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	<title>Religion - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Corona und der Gute Hirte. Etwas über Christen und Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[A. K. Hermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jul 2020 16:11:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[allmacht und ohnmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[gott]]></category>
		<category><![CDATA[re-ligio]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Deutschland, Mitte 2020. Corona schlägt zu, erneut. Ziel: hochprekäre Wohnanlagen, zweifelhafte Fleischfabriken. Zahl der Infizierten: steigt erneut. Und wieder: Maske, Abstand, Hände waschen. Auftritt EKD. Evangelische Kirche in Deutschland. Körperschaft des öffentlichen Rechts. Wie die Handwerkskammer. EKD: grundgesetzlich eine „Religionsgesellschaft“.... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2020/07/corona-und-der-gute-hirte-etwas-ueber-christen-und-menschen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Deutschland, Mitte 2020. Corona schlägt zu, erneut. Ziel: hochprekäre Wohnanlagen, zweifelhafte Fleischfabriken. Zahl der Infizierten: steigt erneut. Und wieder: Maske, Abstand, Hände waschen. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Auftritt EKD. Evangelische Kirche in Deutschland. Körperschaft des öffentlichen Rechts. Wie die Handwerkskammer. EKD: grundgesetzlich eine „Religionsgesellschaft“. Eine „christliche“. Für die „seelische Erhebung“. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span><span class="tm6">So das Grundgesetz. Was aber ist mit Religion und Erhebung gemeint? Manches deutet, heute, auf einen peinlich unchristlichen Event-Zeremonialismus sowie auf einen dia-bolisch antichristlichen Hang zur „Weltveränderung“ hin. </span><span id="more-1070"></span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Maske, Abstand, kräftig Waschen: </span></strong><span class="tm6">das genügt der christlichen - traditionell seit gut 1600 Jahren an staatliche Regierungen gekoppelten - Religionsgesellschaft nicht. Sie empfiehlt, in der Krise, unter dem www-Titel „Hinweise zum Coronavirus“, die Beherzigung eines Spruchs. Dieser wird im Älteren Teil des Fundamentalbuchs der „Christen“ aufbewahrt. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span><span class="tm6">Titel des Spruchs: „Der Gute Hirte“. Gemeint ist eine für Mitglieder der EKD grundwichtige, jedoch strikt undefinierte Erscheinung - ein Objekt (?), eine Person (?), eine Erfahrung (?) namens „gott“, auch „Herr“ und „Allmächtiger“. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das dem Corona-Bann der EKD dienende Zitat lautet: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ EKD: „Das hilft gegen Panik und Überreaktion. Es ist die beste Voraussetzung, jetzt das Richtige zu tun, um Gefahren für die Zukunft zu vermeiden.“</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Aber wer ist dieser Hirte? </span></strong><span class="tm6">Was ist seine Heilungskraft? Wie wirkt seine Hirtenqualität sich auf mein Vorsorgeprogramm aus? Wie verhilft er zum „Tun des Richtigen„? Maske, Abstand, Händewaschen: genügt das nicht? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Kirchenchristlichkeit strebt, konstitutiv, </span><em><span class="tm8">höher</span></em><span class="tm6"> hinaus. Sie strebt in ein - nicht existentes - „Jenseits“. Das pragmatische Dasein, in alltäglicher Mit-Menschlichkeit, genügt nicht. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Dazu G. E. Lessing, im „Nathan“, 1779, über die Kirchenchristen: „Ihr Stolz ist Christen sein, nicht Menschen.“ - Baruch Spinoza, im Theologisch-Politischen Traktat, 1670: nichts anderes lehrt das Grundbuch der Christen, „als was die Menschen in ihrer bestimmten Lebensweise nachahmen können.“ - Schön auch J. G. Droysen, in der Historik, 1882: die Kirche strebt danach, „für den Pragmatismus der menschlichen Dinge immer neue Wunderwirkungen Gottes und seines unerforschlichen Ratschlusses zu substituieren.“ - </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Zuständig für Religion, Glaube, Kirche: die Historische Kulturwissenschaft. </span></strong><span class="tm6">Religion ist Produkt von Geschichte, Kultur, von Dasein. Aus dem Menschsein kommen wir nicht heraus. Im Jahre 14 u.Z. etwa gibt es auf der ganzen Welt keinen einzigen Christianós, Anhänger der kulturellen Leitfigur Christós, des Gesalbten. Im Jahre 140 u. Z. aber gibt es viele Christianói. Christsein ist eine historische Erscheinung. Kirche (von kyriakón, zum Herrn, Kýrios, gehörig) fällt nicht vom Himmel. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ohne die Wahrnehmung der Entstehungszeit der Herrengruppen in hellenistisch-judaiischer Kultur - 1. bis 4. Jahrhundert, Ende des überlieferten kósmos, Angst und Verzweiflung, Wechsel zu den Figuren des Einen Gottes und des Christós Kýrios - kann niemand ein Christianós sein. - Im übrigen: aus der Sicht der Historischen Kulturwissenschaft ist diese Figur, und sind die Verfasser jener frühen Christóstexte, auch der Paulus, als leibhaftig existent nicht nachzuweisen. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">pístis, Vertrauen. </span></strong><span class="tm6">Glauben, pístis, pistía, in den Kýriostexten und schon bei Heraklit, pisteía, um 500 v.u.Z., ist </span><em><span class="tm8">nur</span></em><span class="tm6"> zu verstehen als ein menschliches Verhalten namens </span><em><span class="tm8">Vertrauen. </span></em></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In EKD-Sicht dagegen, dargelegt im online-Beitrag, ist Glauben eine Kategorie des Wissens und Nichtwissens, ja </span><em><span class="tm8">gesteigerten</span></em><span class="tm6"> Nichtwissens: EKD-Glauben ist „</span><em><span class="tm8">mehr als das Gegenteil von Wissen“</span></em><span class="tm6">. Mehr als? Grenzenlos erkenntnislos? Glauben als Feind - impliziert mindergradiger - „wissenschaftlicher Erkenntnisse“ und „intellektueller Überlegungen“? </span></p>
<p class="Normal tm5"><em><span class="tm8">Intellektuell! </span></em><span class="tm6">Gottbehüte. In deutscher Kultur und Geschichte, auch Kirchengeschichte, ein offen gewaltträchtiges Ausgrenzungswort. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">tatriatauta. </span></strong><span class="tm6">Die zentrale Botschaft, das kérygma der kýrios-Texte, ist 1 Kor 13.13: ta tria tauta, diese drei, pístis, elpís, agápe. Vertrauen, Hoffnung, Verbindlichkeit. (Die gängige agápe-Übersetzung, „Liebe“, passt nicht.) - Grundlegend: pístis.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">re-ligio, Rücksicht. </span></strong><span class="tm6">Auch nichts weiter als mit-menschliches Verhalten. re-ligio kommt von „rem ligare“. Eine Sache binden, zurückhalten. In Rücksicht auf das Interesse des Anderen: ein </span><em><span class="tm8">humanes</span></em><span class="tm6"> - dem „Tätigen Da-Sein“ (Hannah Arendt, The Human Condition) inhärentes - Verhalten: Gewissenhaftigkeit. So übersetzt der Historiker Jacob Burkhardt das Wort re-ligio. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Von daher: </span></strong><span class="tm6">der Heilige Geist, </span><em><span class="tm8">pneuma hágion</span></em><span class="tm6">? Nichts anderes als der Gute Lebenstrieb, der Schopenhauersche „Wille zum Leben“. - Ewiges Leben? </span><em><span class="tm8">tsoé aiónios</span></em><span class="tm6">: nicht das törichte Trugbild vom Leben nach dem physischen Tode, sondern </span><em><span class="tm8">das zeitlich geschlossene</span></em><span class="tm6">, bruchlose Leben, ein aión nach dem anderen, hier, jetzt. - Sünde? Nichts anderes als </span><em><span class="tm8">hamartía</span></em><span class="tm6">, Verfehlung; kann wiedergutgemacht werden, alltäglich, über das </span><em><span class="tm8">tatriatauta</span></em><span class="tm6">. - Vergebung? </span><em><span class="tm8">áphesis</span></em><span class="tm6">: stockmenschlich. - Und Erbarmen, </span><em><span class="tm8">éleos</span></em><span class="tm6">, erhalte ich - Mensch unter Menschen -, „weil ich unwissend gehandelt habe, im Misstrauen“: </span><em><span class="tm8">apistía</span></em><span class="tm6">, 1 Tim 1.13. Usw., usw.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Atheistisch? </span></strong><span class="tm6">Auch so eine kirchliche Ausgrenzung. A-Theismus folgt aus Theismus. Aber warum sich auf den Theismus einlassen, warum sich vom theós her definieren lassen? Haben Theisten die Definitionshoheit? Wer Diesseits sagt, impliziert Jenseits. Jenseits von was? Wer sich auf eine tapfere „Innerweltlichkeit“ beruft, der sanktioniert eine schimärische „Außerweltlichkeit“. Was ist denn „inner-weltlich„? Was ist „trans-zendent“, über-steigend? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Warum die heutige humanistische Diskussion eines „Neuen Atheismus“? Wieso nennt man sich selbst gott-los: A-theistin, Atheist? Und wiederum: was ist „gott“? Soll man sich vom Konstrukt „gott“ her bestimmen und herumkommandieren lassen: als ungehörig, als Ketzer? Umgotteswillen: als „</span><em><span class="tm8">Intellektueller</span></em><span class="tm6">? Warum nicht, umgekehrt, den Theismus als A-Humanismus erkennen? </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Glaube, was ist das? </span></strong><span class="tm6">Frage, neulich, in einer Runde der vom Guten Hirten Betreuten. Antwort: „Jesus hat mich erlöst. Das ist mein Glaube.“ Glaube als Abbruch von Kommunikation. - Was nun? pístis, elpís, agápe. Maske, Abstand, Hände waschen: ta tría tauta. - Und soeben noch handfeste Definition „gott“ gefunden. Von einem </span><em><span class="tm8">hardcore</span></em><span class="tm6"> „Intellektuellen„! James Joyce, Ulysses (1922): „</span><span class="tm6">He jerked his thumb towards the windows, saying: That is God.- What? Mr Deasy asked. - Answer: A shout in the street.</span><span class="tm6">”</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">éleos und áphesis u</span><span class="tm6">nd amén Corona! </span></p>
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