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	<title>Israel - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Israelische Demokratie - ein Exportschlager?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 16:05:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den politischen Machtkämpfen in Israel spielt ein Amt und eine Person eine Rolle, die hierzulande Autokraten träumen lässt. Gali Baharav-Miara, Rechtsberaterin der Regierung, tritt auf als wäre sie eine eigene Gewalt im Gefüge der Gewaltentrennung. Anstatt die Regierung in... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/israelische-demokratie-ein-exportschlager/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In den politischen Machtkämpfen in Israel spielt ein Amt und eine Person eine Rolle, die hierzulande Autokraten träumen lässt. Gali Baharav-Miara, Rechtsberaterin der Regierung, tritt auf als wäre sie eine eigene Gewalt im Gefüge der Gewaltentrennung. Anstatt die Regierung in Rechtsfragen oder vor dem Obersten Gericht zu vertreten, liest sie dieser regelmäßig und ungefragt die Leviten. Anstatt Regierungshandeln vor den dafür zuständigen Gerichten zu rechtfertigen, schwingt sie sich selbst zur obersten Richterin auf. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Gouvernante von Gottes Gnaden</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie keine andere, die dieses Amt bisher innehatte, greift Gali Baharav-Miara in die alltäglichen und akuten Entscheidungsprozesse der Regierung ein. Israelis fragen sich inzwischen, wie sich die Macht ihres Amtes, ihr Mut aber auch ihre Anmaßung legitimiert. Sie tritt auf wie eine Gouvernante von Gottes Gnaden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Baharav-Miara‘s Anmaßungen sind nur möglich, da Israel keine Verfassung besitzt und der Oberste Gerichtshof eine Kultur der Selbstermächtigung der Richterklasse etabliert hat. Wenn Baharav-Miara der Regierung ins Besteck greift, landet der von ihr kreierte “Fall“ vor dem Obersten Gerichtshof, also wieder bei der Allmacht der Vernünftigkeit von Richterkönigen - ausführlich dazu hier <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/03/propheten-koenige-richter/" target="_blank" rel="noopener">im Blog</a>. In einer Mischung aus Richter und prophetischem Gotteskönigtum hat der langjährige Vorsitzende des Obersten Gerichts, Aharon Barak, die Vernünftigkeitsklausel („reasonable clause“) eingeführt, die es obersten Richtern ermöglicht - in Abwesenheit einer geschriebenen und ratifizierten Verfassung - die Willkür der eigenen Vernunft zum Verfassungsgrundsatz umzudeuten. Baharav-Miara handelt als der verlängerte Arm dieser richterlichen Selbstüberhebung und Unfehlbarkeitsfantasie, die den Obersten Gerichtshof über die letzten Jahrzehnte immer mehr von der israelischen Realität entfernt hat. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Baharav-Miara agiert wie eine Vertreterin der Opposition auf der Regierungsbank und präsentiert ihre Interventionen im Gestus einer Verfassungsrichterin – angeblich alles ohne politische Interessen und natürlich nur, um die „israelische Demokratie zu retten“. Faktisch kollabiert in ihrem Amt und wie sie es auslegt die Gewaltentrennung. Das hält aber ihre Fans nicht davon ab, sie als Garant der Demokratie zu verkaufen. Demokratie ohne Gewaltentrennung – kommt uns das nicht bekannt vor?</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Spaßbremse und Klotz am Bein</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Konstruktion des Rechtsberaters der Regierung ist in Israel so sonderbar und seltsam, dass sich der Vergleich mit anderen Ländern eigentlich verschlägt. Dennoch wird Baharav-Miara in den hiesigen Medien immer als „Generalstaatsanwältin“ bezeichnet.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Mir ist keine Republik und kein Rechtsstaat bekannt, der sich einen ähnlichen Bremsklotz in der Exekutive leistet. Wenn sie eine Reise in ein fernes und aufregendes Land unternehmen, ist es ratsam, Spaßbremsen und Klötze am Bein zu Hause zu lassen. Ansonsten kann es sein, dass sie nach einer mitternächtlichen Landung in Astana (Hauptstadt von Kasachstan) mit ihrer Reisegruppe in die bereitgestellten Jeeps einsteigen wollen, nur um zu erfahren, dass die Fahrer der Geländewagen vom ADAC und dem deutschen Tourismusverband bestellt wurden und den Arbeitszeiten der „Gewerkschaft deutscher Reisefüher*innen“ unterliegen - sie also erst noch fünf Stunden warten müssen, um loszufahren. Spätestens dann ahnen sie, was die institutionellen Spaßbremsen aus ihrer Abenteuerreise machen werden. Zwar ist Regieren mehr als nur Abenteuer, aber ein Land wie Israel braucht eine Regierung, die auf der Basis aktueller Lage-Einschätzungen handlungsfähig ist. Kein Wunder, wenn vielen Israelis die höchstrichterliche Gouvernante nicht als Reiseführerin akzeptieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Behördenleiterin, Rechtsberaterin, Gerichtsvertreterin </span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die offizielle Jobbeschreibung von Gali Baharav-Miara klingt zwar wie jene des „Attorney General“ in den USA, aber die Realität sieht ganz anders aus. Pam Bondi wurde von Präsident Trump als Justizministerin (Attorney General) vorgeschlagen und sie wurde gemäß der Verfassung der USA nach Anhörung vom US-Senat bestätigt. Das Amt wurde kurz nach der Ratifizierung der Verfassung schon 1789 geschaffen. Erst 1870 kam ein Justizministerium als Behörde hinzu. Der amerikanische Attorney General vereint daher was bei uns auf zwei Ämter verteilt ist:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einen von der Regierung bestimmten politischen Beamten, den Generalbundesanwalt, und</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- den der Regierung angehörigen Justizminister. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Attorney General in den USA hat die Aufgabe die Regierung und den Präsidenten zu beraten und vor Gerichten (z.B. Supreme Court) zu vertreten, wenn Entscheidungen der Exekutive auf dem Rechtsweg in Frage gestellt werden. Dazu muss der Attorney General gegebenenfalls auch gegen die Richterbürokratie vorgehen. So hat Pam Bondi gerade erwirkt, dass die berühmten „Epstein files“ aus den Kellern des zuständigen Gerichts herausgeholt werden, da dieses offenbar kein Interesse an einer Strafverfolgung und öffentlichen Aufklärung hatte. Nochmals im Reisegruppen-Vergleich: der Attorney General wird von der Reisegruppe ausgewählt und verfolgt dieselben abenteuerlichen Ziele wie die Führung der Reisegruppe. Er oder sie gehören zum Team und haben nicht die Rolle der Spaßbremsung.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Behörde, die Baharav-Miara anführt, ist weder dem deutschen Generalbundesanwalt noch dem US-Attorney General vergleichbar. Die Kompetenzen und Befugnisse, die sie hat oder sich anmaßt, sind weitreichend und weder politisch durch eine gewählte Instanz noch (rechtlich) durch eine Verfassung begrenzt. Obschon sie weder über ein politisches Mandat noch durch eine öffentliche Anhörung legitimiert wurde, greift sie in die tägliche Praxis der Exekutive und in die Auseinandersetzung über aktuelle, politische Themen ein. Sie kann zwar vom Obersten Gerichtshof ermahnt und kritisiert, aber nicht abberufen werden. Ihre Auswahl und Abwahl wird in einem kleinen Kreis verhandelt, dessen Besetzung förmlich nach Inzucht und politischen Seilschaften riecht. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein Fünfer-Gremium, angeführt von einem ehemaligen Richter des Obersten Gerichts, und je einem </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- ehemaligen Justizminister oder Attorney General,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einem Vertreter der Knesset (Parlament), </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einem Vertreter der juristischen Fakultät (Universität)</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;- einem Vertreter der Anwaltsvereinigung (Berufsverband)</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">empfiehlt die Ernennung und Enthebung, die dann vom Kabinett bestätigt oder abgelehnt werden kann. Aus dem Fünferkreis muss sich nur der Knesset-Vertreter vor dem Souverän des Wählers verantworten. Die Sitzungen des Fünfer-Gremiums sind nicht öffentlich und lange Zeit wurden deren Protokolle geheim gehalten. Schon die Einberufung des Gremiums ist angesichts der aufgeheizten öffentlichen Debatte zur Justizreform ein Problem. Es ist fraglich, ob der Justizminister jemand findet, der bereit ist im Gremium mitzuarbeiten.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Israelische Demokratie als Exportschlager?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Da Gali Baharav-Miara nicht - wie unser Generalbundesanwalt - dem Justizministerium unterstellt ist, versucht der derzeitige israelische Justizminister Yariv Levin (keine Verwandtschaft mit dem Autor) sie seit Monaten abzusetzen. Baharav-Miara wurde von einer vorherigen Regierung eingesetzt und ihre Amtszeit ist auf 6 Jahre bestimmt. Sie kann vorher abberufen werden, aber der Justizminister schafft es kaum das Gremium, das zu ihrer Absetzung nötig ist, einzuberufen. Kein Wunder also, wenn hiesige Autokraten von israelischen Verhältnissen träumen. In ihren Träumen stellen sie sich eine zukünftige, deutsche Kanzlerin vor, die den Justizminister und Generalbundesanwalt der vorherigen Regierung übernehmen muss und sich - trotz Wählerauftrag und politischem Mandat -der göttlichen Vernünftigkeit der vorherigen Regierungen unterwerfen muss. In den Träumen der Autokraten ist das ebenso unproblematisch, wie die Festlegung zukünftiger Generat</span><strong><span class="tm7">ionen </span></strong><span class="tm6">durch den Todesseufzer eines bereits ausgedienten Parlaments.</span></p>
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		<title>Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 09:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Hommage an Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt Kattowitz In Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="Normal tm6"><span class="tm7">Eine Hommage an </span><span class="tm7">Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt </span><span class="tm7">Kattowitz</span></h3>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">In </span><span class="tm9">Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam auch der polnische Papst Karol Wojtyla zur Welt und erwarb dort seinen freiheitlichen Charakter. Und in Kattowitz startete </span><span class="tm9">Greta Thunberg ihre internationale Panik-Show. Beim Treffen der </span><span class="tm9">Propheten und Profiteure des Untergangs war auch Al Gore als Prototyp des Politikers und Katastrophen-Wissenschaftler dabei. Das war im Dezember 2018 und ein Jahr später lief schon die nächste Panik-Show, in der das Zeitalter der Verklärung zu Ende geht. Es gab Ankündigungen und wir wussten natürlich, dass das Herz vieler Klima-Aktivisten nicht nur für Mutter Erde schlug, sondern auch für ihre eigene, totalitäre Machtergreifung. Daher war es nicht Gretas </span><span class="tm9">Herz für Gaza, die das Ende der Verklärung einläutete, sondern </span><span class="tm9">die Freude der Klima-Aktivisten am Zerstörungswerk der globalen Politik der Pandemie. </span>Ausgerechnet in Kattowitz wurde dieser Zeitenwandel angekündigt. „Katowice for a change“ heißt die Werbekampagne der polnischen Stadt, der historischer ausfstieg ganz im Zeichen der Kohle stand: Mal was Neues - Kattowitz!</p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Verliebten </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Irgendwo müssen wir die zu Ende gehende Geschichte beginnen lassen und ich setze mit dem Jahr 1964 ein, das den Gipfel der Nach-Kriegs-Euphorie durch Kinderreichtum markiert hat. John F. Kennedy wurde im November 1963 ermordet und die Gemüter brauchten Leichtigkeit und Frohsinn, schrille Farben und Feuerwerk. Das neue Jahr begann mit der deutschen TV-Premiere von „Dinner for One“. Verliebt war diese Generation in die Beatles und Schlager, die das Leben feierten. Nach fast 20 Jahren konzentrierter Schaffenskraft und sachlicher Rechtschaffenheit waren die Menschen offen für intensive Gefühle, auch für die Liebe. Ihr Lieblingstier war der Schmetterling, der für Wiedergeburt und für globale Effekte lokaler Bewegungen stand. Mit Edward Lorenz‘ Chaostheorie wurde dieses geflügelte Insekt zum Sinnbild der guten und schönen Ordnung („butterfly attractor“). Kein Wunder also, wenn in dieser Zeit auch die marginalsten Befreiungsbewegungen, von Che Guevara Im Westen bis zur PLO im Nahen Osten, auch ihre Anziehungskraft (Attraktion) entwickelten. Die Befreiung des nahe gelegenen Ostens, der Länder des Ostblocks, lag dieser Generation vergleichsweise fern. Kattowize kannten vor allem die Flüchtlinge aus dem Osten. Die revolutionären Subjekte dieser Generation kämpften in den Entkolonialisierungskriegen auf der ganzen Welt. Ihr katastrophales Subjekt war eine neue Kategorie, um die sich bis dahin kaum jemand gekümmert hatte: „die Menschheit“.</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">Ich schlage vor, die letzten beiden Generationen als </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verliebten (1964 bis 1994) und </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verklärten (1994 bis 2024)</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">zu bezeichnen. Die Generation der Verklärung tritt gerade von der öffentlichen Bühne ab und es wird spannend zu sehen, ob die nächste Generation mit enttäuschtem Desinteresse reagiert, oder ob sie den Mut aufbringt, das Bröckeln des Heiligenscheins willkommen zu heißen. Gerade weil der äußere Glanz der Verklärung erlischt, kann in einer momentanen Verdunkelung wieder Selbstaufklärung als innere Erhellung entstehen. Falls Ihnen, liebe Leser, diese Sprache zu religiös oder blumig daherkommt, gebe ich zu bedenken: Verstehen Sie den Wahnsinn der Wirklichkeit noch mit den Mitteln des normalen Menschenverstands oder der natürlichen Wissenschaftlichkeit – also durch Lernen aus Erfahrung? Ich komme hier täglich an Grenzen und greife deshalb auf fundamentale Worte zurück, die mir noch geeignet erscheinen, die Realität zu beschreiben: Liebe und Hass, Hoffnung und Enttäuschung, Mut und Gefahr, Kairos (Glücksmoment) und Katastrophe, Gastfreundschaft und Dankbarkeit, Verführung und Schuld, Böses und Dämonisches, Freund und Feind, Geburt und Tod. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Zeit der Verklärung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">War die Studentenbewegung anfangs der 60er Jahre eine „letzte Liebeserklärung“ (Klaus Heinrich) an den Anspruch einer Universität, Selbstbestimmung mit der Selbstaufklärung der Gattung Mensch zu verbinden, versank sie spätestens ab 1967 in der Selbstverliebtheit. Der Anspruch auf Selbstaufklärung wurde als erster zu Grabe getragen. So konnte sich Verliebtheit nicht zur Liebe entwickeln und die Bewunderung schlug in Verklärung um. In der Verklärung hängen wir dem Objekt des Begehrens einen Heiligenschein an, der dann uns - von außen – erwärmt und anstrahlt. Dann können wir uns trotz innerer Leere für etwas begeistern und es fühlt sich an als ob wir selbst leuchten. Heute scheinen nur noch wenige, den Unterschied zwischen innerem Leuchten und äußerer Bestrahlung zu kennen. Aber dieser Unterschied wäre heute wichtig, denn wer von innen strahlt kann viel weniger durch Propaganda verstrahlt werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Früh bahnte sich in den Verliebten eine Wende in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an. Die noch in den Kinderschuhen steckende Beschäftigung mit den Verbrechen in den Zeiten totaler Herrschaft wurde zugunsten ökonomisch-marxistischer Theorien aufgegeben. Als Hannah Arendt 1964 bei Günter Gaus ihr <a href="https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw" target="_blank" rel="noopener">berühmtes Interview</a> gab, hatte die Auseinandersetzung mit der Erfahrung der Selbstabschaffung der bürgerlichen Mitte gerade erst begonnen. Die studentische Protestbewegung war aber schon dabei, ihre anti-bürgerlichen und anti-republikanische Liebäugelei in eine handfeste Schlagseite auszubauen. Arendt wusste aus eigener Erfahrung, wie leicht es den Nationalsozialisten gelang den republikanisch-demokratischen Widerstand einzuverleiben oder auszuschalten. Das bürgerliche Lager hatte 1932 „die sozialistische Entscheidung“ (Paul Tillich) für ein Bündnis gegen Selbstzerstörung verschlafen oder verweigert; die Anbiederung an die Kräfte des Nationalsozialismus und Internationalsozialismus hat sie nicht vor deren Terror bewahrt. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die verliebte Generation flirtet heute immer noch mit den Kräften des Internationalsozialismus. Das hat – wie wir heute deutlich erkennen können - ihren Realismus und ihre Liebesfähigkeit sehr gestört. Enttäuschungen waren vorprogrammiert.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9"> </span><strong><span class="tm10">Erste enttäuschte Liebe</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft ist es die erste große Liebe, die eine Biografie prägt und die Verliebten hatten einen besonders schweren Anfang. Ihre erste große Liebe galt einem katastrophalen Subjekt, der Menschheit. Diese war eine Verführung und eine tickende Zeitbombe. Wer sich in sie verliebte, wurde in den Strudel lustvoller Selbstzerstörung gesogen. Die Menschheit galt damals als extrem suizidgefährdet. Das Ehepaar Anna und Paul Ehrlich veröffentlichte 1968 ein Buch über die explodierende Bevölkerungsbombe („The population bomb“), das die Faszination und Obsession dieser Generation mit der Menschheit auf den Punkt brachte. Die beiden hatten an Schmetterlingen geforscht und ihre Erkenntnisse auf die Menschheit übertragen. Paul war promovierter Insektenforscher an einer renommierten US-amerikanischen Universität. Bei der Recherche zu Annas akademischer Karriere begegnen wir einem heute wohlbekannten Phänomen: es findet sich fast nichts Handfestes, dafür aber eine lange Liste an staatsfinanzierten, politischen Gremien in denen sie aktiv war. Die Ehrlichs sahen nicht nur Afrika und Indien durch den Zuwachs menschlicher Subjekte in Armut versinken; Paul Ehrlich prophezeite zudem, dass die 7-Millionen-Stadt London im Jahr 2000 verschwunden sein wird. Das provozierte den Ökonomen Julian Simon. Dieser schlug eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Simon–Ehrlich_wager" target="_blank" rel="noopener">Wette</a> vor, die Ehrlich annahm und auf ganzer Linie verlor. Simon widersprach Ehrlichs Unterstellung, dass sich der Preis für wichtige Grundelemente der industriellen Produktion massiv verteuern werde. Simons Vorhersage war: vorausgesetzt es gibt keine staatlichen Preiskontrollen, werden diese Materialien billiger, nicht teurer. Tatsächlich waren 10 Jahre später die Weltmarktpreise für Kupfer, Chrom, Nickel, Zinn und Wolfram gefallen und die Stoffe im Durchschnitt um mehr als ein Drittel billiger. Wer nun denkt, dass Simon durch seine Wette zum Millionär oder zumindest zum Wirtschaftsberater der Regierung ernannt wurde, hat die Zeichen der damaligen Zeit nicht mitbekommen. Wissenschaftler, die korrekte Vorhersagen machen, haben zwar die Grundlagen ihres Faches verstanden, eignen sich aber nicht so sehr für politische Kampagnen und für die Politisierung ihrer Wissenschaft. Das zeigt die Karriere von John Haldron, dem späteren Co-Autor von Paul Ehrlich. Dieser war aus der Astronautik in die irdischen Gefilde der sexuellen Reproduktion der Gattung gewechselt. Dieser ungewöhnliche Sprung aus der kalten Ruhe und Einsamkeit des menschenleeren Kosmos ins laute Gewimmel einer zeugungsfreudigen Menschheit wurde entsprechend belohnt. Zuerst war Haldron Wissenschaftsberater bei Präsident Clinton, dann „Wissenschafts-Zar“ </span><span class="tm9">(Director of the Office of Science and Technology Policy) bei Präsident Obama. Wer politisch genehme Wissenschaft produziert, bekommt politische Posten zugeschoben. Haldron wurde dabei noch nicht einmal zum Fallstrick, dass er in den 70ern mit Ehrlich zusammen allzu laut über die Durchsetzbarkeit der wünschenswerten Ein-Kind-Politik, über Sterilisation durch Trinkwasser und über Zwangs-Adoptionen und Zwangs-Abtreibungen nachgedacht hat. Wenn die Wissenschaft die Welt retten soll, darf sie eben nicht zimperlich sein. Sie muss dem Sog in </span><span class="tm9">die lustvolle Selbstzerstörung auch gegen bessere Einsicht und den Einbruch der Realität nachgeben. </span><span class="tm9">London steht immer noch, die Armut nahm in den letzten 40 Jahren deutlich ab, während die Menschheit weiter zunahm.</span><span class="tm9"> Die Verliebten waren vom Objekt der Begierde (der Menschheit) enttäuscht und reagierten wie Verliebte das eben tun, wenn Hingabe und Liebe zurückgewiesen wird. Sie zetern, jammern, klagen und klagen an, bashen und stalken.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das katastrophale Subjekt wird revolutionär</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zum Glück für die Enttäuschten stand der selbstmörderischen Menschheit das Selbstbestimmungsrecht der Völker zur Seite. Die unterdrückten Völker der Erde wurden zur Rettung der Menschheit angerufen. Sie sollten die hemmungslose Selbstverwirklichung der Einzelnen, die Befreiung vom Kolonialismus und die Selbsthemmung der sexuellen Reproduktion der Gattung verbinden. Das war möglich, indem das katastrophale Subjekt revolutionär wurde. Katastrophal und revolutionär – das ist harter Tobak und gelang nur wenigen. In dieser Zeit begann die Verklärung, und der Terror.</span> <span class="tm9">Die erzwungene Entschärfung der Populationsbombe fand ihre Entsprechung im Selbstmordattentat für die Selbstbestimmung der Völker. Das Selbstmordattentat wurde zum </span><span class="tm9">Kennzeichen der verliebten Generation. Es ist eine sinnlose Zerstörung und Selbstzerstörung mit einer einfachen aber zynischen Botschaft: Wenn die Verdammten dieser Erde sich schon nicht selbst retten können mögen sie wenigstens den Planeten von ihrer störenden Anwesenheit befreien. Oder dann wieder ganz praktisch im terroristischen Befreiungskampf: Da wir euch sowieso ins Meer treiben, könnt ihr auch aufhören euch zu vermehren. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Immer wieder gibt es Hinweise auf eine deutsche Besonderheit was die Radikalität des katastrophalen Subjekts angeht. Offenbar gehört es auch zum nationalen Charakter beim Selbstmord Unbeteiligte mit ins Verderben zu ziehen. Der Anlass zur Vergemeinschaftung in der Selbstzerstörung kann neben der Weltrettung auch die individuelle Depression sein. Die sicherste Fluggesellschaft der Welt ist offenbar nur so sicher wie der depressivste ihrer Piloten. Warum jemand in seinem Elend gleich das voll besetzte Flugzeug mit in den Abgrund nimmt, bleibt ein zu verstehendes Rätsel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das Lächeln der Kinder und die Selbstreproduktion der Gattung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft wurde </span><span class="tm9">das Selbstmordattentat - </span><span class="tm9">angesichts der Abwesenheit realer Strategien und erreichbarer politischer Ziele </span><span class="tm9">– zur Fortsetzung des Befreiungskampfes als Bevölkerungspolitik. Es geht beim Selbstmordattentat nicht darum, eine bestimmte Forderung durchzusetzen. Es geht darum, den Gehassten die Lust und die Freude am Leben und - stellvertretend dafür - am Kinderkriegen und Kinder groß ziehen, zu nehmen. Die Logik ist allen Eltern klar: So viel Aufwand und Einsatz, um Kinder auf die Erde und ins Leben zu bringen; all das, um dann zu spüren, dass andere das eigene Glück so sehr stört, dass ihnen alle Mittel recht sind, einem das Leben zu vermiesen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die diversen </span><span class="tm9">Palästina-Befreiungs-Organisationen liefern hier anschauliche Beispiele. Sie wollten den Juden in Israel und auf der ganzen Welt das Leben so schwer machen, dass sie das tun was sie selbst als die größte Katastrophe empfinden, die eigene Heimat verlassen. Da ihre militärische Stärke die direkte Konfrontation nicht zuließ, wählten sie Angst und Schrecken. Der Terror im eigenen Haus sollte </span><span class="tm9">den Israelis die Lust an der Erhaltung des Hauses und an der Reproduktion nehmen. Jene, die beim Anblick des Lächelns ihrer Kinder schon glücklich sind, müssen aushalten, dass Eltern bereit sind, das Lächeln ihrer eigenen Kinder dafür ein zu tauschen, anderen die Freude am Kinderkriegen zu vermiesen. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Steigerung des Terrors im Selbstmordattentat</span><span class="tm9"> signalisiert die Bereitschaft des revolutionär-katastrophalen Subjekts sich selbst zu opfern, um den anderen das Überleben zum Albtraum zu machen. Kaum ein Volk verkörpert das katastrophale Scheitern dieses Versuchs dramatischer als die Palästinenser. Heute, 60 Jahre nach der Gründung der Palästina-Befreiungs-Organisation (PLO) ist das Gegenteil von dem eingetreten was die PLO angestrebt hatte. Das Leben der meisten Palästinenser ist ein Albtraum. Israel ist das geburtenreichste Land (3,5 Kinder pro Frau) der westlichen Welt; es strotzt vor Lebenswille; während jeder getötete, junge Soldat in den israelischen Medien mit vollem Namen und Siegerlächeln gezeigt wird, ist die PLO vergreist und die jungen, palästinensischen Männer kämpfen und sterben namenlos und maskiert im Tunnel. Von außen betrachtet: Für welches Land will ein junger Mensch leben und sterben? Jede Anstrengung, jeder Kampf und jede Armee braucht ab und zu das Schild: Mission accomplished! (Mission erfüllt!). Was aber ist die Mission der Palästina-Befreiungs-Organisationen? Die PLO wurde 1964 auf Druck arabischer Staaten gegründet und ihre Mission war von Anfang an fragwürdig: Wer sollte eigentlich befreit werden? Sollte die PLO eine Volksgruppe befreien, deren Mehrheit in den arabischen Staaten lebte? Sollte die PLO, die von Ägypten und Jordanien besetzten Gebiete (Gaza, West-Jordan-Land) befreien? Oder sollten die PLO die „Befreiung“ des gesamten Mandatsgebietes Palästina von Juden erwirken, also die 1948 von den arabischen Nationen vermasselte Zerstörung Israels erneut versuchen? </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">1964 ist lange her und manche der arabischen Geburtshelfer von damals distanzieren sich von ihrer eigenen Kreation. Kein Wunder, denn die Geburtsfehler von 1964 haben sich inzwischen zur häufigsten, nicht-natürlichen Todesursache entwickelt. Die Geschichte der PLO zeigt exemplarisch, wie die selbstverliebte Umdeutung der eigenen Geschichte zum Befreiungskampf eine ganze Generation und Region in den Abgrund ziehen kann. Das gilt insbesondere dann, wenn das Böse immer nur im Anderen zu finden ist und dadurch die Fähigkeit zur Politik und zum Kompromiss gänzlich auf der Strecke bleibt. Und sie zeigt auch die Bedeutung hoher Geburtenraten und der damit einhergehenden Geschlechterbeziehung in einem Freiheitskampf, der bereit ist die kommende Generation zu opfern. Nach 60 Jahren haben wir eine „explodierende Bevölkerungs-Bombe“ im doppelten Sinne. Über 50% der Bewohner von Gaza und der Westbank sind unter 20 Jahre und haben kaum eine Aussicht auf ein normales Leben mit Kindern. Die Bereitschaft der Führung und Anhängerschaft die eigenen Söhne als Selbstmord-Bomben oder als „Bombenfutter“ zu verheizen, wäre aber ohne die hohe Geburtenrate nicht zu halten.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Geschichte der Palästinenser ist ein trauriges Beispiel für die ideologische Erbarmungslosigkeit, mit der diese Generation ihre eigenen Kinder für edle Ziele verkauft. Eine Kritik dieser Bereitschaft, die eigenen Leute selbst für kurzfristige Erfolge zu verheizen, ist nahezu unmöglich. Wer Selbstmord als Politik öffentlich kritisiert, ist entweder übermütig oder suizidal. Durch die Verklärung der Selbstmörder zu Märtyrern in den islamistischen Nachfolge-Organisationen, der Hamas und des Palestine Islamic Jihad (PIJ), ist die öffentliche Diskussion dieser selbstzerstörerischen Politik praktisch unmöglich. Gewalt und Terror ohne Politik hat auch im Falle der PLO dazu geführt, dass das zu befreiende Subjekt (die Palästinenser) zu den bedauerlichsten Objekten der Geschichte des 21. Jahrhunderts geworden sind. Sie bringen sich selbst und jenen, die sich für sie einsetzen kein Glück. Heute wissen die arabischen Regierungen der Region aus eigener Erfahrung: palestinians are bad luck. Die Invasion Israels durch den arabischen Widerstand (Hamas) hat dazu geführt, dass heute (Dezemebr 2024) die arabischen Nationen kaum noch etwas zu melden haben, wenn es um die Zukunft der Region geht. Im Moment sieht es so aus, als würden die drei nicht-arabischen Nationen im Nahen Ostens den Ton angeben: Iran, Türkei, Israel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Terror und Gastfreundschaft </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zuerst hat die PLO es sich mit ihrem Gastgeber Jordanien verdorben und wurde rausgeworfen. Den Staat der nächsten Zufluchtsstätte (Libanon) hat sie destabilisiert und musste sich daher 1982 erneut eine neue Bleibe suchen. Als der Anführer des Befreiungskampfes, Jassir Arafat, </span><span class="tm9">1990 Saddam Hussein umarmte, nachdem dieser gerade seinen arabischen Nachbarn und vielfachen PLO-Unterstützer in Kuwait überfallen hatte, deportierte Kuwait nach dem Abzug der irakischen Armee kurzerhand die in Kuwait lebenden Palästinenser. Von den ca 400.000 Palästinensern, die vor dem Überfall 1990 in Kuwait lebten waren am Ende kaum noch 20.000 übrig. Ein Massenexodus und eine Deportation - 200.000 in einer Woche. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die PLO brachte den Palästinensern ebenso wenig Glück, wie ihren Asyl- und Gastgebern. Am Ende blieb ihr nur noch der verzweifelte Versuch, bei den Objekten ihres Befreiungskampfes selbst um Zuflucht zu bitten. Durch die Oslo-Verträge konnte die PLO (endlich?) bei ihren Schwestern und Brüdern in der Westbank und in Gaza ihren Platz finden. Aber selbst das war nicht vom Glück geküsst. Nachdem die PLO dann noch 2000/2001 den Glücksmoment eines maximalen Angebots der Israelis verpasste, verlor selbst das saudische Königshaus die Geduld und sprach aus, was viele dachten: Allah hat den Palästinensern die schlechtesten aller Politiker gegeben. Dem PLO-Hamas-PSJ-Kontinuum blieb dann wenig übrig, als beim schiitischen Erzfeind anzuklopfen. Inzwischen wird die sunnitische Hamas vorwiegend von der schiitischen Hisbollah und von der schiitischen Republik Iran unterstützt, die anderenorts Sunniten massakrieren, einfach weil sie als Sunniten Widersacher im Kampf um schiitische Dominanz sind. Das Massaker am 7. Oktober 2023 hat das Ende der PLO-Hamas-Ära besiegelt. Die Hamas wollte die „islamische Welle“ der Zerstörung von allen Seiten über Israel rollen lassen. Nur die Hisbollah war - mehr oder weniger und halbherzig - bereit, sich für den verlorenen Befreiungskampf selbst ins Elend zu stürzen. Das Ergebnis ist für die Palästinenser seit Jahrzehnten das Gleiche: Selbstzerstörung und Hoffnungslosigkeit. Auch die Schiiten wissen nun Bescheid und die Hisbollah hat erlebt was es heißt, beim Befreiungskampf der Palästinenser mitzumachen. Es könnte gut sein, dass auch sie in Zukunft einen Bogen um die ebenso revolutionären wie katastrophalen, palästinensischen Subjekte machen. Manche funktionalisieren das Leid der Palästinenser, im eigenen Land mag sie in der Region kaum noch jemand haben. Die Selbstverliebtheit und Verklärung ihrer Führer hat sie an den Rand des Abgrunds geführt. Nur bei den westlichen Linken und Grünen schlägt noch das „Herz für Palästina“ und herrscht Freude, Palästinenser ins eigene Boot und Haus zu holen. Nur geht das Boot, in dem sie gemeinsam sitzen, gerade unter. Das ist außerordentlich erstaunlich, denn es waren die Grünen, denen die Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt in unnachahmlicher Weise gelang.</span></p>
<p>Teil 2 veröffentlichen wir am nächsten Sonntag</p>
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		<title>Warum mir vor dem 7. Oktober bange wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Karoly Oppenauer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Oct 2024 11:30:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der siebte Oktober nähert sich und mich beschäftigt die Frage, wie wir mit so viel Wahrheit umgehen können. Wenn diese dann noch nackt und hässlich ist, mag doch niemand mehr hinsehen - oder doch? Den Abgang in Würde gestalten Ich... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/10/warum-mir-vor-dem-7-oktober-bange-wird/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der siebte Oktober nähert sich und mich beschäftigt die Frage, wie wir mit so viel Wahrheit umgehen können. Wenn diese dann noch nackt und hässlich ist, mag doch niemand mehr hinsehen - oder doch? </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Den Abgang in Würde gestalten</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ich wundere mich über mich selbst, und meine Zeitgenossen verwirren mich. Gestern habe ich ein kurzes Video angesehen, das eine Israelin zeigt, die - kurz bevor sie von Hamas-Terroristen erschossen wird - <a href="https://www.timesofisrael.com/new-oct-7-footage-shows-victim-sticking-tongue-out-at-terrorists-before-her-murder/" target="_blank" rel="noopener">diesen die Zunge herausstreckt</a>. Ihr Umgang mit der nackten Wahrheit ihres nahenden Todes beschämt und entlastet mich. Ich schaffe es immer noch nicht, mir Bilder von den Massakern anzusehen und bin froh um jeden, der das kann und ernsthaft davon berichtet. Nachdem ich das Video sah, wurde das Bild eines ganz anderen Abgangs und einer völlig anderen Form der hässlichen Wahrheit eingespielt: der deprimierte Abgang der beiden Grünen, wie sie mit hängenden Bäuchen und Schultern die Bühne der Pressekonferenz verlassen. Trotz meiner festen, inneren Überzeugung, dass die beiden menschenverachtende Politik gemacht haben, löste das Bild bei mir Mitleid aus. Zugleich das Gefühl der Scham: Das hätten wir doch nicht sehen müssen. Dann kam Empörung auf: Können die ihre Abgänge nicht schöner gestalten? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Diese Frage stelle ich mir auch mit der Erfahrung eines Sargträgers, der zahllose würdige und unwürdige Abgänge miterlebt hat. Der sogenannte letzte Gang kann auch aufrecht und in Würde geschehen, auch ästhetisch gestaltet werden, so dass wir ihn als angemessen und gar schön empfinden, selbst wenn wir im Gram gebeugt sind. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Die Toten schön machen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Abgänge würdevoll zu gestalten bedarf eines gewissen Gefühls und eines Zeremoniells. Und vor allem müssen wir die Toten schön machen und gut anziehen. Das scheint heute ein Problem zu sein und mir graust es vor dem 7. Oktober. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Tatsache ist, die Wahrheit ist nicht nur nackt, sie ist auch oft hässlich. Das war sie schon immer, aber es gab auch immer ehrenwerte Versuche die Wahrheit anzukleiden, ohne sie zu verkleiden. Sowohl in der Kunst als auch in den Religionen gibt es Möglichkeiten, Katastrophen-Erfahrungen so zu gestalten, dass wir sie zumindest erinnern wollen; sie so geschickt zu verbergen, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen können. Wir hatten kulturelle Techniken, um Abgänge und Abschiede zu zelebrieren, in der die Würde der Wahrheit und der betroffenen Menschen geschützt wird. Das galt auch noch dann, wenn die Wahrheit unannehmbar war und nur noch Gott helfen konnte. Diese kulturellen und religiösen Rituale sind alt, sie machen den Schmerz spürbar, begleiten aber Menschen durch die Trauer ins Leben zurück. Ich habe sie meist bei Menschen erlebt, die mit schweren Verlusten und dem eigenen Tod oder dem der Geliebten umgehen; bei jenen, die das Sterben bewusst erleben und jenen, die es <a href="https://gesine-palmer.de" target="_blank" rel="noopener">professionell begleiten</a>. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Du darfst abwählen und verhüllen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Mein Gefühl ist: wir sind verarmt und schon fast verkümmert. Die verhüllenden Kulturtechniken sind fast verloren. Das Protzen mit nackten Tatsachen ist normal geworden. Meine bangen Erwartungen vor dem Jahrestag werden bei diesen Gedanken nur noch schlimmer. Ich fürchte - informierte oder abwegige Intuition? - wir sind in einer neuen Phase der geistigen Verwahrlosung angekommen. Die Wahrheit zeigt sich nackter, nackter geht es nicht mehr; und kein Gott scheint uns zu Hilfe zu eilen. Es ist angesagt in der Öffentlichkeit, alle Hüllen fallen zu lassen und Fülle zu zeigen. Daher braucht niemand mehr Enthüllungsjournalismus. Die Forderung nach der Abschaffung der zwangsfinanzierten Verdummung müsste zugleich ein Verhüllungsangebot enthalten: opt out, allow to cover up (Du darfst abwählen und verhüllen). Einerseits dürfen wir selbst entscheiden, welche Wahrheit wir hören oder sehen wollen. Wir nehmen uns auch das Recht heraus, die Wahrheit so zu bekleiden, wie wir unsere Toten bekleiden: Mit Würde, Respekt für das Vergängliche der Menschen. Einem Verstehen, dass wir nicht besonders begabt sind, über die Geschichte Einzelner zu richten, aber immer gefährdet, die große Geschichte aus sicherer und herrschaftlicher Distanz heraus beurteilen zu wollen. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Hätte ich nicht dieses Gefühl der Verwahrlosung, könnte ich dem 7. Oktober gelassener entgegen schauen. Statt mich zu beruhigen, schlagen die Absurditäten der Politik selbst die letzten Sicherungen durch. Sie sind kaum noch entlang der üblichen Motive wie Gier, Neid oder Machtgeilheit einzuordnen. Wir müssen inzwischen auf die verrückten Geschichten der durchgeknallten Könige und Diktatoren zurückschauen, um eine Vorahnung für die Dynamik der kommenden Ereignisse zu bekommen. König Ludwig II und Caligula bieten sich als Vergleichssubjekte an. Wer keine Angst vor Rassismusvorwürfen hat kann auch den Ex-Diktator Jammeh aus Gambia studieren. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Die Wahrheit bekleiden</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Frage heute ist: Was tun, wenn die Regierung Traumschlösser baut, die sich erst in 200 Jahren als Touristenattraktion amortisieren? Was tun, wenn die Regierung Pferde und anderes Getier zur Staatsräson erklärt und Esel zu obersten Pferde-Führern ernennt?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Natürlich kommt mir dabei auch das Märchen vom König in den Sinn, der nackte Tatsachen nicht mehr als solche erkennen konnte. Leider hört das Märchen gerade dort auf, wo wir heute Hilfe bräuchten. Die Geschichte endet mit der Enthüllung und der Scham der nackten Wahrheit. Was aber geschah dann? Hat der König das gemacht was menschlich und logisch gewesen wäre? Also den ganzen Hofstaat entlassen, das Kind und seine Familie in den Palast geholt und zu seinen Beratern gemacht; am nächsten Morgen mit dem Kind an der Seite durch sein Reich gefahren und es gebeten, ihm seine Augen zu leihen; an jeder Ecke angehalten und dem Kind erzählt, was er sieht, um es dann zu fragen: „Siehst auch du das und das?“ </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">So hätte ein kluger König wohl gehandelt, nachdem er die Scham überwunden und die Freude an den Tatsachen wieder entdecken durfte. Es hätte eine Weile gedauert, aber schließlich hätte er das Vertrauen in seine Wahrnehmung zurück gewonnen. Und das Kind wäre klug gewesen und hätte den König zu Anfang gebeten: „Herr König, wir hören erst einmal nur zu. Das Zuhören wurde ihnen nicht vermiest. Sie haben nur auf die falschen Stimmen gehört, aber Sie können Wahrheit hören. Sie können auch hören, ob jemand angezogen oder nackt ist. Vertrauen Sie ihren Sinnen und ihrem Geist. Hören Sie zu, aber lassen Sie sich nichts mehr einreden“. So würde der König langsam die Zu- und Missstände in seinem Land kennen lernen und selbst die Schönheit der Nacktheit erneut entdecken - möglicherweise mit positiven Auswirkungen auf das ganze Reich und seine Beziehung zur Königin.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Was tun am 7. Oktober?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Mir wäre wohler am 7. Oktober, </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- wenn wir uns und unsere Wahrheiten, unsere Verluste und unsere Toten schön anziehen würden;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- wenn die empathische Anerkennung der Todesursachen und Todesarten ebenso geboten ist wie eine würdevolle Leichenschau;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- wenn es seelsorgerische und erkenntnisfördernde Zeremonien gäbe, die von Herzen kommen und ernst gemeint sind; </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- wenn jede Form der nachträglichen Leichenschändung - sei es physisch oder ideologisch - geächtet wäre;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- wenn ein Vermummungsverbot für alle gilt, die glauben im Besitz der nackten Wahrheit zu sein.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Liebe Leser, falls Ihnen am 7 .Oktober bange wird, rate ich Ihnen, nackte Tatsachen zu bekleiden, mit Freunden über ihre Erlebnisse zu sprechen, und wenn gar nichts mehr hilft: Hören sie einfach zu und schreiben hier in der Leserpost. Ich freue mich von Ihnen zu hören!</span></p>
<p class="Normal">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/10/warum-mir-vor-dem-7-oktober-bange-wird/">Warum mir vor dem 7. Oktober bange wird</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Mütterlicher Inzest - queer mothers for martyrs</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Jun 2024 09:04:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Mütterlicher Inzest]]></category>
		<category><![CDATA[Opfer]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir mögen uns über „queer for Gaza“ lustig machen, weil in der aktuellen Lage „queers in Gaza“ ebenso unwahrscheinlich sind wie eine Zwei-Staatenlösung. Wir sollten uns aber eine Vorstellung von möglichen Resonanzen und realisierbaren Allianzen dieser politischen Bewegungen machen. Es... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/muetterlicher-inzest-queer-mothers-for-martyrs/">Mütterlicher Inzest - queer mothers for martyrs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wir mögen uns über „queer for Gaza“ lustig machen, weil in der aktuellen Lage „queers in Gaza“ ebenso unwahrscheinlich sind wie eine Zwei-Staatenlösung. Wir sollten uns aber eine Vorstellung von möglichen Resonanzen und realisierbaren Allianzen dieser politischen Bewegungen machen. Es gibt eine gemeinsame Schwingungsebene und Stimmung von Queer-Gaza, Hamas-Gaza und der brutalen Naivität jener, die einen Staat-Gaza propagieren: die Normalisierung des mütterlichen Inzests. Ich werde zeigen, wie Täter-Opfer-Umkehr in der Sympathie für eine gute, mütterliche Gewalt und in der Bereitschaft, die Sexualität des Sohnes oder den Sohn selbst zu opfern, entsteht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Mütterlicher Inzest gilt als normal und harmlos</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wem der Ausdruck „mütterlicher Inzest“ absonderlich erscheint, kann sich mittels folgender Fragen dem Thema nähern: Wie viele Mütter kenne ich, die zumindest zeitweise das Gefühl haben, ihr Kind vor dem Vater beschützen zu müssen? Wie viele Väter kenne ich, bei denen ich - auch nur zeitweise - das Gefühl hatte, sie würden ihrem Kind absichtlich schaden? Wie viele Familien kenne ich, in denen ein Elternteil glaubt, das gemeinsame Kind mehr zu lieben? </span><span class="tm6">In denen Eltern kleine Kinder wie Partner behandeln?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Inzesttabu verbietet Eltern die Sexualisierung der Beziehung zum Kind. Es ist auch ein Bannspruch gegen den Versuch der Kinder, ihre sexuellen Wünsche mit einem Elternteil oder innerhalb der Familie auszuleben. Das Inzesttabu schützt alle in der Familie vor ihren schlimmsten Impulsen, vor Sodom und Gomorra. Es steht dem Menschenopfer-Tabu in nichts nach. Es aufzuweichen hat ungeheuerliche Konsequenzen, deren Verheerungen sich bis in kommende Generationen hinein fortsetzen. Das wissen jene, die für eine Aufweichung des Tabus plädieren. </span><span class="tm6">Ein deutliches Indiz, wie weit die Verharmlosung des Inzests vorangeschritten ist, besteht in der (sehr öffentlichen) Kampagne gegen ein wichtiges (sehr privates) Gefühl, das vom Inzestverbot beschützt wurde: der Scham.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ich spreche von der Verharmlosung des mütterlichen Inzests, weil die Rechtfertigung von Gewalt und Opfer heute oft mit dem Hinweis auf die mütterlich-sorgende und uneigennützig-solidarische Qualität der Akteure erfogt. Diese Akzeptanz für mütterliche Opferbereitschaft ist enorm und steht im diametralen Gegensatz zur realen Macht der Mütter. Das ist wichtig für alle Mütter, die diese Zeilen lesen: Nur weil sie als Frau und Mutter gesellschaftlich fast nichts zu melden haben, kann der mütterliche Inzest als Rechtfertigung für Gewalt und Opfer herangezogen werden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es geht bei der Normalisierung des mütterlichen Inzests nicht um sexuelle Beziehungen von realen Müttern mit ihren Kindern. Vielmehr geht es darum, wie die Mutter-Tochter-Beziehung als harmlose Form der Gewaltausübung propagiert wird; um die Unterstellung, dass in dieser Beziehung nur Solidarität und Gerechtigkeit entstehen. Dagegen ist die Vater-Sohn-Dynamik als Quelle von Gewalt und Krieg abzulehnen. Diese Konstellation von Sympathie für weibliche, homo-sexuelle Friedfertigkeit und Antipathie gegen männliche Homo- oder Hetero-Sexualität macht den Kern des mütterlichen Inzests aus: Mütterliche Gewalt ist gut, väterliche schlecht; weibliche Sexualität ist friedfertig, männliche kriegerisch; die offenen Arme der Mutter sind reine Liebe, die starke und begrenzende Hand des Vaters potenziell gewalttätig. Söhne gehen in dieser Dynamik verloren. Da sie dabei sowieso verloren gehen, können sie auch der gerechten Sache geopfert werden. Dafür steht dann die derzeit in Gaza praktizierte, muslimische Version des mütterlichen Inzests - queers and mothers for martyrs.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Gute Mütter können mit Opfern rechnen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im mütterlichen Inzest werden offensichtlichste Formen der mütterlichen Gewaltausübung - von der Aufgabe eines wirksamen Vater-Land-Schutzes über die mütterlichen Gewaltekzesse der Pandemiepolitik zum permanenten Massaker jugendlicher Palästinenser an israelischen Frauen - plötzlich zum Akt ausgleichender Gerechtigkeit. Die Täter-Opfer-Umkehr ist eigentlich keine Umkehr. Sie ist Sympathie für das mütterliche Opfer. Die gute Mutter weiß, was gute und was schlechte Opfer sind. Sie kann und darf Opfer verrechnen. Offensichtlich geht es dabei nicht um nachvollziehbare Argumente, welches Kind mehr geschützt und welches geopfert werden kann. Es geht um Sympathie und Antipathie, also um Gefühle und tief sitzende Einstellungen: </span></p>
<ul>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Das (böse) begrenzende Vaterland ist (gutes) offenes Mutterland geworden</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Der (destruktive) Notstands-Staat kann nur das Beste für uns wollen</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm7">Die (mordenden) Kinder und Zivilisten in Gaza sind (unschuldige) Opfer.</span></li>
</ul>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Diese Überlegungen sind teilweise so abschreckend und widerwärtig, dass es mir auch lieber wäre, wir würden sie nicht anstellen müssen. Das meiste ist daher nur schemenhaft angedeutet und darf individuell weitergesponnen werden. Es wird leicht sein, das Abstoßende dem Autor in die Schuhe zu schieben. Hier geht es um die Beschreibung eines aktuellen Phänomens, nicht um mögliche Erklärungen. Ich kann mein ungläubiges Erstaunen ebenso wenig verbergen, wie die Gefühle der angewiderten Ablehnung. Ich möchte aber darauf hinweisen, dass viele sehr kluge und warmherzige Menschen, die Voraussetzungen für die gegenwärtigen Selbstzerstörungsprozesse beschrieben und analysiert haben*. Auf deren Arbeit stütze ich mich und hebe an der aktuellen Normalisierung des mütterlichen Inzests drei Aspekte heraus:<br>
</span></p>
<ul>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">die Verniedlichung der mütterlichen Gewalt im mütterlichen Merkel-Staat</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">das Opfer des Sohnes im muslimischen Matriarchat</span></li>
<li class="Normal tm5"><span class="tm6">das Opfer der männlichen Heterosexualität im Transgender-Paradies.</span></li>
</ul>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span><span class="tm6">Ich beginne mit der Beschreibung der äußersten Schicht, dem mütterlichen Inzest als guter Staat.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Mütterlicher Inzest und guter Staat</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Merkel-Staat ist der gute, mütterliche Staat, dem nichts Böses zuzutrauen ist. Er regiert mit Zuwendung, seine Gewalt erzieht, seine Macht ist die Ohnmacht der Mutter. Er ist ohne Eigeninteresse, wie eine sorgende Mutter. Er ist gemütlich und schützt die Kinder vor der Härte des Lebens (Vater). Die Mutter ist a-sexuell und geschlechts-neutral. Der Staat als gute Mutter verteilt alles gerecht und ist auf Harmonie bedacht. Disharmonie, Gewalt und aggressive Sexualität kommen vom Vater. Die Söhne werden der väterlich-liebevollen Dominanz und Aggression entzogen und ent-sexualisiert. Das familiäre Dreieck wird von der Mutter „sanft“ regiert. Die Mutter stabilisiert sich selbst durch dieses Dreieck (Merkel-Geste). </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Dies ist das Merkel-Matriarchat als mütterlicher Inzest: Die gute, a-sexuelle Mutter reguliert lautlos und sanft durch Blicke und Gesten ihre a-sexuellen (= trans) und ohnmächtigen (= Opfer) Söhne. Die Gewalt im Staate ist gerecht und voller Sorge; Gewaltentrennung ist nicht nötig und sogar gefährlich, da sie Väter und Söhne ermächtigen würde.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Mütterlicher Inzest und Opfer des Sohnes</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das muslimische Matriarchat etabliert den guten, mütterlichen Hofstaat. Ihr Herrschaftsgebiet ist die Familie, ihre Subjekte ihre Kinder; ihr wertvollstes Pfand sind ihre Söhne. Auch ihr ist nichts Böses zuzutrauen. Als Frau ist sie gesellschaftlich minderwertig und ihre Sexualität darf niemals öffentlich sein. Als Mutter ist sie allmächtig; sie entwertet den Mann zum nutzlosen Vater. Ihre äußerliche Ohnmacht entspricht ihrem inneren Wesen; sie ist „unterwürfig, rein und sanft“ (Nasrallah über seine verstorbene Mutter). Ihr unumstrittenes Machtmittel ist der alleinige Zugriff auf den Sohn. In ihrer Ohnmacht als Frau ist sie allmächtig als Mutter eines Sohnes. Die aufkeimende Sexualität der Söhne ist Krise und Katastrophe, Bedrohung und Chance für die mütterliche Kontrolle über den Inzest. Sie bestimmt, welchen Weg ihr Sohn geht. Entweder das Opfer der männlichen Sexualität in der Ehe und verachteten Vaterschaft oder das Opfer im Martyrium. Das ist die momentane Form des muslimischen Matriarchats als Sohnesopfer in Gaza: Gewalt und Sexualität erfahren im Opfer des Sohnes eine völlige Umkehr. Sexualität und Gewalt des Sohnes wird zur Ehrerbietung an die Mutter und die a-sexuelle und ohnmächtige Frau erlebt als Mutter eine öffentliche Ekstase. Diese kann weltweit zur Schau gestellt werden, in der Erregung einer Mutter, die erfährt, dass ihr minderjähriger Sohn, während er israelische Frauen vergewaltigt hat, den Märtyrertod gestorben ist. Ihr mütterlicher Auftrag wurde von Gott als Opfer angenommen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Mütterlicher Inzest und Opfer der männlichen Sexualität</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Normalisierung des mütterlichen Inzests ist in der trans-sexuellen Bewegung am weitesten entwickelt. Manche Äußerungen der Aktivisten richten sich direkt an die Kinder und rufen diese dazu auf, das Inzestverbot zu unterlaufen und Erwachsene (auch Eltern) zu verführen. Die Diversität des Trans-Sexuellen ist bisher mit dem Frontalangriff gegen das Inzestverbot und die kulturelle wie emotionale Bedeutung der Vater-Sohn-Beziehung vergesellschaftet. Andere Formen der Trans-Sexualität werden mit aller Kraft unterdrückt. Im Moment gibt es Trans-Sexualität nur unter der Herrschaft des mütterlichen Inzests. Dieser lebt von der Ent-Sexualisierung des Sohnes, der Entwertung der Väter und dem Opfer der männlichen Sexualität. Der Schritt von der Austrocknung der männlichen Linie zum Opfer des Sohnes selbst ist groß. </span><span class="tm6">Wie weit trans-gender (= geschlecht-überschreitenden) Aktivisten in ihrer Faszination für die Abschaffung der Familie und der Vater-Sohn-Schaft gehen würden, ist keineswegs absehbar.&nbsp;</span><span class="tm6">Wie offen sind sie für Ausrottung des Familienstammes (eines Geschlechts), wenn dadurch die Befreiung vom Joch der Heterosexualität und der Dominanz des Vaters über die Söhne möglich wird? Tatsache ist die offene Sympathie für geschlecht- und geschlechter-zerstörenden Politik der Hamas und deren bewusst betriebene Ausrottung ganzer Familien (Geschlechter).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der mütterliche Inzest im Transgender-Paradies sieht so aus: Die Mutter agiert sanft und sicher im Medium der Trans-Sexualität; „trans“ bedeutet Ent-Sexualisierung der Zeugung und der Elternschaft; außerdem die Verleugnung des Geschlechts und der Geschlechter-Zugehörigkeit der Kinder. Der trans-gender Inzest der Mütter ruft nach einem frühzeitigen Zugriff des Staates auf die sexuelle Entwicklung der Kinder. Dieser ist heute leicht möglich, da wir der sozialistischen Vision einer Gesellschaft ohne familiäre Bande schon sehr nahe gekommen sind. Die gerechten Trans-Mütter (guter Staat) schützen ihre Kinder vor dem gewalttätigen Vater (gefährliche Familie). Die Neutralisierung der Geschlechterspannung wird durch die trans-sexuelle Verniedlichung der Sexualität möglich: Sex ist gewaltlos und gerecht. Die Mutter-Tochter-Beziehung wird zum Modell des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der Solidarität. Die Gemeinheit und Aggressivität zwischen Mutter und Tochter - unter Frauen - wird geleugnet und alles Übel in der Vater-Sohn-Dynamik verortet. Die Aggressivität und Zerstörungskraft des mütterlichen Inzests wird einerseits auf andere projiziert und tritt andererseits immer deutlicher in die Öffentlichkeit: die unverhohlenen und oft körperlichen Angriffe auf Frauen und Feministinnen, die Normalisierung weiblicher Essstörungen und Lobpreisungen verformter Frauenkörper, die Rede vom gerechten Krieg als mütterlich-gerechtfertigtes Opfer der Söhne, die Sympathie und Faszination für erlösende Massaker an Frauen als Emanzipation der unterdrückten Söhne.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Mütterlicher Inzest und Judentum</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Mütterlicher Inzest ist nur möglich vor dem Hintergrund der Ablehnung der zentralen Aufgaben der Vaterschaft und tief sitzender Ressentiments gegen Männlichkeit. Männer sind gefährlich, weibliche Sexualität ist friedfertig, Söhne sterben für die gerechte Sache der Mütter. Nicht zufällig stehen all diese Aussagen dem Fundament des Judaismus diametral entgegen. Dieses ist geprägt von der vollständigen Absage an jegliche religiöse Rechtfertigung des Menschenopfers in der Vater-Sohn-Beziehung (Abraham-Isaak-Erzählung). Ebenso von der Rolle der Frauen und der Weiblichkeit als vermittelnde Geisteskraft (Schechina) in der Gottesbeziehung. Diese weibliche Kraft wurde zum Vorbild des Heiligen Geistes als vermittelnde Position in der Vater-Sohn-Dynamik der christlichen Trinität. Außerdem ist die jüdische Mutter der Garant der Blutlinie des Stammes, des Fortbestands des Geschlechts. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Im Judentum schützt das Inzestverbot die Position der Frau und Mutter. Die Gotteskindschaft des Menschen ist Auftrag an Vater und Mutter gleichermaßen, die eigenen Kinder wie das Ebenbild Gottes zu behandeln und wie den eigenen Augapfel zu schützen. Familien- und Gottesbeziehungen überlappen sich; väterlicher und mütterlicher Inzest sind ein Bruch des Treue-Bündnisses untereinander und mit Gott. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Ein sozialistisches Transgender-Kalifat ist möglich</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Wer die eigene Kindschaft verleugnet und weder Vater und Mutter hat, sucht Zuflucht beim Staat. Dieser arbeitet aber heute gemäß der Gesetze des mütterlichen Inzest. Die Vorstellung, dass es eine Konvergenz zwischen der Ekstase der Gaza-Mutter mit Gaza-queers und der Gemütlichkeit des mütterlichen Inzest-Staates geben könnte, ist alles andere als absurd. Die Gleichzeitigkeit von gewalttätiger Ekstase und gemütlichem Sozialstaat war schon einmal der phänomenale Ausdruck einer selbstzerstörerischen Koalition in unserem Land (1933-45). Ein sozialistisches, transgender Kalifat klingt absurd - aber was heißt das schon im heutigen Geschehen permanenter Grenzüberschreitungen, als dass es morgen möglich wird. Ob diese Konvergenz im mütterlichen Inzest je in einer politisch motivierten Koalition zum Tragen kommt und politische Realität erschafft, ist fraglich. Tatsache ist aber, dass die gegenwärtigen Annäherungen so ungeheuerlich sind, dass wir das Gespräch darüber lieber vermeiden. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm8">Gibt es ein Inzestverbot im Politischen?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Es ist natürlich auch kein Zufall, dass ausgerechnet eine jüdische Liebhaberin der Republik auf </span><span class="tm7">den wirksamsten Schutz vor mütterlichem Inzest hingewiesen hat. </span><span class="tm7">Hannah </span><span class="tm7">Arendt‘s Unterscheidung der Güter produzierenden Sphäre (Haus und Ökonomie = oikos) von der Freiheit produzierenden Sphäre (Öffentlichkeit und Politik = polis) ist eine der wundersamsten Übersetzungen des Inzestverbotes in das Leben der Republik. Bestand und Trennung dieser beiden Sphären sind die Voraussetzung für Freiheit. Die Aufhebung dieser Trennung führt zum Zusammenbruch des Politischen mit seinen vielen Formen der Vermittlung von Interessen und Ideen. Dann kommt die Faszination für die archaischen und gewaltsamen Formen, den gesellschaftlichen Zusammenhang zu beschwören (erzwungene Solidarität) und herzustellen (verbindende Opfer) wieder durch. Der Zusammenbruch des Politischen hat sich in unserem Land nach 1989 (verpasster politischer Moment) angedeutet und ist spätestens seit 2009 (entpolitisierende Politik selbst gemachter Krisen) in vollem Gange.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Arendts Unterscheidung hatte es schwer, Gehör zu finden in einer Generation, die mit den Selbstverständlichkeiten der marxistischen Sozialwissenschaften aufgewachsen ist: dem für alle möglichen Ungerechtigkeiten verantwortlichen Gegensatz von weiblicher Arbeit (Haus = Reproduktion) und männlicher Arbeit (Feld, Fabrik = Produktion). Nicht nur meine Generation lief damit in die selbst ausgelegte Falle. Emanzipation wurde als Aufhebung der Trennung von häuslicher und öffentlicher Sphäre propagiert. Häuslicher Friede wurde zum Vorbild für globalen Frieden, aus oikos wurde Öko-logie, aus mütterlicher (Ohn)Macht wurde Weltmacht, die Wunden der männlichen Naturbeherrschung wurden durch die Nachhaltigkeit der Mutter-Tochter-Ökonomie geheilt. Im Höhenflug der Selbstgewissheit wurden nicht einmal die Warnungen zugeneigter Mitstreiter gehört. Klaus Heinrich: „</span><span class="tm8">Emanzipation ist ein Wort aus der Sklavenhaltersprache. Der Emanzipierte (sei es Sklave, Jude, Frau) blieb minderen Rechts. Man sollte das Wort nur gebrauchen, wenn man sich bei seinem Gebrauch immer vor Augen hält, dass Frauen und Männer in gleichem Maße emanzipationsbedürftig sind, beide zugleich Sklavenhalter und Sklaven, und dass (ein unerhörter Vorgang in der Sklavenhaltersprache) Emanzipation heute Selbstfreigabe bedeuten muss“ (Das Argument, 4. Jg. 1962).</span><span class="apple_converted_space">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm6">Es würde sich auch noch heute lohnen „<span class="tm7">Selbstfreigabe“ zu ergründen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>-------</p>
<p><span class="tm6">* </span><span class="tm6">Eine liebevolle Auseinandersetzung mit der Macht der Mütter findet sich in den Arbeiten der Kinderpsychoanalytikern Melanie Klein und Donald Winnicott. Klein hat bei Karl Abraham gelernt, einer der ersten Analytiker, der sich traute, die destruktive Macht der Mütter zu erforschen. Für Sigmund Freud waren Mütter vor allem liebevoll und zugewandt. Erst der Einbruch des Vaters brachte Konfliktpotential und Aggression in die Mutter-Kind-Beziehung. Freud selbst sagte vorher, dass eine Generation von Frauen-Analytikern jene Zeit vor den ödipalen Konflikten ergründen wird. Auf den Arbeiten Klein’s bauen jene auf, die entscheidende Hinweise auf die aktuelle gesellschaftliche Situation gegeben haben: Georgio Agamben, Jan Assman, Gunnar Heinsohn, Klaus Heinrich, Renate Schlesier, Gerburg Treusch-Dieter.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
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		<title>Alle wollen nach Jerusalem, ich auch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 09 Jun 2024 17:09:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wer noch ein Mensch ist wollte in den letzten Monaten in Israel leben. Nicht im Israel des ständigen Raketenbeschusses und der Schutzbunker; nicht im Israel, das immer noch ein Massaker erlebt; nicht im Israel, in dem die eigenen Kinder in... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/06/alle-wollen-nach-jerusalem-ich-auch/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wer noch ein Mensch ist wollte in den letzten Monaten in Israel leben. Nicht im Israel des ständigen Raketenbeschusses und der Schutzbunker; nicht im Israel, das immer noch ein Massaker erlebt; nicht im Israel, in dem die eigenen Kinder in der Armee kämpfen, und es jederzeit an der Tür klopfen kann. Wer noch ein Mensch ist will in Israel leben, weil die normalen Israelis offenbar Ressourcen und Möglichkeiten haben, von denen wir hier nur träumen können. Vieles was bei uns kindisch und bizarr ist, ist in Israel schlichtweg unmöglich. Das hat mit der langjährigen Erfahrung eines Alltags an der Grenze und mit der jüdischen Religion selbst zu tun. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Die Grenze als Faktenchecker</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Israelis gehören zu jenen im dekadenten Westen, die reale Not und Notwendigkeit von fiktiven selbstgemachten Krisen unterscheiden können müssen. Auch wenn sie sich durch die WHO, den Weltklimarat und die eigenen Leute hinters Licht führen lassen, gibt es doch einen spezifisch israelischen Realitätscheck: die Grenze zu Gaza, Ägypten, Jordanien, zur Westbank, zu Syrien und zum Libanon. Aufgrund dieses Faktenchecks ist Israel wohl das einzige Land im Westen, das noch das hat was alle wollen: National- und Gemeinschaftsgefühl, Nachbar- und Freundschaft, Familien und Kinder. Dort gehören beispielsweise Erwartungen und Hoffnungen an einen ernsthaften Journalismus, eine funktionierende Armee oder an die Möglichkeit durch tägliche Demonstrationen die Regierung zu einem besseren Handeln zu veranlassen, noch zur Normalität. Werden diese Erwartungen enttäuscht gibt es lautstarke Kritik und massiven Druck auf die Verantwortlichen. Verantwortliche zu kennen und zur Verantwortung zu ziehen ist für das tägliche Leben dort überlebensnotwendig. Die israelische Normalität klingt für uns wie ein demokratisches und menschliches Schlaraffenland. Wer also noch Mensch sein will, den wird es nach Israel ziehen. Auch wenn es eine Idealisierung ist kann ich nur raten, einen Besuch zu wagen. Der Realitätscheck kommt von selbst und im Schock ist niemand allein. Nur eines ist manchmal schwer in Israel zu bekommen, selbst gewählte Einsamkeit. Wer die sucht muss wie Jesus in die Wüste.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Das Jerusalem Syndrom</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wenn Christen Israel besuchen kommt es immer wieder vor, dass manche durchlässige Seele die Christusenergie zu sehr in sich wirken lässt und glaubt selbst Jesu von Nazareth zu sein. Die medizinische Erklärung hebt darauf ab, dass diese Menschen den Widerspruch zwischen vorgestellter, biblischer Realität und dem Wahnsinn der israelischen Wirklichkeit nicht aushalten und daher eine Persönlichkeitsspaltung erleben. Aufgrund eigener Erfahrungen habe ich starke Zweifel an dieser Erklärung und würde das Argument umdrehen: Wer längere Zeit in Jerusalem verbringt und dabei nicht an die tiefsten Fragen des eigenen Menschseins rührt, der hat ein Problem. Wer die dichten und engen Wege der Altstadt und der Via dolorosa geht und nicht an dem schier unlösbaren Problem des Zusammenlebens von so vielen Individuen, die wenig Talent für Gemeinschaft und Zivilisation mitbringen, verzweifelt - was für ein Mensch ist das? Man muss nicht Christ sein, um den Schmerz zu spüren, den großen menschlichen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Wer sich fragen will, warum wir immer wieder in gewalttätigen Lösungen stecken bleiben, ist hier am rechten Ort. Wer die eigene und kollektive Selbstgefälligkeit feiern will, ist hier fehl am Platz. Daher ist Jerusalem eine Form der deprimierenden Dekadenz-Behandlung. Hilfreich deprimierend gegen selbstzerstörerischen Individualismus; hilfreich deprimierend gegen selbstgefällige Katastrophensucht. Es mag schneller wirkende, chemische Medikamente geben, aber ich kenne kein längerfristig wirkendes als Jerusalem. Wie immer geht es um die Dosis. Überdosiert führt diese Therapie zum Jerusalem-Syndrom.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Für Christen bleibt Jerusalem eine Irritation. Angeblich gelingt es uns die Leistung der Juden durch den Glauben an Christus auszuhalten und uns von Jerusalem frei zu machen. Tatsächlich wissen wir aber, wie schwer es uns in den letzten 2000 Jahren fiel, die überragende Vorarbeit des Judentums zu bewahren, geschweige denn sie zu überbieten.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm6">Freiheit ohne Menschenopfer</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Entwicklung der jüdischen Gemeindepraxis und Theologie hat die Freiheit des Menschen als zentralen Bestandteil der Beziehung zu Gott auf Dauer installiert. Der offenkundigste Ausdruck dieser Leistung ist die endgültige Abschaffung des gottgefälligen Menschenopfers: Es gibt keine aber auch wirklich keine Rechtfertigung dafür, Menschen einem wie auch immer gearteten religiösen, politischen oder anderen Zweck zu opfern. Diese Entwicklung des Judentums ist die Grundlage liberaler Demokratie und der Grundrechte (<em>bill of rights</em>) als Schutz vor dem Opferzwang des Staates. Das Opferverbot in der Version der liberalen Republik lautet: Keine Solidarität rechtfertigt das Opfer individueller Schutzrechte oder gar der Einzelnen selbst. Das Opfergeschrei der Medien lautet aber: Solidarität in der Katastrophe ist Zwang und rechtfertigt alles. Das heutige Wort für Opfer lautet Katastrophe. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In der Katastrophe kollektiv zu reagieren und die Rechte der Einzelnen nicht mit Füssen zu treten - das ist nur durch den Opferverzicht möglich geworden. Der permanente Opferverzicht wurde Gott selbst zugeschrieben und gilt unabhängig von menschlichen Launen und politischen Umständen. Es gibt im Judentum der letzten 2000 Jahre keine religiöse Rechtfertigung dafür, das eigene oder das Leben der anderen für irgendeinen göttlichen Zweck zu zerstören. Selbstverteidigung oder Selbsttötung aus Verzweiflung ist eine andere Angelegenheit. Politisch motivierte Selbstmordattentate entstanden im Christentum und Islam. Die radikale Absage ans gottgefällige Menschenopfer ist einzigartig in der Gattungsgeschichte und bietet immer wieder Anlass für neid-getriebenen Hass auf Juden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Stadt auf dem Berg</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Das symbolische Jerusalem, die Stadt im Westen und die Stadt des Friedens steht seit dem 17. Jhdt. für die Hoffnung auf ein besseres Leben in Freiheit und Wohlstand (<em>city upon a hill</em>). Die reale Stadt Jerusalem symbolisiert heute immer noch die radikale Abkehr vom Menschenopfer. Wer hier Zeit verbringt, kann dem Eingemachten der mittelmeerischen Zivilisation begegnen; der Wiege einer Zivilisation, die bereit ist individuelle, geistige und politische Freiheit in einem komplexen Verhältnis der Einzelnen zur Gemeinschaft (der Familie, des Stammes und Staates) auszuhandeln. Es ist daher kein Zufall, dass der Satz „Es gibt kein Recht auf Gehorsam“ von einer säkularen Jüdin stammt, die ein Buch über „Eichmann in Jerusalem“ geschrieben hat und dafür von ihrem eigenen Stamm aufs schärfste kritisiert wurde. Schon die Formulierung „säkulare Jüdin“ ist eine unsinnige Verdoppelung im Judentum. Ursprünglich wurde das Wort „säkular“ für Mönche verwendet, die das klösterliche Leben verlassen und sich als Priester unters Volk begeben haben. Wenn wir „säkular“ also mit „religös im Weltlichen“ übersetzen wäre <em>Hannah Arendt</em> eine „Jüdin im Weltlichen“ - was denn sonst? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Auch Jerusalem ist ein realer Ort der Begegnung und Reibung zwischen den geistigen und politischen Ambitionen der drei westlichen und monotheistischen Religionen. Der wunde Punkt der Reibungen zwischen Juden einerseits und Moslems und Christen andererseits ist die religiöse Interpretation des Verhältnisses von Ideologie, Lüge und Wahrheit. Juden müssen sich im argumentativen Kampf mit ihrem Gott bewähren. Falsches Zeugnis abzulegen gehört zu den schlimmsten Vergehen gegen das Bündnis mit Gott, mit der eigenen Gemeinschaft und mit sich selbst (8. Gebot). Im Islam darf und muss gelogen werden, um die Widersacher zu täuschen. Das haben Friedensaktivisten immer wieder schmerzlich erlebt. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wir Christen können uns auf Paulus ausruhen, der seinen Brüdern und Schwestern im Angesicht der realen Katastrophe und begonnenen Endzeit ein „Leben-als-ob“ empfohlen hat. Das Ausbleiben der Endzeit oder die mangelnde Geduld ob ihrer langen Dauer, hat dazu geführt, dass Christen nach weltlichen Katastrophen suchen, denen sie eine heilbringende, spirituelle Endzeitstimmung abgewinnen können. Die Rechtfertigung von Lügengebäuden, sind dann kaum noch von willentlicher Selbsttäuschung oder einem „Leben-als-ob“ zu unterscheiden. Daher finden insbesonders westliche Christen ihr „Jerusalem-als-ob“ immer wieder in weltlichen Katastrophenszenarien. Im realen Israel finden sie sich dann selbst und am Grenzzaun oder im Gazastreifen wieder. Für eine kleine aber sehr laute Minderheit ist der Grenzzaun zwischen Gaza und Israel ein Ort der heilsamen Katastrophe - die aktuelle Version der Rechtfertigung des Menschenopfers. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In Israel und an dessen Grenzen prallen Kulturen und Zivilisationen aufeinander. Hier werden Konflikte real und ihre Lösung existenziell. Es betrifft alle und es braucht (fast) alle für eine gelingende, gewaltfreie Lösung. Die Stadt auf dem Berg ist ein Hoffnungszeichen, dass es Wege gab und gibt, diese Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Wir brauchen solche Hoffnungszeichen von jenen, die hautnah mit diesen Konflikten leben.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Jerusalem ist Frontstadt, Israel ist Friedensmodell</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Was viele im Westen nicht mehr verstehen können oder wollen: Es gibt eine Front, eine existentielle Grenze. Ein Name (<em>ha shem</em>) und ein Ort (<em>ha makom</em>) dieser Grenze ist „Jerusalem“. Für einige Jahre haben viele gehofft, die Grenze könnte verschoben werden und nur noch entlang des Gaza-Streifens oder der Westbank verlaufen. Das hat sich als unbegründete Hoffnung erwiesen. Im Gegenteil, die Palästinenser und ihre Verbündeten im Westen wollten seit langem diese Grenze und diesen Konflikt internationalisieren; das ist ihnen gelungen. Heute verläuft diese Grenze auch durch unsere Städte und Gemeinden. In Israel ist sie deutlich sichtbar und anzufassen, real und tödlich. Die Situation in Israel ist durch die Mischung aus dauerhaftem Kriegszustand im Außenverhältnis und dauerhafter Kulturanstrengung der friedlichen Ko-Existenz im Inneren gekennzeichnet. Daher trägt Israel das Modell für einen Weg zur friedlichen Ko-Existenz mit seinen Nachbarn in sich: Äußere Sicherheit und innerer Koexistenz. Das weitgehend gewaltlose und friedliche Zusammenleben völlig gegensätzlicher Gruppen und Interessen auf engstem Raum ist Vorbild und Beweis, dass eine Lösung möglich ist. Was es bräuchte: Verzicht auf die Rechtfertigung des Menschenopfer zur Erreichung politischer Ziele, konsequent gewaltloser Widerstand, demokratische Prozesse. Noch 1994 gaben über 80% der Palästinenser in der Westbank und im Gazastreifen an, Israel sei die stärkste Demokratie in der ganzen Welt, noch vor den USA. Erst die massive Propaganda der palästinensischen Eliten und der Kollaps der illusionären Gleichung der Friedensbewegung („<em>land for peace</em>“) haben dieses Bild nachhaltig verändert. Damals wäre noch ein palästinensischer Martin Luther King möglich gewesen, der - ähnlich der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung - d</span><span class="tm7">en Weg des gewaltlosen Widerstands bis zur Bildung eines friedlichen, palästinensischen Staates an der Seite Israels voraus gegangen wäre. Aber dieser Vorschlag (von <em>Haviv Rettig Gur</em>) widerspricht heute der Selbstlüge und Fremdlüge der meisten Akteure. Im Moment ist noch nicht einmal erkenntlich, wer einen palästinensischen Martin Luther King auch nur einen Tag vor einem Attentat schützen könnte. <em>Martin Luther King</em> und <em>Yitzhak Rabin</em> haben ihr Angebot Frieden an </span><span class="tm7">Gewaltverzicht zu koppeln nicht überlebt; aber <em>Ehud Barak</em> hat fünf Jahre nach Rabins Ermordung (Camp David 2000, Taba 2021) das Undenkbare getan und das Angebot maximal erweitert: fast die ganze Westbank, Siedlungen abbauen, Gaza und Ost-Jerusalem als Hauptstadt - und Arafat hat erneut das Undenkbare getan und abgelehnt. Es war damals möglich: Frieden ohne unerträgliche, gegenseitige Opfer; ein paar Kompromisse und Zugeständnisse auf beiden Seiten, schmerzhaft wie jede Geburt, aber die Freude am Glück der Kinder hätte alles vergessen lassen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie so oft kristallisieren sich diese Fragen an der Bedeutung der Familie und Kinder. Im Judentum kann es keine Rechtfertigung dafür geben, die eigenen Kinder in Kriege zu schicken, die nicht der puren Selbstverteidigung des Stammes und Staates dienen. Religiöse, ideologische, sozial oder klimatisch motivierte Kreuzzüge sind niemals religiös begründbar. Dagegen steht die offenbar gezielte Zerstörung von Familien durch die Hamas. In einem kaum zu ertragenden <a href="https://www.timesofisrael.com/what-matters-now-to-lawyer-cochav-elkayam-levy-denialism-of-oct-7-sexual-violence/" target="_blank" rel="noopener">Interview</a> beschreibt </span><span class="tm8"><em>Cochav Elkayam-Levy</em> die Politik der gezielten Schändung und Ermordung von Frauen und Kindern, um ganze Familien auszulöschen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">&nbsp;</span></strong><strong><span class="tm6">Verdorrte Hoffnungen, erfrischendes Jerusalem</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Nachdem Arafat abgelehnt hat was Palästinenser Jahrzehnte ersehnt haben sind alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung durch eine Zwei-Staaten-Lösung verdorrt. Die israelische Linke ist dadurch ebenso ausgetrocknet und marginalisiert. Das scheinen viele außerhalb Israels nicht mitbekommen zu haben. Im Gegenzug haben sich in diese lokale Dürre drei Strömungen der ebenso an geistiger und menschlicher Magersucht leidenden, westlichen Wohlstandsgesellschaft gemischt und dem lokalen Konflikt den kitschigen Zuckerguss einer globalen Befreiungsbewegung verpasst. In Israel nimmt das niemand, der ernst genommen werden will, ernst. Das erfrischende an Israel und dem Judentum ist die Gelassenheit der Absage an die drei Grundannahmen der Ideologie oder Religion unserer Tage: Selbstvergöttlichung, Theokratie, Katastrophenlust. Die jüdische Tradition ist eine ständige Auseinandersetzung mit diesen drei Sünden der Menschheit. Es ist auch ein unerschöpfliches Reservoir an Absagen und Widerstand gegen deren Versuchungen:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">1. Eine Absage an die Selbstverherrlichung des Menschen und des Staates ( = an die Religion der internationalen Institutionen und des Sozialismus).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">2. Eine Absage an die freiwillige Selbstunterwerfung unter die Theokratie enttäuschter Imperialisten ( = an den gegenwärtig dominierenden Islam und die WHO/WEF-Vision der Weltregierung).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">3. Eine Absage an den permanenten Notstand der inszenierten Katastrophe als erlösende Apokalypse im Endkampf gegen Natur (Klima) und Krankheit (= an die christlich angehauchte Rechtfertigung des Menschenopfers als gesellschaftliche Solidarität der guten Menschen).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Diese dreifache Absage gilt auch den damit verbundenen, politischen Mächten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts massiv Fahrt aufgenommen und sich - trotz ihrer Widersprüchlichkeit - immer wieder zusammengeschlossen haben. Ihr gemeinsames Ziel ist die Verhinderung einer Heimstätte für Juden und des Staates Israel. Alle drei Strömungen jammern noch heute über ihr verlorenes Imperium und geben sich anti-imperialistisch. Wer sich heute ganz sicher ist, es könne keine Koalition von sozialistischen Anti-Imperialisten mit muslimischen Imperialisten, also kein grün-sozialistisches Kalifat geben, ist gut beraten sich mit der Geschichte der Region seit 1881 zu befassen. Seitdem die ersten jüdischen Flüchtlinge nach den Pogromen in Russland 1881 im osmanischen Imperium (Kalifat mit Sitz in Istanbul) aufgenommen wurden, werden Juden als missliebige Störenfriede und Fremdkörper in der Region behandelt. Ob als mögliche russische Spione nach 1881 oder als nicht zu trauenden Verbündeten der imperialen Mächte Deutschland, Frankreich oder England (nach 1918); ob als atheistisch-sozialistische Bedrohung des muslimisch-arabischen Nationalismus (nach 1948) oder heute als Verbündete des westlichen Kapitalismus und der USA - die Juden Palästinas wurden von den imperial gesonnenen, muslimischen und arabischen Eliten gerne als Agenten des Imperialismus dargestellt. Der Hass auf Juden vereint auch jene, die jeder Zeit und anderen Orts bereit sind sich gegenseitig den Garaus (Jemen, Syrien, Irak, Pakistan) zu machen. Dass Juden aus Russland und Europa sowie aus den muslimischen und arabischen Ländern des Nahen Osten geflüchtet sind, weil ihnen die dortigen Imperien schlimmste Gewalt antaten, wurde und wird nicht gesehen. Damals wie heute dominiert ein von Enttäuschung über das verlorene Weltreich geprägter Blick. Besonders bitter war es für die arabischen und muslimischen Eliten anzuerkennen, dass die eigene, imperiale Religion das größte Hindernis für den Erhalt der Großmacht war. Spätestens Ende des 19. Jahrhunderts war dem Kalifen und allen klar, dass das osmanische Reich chancenlos gegen die geistigen und technischen Entwicklungen des Westens war. Die muslimische Welt hat es über Jahrhunderte verpasst eine eigene Zivilisation aufzubauen und wurde daher Stück für Stück von den europäischen Imperien übernommen. Die Enttäuschung der imperialen Träume führt bis heute zum Vorwurf mangelnder, inner-arabischer oder inner-muslimischer Solidarität. Der geistige Vater und Namensgeber der Brigaden und Raketen der Hamas, <em>Izz ad-Din al-Qassam</em>, ist die Verkörperung dieser verbitterten und gewalttätigen Tradition. Aus dieser Gefühlslage ist zu verstehen, warum die Hamas (= arabischer Widerstand) weder das Wort Palästina im Namen trägt noch besonders am Schicksal des palästinensischen Volkes interessiert ist. Jede Gewalttat gegen Juden wird mit der Begleitmusik der enttäuschten Bruderschaft untermalt: dem Aufruf an die muslimischen und arabischen Eliten sich endlich dem Aufstand (Intifada) anzuschließen. Seit einige arabische Staaten die Zwangssolidarität mit Palästinenser-Organisationen (von Fatah über Hamas bis islamischer Jihad) aufgegeben und die „Abraham Accords“ unterzeichnet haben, wurde das Ende dieser Periode eingeläutet. Die Palästinenser-Organisationen haben sich auf Geiselnahme spezialisiert, aber ausgerechnet die eigenen arabischen Brüder wollen nicht länger Geiseln der politischen Inkompetenz oder selbstzerstörerischen Politik der PLO und Hamas sein; sie wollen sich ihre eigenen Ambitionen und Visionen für eine aufstrebende Region nicht länger von Teheran oder vom Terror der PLO zerstören lassen. Daher richten sich heute die Aufrufe der sunnitischen Hamas vor allem an die schiitischen Erzfeinde. Wenn eine sunnitische Terrororganisation sich von einem schiitischen Staat finanzieren und führen lässt ist das entweder eine brenzlig-instabile Bruderschaft unter Erzfeinden oder aber der verzweifelte Versuch sich an die eigenen Henker zu verkaufen. Für jene Palästinenser, die ein Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand wollen, ist diese Allianz ein trauriger Beweis, auf welchen Abwegen sich ihr Traum von einem eigenen Staat heute befindet. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die einzige Hoffnung liegt derzeit im erklärten Willen vieler Bewohner der Region, eine bessere Zukunft auf der Basis der gemeinsamen Kindschaft zu gestalten: Wir sind alle Kinder von Abraham, Sarah und Hagar. Für die Realisierung dieser Hoffnung werden sich die regionalen Akteure auf die Erfahrungen der israelischen Gesellschaft stützen, trotz extremer Gegensätze ein gewaltfreies und freudiges Miteinander demokratisch gestalten zu können: mit National- und Gemeinschaftsgefühl, in Nachbarschaft und Freundschaft, mit riesigen Familien und vielen Kindern. Jerusalem ist der Ort an dem die Kinder in Zukunft gemeinsam spielen werden, während ihre Eltern sich mit hitzigen Argumenten die Köpfe heiß reden. Alle wollen nach Jerusalem, ich auch.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7"><strong>Karoly Oppenauer</strong> lebt mit Familie in Deutschland und würde lieber in Jerusalem leben.</span></p>
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		<title>Propheten, Könige, Richter</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Mar 2024 17:53:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaftsverdichtung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Gebäude des Obersten Gerichts in Jerusalem und die Hintergründe der Justizreform in Israel In den letzten Jahren gab es intensive, öffentliche Diskussionen in Israel um die Gesetzesvorschläge der Regierungskoalition zur Reform der Justiz und des Obersten Gerichtshofs. In den... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/03/propheten-koenige-richter/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Gebäude des Obersten Gerichts in Jerusalem und die Hintergründe der Justizreform in Israel</span></h3>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In den letzten Jahren gab es intensive, öffentliche Diskussionen in Israel um die Gesetzesvorschläge der Regierungskoalition zur Reform der Justiz und des Obersten Gerichtshofs. In den Monaten vor den Massakern am 7. Oktober 2023 fanden regelmäßig Proteste und Demonstrationen statt. Selbst Reservisten der Armee drohten damit, den regelmäßigen Wehrdienst zu verweigern. Da die israelische Armee das Symbol der Einheit des Landes und der Festigkeit des Lebenswillens ist, war dies ein ernst zunehmendes Zeichen dafür, dass die Heftigkeit der Auseinandersetzung selbst für israelische Verhältnisse ungewöhnlich war. Während nun in Israel die Gründe für die Reform breit diskutiert werden, kam bei deutschen Politikern und Medien fast nur der Protest an. Die jetzige Justiz-Reform ist vor dem Hintergrund der Justiz-Revolution in den 70er bis 90er Jahren zu verstehen. Die heutigen Reformen sind eine direkte Reaktion auf die Auswirkungen dieser Revolution. Vor allem geht es um die Zuständigkeit und Machtfülle des Obersten Gerichts in einem Land, das große Erwartungen an die Justiz, aber keine Verfassung hat. Die Erwartungen an die Justiz sind auch geprägt von der jüdischen Tradition der Gerechtigkeit, den gerechten Propheten und der salomonischen Weisheit der Richterkönige. Das kommt auch im Gebäude des Obersten Gerichts zum Ausdruck.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Von der Revolution zur Reform</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die konstitutionelle Revolution damals wurde von der Richterschaft voran getrieben, während die Reformvorschläge heute von einer breiten Koalition der Bürger Israels und der gewählten Regierung initiiert und getragen werden. Eine wichtige Triebkraft der Revolution war der damalige oberste Richter <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Aharon_Barak" target="_blank" rel="noopener">Aharon Barak</a>. Dem stehen heute mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen gegenüber, die über Jahre für diese Reform gekämpft haben; allen voran, das von Moshe Koppel gegründete</span><span class="tm8"><a href="https://en.kohelet.org.il/author/prof-moshe-koppel" target="_blank" rel="noopener"> Kohelet Policy Forum</a></span><span class="tm8">.</span><span class="tm6"> Hier soll vor allem auf drei zentrale Reformvorhaben eingegangen werden:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">1. Die Ernennung und Anzahl der Richter des Obersten Gerichts soll neu geregelt werden. Eine Sperrminorität amtierender Oberster Richter im Auswahlgremium neuer Richter soll es nicht mehr geben.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">2. Die Gewaltentrennung wird gestärkt, indem die Zuständigkeit des Obersten Gerichts definiert und die Machtfülle der dritten Gewalt begrenzt wird. Eine Klausel, die es bisher dem Obersten Gericht erlaubt hat, Verordnungen und Gesetze aufgrund ihrer „Unvernünftigkeit“ abzulehnen, wird abgeschafft.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">3. Das Parlament bekommt die Möglichkeit, seine Gesetzesvorlagen trotz der Ablehnung des Obersten Gerichts durchzusetzen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die ersten beiden Reformen ergeben sich aus dem Prinzip der Trennung der Gewalten (separation of powers) und der Balance der Mächte im Staat (checks and balances). Eine Rekrutierung der obersten Richter aus den eigenen Reihen gibt es in demokratischen Ländern nicht. Dies würde, wie in Israel zu sehen ist, die Richterschaft der demokratischen Kontrolle entziehen und dem Willen des Souveräns (des Volkes) entfremden. Die „Unvernünftigkeits“-Klausel (unreasonable clause) ist das Einfallstor für richterliche Willkür und widerspricht der demokratischen Legitimierung und Kontrolle der dritten Gewalt. Nur die Überstimmungs-Klausel (override clause) kann als strittig gelten, da sie dem Parlament mehr Macht gibt als in manchen Demokratien sonst üblich. Sie ist die Antwort darauf, dass eine sehr kleine Gruppe von nicht-gewählten Richtern die gewählte Volksvertretung (Knesset) in den letzten Jahren allzu oft überstimmt hat. Die Kritik an dieser Reform ist nachvollziehbar. Die Klausel selbst ist die Antwort auf die Gerichtspraxis der letzten 50 Jahre.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Rendezvous mit israelischen Realitäten</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Hintergrund der Justizreform erschließt sich erst nach einem Rendezvous mit der Wirklichkeit in Israel. Wer mit den gegenwärtigen Obsessionen der deutschen Öffentlichkeit an die Sache herangeht, wird bei der Justizreform die gleichen Gespenster sehen, die im eigenen Land umhergeistern. In Israel gibt es seit Jahren eine Bedrohung der Demokratie „von Rechts wegen“ und nicht von Rechts. Da das Land keine Verfassung besitzt, in der die Trennung der Gewalten festgelegt ist, haben sich die Zuständigkeiten der Gerichte aus der Praxis entwickelt. So entstand nach der Staatsgründung eine richterliche Machtfülle und einseitige Dominanz einer kleinen Gruppe säkularer, linker und aschkenasischer Juristen und Richter. Dies entspricht weder den Anforderungen des modernen Israel noch seiner kulturellen Mischung. In der Reformbewegung kommt das farbige, bunte und gemischte Israel zu Wort, dem wir auch auf den Straßen und in den </span><span class="tm6">Cafés</span><span class="tm6"> begegnen. Es finden sich Einwanderer aus Äthiopien, Kinder von jemenitischen und irakischen Juden an prominenter Stelle. Insgesamt sind sephardische Juden (aus dem Mittelmeerraum) stark repräsentiert, während bei den Gegnern der Reformen, der immer kleiner werdende Teil aschkenasischer Juden (aus Mittel- und Osteuropa) dominiert. Das gilt auch für die gegenwärtige Besetzung des Obersten Gerichts. Beim Gruppenfoto finden wir neben einem Sohn irakischer Juden und dem Vertreter der arabischen Minderheit fast nur aschkenasische Mitglieder. Das ist auch an den Nachnamen abzulesen: <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Supreme_Court_of_Israel" target="_blank" rel="noopener">Vogelman, Sohlberg, Mintz, Barak, Willner, Stein, Steinitz, Grosskopf</a>. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die „konstitutionelle Revolution“ (Aharon Barak) hat einer kleinen „vernünftigen“ Minderheit ermöglicht, den Alltag der Israelis und die Arbeit des Parlaments und der Regierung zu beeinflussen. Eine Reform, die diese Entwicklung korrigiert, ist völlig nachvollziehbar und lange überfällig. In Israel ist die Frage der Gerechtigkeit und der Richterschaft aber nicht nur eine politische. Hier kommt auch Religion mit ins Spiel. Da ich mich mit dem Gebäude des Obersten Gerichts befasst habe, erlaube ich mir das Problem auf eine architektonische Frage zuzuspitzen: sollen wir der Gerechtigkeit oder der Vernunft einen Tempel bauen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Das Gebäude: Der Gerechtigkeit einen Tempel bauen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Als das Gebäude des obersten Gerichtshofs in Jerusalem 1992 in Betrieb genommen wurde, haben viele Israelis dieses bestaunt und sind in ihren Außen- wie Innenhöfen gewandelt. Es ist wunderschön <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_rEiCsMD44A" target="_blank" rel="noopener">anzusehen</a> und an heißen Sommertagen ein wohl-temperierter Ort, um Mittagspause zu machen. Damals war der Security-Check kurz und schmerzlos, die Atmosphäre und der dress code typisch israelisch leger und entspannt. Männer in kurzen Hosen und Sandalen schlenderten in - mit Tageslichteinfall - sanft beleuchteten Hallen und verschwanden in Sitzungssäalen, die aussahen wie eine Synagoge oder eine Kapelle. Letzteres war auch der Grund meiner langen Aufenthalte im Gebäude. Ich schrieb an einer religionswissenschaftlichen Arbeit über den Einfluss der prophetischen Tradition auf die Architektur von Gerichtsgebäuden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Gebäude ist mehr als ein Gerichtshof. Es ist säkular und sakral, sowohl irdischer Hof und himmlischer Garten. Wie bei sakralen Grundsteinlegungen üblich lag auch hier in der Wahl des Ortes eine zentrale Aussage über die erhoffte Bedeutung des Gebäudes. Während das alte Gebäude in der Altstadt lag und im Besitz der russisch-orthodoxen Kirche war, wurde der Neubau in bester Lage oberhalb der Knesset platziert. Die residierenden Richter und Richterinnen schauten nun auf das Parlament und die gewählten Volksvertreter herunter. Aus der Sicht der prophetischen Richtertradition ein genialer Schachzug. Für jene, die mit viel Begeisterung die Rolle der Gerechten in der Geschichte Israels studieren, war die Wahl ideal. Über dem Urteil der Menschen über Menschen steht noch die Selbstbegrenzung durch den Vertrag am Sinai und das dort geschlossene Bündnis mit Gott. Es ist als wäre Gott selbst Anwalt und oberster Richter geworden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Lage des Gebäudes passte genau in dieses Bild. Die Wahl des Ortes war auch ein erstes Warnsignal, ein Hinweis auf zukünftige Konflikte. Das Israel Anfang der 90er Jahre war aber noch ganz anders als heute. Es war mehr oder weniger immer noch ein Ein-Parteien-Staat. Die Arbeiterpartei hatte über 40 Jahre nahezu alle wichtigen Positionen in der Armee und in den zivilen Institutionen besetzt. Die Justiz-Revolution der Richterschaft hatte kaum öffentliche Diskussionen ausgelöst. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Akzeptanz für höchstrichterliche Machtüberschreitung hat wahrscheinlich auch religiöse Wurzeln. In der jüdischen Geschichte kommt die Verschmelzung von Richter- und Königsamt immer wieder vor. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich König Salomon, der königliche Macht und gerechten Richterspruch unter dem Schirm der Weisheit und Güte - also nicht der Vernunft oder der Verfassung - vereinte. Zudem spielen in der Geschichte der Israelis die Propheten eine wichtige Rolle. Sie sind ein Lehrstück in Sachen Kritik der Macht und der Regierung im Namen der Gerechtigkeit; sie bieten aber auch Stoff, um über die Versuchungen des Machtmissbrauchs bei selbsternannten, gerechten Richtern nachzudenken. Mancher Prophet konnte der Versuchung nicht widerstehen, die gerechte Strafe Gottes selbst in die Hand zu nehmen. Der Feldzug Joshuas gegen die Kanaaniter ist hier das offenkundigste Beispiel. Auch jene, die nicht biblisch gebildet sind, kennen das Problem aus Star Wars, als Anakin - aus Wut über die Ermordung der eigenen Mutter - seine Jedi-Kräfte zum Massaker an Frauen und Kindern verwendet. Diese dunkle Seite der Macht wird in einer Demokratie nicht dem Gutdünken oder Gutwollen einzelner überlassen. Nicht alle haben den Charakter des Propheten Jona, der ein schönes Beispiel für den Typus eines widerwilligen Propheten, hergibt. Jona läuft vor seiner Berufung weg. Er versteckt sich im Walbauch, um dann doch ungeduldig unter seinem von Gottes Wurm verdorrten Rizinusbaum darauf zu warten, dass Gott (endlich!) die verdorbene Stadt Ninive dem Erdboden gleich macht. In vielen diplomatischen Gesprächen ist es am Ende der Erzählung dann Gott, der Jona dazu überredet, Gnade vor Recht walten zu lassen. Die Jona-Geschichte gibt Anlass für die hoffnungsvolle Phantasie einer Idealbesetzung im obersten Gericht: Widerwillige Richter, die kein Bedürfnis haben, die Bestrafung des Volkes zu ihrer Berufung zu machen; ein göttliches Gesetz, das die Richter mahnt, gnädiger zu sein als sie es eigentlich wollen. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Verschmelzung der jüdischen Gerechtigkeitstradition mit den verträumten Illusionen einer Vernunftreligion kennen wir spätestens seit der französischen Revolution. In dieser Verschmelzung wird der Tempel der Gerechtigkeit als Tempel der Vernunft gebaut - die Herrschaft der Vernünftigen ist der Albtraum jeder Republik. Nicht nur In Israel können die Tagträumereien der Richter und Politiker schnell zu Desastern und Massakern führen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Der Tempel der Vernunft ist eingestürzt</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Teile der israelischen Linken praktizieren diese Vernunftreligion heute immer noch. In den ersten 50 Jahren des Staates war dies kaum der Diskussion wert. Das änderte sich erst, als die letzten Hoffnungen auf einen gerechten und vernünftigen Frieden zerbrachen. Vernünftig ist ein Frieden, der Sicherheit im Alltag der Bürger Israels ermöglicht und Anerkennung des Staates durch seine Nachbarn beinhaltet. Nach dem letzten Aufbäumen der Zwei-Staaten-Lösung (Camp David 2000) begann der Tempel der Vernunft einzustürzen. Heute ist davon kaum noch etwas übrig. Ein Frieden ohne einen Vertrag, prophetische Gerechtigkeit ohne eine Armee - das war der Abzug aus Gaza 2005, und die Invasion aus Gaza am 7. Oktober 2023. Die damit verbundenen Hoffnungen und Träume liegen in blutigen Scherben.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Thema, das damals wie heute die palästinensische Führung kompromiss-ohnmächtig macht, ist hausgemacht und hat wiederum mit dem Problem von Recht und Gerechtigkeit zu tun. Solange das Rückkehrrecht der Kindes-Kinder der 1948 Geflohenen nicht verhandelbar ist, bleibt die Gerechtigkeitsforderung jeder Gesamtlösung auf der Strecke. Ein „Recht“ auf Rückkehr wird es niemals geben und wer dieses zur heiligen Kuh gemacht hat, trägt die Mitverantwortung dafür, dass bisher jede Gelegenheit eines gerechten Friedens - der Rückkehrmöglichkeiten im Kleinen einschließen könnte - torpediert wurde. Der Mangel an salomonischer Weisheit der anderen Seite lies jede Hoffnung auf einen Verhandlungsfrieden kollabieren. Seither hat sich Israel radikal verändert; radikaler ist es aber nicht geworden, nur realistischer. Die Justizreform ist ein Teil des israelischen Realismus und Lebenswillens. Diese drückt sich nicht nur in der breiten Koalition hinter der Reformbewegung aus. Israel ist das Land mit einer der höchsten Geburtenraten in der westlichen Welt: 3 Kinder/Frau gegenüber 1,5/Frau in Deutschland. Das liegt nicht nur an den kinderliebenden Religiösen, sondern auch an einer dem Leben zugewandten Stimmung im Land. Möglicherweise hat das Oberste Gericht den Anschluss verpasst. Auch das wäre hausgemacht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Heroische Selbstbegrenzung und ein Engel in der Tagesschau</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In der „konstitutionelle Revolution“ (Aharon Barak) führte das Oberste Gericht ein Schwert, das immer schneidet, die juristisch nicht definierten Kategorien der „Unvernünftigkeit einer Verordnung der Regierung oder gar eines Gesetzes des Parlaments. </span><span class="tm9">Vernünftigkeit liegt normalerweise in der Zuständigkeit der Philosophen, der Mathematik oder Dogmatik. Im politischen Leben hat der Rückgriff auf Vernunft immer nur eines gebracht: Willkür. Die US-Verfassung ist in hohem Maße unvernünftig, da sie die Meinungsfreiheit als höchstes Gut und Voraussetzung der Demokratie schützt. Für das „we the people“, die sich aus freien Stücken eine Regierungsform geben, gibt es keine vernünftige Erklärung. Dass eine kleine Gruppe von Richtern entscheidet, was für 10 Millionen Bürger im Staate Israel vernünftig sein soll, ist für viele</span><span class="tm6"> Israelis der Skandal. Dieser wurde möglich, weil das </span><span class="tm9">Oberste Gericht seine Zuständigkeit selbst definieren </span><span class="tm6">darf und ständig ausgeweitet hat. Das Baraks’sche Diktat „everything is justiciable“ (alles ist justiziabel) hat alle Versuche der Begrenzung höchstrichterlicher Machtfülle unterlaufen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In der Gewaltentrennung erfolgt die Beschränkung der Judikative durch die Einschränkung der Zuständigkeit und im Falle des Obersten Gerichts durch den Rechtsweg, der vorschreibt, wann es aktiv werden darf. So muss das deutsche und amerikanische Verfassungsgericht angerufen werden; es wird nicht von selbst aktiv. Diese Notwendigkeit einer Anrufung wurde in der revolutionären Entgrenzung ausgehebelt. Das Oberste Gericht in Israel kann nicht nur selbst entscheiden, was justiziabel ist, es kann sich auch ohne Anrufung selbst Fälle kreieren. Damit ist jede Vorkehrung gegen höchstrichterlichen Aktivismus obsolet. Das ist in den letzten Monaten überdeutlich geworden, als das Oberste Gericht die Gültigkeit von Gesetzen prüfte, die seine eigene Macht begrenzen sollen. In jedem normalen Verfahren würden sich Richter für befangen erklären, wenn der verhandelte Gegenstand sie selbst betreffen könnte. Die bizarre Entscheidung des Obersten Gerichts, seine eigene Macht nicht zu beschränken wurde in den deutschen Medien als Sieg der Demokratie gefeiert. Es lässt einen sprachlos und nur noch auf Wunder hoffen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es braucht Größe, sich drastische Vergleiche zu verkneifen. Aber nur die Vorstellung, ein Richter darf über die Enteignung seines eigenen Hauses entscheiden, macht schon deutlich, welche heroische Taten wir von israelischen Richtern erwarten. Wir könnten das - um viel schlimmere Vergleiche zu unterdrücken - mit den Abgeordneten des Bundestages vergleichen. Das sind unsere einzigen Helden, denen wir zutrauen, mit Sinn und Verstand über die Frage „Diät oder Fastenzeit“ abzustimmen. Die Ergebnisse sind bekannt. Religionswissenschaftlich würden sich hier ganz neue Fragen ergeben. Wir müssten dann den zivilisatorischen Mut griechischer Heroen mit der Gerechtigkeitskraft hebräischer Propheten vergleichen. Was repräsentiert dann die jetzige Richterschaft in Israel? Stehen sie für den Heldenmut der Selbstbegrenzung oder die Selbstgerechtigkeit königlicher Richteranmaßung? Eines scheint aber gewiss zu sein: sie stehen nicht mehr für die komplexe Geschichte und Gegenwart Israels. Bei komplexen und realistischen Lösungen der drängenden Fragen steht die oberste Richterschaft im Wege. Sie hatten ihre Chance und haben sich gerade in der Auseinandersetzung über ihre eigene Machtfülle als unfähig erwiesen, Realitäten anzuerkennen. In Zukunft ist es die Aufgabe der Politik, die Einheit der israelischen Gesellschaft zu wahren und schmerzliche Kompromisse möglich zu machen. Die jetzigen Vorschläge zur Justizreform sind Ausdruck der gegenwärtigen Stärke der israelischen Demokratie. Ihre Kritik in der deutschen Öffentlichkeit geht am Thema vorbei. Wahrscheinlich ist Israel (mal wieder) nur Projektionsfläche für deutsche Sehnsüchte. Das ist schade, denn die dortige Debatte über das oberste Gericht und die Reform der Justiz, könnte uns inspirieren. Anstatt Freunde und Verbündete mitten im Krieg als „Rechtsradikale“ (Hanna Resch, ARD-Korrespondentin in Tel-Aviv) zu kritisieren, könnten wir von Israel lernen. Das hat womöglich auch Frau Resch in der Tagesschau am 1.1.2024 gespürt, der mitten im vorgefertigten Satz abkanzelnder Kritik ein Engel oder Blackout ins Schwert viel. Es gibt sie noch, die Propheten in Israel. Ganz ohne Häme über ihr Missgeschick, wäre der deutschen Medienlandschaft und Politik genau das zu wünschen, was Frau Resch dann vor laufender Kamera versuchte: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0jxtsq4gSMI" target="_blank" rel="noopener">inne zu halten und sich zu sammeln</a>.</span></p>
<p>Der Text ist ursprünglich auf der <a href="https://www.achgut.com/artikel/propheten_koenige_und_richter_in_jerusalem" target="_blank" rel="noopener">Achse des Guten</a> erschienen.</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/03/propheten-koenige-richter/">Propheten, Könige, Richter</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Der Tag als Helene F. starb</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/der-tag-als-helene-f-starb/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Feb 2024 15:27:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Menschenfischerin in der Welt von Gestern und Heute 19. Februar 1972, das war der Tag als bei uns endlich der Fernsehapparat ins Wohnzimmer kam. Für uns Kinder ein aufregender Tag, über den wir immer noch gerne sprechen. Bisher gingen... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/der-tag-als-helene-f-starb/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/der-tag-als-helene-f-starb/">Der Tag als Helene F. starb</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4 class="Normal tm5"><span class="tm7">Eine Menschenfischerin in der Welt von Gestern und Heute</span></h4>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">19. Februar 1972, das war der Tag als bei uns endlich der Fernsehapparat ins Wohnzimmer kam. Für uns Kinder ein aufregender Tag, über den wir immer noch gerne sprechen. Bisher gingen wir nach der Kehrwoche ins Dorflokal. Nun saßen alle um 18 Uhr bei der Sportschau zu Haus. Oma und Opa, meine Eltern, alle Geschwister und die Nachbarskinder, die noch keinen Apparat zu Hause hatten. Auch jene, die sich nicht für Fußball interessierten, harrten aus bis zum Kanalwechsel. Dann, um „18.45 und 16 Sekunden“ legte Schnellsprech Dieter Thomas Heck los.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das war ein wunderbarer Tag, der Tag an dem Conny Kramer starb. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OD8-q-Zey7Q" target="_blank" rel="noopener">Juliane</a> war zu Gast bei uns</span><span class="tm6">. Sie konnte damals auf den Punkt bringen, was heute eine wie Helene kann: kein einig Volk, aber eine verbindende Volksmusik; keine Verfassung, aber ein Gesetz mit Grund und Recht. Liebe Leserinnen und Leser, fragen Sie sich, wie ich mich: Wer spielt heute eine Musik, die verbindet das zerrissene Volk, das in miserabler Verfassung und kaum noch Grund für sein Recht? Ein einig Volk im ständigen Kampf mit sich.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Als ich, 45 Jahre später, das erste Mal bei Helene Fischer war, spürte ich deutlich: Egal welchen Alters und Geschlechts; egal welcher sozialen, farblichen oder politischen Kalamitäten und Pubertäten - alle waren verbunden im Herzen als sie auf uns zeigte und sang: „Du, Du, Du!“…und ich war sicher, sie meinte mich. Ihre Nichte stand nicht weit von mir und als Tante Helene ihr vor 10.000 zum Geburtstag gratulierte, waren wir eine große Familie. Sie wenden ein: Schau doch in ihr Gesicht, fehlt nicht der fröhlichen Helene, der Tiefgang, der bei der schwermütigen Juliane besticht. Die Helene ist zart, ihre russische „Jelena“ trägt das verletzbare Reh in sich. Warum ist sie so hart zu sich? An jenem Abend in Zürich, es konnte jeder sehen, waren ihre Augen - beide, das rechte wie das linke - entzündet und voller Tränen. Den beiden Damen ist aber eines gewiss und gemein, das Talent eine Menschen-Fischerin zu sein. Das ist höchste Christen-Kunst, seit Simon dem Petrus, der auch ein Fischer war. Er sollte Menschen vor der Verderbnis und aus der Seelennot für den rechten Glauben retten. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie sehr sich die „<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_von_Gestern" target="_blank" rel="noopener">Welt von Gestern</a>“ doch geändert hat! Menschenfischerei wird heute professionell und von Staats wegen betrieben: in Schiffen, die sich „Seebrücken“ nennen, und mit Lust die Brücken zwischen den Menschen brechen, wenn diese bei ihrem ruhmvollen Feldzug mitmachen wollen. Ruhm und Ehre bei der Auflösung des Mutter- und Vaterlands; Bundesverdienstorden für den Kampf gegen die menschliche Bedürfnis- und Bündnisnatur. Am Ende kommt nur einer gut dabei weg, der allmächtige, seelen- und gottlose Staat. Der gute Staat ist lieblich, sorgt für ein Leben ohne Sorgen und Leiden. Im Auftrag der internationalen Elendsverwaltung auch dafür, dass weder leidliche Freiheit und selbst gemachtes Glück uns weiter belasten. Dir schmeckt das nicht? Geh doch rüber und beug dich runter! Seit der französischen Revolution steht die Guillotine für dich bereit. Ist unsere Generation noch zum Leiden bereit? Wie Petrus, der ein Fels war, dem Leiden seines Herrn am Kreuz zusah. Ein Leiden, dass zur Erlösung führt? Muss staats-tragend sein, sonst wird es archiviert. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Leiden der Juliane an Conny’s Tod ergab sich drei Tage nach Aschermittwoch. Da wird die Fasnacht zur Fastenzeit in Erinnerungen das Leiden des Jesu zum Christus, zur Erlösung der Menschenseele vor Selbstüberhöhung und Selbstzerstörung. Heute fasten wir politisch korrigiert, aus Selbstmitleid und zur Erlösung von klimakterischen und selbst-gemachten politischen Pubsitäten. Dazu versammeln sich die Jünger und Jüngerinnen, die verwöhnten Stein-Meier-Brücks, an der Alster*innen, Alster*außen, und den Landungsbrücken. Oh weh, wen sehe ich da? Ach ja, sie wohnt ja um die Ecke. Um Gottes Willen, was macht denn die Helene da an der Wasserfront bei Volksfrontmucke? Der Anti-Anti-Faschist und Anti-Anti-Antisemit mit Residenz im Schloss hat zum Appell gerufen. Wie kam der Ruf bei Helene an? Wurde sie, gerade bedenken- und atemlos in ihrem Treppenhaus, überrumpelt? Bei dieser Vorstellung wird mir ganz plümerant und bleibt die Spucke weg. Ist das die Welt von Heute, in der die Volksmusik gemeine Sache macht mit der staatlichen Übermacht? Erinnert sich noch irgendwer an die singende Revolution der Esten über dem östlichen Meer? Die sangen sich 1988 aus der Knechtschaft, ein Meer von Fahnen, Trachten und Volkesstimmen. Melde sich bei mir, wer bei den Worten des Roman Toi nicht Rotz und Wasser heult: „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=aCDsPbUORtc" target="_blank" rel="noopener">Please dear Lord, Help us to Keep Our Country and Our Language</a>“.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gemeinsam steht der Chor der Selbstgerechten auf, wir bleiben wie damals sitzen. Der Samstag war ein schöner Tag, die Glocken klangen, Weltoffenheit war selbstverständlich und freudige Pflicht. Was hätten wir wohl damals getan, hätte uns der Apparat so zerschlissen, mit Sockenschuss und Muckenschiss beschmissen. Das ist Schwäbisch und soll heißen: Samstag abend ist Hitparade und wir stehen nicht auf, weil wir die ganze Woche standen und brauchen weder Kleingeister noch rote Socken, um zu wissen auf welcher Polit-Party wir tanzen; von unseren Sternchen wollen wir große und reife Gefühle, billige Erklärungen im Stern jucken uns nicht. Sonst geht es Helene wie Manuel dem Erneuerer, Bindenträger und Rädelsführer von nationaler Tragweite. Wer mitten im Spiel das Team wechselt findet sich nicht zurecht. Er schießt ein Eigentor - nanu, das Lob der Südkurve bleibt aus. Bald tauscht er die Last der Spielführerschaft gegen die Freuden der Vaterschaft. Das wird seine wichtigste Champions League, hier zeigt sich ob wirklich ein Mann in ihm steckt. Es ist das Kind, das den Mann schafft; das Endspiel findet ständig und zu Hause statt. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In der Welt von Gestern gehört der Realitäts-Check zum Pflichtprogramm. Den Kickern und Interpreten folgten auf dem Fuße das Ticken der Uhr und der Ding-Dong-Ruf zur Tagesschau. Manche Kinder gingen, ich blieb sitzen. Die Aufregung stieg, auch bei den Erwachsenen, wenn es um den Volkssport jener Tage - das linksradikale Attentat - ging. Flugzeugentführung (Kairo), Absturz wegen Bombenexplosion an Bord (Schweiz), Geiselnahme (aller Orten), Judenselektion (Entebbe), Hinrichtung (Mogadischu) - klingt schlimm nicht wahr, war damals halt so. Helene noch nicht einmal geboren, der Walter noch klein und nicht Frank genug, das Geschick der Nation zu bestimmen. Erst langsam stimmte sich die Nation ein auf die Interpretation der Explosion und Exekution: Freiheitskampf und hilfloser Schrei nach Liebe und Gerechtigkeit. Damals war Walter noch toleranter und schrieb für eine sozialistische Postille. Heute geht er allen auf den Zeiger mit dem „<a href="https://www.dw.com/de/blutiger-anschlag-auf-synagoge-in-jerusalem/a-18070539" target="_blank" rel="noopener">Weckruf</a>“ den er bei massakrierten Juden vernimmt. Er springt im Kreis und mahnt - das kann er besonders gut - um die Spirale der Gewalt zu beenden. Hat der Mann denn keinen, der ihn wecken kann, ohne ein Blutbad anzurichten? Vielleicht sollte er - ganz ohne Gewalt - die schwindel-erregende Spirale seiner Amtszeit beenden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Heute sind die Mahner so seltsam erbarmungslos. Auch wenn sie selbst nicht Gnade walten lassen, wir gönnen ihnen einen gnädigen Abgang, ich schwöre, bei Gott dem Barmherzigen. Dieser hatte damals im September eine schwache Stunde, wir waren hautnah dabei. Die Stürmer des palästinensischen Teams fegten das israelische vom Platz, Kalaschnikow and more. Diesen feigen Sieg der Volksfront über die olympische Volksmusik besangen deutsche Barden damals noch auf kleinen Bühnen in jordanischen Flüchtlingslagern. Bald aber erklang das geile Triumphgejohle auf den Berliner Straßen und den großen Tribünen der Welt: Siebter Oktober, ich höre den Ruf deiner Trompeten schon.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine andere fotogene Juliane jener Tage hieß Plambeck, hatte viel Ärger im Gesicht. Sie starb bei der Flucht aus dem Knast. Ihr Leben endete tragisch, ein Vorbild für ihre ganze Klasse: das gestohlene Fluchtauto, ein weinroter Volkswagen, gerät auf die linke Fahrbahn und stößt mit einem Laster zusammen, der Kies und Asche für die arbeitende Klasse bringt. Während dessen bereitet sich Julianes P’s Arbeitskolleginnen im palästinensischen Lager auf den Gegenangriff vor. Wir waren wieder am Apparat als die Wein- und Olivenleser ihre Judenauslese nach Afrika exportierten. Das sind alte Geschichten, kaum jemand erinnert sich noch, wäre nicht kürzlich der besagte Walter so frank und frei gewesen, die Gudrun von damals mit höchsten Lorbeeren zu schmücken. Er befand, sie gehöre ins Alphabet der Heldinnen der Nation: E wie Ensslin kommt vor F wie Fischer. Steht Helene schon auf Frank-Walters Liste? Findet sich die Menschenfischerin dort denn wieder - in der Mitte, zwischen Antifa, Ensslin und der seelenlosen Seebrücke?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ich bedauere sehr, was dieser Tage mit Helene geschah. Es steht zu befürchten, dass sie bald einen Platz auf Walters Liste - für Verdienste beim Kriechen zum falschen Kreuze - angeboten bekommt. Mein Gott, wer hat sie nur verraten, an die Sozialdemokraten? Schaut sie denn nicht hin, wen sie sich zur Wahlverwandtschaft nimmt? Goethe sollte sie lesen, der ist eine Sternschnuppe unserer Geschichte. Statt dessen zu publizieren im schwarzen Loch abstürzender Kometen, was glaubt sie denn was ihr Publikum liest und liebet. Die Charlotte bei Goethe hat es ja schon gesagt: </span><span class="tm7">„Das Bewusstsein, mein Liebster… ist keine hinlängliche Waffe, ja manchmal eine gefährliche für den, der sie führt“.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Liebe Helene, dein Sterntalertag war ein Waffengang, der Tag an dem wieder ein Stück meiner heilen Welt zerbrach. Mal sehen was aus dem Scherbenhaufen wird. Urteilen möchte ich nicht, nur gerne fragen dich: weißt du noch, in welche Gesellschaft du dich begibst. Wer sind deine Berater? Sich gegen die Fankurve zu stellen, im Ton einer Gouvernante, sorry liebe Tante, das gehört sich nicht. Hoffentlich findest du dein Glück bei ganz anderen Mächten: der heilsamen Kraft der Kinder und dem Glauben an den Barmherzigen. Wenn ich wünschen dürfte, das Schicksal der Charlotte wünsche ich dir nicht. Das Ende war absehbar, es kam wie es kommen musste. Ihre Tochter wurde das Opfer ihrer eigenen Machenschaft und Wahlverwandtschaften. Ich wünschte du bleibst deiner Sache treu, der Menschenfischerei.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
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		<title>Buchstabensalat und Gedenkenverwirrung: AFD oder ADF?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Jan 2024 16:39:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Rede als Bundespräsident zum nationalen Gedenktag am 27. Januar 2024 Meine Damen und Herren, als ich gestern meinen pubertierenden Sohn zur Schule wecken wollte stammelte er nur „ich habe AFD“. Ich dachte ihn hätte das (politische) Fieber gepackt. Schon... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/01/buchstabensalat-und-gedenkenverwirrung-afd-oder-adf/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Meine Rede als Bundespräsident zum nationalen Gedenktag am 27. Januar 2024</p>
<p>Meine Damen und Herren, als ich gestern meinen pubertierenden Sohn zur Schule wecken wollte stammelte er nur „ich habe AFD“. Ich dachte ihn hätte das (politische) Fieber gepackt. Schon wollte ich Temperatur messen, als sich herausstellte ich selbst habe Buchstabensalat, also jene weit verbreitete Krankheit mit katastrophalen Folgen, bei der im akuten Zustand niemand mehr weiss, was er-sie-es hört, wer noch mit-hört oder schon längst hin-und-weg de-und-a-portiert gehört.</p>
<p>Tatsächlich meinte mein Sohn „ADF“. Sie wissen nicht was ADF ist? Ich wusste es auch nicht und lag mit all meinen spontanen Assoziationen daneben. Es ist - Gott bewahre - keine kreative Umformulierung der „Arbeit für Dumme“ (AFD). Mein Sohn ist - wie wir alle heutzutage - ein guter Schüler und würde nie billige Witze über die AFD oder ähnliches machen. Ausserdem ist er klug genug, um zu wissen, dass bei akutem Buchstabensalat, solche Späße zur Verschlimmbesserung führen.</p>
<p>Was meinte er denn nun mit ADF? Es ist so langweilig wie verwirrend: „Arbeitsauftrag durch Fachlehrer“. Falls Sie nun denken das hat mit Arbeit und Fachkraft zu tun, irren Sie sich gewaltig. Es ist das krasseste Gegenteil. Die Schulstunde fällt aus und der Fachlehrer ist weder vom Fach noch bei der Arbeit. Das ist die wahre Alternative für Deutschland (wAFD): ein kränklicher Fachlehrer ohne Fachkenntnisse gibt den Ausfall in Auftrag. Kommt Ihnen das nicht aus der Fachliteratur bekannt vor? Richtig, das ist der HBK, die gefährliche Dekompensationsstufe des Buchstabensalats; benannt nach einem deutschen Oberlehrer und Superministrant.</p>
<p>Wenn Sie wüssten welchen grandiosen Auftrag die Lehrer vom Fach in Arbeit geben, wären Sie vielleicht genauso freudig erregt wie ich, insbesondere in dieser Woche, in der wir es wieder einmal von der Wannseekonferenz bis nach Auschwitz und zurück geschafft haben. Dieser Spurt und Spagat vom Wahnsinn nach Wahnwitz kommt nicht von ungefähr. Es kommt aus voller Seele und aus der Tiefe des historischen Bewusstseins. Da hat mein Sohn mehr Glück als er je Verstand haben können wird. Im Deutschunterricht hat er Geschichte, im Matheunterricht hat er Geschichte, im Physikunterricht hat er Geschichte. Selbst im Geschichtsunterricht hat er Geschichte. Und in Englisch schauen sie eine „Doku über Gaza“ weil die Klasse die Alternative aus Deutschland satt hat. Nämlich den Film über die „eklige“ (sagt mein Sohn) pädophile Geschichte über Erinnerungsausfall und Arbeitslager zum dritten Mal und nun auf English, zu sehen. Sie haben es erraten? Genau, der „Vorleser“ ist der Arbeitsauftrag der Fachlehrerkonferenz und führt unweigerlich zu erlesenem und historisch tiefer gelegten Verantwortungsbewusstsein. Was mein Sohn alles verantwortet zieht einem die Schuhe aus: den Genozid in Gaza, das Gas in Auschwitz, und noch das Gas das zum widerlichen Abdruck führt. Bitte fragen sie nicht welche Schuhgröße er hat. Zum Glück weiss er wo Auschwitz liegt - zwischen den Polen, die abschmelzen. Gaza kennt er wie seine Westentasche, die den permanenten Genozid an Döner und den täglichen Overkill an Türkentaschen (Dürüms) dokumentiert.</p>
<p>Doku ist sein Spezialgebiet und er wird sicher einmal Dokumentarfilmemacher werden und dabei&nbsp; gute Arbeit für Deutschland (gAFD) und zum Wohle des internationalen Völkersalats beitragen. Er ist ein gekonnter Beiträger und legt sich wieder schlafen. Ich&nbsp; hüte derweil die Schafe und singe für ihn „Happy Remembrance Day, scheiden tut weh, der Vater frisst das Schaf, die Mutter ist ein Albträumelein, Schaf Kindchen&nbsp; Schaf“. Ich wünsche Ihnen einen berührenden Gedenktag. Stolpern Sie nicht über Steine und vergessen Sie niemals ihren Sohn am 27. Januar 2024 zu wecken.</p>
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		<title>Bewerbung für das Amt des deutschen Botschafters in Israel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Dec 2023 06:03:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Bund]]></category>
		<category><![CDATA[Gastfreundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Gefährten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz, ich möchte mich hiermit für das Amt des deutschen Botschafters in Israel bewerben. Sie kennen mich noch! nicht; aber Sie kennen den Ort, an dem ich zur Zeit wohne: Hamburg-Rahlstedt. Soweit ich weiß sind Sie... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2023/12/bewerbung-deutscher-botschafter-israel/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,</p>
<p>ich möchte mich hiermit für das Amt des deutschen Botschafters in Israel bewerben. Sie kennen mich noch! nicht; aber Sie kennen den Ort, an dem ich zur Zeit wohne: Hamburg-Rahlstedt. Soweit ich weiß sind Sie hier zur Schule gegangen. Kürzlich habe ich jemanden getroffen, der mit Ihnen im Orchester gespielt hat. Ich wollte mit Ihnen jedoch nicht über die Vergangenheit sprechen, sondern über die Zukunft, genauer gesagt, die Zukunft der deutschen Botschaft in Israel.</p>
<p><strong>Neubeginn der deutschen Diplomatie in Israel </strong></p>
<p>Mir ist bewusst, dass die Stelle des deutschen Botschafters in Israel noch! nicht frei ist, aber ich werde Sie hoffentlich überzeugen können, dass ich der richtige Mann für diesen Job bin. Herr Seibert ist sicherlich eine gute Wahl; der Mann hat Fähigkeiten, die er über die Jahre im Dienste der Regierung eingesetzt hat. Nur, seit dem 7. Oktober ist die Welt für Israelis und Juden weltweit nicht die Gleiche. Ich war wie viele geschockt, aber nicht erstaunt. Noch Ende August hatte ich einen Traum, in dem Israel von Horden überrannt und in einen nuklearen Krieg mit dem Iran gezwungen wurde. Ich dachte, nur ein Traum, wusste aber, dass die Horden ein Gegenstück in der Wirklichkeit hatten: die ungezählten, bewaffneten jungen Männer, die mit Hass auf Israel an dessen Grenzen nur auf ein Signal warten, um loszuschlagen. Gegen eine solche Gewaltbereitschaft ist kein freiheitlicher Staat gewappnet. Das war mir schon vor dem 7. Oktober klar. Über die Offenheit, der weltweit gezeigten Empathie für die aus Gaza eindringenden Massenmörder, war ich dann doch erstaunt. In einer solchen Situation hat ein Botschafter egal welcher Nation nur eine Aufgabe: An der Seite des überfallenen Landes und der Opfer der Gewalt zu stehen. Herr Seibert hat sich vor dem 7. Oktober eher als spaltendes Element zwischen unterschiedliche Gruppen und Parteien der israelischen Gesellschaft geschoben. Offenbar hat er die Geschlossenheit der Israelis in der gegenwärtigen Situation erkannt und sich voll hinter Land und Leute gestellt. Das ist was ich von unserem Botschafter erwarte. Eine Selbstverständlichkeit zu loben zeigt vor allem, wie weit wir vom Selbstverständlichen entfernt sind. Es wird sich zeigen, ob Herr Siebert diesen Wandel durchhalten kann und - vor allem - ob die Israelis ihm eine zweite Chance geben und verzeihen. Zweiteres halte ich für wahrscheinlich, ersteres wird sich zeigen. Bedenken sind aber angebracht, ob Herr Seibert sich das Vertrauen der Israelis nach dem Kriegsende erarbeiten kann. Es geht dabei nicht um die persönliche oder politische Wandelbarkeit des Botschafters. Es braucht nichts Geringeres als einen Neubeginn der deutschen Diplomatie in Israel - und ich wäre dafür der Mann der Stunde.</p>
<p><strong>Deutsche Interessen, Wertschätzung Israels</strong></p>
<p>Ich werde in Israel die Interessen des deutschen Volkes, der dort agierenden deutschen Staatsbürger und Unternehmen sowie der Besucher und Touristen vertreten. Neben einer guten diplomatischen Beziehung zur jeweiligen israelischen Regierung würde es mir aber vor allem darum gehen, Land und Leute wertschätzend kennen zu lernen. Zur Zeit senden wir widersprüchliche Signale nach Israel und an das eigene Volk: einerseits irritiert Herr Seibert große Teile der israelischen Öffentlichkeit und Regierung; andererseits haben Sie Israels Sicherheit zur Staatsräson erklärt. Selbst für leid-gewohnte und israel-solidarische Bundesbürger wie mich ist es schwer nachzuvollziehen, warum die Räson unseres Staates nicht die eigenen Bürger sind, sondern die Bürger eines anderen Landes. Andererseits hat Herr Seibert vor Ort in Israel nicht genug getan, den Bürgern Israels unsere Solidarität praktisch spüren zu lassen. Im Gegenteil hat er den Israelis und der israelischen Regierung erklärt, was sie falsch macht und besser tun oder lassen sollte. Zugleich lädt er selbst-erklärte Feinde der Juden und des Staates Israels in die deutsche Botschaft ein und nimmt an „alternativen“ Gedenktagen teil. Das gehört sich nicht für einen Botschafter und Gast. Gastfreundschaft spielt in der ganzen Region eine wichtige Rolle, bei allen Beteiligten. Das ist wie eine gemeinsame Währung und Sprache unterhalb der brodelnden Konflikte. Ich fürchte Herr Seibert hat trotz guter Sprachkenntnisse diese Sprache nicht gelernt. Unsere Staatsräson kann in Israel nicht wahrgenommen werden, wenn das Benehmen unseres Botschafters als ungehörig empfunden wird.</p>
<p><strong>Regeln der Gastfreundschaft missachtet </strong></p>
<p>Die Regeln der Gastfreundschaft erlauben es nicht einen Freund oder Gast öffentlich zu kritisieren. Das gilt in beide Richtungen. Ein Gast der sich daneben benimmt wird weder kritisiert noch schlecht behandelt. Der Gast als König kann die ganze Gastfamilie in eine Krise stürzen, wenn er die Regeln nicht kennt oder die Gastfreundschaft bewußt ausnutzt. Es ist daher ein erstaunlicher Vorgang, wenn die israelische Regierung sich an Herrn Seibert selbst und das Außenministerium in Berlin wendet, um gegen sein Verhalten zu protestieren. Dieser Vorgang zeigt, dass der Botschafter nicht mehr als Gast und Freund Israels gilt. So kann er seine Aufgabe nicht erfüllen. Ich glaube, es wäre an der Zeit über einen Nachfolger nachzudenken. Wäre ich Botschafter, wüsste ich einen solchen Bruch der Gastfreundschaft zu vermeiden. Da es zum ungeschriebenen - oft besungenen - Recht des Gastes gehört, diesen trotz Fehlverhalten im Haus zu belassen. Wollen Sie auf weitere israelische Proteste warten? Oder wollen Sie die Zeichen erkennen und jetzt handeln?</p>
<p><strong>Botschaft in Jerusalem </strong></p>
<p>Überall auf der Welt liegen Botschaften in der Hauptstadt nahe am Regierungssitz. Mein Wohn- und Arbeitsort als deutscher Botschafter wäre Jerusalem und ein vordringliches Ziel meiner Amtszeit die Verlegung der Botschaft in die Hauptstadt. Übrigens ist der Sonnenaufgang über der Altstadt von Jerusalem phantastisch. Ich könnte Sie beim nächsten Staatsbesuch morgens zur Promenade in die Haas Strasse (Tayelet Haas Promenade) führen - von dort ist der Sonnenaufgang besonders schön; dann ein Spaziergang zum Falafel auf der Via Dolorosa in der Altstadt. Vielleicht finden wir dabei ein passendes Objekt für die Botschaft.</p>
<p><strong>Richter ohne Verfassung und prophetische Gerechtigkeit </strong></p>
<p>Als Botschafter würde ich zurückhaltendes Interesse für komplexe, innenpolitische Fragen, wie die Justizreform, zeigen. Auf die Idee, mich öffentlich und schlaumeierisch einzumischen, käme ich gar nicht. Bei meinen ersten Besuchen in Israel (Anfang der 90iger Jahre) hat mich das Gebäude des Obersten Gerichtshofs sehr fasziniert. Es steht oberhalb der Knesset, schaut sozusagen wie ein Wächter auf das Parlament herunter. Da Israel über keine Verfassung verfügt, ist die Macht der Richter des Obersten Gerichtshofes nahezu unbegrenzt. Sie treffen - oft und schnell - im politischen und militärischen Tagesgeschehen Entscheidungen mit großer Tragweite für alle Israelis. Während meines Studiums der Religionswissenschaft an der FU in Berlin, als diese schon den Titel „Freie“ Universität nostalgisch vor sich her trug, habe ich mich mit den prophetischen Aspekten des Gebäudes befasst. Die prophetische Gerechtigkeitstradition steht in einer ständigen Reibungsbeziehung zur Machtausübung der Richter und Regierungen. Diese Reibung zwischen prophetischer Kritik der Ungerechtigkeit und politischer Umsetzung von säkularen Gerechtigkeitsvorstellungen lässt sich in Israel wunderbar studieren. Meine innere Haltung ist hier von Interesse und Hochachtung vor den Leistungen der jüdischen Tradition geprägt. Ich stimme also Herrn Seibert zu: The Supreme Court is the place to be. Ich drücke damit die Faszination für die, im Gebäude zum Ausdruck kommenden, Spannungsverhältnisse der israelischen Gesellschaft aus. Eine teutonische Platzbesetzung, wie sie meinem Vorgänger in spe unterstellt wurde, wäre mir völlig fremd. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, falls Sie noch nicht Zeit hatten das Gebäude auf sich wirken zu lassen, würde ich als Botschafter bei Ihrem nächsten Besuch liebend gerne eine Architekturführung organisieren.</p>
<p><strong>Botschafter als Nachhilfelehrer in Sachen Demokratie? </strong></p>
<p>Ich habe gelesen, dass Herr Seibert es für angebracht hält, den Israelis Nachhilfe in Sachen Demokratie zu geben und Noten für eine Justizreform zu vergeben. Ich kann Ihnen versprechen, solche Peinlichkeiten und diplomatische Fauxpas werden mit mir als Botschafter ausbleiben. Es ist immer gut zuerst vor der eigenen Haustür zu kehren. Wer sind wir, dass wir uns dermaßen einseitig für die Übermacht eines, an keine Verfassung gebundenen, Obersten Gerichts stark machen? Ist hier gar der Wunsch Vater des Gedankens: es möge auch unser Verfassungsgericht frei von der Verfassung entscheiden können, Recht sprechen als ob es eine solche nicht gäbe?</p>
<p><strong>Diplomatie und Bündnisfähigkeit </strong></p>
<p>Neben dem prophetischen Gerechtigkeitsanspruch ist sie eine Religion des Bündnisses. Sozusagen ein Lehrbuch der Diplomatie: das Bündnis mit sich selbst, mit den Anderen und mit Gott. Deutsche Spalternaturen sind in Israel schnell allein. Ich durfte das nach der Ermordung Jitzchak Rabins auf die beschwerliche Art lernen. Es war die Zeit der Illusionen, als viele Israelis - und auch ich - glaubten, die Zwei-Staaten-Lösung wäre das, was die palästinensischen Verhandlungspartner wollten. Als Rabin von einem Gegner des Oslo-Abkommens ermordet wurde habe ich gegenüber Freunden die Hoffnung geäußert, dies wäre eine gute Chance, sich der radikalen Opposition zu entledigen. Mir wurde klar gemacht: So machen wir das nicht. Ich habe es erst über die Jahre verstanden; aus Irritation wurde Respekt. Das israelische Verhalten kommt nicht nur aus der Erfahrung externer Bedrohung und dem Wissen, dass nur ein geschlossenes und starkes Israel Frieden schließen kann in einer Region, die Schwäche gnadenlos ausnutzt. Es gründet auch in einer der größten Leistungen der jüdischen Religion, der vollständigen Ablösung des Menschenopfers. Ich habe nicht den Eindruck Herr Seibert kann diese Leistung ausreichend würdigen. Sie spielt aber im Alltag der Israelis eine bedeutende Rolle.</p>
<p><strong>Delegitimierung des Menschenopfers </strong></p>
<p>Ich schreibe diese Zeilen während die ersten Geiseln aus den Händen der Hamas frei kommen. Welch Zerreißprobe für ein Land, das bereit ist, selbst noch für die Rückgabe der Leichen ihrer Soldaten unglaubliche Zugeständnisse zu machen. Was für ein Zeugnis der Unmenschlichkeit, Geiseln - auch Kinder - als Schutzschild und Druckmittel einzusetzen. Eine säkulare Version der Ablösung vom, nicht zu rechtfertigenden, Menschenopfer wird Golda Meir zugeschrieben: Die Ermordung der eigenen Söhne kann verziehen werden; der Zwang, das eigene Überleben nur durch die Tötung der Söhne anderer ermöglichen zu können, ist viel schwerer zu verzeihen. Zu sehr widerspricht es dem Vertag mit Gott, den Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens und der Bejahung des Lebens an sich. Es gibt keine Pflicht zum Selbstmord im Angesicht einer Katastrophe in der jüdischen Tradition. Der Gott, der auf Menschenopfer verzichte, tut dies, um der menschlichen Gemeinschaft ein lebendiges Miteinander ohne Selbstzerstörung zu ermöglichen. Selbstzerstörung erhält im Judentum ebensowenig eine religiöse Rechtfertigung wie die religiöse oder politische Funktionalisierung der Tötung von Menschen. Der kollektive Selbstmord von Masada wird als Ausdruck der gottgewollten Freiheit der Belagerten, zwischen Tod durch römische Soldaten oder durch die Eigenen zu wählen, interpretiert. Die Delegitimierung des Menschenopfers als Staatsräson ist ebenso einzigartig wie schwer umzusetzen. Die klammheimliche Freude, die in unserem Land immer wieder bei politisch motivierten Morden aufkommt und die Rechtfertigung eines Massakers als „Freiheitskampf“ sind das Gegenteil der religiösen Überwindung des Menschenopfers. Als Botschafter würde ich auf jeden Fall versuchen, die Bündnisfähigkeit ebenso zu betonen wie die gemeinsamen Wurzeln von Juden und Christen in der Delegitimierung des Menschenopfers.</p>
<p><strong>Ein gläubiger Christ als Botschafter </strong></p>
<p>Ich selbst bin gläubiger Christ, habe aber durch Heirat Verwandte in allen drei monotheistischen Religionen geschenkt bekommen; israelisch-amerikanische Juden, christliche Palästinenser, afghanische Sunniten und iranische Schiiten, und das große Herz meiner kosovarischen Schwiegermutter, bei der alle Fäden der Menschlichkeit über alle Unterschiede hinweg zusammen laufen. Der Umgang mit tiefgläubigen Menschen ist mir ebenso vertraut wie die Erfahrung der interreligiösen Toleranz. Das Studium am religionswissenschaftlichen Institut in Berlin hat diesen Respekt vor den großen zivilisatorischen Leistungen der Religionen vertieft, ohne einer naiven EineWelt-Religion zu verfallen. Ich kenne die Praxis und Theologie der vielen jüdischen Gruppen und habe Grund zur Annahme, dass ein gläubiger Christ die Aufgabe des Botschafters besser erfüllen kann als jemand, dem religiöse Erfahrung fremd ist.</p>
<p><strong>Meine Familie, ein Pluspunkt </strong></p>
<p>Meine Familie, insbesondere meine Frau Valbona Ava Levin, wären mir bei der Erfüllung meiner Aufgaben eine Stütze und Inspiration. Meine Frau ist ein Pluspunkt, da sie sowohl im Aussehen und mediterranen Gestus, aber auch in der tiefen Verbundenheit zur Religion und dem Glauben an Gott, sich in Israel bewegen würde wie ein Fisch im Wasser. Zudem hat sie die harte Schule der Gastfreundschaft ihrer kosovarischen Mutter durchlaufen. Sie kennt die Grundregel für Gäste: Dein Besuch muss eine Bereicherung sein, und wenn du gehst ist es gut, wenn dich alle vermissen. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, ich hoffe Sie können nun erkennen, dass ich für Deutschland und für Israel eine gute Besetzung des Botschafterpostens wäre. Über eine positive Antwort auf meine Bewerbung würde ich mich freuen.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen aus Rahlstedt,<br>
Peter Levin</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>---------------</p>
<p>Peter Levin, Jahrgang 1963, studierte Religionswissenschaft und Soziologie in Freiburg, London und Berlin; er arbeitet als Dozent in der Erwachsenenbildung und in eigener Praxis in HamburgVolksdorf.</p>
<p>&nbsp;</p>
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