezurrtes Weltbild, nicht alle sind religiös gebunden, sie sind geistig viel flexibler, oft auch Wechselwähler, denn sie glauben nicht an den Fortschrittswahn und das Paradies auf Erden. Sie sind Gegner jeder Sozialismusvariante und jeder Eine-Welt-Regierung, die sich Linke ebenso wie die Profiteure des Banken- und Großkapitals wünschen. Rechte sind nicht so anmaßend, die Welt retten zu wollen, aber in ihrem Umfeld, also ihrem Nächsten gegenüber, sind sie oft gerechter und sozialer als Linke, die vor allem immer die große Veränderung im Weltmaßstab im Blick haben und in ihrem Umfeld oft die größten Egoisten sind. Großzügig sind Linke immer nur beim Anheben ihrer Diäten und im Ausgeben von Steuergeldern, auch für die sinnlosesten Projekte der sogenannten Entwicklungshilfe. In unserem Staat sind die Linken, einschließlich der verkommenen Sozialdemokratie, die größten Aussauger des deutschen Wohlfahrtsstaates, der auf den Konzepten der von ihnen bekämpften Ordoliberalen beruht und von Ludwig Erhard umgesetzt wurde, von der die SED-Linke Sahra Wagenknecht in einem SPIEGEL-Interview<a href="#footnoteix"><sup>ix</sup></a><a id="footnoteixback"></a> noch glaubte, dass er heute bei den Linken andocken würde. Zum Lachen konnte sie schon reizen als einstige Stalin- und Ulbricht-Verehrerin, die jedoch mittlerweile durch die Beschäftigung mit den Ordo-Liberalen nicht nur viel reifer, sondern an der Seite des einstigen Honecker-Verehrers Oskar Lafontaine bedeutend reicher geworden ist. „Wagenknechts Wochenschau“ sehe ich mir regelmäßig an und kann fast allem, was sie kritisch analysiert, zustimmen. Gewandelte freuen sich über jeden Wandler.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einer der interessantesten deutschen Philosophen der Gegenwart, Peter Sloterdijk, schlug sogar eine neue Kulturrevolution vor, einen radikalen psychosozialen Wandel, der von der Einsicht ausgeht, dass die ausgebeutete produktive Schicht heute nicht mehr die Arbeiterklasse, sondern die obere Mittelklasse ist. Deren Vertreter sind die wahren „Gebenden”, deren hohe Besteuerung die Bildung, Gesundheitsversorgung und vieles mehr der Mehrheit finanziert. Um diesen Wandel zu bewerkstelligen, müssten wir den Etatismus überwinden, jenes Relikt des Absolutismus, das auf seltsame Weise in unserem demokratischen Zeitalter weiterlebt: die Idee also, die selbst in der traditionellen Linken starken Zuspruch findet, der Staat habe das Recht, seine Bürger zu besteuern, ihren Beitrag zur Produktion zu ermitteln und einen Teil davon einzuziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder muss die Frage gestellt werden: Ist der Staat für die Menschen da oder der Mensch für den Staat? In archaisch strukturierten Gesellschaftsformen zählt das Individuum wenig, aber die Familie, der Clan, die Religionsgemeinschaft alles. Auch Atheisten, die meinetwegen nur an die Wissenschaften glauben, sollten wissen, dass sie es ebenfalls dem „Reformator” Jesus Christus zu verdanken haben, dass sie heute so selbstbewusst individuell auftreten können. „</span><em><span class="tm7">Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; steht nun fest und lasst euch nicht wiederum unter einem Joch der Knechtschaft halten.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotex"><sup>x</sup></a><a id="footnotexback"></a> Weder im Alten Testament noch im Koran habe ich Wesentliches zu dem Begriff „Freiheit” finden können. Linke, die ständig von Solidarität faseln, halten aber die Bürger für die größten Egoisten, die gezwungen werden müssen, zum Gemeinwohl beizutragen. Um sie abzuschöpfen, um Vermögen umzuverteilen, bedarf es eines riesigen Beamtenapparates, so dass den Bürgern immer mehr Zeit gestohlen wird, weil sie sich mit unübersichtlichen Steuererklärungen und sonstigem Bürokratenmüll herumschlagen müssen. So bekommt der erschöpfte Bürger kaum mit, was mit seinem Geld alles finanziert wird oder wie sein hart erarbeitetes Geld in Milliardenhöhe sinn- und verantwortungslos in- und ausländisch verpulvert wird – von Bankenrettungen oder dem Berliner Flughafen und anderen Millionenprojekt-Ruinen ganz zu schweigen. Keiner der Politiker wird dafür zur Verantwortung gezogen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Trotzdem hat es dem niveauvollen Rechten klar zu sein: Das Linke zu leugnen, hieße selbstverständlich, das Rechte aufzuheben – und umgekehrt. Die Wahrheit ihrer logischen und phänomenologischen Differenz besteht in ihrer Einheit. Das Linke bedarf eines Gegenübers, auf den es seine Wirksamkeit beziehen kann, an dem es sein Profil bezieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Das Rechte braucht das Linke und umgekehrt, damit das Eigene überhaupt erkannt werden kann in seiner Wesenheit. Und das gilt prinzipiell für alle Dualismen, die sich auch in Platons „Zwei-Welten-Lehre” darstellt und die unser irdisches Leben einkreisen. Deshalb ist es eine Ungeheuerlichkeit, dass eine demokratisch sein wollende Regierung, deren Aufgabe es ist, neutral die Balance zwischen notwendigen Gegensätzen zu wahren, dreist den mit Steuermitteln geführten „</span><em><span class="tm7">Kampf gegen rechts</span></em><span class="Endnotenzeichen">” führt. Das ist ein totalitärer Eingriff in die Substanz des inneren Friedens einer Gesellschaft, der eindeutig entlarvt, dass solche Regierungen von dem dialektischen Geschichtsprozessen nichts verstehen, um die harmlosere Variante zu vermuten, und somit das Gesellschaftsschiff einer Katastrophe zusteuern. Zum Glück sind solche Regierungen abwählbar, sodass immer die rechte Hoffnung besteht, dass das Steuer noch rechtzeitig – von wem auch immer – herumgerissen werden kann. Was sagte dazu der als pessimistisch geltende Arthur Schopenhauer? „Solange der Ausgang einer gefährlichen Sache nur noch zweifelhaft ist, solange nur noch die Möglichkeit, dass er ein glücklicher werde, vorhanden ist, darf an kein Zagen gedacht werden, sondern bloß an Widerstand…”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein Demokrat bekennt sich dazu, eine linke und eine rechte Hirnhälfte als auch linke und rechte Gliedmaßen zu besitzen. Alles Einseitige im Menschen liegt mittig, auch wenn links ausgerichtete Menschen stolz darauf verweisen, dass unser Kreislaufmotor, also das Herz, links schlägt. Ist das der Grund, warum Linke gern zuschlagen, gern Revolutionär sein wollen? Wissen sie nicht, dass jeder jakobinische Revolutionär zum Verbrecher, weil zum Mörder wird?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder nehmen wir die sanfteren sozialdemokratischen Gutmenschen, sie kämpfen ja immer um soziale Gerechtigkeit. Was haben sie hervorgebracht? Ein Steuerrechtsmonster, das einem Heer von Beamten und Steuerberatern zwar sinnlose Einkünfte verschafft, aber dem Volk nur Ärger bereitet und kostbare Lebenszeit stiehlt. Nur Reiche, die sich gute Anwälte leisten, haben etwas davon. Mit dem rechts-links Maßstab ist es nicht einfach. Ich weiß zwar, was meine linke Faust ist und was ich meiner rechten zutrauen kann. Doch wenn ich mich umdrehe, ist das, was links von mir war, plötzlich rechts. Und je schneller ich mich drehe, umso verdrehter wird alles, bis ich schließlich durchdrehe…</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Genauso so geht es mir, wenn ich in das zwangsfinanzierte Staatsfernsehen gucke, um zu sehen, dass ich kaum etwas von dem erkenne, was ich mit eignen Augen sehe. Es macht mich schwindelig, und ich frage mich benommen: Wer will mich hier eigentlich beschwindeln? Sie zeigen mir eine heile Welt und kommentieren: „</span><em><span class="tm7">Noch nie ging es den Deutschen so gut wie heute.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Die Wahrheit ist bekanntlich nach Hegel immer das Ganze, das kein Mensch überblicken kann, wenn er nicht Gottes Auge verkörpert, der von allen und allem zu aller Zeit alles sieht und durchschaut. Es wäre also vernünftiger, einem allmächtigen Gott zu vertrauen, der Himmel und Erde schuf, als Menschenhirnis zu vertrauen, die sich gierig anmaßen, andere regieren, dirigieren und relegieren zu wollen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Alle Schöpfungsmythen zeugen von ersten Teilungen zwischen Licht und Schatten, Sonne und Mond, Himmel und Erde, Tag und Nacht bis hin zu Mann und Weib, Herr und Knecht, Täter und Opfer, Freude und Leid… Macht und Machtmissbrauch hingegen sind kein Gegensatz, sondern ein Paar. Auch aus Gegensätzen ergeben sich manchmal Grundsätze, die für beide Seiten gültig sein können. Die klügsten Sprüche entstammen oft den Widersprüchen. Weil wir jedoch nur mit Sprache denken können, manche nur noch in stereotypen Formeln, kommen wir unserem Dasein, unserem Sosein in Raum und Zeit nie richtig auf die Spur, denn wir gehören, um es trivial auszudrücken, der Welt auf drei Ebenen an: durch Seele, Geist und Körper.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Im Geiste sind wir auf Streit angelegt. Hier wollen wir alles infrage stellen, neu bewerten, entdecken, erforschen – immer auch in Konkurrenz, im Wettstreit zu anderen Menschen. Nicht nur im Sport, auch in der Wirtschaft, in der Wissenschaft, in der Politik, ja, auch im Kampf um den schönsten Lebenspartner, überall lassen sich rote Linien des Anstandes, der Fairness und der Humanität überschreiten, wenn manche es vom Ehrgeiz getrieben bis zum Ausschalten des Gegners treiben, von der Diffamierung, dem Rufmord bis zum körperlichen Mord. Und das hat noch nicht einmal etwas mit unseren Machttrieben zu tun, die ebenfalls in uns schlummern. Ach ja, die menschlichen Triebe! Davon gibt’s einige, die uns nicht selten zum Tier erniedrigen wollen, falls damit nicht schon die Tiere beleidigt werden. Bleibt noch die Seele übrig, die gute Unbekannte. Ist sie es, die uns zum Mitgefühl, zum Mitleiden befähigt? Sind wir dadurch nicht auch zur Kooperation befähigt?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Natürlich nicht zu jedem und allem, so wie wir höchstens zur Nächsten-, aber nicht zur Fernstenliebe fähig sind und nach dem Gebot des Christentums auch nicht sein sollen. Das wäre Gottanmaßung. Wir können uns noch sonst wie in die Höhe strecken, mit bloßen Armen oder mit Raketen, wir werden immer nur, selbst auf fremden Planeten, irdische Kinder bleiben, selbst dann noch, wenn wir uns durch unsere eigenen Robotergeschöpfe ersetzt haben. Erstaunlich, womit wir alles zu jonglieren haben, womit wir Maß und Mitte in unseren eigenen Veranlagungen ausbalancieren sollen, um ein friedensstiftendes Subjekt sein zu dürfen, falls wir es denn überhaupt wollen. Und könnten wir es wollen, dann würde der Teufel arbeitslos. Wollen wir das?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Wie soll ich z.B. die ehemalige Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen und Grünen-Politikerin Marianne Birthler verstehen, die einem SPIEGEL-Redakteur verriet: „</span><em><span class="tm7">Es gibt eben keine Garantie, dass man in seinem Leben immer auf der richtigen Seite steht.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Mal ehrlich, möchte jemand sein ganzes Leben lang stehen? Gar noch auf der richtigen Seite? Und die wäre? Wir Klügeren wissen ja, was sie meint: „Links, links, links, zwo, drei vier…” Und irgendwann ist Stillgestanden angesagt. Dann der nächste Befehl: „</span><em><span class="tm7">Diiiiiiiiiiie Augen – links!</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Na also! Ganz locker bleiben, durchaus den Versuchungen nachgehen, einmal aus der Reihe zu tanzen, mal links, mal rechtsherum, mal Wiener Walzer, mal schön im Tangoschritt, mal Foxtrott bis zum sportlichen Rock‘ n‘ Roll. Dann endlich eine Pause mit einem erotischen Bauchtanz wohlproportionierter Damen aus dem Orient. Wäre das nicht Lebensfreude pur? Nein, belehren mich die neuen Oberlehrer*innen, das ist Sexismus pur, also neuerdings strafbar! Wie wir Älteren wissen, lauert der Verführer überall. Haben sie Erfolg, gehen sie bald zum Befehlen über, so wie einst die Führer in der jungen Sowjetunion und im Deutschen Reich; und selbst der tote KPD-Chef Ernst Thälmann war, auferstanden in einem DDR-Pflichtfilmepos, erst ein „Sohn“, dann im zweiten Teil des Filmes: ein „Führer“ seiner Klasse. Was manche noch heute dazu verführt, auf der „richtigen Seite” mit erhobener Faust stramm zu stehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer könnte nicht mit Milan Kundera hadern, weil jemand nicht weiß, ob er auf der richtigen Seite der Erde steht oder geht? „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins” - sein weltberühmter Roman, darin es heißt: „</span><em><span class="tm7">Man kann nicht wissen, was man wollen soll, weil</span></em> <em><span class="tm7">man nur ein Leben hat, das man weder mit früheren Leben vergleichen noch in späteren korrigieren kann.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Freilich, wer glaubt, über oder durch den Komiker Charlie Marx die Geschichtsgesetze erkannt zu haben und sich damit garantiert immer auf der richtigen Seite aufhält, hat auf dieser Welt das große Los gezogen. Wer solche Imperative auf der religiösen Schiene braucht, und sei es nur zur Ergänzung, der ist beim letzten Propheten Mohammed am besten an-, wenn nicht gar aufgehoben. Denn dieser Analphabet war nach Meinung des französischen romantischen Dichters Alphonse de Lamartine zusätzlich noch „</span><em><span class="tm7">Philosoph, Redner, Gesetzgeber, Kämpfer, Eroberer, Denker, Prophet, Gründer der Religion des Verstandes und einer Dienerschaft ohne Statuen oder Götzen. Dazu war er ein Führer von 20 irdischen Reichen und des seelischen Imperiums, welches keine Grenzen hat.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Tja, da können wir Deutschen nicht mithalten. Für solch einen Führer lohnt es sich vielleicht doch, seinen Arsch fünfmal täglich gen Himmel zu heben? Zumal er Gottes letzte Botschaft in die Welt brachte, die im Koran zusammengefasst worden sei. Und zwar als „</span><em><span class="tm7">schönste Poesie der Welt</span></em><span class="Endnotenzeichen">” überhaupt, indem zusätzlich jeder Vers ein Gesetz (!) anordnet. Dazu sind die Sätze nach Ihrer Länge angeordnet. Warum kommt eigentlich keiner auf die Idee, die Bibel der Marxisten, „Das Kapital”, ebenfalls nach der Länge der Sätze zu ordnen? Vielleicht würde dann der tiefe Unsinn erst richtig verständlich? Mohammed, der – wie später auch Stalin – ein Drittel der damaligen Welt eroberte, war, wie es heißt, „</span><em><span class="tm7">im Diesseits anwesend und gleichzeitig nicht da, denn sein Herz hing nur an Allah</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexi"><sup>xi</sup></a><a id="footnotexiback"></a>. Ob es noch heute dort hängt? Arabische Ölmonarchen pumpten bisher schon fast eine Milliarde € nach Europa, freilich nur an muslimische Organisationen.<a href="#footnotexii"><sup>xii</sup></a><a id="footnotexiiback"></a> Warum wohl? Und was macht Deutschland? Wir zahlen der kommunistischen Weltwirtschaftsmacht China jährlich über 600 Millionen „Entwicklungshilfe“, also Steuergelder. Irre? Das ist zu milde ausgedrückt.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ähnliche Verherrlichung wie Mohammed erfuhr im Westen ab dem 19. Jahrhundert lediglich nach seinem Tod Karl Marx, den im Westen Deutschlands nicht nur der bayerische Politikwissenschaftler Prof. Konrad Löw schon in alle Einzelteile zerlegt hatte, sondern später auch der ehemalige Marxismus-Professor an der Ost-Berliner Humboldt-Universität, Hermann von Berg, der nach gründlichen Recherchen Marx als Scharlatan unter dem Namen Karl Murks entlarvte. Zu seinen Lebzeiten nahm Marx, diesen Vielschreiber, niemand als Philosoph ernst, aber im freien Westen wird er heute umso euphorischer zum größten Denker, Analytiker und Zukunftspropheten aller Zeiten stilisiert. Hochdotierte Wissenschaftler basteln schon seit Jahren auf Kosten des deutschen Steuerzahlers an der Marx-Engels-Gesamtausgabe, die einmal mindestens 114 Bände umfassen soll.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Ein ehemaliger politischer DDR-Häftling schreibt in einer Häftlingszeitung<a href="#footnotexiii"><sup>xiii</sup></a><a id="footnotexiiiback"></a> empört: „</span><em><span class="tm7">Nun ist etwas passiert, was unglaublich zu sein scheint. Der SPD-Bundespräsident (Frank-Walter Steinmeier) hat die Schirmherrschaft über die Ehrungen für den Vater der Ideologie des Kommunismus, Karl Marx, 2018 in Trier übernommen! Ist das der Bundespräsident aller Deutschen? Hat er die Menschen vergessen, die zwischen 1945 und 1989 durch die Ideologie des Marxismus-Kommunismus in Deutschland ermordet wurden? Sollen die zum Teil 90jährigen Workuta-Häftlinge am Ende ihres Lebens feststellen, dass ihre Peiniger im Recht waren, als sie mit Marx-Zitaten auf den Lippen Todesurteile und 25-jährige Zwangsarbeit aussprachen? Wann hat der Bundespräsident je die Schirmherrschaft für die Millionen umgekommenen Menschen der Lager Buchenwald, Ketschendorf, Workuta übernommen?</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der Philosoph Friedrich Nietzsche, ein Zeitgenosse von Marx &amp; Engels wies schon 1878 darauf hin, dass der Sozialismus</span><em><span class="tm7"> „der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">” sei, „</span><em><span class="tm7">den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur jeder Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmäßiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Deshalb, so weiter bei Nietzsche, „</span><em><span class="tm7">bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort ‚Gerechtigkeit‘ wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Immerhin, so der Dialektiker Nietzsche, kann der Sozialismus auch dazu dienen, „</span><em><span class="tm7">die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflößen. Wenn seine raue Stimme in das Feldgeschrei ’so viel Staat wie möglich‘ einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit um so größerer Kraft hervor: ‚so wenig Staat wie möglich‘.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexiv"><sup>xiv</sup></a><a id="footnotexivback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wieso wird Nietzsche nicht als Prophet bezeichnet? Hat er nicht klar vorausgesehen, was Millionen Menschen später in sozialistischen Staaten erleben mussten und weiterhin dürfen? Stattdessen gibt es überall in Deutschland, natürlich vor allem auf dem ehemaligen Gebiet der DDR, noch immer Straßen und Plätze, die nach Karl Marx benannt sind, Denkmale stehen überall herum, Personenkultfilme laufen im Kino und im Fernsehen, als wäre nicht längst bewiesen, dass alle Machthaber, die sich auf ihn beriefen und seine obskuren Theorien in die Praxis umzusetzen versuchten, unwiderlegbar Massenmörder geworden waren, bevor sie mit ihren Regimen unter Lenins so witzigem wie unlogischem Motto „</span><em><span class="tm7">Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist</span></em><span class="Endnotenzeichen">” jämmerlich gescheitert sind.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Immer wieder werden Menschen geboren, die das ganz anders sehen wollen. Das Gleiche lässt sich zum Islam sagen, dessen Praxis von Anfang an, also seitdem Mohammed seine Heimatstadt Mekka verlassen musste und erst anschließend erfolgreich wurde, fast immer nur einer Kriegswirtschaft glich. Türme von abgeschlagenen Köpfen zieren seinen Weg bis in die Gegenwart. 270 Millionen sollen bislang dem islamischen Heiligen Krieg zum Opfer gefallen sein, und die versklavten und vergewaltigten Terroropfer lassen sich kaum zählen. Auch hier könnte der Nato-verbündete Moslembruder Erdoğan mit gleicher Logik behaupten: „</span><em><span class="tm7">Der Islam ist wahr, weil er allmächtig ist.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Das Todbringende, das Böse, das Niederträchtige und Erniedrigende wird immer Bestandteil unseres menschlich-unmenschlichen Wesens sein. Jede Nation hat ihre Leichen im Keller, kein Volk ist auserwählt, nur Böses hervorzubringen – und umgekehrt. Wandlungen finden nicht nur im Menschen statt, auch Städte, Staaten und Landschaften wandeln sich, so dass neue Formen, Farben und Gestaltungen immer wieder neue Rätsel gebären. Francis Bondy berichtete über eine Begegnung mit dem ebenfalls vom Kommunismus abgefallenen italienischen Schriftsteller Ignazio Silone, bei der er sagte: „</span><em><span class="tm7">Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus‘. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Antifaschismus‘.”</span></em><span class="Endnotenzeichen"> Heute ist ersichtlich, wie Recht er hatte, da jene, die den Antifaschismus instrumentalisierten, selbst zu brutalen Jakobinern geworden sind - unterstützt dabei von vielen Etablierten. Robespierres sture politische Linie, sein damaliges Eintreten für den Terror im Namen der Tugend, führte nicht nur die Revolution in ihre blutigste Phase, sondern auch zur eigenen Hinrichtung.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ulrich Schacht sah durch als er konstatierte: „</span><em><span class="tm7">Aber diese Sturmtrupps der ‚totalitären Demokratie‘ (Jakob L. Talmon) sind mitnichten das Hauptproblem unserer Tage. Das Hauptproblem sind ihre intellektuellen Wasserträger in Parteien, Massenmedien, Universitäten und kulturellen Institutionen, die mit dürren Worten Rechtsstaatsnormen verteidigen, aber mit ungleich mehr Vokabeln die so terrorisierten Kritiker der im blockparteilichen Gleichschaltungswahn dahin taumelnden deutschen Merkel-Gesellschaft ins moralische Unrecht zu versetzen suchen, gegen das (fast) alles erlaubt ist. Sie hassen dabei im Kern den Nationalstaat, die Heimat, das Christentum, vor allem aber das Volk, das all diese Identitätstopei nicht hasst, sondern verteidigt – warum? Weil sie das Eigene, also sich selbst hassen und aus diesem Selbsthass, in einem Akt nachgeholten Jakobinertums, die universalistische Generaltugend des 21. Jahrhunderts gemacht haben.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Genauso verlogen ist die französische Parole „</span><em><span class="tm7">Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit</span></em><span class="Endnotenzeichen">”. Für Goethe stand schon damals fest: „</span><em><span class="tm7">Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich versprechen, sind Phantasten oder Charlatans.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”<a href="#footnotexv"><sup>xv</sup></a><a id="footnotexvback"></a> Christen müssten sich eigentlich affrontiert fühlen, wie ihre Trinität „</span><em><span class="tm7">Glaube, Hoffnung, Liebe</span></em><span class="Endnotenzeichen">” verdrängt worden ist durch utopische Ungereimtheiten und infantile Argumentationen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Was wird sich durchsetzen, ersetzen, absetzen? Die Utopie des chinesischen Kommunismus? Die totalitäre Welteroberungsideologie im Namen Allahs? Der allen alles versprechende Atheismus? Der intelligente Roboter, der uns endlich sagen kann, was „die richtige Seite” ist? Jeder Wissenschaftler hat die Pflicht, seine Thesen oder Hypothesen durch Versuchsreihen zu überprüfen und nachzuweisen. Aber derselbe Wissenschaftler als Mensch kann nur eins in seinem Leben beweisen – ja, was eigentlich? Dass er gelebt und etwas Neues entdeckt hat! Alles, was wir an Erfindungen und Entdeckungen hinterlassen, lässt sich nutzen und ausnutzen, sowohl im humanen als auch gegenteiligen Sinn. Ein Brotmesser lässt sich halt immer auch als Mordwaffe einsetzen, wie es seit kurzer Zeit im Durchschnitt 50-mal täglich geschieht.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wäre es da nicht bescheidener, anständiger, gleich an eine höhere Macht zu glauben, die wir eben nicht erfassen und verstehen, aber manchmal wenigstens erfahren können? Nur der Allwissende kann wissen, was richtig und falsch ist; nur er kann uns richten oder aufrichten. Und selbst wenn wir uns nach Gott richten wollen – nach welchen? Wenn der Gott der Juden, der Christen und Mohammedaner der Gleiche wäre, wäre schon alles viel einfacher. Und Toleranz gegenüber der Intoleranz ist auch keine Lösung. Im Gegenteil! Um wie viel einfacher und damit freier wäre es in einer modernen Zivilisation, wenn es nur die Zehn Gebote gäbe, die Moses als 1. Prophet dem Menschen offenbarte. Alle Vielfalt, die sich auf Erden entwickelt hat, soll bleiben, aber dort, wo sie ihre Wurzeln hat. Ausbreitung wird es immer geben, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler und jener, die alle Grenzen abschaffen wollen, weil sie ihre Nation hassen oder sich wie Konzernprofiteure zum Globalisten berufen fühlen. Wesentliches steckt oft im Detail. „</span><em><span class="tm7">Das Vaterunser hat 56 Wörter, die Zehn Gebote haben 297 und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300. Aber eine Verordnung der EWG-Kommission über den Import von Karamellen und Karamelprodukten zieht sich über 26 911 Wörter hin.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexvi"><sup>xvi</sup></a><a id="footnotexviback"></a></span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Mit diesem Vorhalt wurde schon damals die überbordende Bürokratie auf europäischer Ebene angeprangert.<a href="#footnotexvii"><sup>xvii</sup></a><a id="footnotexviiback"></a> So kann auch die freieste Verfassung der Welt das Leben in einer solch angeblich „offenen Gesellschaft” zur Bürokratendiktatur im Alltag herunterkommen lassen. Wo Bürokratie die „soziale Marktwirtschaft“ und damit die Kreativität unterdrückt, bahnt sich zugleich sozialistische Planwirtschaft an, die immer in der Armut und im Elend für die Massen endet.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ein mit Regeln, Ordnungen, Gesetzen und vor allem ideologischen Sprachregelungen vollgestopfter Alltag, der zusätzlich noch von Staus auf Autobahnen, endlosen Baustellen, übervollen S- und U-Bahnen erschwert oder mit verlockenden Supersonderangeboten und sonsterlei Reklame zugemüllt wird, kann mitunter anstrengender sein als das Dasein in einer Diktatur. Diktatoren lassen sich leichter betrügen, weil unter ihnen eigentlich fast jeder weiß, was sie wollen. Da finden zumindest die Schlauen und Heuchler leichter ihre Freiräume. Doch in einer westlichen Demokratur ist alles mittlerweile so verlogen und überzogen, so eckigrund und kunterbunt, so einerlei wie entscheidungsfrei, so kriminell und universell, so verpuppt wie korrupt, so abwägend wie aufregend, so unermesslich vergesslich, dass einem oft die Luft ausgehen will und was viele unter Bluthochdruck leiden lässt. Im Vordergrund noch immer die rote Verheißung, im Hintergrund die große Verscheißerung. Alles in allem trotzdem ein abwechslungsreiches Leben, das viele Sensible ständig als Gefährdung erleben, trotz der vielen fröhlichen Gefährten.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Warum muss ich mir, fragen sich viele, die mich und meine traumatisierende Leidens- und Lebensgeschichte in der DDR-Diktatur kennen, von linken Wohlstandskindern, von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern oder Profiteuren eines Unrechtsregimes, die noch nie für ihre Überzeugung geradestehen, also Verantwortung übernehmen mussten oder für ihre Schuld gegenüber anderen Menschen zu büßen hatten, so vieles gefallen lassen? Wie sollen wir vom SED-Regime Gedemütigten einen Kanzler Scholz anerkennen, der in den 80er Jahren neunmal die SED-Bonzen besuchte und sich für deren Politik einspannen ließ? Selbst die Gemäßigten innerhalb der SPD waren bereit, die DDR anzuerkennen und damit die endgültige Spaltung Deutschlands zu besiegeln.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nicht wenige fühlen sich meinen Freunden und mir gegenüber moralisch haushoch überlegen, und nur, weil wir keine Linken mehr sein können und wollen. Und was sind wird dann in deren Augen? Rechtspopulisten, Reaktionäre, Verschwörungstheoretiker, auf alle Fälle schlechte Menschen, wenn nicht gar Naaaaaaziiiis. Und dann sind sie zumeist schon am Ende ihres dümmlichen Lateins.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">„Könnte es sogar sein”, lässt sich hier berechtigt mit Jürgen Fritz fragen, „dass wir es hier in Wahrheit mit einer Form der moralischen Minderwertigkeit und tief internalisierten Mustern zu tun haben, die um einer in der Zukunft antizipierten in höchstem Maße fragwürdigen Gerechtigkeit willen im hier und jetzt unzählige Ungerechtigkeiten begehen, so dass letztlich die Ungerechtigkeit selbst mehr und mehr zu ihrem inneren Wesen wird?”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Meine Vorbilder sind jedenfalls – moralisch wie politisch – die Widerstandskämpfer der Weißen Rose, die keine Linken waren, geschweige denn Kommunisten, sondern bürgerlich-konservative Christen. Aus ihren ethischen Prinzipien heraus haben sie sich über die NS-Gesetze hinweggesetzt und das totalitäre System bekämpft. Ausgerechnet Heinz Kucharski, der zwar in Hamburg die Flugblätter der Weißen Rose mit verteilte, die seine Klassenkameradin Traute Lafrenz von München nach Hamburg gebracht hatte, verriet der Gestapo nach seiner Verhaftung über 30 Widerständige und Unschuldige, von denen acht nicht überlebten. Seiner eigenen Hinrichtung konnte er durch Flucht entkommen. Er ging anschließend, da er in Hamburg nicht entnazifiziert wurde, in die Ostzone, wo er bald ein fleißiger Stasi-Mitarbeiter wurde und mich, der ich ihn für einen väterlichen Freund hielt, mit zu meinen Gefängnisaufenthalten verhalf.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Der mehrfach preisgekrönte Lügner und Fälscher Claas Relotius besuchte für den SPIEGEL auch Kucharskis Klassenkameradin Traute Lafrenz in den USA, die letzte Überlebende der Weißen Rose Hamburg. Und selbst dieser mittlerweile 103-jährigen höchst ehrwürdigen Frau legte dieser linke Volkserzieher Worte in den Mund, die sie nachweislich nie gesagt hatte.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Von Traute Lafrenz erfuhr ich, dass Heinz Kucharski schon als Schüler der Lichtwark Reformschule sehr links war, Marx, Engels, Lenin und Stalin las und damit gar nicht zur Weißen Rose passte. Vor allem, weil er plante, Gewalt anzuwenden, obwohl er von Natur aus ein schulbekannter Feigling war.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Linke sind für mich Menschen, die kaum an einen realen Gott glauben, sondern vor allem mit Marx an sich selbst, maßlos überzeugt von ihrer Mission, die letztlich einer infantilen Ideologie verhaftet ist. Und dafür dürfen sie sich selbstverständlich über das bestehende Recht hinwegsetzen, wenn damit nur jeder Gegner zum Feind abgestempelt werden kann. Die Opferung der Gleichbehandlung dient ausschließlich jenem utopischen Ziel, das die Herstellung der Gleichheit in der Zukunft fördert. Die einfachste Form, Ungleichheit abzubauen, bedeutet nach der Logik der Antifa-Faschisten, die Erfolg-Reichen mit Gewalt zu enteignen oder diese angeblichen Unterdrücker einfach irgendwie totzukriegen. Doch da Milliardäre wie Soros oder Gates nicht blöd sind, unterstützen sie oft Projekte der Linken oder finanzieren gar deren Parteitage.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Linke und Grüne sind nicht böse, nein, sie wollen doch für alle Menschen dieser Erde nur das Gute. Das wollte der gebildete Massenmörder Leo Trotzki ebenfalls, denn im kommunistischen Paradies auf Erden wird, so prophezeite er, der Mensch „</span><em><span class="tm7">unvergleichlich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewegungen werden rhythmischer und seine Stimme wird musikalischer werden. Die Formen des Alltagslebens werden dynamische Theatralität annehmen. Der durchschnittliche Menschentyp wird sich bis zum Niveau des Aristoteles, Goethe und Marx erheben. Und über dieser Gebirgskette werden neue Gipfel aufragen.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es werden wohl menschengemachte Roboter sein, die bald diese Bedingungen erfüllen können, nicht wahr? Der Genderismus will ebenfalls einen neuen Menschen formen, der keine Eltern mehr hat, sondern nur noch Elter 1 und Elter 2, die ihm staatlicherseits beliebig zugeordnet werden können. Eine der Vorreiter*innen des Genderismus war Sartres Partnerin Simone de Beauvoir. Sie schrieb schon 1949: „</span><em><span class="tm7">Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Damit wird das Mannsein und Frausein zu einem Irrtum erklärt, die durch gesellschaftliche und kulturelle Überformung entstanden sei. Verbunden damit ist die Forderung nach der Neuen Power-Frau und dem Neuen Softie-Mann. Als Konsequenz muss der Frau die Mutterschaft und dem Mann die Vaterschaft abgesprochen werden. Eltern werden so zu willkürlich zuordbaren „Bezugspersonen” für die Kinder.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Einige Zitate von Simone de Beauvoir beweisen ihre Nähe zur kommunistischen Ideologie: „</span><em><span class="tm7">Eine Welt, in der Mann und Frau gleich sind, kann man sich leicht vorstellen. Denn es ist genau die Welt, welche die sowjetische Revolution versprochen hatte: Die Frauen würden genau wie die Männer erzogen und geformt, sie arbeiteten unter den gleichen Bedingungen und um den gleichen Lohn. […] Die sexuelle Freiheit würde von den Sitten gestattet. […] Die Frau würde genötigt sein, sich einen anderen Lebensunterhalt zu sichern. Die Ehe würde auf einer freien Vereinbarung beruhen, welche die Gatten aufkündigen könnten, sobald sie wollten. Die Mutterschaft wäre frei, d. h. man würde die Geburten-Beschränkung und die Abtreibung gestatten und dafür allen Müttern und ihren Kindern genau dieselben Rechte geben, ob sie verheiratet sind oder nicht. Schwangerschaftsurlaub würde von der Kollektivität bezahlt werden, welche die Betreuung der Kinder übernähme.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Oder: „</span><em><span class="tm7">Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und die Kinder großzuziehen. Die Gesellschaft sollte völlig anders sein. Frauen sollten diese Wahl nicht haben, und zwar genau deshalb, weil, wenn es eine solche Möglichkeit gibt, zu viele Frauen sich dafür entscheiden würden.</span></em><span class="Endnotenzeichen">” Seitdem werden vom Frauenministerium zahlreiche Umerziehungsprogramme ersonnen, um Kinder in Krippen und Kindertagesstätten zu neuen, sexuell aufgeklärten Gendermenschen zu erziehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Jemandem, der in einer realsozialistischen Diktatur aufwuchs, ist es kaum nachvollziehbar, dass es immer wieder unbelehrbare Menschen des gleichen Kulturkreises gibt, die noch an die Parolen von der Abschaffung der Ungleichheit, von der Gleichstellung und der Gleichheit glauben können. Gibt es denn immer noch zu wenige Filme, Zeitzeugenberichte und wissenschaftlichen Abhandlungen, die beweisen, dass solche Versuche der politischen Umsetzung für die Masse der Menschen immer in einer totalitären Diktatur endeten? Oder streben sie in einer solchen Diktatur einen Platz an der Sonne an als Erzieher in Gefängnissen, als überdurchschnittlich bezahlte Geheimdienstmitarbeiter, als Parteisekretäre oder Politbüromitglieder?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Der typisch linke Gleichheitstraum aus Gerechtigkeitsgründen würde sich nicht einmal mit geklonten Menschen erreichen lassen. „</span><em><span class="tm7">Ihr Genmaterial würde</span></em><span class="Endnotenzeichen">”, so Andreas Unterberger, „</span><em><span class="tm7">zwar ununterscheidbar. Jedoch: Der Mensch ist nicht nur durch seine Erbmasse geprägt, sondern in einem hohen Ausmaß auch durch seine Umwelt, durch die unendlich vielen zwischenmenschlichen Begegnungen im Lauf des Lebens, durch absolut unplanbare Glücks- wie auch Unglücksfälle.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nirgendwo in der Welt hat eine sozialistische Planwirtschaft mit einer am Markt orientierten Wirtschaft mithalten können, wenn sie nicht durch korrupte und mafiöse Strukturen zerstört wird. Ebenso sind alle unter der Gleichheits-Ideologie ausgeführten Experimente, nämlich Neugeborene den Müttern sofort abzunehmen, um sie völlig gleich vom Babyalter an staatlich erziehen zu können, dramatisch gescheitert. Dennoch wird in der Bundesrepublik Deutschland der Trend gefördert, alle Kinder als gleich zu behandeln und in eine Klasse zu stecken, seien es behinderte Kinder, lernfaule oder hochbegabte. Was kann dabei schon herauskommen? Unteres Mittelmaß! Die unterforderten Hochbegabten könnten dadurch sogar auf kriminelle Bahnen gelangen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Die Betonung der Individualität, also der Ungleichheit unter den Menschen bedeutet jedoch nicht, das Prinzip der gleichen Würde aller Menschen, ihrem Anspruch auf Chancengleichheit und ihre Gleichwertigkeit nicht anerkennen zu wollen, im Gegenteil. Doch die Grünlinken wollten in Hessen Zensuren prinzipiell abschaffen. Wer Chancengleichheit so missverstehen möchte, reduziert folglich alle Leistungsanforderungen. Das ist schon auf vielen Gymnasien zu beobachten, wo unfähige Schüler aufgenommen werden und das Gesamtniveau dermaßen senken, dass anschließend an den Hochschulen immer mehr frustrierte Studienabbrecher dem kapitalistischen System die Schuld in die Schuhe schieben wollen. Aus dieser Ressource sprießen nicht wenige der gestandenen Grünlinken. Solche Typen sind auch zu echten Streitgesprächen nicht mehr fähig.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Zu primitiv gedacht? Was ließe sich dann erst dem angeblich großen französischen Freiheitsdenker und Revolutionsträumer Jean-Paul Sartre vorwerfen, der 1961 dialektisch von sich gab: „</span><em><span class="tm7">Denn in der ersten Zeit des Aufstands muss getötet werden: Einen Europäer erschlagen heißt zwei Fliegen auf einmal treffen, nämlich gleichzeitig einen Unterdrücker und einen Unterdrückten aus der Welt schaffen. Was übrigbleibt, ist ein toter Mensch und ein freier Mensch.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Dieser Zynismus, wie ihn nur seine Gegner verstehen können, ist nicht untypisch für linke Intellektuelle. Hauptsache der Zweck heiligt die Mittel, dann kann der einzelne Mensch zum Objekt degradiert und seiner Würde beraubt werden. Das lässt sich alles in seiner brutalen Wirklichkeit schon in der Französischen Revolution, bei Marx, Lenin, Stalin, Mao oder Kim Jong-Un studieren, aber auch bei den europäischen Neuen Linken, zu denen die an die Macht gekommenen Grünen gehören, Mitglieder jener Melonenpartei, die außen grün, innen rot, im Kernbereich sogar braun ist. Die dümmliche Arroganz dieser Halbgebildeten kostet die Gesellschaft ein Vermögen, das diese Wohlstandsverwöhnten selten in die Lage versetzt, es selbst nur ansatzweise erwirtschaften zu können.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Psychologisch gesehen brauchen Linke immer einen Feind, den sie bekämpfen möchten, aber leider nie ihren inneren Schweinehund. Wer so denkt und fühlt, hat natürlich kein echtes Demokratieverständnis. Er sieht im Gegner keinen Konkurrenten, der zu Höchstleistungen antreiben oder zu neuen Erkenntnissen verführen könnte, nein, der Andersdenkende wird schon als Feind behandelt, denn der von sich selbst berauschte Linke braucht den „bösen Rechten“, um sich über ihn stellen zu können, damit er sein krankes Selbstwertgefühl nicht zu arg spüren muss. Genauso geht es den Rechtsextremisten, eben nur im umgekehrten Sinne. Doch es sollte klar sein, dass jene, die als Rechtsextreme, als Nazis verschrien sind, eigentlich Linke sind, denn es ist unbestreitbar, dass die Nationalsozialisten vieles wollten, was Sozialisten ebenfalls anstrebten. Es waren bekanntermaßen rd. 60.000 der 300.000 KPD-Genossen, die sich nach 1933 der NSDAP anschlossen, darunter auch hohe Funktionäre. Nationalsozialisten waren selten Marxisten, davon es aber einige unter den Sozialdemokraten gab. Otto Grotewohl war solch ein marxistischer Sozi, der gern mit den Kommunisten in der Sowjetzone ein Bündnis einging, Mitbegründer der SED wurde und sogar erster Ministerpräsident der DDR.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Kurt Schumacher hingegen, die Führungsfigur der Sozialdemokratie in den westlichen Besatzungszonen, war ein knallharter Gegner der Nationalsozialisten, die ihm neun Jahre in verschiedenen KZs eingesperrt hielten, doch ebenso der Kommunisten, die er als Häftling bis zum Erbrechen kennenlernte und die er mehrmals als rotlackierte Nazis bezeichnet hatte. Tausende Sozialdemokraten, die in der Ostzone als Schumacher-Sympathisanten galten, wurden nach dem Krieg in 11 sowjetischen Speziallagern gequält. Von insgesamt 123.000 Internierten kamen ca. 43.000 um, darunter auch viele Jugendliche. Das scheint leider vergessen zu sein, denn ein Demokrat, der sein Volk, seine Kultur, seine Heimat, seine Nation und sich selbst lieben kann, steht heute in der Gefahr, in diesem gegenwärtigen Irrenhaus, dass sich mit Inbrunst einer undemokratischen und größenwahnsinnigen Banker-Weltherrschaftselite verschrieben hat, mit den „</span><em><span class="tm7">schon länger hier Lebenden</span></em><span class="Endnotenzeichen">” (Merkels Redewendung) unterzugehen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch was nützt alle Freiheit, aller Wohlstand, wenn jemand den Glauben verliert, den er nie besaß? Dann verflüchtigt sich auch jede Hoffnung. Und vor allem das Wichtigste davon: die Liebe. Diese Lieblosigkeit gegenüber dem eigenen Volk, den Vorfahren und Traditionen drückt sich am deutlichsten bei den Grünen, den SED-Anhängern und den Jungsozialisten aus. Letztere sind ebenfalls immer mit ihrem Irrsinn zur Stelle, wenn der Gleichheits-Kindergarten der Grünen gerade mal pausiert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Ob „Unisex-Umkleiden“ oder „</span><em><span class="tm7">Abtreibung für alle und solange man will</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ – die Jusos lassen nichts aus. Es soll nicht vergessen werden, dass gerade der SPD-Nachwuchs aus Hannover einst eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ ins Leben rief. Solches lässt sich nur noch von der „Antifa“ überbieten: „</span><em><span class="tm7">Anlässlich mehrerer staatlich begangener Jubiläen zu 20 Jahren Mauerfall, 60 Jahren Grundgesetz und 20 Jahren deutscher Wiedervereinigung – initiierte das Bündnis im Jahr 2009 eine antinationale Kampagne unter dem Motto: „Staat.Nation.Kapital.Scheiße!</span></em><span class="Endnotenzeichen">“<a href="#footnotexviii"><sup>xviii</sup></a><a id="footnotexviiiback"></a> </span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Solchem Fortschritt auf dem Fuße folgend erkennen diese realitätsverweigernden Weltverbesserer „</span><em><span class="tm7">eine weitgehende Toleranz gegenüber modernen Formen des Nationalismus und Patriotismus</span></em><span class="Endnotenzeichen">“, der ihrem Empfinden nach aus allen Löchern kriecht. Eine besonders schlimme Form dieses verhassten Nationalismus ist für die Internationalsozialisten der „Party-Patriotismus“. Und den empfinden sie besonders krass bei Fußballspielen. Jedoch auch das „Wir-Gefühl“, das durch ihre Brille gesehen den virulent um sich greifenden Nationalismus stärkt, entlockt ihnen eine wütende Fratze. Deshalb haben die Jusos eine mehrteilige „Antinationalismus-Kampagne“ gestartet, und diese präsentieren sie ihrem Niveau entsprechend auf ihren Kaffeebechern: „</span><em><span class="tm7">Mein Vaterland interessiert mich nicht die Bohne.</span></em><span class="Endnotenzeichen">”</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Eigentlich lässt sich das sogar noch unter Humor abbuchen, denn viel schlimmer sind jene Journalisten, die es so trieben wie der bestbezahlte SPIEGEL-Journalist Claas Relotius, der leider kein Einzelfall ist, sondern es nur etwas übertrieb, was jedoch dazu führte, dass er mit Preisauszeichnungen geradezu überhäuft wurde. Und solche Kriminelle regen sich gar über ihre Vorfahren auf, die Hitler nicht verhindert haben? Eins steht jetzt schon fest: Unsere Nachfahren werden sich über uns, die wir so lange das verlogene und irrationale System Merkel und Scholz ertragen haben, einmal genauso naserümpfend ekeln wie sich die Linken heute zumeist über ihre Großeltern empören. Ja, sie wollen die Welt retten, das Klima, die Vielfalt aller Rassen und Viren, die Gerechtigkeit unter allen Menschen und Tieren… Und überhaupt! Was könnte ich dem entgegensetzen? Bequemerweise drücke ich es mit Michael Dienstbier so aus: „</span><em><span class="tm7">Rechte oder konservative Identitätspolitik – wenn man sie denn so bezeichnen möchte – geht vielmehr von organisch gewachsenen Gemeinschaften aus, die immer durch Einflüsse von außen verändert werden, dies aber in einem vertretbaren Tempo</span></em> <em><span class="tm7">unter steter Wertschätzung der eigenen historischen, kulturellen und mythischen Ursprünge.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Wer vor ungefähr 40 oder 50 Jahren aus einer Sowjet-Kolonie in den Westen kam, glaubte sich ins kommunistische Paradies versetzt. Nicht nur der Überfluss an Konsumartikeln samt freundlicher Bedienung ließ staunen, sondern auch die Pünktlichkeit der Züge, die sauberen Städte und Landschaften, die übervollen Buchhandlungen und Zeitungskioske, die Vielfalt an Bildungsmöglichkeiten, Vereinen, Meinungen und Farben. Wer hätte schon die kostenfreie ärztliche Versorgung erwartet? Brille, Zahnbehandlung – alles kostenlos. Zu keinem Medikament musste zugezahlt werden. Es gab einen großen Mittelstand, obwohl noch wenige Frauen dazu verdienten. Viele Familien hatten zwei Autos und fuhren zweimal im Jahr in Urlaub. In Kreuzberger Schulen gab es alles frei, sowohl Lehrbücher samt den Schreib- und Malutensilien als auch die besten Zensuren. Fast alle Rentner konnten sich Weltreisen leisten. Bettler sah ich damals nur im Ausland.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Doch RAF<a href="#footnotexix"><sup>xix</sup></a><a id="footnotexixback"></a> -Spuren waren ebenso wenig zu übersehen wie Mao- oder Stalin-Poster in Universitäten. Geisteswissenschaftler und verbildete BAföG-Bezieher wähnten sich in einem faschistoiden System. Sie hassten ihre Eltern, die Hitler gar gewählt hatten, was sie jedoch nicht hinderte, Deutschlands zweite rotfaschistische Diktatur in Mitteldeutschland für fortschrittlich zu halten, auch wenn dort während der Entspannungspolitik Kindersoldaten im schulpflichtigen Wehrkundeunterricht herangebildet wurden. Die heruntergekommenen Städte, verdreckten Flüsse und Seen lobten solche Besucher durch ihre rot-grünen Brillen als „naturbelassen“. 250.000 politische Gefangene in Zuchthäusern zu DDR-Zeiten erweckten in diesen Kreisen weder Mitleid noch Solidarität, denn dies blieb für eingesperrte Terror-Kommunisten wie Angela Davis oder Luis Corvalán reserviert.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Die 68er, denen der lange Marsch durch die Institutionen bis nach ganz oben gelang, durften immer effizienter ihr Zersetzungswerk fortsetzen. Die Qualität deutscher Schulen und Universitäten konnte nun rasch auf den Hund kommen, ebenso Familienbindungen und evangelische Kirchgemeinden. Die Wiedervereinigung lehnten sie damals durchweg ab, was sie nun ermächtigt, die ganze Nation zu ruinieren. Polen sollte ihrer Meinung nach, bitte schön, an Frankreich grenzen. Der Globalisierungs-, Gender- und Coronawahn kamen nun als Methode daher.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">„</span><em><span class="tm7">Was die 68er damals ideologisch legitimierten, hat sich gesellschaftlich vollzogen, aber nicht als Utopie, sondern als Verwahrlosung.</span></em><span class="Endnotenzeichen">“ Dieser Satz der Schriftstellerin Sophie Dannenberg, die selbst in einer linken Familie aufwuchs, kann zwar nicht trösten, aber den nötigen Zorn aufkommen lassen. Denn der ist noch nötiger geworden, seitdem Europa nun mit einer neuen totalitären Eroberungsideologie unter dem Kopftuch einer Religion überflutet wird. Das meiste davon müsste emanzipierte Revolutionärsfrauen oder fortschrittlich-schwule Ehe-für-alle-Vertreter eigentlich auf die Barrikade treiben, aber nein doch! Diese für sie unbedeutenden Unterschiede zu unserer Kultur, Nation und Zivilisation macht doch unsere Welt erst richtig bunt. Totalitäre Veranlagungen und der Hass auf den Westen stehen sich also näher als jede Vernunft. Damit ist der von Oswald Spengler vorausgesagte und von „Mutti“ Merkel grandios vorangetriebene Untergang des Abendlandes besiegelt. Es sei denn, es gelingt den zunehmenden Protestantenströmen, konservativ-modernen Christen und der neuen Volks- und Oppositionspartei AfD eine echte Reformation im Stile Luthers.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">Als erstes müssten sich alle Richter, Offiziere und Beamten klar werden, dass sie als Staatsdiener keiner Partei angehören dürfen. Und wer den Eid leistet, dem deutschen Volke dienen zu wollen, der hat absolut keiner Nebentätigkeit nachzugehen. Berufslose und berufsunerfahrene Berufspolitiker haben im Bundestag nichts zu suchen, denn wer möchte sich gern von solchen Dumpfbacken wie… (Na, da fallen wohl jedem genügend Beispiele ein) regieren lassen?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Da ließen sich leider zu viele Versager aufzählen, die uns mit großem Pomp und hundertprozentiger Zustimmung der Parteien aufgetischt wurden. Wir brauchen sicher noch weitere 93 Thesen, wenn wir die Demokratie im Lande sinnvoll umgestalten und ein mütterliches Europa der Vaterländer hervorbringen wollen. Mit dem Sturz der jetzt verantwortungslos Herrschenden ist noch nichts erreicht, wenn keine Lehren aus dem voranschreitenden Chaos und der zu einem möglichen Bürgerkrieg führenden Spaltung unserer Nation und Europas gezogen werden. Viele Gesetze müssen überarbeitet, die überwuchernde Bürokratie muss gestutzt werden. Wer Schäden, angeblich „alternativlos“, in Milliardenhöhe anrichtet, müsste dafür in einem funktionierenden Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen werden. Wieso genießen die Diener des Volkes Sonderrechte und verdienen fünfmal so viel wie ein Durchschnittsarbeiter?</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Es sollte eine große Diskussion angestoßen werden, um in letzter Not noch die Demokratie, also die Volksherrschaft vor einer zumeist arroganten, abgehobenen, überbezahlten Schicht, die sich gar als Elite versteht, zu retten. Ob es noch gelingen kann? Die westliche Welt befindet sich im freien Fall. Alles, was uns bisher zusammenhielt, löste sich schon unter Merkels Regie auf. Während Massenmedien die neue Vielfalt feiern, werden gewachsene Strukturen wie Familie, Glaube und Nation zielgerichtet unterwandert und zerstört. Wer nach der „Bibel in gerechter Sprache“ noch Fragen zum Geisteszustand der selbsternannten Volkserzieher hatte, bekommt sie in der Broschüre „Für eine geschlechtergerechte Sprache“ der Stadt Hannover endgültig beantwortet. Es handelt sich um nicht weniger als um einen sprachlichen Atombombenabwurf auf das Denken. Hier wird die Totalverblödung des vormaligen Volkes der Dichter und Denker aggressiv vorangetrieben. Und wer treibt eine solche politisch-korrekte Barbarei wieder voran? Da brauche ich nicht lange zu fragen. Grün und Rot vermischt ergibt eine Farbe, die wir glaubten, hinter uns gelassen zu haben.</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span><span class="Endnotenzeichen">Nun brauchte ich neben vielen Jahren der Reifung nur 20 Seiten, um begründen zu können, warum ich heute als Gegner der Linken ein Rechter bin – und das mit vollem Recht!</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal"><span class="Endnotenzeichen">&nbsp;</span></p>
<hr>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotei"></a><a href="#footnoteiback"><sup>i</sup></a> &nbsp;Es betraf neben mir noch Angelika Barbe, Werner Molik und Arnold Vaatz, SPIEGEL 2/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteii"></a><a href="#footnoteiiback"><sup>ii</sup></a> &nbsp;30. Mai 2018, S. 3</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiii"></a><a href="#footnoteiiiback"><sup>iii</sup></a> &nbsp;Kohelet 10,2</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteiv"></a><a href="#footnoteivback"><sup>iv</sup></a> &nbsp;„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist“ – so heißt es in der Lutherbibel bei Matthäus 22,21.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotev"></a><a href="#footnotevback"><sup>v</sup></a> &nbsp;von lateinisch ex → für „aus“ oder „heraus“</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevi"></a><a href="#footnoteviback"><sup>vi</sup></a> &nbsp;aus „Sein und Zeit“, S. 51</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotevii"></a><a href="#footnoteviiback"><sup>vii</sup></a> &nbsp;Band 6, S. 505</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteviii"></a><a href="#footnoteviiiback"><sup>viii</sup></a> &nbsp;in „Die selbstbewusste Nation“, Berlin 1994, S. 164f</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnoteix"></a><a href="#footnoteixback"><sup>ix</sup></a> &nbsp;1/2013</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotex"></a><a href="#footnotexback"><sup>x</sup></a> &nbsp;Galater 5,1</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexi"></a><a href="#footnotexiback"><sup>xi</sup></a> &nbsp;aus: “Muhammed, der Gesandte Allahs, Friede sei auf ihm” von Abdul Rahman Al-Shea</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexii"></a><a href="#footnotexiiback"><sup>xii</sup></a> &nbsp;Nach Recherchen des Middle East Forum (USA)</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiii"></a><a href="#footnotexiiiback"><sup>xiii</sup></a> &nbsp;„der stacheldraht”, 1/2018</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexiv"></a><a href="#footnotexivback"><sup>xiv</sup></a> &nbsp;aus: Menschliches, Allzumenschliches, 1878</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexv"></a><a href="#footnotexvback"><sup>xv</sup></a> &nbsp;Maximen und Reflexionen, über Literatur und Leben</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvi"></a><a href="#footnotexviback"><sup>xvi</sup></a> &nbsp;Zitat von Alwin Münchmeyer im SPIEGEL 29/1974</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexvii"></a><a href="#footnotexviiback"><sup>xvii</sup></a> &nbsp;Diese Verordnung war tatsächlich einmal in Vorbereitung, ist aber Dank der Kritik nicht realisiert worden.</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexviii"></a><a href="#footnotexviiiback"><sup>xviii</sup></a> &nbsp;Wikipedia: Ums Ganze / Kampagnen und Proteste</p>
<p class="Endnotentext"><a id="footnotexix"></a><a href="#footnotexixback"><sup>xix</sup></a> &nbsp;Rote Armee Fraktion – eine linksextremistische Terrororganisation, 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet.</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2022/02/ich-frage-mich-wie-kann-jemand-heute-noch-links-sein-wollen/">Ich frage mich: Wie kann jemand heute noch links sein wollen?</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Gesetzung und Bewegung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 May 2019 13:43:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>&#160; Wir sind so gewöhnt, Gesetz und Recht im Sinne der Zehn Gebote und Verbote zu verstehen, deren einziger Sinn darin besteht, dass sie Gehorsam fordern, dass wir den ursprünglich räumlichen Charakter des Gesetzes leicht in Vergessenheit geraten lassen. Hannah... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2019/05/gesetzung-und-bewegung/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2019/05/gesetzung-und-bewegung/">Gesetzung und Bewegung</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm9" style="text-align: right;"><em><span class="tm10">Wir sind so gewöhnt, Gesetz und Recht im Sinne<br>
der Zehn Gebote und Verbote zu verstehen, deren<br>
einziger Sinn darin besteht, dass sie Gehorsam fordern,<br>
dass wir den ursprünglich räumlichen Charakter des<br>
Gesetzes leicht in Vergessenheit geraten lassen.<br>
</span></em><span class="tm8">Hannah Arendt</span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm8">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm8">Wenn große Teile der entwurzelten europäischen Massen fragwürdigen Heilsbringern folgen und nicht einmal davor zurückschrecken, ein krankes Kind als neuen Messias zu verehren, ist es an der Zeit, über jenen Sinn von Gesetz zu sprechen, der durch die mosaische Sinnverschiebung aus dem Gemeinsinn zu verschwinden droht: Wer heute ein beliebiges Lexikon auf- und den Begriff Gesetz nachschlägt, wird Definitionen finden, die mehr oder weniger deutlich auf die mosaische Sinnverschiebung von Gesetz zurückgehen, eine Verschiebung, die, um eine Formulierung von Jan Assmann zu verwenden, „entscheidender als alle politischen Veränderungen die Welt bestimmt hat, in der wir heute leben.“<a href="#footnote1"><sup>1</sup></a><a id="footnote1back"></a> Gesetz ist jetzt eine unbedingt geltende Vorschrift, ein Gebot des Herrn, dem Gehorsam zu leisten ist.</span><span id="more-948"></span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm8"> Ich kann hier aus Zeitgründen nur sehr kurze Stichpunkte zu den Auswirkungen dieser Sinnverschiebung geben: man denke an die Naturrechtstradition, an Kants Formulierung, dass der Verstand der Natur ihr Gesetz vorschreibt, an die Vorschrift des Moralgesetzes, den kategorischen Imperativ und vor allem an den verhängnisvollsten Moment der Moderne, als bei Hegel der ursprüngliche Gegensatz von Gesetz und Bewegung in das Bewegungsgesetz der Geschichte aufgehoben wird. Der transzendente Gott wird zur immanenten Geschichte. Das ‘es gibt’ der Zeit verschwindet, das Gesetz der Dialektik schreibt jetzt auch der Zeit Bewegung und Richtung vor, eine Zuspitzung der Sinnverschiebung mit gewaltigen Folgen. Marx wird von den wissenschaftlichen Entwicklungsgesetzen der Geschichte, Darwin von denen der Natur reden. Das Gesetz schreibt jetzt der Zeit die Notwendigkeit der Bewegung vor und ermöglicht die Rolle des Exekutors. Dieser spricht nicht in seinem Namen, nicht im Namen seines Landes, nicht im Namen eines „politischen Wir“, also von solchen, die ihn eigens dazu autorisiert haben, sondern im Namen eines übergeordneten Gesetzes, das der gesamten Menschheit die Richtung der Bewegung vorschreibt. Als bloß ausführendes Organ anderswo beschlossener Notwendigkeiten verlieren die Menschen in diesem Sinnhorizont Freiheit und Verantwortung. Arendts Hinweis auf den fast vergessenen, ursprünglich räumlichen Sinn von Gesetz, den ich hier als Motto vorangestellt habe, erscheint in einem Kontext, in dem ihr deutlich wird, dass die „Herrschaft des EINEN“ an Auschwitz nicht ganz unschuldig gewesen sein kann<a href="#footnote2"><sup>2</sup></a><a id="footnote2back"></a> und ihr die Frage dringlich wird, wie denn überhaupt die Vorstellung von Herrschaft in den politischen Bereich eingedrungen ist, dem sie ursprünglich fremd war. An einer Stelle, die ich als Schlüsselstelle für ein vertieftes Verständnis des Arendt‘schen Denkens einstufe, spricht sie von der „an Feindseligkeit grenzenden Spannung zwischen Philosophie und Politik“, die „wie ein Fluch auf der abendländischen Geistesgeschichte gelegen“ habe. Erst wenn wir beginnen zu ahnen, was sie alles bei dem außergewöhnlichen Wort Fluch mitdenkt, werden wir etwas von der klugen Frau verstanden haben.<a href="#footnote3"><sup>3</sup></a><a id="footnote3back"></a></span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm8">&nbsp; Gesetz kommt von setzen. Der Mensch, der sich setzt, beendet seine Bewegung und besetzt eine Stelle. Wo mehrere Menschen sich setzen, beenden sie durch die gemeinsame Handlung der Gesetzung ihre Bewegung und nehmen je unterschiedliche Plätze in einem Raum ein, der durch diese Gesetzung allererst - zwischen ihnen und um sie herum - entsteht. Um den Sinnunterschied auch sprachlich deutlich zu machen, werde ich den Begriff Gesetz nur verwenden, wenn der seit Langem eingeschliffene Sinn, die Vorschrift gemeint ist und das etwas sperrige Wort Gesetzung, wenn die gemeinsame Handlung im Vordergrund steht. Die Gesetzung teilt und grenzt Innen von Außen ab, sie friedet ein, verteilt Plätze im Innen und eröffnet Zwischenräume. Das älteste Gesetz - so sagt man - ist das der Verteilung der Beute. Es entsteht genau in dem Moment, in dem die Bewegung mit äußerster Anspannung ihr Ziel erreicht und die Tötungsgewalt, die zur Erlegung des Wildes gebraucht wird, ihre maximale Kraft hervorbringt. Die nach außen hin sinnvolle Gewalt droht, nach innen gewendet, ins Negative umzuschlagen. Eine Selbstdezimierung würde die Überlebensfähigkeit nicht nur der Jäger, sondern des gesamten Clans gefährden. Das erste Gesetz entsteht also in genau dem Moment, in dem die Tötungsgewalt zur Gefahr wird und so aus den Menschen, die sich ihr ausgesetzt erfahren, Gefährten macht. Die Gefahr betrifft die Gefährten gleichermaßen, sie ist etwas, das sie - sowohl miteinander, als auch gegenüber der Gefahr - teilen. In der Ausgesetztheit gegenüber der Gefahr sind die Gefährten Gleiche, aber dieser Sinn von Gleichheit ist ein anderer, als eine Gleichheit, die dadurch entsteht, dass sie alle von ein und demselben Schöpfer nach seinem Bilde geschaffen wurden. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob man gegenüber der Gefahr oder vor Gott gleich ist. Brüder bleiben Brüder, weil sie keine Gefährten werden können oder wollen. Als Kinder verharren sie im Haus des Herrn und überlassen diesem die Gefahrenabwehr. Nietzsche nannte sie die letzten Menschen. Für die Gefährten ist jeder einzelne unverzichtbar, nur versammelt sind sie der Gefahr gewachsen, bei den Brüdern kann die Frage der Auserwähltheit zu mörderischer Rivalität ausarten.</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Der eigentliche Sinn von Gesetz ist nicht die Vorschrift, sondern die Einhegung und Verteilung. Innerhalb einer Verteilung der Plätze entstehen Verhältnisse, auch Rangordnungen und hierarchische Bezüge, der Platz des Souveräns aber bleibt leer und man darf daran erinnern, dass die letzten im vollen Sinn dauerhaft erfolgreichen politischen Revolutionen auf dem europäischen Kontinent, die die Gesetzung ihres Landes gegen die Herrschaft des Einen behaupten konnten und zur Entstehung der Republik der vereinigten Provinzen der Niederlande führten, ohne die Figur des Souveräns auskamen, eine, wie von Johan Huizinga bemerkt wurde, eigenartige Anomalie, die, gerade im Unterschied zur Französischen Revolution, auch bei der amerikanischen Revolution wieder deutlich hervortrat, wie Arendt bemerkte.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Der ursprüngliche Sinn der Gesetzung ergibt sich aus der gemeinsamen Angstbewältigung und <a id="aGoBack"></a>Gefahrenabwehr. Inmitten einer von der Notwendigkeit des Tötens und getötet Werdens durchherrschten Natur eröffnet und begrenzt die Gesetzung einen freien Zeit-Spiel-Raum, der die Zwänge der Gewalt draußen zu halten sucht. Die Gesetzung schafft eine kleine Oase der Friedfertigkeit, sie friedet ein. Es isst sich angstfreier und genussvoller, wenn man nicht jeden Augenblick gewärtig sein muss, von seinem Nebenesser erschlagen zu werden. Als friedlos und vogelfrei dagegen galt lange Zeit derjenige, der, weil er sich gegen die Rechtsordnung der Gemeinschaft vergangen hatte, wieder aus der Gesetzung heraus gesetzt wurde. Ist es nicht bemerkenswert, dass sich der Zusammenhang zwischen einem aus dem Drumherum herausgelösten Raum und Friedfertigkeit sprachlich fast nur noch im Begriff Friedhof erhalten hat? Haus- oder gar Landfrieden sind außer Gebrauch geraten.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Wer sesshaft wird, ein Stück Land erobert oder erwirbt, will bleiben. Er richtet sein in-der-Welt-sein auf Dauern ein. Sein Modus ist wohnen. Was er einzäunt, einrichtet, hegt und pflegt, soll ihn selbst überdauern. Der mit viel Mühe zivilisierte Zustand soll auch der nächsten Generation übergeben werden und ihr ein friedliches Zusammensein ermöglichen. Wohnlichkeit braucht Zeit. Sieht man jeden Tag die gleichen Gesichter aus den gleichen Häusern kommen, entsteht auch zwischen den Häusern Gewohnheit. Mit zunehmender Vertrautheit schwindet das mehr oder weniger ängstliche Unbehagen, das gegenüber Fremden stets angebracht ist. Öffentliche Räume können unbeschwert und frei von Sorge genutzt werden. Die Gesetzung, in die jedes Neugeborene mit seinem Namen eingesetzt wird, gewährt einen gesicherten Platz in einer gemeinsamen Welt. Auch die Häuser bekommen Namen. Sie werden Teil der Geschichten, die erzählt werden. Über Generationen bleiben sie in Familienhand. Solche Häuser geben Stabilität und Sicherheit. Nach einigen Generationen kommt man aus ‘gutem Hause’. Die Gabe der Zeit lässt aus Gewohnheit Sitte und aus Sittlichkeit Recht erwachsen. Die Güte des Rechts war sein Alter. Je mehr Generationen mit diesem Recht gut leben konnten, desto mehr wurde das Recht zum guten alten Recht. Fritz Kern hat es berichtet.<a href="#footnote4"><sup>4</sup></a><a id="footnote4back"></a> Die dauernde Zeit gab dem Recht seine eigene Würde. Je älter es wurde, desto weniger traute man sich, es aus einer bloßen Tageslaune heraus zu ändern</span><span class="tm14">. </span><span class="tm8">Gegenüber dem guten alten Recht entstand ein Gefühl, das heute fast vergessen scheint: Scheu.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Die Städte beenden das landlose, umherziehende Nomadenleben. Das hat Folgen für den Charakter der Bindungen. Die Bindung des Raumes ersetzt jetzt die des Blutes<a href="#footnote5"><sup>5</sup></a><a id="footnote5back"></a>. Hesiod hat es bereits trefflich formuliert:</span></p>
<p class="Normal tm16" style="text-align: center;"><span class="tm8">Wer dich liebt, den lade zum Mahl, und lasse den Hader.<br>
Doch wer nahe dir wohnt, den lade am meisten zum Mahle.<br>
Denn wenn unverhofft ein Unglück im Dorf dir begegnet,<br>
</span><span class="tm8">gurtlos kommen die Nachbarn, die Vettern gürten sich erst noch. (Erga, 341)</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">Die Orestie von Aischylos, uraufgeführt 458 v. Chr. vollendet bei den Erfindern des Politischen den Übergang von der Blutrache zwischen den Geschlechtern zum Recht innerhalb der Polis. Das Volk, das sich selbst regiert, beendet die Vorherrschaft der Clans. Aus der allmählich wachsenden Gewohnheit einer Bindung des Raumes entstanden die Landsleute und es ist kein Zufall, dass sich der Widerstand gegen den Versuch, den ganzen Globus in eine einzige Massenbewegung zu entsetzen als „we want our country back“ artikuliert. Dass das englische Gewohnheitsrecht schon stark und ausgereift genug war, um den Übergriffen eines theologisch-systematisch von oben deduzierten, ursprünglich fallbezogenen römischen Rechts Widerstand entgegen halten zu können, macht ein Element der Besonderheit der englischen im Vergleich zur kontinentaleuropäischen Geschichte aus. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg waren in den ländlichen und im Vergleich zu den größeren Städten nur wenig oder gar nicht verwüsteten Regionen Deutschlands die Bindungen des Raumes Teil des Gemeinsinns: In einem Schlüsseltext der Nachkriegszeit schildert Bernward Vesper, wie anlässlich einer bevorstehenden Schlachtung von zwei Schweinen der Lehrer den Schülern „eindrücklich den Wert der alten Überlieferung erläuterte, wonach Nachbarn sich in jedem Dorf die ersten frischen Würste, ein Stück Lamm, eine Lende vom Schlachtfest, einen Eimer Brühe zuschicken, eine Gabe, die, sobald das eigene Schwein, das den Sommer über im Koben gemästet worden, gefallen, erwidert werden musste.“<a href="#footnote6"><sup>6</sup></a><a id="footnote6back"></a> Auch solche, die die Gabe nicht erwidern konnten, weil sie keine eigenen Schweine hatten, wie Lehrer und Pfarrer, durften nicht übergangen werden.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Während im Mittelalter auf dem Kontinent noch feudale Zustände herrschten, mauserten sich auch nördlich der Alpen die ummauerten und stark bewehrten Städte zu Oasen der Freiheit. Stadtluft macht frei, hieß es. Ein Leibeigener, der sich in den Schutz einer freien Stadt begab, war nach Jahr und Tag ein freier Mann. Die schützenden Mauern und die Eintracht der Schwurgemeinde garantierten Freiheit und Sicherheit. Sobald man den eigens geschaffenen Rechtsraum der Stadt verließ, galt wieder die Gewalt des Stärkeren. Auf See herrschte völlige Rechtlosigkeit. Heute ist es umgekehrt: die Städte werden zu Schlachtfeldern der Gewalt. Wer noch halbwegs gesittete Zustände erstrebt, muss aufs Land ziehen</span><span class="tm14">. </span><span class="tm8">Die weitreichende Bedeutung dieses Übergangs von der Bindung des Blutes an die Bindung des Raumes (später wird man von Gebietskörperschaft versus Personenverband sprechen) wurde erst in der Rückschau deutlicher wahrnehmbar. Die als Notlösung aus den Religionskriegen entstandene und an der Herrschaft des Einen ausgerichtete europäische Konstruktion einer Trennung von Gesellschaft und Staat, die den verantwortlichen Vollbürger zum atomisierten gesellschaftlichen und privaten Individuum degradierte, alle öffentlichen Aufgaben der Gesetztheit an den Staat monopolisierte und damit erst die Voraussetzung der Anfälligkeit für totalitäre Bewegungen schuf, konnte seine Kernaufgabe der Aufrechterhaltung der Rechtsordnung nicht erfüllen und wurde von Bewegungen überrollt. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts Wesentliches geändert. Dass der Rechtsstaat das Recht auch gegenüber heutigen Heils- und Erlöserbewegungen nicht halten kann, demonstriert die gegenwärtige hypermoralische Zuspitzung. Wer sich dem totalen Anspruch der Bewegung verweigert, wird zum ‚Feind der Menschheit‘ erklärt und entrechtet. Dabei macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob es sich um einen Rassismus des Blutes oder einen der Gesinnung handelt, ob der Auserwähltheitsanspruch sich als Herrenrasse oder Herrenmoral artikuliert. Beide legen einen absoluten Unterschied zugrunde, gegenüber dem alle anderen Unterschiede verschwinden. In einem der dichtesten Kapitel von ‘Elemente und Ursprünge’ schildert Arendt am Beispiel der Buren, wie sich angesichts einer umfassend feindlich erfahrenen Umwelt innerhalb weniger Generationen zivilisierte Holländer in gesetzlose Barbaren rück verwandeln. Am Ende bleibt nur noch die Vorstellung der Auserwähltheit im Angesicht des einen Herrn, die die weißen Barbaren von allen anderen Barbaren rundherum unterscheidet. Wer diesen Blick zurück als Nostalgie oder Melancholie denunziert, übersieht, dass der Nationalstaat kontinentaleuropäischer Prägung im 20. Jahrhundert dem Ansturm totalitärer Bewegungen ebenso wenig standhielt, wie die Ordnung der Moderne dem Einbruch archaischer, vorpolitischer Clanstrukturen hilflos ausgesetzt ist. In der heute zur Ideologie verkommenen ‚Zivilgesellschaft‘ gibt es keine Gefährten. Der vom vorlauten Gesinnungspöbel verketzerte Rolf Peter Sieferle war einer der ersten, der das klar erkannt hat. Wer im anderen nur den Menschen sieht, bleibt blind für den Unterschied zwischen Zivilisation und Barbarei. Die Brutalisierung der Verhältnisse, die wir derzeit erleben, versetzt das Land in einen Zustand der Barbarei, der längst überwunden schien. Wer den moralischen Vorschriften verantwortungsloser Kinder hinterher rennt, darf sich nicht wundern, wenn er kurz darauf keine öffentlichen Räume mehr unbeschwert genießen kann. Die veröffentlichte Meinung der Deutschen scheint heute politisch so unbedarft, wie die Vorstellungen der Juden vom Schutz durch den Souverän, die, als die antisemitischen Bewegungen entstanden, die heraufdämmernde Gefahr nicht bemerkten. Es verwundert nicht, dass Stimmen laut werden, die die aktuelle Lage Europas mit dem Untergang des römischen Imperiums vergleichen. Um zu erahnen, was auf dem Spiel steht, möge man sich nur daran erinnern, dass der Stand der Wasserversorgung in der Stadt Rom zur Zeit Christi Geburt erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder erreicht worden ist.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Dass der Mensch frei geboren sei, aber überall in Ketten liege, ist einer der dümmsten und verantwortungslosesten Sprüche, die je in die Welt gesetzt worden sind. An einem Neugeborenen ist gar nichts frei, es ist vollständig abhängig von der Mutter, die ‚gut genug‘ sein muss, damit aus einem natürlichen Lebewesen eine menschliche Person werden kann. Ein aus dem abgegrenzten und eingehegten menschlichen Schutzraum den Gewalten der Natur ausgesetztes Kind ist dem sicheren Tod geweiht, das belegen schon die mythischen Erzählungen von den ausgesetzten Kindern, die von wilden Tieren aufgezogen wurden. Sie werden gerade deshalb tradiert, weil sie jeder Erfahrung widersprechen. Freiheit ist eine Eigenschaft des gesetzten Raumes, präziser, des Zwischen, das erst durch die Gesetzung entsteht. Einer derjenigen, die das am besten erfahren, wahrgenommen und verstanden haben, ist der englische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald W. Winnicott, dessen Bedeutung, insbesondere was seine Konzeption des Übergangsobjektes anbelangt, für den Konflikt zwischen Metaphysik und Politik noch unterschätzt wird.<a href="#footnote7"><sup>7</sup></a><a id="footnote7back"></a></span></p>
<p class="Normal PageBreak tm7"><span class="tm8">&nbsp; Wer Angst hat oder haben muss, kann sich nicht frei und unbeschwert im Raum bewegen. Wer Angst hat oder haben muss, kann nicht spielen. Die Spur der Gewalt- und Angstfreiheit an einem Ort, an dem man sich zum gemeinsamen Mahl niederlässt, hat sich bis heute in den Tischsitten erhalten, die dem Messer im Unterschied zu Gabel oder Löffel eine spezielle rituelle Behandlung widmen. Man legt das Messer mit der scharfen Seite nach innen zum Teller, man deutet nicht mit dem Messer auf jemanden und man übergibt das Messer mit dem Griff nach vorne. Norbert Elias hat ausführlich darüber berichtet. Als die Vollfreien noch alle bewaffnet waren, gehörte es zum guten Ton, seine Waffen vor dem Mahl abzulegen. Der Tisch, ein den Menschen äußeres und beständiges Element der Wirklichkeit verbindet und trennt die Menschen, die um ihn herum sitzen. Ein gut gebauter, stabiler Tisch kann vielen Generationen Halt, eine gemeinsame Welt und jedem Einzelnen von ihnen einen Platz geben, den er einnehmen und von dem aus er sprechen und Geschichten mit seinem Namen verknüpfen kann. Als Gesetz der Gastfreundschaft galt die Bindung des Raumes in der gesamten Antike für eine zwar begrenzte, aber verlässliche Zeit der Friedfertigkeit auch für den Fremden. Tisch und Tischgemeinschaft sind Vorformen des Politischen.</span></p>
<p class="Normal tm7"><strong><span class="tm19">&nbsp;</span></strong></p>
<p class="Normal tm7"><strong><span class="tm19">Umsicht und Voraussicht</span></strong></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">Wer eine Stelle im Raum besetzt, hat einen Standpunkt. Wer einen Standpunkt hat, kann sich um die eigene Achse drehen. Ein Standpunkt befähigt und ermöglicht Umsicht. Man sieht sowohl seine Lage, als auch die der anderen im Raum verteilten. Wo Menschen je unterschiedliche Stellen im Raum einnehmen, können sie sich etwas, das sie gemeinsam angeht, zwischen sich in die Mitte legen. Jeder sieht von seinem Standpunkt nur einen bestimmten Ausschnitt der gemeinsamen Sache. Wer von seinem Standpunkt aus sieht, sieht auch, dass er auf die Perspektiven der anderen im Raum angewiesen ist. Der direkt gegenüber Sitzende sieht die Sache von der genau entgegengesetzten Seite. Er sieht das, was aus nur einer Sicht notwendig verdeckt bleiben muss. Aus der gemeinsamen Lage ergeben die gesammelten Umsichten ein wirklichkeitsnahes Bild des gegenwärtigen Zustandes. Das gemeinsame des von den Gesetzten in die Mitte gelegten ist der von allen erfahrbare Zustand des Landes, dessen Dimensionen von Ambrogio Lorenzetti meisterhaft dargestellt worden sind im Fresco von der guten und schlechten Regierung im Sala dei Nove im Palazzo Pubblico von Siena. Durch die versammelten Personen kommt der gegenwärtige Zustand eines Landes zur Sprache. Der gerade akute Zustand des eigenen Landes kann nur zwischen den innerhalb einer Gesetzung Handelnden als Landessprache zu Wort kommen. Nur wo ein tatsächlicher Zustand eines Landes zu Wort kommt, kann er gehört und verantwortet werden. Arendts von Jaspers übernommenes Motto am Anfang der deutschen Ausgabe von ‘Elemente und Ursprünge’ zielt auf diesen Punkt: „Weder dem Vergangenen anheimfallen noch dem Zukünftigen. Es kommt darauf an, ganz gegenwärtig zu sein.“</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Menschen in Bewegung können, solange sie sich im Modus der Bewegung fortbewegen, niemals einen Standpunkt haben. Ohne Standpunkt haben sie auch keine Gegenwart. Nur wer verweilt, kann entgegen Kommendes erwarten, die Bewegten aber haben das Hier und Jetzt immer schon verlassen. Sie haben stattdessen ein meist weit voraus liegendes Ziel, auf das sie sich hinbewegen und das sie in dieser Voraussicht fixieren und nicht mehr aus dem Blick verlieren dürfen. Sie teilen eine Fiktion. Was sie vereint ist, dass sie glauben, dass sie alle dasselbe imaginäre Ziel vor Augen haben, es existiert aber nur in der vereinzelten Vorstellung; jeder hat nur sein Ziel für sich allein vor seinem eigenen geistigen Auge. Ohne die gemeinsame Welt der Gesetzten haben die Bewegten außer der gemeinsamen Bewegung nichts erfahrbares Gemeinsames. Das einzige Element der Wirklichkeit einer Bewegung ist ihre Bewegtheit selbst. Die Behauptung totalitärer Bewegungen, dass außerhalb von ihr alle Wirklichkeit „absterbe“ ist gerade deshalb so erfolgreich, weil sie den entwurzelten und entsetzten Massen, „die in das fiktive Heim der Bewegung geflohen sind, einen so handgreiflichen Trost und eine so einleuchtende Hoffnung“<a href="#footnote8"><sup>8</sup></a><a id="footnote8back"></a> anbieten. Sie müssen aber, um sich selbst zu erfahren, andauernd in Bewegungen bleiben und sie müssen sich andauernd der gemeinsamen </span><em><span class="tm10">Werte</span></em><span class="tm8"> versichern, den fehlenden Gemeinsinn, der durch die tatsächlichen Ereignisse zusammengehalten würde, durch eine verbindende und verbindliche Ideologie ersetzen<a href="#footnote9"><sup>9</sup></a><a id="footnote9back"></a>. Der Eindruck immer wieder herunter gebeteter, inhaltsleer gewordener Glaubenssätze entsteht aus diesem andauernden Bekenntniszwang. Es ist, als ob die gesamte Wirklichkeit eines Bewegten auf den kleinstmöglichen Ausschnitt zusammenschrumpft, Teil einer Bewegung zu sein. Ein Bewegter ist weder von Erfahrung noch durch Argumente zu erreichen, er hat sich so sehr mit der Bewegung identifiziert, „dass es scheint, als sei die Fähigkeit, Erfahrungen zu machen, überhaupt vernichtet.“<a href="#footnote10"><sup>10</sup></a><a id="footnote10back"></a> Es ist deshalb völlig sinnlos, einer Bewegung die tatsächlichen Ereignisse vorhalten zu wollen, zwischen ihrem fiktiven Weltsurrogat und der Welt der anderen gibt es keine Verbindung. Ob sich der Zustand eines Landes verbessert oder verschlechtert, ob ein Land wohnlicher wird oder verwüstet, ist aus der Sicht einer Bewegung belanglos geworden.<a href="#footnote11"><sup>11</sup></a><a id="footnote11back"></a> Was den Gesetzen die tatsächliche Umsicht, ist den Bewegten die bloß eingebildete Voraussicht. Wo die Voraussicht vorherrscht, darf die Rücksicht keine Rolle mehr spielen. Rücksichtsloses Vorgehen, der innere Zwang der Logik, wer A sagt muss auch B sagen, sind seither hervorstechendes Kennzeichen solcher Bewegungen. Die abendländische Metaphysik, die immer nur den Menschen im Auge hatte, bleibt blind für diesen Unterschied, der erst aus den verschiedenen Aggregatzuständen einer Pluralität von Menschen ersichtlich wird. Das Ziel einer Bewegung kann ein weit entfernter tatsächlicher Ort sein, wie Jerusalem in den Kreuzzügen, oder eine reine ideologische Fiktion. In der Moderne wird das Ziel immer ausschließlicher ein vorgestelltes Imaginäres, etwas in der reinen Vorstellung vor sich hingeworfenes. Man spricht jetzt viel von Fortschritt und Projekten. Projekt kommt von dem lateinischem </span><em><span class="tm10">proiectum</span></em><span class="tm8"> „das vorwärts Hingeworfene oder Ausgestreckte“.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Während ein Großteil der marxistischen Rhetorik im Begriff ‚Klassenstandpunkt‘ die tatsächlichen Verhältnisse verschleiert, kommt in der extremsten Zuspitzung der „Roten Armee Fraktion“ der seit Hegels Bewegungsgesetzen der einen Geschichte verdeckte Gegensatz zwischen räumlicher Gesetzung und fortschreitender Bewegung wieder zum Vorschein und es ist wohl kaum zufällig, dass die tragischste Figur der deutschen Nachkriegsgeschichte, Ulrike Meinhof, diesen Zusammenhang in seiner tödlichen Konsequenz zum Ausdruck bringt: „was wir wollen ist die revolution. das heisst: es gibt das ziel - im verhältnis zu dem ziel gibt es keinen standpunkt, sondern </span><strong><span class="tm19">nur</span></strong><span class="tm8"> bewegung. […] standpunkt und bewegung schließen sich aus“.<a href="#footnote12"><sup>12</sup></a><a id="footnote12back"></a> An diesem Punkt wird auch deutlich, in welchem Ausmaß eine an der Mobilisierung ausgerichtete „Aktion“ und der daraus abgeleitete, bis heute in hohem Ansehen stehende „Aktivist“, ein radikaler Gegensatz zu menschlichem Handeln ist. Ohne es zu wollen, bestätigt die tragische Existenz von Ulrike Meinhof eine der wichtigsten Einsichten Arendts: dass menschliches Handeln in dem Sinne, in dem der Begriff zuerst bei Aristoteles gegenüber dem Herstellen unterschieden wird, nur in einem von Angst, Gewalt und Zwang freien Zeit-Spiel-Raum, innerhalb einer Gesetzung möglich ist.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Was den Gesetzten ihre Lage, ist den Bewegten ihre Linie, die einzige richtige Linie, gegenüber der alle anderen falsch sind, der gerade und kürzeste Weg zum erstrebten Ziel. Noch im Wort </span><em><span class="tm10">Richtlinienkompetenz</span></em><span class="tm8"> verbinden sich Richtung und Linie. Wo die Gesetzten sich versammeln, um über ihre gemeinsame Lage zu reden, schreiten die Bewegten fort und bekämpfen alles, was sie an der Bewegung in der richtigen Richtung hindert. Jede Abweichung von der Generallinie muss zwangsläufig ausgesondert und stillgestellt werden. Für die revolutionär Bewegten werden alle anderen zu Konterrevolutionären, die gewaltsam unschädlich gemacht werden müssen, um den Bewegungscharakter der Bewegung zu erhalten. Die zentrale Gesetzesvorschrift einer Bewegung lautet: Du musst alles töten, was nicht Teil der Bewegung ist<a href="#footnote13"><sup>13</sup></a><a id="footnote13back"></a>. Es gilt, Zustand und Ziel zu unterscheiden. </span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Der Sinn von Revolution ist ein anderer, darauf hat zuerst Karl Griewank<a href="#footnote14"><sup>14</sup></a><a id="footnote14back"></a> aufmerksam gemacht, je nachdem, ob es sich um die Rückwendung zu einem früheren gesetzten Zustand oder das Ziel einer Bewegung handelt. Die Theorie der ‘permanenten Revolution’ reflektiert die größte Gefahr einer Bewegung: in irgendeiner Form von Gesetztheit zu verenden<a href="#footnote15"><sup>15</sup></a><a id="footnote15back"></a>. Wo die Gesetzung Plätze im Raum verteilt und pluralisiert, jedem Einzelnen eine Stelle einräumt, die er einnehmen, und von der aus er sprechen und den anderen erscheinen kann, Zwischenräume, öffentliche Räume, heilige Orte und Niemandsland voneinander abgrenzt (es gab bei den Alten die Regel, dass zwischen zwei Grundstücken jeweils ein Zwischenraum Niemandsland sein muss), entpluralisiert die Bewegung, indem sie die Zwischenräume entfernt, die vielen unterschiedlichen zur einheitlichen Menge verdichtet. Die Herrschaft des Einen zielt auf einen </span><em><span class="tm10">einzige</span></em><span class="tm8">n Massenkörper, der von </span><em><span class="tm10">einem</span></em><span class="tm8"> Willen bewegt auf </span><em><span class="tm10">ein</span></em><span class="tm8"> Ziel hin ausgerichtet wird. Man wird daher unter den Maßnahmen zur Herstellung eines einheitlichen Massenkörpers auch stets die Säuberungswellen finden, die alle krankhaften, faulen und feindlichen Elemente aussondern muss. Bewegungen nehmen den Raum nur als das zu-Durchschreitende wahr. Zur Zeit des Raumes, seinem Dauern, haben sie keinen Bezug. Raum und Recht aber gehören zusammen. Eine Menschenrechtsideologie, die von angeborenen Rechten fabuliert und den Eindruck erweckt, man könnte Rechte wie persönliches Eigentum besitzen und an jeden beliebigen Ort des Globus mitnehmen, verkennt, dass Rechte Verhältnisse sind zwischen einem, der ein Recht beansprucht und einem anderen, der diesen Anspruch anerkennt. Rechte halten Menschen zueinander in einem rechtsförmigen Bezug; sie sind eine Eigenschaft des Zwischen und somit an einen speziell geschützten Rechtsraum gebunden. Sie beruhen auf Gegenseitigkeit und der Fähigkeit, einem anderen ein Versprechen zu geben und sich selbst an dieses zu halten. Stabile Verhältnisse entstehen aus haltenden Versprechungen, was in dem jährlichen Schwörtag zum Ausdruck kam, an dem die Schwurgemeinde einer freien Stadt ihr gegenseitiges Versprechen erneuerte. In vielen Städten galt deshalb der heute weitgehend vergessene Schwörtag noch vor den christlichen Feiertagen als höchster Feiertag. Das Pochen auf die universelle Geltung von Menschenrechten ist deshalb nur eine besonders perfide Form von Flucht vor der Verantwortung. Wenn jeder Mensch, nur weil er Mensch ist, Eigentümer von Rechten ist, braucht sich niemand mehr um die Errichtung und Aufrechterhaltung wohnlicher, ziviler Verhältnisse zu kümmern, der Unterschied zwischen zivil und barbarisch wird sinnlos.</span> <span class="tm8">Juristen wurden auch deshalb privilegiert, weil man sie als ‚Organe der Rechtspflege‘ ansieht und ihnen eine Gemeinwohlaufgabe anvertraut hat. Ob sie das in ihrer Mehrheit heute noch rechtfertigen, ist eine andere Frage. Ein Recht, das nicht gepflegt wird, verwildert. Es sollte uns zu denken geben, dass sich die Verachtung der Juristen sowohl bei Hitler als auch bei Merkel<a href="#footnote16"><sup>16</sup></a><a id="footnote16back"></a> findet. Erleben wir gerade den zweiten Aufguss einer ‚legalen Revolution‘?</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Links und rechts, die Mitte und die Extreme sind räumliche Kategorien. Sie machen nur Sinn innerhalb einer räumlich geordneten Gesetztheit. Zur Analyse des gegenwärtigen Geschehens taugen sie nicht. Sie blockieren nur, erst recht in ihrer hypermoralisch aufgeladenen Variante, das Verständnis dessen, was auf dem Spiel steht. Der Versuch der Weimarer Republik, nachdem der große Krieg - die zweite Urkatastrophe nach dem dreißigjährigen - Vieles und Viele in Bewegung versetzt, im buchstäblichen wie übertragenen Sinne entsetzt hatte, wieder zu einer Gesetztheit zurückzufinden, dem Freiheits-Spiel-Raum ausreichend Zeit zu geben, um wieder Gewohnheit werden zu können, wurde nicht von linken und rechten Extremen, sondern von zwei Bewegungen beendet, der kommunistischen und der nationalsozialistischen. Hannah Arendt hatte das verstanden, Joachim Fest auch, Adorno dagegen hat es nicht verstanden<a href="#footnote17"><sup>17</sup></a><a id="footnote17back"></a>. Ich komme darauf zurück. Die nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges und der Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre verlorene Gesetztheit bleibt in Deutschland ohne Gewohnheit und kann gegenüber dem Ansturm der Bewegungen keinen Halt geben. Leichtfertig wird die Verfassung der Bewegung geopfert. Dass es auch anders gehen kann, demonstrierten die Italiener, die am 24./25. Juli 1943 im Augenblick höchster Gefahr im Faschistischen Großrat mit deutlicher Mehrheit die totale Herrschaft des einen verhinderten, Mussolini absetzten und die Macht mit Verweis auf die Verfassung wieder an den König zurückgaben. Nicht nur, dass dort der Konflikt zwischen Gesetzung und Bewegung in einem Ratsgremium zur polemischen Austragung kam, er wurde politisch zugunsten der Gesetztheit entscheiden.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm7"><strong><span class="tm19">Gesetzung und Zersetzung</span></strong></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">Der Gegensatz von Gesetz ist nicht gesetzlos. Die gesamte anarchische und später anti-autoritäre Tradition bleibt an die Vorstellung von Gesetz als Vorschrift, als Gehorsamsgebot des Herrn gefesselt. Weil uns der erfahrbare räumliche Sinn von Gesetzung weitgehend abhanden gekommen ist, müssen wir den Umweg über seine Negation nehmen. Der räumliche Gegensatz im Inneren von Ge-setzung ist Zer-setzung, im Äußeren Wüste. Zersetzung holt die Wüste, die die Gesetzung draußen hält in das Innere der Gesetzung hinein und zerschneidet und entbindet, was durch Gesetzung erst entstehen kann: das unsichtbare Geflecht der vielfältigen Bindungen, die zwischen Menschen, die sich in einem geschützten Raum aufhalten können, durch die Zeit, die Wiederholung, die Gewohnheit und die Vertrautheit entstehen. Nirgendwo lässt sich der Sinn von Gesetzung besser verstehen als in der ehemaligen „DDR“, einer von außen aufgezwungenen totalitären Ordnung, die erst den Terror und dann andauernde Zersetzungsmaßnahmen zum Lebenselixier ihres Daseins gemacht hat. Kein Land der Erde, nicht einmal Nordkorea, hat je ein derart dichtes Netz von Spitzeln, Schnüfflern, Denunzianten und anderen widerwärtigsten Figuren auf seine eigenen Bürger gehetzt. Wo immer ein Standpunkt, eine Meinung, ein eigener Blick auf die Wirklichkeit sich bemerkbar macht, müssen umgehend Maßnahmen ergriffen werden, um das Entstehen normaler alltäglicher Verhältnisse zu unterbinden und die Geltung der organisierten Lüge aufrecht zu erhalten.</span> <span class="tm8">Unter allen möglichen Bindungen soll nur noch eine einzige, die an die ideologische Fiktion aufrechterhalten werden, was bis in die intimsten privatesten Bindungen, die eines Kindern an seine Mutter, einer Ehefrau an ihren Ehemann oder eines Freundes an seinen Freund reicht. Während der Terror eine bereits bestehende und über viele Generationen gewachsene Gesetztheit initial zerstören muss, ist es die Aufgabe der Zersetzung, jedes Wiederentstehen einer Gesetztheit dauerhaft zu unterbinden. Lebenslange, von der Partei unabhängige, Freundschaften, darf es nicht geben. Das Ziel der Zersetzung ist die Zerstörung des Zwischen. Sie versucht, Menschen dauerhaft im Zustand der Ungesetztheit zu halten und jedes Entstehen der Vorformen des Politischen schon im Ansatz zu unterbinden.<a href="#footnote18"><sup>18</sup></a><a id="footnote18back"></a></span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Wenn die Gesetzung die Bewegung beendet, muss auch umgekehrt gelten: die Bewegung beendet die Gesetzung. Wer Menschen in Bewegung versetzen will, muss sie zuvor aus ihren gesetzten Gewohnheiten herauslösen, aus ihren Häusern locken, sie vereinzeln, sie erst völlig entwurzeln, um sie danach als verlorene Seelen in der Bewegung wieder auf das eine hin ausgerichtet, zusammenbinden zu können. Bewegung und Krieg verwenden dafür den gleichen Begriff: Mobilisierung. Die älteste Zersetzungsideologie des Abendlandes entsteht aus dem jüdisch-christlichen Monotheismus. Die Aussetzung aus dem räumlich verstandenen Gesetz seht sowohl am Anfang der jüdischen, wie der christlichen Bewegung. Der Herr schreibt Abraham die Aussetzung vor: er soll seines Vaters Haus, seine Verwandtschaft und sein Vaterland verlassen (1. Buch Mose, 12.1). Jesus übernimmt diesen Zug. Er sei nicht gekommen, Frieden zu bringen, wie es in Mt, 10,34 heißt, sondern das Schwert<a href="#footnote19"><sup>19</sup></a><a id="footnote19back"></a>. Mit dem Schwert müssen die bereits bestehenden Bindungen zerschnitten werden: „Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider die Mutter und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.“ (ebd.) Der Tischfrieden, der Hausfrieden, der Landfrieden: die Bewegung treibt den Unfrieden in die gesetzten Räume, aus denen er ursprünglich durch die Gesetzung verbannt werden sollte. Wo die Gesetzung einen angstfreien Zeit-Spielraum einräumt, treibt die Bewegung die Angst wieder in die Räume, in dem sie die verbleibende Zeit verkürzt und mit dem apokalyptischen Ton, das Ende sei nahe, für Entsetzen sorgt. Die Prinzipien einer Gesinnungsgemeinschaft, sich durch Ausstoßung alles Unreinen zu konstituieren, sind weder mit den Regeln der Verwandtschaft, noch den Ritualen einer Gesetzung zu vereinen. Von Beginn an stehen diese Formen der Vergemeinschaftung in krassem Widerspruch zueinander. Den entscheidenden Zug des Herauslösens aus der Gesetztheit, sowie den apokalyptischen basso continuo findet man in allen christlichen und ideologischen Bewegungen. Um Dynamik aufzunehmen, muss das zersetzende Gift einer Bewegung alle gewachsenen und stabilen Beziehungen angreifen und die gewachsenen Netze zerschneiden, einerlei, ob Nachbarschaft, ob Familie oder Freundschaften. Zur Wirksamkeit der Bindung an eine einzige Idee müssen erst alle anderen Bindungen zertrennt werden. Das ist der Sinn des ersten Gebots. Dass selbst die von der Natur instinktiv als unzertrennlich angelegte Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem davor nicht gefeit ist, zeigt die Geschichte der Perpetua, die für die ausschließliche Bindung an den einen Gott in den Tod geht und Vater und Säugling zurücklässt.<a href="#footnote20"><sup>20</sup></a><a id="footnote20back"></a> Gudrun Ensslin wiederholt ihr Schicksal. Die Spur lässt sich problemlos bis heute ziehen, wenn Schulkinder aus ihrer Schule herausgelöst werden, um gegen einen imaginären Klimawandel zu demonstrieren oder Kinder im Kindergarten wider ihre vermeintlich rechten Eltern in Stellung gebracht werden sollen. Man wird daher ideologische Bewegungen vor allem dort finden, wo die Zeit, die das Entstehen einer stabilisierenden Gewohnheit benötigt, aus unterschiedlichen Gründen nicht gegeben war, weil sie ständig unterbrochen wurde: durch Kriege, Verwüstungen, Epidemien etc. und viele orientierungslos und entwurzelt herumirren. Auch in Deutschland ist es bislang nicht gelungen, den seit den Religionskriegen im 17. Jahrhundert schwelenden Konflikt zwischen politischer Gesetzung und religiöser Bewegung nachhaltig zu entschärfen. Ob dem Land noch eine Dauer beschieden sein kann, scheint durchaus fraglich.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm7"><strong><span class="tm19">Entbindung und Einsetzung</span></strong></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; </span><span class="tm8">Dass wir heute eine Geburt nur noch als Entbindung bezeichnen, deutet an, dass uns wesentliche Sinnbezüge von Gebürtlichkeit verloren gegangen sind. Nach der Entbindung, die als natürlicher Vorgang auch bei allen anderen Lebewesen vorkommt, erfolgt erst die eigentlich menschliche Entscheidung, ob das Neugeborene in die menschlichen, zivilisierten Zusammenhänge eingesetzt, oder den willkürlichen Kräften der Natur ausgesetzt wird. Die heidnischen Germanen, denen solche Zusammenhänge noch geläufig waren, sprachen deshalb von der doppelten Geburt, die im Christentum auf nur eine reduziert und aus der weltlichen Gemeinschaft herausgezogen wurde. Die zweite Geburt entspricht der ersten Einsetzung. Mit dem Namen bekommt das Neugeborene einen leeren Platz in der symbolischen Ordnung, der mit Geschichten gefüllt werden kann, die über die Person dieses Namens und das Haus, zu dem dieser Name gehört, erzählt werden können. Mit der zweiten Einsetzung erlangt der Neue seine politische Mündigkeit. In jedem Neuen steckt auch ein neuer Anfang. Er kann nun nicht nur in seinem oder im Namen seiner Familie sprechen, sondern zusätzlich als Vollbürger auch im Namen seines Landes. Damit fällt ihm die Verantwortung zu, seinen Teil dazu beizutragen, welche Geschichten andere von seinem Land erzählen können. Solange das Land noch da und in seiner Landessprache zu Wort kommen kann, kann jede neue Generation auch ein neues Kapitel anfangen. Welches ist nirgendwo festgelegt.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Die nationalsozialistische Bewegung hat nach 1945 dem Land eine so schwere Last der Verantwortung hinterlassen, die wohl nur die versammelte Kraft des gesamten politischen Volks hätte schultern können. Ich neige zu der Ansicht, dass Kurt Schumacher mit seinem Verständnis von politischem Volk etwas in dieser Art im Sinn hatte. Die geschichtliche Herausforderung der Bundesrepublik wäre gewesen, dem Land die Zeit einer langsam wachsenden Neugesetzung zu geben, um durch eine allmähliche Wiederverwurzelung die durch den Erfolg der Nationalsozialisten offenkundig gewordene Anfälligkeit für totale Bewegungen zu verringern. Mit einer größtmöglichen Dezentralisierung und Verteilung politischer Verantwortung wäre es eine andere Bundesrepublik geworden. Bekanntlich ist genau das Gegenteil herausgekommen. Der Platz vor dem Gesetz, der Kafkas Herrn K. noch zur Verzweiflung trieb, der vogelfreie Platz des Parias wurde zur Rettungsinsel für alle, die am liebsten so tun, als hätten sie mit der ganzen Geschichtlichkeit nichts zu tun. Die billige Flucht vor der Wirklichkeit wurde zur Großen Weigerung, die Entbindung von jeglicher Verantwortung zur Emanzipation verklärt<a href="#footnote21"><sup>21</sup></a><a id="footnote21back"></a>. Während Adorno den Platz vor dem Gesetz abseits jeder Gegenseitigkeit uneinnehmbar befestigt, um von dort aus allem und jedem die Negativität entgegenschleudern zu können, liest Arendt aus dem Vorhandensein des Ortes vor dem Gesetz das Ungenügen und Vorläufige des mosaischen Gesetzes heraus. Man muss heute an Adornos Texte die Frage richten, ob er jenseits der pathetischen Leerformeln Auschwitz überhaupt verstanden hat.</span> <span class="tm8">Die Heraustrennung aus den Verhältnissen der Gegenseitigkeit; im Extrem, das ‘alle Brücken hinter sich abbrechen’, ist ein gemeinsamer Zug der theologisch-ideologischen Bewegungen.<a href="#footnote22"><sup>22</sup></a><a id="footnote22back"></a></span> <span class="tm8">Auch die negative Theologie bleibt im Gehäuse der Metaphysik. </span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Doch die Entbindung von allem und jedem verlängert nur den allgemeinen Zustand der totalen Verlassenheit, der schon die entscheidende Bedingung der Möglichkeit der totalitären Bewegungen war. Die Befreiten entfliehen bloß in die Vogelfreiheit, die noch im Mittelalter den Gesetzlosen bezeichnet, der außerhalb einer Rechtsgemeinschaft über keinen Rechtsschutz mehr verfügt und von jedem sanktionslos um die Ecke gebracht werden kann. Was als scheinbare Rettung erschien, verschärfte nur die Krise.</span> <span class="tm8">Das Ausmaß an Infantilisierung, das wir derzeit erleben, übersteigt noch das, was uns schon am Nationalsozialismus so verstörend entgegenkam. </span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; &nbsp;</span><span class="tm8">Die erste Massenbewegung der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, die Kampagne „gegen den Atomtod“, so die Enzensberger Biografie von Jörg Lau<a href="#footnote23"><sup>23</sup></a><a id="footnote23back"></a>, zeichnet sich bereits durch ihren endzeitlich gestimmten, apokalyptischen Ton und eine besondere Identifikation aus. Indem die Protestbewegung sich als Opfer einer Endlösung durch die Bombe inszeniert, verweigert sie die Einsetzung in die Verantwortung und flüchtet in die Fantasie einer geschichtlichen Entlastung. Alle Nachfolgebewegungen, von der Protest- über die Frauen- bis hin zur Umweltbewegung werden dieser Flucht vor der Wirklichkeit folgen und die Distanz zu den Tatsachen immer weiter vergrößern. Gab es zumindest in der Anfangsphase noch mögliche Verbindungen zu realpolitischen Interessen, ist die Wirklichkeitsflucht inzwischen offenkundig. Und immer wird man der Zeit keine Zeit geben, wird es kurz vor Zwölf sein oder schon danach. Sobald das eine Bedrohungsszenario sich als blanke Hysterie herausgestellt hat - vom abgestorbenen Wald ist weit und breit nichts zu sehen - muss das nächste erfunden werden, um den Bewegungscharakter zu erhalten. Im Unterschied zur „DDR“ geht in der Bundesrepublik die permanente Bewegung nicht von oben, sondern von unten aus. Erst nach der Wiedervereinigung und der ‘glücklichen’ Fügung einer von Stalinismus und Protestantismus geprägten Kanzlerin gelingt es, beide Stränge zusammenzuführen und politische Elite wie akklamierende Medien auf eine Herrschaft des Einen hin auszurichten. Die Erstarrung des revolutionären Elans in der Endphase der „DDR“ bekommt durch die ‚neuen sozialen Bewegungen‘ der Bundesrepublik endlich wieder Wind unter die Flügel. Die Fokussierung auf die 68er, egal ob negativ oder positiv, führt in die Irre. Bei ihnen ist der Konflikt zwischen Gesetzung und Bewegung längst zugunsten der Bewegung entschieden. Die Selbstinszenierung als eigentliche Demokratie-Gründergeneration soll das Versagen vor der geschichtlichen Verantwortung nur verdecken. Die eigentliche Phase der Gärung des Landes spielt sich zeitlich in der Phase ab, in der die „DDR“ ihren antifaschistischen Gründungsmythos erfolgreich auf die junge und zu wenig widerstandsfähige Bundesrepublik überträgt und den anti-totalitären Nachkriegskonsens verdrängt. An sie und die Revolutionserfahrung des Ostens muss anknüpfen, wer das eigene Land noch nicht verloren geben will.</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp; Wenn das Gesetz zum Bewegungsgesetz der gesamten Menschheit geworden ist, lautet seine zentrale Vorschrift: du musst alles töten, was nicht Teil der Bewegung ist. Das Gesetz der Herrschaft des Einen ist erst erfüllt, wenn aus einer Pluralität unterschiedlicher Menschen eine einzige homogene Masse Mensch hergestellt ist. Damit hat sich der ursprüngliche Sinn von Gesetz als Einzäunung und Eröffnung eines Freiheitsspielraums für die Vielen in sein Gegenteil verkehrt. Nach der Erfahrung der totalitären Bewegungen ist der Sinn von Gesetz als Vorschrift zum Abschluss bekommen. Wir wissen jetzt, was am Ende dabei herauskommt. Das gibt uns die einmalige Chance, den ursprünglichen Sinn von Gesetz wiederzuentdecken und dafür zu sorgen, dass er als Gemeinsinn geteilt werden kann. Mit ihrem feinen Gespür für das eigentlich Neue der Nazibewegung hat Arendt sehr genau gesehen, dass die Bewegung, trotz aller Perversion immer noch eine Antwort auf den mehr oder weniger dunkel erfahrbaren Zustand der Ungesetztheit<a href="#footnote24"><sup>24</sup></a><a id="footnote24back"></a> und Verlorenheit lieferte und dieses Antwort-Placebo wurde, weil sich an diesem Zustand wenig geändert hat, auch in den Bewegungen der Nachkriegsrepublik wieder begeistert aufgegriffen. „Den Massen atomisierter, undefinierbarer und substanzloser Individuen wurde ein Mittel der Selbstidentifizierung in die Hand gegeben, das ihnen ein durchaus brauchbares Surrogat für das verloren gegangene […] lieferte. […] Diese Propaganda, die von vornherein auf Organisation abzielte, konnte in der Tat die Bewegung als eine Art Permanenz erklärter Massenversammlung etablieren, das heißt sie konnte jene wesentlich temporären Stimmungen überhitzten Selbst- und hysterischen Sicherheitsgefühls, die die Massenversammlungen dem isolierten Individuum einer atomisierten Gesellschaft inspiriert, rationalisieren und institutionalisieren.“<a href="#footnote25"><sup>25</sup></a><a id="footnote25back"></a> Das „wir müssen ein Zeichen setzen“ wurde zum selbstverständlichen Ritual. Eine Bewegung als Gegenteil von Gesetzung hat nur sich selbst im Akt der Bewegung, sie hat nichts außer sich. Ihr einzig Gemeinsames ist, dass sie sich selbst als bewegt erfährt. Damit bleibt sie gefangen in ihrer eigenen Notwendigkeit. Sie wird in nichts eingesetzt und übergibt nichts, sie hegt keine Räume ein, sie pflegt und zivilisiert nichts, sie errichtet keine Kirchen, die noch Jahrhunderte später Besucher in Staunen versetzen, sie baut keine Städte, deren Ruinen noch nach Jahrtausenden die Einbildungskraft inspirieren. Eine Bewegung ist zeitlos, geschichtslos und landlos. Das einzige, das sie hinterlässt, ist ein verwüstetes Land. Die größte Gefahr einer Bewegung ist ihr Stillstand. Sie ist gezwungen, stets die gesamte Menschheit organisieren zu müssen und als Vorhut im Namen aller Menschen mit einer grotesk kindlichen Allmachtsfantasie aufzutreten. Wer sich diesem Anspruch entzieht, kann nur der Feind der gesamten Menschheit sein. Bewegung ist der Modus der verlorenen Menschen der Moderne. Dass große Teile der heimatlos gewordenen Massengesellschaften Europas ein neurotisches, völlig bescheuertes Kind als Erlöserfigur verehren, ist nur der sinnfälligste Ausdruck der Verlassenheit der gesetzlosen Massen. „Je weniger die modernen Massen in dieser Welt noch wirklich zu Hause sein können, desto geneigter werden sie sich zeigen, sich in ein Narrenparadies oder eine Narrenhölle abkommandieren zu lassen, in der alles gekannt, erklärt und von übermenschlichen Gesetzen im Vorhinein bestimmt ist.“<a href="#footnote26"><sup>26</sup></a><a id="footnote26back"></a></span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm7"><span class="tm8">Ein besonderer Dank gebührt Herbert Ammon, der den Entwurf gründlich gelesen und etliche Verbesserungen beigesteuert hat.</span></p>
<p><strong>Weitere Veröffentlichungen:</strong></p>
<p>Eine für <a href="https://www.iablis.de/iablis/themen/2019-formen-des-politischen/thema-2019/532-gesetzung-und-bewegung">IABLIS - Jahrbuch für europäische Prozesse</a> erstellte Version</p>
<p>Auf <strong>Jürgen Fritz Blog</strong> erschien eine dreiteilige Version:<br>
I: <a href="https://juergenfritz.com/2019/05/29/vom-gefaehrten-zum-menschen/">Gesetzung und Bewegung - Vom Gefährten zum Menschen, von der Zivilisation zur Barberei</a></p>
<p>II:&nbsp;<a href="https://juergenfritz.com/2019/06/01/die-bewegten-bekaempfen-alles-was-sie-an-der-bewegung-hindert/" rel="bookmark">Gesetzung und Bewegung (II): Die Bewegten bekämpfen alles, was sie an der Bewegung auf ihre Fiktion hin&nbsp;hindert</a></p>
<p>III.&nbsp;<a href="https://juergenfritz.com/2019/06/03/bewegung-modus-der-verlorenen-menschen-der-moderne/" rel="bookmark">Gesetzung und Bewegung (III): Bewegung ist der Modus der verlorenen Menschen der&nbsp;Moderne</a></p>
<p>Auf <a href="https://www.theeuropean.de/boris-blaha/15900-gesetzung-und-bewegung"><strong>The European</strong></a> erschien eine Version leider ohne Fußnoten</p>
<hr>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote1"></a><a href="#footnote1back"><sup>1</sup></a> &nbsp;vgl. Jan Assmann, Die Mosaische Unterscheidung, München, 2003, S. 11. vgl. dazu insb. auch Egon Flaig, Das rettende Gesetz und die Aporie des Verfügens, in: Von Magna Graecia nach Asia Minor: Festschrift für Linda-Marie Günther zum 65. Geburtstag, Hg. von Hans Beck, Benedikt Eckhardt, Christoph Michels und Sonja Richter, Wiesbaden 2017, S. 115ff</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote2"></a><a href="#footnote2back"><sup>2</sup></a> &nbsp;vgl. Hannah Arendt - Karl Jaspers Briefwechsel 1926 -1969, München 1993, S. 202</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote3"></a><a href="#footnote3back"><sup>3</sup></a> &nbsp;vgl. Arendt: Über die Revolution, erste Fußnote zum 6. Kapitel‚ Tradition und Geist der Revolution; dass <em><span class="tm12">François</span></em> <em>Furet</em> in „Das Ende der Illusion“ vom Fluch der revolutionären Idee spricht, ist nur einer von vielen Bezügen, S. 50</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote4"></a><a href="#footnote4back"><sup>4</sup></a> &nbsp;Fritz Kern: Recht und Verfassung im Mittelalter, Tübingen 1958</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote5"></a><a href="#footnote5back"><sup>5</sup></a> &nbsp;Auf die Frage, warum im 20. Jhdt. ausgerechnet die Juden mitten in den Sturm der Ereignisse gerieten, gibt Arendt eine so einfache wie schwer zu tragende Antwort: weil sie so unpolitisch waren. Nach dem Verlust des Tempels hatten sie weder Land, noch Regierung, zerstreuten sich und fielen auf einen vorpolitischen Zustand zurück. So waren sie gezwungen, in der ohnmächtigen Absonderung zu verharren und sich unter den Schutz des Herrn zu begeben. Israel hat daraus die Konsequenz gezogen, die Deutschen fliehen seither vor der Verantwortung. Arendt hat frühzeitig darauf aufmerksam gemacht, dass im Kampf um die Herrschaft des Einen die jüdische Volksgemeinschaft gerade deshalb sowohl zum Modell wie zur schärfsten Rivalin der Nazi-Volksgemeinschaft werden konnte, weil sie wie diese auf einer vorpolitischen Bindung des Blutes beruhte. vgl. Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, S. 55f, S. 85; Disraeli „war der erste Europäer, der viel radikaler als später Gobineau und viel konsequenter als die wissenschaftlich verkleideten Krämerseelen behauptet hat, dass ‘Rasse alles’ sei und auf dem ‘Blut’ beruhe“; ebd. S. 138; das hat Folgen für die Nazi-Ideologisierung, denn im Unterschied zum Terror, der willkürlich jeden Beliebigen treffen kann, bedarf die Ideologie eines realen Anhalts, um die Massen zu erreichen.</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote6"></a><a href="#footnote6back"><sup>6</sup></a> &nbsp;Bernward Vesper: Die Reise, März Verlag, Frankfurt 1977, S. 296</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote7"></a><a href="#footnote7back"><sup>7</sup></a> &nbsp;vgl. D.W. Winnicott: Übergangsobjekte und Übergangsphänomene, in: Psyche 1969, 669-682</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote8"></a><a href="#footnote8back"><sup>8</sup></a> &nbsp;vgl. Hannah Arendt: <em><span class="tm20">Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft</span></em>, S. 599</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote9"></a><a href="#footnote9back"><sup>9</sup></a> &nbsp;“…die Ideologieanfälligkeit des modernen Menschen wächst in genau dem Maß, wie gesunder Menschenverstand (und das ist der common sense, der Gemeinsinn, durch den wir eine uns allen gemeinsame Welt erfahren und uns in ihr zurechtfinden) offenbar nicht mehr zureicht, die öffentlich politische Welt und ihre Ereignisse zu verstehen.“ ebd. S. 35</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote10"></a><a href="#footnote10back"><sup>10</sup></a> &nbsp;ebd. S. 499</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote11"></a><a href="#footnote11back"><sup>11</sup></a> &nbsp;„In einer fiktiven Welt gibt es gar keine Instanz, die Misserfolge als solche verbuchen könnte, ja selbst der einfache Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg hängt von dem Fortbestand einer tatsächlichen und damit von der Existenz einer nichttotalitären Welt ab.“ ebd. S. 608</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote12"></a><a href="#footnote12back"><sup>12</sup></a> &nbsp;letzte texte von ulrike, S.11 (Brief von Ulrike an die Gefangenen in Hamburg), eigendruck im selbstverlag, 1976</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote13"></a><a href="#footnote13back"><sup>13</sup></a> &nbsp;vgl. ‚Elemente und Ursprünge‘, S. 710</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote14"></a><a href="#footnote14back"><sup>14</sup></a> &nbsp;vgl. Karl Griewank: Der neuzeitliche Revolutionsbegriff, Frankfurt a. Main, 1973</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote15"></a><a href="#footnote15back"><sup>15</sup></a> &nbsp;vgl.‚Elemente und Ursprünge‘, S. 610: “…eine Entwicklung zum Absolutismus würde der Bewegung im Inneren ein Ende setzen, und eine Nationalisierung würde die Expansion nach außen, auf die sie angewiesen ist, unmöglich machen.“; vgl auch: „Allein die ununterbrochene (…) Austragung der vorhandenen Widersprüche ermöglicht (…) den Erziehungsprozess der Menschen und damit die Permanenz der Revolution. Ohne die Herausbildung des Neuen Menschen ist die permanente Revolution unmöglich.“ Rudi Dutschke, Vom Antisemitismus zum Antikommunismus, in: Bergmann, Dutschke, Levebre, Rabehl: Rebellion der Studenten oder die neue Opposition, Reinbek, 1968; konsequent weitergedacht ist diese Revolution erst am Ziel, wenn aus der gesamten Völkerfamilie ein einziger neuer Mensch hergestellt worden ist.</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote16"></a><a href="#footnote16back"><sup>16</sup></a> &nbsp;vgl. Horst Dreier: Vom Schwinden der Demokratie, in: Die Zukunft der Demokratie, München 2018</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote17"></a><a href="#footnote17back"><sup>17</sup></a> &nbsp;Der ganze anti-autoritäre Ansatz der Frankfurter Schule ist verständnislose Donquichotterie, weil „das Prinzip der Autorität in allen entscheidenden Punkten dem der totalen Herrschaft diametral entgegengesetzt ist.“ Elemente und Ursprünge, S. 629</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote18"></a><a href="#footnote18back"><sup>18</sup></a> &nbsp;Man hat Arendt gelegentlich und zu Unrecht vorgehalten, dass sie dem Terror eine zu große Bedeutung beigemessen hätte. Den fundamentalen Gegensatz zwischen Gesetzung und Bewegung hat sie sehr wohl gesehen. „Der totalitäre Machthaber muß mit allen Mitteln die Bedingungen des Zerfalls, unter denen die Bewegung zur Macht gekommen ist, aufrechterhalten und verhindern, daß das, was er dauernd versprochen hat, wirklich eintritt, nämlich eine Neuordnung aller Lebensverhältnisse und eine neue Normalität und Stabilität, die sich auf der Neuordnung gründet. Jede solche Neuordnung, gleichgültig, wie „revolutionär“ sie erst einmal anmuten sollte, würde auf die Dauer ihren Platz in den ungeheuer verschiedenen und kontrastierenden politischen Lebensformen der Völker der Erde finden, sie würde zu einer unter vielen werden, und gerade dies muß um jeden Preis verhindert werden.“ Elemente und Ursprünge, S. 613; die gescheiterte Ostpolitik Egon Bahrs beruhte auf der Illusion, dass es sich bei der „DDR“ nur um eine andere Form von Staat handeln würde. Tatsächlich ist der Sozialismus eine Bewegung, die kein Staat werden kann. Der bundesdeutsche Antifaschismus, die damit verknüpfte Abkehr vom antitotalitären Konsens der frühen 50er Jahre basiert auf einer Zersetzungsstrategie der SED: das zentrale Propagandaorgan der SED für die entstehende Protestbewegung im Westen, der Studentenkurier, später konkret, ist eine Maßnahme jener schon vor der KPD 1954 vom Bundesverwaltungsgericht verbotenen FDJ in Westdeutschland. Die West-FDJ wurde, wie man dem lesenswerten Gerichtsurteil entnehmen kann, verboten, weil es sich um eine zentral gelenkte terroristische Vereinigung handelt, deren Endziel es ist, mithilfe von Massenbewegungen die freiheitlich demokratische Ordnung zu beseitigen. vgl. zur Entstehung von konkret auch Bettina Röhl: „So macht Kommunismus Spaß, München 2018, insb. S.354 ff sowie die einschlägigen Arbeiten von Hubertus Knabe; gemeinsam mit den im Vergleich zu den Katholiken erheblich ideologieanfälligeren Protestanten bereiten die Protestbewegungen den Boden für eine Kanzlerin, die als ehemalige FDJ-Sekretärin für Propaganda und Agitation ihre protestanto-stalinistische Prägung nun auch auf den freien Westen überträgt.</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote19"></a><a href="#footnote19back"><sup>19</sup></a> &nbsp;ist es reiner Zufall, dass das zertrennende Schwert auch in der Selbstbeschreibung des MfS als ‘Schild und Schwert der Partei’ wieder auftaucht?</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote20"></a><a href="#footnote20back"><sup>20</sup></a> &nbsp; vgl. Manfred Clauss: Ein neuer Gott für die alte Welt, Die Geschichte des frühen Christentums, Berlin 2015, S. 93ff</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote21"></a><a href="#footnote21back"><sup>21</sup></a> &nbsp;Die klarste Formulierung findet sich in dem Romanfragment von Bernward Vesper: “… wir müssen erst zur totalen Verantwortungslosigkeit zurückfinden, um uns überhaupt zu retten.“ Die Reise, Frankfurt a.M. 1978, S. 34, vgl. auch die klare Wahrnehmung des Unterschieds zwischen der Situation des Parias und der Welt der anderen: „Die Suche nach einem Schlafplatz hatte sich längst verselbstständigt, sie war die Suche nach einer Zuflucht geworden, die Hetze eines Ausgestoßenen, der durch die Gesetzlosigkeit der Nacht irrte, während hinter verschlossenen Türen und heruntergelassenen Rollläden diejenigen schliefen, die mit der absurden Welt ihren Frieden gemacht hatten und in Gnaden aufgenommen worden waren.“ ebd. S. 240, zum Zusammenhang zwischen der Grunderfahrung der Verlassenheit und der Flucht in die Vogelfreiheit vgl. auch. S. 410</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote22"></a><a href="#footnote22back"><sup>22</sup></a> &nbsp;„Alle Bindungen kappen. Die Wohnungen verbrennen, die Erinnerungen verbrennen, alle Brücken zerstören. Fegefeuer macht frei. Frei für ein neues Leben, verstanden als Endkampf, als totaler Krieg. Was Hanke (der Gauleiter von Niederschlesien, BB) jetzt, wo alle Rücksichten sinnlos werden, verkündet, ist nichts anderes als die permanente Revolution. An diesem Sonntagabend im März 1945 spricht aus dem Großdeutschen Rundfunk der revolutionäre Geist des zwanzigsten Jahrhunderts. Es spricht der Bruder, der Todfeind, der Genosse von Lenin, Stalin, Mao Tse-tung und Pol Pot. Auch Hanke möchte ganz von vorn beginnen mit dem Design des Menschen. Sintflut sein, Feuersturm, Schöpfer, Künstler der eisernen Faust.“ Wolfgang Büscher, Drei Stunden Null, Hamburg 2003, S. 20</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote23"></a><a href="#footnote23back"><sup>23</sup></a> &nbsp; vgl. Jörg Lau: Hans Magnus Enzensberger, Ein öffentliches Leben, Frankfurt 2001, S. 79ff</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote24"></a><a href="#footnote24back"><sup>24</sup></a> &nbsp;„Die Grunderfahrung menschlichen Zusammenseins, die in totalitärer Herrschaft politisch realisiert wird, ist die Erfahrung der <em><span class="tm20">Verlassenheit</span></em>.“ Elemente und Ursprünge, S. 727</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote25"></a><a href="#footnote25back"><sup>25</sup></a> &nbsp;vgl. ebd. S. 566</p>
<p class="Fu_notentext"><a id="footnote26"></a><a href="#footnote26back"><sup>26</sup></a> &nbsp;ebd. S. 723</p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
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