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	<title>Revolution - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Der falsche Bürgerkrieg</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 May 2018 04:01:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Edmund Burke]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
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		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mir ist, als winkte uns eine fürchterliche Krise, nicht für die Angelegenheiten von Frankreich allein, sondern für die Angelegenheit von Europa und vielleicht von mehr als Europa. Edmund Burke &#160; Die Sache wird auf dem Weg der Bürgerkriege besorgt. Das... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2018/05/der-falsche-buergerkrieg/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Mir ist, als winkte uns eine fürchterliche Krise,<br>
nicht für die Angelegenheiten von Frankreich allein,<br>
sondern für die Angelegenheit von Europa und<br>
vielleicht von mehr als Europa.</em><br>
Edmund Burke</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;"><em>Die Sache wird auf dem Weg der Bürgerkriege besorgt. Das<br>
ist für Deutschland das Ende und für Europa überhaupt.</em><br>
Martin Heidegger</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit dem ‘Einbruch der Philosophie in die Politik’ beginnt am Ende des 18. Jahrhunderts im westlichen Europa die Epoche der totalen Verwüstung. Mit den gerade entstehenden politischen Aufbrüchen, die ihr Land wiederhaben und zum guten alten Recht zurückkehren möchten, kommt die Epoche der philosophischen Revolutionen an ihr Ende. Die Blendkraft der Utopie kann die Wirklichkeit nicht länger verschleiern. Öffentliche Räume, noch vor wenigen Jahren ein Ort der Begegnung, sind gemiedene Gefahrenzonen geworden. Jüdische Familien verlassen wieder das Land. Das Rechtswesen, über Jahrzehnte ein stabilisierender Faktor, löst sich auf. Der Staat kollabiert und sucht sein Heil in der organisierten Lüge. Die ‘freie’ Presse strebt nach dem Geld des Steuerzahlers, weil sie vom urteilenden Leser keines mehr bekommt. Die christlich geprägte Zivilgesellschaft tut, was sie als weltverachtende Ideologie seit jeher getan hat: jede mögliche politische Eintracht spaltend, trommeln die Guten zur Ausrottung der Bösen. Es ist indes kein Zufall, dass die Bezeichnung des gegenwärtigen Geschehens als ‘einzigartiges historisches Experiment’<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> ein direkter Widerhall dessen ist, was damalige Zeitgenossen über die Revolution in Frankreich sagten. Im Osten stärker als im Westen organisiert sich politisch der Widerstand gegen die erneute Zumutung einer zerstörerischen Utopie. Das erträgliche Maß an Experimenten ist voll. Sofern gegenwärtige Erfahrung noch möglich, zur Sprache kommen und Landsleute versammeln kann, bringt der ‘Einbruch der Philosophie in die Politik’<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> die politische Revolution dort notwendig hervor, wo Verwüstung zur alltäglichen Erfahrung geworden ist, zur Not, die gewendet werden muss.<span id="more-830"></span></p>
<p>Die Französische ‘Revolution’ bricht radikal mit allen vorhergehenden politischen Revolutionen, mit den englischen ebenso wie mit der niederländischen. Auch von der fast zeitgleich stattfindenden amerikanischen Revolution unterscheidet sie sich fundamental, was die geschichtsphilosophisch geprägten Beschwörer des ‘Westens’ chronisch ignorieren müssen. Während alle vorhergehenden politischen Revolutionen gar nicht als Revolution begannen, sondern aus ihren tatsächlichen gegenwärtigen Erfahrungen eines ungesunden, krankhaften Verfalls heraus einen früheren, gesünderen Zustand wieder restaurieren, alte Freiheiten, alte Rechte, die usurpiert worden waren, wiederherstellen wollten, hielten sich die führenden Vertreter der Französischen Revolution für auserwählt, die in den Sitten und Gewohnheiten, in den Institutionen wie in der Sprache eingesickerte Erfahrung von Jahrhunderten, die in all der Zeit aufgesammelte, von einer Generation auf die nächste aufbewahrte Urteilskraft und gewachsene Klugheit von Unzähligen mit einem Federstrich hinwegfegen zu können, um im Namen als universell und ewig gedachter Prinzipien etwas völlig Neues aus der bloßen Idee in die Wirklichkeit heraus setzen zu können. Ver-Wirklichung bedeutet tatsächlich Verwüstung. Wo die Philosophie die Herrschaft über den Sinn von Revolution an sich reißt, verkehrt sich ihr ursprünglich politischer Sinn in sein krasses Gegenteil, denn weder von der Philosophie noch von der Theologie aus lassen sich Zugänge zum Politischen eröffnen.<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></p>
<p>Verwirklichung setzt nicht nur Verwüstung voraus, sondern muss permanent Wüste herstellen. Die Utopie als Nicht-Ort wird zum andauernden Feind des Wohn-Orts. Verwirklichung/Verwüstung wird damit zum Signum einer ganzen Epoche, die sich im Namen der höheren inneren Wahrheit einer zuvor abgesonderten Clique für berechtigt hält, die schon lange bestehende, von einer Generation auf die nächste vererbte Wirklichkeit zuvor verwüsten zu müssen, um Platz zu schaffen für ihr neues Werk. Noch in den absurdesten Gendermanien einer Selbst-Verwirklichung, die voller Hass und Verachtung auf ihr von Mutter Natur übergebenes Geschlecht herab schauen und es weder als Geschenk, noch als Gabe, sondern nur als toten Stoff beliebiger Veränderungsphantasmen wahrnehmen können, wird dieser Zusammenhang sichtbar.</p>
<p>Es ist deshalb an der Zeit, die Französische Revolution, die aus dem Zusammenhang der tradierten politischen Revolutionen herausfällt, nicht länger als „Revolution“, gar als „Mutter“ aller modernen Revolutionen zu bezeichnen, sondern sie vom dem her zu benennen, was sie hervorgebracht hat. Als erste moderne philosophische Herrschaft über das Politische, die alle vorherige politische Klugheit über Bord warf, wurde die „Französische Verwüstung“ zur eigentlichen Urkatastrophe des europäischen ‘Westens’. Lange bevor der Begriff ‘Totalitarismus’ Eingang in die Diskurse fand, wurde dies von den erfahreneren Zeitgenossen auch bereits aufmerksam registriert.<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a></p>
<p>Mit dem Einbruch der Philosophie in die Politik entstehen Vorstellungskomplexe, die unsere Wahrnehmung des Politischen bis heute absichtlich verstellen, denn das Ziel dieses Einbruchs ist die Vernichtung des Politischen als solchem. Der eigentliche Feind der philosophischen Wahrheit ist die politische Wahrheit, kann doch der Anspruch einer Herrschaft des EINEN weder Pluralität, weder Gebürtigkeit als stets offene Stelle für etwas noch Kommendes, noch geteilte Wahrheiten zwischen Menschen oder zwischen Mensch und dem, was der Mensch nicht ist, zulassen. Deutlich wird dies an der zentralen Konstellation und ihrer ganz eigenartigen Gewaltaufladung, der zwischen Revolution und Konterrevolution. Als konterrevolutionär kann schlichtweg alles deklariert werden, was sich der Herstellung bzw. Ver-wirklichung der einen und vor jeder Aushandlungsdimension mit anderen schon selbst-gewissen Wahrheit in den Weg stellt. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Wahrheit als Gesetz der einen Vernunft, der einen Natur, der einen Geschichte oder der einen, universellen Moral gedacht wird.</p>
<p>Man hat sich daran gewöhnt, diese außergewöhnliche Konstellation Revolution/Konterrevolution als Bürgerkrieg aufzufassen, bis hin zu dem zweiten Dreißigjährigen Krieg von 1914 - 1945, der aus ganz unterschiedlichen Perspektiven als Europäischer Bürgerkrieg bezeichnet wird, doch es sind weder Bürger, die hier Gewalt gegeneinander ausüben, noch kann das, was sie tun, im klassischen Sinne ein Krieg genannt werden. Der Begriff Bürgerkrieg entstammt wie auch derjenige der Revolution einem politischen Diskurs. Indem die Philosophie sich seiner bemächtigt, verliert er seinen ursprünglich politischen Sinn und verhüllt damit seine eigentliche Bedeutung.</p>
<p>Ein Bürgerkrieg ist eine politische Auseinandersetzung, die sich nicht mehr politisch lösen lässt und deswegen an der Grenze des politischen Feldes in Gewalt umschlägt. Als Bürger können sich aber nur jene auseinander-setzen, die zuvor aus dem Haus (oikos) heraus an einen anderen Ort ver-setzt und als politisch Gleiche zueinander gesetzt wurden durch ein Gesetz, welches das politische Feld zugleich einräumt, wie seine Gewaltsamkeit einhegt. Das Bürger-Sein beruht auf einer politisch gesetzten Gegenseitigkeit. Das Recht wird damit zum wichtigsten haltenden Gewebe, das die Bürger in Gegenseitigkeit sowohl als Gleiche zueinander, wie als je Verschiedene auseinander hält.</p>
<p>Eine solche Gegenseitigkeit kann sich in der durch den Einbruch entstandenen Konstellation Revolution/Konterrevolution nicht einstellen, denn auf der einen Seite stehen an ihrer inneren Gewißheit festhaltende Wahrheits-Exekutoren und auf der anderen Seite stehen solche, die der Ver-Wirklichung dieser schon feststehenden Wahrheit im Weg stehen und mindestens unschädlich, aus dem Weg geräumt, in totalitärer Zuspitzung vernichtet werden müssen. Man kann eine Unzahl von Bezeichnungen für diese im-Weg-Steher erfinden, Reaktionäre gegen Fortschrittliche, Irrationale gegen Rationale, Rechte gegen Linke, Rassisten gegen Gutmenschen etc., entscheidend bleibt immer: die Kontrahenten befinden sich nie auf der gleichen Ebene und nur auf einer Ebene, einem Feld, das beide Kontrahenten teilen, könnte man von Auseinandersetzung oder von Krieg sprechen. Sie können sich nicht einmal, was schon die ältesten Krieger konnten, auf gemeinsame Regeln einigen.<a href="#_ftn5" name="_ftnref5">[5]</a> Die metaphysische Reinigungs-Gewalt, die alles Abweichende zum Verschwinden bringen muss, läßt eine Krieg-Versöhnungs Perspektive nicht zu, denn wer in einen Krieg hinein geht, sollte im voraus eine Vorstellung davon haben, wie er auch wieder aus ihm herauskommt. Auf die anderen ist er zum Bekriegen ebenso wie zum Frieden halten angewiesen. Wahrheits-Exekutoren können jedoch ihre Kräfte nicht nach dem spielerisch-sportlichen Motto ‘möge der Bessere gewinnen’ messen, sie können nur, um der einen Wahrheit absolute Geltung zu verschaffen, alles andere auslöschen. Das erste Opfer der Wahrheits-Exekutoren ist daher stets das auf Gegenseitigkeit beruhende Recht. Stück für Stück werden die Im-Wege-Steher ihrer Rechte beraubt, bis nur noch das nackte Leben übrig bleibt und das haltende Gewebe einer gemeinsamen Welt zerstört ist. Trotz oder auch wegen all der deutschen Erinnerungsindustrie scheint die heutige Generation, weil noch mehr entwurzelt, noch deutlich leichter ideologisierbar zu sein als die Generation von 1933. Die Gefahren einer totalitären Versuchung sind seither größer, nicht etwa kleiner geworden.</p>
<p>Wenn wir nicht länger von Revolution, sondern von Verwüstung sprechen, ändert sich auch der Gegenpol, denn verwüstet wird nicht die Konterrevolution, sondern das Land. Das im angelsächsischen Sprachraum hörbare „we want our country back“ hat daher nichts mit der Wiederkehr längst überwunden geglaubter nationalistischer Strömungen zu tun, wie gedankenlos behauptet wird, sondern gewinnt seinen politischen Sinn aus dem erwachenden Widerstand gegen die totale Verwüstung. Um überhaupt politisch auseinandersetzungsfähig und, wenn es unbedingt sein muß, bürgerkriegsfähig zu werden, sollten wir zuallererst den philosophischen Einbruch in die Politik wieder ausbrechen und die Einbruchstelle schließen. Erst mit der Klarheit des Unterschieds einer philosophischen von einer politischen Revolution, der Einklammerung des jakobinischen Irrweges, kann der Blick wieder für den politischen Sinn von Revolutionen frei werden. Eine solche kann nur gelingen, wenn sich das Land eine politische Form gibt, die ihm und seiner gesamten Geschichte angemessen ist. Man kann sich an erfolgreichen Revolutionen der Vergangenheit orientieren, man kann ihre Chancen und Versäumnisse gewissenhaft studieren, aber man kann sie nicht einfach nachmachen.</p>
<p>Wir können an der unterbrochenen von 1989 wieder anknüpfen. Wie selbstverständlich vor dem Einbruch der Philosophie die Unterscheidung zwischen Wüste und Land war, kann heute noch jeder an den drei Wänden sehen, die im <em>Sala dei Nove</em> im Palazzo Pubblico von Siena mit der Allegorie von der guten und der schlechten Regierung von Ambrogio Lorenzetti ausgemalt sind. Das höchste Regierungsgremium der freien Stadt hatte stets vor Augen, zu welchen Konsequenzen ihre Entscheidungen führen können.</p>
<p>© Boris Blaha, Bremen 2018</p>
<p>Besonderer Dank gebührt Cora Stephan &amp; Krisztina Koenen, die den Text im Entwurf gelesen, kommentiert und wichtige Anregungen beigesteuert haben.</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Politikwissenschaftler Yascha Mounk am 20.02.2018 in den Tagesthemen; https://www.youtube.com/watch?v=eFLY0rcsBGQ</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Die Formulierung ‘Einbruch der Philosophie in die Politik’ habe ich einem Buch von Dan Diner entwendet, der sie verwendet, ohne sie zu verstehen, was dem Titel des Buches „Das Jahrhundert verstehen’ einen ironischen Beigeschmack verleiht;&nbsp; S. 26, Frankfurt a.M. 2000</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Hannah Arendts gesamtes Denken ist nur von zwei zentralen Schlüsselerfahrungen aus zu verstehen: a) daß die Herrschaft des EINEN an Auschwitz nicht ganz unschuldig ist und b) die Philosophie niemals auch nur den Ort findet, an dem Politik entsteht.</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a>&nbsp; Der deutsche Übersetzer von Edmund Burkes ‘Betrachtungen über die Französische Revolution’, Friedrich Gentz, übernimmt von Burke den Ausdruck und bezeichnet diese mehrfach als ‘totale’ Revolution („Wenn eine Totalrevolution gelingen soll, so muß schlechterdings und im strengsten Verstande des Wortes kein Stein des alten Gebäudes auf dem anderen bleiben.“, S. 438, Manesse Ausgabe), eine frühe Wahrnehmung, die eine auf Auschwitz antwortende Entsprechung im Begriff ‘Totale Religion’ bei Jan Assmann findet, dessen Versuch, eine Auseinandersetzung über den Zusammenhang zwischen der Herrschaft des EINEN und einer ganz neuen Gewalt anzuregen, an der Ignoranz der Philosophen und Theologen abprallte.&nbsp; Nach den noch weitaus katastrophaleren Verwüstungen, die jene Revolutionen auf der Erde hinterlassen haben und weiterhin hinterlassen, die sich am Französischen Modell orientiert haben und weiterhin orientieren (erneut ertönen die Rufe von Robespierres Epigonen nach Wiedereinführung des Terrors gegenüber jenen, welche die Verwirklichung ‚ihres‘ Europas gefährden), radikalisierte Hannah Arendt Burkes wesentliche Einsicht, daß „die gegenwärtigen Umwälzungen in Frankreich … von ganz anderer Art und Beschaffenheit“ seien, „und mit keiner früher in Europa aus politischen Beweggründen entstandenen viel gemein haben“ zu der „an Feindseligkeit grenzenden Spannung zwischen Philosophie und Politik, die wie ein Fluch auf der abendländischen Geistesgeschichte lastet.“&nbsp; Zur aktuellen Bedeutung Burkes vgl. auch Roger Scruton: „Konservatismus oder Die Aktualität Edmund Burkes“ in Sezession Heft 3, Oktober 2003</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Selbst ein Hollywoodfilm wie „Troja“ kann dies noch exemplarisch darstellen. Nachdem in einer Ebene Niemandsland zwischen den beiden Gemeinwesen die Heere sich einander gegenüber zur Schlachtordnung aufgestellt haben, reiten die beiden Heerführer auf ihren Streitwagen aufeinander zu, treffen sich in der Mitte und beschließen, es auf die ‘alte Art zu machen: dein bester Krieger gegen meinen besten Krieger“.&nbsp; Inzwischen spricht man auch für die Antike von völkerrechtsähnlichen Regelungen.</p>
<p>__________</p>
<p>auch erschienen auf:&nbsp;<a href="http://vera-lengsfeld.de/2018/05/14/der-falsche-buergerkrieg/" target="_blank" rel="noopener">Vera Lengsfeld</a>, <a href="http://www.theeuropean.de/boris-blaha/14017-die-blendkraft-der-utopie">The European</a><br>
eine leicht gekürzte und gestraffte Version ist auch erschienen in <a href="https://www.manuscriptum.de/werkreihe-tumult/tumult-magazin-ausgabe-herbst-2018.html">TUMULT</a>, Herbst 2018</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Im Namen der Revolution: Die Abschaffung der Demokratie</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2018/01/im-namen-der-revolution-die-abschaffung-der-demokratie/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 13 Jan 2018 13:35:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Antwort auf Ivan Krastev’s Europadämmerung Im April 2017 erschien ein schmales Bändchen des bulgarischen Politologen Ivan Krastev mit dem Titel „After Europa“ auf Englisch, wenige Monate später folgte die von Michael Bischoff besorgte deutsche Übersetzung unter dem Titel „Europadämmerung... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2018/01/im-namen-der-revolution-die-abschaffung-der-demokratie/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal"><span class="tm6">Eine Antwort auf Ivan Krastev’s </span><em><span class="tm5">Europadämmerung</span></em></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">Im April 2017 erschien ein schmales Bändchen des bulgarischen Politologen Ivan Krastev mit dem Titel „After Europa“ auf Englisch, wenige Monate später folgte die von Michael Bischoff besorgte deutsche Übersetzung unter dem Titel „<em>Europadämmerung - Ein Essay</em>“ bei edition suhrkamp. Schon die Geschwindigkeit der Übersetzung lässt nichts Gutes erahnen. Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, werden wichtige Bücher seit Jahrzehnten nicht mehr übersetzt, Symptom einer weit verbreiteten geistigen Stagnationsphase. Die aufgebrauchten Gedankenlosigkeiten aber müssen schnell unter die Leute gebracht werden, damit nur ja keine besinnliche Langeweile aufkommt. Eine Pflichtlektüre für Politiker, tönt es allerorten, ‘Krastev riskiere die Totale, einen umfassenden Blick auf die Lage Europas’ so Gustav Seibt von der Süddeutschen - mit dem Totalen könnte Seibt sogar recht haben, aber anders, als er vermutet. Und Frau von Thadden von der ZEIT sieht gar die ‘politische Illusionslosigkeit mit der Schönheit des Gedankens’ zusammentreffen. Selbst der Rezensent der Jungen Freiheit (Michael Dienstbier) ist voll des Lobes und liest wegen ein paar kritischer Bemerkungen aus der Europa-Dämmerung die Merkel-Dämmerung heraus. Haben die eilfertigen Lobhudler überhaupt gelesen, was sie da mehr oder weniger hymnisch feiern? </span><span id="more-772"></span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; </span><span class="tm5">„Revolution und Demokratie sind gegensätzliche Begriffe“ schrieb Raymond Aron 1955 in </span><em><span class="tm6">Opium für Intellektuelle</span></em><span class="tm5"> angesichts der Begeisterung der Linken für Gewaltorgien im Namen revolutionärer Herstellung ganz neuer Wirklichkeiten. Der seit der Französischen Revolution erfahrbare Widerspruch zwischen Revolution und Demokratie tritt erneut deutlich hervor und tatsächlich fordert Ivan Krastev 2017 ganz unverblümt die Abschaffung der Demokratie, um das große revolutionäre Projekt Europa in seiner Verwirklichung nicht zu gefährden. Ist die Richtung der einen Geschichte erst einmal gewiss, heiligt der Zweck jedes Mittel, ein Grundzug europäischer Geschichte seit den Kreuzzügen. Anlass genug, sich das Machwerk des liberalen Politikberaters Krastev einmal genauer vorzunehmen. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Arzt, der freundliche ältere Mann im weißen Kittel bittet sie Platz zu nehmen, kramt dann schweigend in seinen Schubladen, holt ein Fläschchen von diesem und eine Packung von jenem hervor und beginnt das Gespräch mit seiner therapeutischen Vorschrift: Hiervon eine jeweils abends und davon dreimal über den Tag verteilt. Wahrscheinlich würden Sie verdutzt fragen: Aber Sie haben doch noch gar nicht gefragt, wo mir der Schuh drückt? Was auf den ersten Blick absurd klingt, hat Methode, es markiert den Unterschied zwischen Vor-und Nachdenkern. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; </span><span class="tm5">Vordenker sind Vor-Denker, weil sie vor allem eines nicht sind, nämlich Nach-Denker. Sie können keine Nachdenker sein, weil sie ihrer Zeit weit voraus sind. Sie sind dort, wo die anderen nicht sind. Sie sind abgesondert von den anderen weit vorne oder weit oben, aber in jedem Fall nicht da, wo die Musik spielt. Sie sind nie zur rechten Zeit am rechten Ort. Nachdenken setzt Gegenwärtigkeit, setzt Wahrnehmung, setzt Erfahrung voraus. Vordenker aber nehmen nicht wahr, was ist, sondern orientieren sich an dem, was sein soll, aber (noch) nicht ist. Abgesondert von den anderen verstehen sie sich selbst als die eben gerade nicht von den anderen, sondern der Geschichte oder dem Höchsten auserwählte Avantgarde, sind aber ohne das Mit-Handeln der anderen ohnmächtig. Ohne Macht bleibt ihnen nur die Gewalt. Deshalb selektieren Vordenker die Wirklichkeit nach dem, was der Verwirklichung ihres großen Plans im Wege steht. Sie spalten die angesichts einer existenzbedrohenden Gefahr gewöhnlich entstehende politische Gemeinschaft noch vor ihrer Konstituierung als politischem ‘Wir’ nach Freund und Feind, nach Revolutionären und Konterrevolutionären, nach links und rechts. Den so als Fortschrittshindernis identifizierten Feind müssen sie zwangsläufig beherrschen, bekämpfen und bekriegen. Die Vorstellung vom Weltbürgerkrieg entsteht gleichursprünglich mit der einer nicht mehr kreisförmig umlaufenden, sondern in einer Richtung nach vorn fortschreitenden Revolution (Roman Schnur). Vordenker erkennt man häufig daran, dass sie von Projekten reden: dem Projekt der Moderne, dem Projekt Europa. Projekt kommt von lateinisch proiectum, das nach vorn geworfene.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Europadämmerung ist demnach das, was dem großen nach vorn geworfenen hellen Licht Europa im Wege steht und deshalb schleunigst weggeräumt werden muss, bevor es zu spät ist und alles in der Nacht, in der bekanntlich alle Katzen grau sind, verschwindet. Als erstes muss also ein möglichst drastisches apokalyptisches Szenario entworfen werden und zwar nach dem Motto, je schrecklicher, desto besser, dann wird die vorgeschlagene Gefahrenabwehr umso leichter in Kauf genommen. Je größer die Spanne zwischen Verlust und Gewinn, desto mehr ist man bereit, voll ins Risiko zu gehen. Es geht um Psychologie, nicht um Realität. Krastev entledigt sich dieser Aufgabe durch den dezenten Hinweis auf die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz-Ferdinand im Juni 1914 in Sarajewo. Unter der Hand soll also der Eindruck erzeugt werden, Europa stehe 2017 am Vorabend der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Drastischer geht es nicht. Ob dergleichen Behauptungen irgendein Erfahrungs- oder Wirklichkeitsgehalt entspricht, spielt keine Rolle, wie gesagt, es geht um Psychologie. Als nächstes müssen getreu der Logik des Klassenkampfes die Linken von den Rechten, die Guten von den Bösen selektiert werden. Die beiden folgenden Kapitel sind daher überschrieben: „Wir, die Europäer“ - „Sie das Volk“. Man ahnt schon, was kommen wird. Die erfahreneren Leser wissen spätestens an dieser Stelle, dass man sich den Rest dieses grandiosen Essays sparen kann, das Ganze ist so gedankenlos berechenbar, wie alles, was in letzter Zeit aus dieser Ecke kommt. Es werden nur die immer gleichen theoretischen Versatzstücke hergenommen, einmal durchgemischt und neu zusammen gepuzzelt. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Aus der Verwechslung religiöser mit politischen Leidenschaften entstand das liberale Großprogramm einer totalen Entpolitisierung. Die Menschen im Westen sollten auf das Niveau von Bedürfnis-Stoffwechsel-Tierchen rückgezüchtet werden, im großen Menschenpark an der Nabelschnur globaler Bedürfnisbefriedigungsanstalten sich ausschließlich um ihr privates Selbst kümmern, das Leben so lang wie möglich erhalten, für nichts mehr aufs Spiel setzen und alles andere getrost den Experten überlassen, die schon wissen werden, was zu tun ist. Nietzsche war der Erste, der gegen diese als Emanzipation verklärte Erniedrigung des Menschen protestiert hat. </span><span class="tm5">‘Man stirbt nicht für die Zivilisation’ bemerkte der Pole Brandys verächtlich, als er Ende 1980 zu Besuch in Berlin weilte und um sich herum nur noch verängstige Deutsche sah. </span><span class="tm5">Wahrscheinlich gibt es außer Deutschland kein anderes Land, das seine eigene Verschnullerung freudig begrüßt und eine - politisch gesprochen unfähige - Kanzlerin vorauseilend gehorsam ‘Mutti’ nennt. Der eitle Sonnenschein und ewige Frieden im globalen Menschenpark erschien nach der Implosion des ideologischen Feindes 1989 für kurze Zeit möglich, erwies sich aber als verfrüht. Das Phänomen der massenhaften Migration hätte, so Krastev betont kritisch, beim ‘Ende der Geschichte’ noch keine Rolle gespielt, mit ihr aber erwache die Revolution (endlich) wieder zu neuem Leben. Die Geschichte der totalen Entpolitisierung ist noch nicht zu Ende - die letzte, die finale Schlacht muss erst noch geschlagen werden. </span><span class="tm5">Was die Frontstellung heute jedoch verschärft: das liberale Versprechen einer weltweiten zivilen Gesellschaft, die ganz von selbst und ohne Zutun der Beteiligten ihre friedliche Ordnung aufrechterhält, verliert merklich an Plausibilität, wenn plötzlich inmitten all der verkindlicht Friedfertigen, die ihr bloßes Leben zum höchsten Gut erkoren haben, Barbaren auftauchen, die aus nichtigsten Anlässen heraus ihr erfolgreich entheroisiertes Gegenüber gewaltsam zu Tode bringen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; </span><span class="tm5">Zwar haben die linken Wünschelrutengänger auf der verzweifelten Suche nach dem ‘revolutionären Subjekt’ bislang alles mögliche gefunden nur kein revolutionäres Subjekt, aber dergleichen Erfahrungsgehalt ficht einen Krastev nicht an. Besinnungslos hält er an der längst an der Wirklichkeit gescheiterten Konstruktion fest und deklariert flugs die Migranten zum ‘revolutionären Subjekt’ des 21. Jahrhunderts. Peinlich nur: Migration gibt es, seit es Menschen gibt, denn schon die Nachkommen der wunderbaren Lucy wanderten vor etwa 90.000 Jahren aus Afrika aus und besiedelten unter anderem den europäischen Kontinent. Revolutionen aber sind ein Phänomen der europäischen Moderne. Von Revolution im Sinn einer totalen Ersetzung der vorhandenen durch die zu verwirklichende Wirklichkeit - der neue Mensch - kann erst seit der und durch die französische Revolution gesprochen werden. Während denkende Historiker wie Furet daher längst vom Ende der Französischen Revolution sprechen, träumt Krastev unverdrossen von ihrem Endsieg. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; </span><span class="tm5">Sind unterschiedlichste Menschen, die von A nach B wandern, erst einmal revolutionäres Subjekt, erübrigt sich die Frage nach dem Sinn und der Bedeutung ihres Tuns. All die politischen Erörterungen, ob die Gegenden, aus denen sie abwandern, die Gegenden, die sie durchwandern, oder die Gegenden in die sei einwandern, durch ihr Wandern wohnlicher werden, sind plötzlich überflüssig. Als Agenten der Revolution exekutieren sie das Gesetz, das der einen universellen Geschichte ihre Richtung vorschreibt.</span><span class="tm5"> Ihre eigentliche Bedeutung liegt jetzt in der Hervorbringung jener hegelschen Negativität, welche die Geschichte zum Fortschreiten antreibt, indem sie zum Krieg aufruft, der, wie Hegel von Heraklit lernte, der Vater aller Dinge ist. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Folgerichtig muss die berechtigte Frage, ob die fortschreitende Islamisierung einer vordem unbeschwert genießenden Gesellschaft für die Aufrechterhaltung des Landfriedens von Vorteil ist, von den ‘pawlowschen Feuilletonpudeln’ (Klonovsky) als Wiederauferstehung des Faschismus umdefiniert und mit aller Radikalität bekriegt werden. Elementare Bestandteile der deutschen Verfassung sind bereits faktisch außer Kraft. Die Gewaltopfer, die den Preis für diese Wirklichkeitsverleugnung bezahlen, sind kaum noch zu zählen. Aber das ist nur das Vorspiel. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Hatte man bislang Europäisierung und Demokratisierung als parallel verlaufende Prozesse gedacht, sogar Demokratiedefizite als entscheidendes Hindernis einer weitergehenden europäischen Integration wahrgenommen, hat sich die Lage durch die ‘Flüchtlingskrise’ grundlegend verändert. </span><span class="tm5">Die philosophische Idee der Europäischen Union, die in der Aufklärung wurzelt, kann sich dem Urteil der anderen nicht länger aussetzen. (Krastev S. 76) Wird das Volk gefragt und stimmen die Mehrheiten der Bürger der Europäische Union nicht zu, geraten Europa und Demokratie in jene feindselige Spannung, die das Verhältnis der Philosophie zur Politik von Anfang an auszeichnet. Liberale und Demokraten stehen sich gegeneinander verbarrikadiert und durch einen Graben getrennt feindlich gegenüber. Wer jetzt noch von liberaler Demokratie spricht, hat nicht verstanden, was auf dem Spiel steht. Der gewöhnlich gut verdeckte polemische Charakter der Aufklärung (Koselleck) tritt wieder offen zutage. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp; Europäische Union und Demokratie, so Krastev, geraten in einen fundamentalen Widerspruch, denn die Demokratie könnte das europäische Projekt zerstören (S. 76). Die revolutionären Migranten bringen nämlich in den Ländern der Europäischen Union eine Gegenrevolution hervor und zwar nicht nur vereinzelt. Genügten früher temporär entstehende und wieder vergehende Protestparteien, um kurzfristig Dampf abzulassen, reicht das heute nicht mehr. Mit demokratischen Mehrheiten erwachsen dem liberalen Masterprogramm urplötzlich politische Gegenkräfte, die so nicht vorgesehen waren. Der Versuch einer totalen Entpolitisierung gerät an seine Grenze und bringt wieder Menschen hervor, die sich Sorgen um den Erhalt und den Zustand ihres Landes machen. Im Vergleich mit dem bisherigen Rechtsstaat schneidet die Scharia deutlich schlechter ab. Da möchte man das gute alte Recht doch lieber behalten. Tatsächlich lehnen demokratische Mehrheiten eine derartig unkontrollierte Zuwanderung ab. Was politisch gesprochen erwünscht, pragmatisch gesehen, eine gesunde Skepsis, soll aber durch den philosophisch-hegelschen Kurzschluss als reaktionär bestimmt und damit als fortschrittshemmend bekriegt werden. </span><span class="tm5">Wenn die eine Vernunft herrschen will, müssen die Stimmen der Vielen zum Schweigen gebracht werden. Das politische Volk wird zur selbstmörderischen Gefahr für das philosophisch definierte Projekt Europa (S. 125).</span></p>
<p class="Normal PageBreak"><span class="tm5">&nbsp; Durch die Migration wird die Demokratie als zu überwindendes (in Hegels Sprache: aufzuhebendes) Übergangsstadium in Richtung auf die Herstellung der EINEN Menschheit sichtbar, erweist sich doch plötzlich die Demokratie angesichts der Einwanderung nicht mehr als immer weitere Räume integrierend, sondern als Instrument einer ausschließenden Begrenzung, die sich auf den eigenen Raum zurückbesinnt, dessen Ordnung massiv gestört ist und wieder eingerenkt werden muss. Demokratische Mehrheiten sind mit diesem logischen Kunstgriff in die Rolle des von der Geschichte überholten </span><span class="tm8">Bourgeois</span><span class="tm5"> hinein definiert. Mithilfe der Migranten kann jetzt endlich die nächste Stufe der Globalisierungsrakete gezündet werden. Zwar ist die eine Menschheit als ideale Vorstellung letztlich nichts anderes als ein einziger Mensch in massenhafter Form, ein einsamer, autistisch onanierender Gott par excellence, hat aber als Ideal unter den Gedankenlosen scheinbar nichts von seiner Faszination eingebüßt. Dass die revolutionären Aufbrüche, die aus dem gigantischen Trümmerfeld der Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges heraus entstanden sind, in weiteren apokalyptischen Katastrophen endeten, scheint an Krastev spurlos vorübergegangen zu sein. Hat ihm diese Geschichten niemand erzählt? „Seit 1789 gibt es nur noch gescheiterte Revolutionen“ heißt es in Rolf-Peter Sieferles Epochenwechsel. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm5">Eingeschlossen in den Gitterstäben seines Gestells begegnet der Mensch nur noch sich selbst. Der vordergründige Kampf gegen Rechts im Namen eines universellen Wertekanons entpuppt sich als politischer Vernichtungskrieg gegen die Demokratie als solche. „In den neuen Gewaltexzessen steht nicht der „Faschismus“ wieder auf, sondern der Liberalismus wird in ihnen vollendet und kommt damit zu einem Ende“ (Rolf-Peter Sieferle). Die Klügeren unter den Nachdenklichen haben mit dieser Erkenntnis bereits nach der Konfrontation mit der totalitären Erfahrung angefangen. </span></p>
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