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	<title>Totalitarismus - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 12:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen, sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu opfern, politisch hoffnungslos ist“ Alexandre Kojéve an... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das<br>
fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen,<br>
</span></em><em><span class="tm6">sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale<br>
Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu<br>
opfern, politisch hoffnungslos ist“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Alexandre Kojéve an de Gaulle, 1945</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Manchmal frage ich mich, was wohl schwieriger ist, den<br>
</span></em><em><span class="tm6">&nbsp;Deutschen einen Sinn für Politik oder den Amerikanern ei-<br>
</span></em><em><span class="tm6">nen leichten Dunst auch nur von Philosophie beizubringen“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Hannah Arendt an Karl Jaspers, 1949</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>06/1967: Am 2. Juni wurde in einem West-Berliner Hinterhof der Student Benno Ohnesorg von einem Kriminalbeamten in Zivil durch einen Kopfschuss von hinten aus kurzer Entfernung getötet. Die Tat wurde vertuscht, der Täter freigesprochen. Die junge Demokratie erwies sich als unfähig, das verletzte Recht wieder einzurichten. Der kriegerische Modus der Auseinandersetzung bestimmte auch die Wahrnehmung auf der anderen Seite. Der Schuss wurde als Komplott, als „gezielte Aktion zur physischen Ausschaltung der Opposition“ (Kuby) verstanden. 40 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schütze langjähriges Mitglied der SED und Mitarbeiter der STASI war. Ob er im Auftrag gehandelt hat, ist Spekulation. Am 8. Juni wurde der Leichnam von Benno Ohnesorg mit tatkräftiger Unterstützung der DDR nach Hannover überführt. Die DDR verzichtete auf die sonst üblichen Schikanen und postierte entlang der Strecke tausende FDJ’ler mit „Opfer des Polizeiterrors“ Schildern. Während Ohnesorg am 9. Juni in Hannover im Kreis seiner Familie beerdigt wurde, fand in der Innenstadt ein Trauermarsch statt, an dem sich ca. 7.000 Personen beteiligten. Auf dem abendlichen Kongress „Bedingungen und Organisation des Widerstandes“ sprach Rudi Dutschke der bürgerlichen Demokratie die Legitimation ab, weil sie auf der „geistigen Reduziertheit systematisch entmündigter Massen“ beruhe und erklärte ihr den offenen Krieg, was Jürgen Habermas noch am selben Abend als linken Faschismus qualifizierte. Aus einer politischen und rechtlichen Perspektive hätte Dutschkes Ankündigung, die demokratischen Spielregeln nicht zu akzeptieren und durch seine eigenen zu ersetzen, als Hochverrat gewertet werden müssen. Es war jedoch niemand da, der dem Recht Geltung verschaffte. Mit der Verlagerung in radikal-revolutionäre Klassenkampf-Ideologie war die „Deutsche Frage“ für lange Zeit kalt gestellt.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/1988: Der Bundestagspräsident Jenninger hielt im Parlament eine Rede zum 50sten Jahrestag der Reichspogromnacht und wollte den politisch fatalen Eindruck der verantwortungslosen Weizäcker-Befreiungs-Rede korrigieren. Befreit wurden die Lagerinsassen. Wir wurden besiegt. Die Hexenjagd eröffnete ein Mitglied der Fraktion der Grünen. Wenige Tage später war Jenninger vollständig von der politischen Bühne verschwunden. Nie wieder ist ein führender Repräsentant der Bundesrepublik so schnell und so radikal exkommuniziert worden. Die Auffälligkeit dieses Phänomens habe ich hier interpretiert: </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">03/2010: Der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender wurde von einer Clique um Ministerpräsident Roland Koch (Hessen) aus seiner Position entfernt. Er hatte seinen Redakteuren empfohlen, sich inhaltliche Änderungswünsche von Politikern schriftlich geben zu lassen. In einem öffentlichen Protestbrief warnten mehrere Redaktionsleiter vor der „gefährlichen Einmischung der Politik“. Es war das letzte Aufbegehren. Seither befinden sich die ÖRR im freien Fall und verkommen zu Propagandaanstalten. Das schlechte Gewissen wird mit obszönen Gehältern korrumpiert. Ich hatte seinerzeit meinen GEZ-Beitrag um den ZDF-Anteil reduziert und wollte über den Instanzenweg der Verwaltungsgerichte vor das Oberste Gericht ziehen. Bremens seinerzeit bester Verfassungsrechtler hatte seine Unterstützung zugesagt. Als es ernst wurde, zog er angesichts des Arbeitsaufwandes und seinem bevorstehenden Eintritt in den dritten Lebensabschnitt seine Zusage zurück.&nbsp;</span><span class="tm8">Wenn eine wichtige Herausforderung jeden Einzelnen schnell überfordern würde, schließt man sich zusammen. Das gilt für verlegerische Großtaten, die nur über Subskriptionen realisierbar sind, für Patenschaften, die notwendig sind, um qualifizierten Journalismus zu erhalten und </span><u><a href="https://www.beitragsblocker.de/"><span class="tm8">dort</span></a></u><span class="tm8">, wo man in die Mauer der organisierten Lügen eine Bresche schlagen muss. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">08/2010: Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel erklärte das Buch von Thilo Sarrazin, das sie nach eigenen Angaben gar nicht gelesen hatte, für „nicht hilfreich“ und reihte sich damit in die Tradition der National- und anderer Sozialisten ein, die von oben dekretieren, welche Lektüren erlaubt und welche verboten sind (by the way: meinen Vornamen verdanke ich einem damals in der Sowjetunion verbotenen Buch: Dr. Schiwago von Boris Pasternak). Wer das Lesen von Büchern kontrollieren möchte, kontrolliert auch, wer sich öffentlich zu Wort melden darf. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">03/2011: Mit dem Atom-Moratorium entmachtete Bundeskanzlerin Merkel das Parlament und setzte die Gewaltenteilung außer Kraft. Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz kann auch nur von diesem und nicht per Dekret wieder geändert werden. In Fachzeitschriften sprachen Verfassungsrechtler von einem „Tsunami für den deutschen Rechtsstaat.“ Die </span><span class="tm7">Parlamentarier des Bundestages&nbsp;</span><span class="tm6">beklatschten ihre eigene Entmachtung. Spätestens jetzt war die zweite deutsche Demokratie, was ihre offiziellen Repräsentanten anbelangt, gescheitert. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2014: In ihrer <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/neujahrsansprache-2015-798300" target="_blank" rel="noopener">Neujahrsansprache</a> machte Frau Dr. Merkel deutlich, dass sie das politischste aller Rechte - das Versammlungsrecht - nicht im Sinne des Grundgesetzes interpretiert. Sie forderte die Staatsbürger auf, sich nur mit denen öffentlich zu versammeln, die der Regierung auch genehm sind. Ein allgemeiner Aufschrei über diese schleichende Aushöhlung der Verfassung blieb aus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2015: Der formal unqualifizierte Sozialpädagoge Stefan Kramer wurde zum Präsidenten des Verfassungsschutzes Thüringen ernannt. Er sorgte dafür, dass die frei erfundene Parole „gesichert rechtsextrem“ die öffentliche Meinung entsprechend beeinflusste und auf ein Verbotsverfahren der Opposition vorbereitete.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2017: Ein Feuilleton Redakteur des SPIEGEL reagierte auf die Diskursverengung und sorgte dafür, dass ein Denkanstoß des Soziologen Rolf Peter Sieferle (<em>finis germania</em>) auf der Liste der Sachbücher des Monats des WDR erschien. Johannes Saltzwedel wurde daraufhin, der Skandalisierung um Jenninger vergleichbar, öffentlich hingerichtet, das Buch von Rolf Peter Sieferle zählt seither zu den verbotenen Büchern. Der deutsche Mitläufer kam wieder überall zum Vorschein. Rolf Peter Sieferle schied ein Jahr zuvor durch Suizid aus dem Leben und beklagte in einem Brief die katastrophale Politik von Frau Dr. Angela Merkel, die den „urdemokratischen Mechanismus“ eines Wechsels zwischen Regierung und Opposition „außer Kraft“ gesetzt hat. „Für die Wähler bedeutete dies, dass sie einem totalitär-geschlossenen Block gegenüberstanden, bei dem sie wählen konnten, was sie wollten, ohne dass dies Auswirkungen auf die eigentlich entscheidenden Fragen hatte.“ </span><u><a href="https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/"><span class="tm6">https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">08/2018: Die von einem&nbsp;</span><span class="tm7">anti-faschistischen Aktivisten&nbsp;</span><span class="tm6">aufgebrachte Lüge der „Hetzjagden von Chemnitz“ wurde von der Bundesregierung aufgegriffen und verbreitet, obwohl alle Zeugen vor Ort dem widersprachen. Die schlichte Tatsachenwahrheit, dass ein Landsmann von einem Migranten getötet worden war, wurde durch die organisierte Lüge verdeckt. H.G. Maaßen hatte als einer der wenigen bundesweiten Stimmen den Mut, gegenüber einer offenkundigen Propagandalüge Skepsis zu äußern. Er wurde durch einen willfährigen Funktionär ausgetauscht. Merke: Wer sich offen gegen die Regierungspropaganda stellt, verliert seinen Job. Die Wirksamkeit dieser erzieherischen Maßnahme zeigte sich kurz darauf im Verhalten von RKI und PEI während der „Pandemie“.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/2018: Stefan Harbarth wurde als Richter ins Bundesverfassungsgericht bugsiert. Er sorgte für den gewünschten Tabubruch und brachte eine sozialistische Herrschaftsideologie (Klimaschutz) in eine Verfassung, die aus gutem Grund inhaltlich neutral zu sein hat.</span></p>
<p>10/2019: In einem Interview, das auf <a href="https://www.tichyseinblick.de/meinungen/litauens-ex-staatschef-landsbergis-deutschland-gleitet-ein-drittes-mal-in-den-sozialismus-ab/" target="_blank" rel="noopener">Tichys Einblick</a> erschien, formulierte Vytautas Landsbergis, einer der führenden Köpfe der neben Polen erfolgreichsten politischen Revolution des 20. Jahrhunderts und spätere Staatspräsident Litauens, sein Bedauern darüber, „dass die Deutschen ihre Lektion nicht gelernt haben – aus der Geschichte, aus dem nationalen Sozialismus, aus dem DDR-Sozialismus – und dass sie jetzt offenbar ein drittes Mal in den Sozialismus abgleiten.“ Wie viele andere verhallte auch diese Mahnung ungehört und unverstanden.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2020: Eine demokratische Wahl im Landtag von Thüringen wurde von der Bundeskanzlerin Merkel auf einer Pressekonferenz in Südafrika als „unverzeihlich“ bezeichnet. Die untertänigen Parlamentarier folgten ihrer Führerin und machten die Wahl rückgängig. Zwei Jahre später entschied das BVerfG, dass die Einmischung Merkels verfassungswidrig war </span><span class="tm7">(</span><span class="tm6">Az.2 BvE 4/20, 2 BvE 5/20).</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2021: Die Bundeskanzlerin Merkel ließ „Berechtigungsscheine für Masken“ an alle Bürger verteilen und verwandelte damit unter der Hand ein Verfassungsrecht in ein Zuteilungsprivileg. Ich sandte ihr in einem offenen Brief die Berechtigungsscheine zurück. Ich benötige weder Lebensmittel-, Wohnungs- noch andere Berechtigungsscheine, die mir von der Regierung bei entsprechendem Wohlverhalten zugeteilt werden. </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2022: Die Sachverständigenkommission veröffentlichte ihren nach §5 Abs. 9 IfSG erforderlichen </span><a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/BER_lfSG-BMG.pdf"><span class="tm6">Bericht</span></a><span class="tm6"> zur Evaluation der Pandemiemaßnahmen. Im Abschnitt 7.3.2.7 mit dem Titel Absonderung wurden alle freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die ohne richterliche Überprüfung erlassen wurden, als verfassungswidrig eingestuft. Konsequenzen aus diesem massenhaften Amtsmissbrauch sind mir keine bekannt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">05/2024: in einem </span><u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y_dOFk_HWJg"><span class="tm7">taz Talk zur Klimakrise</span></a></u><span class="tm7"> formulierte eine Vordenkerin der Grünen, Prof. Hedwig Richter, einen bemerkenswerten Satz: „… dass es eine der ganz wichtigen Lehren aus dem 20. Jahrhundert war, also damit beschäftigen wir uns auch ausführlich, dass wir für unsere Demokratie viele, viele Lehren aus dem Nationalsozialismus und aus den Faschismen gezogen haben und eine war eben, auf keinen Fall radikal sein, auf keinen Fall Revolution, ähm für die Sozialdemokratie sowieso eine ganz wichtige Lehre, schon aus dem Kaiserreich sozusagen, dass man in der Demokratie mitarbeiten kann, ohne dass man jetzt das ganze System zerstört und ähm, diese Lehre ist jetzt total hinderlich, also das ist wirklich ne Grammatik aus dem letzten Jahrhundert, weil sie keine Radikalität mehr zulässt“ (ca. ab Minute 13:00). Ich habe mir erlaubt, die Aufforderung von Frau Prof. Richter, heute wieder an der Radikalität von Nationalsozialismus und Faschismus anzuknüpfen, </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/"><span class="tm7">hier</span></a></u><span class="tm7"> zu kommentieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">06/2025: Die SPD nominierte zwei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht. Beide machten kein Hehl daraus, dass sie das Recht als Waffe einsetzen wollen, um das, was sie als das Gute und Notwendige erkannt zu haben glauben, durchzusetzen. Gegen eine der beiden formierte sich öffentlicher Widerstand, sie zog ihre Kandidatur zurück. Die politisch gesprochen weitaus gefährlichere hingegen wurde vom Bundestag gewählt.</span></p>
<p>08/2025: Der Wahlausschuss der Stadt Ludwigshafen entschied am 05.08.2025, den aussichtsreichsten Kandidaten für die kommende OB-Wahl am 21. September 25 von der Wahl auszuschließen. Als Begründung wurden von dem sechsköpfigen Wahlausschuss aus Altparteien unter Vorsitz der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (Ex-SPD) Zweifel an der Verfassungstreue des Kandidaten angegeben. Das umgehend veröffentlichte 11-seitige Gutachten des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz enthielt keinerlei belastbare Indizien für derartige Zweifel. Es handelte sich daher bei der Entscheidung des Wahlausschusses um einen eindeutigen Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, vulgo Hochverrat.</p>
<p>10/2025. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt soll privaten Rundfunk und Telemedien im Hinblick auf Jugendmedienschutz, journalistische Sorgfaltspflicht, Werbung und Impressumspflicht beaufsichtigen. Am 21. Oktober 2025 erlies Sie einen <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2025-10-21-nlm-bescheid.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Bescheid</a> gegen den unabhängigen Journalisten <a href="https://www.alexander-wallasch.de/" target="_blank" rel="noopener">Alexander Wallasch</a>, beanstandete mit durchsichtigen Begründungen einer verletzen „journalistischen Sorgfaltspflicht“ drei Beiträge, verhängte ein Zwangsgeld von 500,00 € pro Beitrag plus einer Verwaltungsgebühr von 2.500,00 €. Solche Übergriffe setzen massenmedial mobilisierte Denunzianten voraus. Die 38-seitige <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2026-01-19-begruendung-klage-nlm.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Klageschrift</a> des Verteidigers von Herrn Wallasch, RA Dirk Schmitz, sieht in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen zentrale Grundrechte unserer Verfassung, Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG (Presse- und Medienfreiheit), Art. 5 Abs. 1 S. 3 GG (Zensurverbot),&nbsp; Art. 20 Abs. 3 GG, (Bestimmtheitsgebot), Art. 5 Abs. 2 GG (Verhältnismäßigkeit), Art. 3 Abs. 1 GG (Gleichbehandlung). Nach der Entfernung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (siehe 10/2010) ist dies der eindeutige Versuch, mit der Verhängung von Zwangsgeldern jede Art von unabhängiger privater Berichterstattung zu unterbinden. <span class="tm7">Das Vorgehen bestätigt die </span><u><a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/j.-d.-vance-die-muenchener-rede-des-us-vizepraesidenten-im-wortlaut/100107881.html"><span class="tm7">Aussage</span></a></u><span class="tm7"> von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz: „In Großbritannien und ganz Europa, so fürchte ich, ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug.“</span></p>
<p>ohne Anspruch auf Vollständigkeit .…</p>
<p>======</p>
<p>publiziert auf: <a href="https://globkult.de/politik/deutschland/2489-meilensteine-auf-dem-marsch-in-den-dritten-sozialismus" target="_blank" rel="noopener">GlobKult</a>, eine frühere Fassung erschien auf <a href="https://reitschuster.de/post/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/" target="_blank" rel="noopener">Reitschuster.de,&nbsp;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 07:21:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während die einen den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, ersehnen die anderen seine Rettung. Der massive Realitätsverlust hat beide Lager gleichermaßen erfasst.</span><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">IT-Krieger, ob beauftragt oder proaktiv, suchten im Vorfeld die Server, die das Gespräch für den deutschsprachigen Raum weiterverbreiteten, mit <em>denial-of-service</em> Attacken lahm zu legen. Ein Spezialtrupp von 150 EU-Beamten wurde zur Feindaufklärung für die Gegenoffensive in Stellung gebracht. Üblicherweise lösen feindliche Mobilisierungen solche Gegenmaßnahmen aus. Für den aktuellen Zustand Deutschlands genügt eine Gesprächsankündigung</span>.</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine neo-feudale Negativelite, die mit dem Rücken zur Wand steht und schon vor Jahren hätte abtreten müssen, versammelt das letzte Aufgebot zum letzten Gefecht gegen das eigene Volk. Bevor das Volk falsch wählt, soll es entwaffnet und entmachtet werden. Einen Vorteil hat die martialische Rhetorik: der einzige Sinn der nächsten Bundestagswahl ist, ihre Annullierung zu provozieren. Dann hat auch der letzte begriffen, was diese EU unter Demokratie versteht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nach 45 kommentierte A. Kojève, ein russisch-französischer Philosoph, dass nur ein politisch hoffnungsloses Land wie Deutschland einer Illusion bis zur Erschöpfung nachlaufen könne, was der Kabarettist Pispers auf die Formel brachte: Der Deutsche glaubt noch an den Endsieg, wenn der Russe schon vor der Tür steht. Das es diese Leute wirklich gab, konnte ich einem Bericht der Schwester von Bonhoeffer entnehmen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Interessanter als das letzte Gefecht der Linken, die in ganz Mitteleuropa schon 1989 gescheitert waren, sind allerdings die zahlreichen Reaktionen des anderen Lagers nach dem Gespräch. Sie verraten viel über die Defizite, die Kojève zur Einschätzung „politisch hoffnungslos“ brachten. Ich beschränke mich auf die auffälligsten Punkte.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gastgeber des Gesprächs war Elon Musk, woraus sich auch der vorrangige Adressatenkreis ergab, der zu Beginn des Gesprächs genannt wurde. Frau Weidel wurde gebeten, den amerikanischen Zuschauern zu erläutern, um was für eine Partei es sich bei der AfD handele. Bei der weit überwiegenden Zahl der Kommentatoren musste man den Eindruck gewinnen, dass ihnen schon die Fähigkeit fehlte, ihren Platz in einer Konstellation unterschiedlicher Plätze verorten zu können. Die deutschen Kommentatoren saßen weder in der ersten Reihe, noch drehte sich das Gespräch um sie, was zahlreiche „Intellektuelle“, für die Arendt nach der Erfahrung der freiwilligen Gleichschaltung nur noch Verachtung übrig hatte, dazu verleitete, sich in elaborierter Stammstichpöbelei zu ergehen. Wer verstehen will, was gegenwärtig auf dem Spiel steht, braucht keine der Fähigkeiten, deren Mangel dort wortmächtig beklagt wurde.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Frau Weidel stottere mit stümperhaftem Englisch herum, verwechsle Kommunisten mit Sozialisten, sei intellektuell peinlich, ein provinzielles Groupie und würde bei Israel nur herum eiern, um nur ein paar zu nennen. Es fehlten nur noch die Blondinenwitze. Erinnern Sie sich noch, als Kohl vom gleichen Milieu zur Birne gemacht wurde? Intellektuelle sind bessere Hofnarren. Sie suchen die Nähe des Herrn, der sie für ihr Geschwätz alimentiert. Zahlreiche dieser Invektiven verraten daher mehr über die Sprecher, als über das, worüber sie sich echauffieren. Ich lese sie als Indiz für die unverändert verbreitete Sehnsucht noch dem mythisch-romantischen Helden, dem Erlöser, der sie endlich aus der Dunkelheit ins Licht führt. Dass Hitler auf dieser Welle nach oben gespült wurde, scheint bei aller Vergangenheitsbewältigung unverstanden.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Frage, ob Hitler ein Linker oder Rechter war, ist so sinnlos wie ein Kropf, weswegen sie ein Lieblingsspiel der Einfaltspinsel bleibt, die aus dem geistigen Horizont der Religionskriege nicht herauskommen. Politisch betrachtet gab es zwei Hitler. Der private soll ein freundlicher, zugewandter, sogar charmanter Zeitgenosse gewesen sein. Der öffentliche war weder Individuum noch Charakter. Als Führer einer Bewegung war er eine Hohlform ohne eigenes Selbst. Als Wille des Volkes saugte, sammelte, konzentrierte und verkörperte er all das, was diejenigen, die ihn nach oben trugen, in ihm sehen wollten. Deshalb ist die Bild headline bei der Wahl Ratzingers zum Papst noch immer die trefflichste Formulierung. Wir waren Hitler. „Ein Mensch. Ein Wort“&nbsp; - heißt es heute beim Führer der neuen Bewegung, womit er getreulich die Vorgabe seiner Vordenkerin erfüllt, an die <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/" target="_blank" rel="noopener">revolutionäre Radikalität der Nationalsozialisten</a> anzuknüpfen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nur ganz wenigen war aufgefallen, dass man Zeuge eines Gesprächs war, einer lockeren, entspannten Feierabendplauderei über Gott und die Welt, einer Selbstverständlichkeit, die in normalen Gemeinwesen Alltag ist, aber in Deutschland längst Seltenheitswert hat, weil so gut wie alles und jedes sofort zum Gesinnungskrieg umfunktioniert wird. Dass Frau Weidel nicht der Siegfried ist, der in funkelnder Rüstung den linken Drachen bekämpft, hätte man auch vorher wissen können.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Freiheit in dieser Hinsicht ist sowohl die Eigenschaft einer Gesprächsumgebung, die gut genug sein muss, als auch die Bedingung der Möglichkeit, Fehler machen zu können. Mir sind authentische Personen, die Fehler zulassen können und unmittelbar aus ihnen lernen, weitaus lieber, als solche, die in Heldenpose ein Projekt verwirklichen müssen und selbst dann noch eisern weitermachen, wenn das Scheitern längst offenkundig ist</span><span class="tm7">.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein Letztes: </span><span class="tm6">Ich halte den Satz von Elon Musk „Nur die AfD kann Deutschland retten“ für irreführend. Die politische Aufgabe der AfD ist deutlich begrenzter, womit ich anschließe, was ich schon früher formulierte („<a href="https://www.tumult-magazine.net/post/boris-blaha-die-afd-der-fu%C3%9F-in-der-t%C3%BCr" target="_blank" rel="noopener">Die AfD - der Fuß in der Tür</a>“). Den Durchmarsch einer sozialistisch-autoritären bis totalitären Einheitspartei kann nur die AfD aufhalten. Eine andere politische Macht ist nicht in Sicht. Sie könnte, wenn man sie liesse, den Irrsinn stoppen, eine Schadensbegrenzung einleiten, den Rückwärtsgang einlegen und für uns Zeit gewinnen, mehr nicht. Dafür ist Frau Dr. Alice Weidel ausreichend qualifiziert. Die Frage, warum auch die zweite deutsche Demokratie gescheitert ist, können nur die Deutschen selbst beantworten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>======</p>
<p>Publiziert auf: eine geringfügig kürzere Fassung erschein bei <a href="https://reitschuster.de/post/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Das Ende der Verklärung - Teil2: Die Verklärten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Dec 2024 16:11:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Stalinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Heiligenschein der Erde Eine geniale Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt gelang jahrelang jenen, die heute auf dem Zenit der Selbstverliebtheit das Ende der Verklärung verkörpern: den Grünen. Ihnen gelang über Jahrzehnte die Quadratur des Kreises, da sie die... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil2-die-verklaerten/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Im Heiligenschein der Erde</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Eine geniale Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt gelang jahrelang jenen, die heute auf dem Zenit der Selbstverliebtheit das Ende der Verklärung verkörpern: den Grünen. Ihnen gelang über Jahrzehnte die Quadratur des Kreises, da sie die Katastrophenszenarien der Menschen-als-Bombe mit den Bomben im Befreiungskampf der kolonialisierten Menschen zu verbinden wussten. Wir können es nur bewundernd feststellen und als Phänomen beschreiben. Entkolonialisiert wurde ab den 60er Jahren alles und alle: Afrikaner und Algerier, Kinder und Inder, Frauen und Familienkonzepte, Hochschulen im Allgemeinen und die Geisteswissenschaften im Besonderen. Immer mehr Kinder mit der Gnade der späten Geburt empfanden sich als mitten im Befreiungskampf, den ihre Eltern nicht gekämpft hatten. Selbst Judenselektion fand wieder statt (Entebbe) und linker Antisemitismus war hoffähig. Während der „Club of Rome“ den Endkampf um die zu Ende gehenden Ressourcen proklamierte, riefen die Grünen zur Entwaffnung Europas auf. Ich setze 1994 als Übergangsjahr von der Verliebtheit zur Verklärung an, da damals das erste Mal ein friedliches Land der Welt (Ukraine) freiwillig seine nukleare Bewaffnung aufgab.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie die Grünen all diese Stränge der Geschichte verbanden, bleibt rätselhaft und die Absurdität des Unterfanges zeigte sich überdeutlich im Zerfall. Zuerst stand, durch den Zusammenbruch der UdSSR, die Welt der Verliebten auf dem Kopf. Die neue Katastrophisierung wurde zwar schon seit 1988 (James Hansen vor dem US-Senat) vorbereitet, nahm aber erst Mitte der 1990er volle Fahrt auf. Angela Merkel wurde spätestens 1995 bei einer ihrer ersten Klima-Konferenzen initiiert. Nun folgte eine Konferenz der nächstem, die das neue Bombenszenario und die neue Qualität des Selbstmordattentats ausgestaltete. Wir kamen in die planetarische Phase der Verklärung der Erde zum revolutionären Subjekt und dem Wetter zum kollektiven Selbstmordattentat. Die Bombe des explosiven (exponentiellen) Wachstums der Weltbevölkerung hatte nicht die vorhergesagte Verheerung provoziert. Im Gegenteil, die Menschheit wurde mehr und die Armut nahm ab. Indien versank nicht in Armut, sondern wurde zu einem Nahrungsmittelproduzent für andere Länder. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Anfang des 21. Jahrhunderts wurde dann die neue Bombe scharf gemacht. Das explosive (wieder: exponentielle) Wachstum der Kohlenstoffe bedrohte nun nicht mehr die „Menschheit“, sondern das neue Objekt der Verliebten: die Erde. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im Gegensatz zum Gewusel der Menschen in der Menschheit eignet sich die menschenleere Erde viel besser zur Idealisierung und Verklärung. Die Verzückung über die neue Ikone wurde durch eine Verrückung der Perspektive möglich. Das Bild des Planeten vom Weltall aus gesehen zeigt die Atmosphäre als Heiligenschein. In einer Parallelaktion wurde die Schönheit der „wilden“ Natur neu entdeckt. Dadurch bekam die Verklärung auch eine irdische Aufladung und einen politischen Auftrag: die Reinheit der wilden und schönen Erde vor ihren unreinen und hässlichen Bewohnern zu schützen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Im Übergang von der Verliebtheit zur Verklärung werden Menschen kindlich und kindisch. Ihr Bild der, angeblich vom Menschen unberührten, wilden und schönen Natur wird kitschig; die Liebe zu wilden Tieren erreichte ihren kindischen Höhepunkt im Tier-Film. DreamWorks ging 2005 mit „Madagaskar“ in die Kinos, einem Film, der erzählte wie zivilisierte Zoo-Tiere ihre tierische Natur und innere Wildheit entdecken, um diese dann am Ende doch zu überwinden. Madagaskar war finanziell erfolgreich und zeigte wie Steak-Esser sich in zahme Vegetarier oder zumindest in Sushi-Liebhaber verwandeln konnten. Damit war auch die neue, klima-neutrale und wunderschön domestizierte Männlichkeit definiert. Die männliche Menopause wurde zur Verkörperung des gebändigten Mannes. Der zivilisierte Mann ist harmlos, a-sexuell, fleischlos und schwammig – und darf auch so zur EuroVision antreten. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Al Gore und der Klima-Porno</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">In dieser DreamWorks-Version des heilsamen Dschungels passen kindische Politiker und politisierte Kinder gut ins Bild. Im Zentrum ihrer Realität steht der planetarische Überlebenskampf der guten, wilden Natur gegen eine verruchte und unzivilisierte Menschheit. Letztere bedroht die Existenz und das Selbstbestimmungsrecht der Erde mit einem Selbstmordattentat. Um diesen Mord der Gattung an ihrem eigenen Planeten in jeder Stube und in jedem sozialen Medium omnipräsent zu inszenieren, wurden alle Register der obszönen und pornografischen Darstellung (</span><span class="tm7">Susanne Kappeler</span><span class="tm7">) gezogen. Als oberster Regisseur dieser lustvollen Ausgestaltung der Katastrophe trat die Wissenschaft auf. Diese wurde Jahr für Jahr immer politischer und immer mehr Politiker waren und empfanden sich als Wissenschaftler. Auch der neue Papst war – eigentlich – Wissenschaftler. Die Strahlkraft der Verklärung ließ Wissenschaft und Politik im neuen Glanz erscheinen und die Verliebten waren begeistert und bereit zur Ekstase: Es gibt so viel Gutes zu tun und die Leidenschaft es zu tun ergibt unvorstellbar viel Sinn.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Wie beim Tanz ums goldene Kalb hoffte die neue Generation, dass etwas vom Gold und dessen Glanz auch bei ihnen zu Hause landen würde. Kaum einer verkörpert diese Hoffnung auf Gewinn und Zuwachs an eigenem Glanz beim Übergang in die Verklärung besser als Al Gore. Al Gore war von 1993 bis 2001 Vize-Präsident der USA und ist der Prototyp des „Politiker als Wissenschaftler“ und des neuen revolutionären Subjekts als Katastrophengewinnler. Während er 1992 noch vor der Überbevölkerung als dem größten Problem warnte, wurde er 2006 mit seinem „Wahrheitsfilm“ weltberühmt und steinreich. Während das Polit-Ehepaar Tripper and Al Gore in den 80iger Jahren noch ganz züchtig für die Werte der Familie (family values) kämpfte und selbst die Zensurkeule gegen Künstler wie Prince (Purple Rain) und Frank Zappa auspackten, war Al Gore nach der verlorenen Wahl 2000 – die viele Demokraten als Wahlbetrug bezeichneten – lange Zeit der unbestrittene Anführer des neuen KKK, des Klima-Katastropen-Kurs. Erst durch das Auftreten des züchtigen Kindes Greta änderte sich das Bild. Mit Greta beginnt der Heiligenschein zu bröckeln. </span><span class="tm7">Sie ist der Würge-Engel der verliebten und verklärten Generationen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Ausgerechnet Kattowitz </span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als </span><span class="tm7">Greta Thunberg im Dezember 2018 </span><span class="tm7">in Kattowitz das erste Mal außerhalb Schwedens auftrat, war <a href="https://croniquessubsidiaries.org/2020/07/25/an-inconvenient-truth-for-al-gore-greta-thunbergs-effectiveness/" target="_blank" rel="noopener">Al Gore</a></span><span class="tm7"> mit von der Partie. Gerade auf dem aufsteigenden Ast ihrer messianischen Phase</span><span class="tm7">, lief ein Jahr später schon die nächste globale Panik-Show. Dadurch geriet das Gravitationszentrum des revolutionär-katastrophalen Subjekts </span><span class="tm7">endgültig aus dem Lot</span><span class="tm7">. In der Politik der Pandemie wurde deutlich, wie gut medizinische und militärische Strukturen vernetzt waren. Dieses Netz war nicht mehr mit der bedrohten Erde oder der ungebremsten Reproduktion der Gattung befasst. Ihre Bombe war wiederum das exponentielle, explosive Wachstum - diesmal der Viren. Heute geht es um die kleinsten Teile, die Abschnitte und Abschriften der Gene. D</span><span class="tm7">iese molekularen Texte können </span><span class="tm7">nur noch wenige lesen und verstehen. Noch viel wenigere können mit der der dabei verwendeten Technologie in Hochsicherheitslabors sicher umgehen und die Öffentlichkeit erfährt von diesen elementaren Forschungen fast nichts. Aber, fast alle haben ihre Konsequenzen zu spüren bekommen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die entscheidenden Forschungen im Bereich der Biotechnologie und Physik finden in geheimen, medizin-militärischen Labors, meist ohne Wissen und Kontrolle der Öffentlichkeit statt. Das hat vor 20 Jahren der ebenso mutige wie geniale Nobelpreisträger für Physik, Robert Laughlin (Stanford University) angedeutet. Er hat darauf hingewiesen, dass jene, die öffentlich über diese Tatsache der Geheimforschung oder gar deren Inhalte sprechen, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OeG9iLR9_nE" target="_blank" rel="noopener">drakonischen Strafandrohungen ausgesetzt sind</a>. Er selbst war kurze Zeit auf der anderen Seite, hinter dem Zaun der Geheimhaltung und hat vorhergesehen, was wir nun alle bestätigen können: Der medizinisch-militärische Komplex ist fest installiert, global vernetzt und läuft wie geschmiert. Seine Akteure müssen sich auch nicht wie Selbstmordattentäter in Tunnels verstecken. Sie bekommen öffentliche Ämter und Verdienstkreuze.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Follow the scientists</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die zuerst verliebte und dann verklärte Generation hat diese Entwicklung zuerst zugelassen und dann enthusiastisch begrüßt. Das Versagen der Klima-Bewegung schreit zum Himmel. Anstatt den Wissenschaftlern in ihre geheime Labors zu folgen und auf die Finger zu schauen, traten sie mit Füßen, was nicht nur Paulus als das Wichtigste ansah: die Liebe. Was die Verklärten der Liebe anzutun bereit sind, hat der Vatikan für die Nachwelt festgehalten</span><span class="tm7">. </span><span class="tm7">Er hat die globale Anwendung eines Toxins als Liebesdienst („gift of love“) auf einer Gedenkmünze feiern lassen. Zukünftige Archäologen werden staunen, wie einprägsam die Generation der Verklärten ihren eigenen Niedergang auf </span><span class="tm7">ein paar</span><span class="tm7"> Quadratzentimeter Metall zelebriert haben. Mit „a gift of love“ wurde bis 2020 das Lebenswerk von Johannes Paul II geehrt. Sein Nachfolger, </span><span class="tm7">Jorge Mario Bergoglio (Franziskus)</span><span class="tm7"> aus Buenos Aires, hat sich vom Viren-Teufel persönlich, von Anthony Fauci, informieren und inspirieren lassen. Das globale Verbrechen gegen die Liebe wurde als Ausdruck derselben auf Münzen verewigt – es gibt kaum ein deutlicheres Zeichen, wie sehr sich die verliebte Generation in der selbstverliebten Verklärung verloren hat.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als der Doktor der Physik, Bundeskanzlerin Angela Merkel, im Bundestag den PCR-Test erklärte, stimmte nicht einer ihrer Sätze mit der Realität überein; nicht ein Wort von dem, was sie sagte, hatte medizinisch-wissenschaftlichen oder menschlichen Verstand. So ging die Phase der Verklärung zu Ende und hinterlässt einen Scherbenhaufen, den die Selbstverliebten immer noch als große reinigende Katastrophe an den Horizont der Geschichte projizieren. In Anspielung an Platons Höhlengleichnis können wir feststellen: Die Höhle ist leer, der Film ist gerissen. Der nächste Film läuft schon anderen Orts, in den Tunnels der Hamas und Hisbollah oder </span><span class="tm7">in den geheimen biotechnologischen Labors in China, der Ukraine, …. Aber, </span><span class="tm7">wer heute noch ein Leben haben will, schaut sowieso nicht mehr Filme und das Motto der nächsten Generation könnte lauten: Follow the science – notfalls auch in geheime Labors und geheime Filmstudios. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Verklärten residieren in einer untertunnelten Landschaft, die mit Pomp, Protz und Propaganda als großes Kino verkauft wird. Nur langsam kommt an: Nicht die Erde, sondern die Klima-Bewegung ist am Ende. Auch die Palästinenser sind weiter denn je von einem eigenen Staat entfernt und die PLO wird als UNO-betreute Geriatrie-Station geführt. In Gaza will - außer der Hamas - niemand mehr leben und regieren. Das „H“ der Hamas und Hisbollah steht auch nicht mehr für religiösen Eifer oder arabische Widerstandskraft, sondern für Hospiz. Die israelische Armee gewährt heute jeder neuen Führungsperson die entsprechende Sterbebegleitung. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm6">Was tun?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Bevor Lenin auf diese Frage eingeht, exekutiert er gleich zu Beginn die Freiheit der Kritik. Heute wird sein Leichnam von Soldaten bewacht. Seine Antworten haben sich durchwegs als Desaster erwiesen, da er glaubte, die Zukunft „wissenschaftlich“ vorher sagen zu können, bevor sie auf ihn zu kam. Tatsächlich ist die Zukunft aber offen und das Ende der Verklärung böte wieder mal die Chance, ein neues und diesmal politisches Bündnis aller bürgerlichen Kräfte zu wagen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Als Moses mit den 10 Geboten den Berg runter stieg und sah, wie das verlorene Volk sich in das goldene Kalb verliebt hatte, wurden ihm von Gott zwei Wege angeboten: </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">1: Ein Neubeginn mit einem neuen Volk, das alte würde Gott zerstören.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">2: Ein Neubeginn mit dem Volk wie es ist, aber in einem neuen Bündnis mit Vertrag und Bündnistreue.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Moses lehnte die katastrophale Zerstörung des ganzen Volkes ab und schlug den steinigen zweiten Weg ein. Er wählte den Neubeginn in einem Vertrag unter Anerkennung der schwierigen Ausgangslage des real-existierenden Volkes. Aber auch dieser Neubeginn wurde von einem Bruder- und Schwesterkrieg eingeleitet (2 Mose, 32). Moses zog der globalen Zerstörung den begrenzten Bürgerkrieg vor. Er entschied sich aber auch für das langfristige Projekt, das verklärende Leuchten des Goldes in den matteren Glanz realer Prosperität zu verwandeln. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Was tun? Die goldenen Kälber schlachten anstatt die eigenen Brüder und Schwestern.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Die Zukunft hat gerade erst begonnen und kommt noch auf uns zu. Wir sollten den Mut zu einem neuen Bündnis aufbringen. Ein dreifaches Bündnis</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit uns selbst zur Selbstaufklärung,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit den anderen zu Gestaltung der Freiheit und Produktion des Wohlstands für alle,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm7">- mit Gott, zur Selbstbegrenzung der über alle Ziele hinaus schießenden Gattung. </span></p>
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			</item>
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		<title>Die Verschwörung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Dec 2024 06:22:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Stalinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarność]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte die ZEIT unter dem fast schon prophetischen Titel Mehr Demut, weniger Illusionen am 17.12.1993 ein Streitgespräch zwischen dem deutschen Vorzeige-Intellektuellen Jürgen Habermas und dem Polen Adam Michnik. In einem zehnjährigen politischen Aufbruch hatten die Polen... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/die-verschwoerung-2/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte die ZEIT unter dem fast schon prophetischen Titel </span><em><u><a href="https://www.zeit.de/1993/51/mehr-demut-weniger-illusionen/"><span class="tm8">Mehr Demut, weniger Illusionen</span></a></u> </em><span class="tm7">am 17.12.1993 ein Streitgespräch zwischen dem deutschen Vorzeige-Intellektuellen Jürgen Habermas und dem Polen Adam Michnik. In einem zehnjährigen politischen Aufbruch hatten die Polen mit streikenden Arbeitern, solidarischen Intellektuellen und einem Ausnahmepapst die in der Verfassung verankerte führende Rolle der kommunistischen Partei gekippt und die selbst ernannte Avantgarde an einen politischen Runden Tisch zurück gezwungen. Die deutsche Wiedervereinigung konnte dagegen ohne politischen Aufbruch in trockene Tücher gebracht werden. Die längst auch im Westen entstandenen neofeudalen Strukturen blieben unbeschädigt erhalten. Der westdeutsche Privatbürger wollte von den politischen Unannehmlichkeiten nicht gestört werden, die leidige Angelegenheit nebenbei aus der Portokasse bezahlen und sich lieber mit der Frage beschäftigen, wohin man nächstes Jahr in Urlaub fährt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Wozu Stalinismus diskutieren?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Das europäische Nachbarland Jugoslawien versank derweil im Bürgerkrieg. Der erste Völkermord in Europa nach dem zweiten Weltkrieg war am Horizont schon zu erahnen (Srebrenica). Auch der deutsche Vorzeige-Intellektuelle wollte sich mit Politik nicht die Finger schmutzig machen und forderte unverblümt: da sollen gefälligst die Amerikaner einmarschieren, vierzig Jahre bleiben und Demokratie herstellen. Was die Amerikaner mit einer europäischen Ordnung zu tun haben, interessierte den Philosophen nicht. Da stellte ihm der listige Fuchs Michnik eine Falle und fragte ihn, warum man denn in Westdeutschland nach 45 so wenig über den Stalinismus gesprochen hätte. Habermas, der 1988 das erste Mal in der DDR war und dann erst bemerkte, was andere schon 1953 verstanden hatten, musste zugeben, dass er sich mit dem Totalitarismus in seiner stalinistischen Ausprägung nicht beschäftigt hatte. Der antifaschistische Kampf gegen Adenauers Antikommunismus war ihm wichtiger.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die intellektuellen Nachkriegsversäumnisse machen sich jetzt unangenehm bemerkbar. Viele glauben noch immer, die Grünen seien eine Partei. Es ginge Ihnen doch um das Gute und die Demokratie, nur bei den Mitteln würden sie gelegentlich spätpubertierend etwas über die Stränge schlagen. Weit gefehlt: Die lange erfolgreiche Fassade der schrulligen, aber politisch harmlosen Ökopaxe hat inzwischen deutliche Risse bekommen. Das strukturierte Vorgehen zur Aushöhlung der Demokratie wird in Umrissen erkennbar. Die Grünen orientieren sich seit ihren Anfängen an Lenins Avantgarde Konzept. Sie beanspruchen für sich die führende Rolle einer Vorhut, die eine ganze Gesellschaft ohne vorher deren Einwilligung eingeholt zu haben, mobilisieren, transformieren und in Richtung neues Paradies bewegen will, was nur funktionieren kann, wenn sie von Orwell’schen Schweinen, die gleicher sind als andere, dazu angeleitet und Abweichler konsequent vernichtet werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Dazu muss man gewisse Schalthebel der Macht besetzen. Zu Lenins Zeiten genügte eine skrupellose bewaffnete Minderheit, die zum rechten Zeitpunkt eine legitime Regierung verhaftete, den Verfassungskonvent auflöste und mit einer Geheimpolizei Terror verbreitete. Aus dem Scheitern der RAF zogen die links-grünen Neo-Stalinisten den Schluss, dass man im entwickelten Westen dezenter vorgehen müsse. Das mit der Revolution hatte ja schon 1918 nicht geklappt. Man gab den bolschewistischen Putsch nicht auf, verlegte sich aber auf Mittel, die auf der Zeitachse gestreckt und auf den ersten Blick nicht als gewaltsam und kriegerisch erkennbar waren, obwohl sie den gleichen Zweck verfolgten. Über die Unterwanderung des ÖRR wurde bereits ausführlich berichtet, konzentrieren wir uns auf Behörden. Der <a href="https://apollo-news.net/der-kramer-komplex/" target="_blank" rel="noopener">Fall des Thüringer Verfassungsschutzes</a> kann exemplarisch herangezogen werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Deutsche Behörden: Zwischen Putsch und Widerstand</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Man setze einen Gesinnungsfreund an die Behördenspitze. Wie bei der Kollegin aus dem Völkerrecht sind selbst rudimentäre berufliche Qualifikationen nebensächlich und werden durch erhöhten Gesinnungseifer mehr als wett gemacht, der künftig dafür sorgt, dass disziplinarisch nach innen Angst und Verunsicherung verbreitet werden. Niemand soll sich mehr sicher fühlen. Nach außen wird unter dem Deckmantel einer neutralen, korrekten und rechtsstaatlich einwandfreien Behördenarbeit die Propaganda der bereits unterwanderten Medien mit entsprechenden Gutachten und wohlfeilen Formulierungen („gesichert rechtsextrem“) unterfüttert. Es dauert, bis das Schmierenstück in der Breite der Medienkonsumenten angekommen ist, zumal es von den meisten begierig aufgegriffen wird, weil es bestätigt, was sie ohnehin schon immer zu wissen glaubten. Das hat nicht nur den Effekt, dass man dadurch ein weiteres Standbein hat, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der wichtigere Effekt betrifft die Mühlen der Justiz, die bekanntlich langsam mahlen. Wie die Bolschewisten die Macht erobert haben, gehört gewöhnlich nicht zu den Curricula einer juristischen Standardausbildung. Die meisten Juristen gehen daher noch davon aus, dass Stellungnahmen, die aus Behörden kommen, politisch neutral und rechtsstaatlich korrekt erarbeitet wurden. Sie werden, versehen mit dem Heiligenschein staatlicher Tätigkeit, ungeprüft übernommen, ihr Propagandazweck und Einsatz als Kriegsgerät bleiben verborgen. Massenhaft werden die Richter so zu nützlichen Handlangern einer sozialistischen Aushöhlung der Gewaltenteilung und merken nicht einmal, an welch langer Leine sie gerade hängen. Das Gros der Richter hatte sich nach 45 mehr mit der Sicherung von Beamtenstatus und -Pension beschäftigt als mit der Frage, wann und warum sie auf die schiefe Bahn gerieten. Was heute politisch längst als Hochverrat einzustufen wäre, kann strafrechtlich nicht einmal angemessen belangt werden, weil der Hochverrats Paragraf noch von einem gewaltsamen Umsturz mit bewaffneten Kräften ausgeht. Ein Parlament, das mehrfach ohne Not den Notstand verhängt, wird sich für die Freiheit nicht ins Zeug legen. Es würde daher Sinn machen, sich daran zu erinnern, warum und wie die Amerikaner in den Nürnberger Prozessen „Verschwörung“ ins Spiel brachten, ein Begriff, der wie Hochverrat ein ähnliches Ziel verfolgt, aber deutlich unkriegerischer und mehr im Hintergrund auf leisen Sohlen daherkommt. Bekanntlich blieb auch die Weimarer Verfassung im Dritten Reich innerlich völlig ausgehöhlt, rein formal aber in Kraft.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Das RKI-Leak hat die Illusion neutraler Behörden nachhaltig enttäuscht. Es wird allerdings dauern, bis die Konsequenzen auch beim letzten Provinzgericht angekommen sind. In der Zwischenzeit gilt es, jene Helden zu stützen, die sich aus klassisch preußischer Beamtentradition einem Missbrauch widersetzen. In der ersten Phase war es ein Stefan Kohn, Referatsleiter im Innenministerium, der den Corona Fehlalarm publik machte und sofort von Herrn Seehofer suspendiert wurde, es war ein Familienrichter Dettmar, der für das Kindeswohl eintrat und kürzlich in einem höchstrichterlichen Schandurteil dafür verurteilt wurde und es war ein Grundschulleiter, der die Maskenpflicht für seine Schüler remonstrierte und von Brandenburgs Kultusministerin sofort suspendiert wurde. Auf meine erboste Email schickte mir die damalige Ministerin, zugleich Ehefrau von Olaf Scholz, auf dem Wege der Bremer Amtshilfe frühmorgens drei Polizisten ins Haus, die mich mit einer Gefährderansprache einschüchtern sollten. Auf die Frage, wo denn die Sprengstoffgürtel seien, reagierten die Polizisten verständnislos. Zeit also, umzudenken: der Hochverrat kommt nicht mehr als Militärputsch und mit Attentaten daher, sondern aus den Spitzen weisungsabhängiger Behörden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Heute sind es die anonymen Whistleblower und die zahlreichen </span><em><span class="tm10">kleinen Leute</span></em><span class="tm7"> die nach dem Motto <em>„B</em></span><em><span class="tm10">estrafe einen, erziehe Tausend“</span></em><span class="tm7"> unsere Aufmerksamkeit und Sorge wecken sollten. In Polen hatte sich schon im Vorfeld der Solidarność 1976 das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) gegründet, um Landsleuten, die mit dem übergriffig repressiven Staat in Konflikt gerieten, sowohl rechtlich als auch finanziell unter die Arme zu greifen. Ein Vorbild auch für uns?</span></p>
<p>=======</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://reitschuster.de/post/zwischen-hochverrat-und-preussentum/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>, <a href="https://www.dersandwirt.de/hochverrat-und-preussentum/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/die-verschwoerung-2/">Die Verschwörung</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Von der Glatze zur Maske</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Nov 2024 06:32:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Inzest]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 18. November 2020 hat der&#160;Bundestag&#160;in namentlicher Abstimmung einen Gesetzentwurf der CDU/CSU und SPD angenommen, der die&#160;unbegründeten und nicht zu rechtfertigenden Corona-Notstandsmaßnahmen nachträglich legalisierte. Das Gesetz zum „Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“&#160;wurde die Grundlage der... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/11/von-der-glatze-zur-maske/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm7">Am 18. November 2020 hat der</span><span class="tm6">&nbsp;Bundestag</span><span class="tm7">&nbsp;in namentlicher Abstimmung einen <a href="https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2020/kw47-de-bevoelkerungsschutz-804202" target="_blank" rel="noopener">Gesetzentwurf der CDU/CSU und SPD</a> angenommen, der die&nbsp;</span><span class="tm6">unbegründeten und nicht zu rechtfertigenden Corona-Notstandsmaßnahmen nachträglich legalisierte. Das Gesetz </span><span class="tm7">zum „Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“&nbsp;</span><span class="tm6">wurde die Grundlage der weiteren Maßnahmen. Der Nachweis einer&nbsp;</span><span class="tm7">nationalen Notlage</span><span class="tm6"> wurde niemals erbracht und die Maßnahmen hatten medizinisch und wissenschaftlich gesehen immer weniger mit der Realität zu tun. Dennoch blieben die Maßnahmen populär. Das war damals und bleibt heute erstaunlich. Besonders erstaunlich war, dass politisch gebildete Menschen ein Gefühl für die staatlichen Organe entwickelten, das normalerweise im engen Kreis der Freunde, Familie und besonders in intimen Beziehungen seinen Platz hat: Vertrauen. Wer vorsichtig nachfragte oder sachte Kritik am Vorgehen des Staates äußerte, bekam zu hören: Ich vertraue der Regierung und ich kann mir nicht vorstellen, dass die etwas Böses tun oder uns Schaden zufügen wollen. Selbst die widerwärtige Kampagne gegen Kinder wurde nicht zum Anlass genommen, den eigenen Vertrauensvorschuss zu überprüfen. Wenn Kinder nicht mehr gegen staatliche Übergriffe verteidigt werden, haben wir es mit einer tiefen ethischen Krise der Gesellschaft zu tun. Die öffentliche Diskussion über die Politik der Pandemie hat noch nicht den Mut gezeigt, diese Krise ernst zu nehmen. Ergänzend zu den bestehenden und überzeugenden Erklärungen für diese Mutschwäche möchte ich hier eine aus religionswissenschaftlicher Sicht anbieten.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Glatze oder Maske?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Psychopolitisch war die breite Zustimmung zur Notstandspolitik die Wiederkehr des Verdrängten einer Generation, die als außerparlamentarische Opposition (APO) heftig gegen Notstandsgesetze demonstriert hatte und seither bei jedem passenden und unpassenden Anlass „Nie Wieder“ rief. Im Laufe des Jahres 2020 hat der Bundestag seine Kontrollfunktion freiwillig abgegeben und am 18. November 2020 stimmten selbst Teile der innerparlamentarischen Opposition (Die Grünen) voller Überzeugung für den Notstand. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wurden mehrere Grundrechte, die das Grundgesetz garantiert, außer Kraft gesetzt. Die Demonstranten vor dem Bundestag wurden als Nazis beschimpft und von Wasserwerfern niedergeworfen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie es politisch dazu kommen konnte, ist inzwischen weitgehend bekannt. Warum aber viele der Nie-Wieder-Generation freiwillig mitmachten und von den offensichtlich ebenso wirkungslosen wie unmenschlichen Maßnahmen überzeugt waren, bleibt ein menschliches Rätsel, das es zu lösen gilt. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine Gegenüberstellung von Rostock-Lichtenhagen (1992) und Amsterdam (2024) zeigt die schmerzliche Verschiebung von der Glatze zur Maske. Jene, die sich mit uns vor dem Flüchtlingsheim in Lichtenhagen mutig gegen den Glatzen-Mob gestellt haben, bleiben heute zu Hause, wenn Flüchtende in Amsterdam vom Masken-Mob gejagt werden. Sie und viele ihrer Kinder trugen während des Ausnahmezustands stolz die Maske als Symbol der Solidarität. Was hat sich hier geändert: der Mob, die Flüchtlinge, die Bereitschaft diese zu schützen? Oder geht es um eine ganz andere Verschiebung, eine auf der Ebene von Sympathie und Antipathie?&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Äußerlich gesehen hat sich der Hass auf die Glatze hin zur Liebe für die Maske entwickelt. Für die Notstandsliebhaber war die Maske nicht das Symbol staatlicher Drangsale, sondern Zeichen ihrer vertraulichen Übereinstimmung mit dem Staat. Eine mögliche Erklärung für diese krasse Drehung liegt nicht in der Politik oder in der Missachtung des Grundgesetzes, sondern in der Aufweichung eines viel älteren Gesetzes, dem Inzesttabu.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;</span><strong><span class="tm8">Verharmlosung des mütterlichen Inzests</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Inzesttabu bezieht sich auf Leib und Seele. Es verbietet Eltern die Erotisierung der Beziehung zum Kind, gerade weil Kinder immer wieder in die Versuchung geraten, ihre sexuellen Wünsche mit einem Elternteil auszuleben. Es verbietet sexuelle Praktiken innerhalb der Familie, zwischen Geschwistern und meist auch nahen Verwandten; insbesondere Sex mit Minderjährigen. Das Inzesttabu schützt somit alle in der Klein- und Groß-Familie vor ihren schlimmsten Impulsen, vor Sodom und Gomorra. Das Inzesttabu steht, in seiner Bedeutung für das gesellschaftliche Miteinander, dem Menschenopfer-Tabu in nichts nach. Es aufzuweichen hat ungeheuerliche Konsequenzen, deren Verheerungen sich bis in kommende Generationen hinein fortsetzen. Das wissen jene, die für eine Aufweichung dieses Tabus plädieren und sie nutzen dies schamlos aus.&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Inzesttabu gilt für Kinder, Mütter und Väter gleichermaßen. Zur gegenwärtigen Kultur gehört aber, dass Tabubrüche der Mütter und Kinder systematisch (ideologisch) verharmlost und teilweise gefördert werden (Trans-Pädagogik). Tatsächlich unterscheidet sich der mütterliche Inzest aufgrund der besonderen Dynamik der Mutterliebe und körperlichen Fürsorge. Das Kind lebt sehr lange in der Mutterblase und anfangs dreht sich das Handeln der Mutter um den Körper des Kindes und dessen Bedürfnisse. Mütter bemühen sich im Kind körperliches Wohlbefinden hervorzurufen, von&nbsp;der Stille des Stillens bis zur Aufregung stimulierender Berührung. Die Mutterbrust (der Körper der Mutter) ist das erste Objekt des Kindes und das erste Objekt der triebhaften Regungen und Aufladungen. Das Kind kann kaum anders, als die Liebe der Mutter körperlich zu spüren. Daher entstehen im Kind Gefühle, die wir beim Erwachsenen durchaus als erotische Fantasien bezeichnen würden. Aber es ist ein Kind und Mütter kennen den Unterschied. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Besonderheiten der Mutter-Kind-Blase machen diese anfällig für kulturelle und ideologische Tabubrüche. Normalerweise ist es die Aufgabe des Vaters, den mütterlichen Inzest zu unterbinden. Erst mit der Zeit und mit dem Erscheinen der väterlichen Kraft löst sich das Kind aus der Mutterblase. Diese Dynamik war schon vor Merkels Amtsantritt in unserem Land nachhaltig gestört. Viele Mütter wollen die Mutterblase nicht mehr für ihre Kinder halten. Der Eintritt des Vaters steht gesellschaftlich unter Missbrauchsverdacht und viele Frauen haben zudem das Gefühl, ihr Kind vor dem starken Vater schützen zu müssen. Der Effekt ist einschlägig bekannt: Mütter haben das Gefühl ihre Kinder, Söhne wie Töchter, möglichst lange an sich binden zu müssen. Die Bindungstheorie gibt die nötige ideologische Rechtfertigung dafür. Damit waren die Bedingungen für eine Aufweichung des mütterlichen Inzesttabus schon bei Merkels Amtsantritt ideal. Die Aufweichung des mütterlichen Inzesttabus ist an folgender Trias erkennbar:</span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm6">-&nbsp;&nbsp;Die Idealisierung mütterlicher Schutzkonzepte: Die Mutter-Blase als Politik des liebevollen Lockdowns und der fürsorglichen Belagerung.</span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm6">-&nbsp;&nbsp;Die Verhäuslichung der politischen Sphäre:&nbsp;Feminisierung staatlicher Gewalt und und Dämonisierung der männlichen und väterlichen Fähigkeit zu Begrenzung und liebevollen Dominanz. </span></p>
<p class="Normal tm9"><span class="tm6">-&nbsp;&nbsp;Auflösung der Geschlechterspannung im öffentlichen und politischen Raum: Harmonie und Entspannung als Ideal der Beziehung von Staatsbürgern und staatlicher Gewalt.</span></p>
<p class="Normal tm10"><strong><span class="tm8">Inzest der Landesmutter</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es ist einfach, eine ganze Generation zu verwirren, wenn der Bannspruch gegen das Inzesttabu durchlässig wird. Und wer könnte Verstöße gegen das Tabu besser verharmlosen und normalisieren als eine Mutter, die daherkommt, als hätte sie null Interesse an Sex und zudem keine leiblichen Kinder - also eine Landesmutter.&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Während der väterliche Inzest ins Visier genommen wird, geht der mütterliche einfach so durch. Die kinderlose Frau Angela Merkel hat es als Politikerin geschafft, den mütterlichen Inzest als normale und harmlose Form des gesellschaftlichen Miteinanders zu etablieren. Das war Mama Merkels genialster Schachzug. Sie hat die Staatsbürger wie kleine, a-sexuelle Kinder behandelt, die vor dem übergriffigen, sexuellen Vater geschützt werden müssen. Durch die Abwehr männlicher Sexualität ist der Weg frei die Beziehung zum Staat erotisch aufzuladen. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die vertraulich-erotischen Gefühle für den mütterlichen Staat haben sich tief in die Seelen der Bundesbürger hinein gearbeitet. In den paar Monaten, vom März bis zum November 2020, konnte sich das Land in eine Intensivstation verwandeln. Auf dieser wurde Liebe und Solidarität als erzwungene Häuslichkeit (Bleib zu Hause) und forcierte Beatmung praktiziert. Während die staatliche Propaganda die Zahlen hoch kochte, empfahl die kühle Kanzlerin Kniebeugen zum Warmwerden in winterlich gelüfteten Innenräumen. Folgsamkeit und kindlich-fragloses Vertrauen wurden als Bürger-Tugenden gelobt. Der Wunsch nach skeptischer Überprüfung wurde als Unterwanderung und Vergewaltigung des gesellschaftlichen Konsenses gebrandmarkt. Das folgt der Logik von Vertrauen und Verrat, von Tabu und Tabubruch. Die Logik des Tabubruchs war: So schützen Mütter ihre Söhne vor der gefährlichen Welt der Väter und halten sie so lang als möglich zu Hause oder an der erotischen Leine. Selbst der Kindesentzug im Quarantänefall konnte als mütterlich-liebevoll gerechtfertigt werden. Kaum ein anderer Aspekt der staatlichen Maßnahmen war besser geeignet den beschützenden und starken Vater zu entmannen, als der Zugriff des Staates auf seine Kinder. Der post-menopausale Höhepunkt dieser kastrierten Väterlichkeit kam im Sommer 2020. Propaganda-Filme zeigten die Heroen des mütterlichen Inzests: Männer, die heldenmutig zu Hause saßen und gemütlich ihr ansetzendes Bauchfett als Beitrag zur Solidarität feierten. Die Filme zeigten Szenen häuslicher Idylle, die offenbar jede Assoziation mit häuslicher und staatlicher Gewalt ins Reich des Unvorstellbaren verweisen. Diese Propagandakunst ließ tief blicken und verriet um was es ging. Es ging um ein Geheimnis, ein Tabu, und die Lust dieses zu brechen. Hier erwies sich die Politik der Pandemie als Beziehungs-Kiste, und da wir alle gemeinsam in und vor der Kiste sitzen sollten, als Psycho-Kiste.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Körpersprache einer Psycho-Sekte</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Am Anfang hat sich Merkel vor allem durch ihre seltsam gestelzte Körpersprache verraten. Ihr eigener Körper schien ihr fremd oder gleichgültig zu sein. Dann kam die Pandemiepolitik und die größten medizinischen Lügner ließen eine chronische Stimmstörung erkennen: Anthony Fauci, Lothar Wieler. Alles nur Zufall? Und dann stellte sich noch eine weitere Seltsamkeit im „body politic“ ein. Immer öfter sprachen Politiker von ihrem und unserem „Erleben“. Was wir oder Politiker angeblich erleben, ist inzwischen zur allgegenwärtigen Psycho-Formel der politischen Klasse geworden. Besonders die Grünen „erleben“ viel, wenn sie über die katastrophalen Folgen ihrer Politik sprechen. Die Sprache des politischen Handelns zur Verbesserung der Republik wurde zugunsten der Floskeln von Selbsthilfegruppen aufgegeben. Wenn Politik sich wie eine Psycho-Sekte verhält und wenn die inneren, leiblichen Organe ganz andere Texte sprechen als die äußeren, politischen Organe, dann wird mein Interesse sowohl als Religionswissenschaftler als auch als Organliebhaber geweckt. Ich erinnere mich noch gut an die Anhänger des </span><span class="tm11">Bhagwan Shree Rajneesh (heute: Osho) und frage mich immer wieder, ob nicht die Eltern der heutigen, woken Tabubrecher e</span><span class="tm6">inschlägige Erlebnisse in dieser Psycho-Sekte gemacht haben.&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Was Psychodynamik, Sektenbildung und Politik als Selbsthilfegruppe verbindet, ist die Frage der Gültigkeit des Inzesttabus. Es gibt hier einen Code zu knacken, der ähnlich magisch funktioniert wie die Harmonielehre beim Klavierspielen. Warum es ausgerechnet Angela Merkel gelang diesen Code zu spielen ist ein Rätsel. War es Talent und Intuition? Oder hatte sie Berater, die diesen Code kennen und bereit waren, ihn sowohl schwarz-magisch als auch weiss-magisch auszuspielen? Eines ist aber völlig klar, Mama Merkel brauchte bereitwillige Söhne und Töchter. Es ging also nur mit und durch die Grünen, da diese sowohl eine anhaltende Tendenz haben mütterliche Gewalt zu verharmlosen, als auch das Inzesttabu für verhandelbar halten. Ob nun Merkel auf die Grünen hereingefallen ist oder die Grünen auf Merkel würde mich brennend interessieren. Es scheint aber so als würden sie uns gemeinsam in den Abgrund ziehen wollen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Macht, Gewalt, Inzest</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die gute Landesmutter ist a-sexuell und geschlechts-neutral. Der Merkel-Staat war der gute, mütterliche Staat, dem nichts Böses zuzutrauen ist. Er regiert mit Zuwendung und Sorge. Seine Macht ist die Ohnmacht der Mutter, seine Gewalt erzieht und ist sanft. Er ist ohne Eigeninteresse, wie eine liebende Mutter. Er ist gemütlich und schützt die Kinder vor der Härte des anspruchsvollen Vaters. Der Staat als gute Mutter verteilt alles gerecht und ist auf Spannungsabbau bedacht. Disharmonie, Gewalt und aggressive Sexualität kommt vom Vater. Die Söhne werden dem Vater entzogen und ent-sexualisiert. Das familiäre Dreieck wird von der Mutter regiert und die Mutter stabilisiert sich selbst im Halten des Dreiecks (Merkel-Geste). </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Im Merkel-Matriarchat des mütterlichen Inzests reguliert die gute, a-sexuelle Mutter die sexuellen Ambitionen des Sohnes. Der Sohn bekommt seinen Platz im Haus (Dreieck), wenn er a-sexuell (trans) oder ohnmächtig (post-menopausal) ist. Die Gewalt im Staate liegt bei der gerechten Mutter. Gewaltentrennung oder Trinität ist nicht nötig und sogar gefährlich, da sie den Vater und Sohn als Gegenmacht zur Mutter etablieren würde. Die Landesmutter Merkel hat auf wundersame Weise drei Aspekte des mütterlichen Inzests gezielt gefördert:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- die Verniedlichung der mütterlichen Staatsgewalt,&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- den Import muslimischer Mütter,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- die Degradierung männlicher Heterosexualität und väterlicher Begrenzung im trans-nationalen und trans-gender Paradies.</span></p>
<p class="Normal tm12"><span class="tm6">Alle drei werden uns, die CDU und Friedrich Merz noch eine Weile beschäftigen. Jeder einzelne Aspekt ist bekannt und könnte sich als politische, religiöse oder kulturelle Verirrung und Krankheit behandeln lassen. Die Kombination der drei bildet ein neuartiges Syndrom, eine neue Herausforderung, gegen die noch kein Kraut gewachsen ist. Es wäre langsam an der Zeit wirksame Gegenmittel zu finden, bevor die Krankheit den gesamten „body politic“ ergreift. Ich bin auch gespannt ob Historiker und Kliniker der Gattung Vorläufer dieses Syndroms finden.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Kalte und heiße Umarmungen</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Merkels Körpersprache war ein Hinweis. Meist stabilisierte sie sich selbst über das Halten der Raute vor dem Bauch: Ruhe und Kontrolle im aufrührerischen Darm. Wenn sie die Arme ausbreitete, wird es peinlich: Weit und breit keine Hingabe und herzliche Öffnung. Ein kurzer Vergleich mit dem herzhaften Umarmungskünstler Xavier Milei oder der sachten Vorbeuge und den offenen Hand-Armen des Donald Trump sagt eigentlich alles: Merkel bekommt die Arme kaum auseinander und von einer Herzöffnung oder gar einer Erotisierung des angedrohten Körperkontakts kann keine Rede sein. Sie bietet eine kalte, und halbherzige Umarmung an. Die Merkel-Geste ist die der sorgenden und alles kontrollierenden Mutter, ohne jedes sexuelle Interesse. Das ist ein Desaster für ihre politischen Söhne. Diesen fehlt dadurch sowohl die Initiative als auch die Gefühlsintensität, sich von der Mutter zu lösen.&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein ähnliches Phänomen kennen wir aus dem muslimischen Matriarchat. Die Mutter regiert die Familie, ihre Subjekte sind ihre Kinder und ihr wertvollstes Pfand sind die Söhne. Als Frau ist sie minderwertig, als Mutter ist sie allmächtig, dabei aber „unterwürfig, rein und sanft“ (Nasrallah über seine Mutter). Die Mutter entwertet den Mann zum nutzlosen Vater. In ihrer Ohnmacht als Frau ist sie allmächtig als Mutter eines Sohnes. Die aufkeimende Sexualität der Söhne ist Krise und Katastrophe, Bedrohung und Chance zugleich. Es geht um die mütterliche Kontrolle der Sexualität des Sohnes, also um Inzestkontrolle. Die Mutter bietet dem Sohn eine Alternative an: Entweder das Opfer der männlichen Sexualität in der kalten Umarmung der Ehe und verachteten Vaterschaft, oder das Selbst-Opfer im heißen Märtyrertod. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Landesvater Merz?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Landesmutter Merkel hat die Aufweichung des Inzesttabus gefördert und zudem viele erfahrene Mitstreiterinnen ins Land geholt. Merz ist ihr politischer Sohn. Er entging weder ihrer Verharmlosung des Inzests noch wird er die gerufenen Mütter so einfach wieder los. Er ist zu bedauern, aber er ist nicht allein. Falls die hier entwickelte Erklärung Realität beschreibt, wird es Merz nur gelingen die Rolle des Landesvaters anzunehmen, wenn er selbst ein Tabu bricht; oder den Tabubruch der Landesmutter offenbart. Letzteres wäre dem Land zu wünschen, können sich aber im Moment nur Optimisten und starke Väter vorstellen. </span></p>
<p class="Normal">
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		<title>Der lachende Hase im Schnee</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Apr 2024 05:50:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Klimaschwindel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die erste Version des Sozialismus beruhte auf den von Marx entdeckten Naturgesetzen der Geschichte. Für seine deutschen Anhänger hatte dieser gesetzliche Verlauf den großen Vorteil, dass man sich um die gegenwärtige Lage des damaligen Kaiserreichs keine großen Gedanken machen musste,... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/04/der-lachende-hase-im-schnee/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die erste Version des Sozialismus beruhte auf den von Marx entdeckten Naturgesetzen der Geschichte. Für seine deutschen Anhänger hatte dieser gesetzliche Verlauf den großen Vorteil, dass man sich um die gegenwärtige Lage des damaligen Kaiserreichs keine großen Gedanken machen musste, denn es war ja von vorn herein ausgemacht, wo das Ganze enden wird: im Zusammenbruch der bürgerlichen, kapitalistischen Gesellschaft. Dessen war man ganz sicher. Man übernahm von den protestantischen Endzeitsekten den kommenden Weltuntergang, verkürzte die Zeitspanne und übertrug die christlichen Tugenden Glaube und Hoffnung auf die Weltrevolution. Man konnte sich daher beruhigt um wichtigere Dinge kümmern, die Entwicklung den Gesetzen überlassen und sich gemütlich auf den Tag X vorbereiten, an dem einem die volle Macht wie von selbst in den Schoss fallen würde. Der Rest war eine reine Organisations- und Modellierungsfrage und da es sich bei den ersten Genossen überwiegend um Handwerker handelte, wussten sie, wie man das mit der Neuen Gesellschaft und dem Neuen Menschen machen muss, ein bisschen absägen hier, ein bisschen die Ecken und Kanten rund feilen dort, was vorlaut hervorragt auf ordentliches Gleichmaß zurecht stutzen und den Materialausschuss entsorgen. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Da es sich aber um Geschichte und nicht Natur handelte, hatten die Marxschen Gesetze so ihre Tücken. Die Geschichte verzettelte sich in lauter unterschiedliche Geschichten und diese machten auch noch, was sie wollten und hielten sich einfach nicht an die Marxschen Vorschriften. So brach unglücklicherweise die erste kommunistische Revolution ausgerechnet im ökonomisch rückständigsten Land des damaligen Europas aus. Man erfand aberwitzige intellektuelle Verrenkungen, um die widerspenstige Wirklichkeit wieder mit einer Theorie zu versöhnen, an der aus religiösen Gründen nicht gezweifelt werden durfte. Man stelle sich vor, die frühen Christen hätten bei den ersten Konflikten gesagt, tut uns leid, wir haben uns in Gott geirrt, es gibt jetzt doch wieder mehr als einen. Zum Glück war der sozialistische Adressatenkreis von eher beschränktem politischem Verstand, da musste nur die neue Parteilinie vehement verkündet, Abweichlern und Zweiflern mit der ganzen Härte der Partei gedroht werden, dann schluckten die das schon.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Verelendungstheorie angesichts von Waschmaschinen, Autos und jährlichem Urlaub in Italien an Überzeugungskraft. Mit der unzuverlässigen Geschichte war kein Sozialismus mehr zu machen. Ohne Apokalypse keine Massenmobilisierung. Es musste etwas Neues her. Man verlagerte das Gesetz in die Natur und machte zwischen Verbrauch und Ressourcen eine einfache Rechnung auf. Heraus kam die nächste drohende Katastrophe - die Grenzen des Wachstums. Auch dieser Versuch, eine stabile Herrschaftsideologie für Aktivisten in die Welt zu setzen, krankte an der begrenzten Fantasie seiner Erfinder. Bei jedem vorhergesagten „Ende des Erdöls“ Termin gab es mehr Vorkommen als je zuvor. Die fleißigen Rechner und Untergangsverkünder waren erneut blamiert. Das Problem: Erdölvorkommen sind eine Sache der zuverlässigen Erfahrung, man bohrt und findet etwas oder auch nichts. Wenn etwas hervorsprudelt, ist es wirklich da, es riecht, es klebt, es macht die Finger schmutzig.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Der dritte groß angelegte Versuch startete irgendwann in den 80ern. Geschichte ging nicht, Natur auch nicht, man suchte etwas, was nicht so leicht von jedem hergelaufenen Skeptiker überprüfbar war - so kam man aufs Klima. Da braucht man schon riesengroße Rechner, um das auszurechnen, das ist nichts für Otto Normalverbraucher, kann er sich gar nicht leisten, und all die Daten, die man dafür einspeisen muss, hat er zum Glück auch nicht. Der Trick: man musste nur den Leuten etwas als wirklich verkaufen, was in Wirklichkeit gar nicht da war, denn Klima ist, so steht es in jedem Lexikon, ein mit meteorologischen und statistischen Daten errechneter Mittelwert. Ein Mittelwert ist aber kein Bestandteil der erfahrbaren Wirklichkeit. Unser alter Statistik Professor hatte uns Studenten damals noch mit einem einfachen Beispiel davor gewarnt, Statistik mit der Wirklichkeit zu verwechseln. Wenn Sie einmal links und einmal rechts am Hasen vorbei schießen, sagte er, ist der Hase statistisch gesehen tot. Der tatsächliche Hase hält sich aber bei diesen Schießkünsten den Bauch vor Lachen. Klima hat deswegen einen großen Vorteil: es lässt sich nicht erfahren. Sie können nicht vor die Tür gehen, zu ihren Gästen zurück kommen und stolz verkünden: ich habe gerade Klima xy getroffen. Erfahren lassen sich nur Wetterphänomene. Wenn es regnet, wird man ohne Schirm nass und wer bei Kälte zu dünn angezogen draußen herum rennt, holt sich den Schnief, das wussten schon die Großeltern.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Was auf der einen Seite wie ein Mangel aussieht, macht auf der anderen seinen großen Erfolg aus. Man muss Klima einfach glauben. Man braucht nur wie bei der Verbreitung des Christentums seine Jünger und Missionare in die ganze Welt hinaus schicken, die medialen Verbreitungswege kontrollieren wie seinerzeit die Bücher im Kloster und schon funktioniert es mit dem Klimaschwindel. Das gefährliche Lachen wird Euch vor lauter Angst schon vergehen. Irgendwie scheint aber auch das nicht so ganz zu klappen. Während die globale Propagandamaschinerie jeden Monat den heißesten Monat seit Menschengedenken verkündet, posten in den sozialen Medien die unverbesserlichen Selbstdenker Bilder vom Schnee im Garten. Alles wie immer im April.</span></p>
<p>===============</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-der-lachende-hase-im-schnee/" target="_blank" rel="noopener">tabula rasa Magazin</a>, <a href="https://www.achgut.com/artikel/sozialismus_der_lachende_hase_im_schnee" target="_blank" rel="noopener">achse des guten</a>, <a href="https://reitschuster.de/post/klima-ideologie-die-dritte-version-des-sozialismus/" target="_blank" rel="noopener">reitschuster.de</a>, <a href="https://globkult.de/gesellschaft/modelle/2363-der-lachende-hase-im-schnee" target="_blank" rel="noopener">GlobKult</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/04/der-lachende-hase-im-schnee/">Der lachende Hase im Schnee</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Permanente Mobilmachung</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/permanente-mobilmachung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Feb 2024 14:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Französische Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Von „Mobilmachung“ wird gesprochen, wenn ein Krieg kurz bevorsteht. &#160; Von der hier erreichten Kulturhöhe des dritten Reiches aus erscheint dem Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley als der größte Verbrecher im deutschen Volke, wer „zum erstenmal in Deutschland einen... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/permanente-mobilmachung/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6 tm7" style="text-align: right;"><span class="tm8">Von „Mobilmachung“ wird gesprochen, wenn ein </span><span class="tm9">Krieg</span> <span class="tm8">kurz bevorsteht.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;">Von der hier erreichten Kulturhöhe des dritten Reiches aus erscheint dem<br>
Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley als der größte Verbrecher<br>
im deutschen Volke, wer „zum erstenmal in Deutschland einen<br>
Politiker zum Zivilisten erklärt“ habe.<br>
(„Völkischer Beobachter“, 1934, Nr. 45)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="tm5"><span class="tm6">Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht der Bundespräsident, der Kanzler, die führenden Vertreter der regierenden Parteien, eilfertig sekundiert von den privilegierten Schichten in Medien, Kirchen und anderen staatstragenden Institutionen einen dringenden Appell an die Medienkonsumenten richten, die offenbar existenziell gefährdete zweite deutsche Demokratie vor einem Regierungswechsel zu bewahren, obwohl doch der Wechsel zwischen Regierung und Opposition, zumindest auf dem Papier, zum Wesen einer jeden modernen Demokratie gehört und sie vor Erstarrung und Korrumpierung schützen soll. Der ehemalige Generalsekretär der CDU verkündet, Demokratie brauche keine Alternative (Ruprecht Polenz). Der Chefkommentator der Süddeutschen Zeitung, ein Jurist, ruft zur Mobilmachung auf und will der gesamten Opposition das aktive und passive Wahlrecht entziehen (Heribert Prantl). Eine Propagandistin der taz fordert die Transformation der sozialen Marktwirtschaft in eine planmäßige Kriegswirtschaft, um sich gegen das zum globalen Feind hypostasierte Klima verteidigen zu können (Ulrike Herrmann), eine hysterisch gesteigerte Neuauflage der Einkreisungsphobie vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs. Eine Petition zur Aberkennung von Grundrechten für einen Politiker kommt auf über eine Million Stimmen. Auf dem staatlich organisierten revolutionären Kreuzzug von Elite und Mob „gegen rechts“ wird offen zur Volksjustiz am politischen Gegner aufgerufen, ohne dass die begleitenden polizeilichen Ordnungskräfte auch nur den Versuch unternehmen, den Aufruf zu einer Straftat zu unterbinden. Wie Phönix aus der Asche sonnt sich die erneuerte Volksgemeinschaft der Guten innerlich beseelt in der Erlösungsillusion, nachträglich Hitler besiegt und sich von der Erbschuld gereinigt zu haben. Die Bundesfamilienministerin, eine Grüne, plant derweil über die direkte Verzahnung von linksaktivistischen Organisationen mit der örtlichen Polizei und Exekutive die flächendeckende Einrichtung einer neuen politischen Polizei. Die große Mehrheit der Organe der Rechtspflege sieht der tagtäglichen Gewöhnung an den Ausnahmezustand als neue Normalität gleichgültig zu. Die Anknüpfungen an Methoden des Kriegskommunismus der Bolschewiki sind offensichtlich. Assoziationen an die exzessive Straßengewalt der Weimarer Republik drängen sich auf. Der sakralisierte „Heilige Krieg“ der auserwählt Guten gegen das Böse als Ablenkungsventil eines umfassenden Krisenbewusstseins erinnert an die Begeisterung städtisch-dekadenter Massen im August 1914.</span></p>
<p class="tm5"><span class="tm6">Die Vergiftung der Gesellschaft durch eine kleine extremistische Kanaille, wobei es belanglos ist, ob es sich um rechte oder linke Banditen handelt, ist bereits so weit fortgeschritten, dass sowohl der Unterschied zwischen einer kriminellen Vereinigung und einer Regierung als auch der zwischen Krieg und Frieden eingeebnet erscheint. Die Parole „La patrie est en danger“, die in der Französischen Revolution die Notwendigkeit von Massenmobilisierung und Terror einleitete, kehrt heute als Schlachtruf zur Verteidigung der Demokratie gegen seine inneren Feinde wieder. Wenn es nicht erneut die Massen in ihren Bann zöge und als Legitimierung eines Ausnahmezustandes genutzt würde, könnte man es als Schmierentheater abtun. Es fehlt nicht viel und der politische Gegner muss, um die Demokratie zu retten, in Schutzhaft genommen werden, eine polizeiliche Maßnahme, die auch schon vor den Nationalsozialisten von den in Bedrängnis geratenen Sozialdemokraten der Weimarer Republik genutzt wurde. „Wo ‚nie wieder‘ draufsteht, ist ‚schon wieder‘ drin“, formulierte einer treffend auf facebook. Der „Welfare State“, der nach 45 als Schutz gegen einen Rückfall in den „Warfare State“ auch in Deutschland installiert wurde, war, so muss man konstatieren, als Mittel gegen den totalitären Umschlag einer liberalen Demokratie nicht hinreichend. Das Problem steckt offenbar tiefer.</span></p>
<h3><strong><span class="tm5">Deutsche Kontinuitäten</span></strong></h3>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><span class="tm6">Denn in historischer Perspektive führt von den<br>
„Reichsfeinden“ sowohl ein Weg zur „Reichskristallnacht“,<br>
</span><span class="tm6">als auch zur „Volksgemeinschaft“ mit dem notwendigen<br>
</span><span class="tm6">Komplement der „Volksschädlinge“ die es zu beseitigen gilt.<br>
(</span><span class="tm6">Hans-Ulrich Wehler)</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: right;">„Nicht immer die Nazi-Keule raus holen, sondern vielleicht<br>
einfach mal ein paar Nazis keulen. Tschüss, bis nächste Woche.“<br>
(Jan Böhmermann, ZDF-Clown)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">„Die unablässige Diskriminierung von Opposition ist jedoch ein Kennzeichen des deutschen Kaiserreichs, damit auch eine der Bedingungen seines Untergangs gewesen“ (Hans-Ulrich Wehler). Dass eine preußisch-militaristisch geprägte Monarchie keinen Weg fand, sich mit einer Opposition politisch auseinander zu setzen, lässt sich rückblickend nachvollziehen. Dass es eine sich als moderne westliche Demokratie verstehende Bundesrepublik über hundert Jahre und zwei Ordnungen später immer noch nicht vermag, muss zu denken geben. Eine durch konsequente Negativauslese entkernte SPD verfährt im Bund mit anderen Linken mit der erstarkenden Opposition nicht viel anders, als im Kaiserreich mit den Sozialdemokraten verfahren wurde, ein Spiel mit vertauschten Rollen als Farce und Ironie der Geschichte. Was dem Reich die Sozialdemokraten als „Reichsfeinde“ sind der Bundesrepublik die Opposition als „Demokratie- oder Verfassungsfeinde“. Herrschende, die nicht regieren können, führen mit den „Waffen des Polizeistaates“ (Meinecke) einen Vernichtungskrieg gegen eine zum inneren Feind stilisierte Opposition. In den letzten Jahren des Kaiserreiches galt die „Zertrümmerung der Sozialdemokratie“ als „Kernfrage des innenpolitischen Lebens“ (Erzberger). Es bedarf keiner Mühe, ähnlich lautende Sentenzen der aktuellen Tagespresse zu entnehmen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine Regierung, die mit einer immer schrilleren Kriegspropaganda (Hitler ante portas) und entsprechender Massenmobilisierung politischen Terror gegen die eigene demokratische Opposition organisiert, eine durchgängig korrupte und in Teilen bereits offen kriminell agierende abgehalfterte Scheinelite, die davon träumt, mithilfe einer totalen Mobilmachung der Gesellschaft („Deutschland steht auf“) einer für Friedenszeiten völlig normalen, zudem politisch überfälligen demokratischen Abwahl entgehen zu können, zugleich die Entfesselung nationaler Kriegsleidenschaften als Rettung einer demokratischen Friedensordnung inszeniert, ist ein so offenkundig paradoxes Phänomen, dass die These von der inneren Solidarität zwischen Demokratie und Totalitarismus genauer untersucht werden muss. Eine Linke, die sich heute der gleichen kriegsideologisierenden Massenmobilisierung bedient wie die nachträglich als eindeutig rechts etikettierten Nationalsozialisten zeigt, wie sinnlos das rechts/links Schema längst geworden ist. Im Krieg wird die Lüge zur Pflicht. Um die Moral zu stärken, müssen Geschichten erfunden und tatsächliche Vorkommnisse verschwiegen werden. Um die Tatsachenwahrheit ist es schlecht bestellt. Dass eine radikal gescheiterte politische „Elite“ unterschiedliche gesellschaftliche Individuen aus disparaten Milieus in eine erfahrungsresistente einheitliche Masse von Soldaten verwandeln und gegen ein in grellen Farben gemaltes Feindbild auf die Straße hetzen kann, demonstriert nur allzu deutlich, wie groß die politischen Defizite in Deutschland noch immer sind. Das Individuum erweist sich nicht etwa als Schutz, sondern Voraussetzung seiner Totalisierung. Die gedankenlose Verwendung von Begriffen wie „Straßenpolitik“ (Lutz Raphael) für reine Gewaltattacken zeigt das Ausmaß der intellektuellen Verwahrlosung. Gemessen an den Gewaltexzessen des zwanzigsten Jahrhunderts scheint mir die Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Intensität, mit der das, was wir als politische Auseinandersetzung zu kennen meinen, in eine gewaltförmige kriegerische Form hinübergleitet, die das straflose Töten des anderen herbeisehnt, ein deutlicher Hinweis darauf zu sein, dass wir uns trotz aller formaler Anstrengungen noch immer in einem vorpolitischen Raum bewegen. Nachdem funktionierende institutionelle Barrieren gegen die Radikalisierung einer zunehmend extremistischer agierenden Exekutive nicht vorhanden sind, bleibt für den Betrachter vom Spielfeldrand nur eine Konsequenz: auch die zweite deutsche Demokratie ist gescheitert und wir stehen erneut vor einem Trümmerhaufen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Dass sich so viele, statt sich dieser einfachen Tatsache zu konfrontieren und ihre politische Herausforderung anzunehmen, lieber in einen Krieg hetzen lassen, der zwischen revolutionärem Bürger- und Religionskrieg oszilliert, ist das eigentlich bemerkenswerte Phänomen. „Die enge Verbindung religiöser und weltlicher Kriegsdeutungen wurde nicht zuletzt durch ein verbreitetes apokalyptisches Denken ermöglicht, das zugleich das Erneuerungserlebnis des Kriegsbeginns auffangen und der Sinnstiftung des Krieges dienlich sein konnte.“ schrieb Wolfgang Kruse in „Eine Welt von Feinden“ zu dem „Geist von 1914“, der im wesentlichen eine Flucht aus der modernen Welt mit ihren Widersprüchen und Entfremdungstendenzen gewesen sei. Die beiden Kernideen von 1914, die verstreuten und entwurzelten Individuen in eine sakralisierte Gemeinschaft zu versammeln und ihnen mit einer sinnstiftenden Mission ein gemeinsames Ziel vor Augen zu führen, wirken auch heute so unvermindert, als sei in der Zwischenzeit nichts vorgefallen, was einer solchen Begeisterungswelle Einhalt gebieten sollte. Der ekstatische Ausnahmezustand und damit die Entkoppelung der Bindung an das Recht, wird auch heute wieder ohne größeren Widerstand zur neuen Normalität. Souverän ist, wer über das nackte Leben jedes einzelnen Körpers verfügen kann, eine moderne Vorstellung, die Giorgio Agamben auf die absolute Gewalt eines römischen </span><em><span class="tm7">pater familias</span></em><span class="tm6"> zurückführt. Wie konnte es so weit kommen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Auch die zweite deutsche Demokratie begann mit schweren Geburtsfehlern. Die als erwünschter Neuanfang verordnete Demokratie der Amerikaner scheiterte an den Beharrungswiderständen der Deutschen, die beratungsresistent da weitermachten, wo sie vor dem Krieg aufgehört hatten und lediglich neue Seilschaften auf die durch den Krieg in großer Zahl frei gewordenen Positionen hievten. Von heute aus muss man sagen: An politischen Konsequenzen aus den totalitären Einbrüchen bestand wenig Interesse. Der anfänglich antitotalitäre Konsens hielt nur wenige Jahre und wurde rasch von Adenauers taktischem Antikommunismus abgelöst. Die „Furcht vor dem Kommunismus“ zu instrumentalisieren, „gehörte zu den Herrschaftsmerkmalen“ seiner Kanzlerdemokratie (Klaus-Dietmar Henke). Als guter Kathole wusste er die Mobilisierungsenergien einer apokalyptischen Grundstimmung zu nutzen und malte nicht nur im Wahlkampf den Untergang Deutschlands an die Wand, wenn die Opposition an die Macht kommen würde. Nur sein Alter und der demokratische Wechsel zu einer SPD-geführten Regierung&nbsp; verhinderten, dass schon Adenauer die zweite deutsche Demokratie durchfeudalisieren konnte. Mit dem Wechsel verlagerte sich das Feindbild von Kommunismus zu Faschismus mit spiegelbildlichen Ausblendungen bei gleichbleibender Herrschaftstechnik. Sich mit den Gewaltexzessen des Stalinismus zu beschäftigen, hielt man, wie einer von Deutschlands Vorzeigeintellektuellen in selbstentlarvender Offenheit verkündete, für überflüssig (Jürgen Habermas in einem Gespräch mit Adam Michnik). Begünstigt durch eine Bevölkerung, die sich an „Heil Hitler“ die Finger verbrannt hatte, nach dem Krieg mit dem Notwendigsten und daher überwiegend mit sich selbst beschäftigt war, entstand der vom Staatsbürger unkontrollierte mafiöse Parteienstaat schon bald nach 45. Zu Recht vermerkte Jahre später der „rechte“ Adelsspross Eberhard von Brauchitsch, dass „Parteispenden“ nur ein Euphemismus für Schutzgeld sei („Der Preis des Schweigens“), während der „linke“ RAF-Anwalt Otto Schily als parlamentarisches Mitglied des Flick-Untersuchungsausschusses 1986 den damaligen Altparteien ein offensives Agieren im rechtsfreien Raum attestierte, das sich um Recht und Gesetz nicht scherte („Politik in bar“). Erst 60 Jahre später kam heraus, in welchem Ausmaß der Gründungskanzler Adenauer Kanzleramtschef Globke und die bei der Organisation Gehlen untergekommene Funktionselite der Nationalsozialisten nutzte, um eine Opposition zu bekämpfen, die er meist als Feind, gelegentlich sogar als Todfeind titulierte. Vergeblich machte Herbert Wehner in einer Bundestagsrede vom Juni 1960 darauf aufmerksam, dass Gegnerschaft eine Demokratie belebe, während Feindschaft sie zerstöre. Was der Historiker Klaus-Dietmar Henke als „größtes deutsches Demokratieverbrechen“ bezeichnete, war nur die unterbrechungsfreie Fortsetzung gewohnter Herrschaftstechnik. Von einer machttaktischen Perspektive aus gesehen erscheint der Unterschied zwischen einem Konrad Adenauer und einem Walter Ulbricht weitaus geringer, als die ideologische Freund/Feind Inszenierung glauben machen möchte. Den Ulbricht zugeschriebenen Satz: „es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben“, hätte ebenso gut auch Adenauer sagen können. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schon vor der Wiedervereinigung war der deutsche Rechtsstaat ein potemkinsches Dorf und das rechts/links Koordinatensystem ein Anachronismus aus der Kreuzzugsrhetorik der Französischen Revolution. Spätere Historiker werden herausfinden, in welcher Weise das von ihrem DDR-Agenten Adolf Kanter über Jahrzehnte gelieferte präzise Wissen der Stasi um die Korrumpierbarkeit weiter Kreise der westdeutschen Politik den Vereinigungsprozess beeinflusst hat („Der Schützling“). </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ohne Wiedervereinigung hätten die Grünen das Demokratisierungspotenzial, das Brandt nur angekündigt aber nicht eingelöst hat, vielleicht umsetzen können. Die Wiedervereinigung traf sie an der antinationalen Achillesferse und brachte sie unwiederbringlich auf die schiefe Bahn. Sprichwörtlich für den grün-deutschen Selbsthass wurde das Wahlkampfplakat von 1990: „Alle reden von Deutschland. Wir reden vom Wetter.“ Den publizistischen Beobachtern der Grünen war entgangen, dass es sich bei den Grünen nie um eine Partei im demokratischen Sinn gehandelt hat. Die Vorstellung, sie in ein Parteiensystem integrieren zu können, war so falsch wie die Fehleinschätzung jener Altkonservativen, die glaubten Hitler einbinden und zähmen zu können.</span> <span class="tm6">Werden die Grünen nicht vorher gestoppt, hören sie erst auf, wenn Deutschland vollständig ruiniert ist. Die Errichtung einer Utopie setzt eine vorherige Verwüstung voraus. Politisch konsequent wird daher der Widerstand von den Landwirten vorangetrieben, die nicht nur für Ihre individuellen Interessen auf die Straße gehen und en passant die Grenzen jener Lehre aufzeigen, die meint, es ginge in der Politik um Aushandlung unpolitischer Interessen. Eine der Gruppen, auf denen sich Landwirte in sozialen Medien vernetzen heißt: „Wir wollen unser Land zurück“ - ein Echo auf die </span><span class="tm6">gegen die Zentralisierung der EU gerichtete </span><span class="tm6">Brexit Parole der Engländer: „we want our country back“.<br>
</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Bis zu Helmut Kohl war die zweite deutsche Demokratie innerlich korrumpiert, aber politisch noch nicht zerstört. Erst mit Angela Merkel geriet das Staatsschiff in existenzielle sozialistische Schräglage, ein Umstand der von klügeren Staatsmännern wie Vytautas Landsbergis frühzeitig vermerkt wurde, aber bei der großen Mehrheit der deutschen Intellektuellen auf taube Ohren stieß. Was man bis zu H. Kohl noch als feudalen Kontinuitätsbestand eines Landes einstufen kann, dem es bislang nie gelang, seine politische Freiheit selbst zu erkämpfen, änderte sich nach der Wiedervereinigung und der geräuschlos entsorgten Präambel des Grundgesetzes. Das Instrument der veröffentlichten Meinung erhielt jetzt eine neue, eindeutigere Grundstimmung. Seit eine in der DDR sozialisierte Kanzlerin aus protestantischem Hause auf eine kommunistisch politisierte westdeutsche Nachkriegsgeneration traf, die ihr utopisches besseres Deutschland gegen das eigene Land als Feindbild in Stellung zu bringen hoffte, verschob sich der demokratische Rahmen unter der Hand in ein sozialistisches Ordnungs- und Deutungsraster, in dem bestimmte Parteiungen für sich allein beanspruchen, die Demokratie als Ganzes zu repräsentieren (die ehedem „führende Rolle der Partei“). Alle anderen, die nicht zum erlauchten Kreis gehören, werden als „Feinde der Demokratie“ gebrandmarkt und mit den aus dem Sowjetimperium bekannten Zersetzungstechniken an der politischen Beteiligung gehindert, ein Konstrukt, das aus der engen Verknüpfung von Revolution und Krieg der französischen und bolschewistischen Revolution stammt. Während der Weg, den die polnische </span><span class="mw-page-title-main">Solidarność beschritt, von Streik über Konflikt und Kriegsrecht zum Runden Tisch führte, der die verfeindeten Parteien zur gegenseitigen Anerkennung und wieder ins gewaltfreie Gespräch brachte, beschreitet Deutschland den umgekehrten Weg in Richtung zunehmender Repression, was auch daran liegt, dass es jene versöhnungsstiftenden Traditionen, die ideologische Feinde gleichzeitig als polnische Landsleute empfinden läßt („Noch ist Polen nicht verloren“, „Polen schießen nicht auf Polen“) im zerstückelten Deutschland nicht gibt.&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die aus den postmarxistisch indoktrinierten 68ern erwachsenen Grünen verstanden sich als Leninistische Avantgarde, die, gesegnet mit einer exklusiven Einsicht in die (Klima-) Zukunft, der unmündigen Menschheit das Gesetz vorschreiben kann und muss. Wer erzieht, will dominieren, nicht regieren. Ob man sich selbst seine führende Rolle mit dem rechten Weg ins Paradies oder der Abwehr einer apokalyptischen Katastrophe zu legitimieren sucht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Mit solcherart christlich projektierter Herrschaftsverdichtung verschwindet die Demokratie als Möglichkeit der Partizipation vieler. Mit der Verkündung des Atommoratoriums nach der Zerstörung des japanischen Kernkraftwerks in Fukushima gelang A. Merkel der erste Verfassungsbruch („ein Tsunami für die Rechtsordnung der Bundesrepublik“). Dieser fand zwar einen gewissen Widerhall in akademisch-juristischen Fachzeitschriften, das Parlament hingegen nahm seine eigene Entmachtung widerstandslos hin. Dass das deutsche Grundgesetz die Transformation einer demokratischen in eine autoritäre sozialistische Verfassung ohne Beteiligung des Souveräns nicht vorsieht, spielte keine Rolle. Die Herrschaft des Gesetzes wurde entbehrlich, ein Dammbruch mit weitreichenden Folgen. Der politischen Unreife der Nachkriegswestdeutschen bleibt geschuldet, dass man den demokratiezerstörenden Charakter des grünen trojanischen Pferdes nicht rechtzeitig wahrgenommen hat. Während das Grundgesetz als formale Fassade noch steht, wird es in der politischen und juristischen Praxis jeden Tag innerlich mehr ausgehöhlt.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">So entsteht der Eindruck, dass diejenigen, die sich gerade lautstark als Retter der Demokratie in Szene setzen, ihr damit tatsächlich, bei einigen sicher ohne es zu wollen, den finalen Todesstoß verabreichen, ein paradoxes Krisenphänomen, das der Historiker Christian Meier für den Untergang der römischen Republik so beschrieben hat: „Eine Gesellschaft zerstört ihre Ordnung, obwohl, ja: indem sie sie zu erhalten sucht.“ (Res publica amissa). Das Paradoxe lag für Christian Meier darin, dass das Politische zwar das Zentrum der Krise ausmachte, aber politisch nicht zum Austrag kommen konnte, weil die Auseinandersetzungen sich in belanglosen Nebenkriegsschauplätzen verloren. Es zeige sich eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen dem Kleinen, worüber lautstark gestritten wurde, und dem Großen, was sich in beredtem Schweigen tatsächlich an grundlegendem Wandel vor aller Augen vollzog. Gewisse Parallelen springen ins Auge: auch der Zerfall der zweiten deutschen Demokratie beschleunigt sich, weil er zur öffentlich strittigen Sache nicht werden kann. Wo die wehrhafte Demokratie am lautesten beschworen wird, zersetzt sie ihre tragenden Institutionen am effektivsten.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Wenn wir vom Tagesgeschehen etwas zurück treten und uns die letzten Untergänge Deutschlands vergegenwärtigen, kommt ein wiederkehrendes Muster in den Blick: die Massenmobilisierung in den letzten Jahren des deutschen Kaiserreichs endete 1918 in der „Urkatastrophe“ (George F. Kennan) des zwanzigsten Jahrhunderts. Man verzichtete nach der Niederlage auf eine konsequente Demobilisierung und trug den Krieg von draußen nach drinnen. Die Weimarer Republik war dem Ansturm einer neuerlichen Massenbewegung nicht gewachsen und endete in einer noch weit größeren Katastrophe, die als Totale Herrschaft eine bis dahin unbekannte neue politische Ordnung aus Ideologie und Terror ins Spiel brachte. Und im Moment sieht alles danach aus, dass auch die zweite deutsche Demokratie in einer „Massenbewegung des Guten“ untergehen wird, die als bloße Umkehrung die Tragödie der ersten wiederholt.</span></p>
<h3><strong><span class="tm5">Im Haus des Herrn </span></strong></h3>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine Tradition des Politischen konnte sich in Deutschland nur in den Freien Reichsstädten etablieren („Stadtluft macht frei nach Jahr und Tag“), auf dem Land hingegen herrschte überall die patriarchale Ordnung des Hauses. Die siegreich ausgefochtenen Einigungskriege des feudalen Landadels endeten daher nur mit einer pompösen aber desto peinlicheren symbolischen Inszenierung am falschen Ort. Außenpolitisch sorgte der Raub von Elsass-Lothringen für einen dauerhaft latenten Kriegszustand, der von Anfang an gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Frankreich blockierte. Nach innen setzte die fehlende Demobilisierung die Herrschenden alsbald unter vergleichbaren Zugzwang. Eine Reichsgründung im konstitutionellen Sinne, die die aufgeheizten Kriegsleidenschaften dauerhaft in eine gesetztere Form der Auseinandersetzung hätte übertragen können, fand nicht statt und pflanzte den Keim des späteren Scheiterns des deutschen Kaiserreichs schon zu Beginn. Der Gründerzeit fehlte der Grund und die gemeinsame Sache.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die fehlende politische Alternative eines institutionalisierten und rechtlich gesicherten Freiheitsraumes unter Gleichen sorgte dafür, dass sich die gewohnte Ordnung des Hauses flächendeckend als paradigmatisches Modell sozialer Beziehungen durchsetzen konnte. Der Herr im Haus dominierte die Arbeiterwohnung wie der Pastor das Pfarrhaus, der Meister den Betrieb wie der Lehrer die Schule, der Fabrikdirektor das Unternehmen wie der Gutsherr das Land. Das Haus ist jedoch traditionell ein rechtsfreier Raum, in dem der Wille des Souveräns den Ausschlag gibt. Noch bis weit ins Mittelalter galt der Spruch: „Das Recht gilt bis zur Traufe“. Im (privaten) Haus kann der Hausherr mit seinen hierarchisch untergeordneten und nach römischem Recht als Sachen betrachtetem Eigentum machen, was er will. Die Konsequenz: Die in liberaler Tradition nur von außen angeklebten individuellen Grundrechte als Sicherungen gegen Übergriffe des Souveräns werden über Bord geworfen, sobald das Schiff ins Schlingern kommt. Gerät das bloße Überleben ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit, behandelt der Maßnahmenstaat seine Bürger als vogelfrei. An der Spitze konzentriert sich in einer einzigen Person der Kaiser, der oberste Kriegsherr sowie der Landesherr der Kirche, der seinen individuellen Willen als Vorschrift für alle verkündet. Kommt es zum Schwur gegen einen tatsächlichen oder eingebildeten inneren wie äußeren Feind, gibt es auf der einen Seite den Souverän und auf der anderen eine einheitlich durchgeformte Masse, das gilt potenziell für Wilhelm II. wie für den Bundespräsidenten Steinmeier, der sich befreit von den Fesseln des Gesetzes an die Spitze des Mobs gegen rechts stellt.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Man hat die von Bismarck im Kaiserreich eingeführte und von seinen Nachfolgern dankbar aufgegriffene Herrschaftstechnik als „negative Integration“ bezeichnet, ein soziologischer Verlegenheitsbegriff. Tatsächlich bleibt Bismarck in der vorpolitischen Ordnung des sakral überdeterminierten Krieges stecken, knüpft im Kampf gegen die katholische Minderheit, später die oppositionellen Sozialdemokraten an die Religionskriege des 17. Jahrhunderts an und führt auch im Inneren die entsprechend mobilisierte Gesinnungsgemeinschaft der Rechtgläubigen gegen die Abtrünnigen ins Feld. Einer drohenden Erschlaffung des Wählers muss durch stetiges Anfachen der Gluthitze entgegengesteuert werden. Der latente Bürgerkrieg wird zur neuen Gewohnheit und kann je nach außen- oder innenpolitischer Opportunität als Herrschaftssicherung gegen Kritik, Opposition und aufdrängende Wirklichkeit genutzt werden. Stabile politische Institutionen können sich in dieser ständigen Bedrohungsatmosphäre so wenig entwickeln wie eine Solidarität unter Landsleuten. Stattdessen werden die für jede Kriegsführung notwendigen Techniken der Feindbildproduktion, Desinformation und Massenmobilisierung entwickelt und stetig weiter professionalisiert. Auch nach 89 kehrten sämtliche Zersetzungstechniken des Unrechtsstaates in verfeinerter Form gesamtdeutsch wieder (Bärbel Bohley).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Den Soldaten des 9. November 1918 gelang es zwar, sich der Fortsetzung des Krieges zu verweigern, eine politische Ordnung, die dem Ansturm kriegslüsterner Demagogen gewachsen wäre, entstand aus dieser Initialzündung jedoch nicht. Menschen, die auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989 die Machtfrage gestellt haben, müssen sie heute erneut stellen. Wäre es nicht langsam an der Zeit, dass die Deutschen, statt sich in einen Krieg gegeneinander hetzen zu lassen, die mehrfach angefangenen Revolutionen vollenden und jene seit über 150 Jahren ausstehende Republik gründen, die aus dem langen Schatten der Religionskriege heraustritt und nicht nur mehrere Generationen überdauert, sondern auch ein Rechtswesen einrichtet, das über die Jahre in Gewohnheit einsickern und zum guten alten Recht werden kann? Der Raum des Politischen beginnt am Ausgang des Hauses mit Blick ins Freie. Ein solches Wagnis braucht Gefährten, keine Gleichgesinnten.</span></p>
<hr>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.tichyseinblick.de/gastbeitrag/permanente-mobilmachung-deutschland-republik/" target="_blank" rel="noopener">Tichys Einblick</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-permanente-mobilmachung/" target="_blank" rel="noopener">tabularasa Magazin</a>, <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/2024/02/04/permanente-mobilmachung/" target="_blank" rel="noopener">Weissgerber Freiheit</a>, <a href="https://nachhall.net/" target="_blank" rel="noopener">NACHHALL</a>, <a href="https://wir-selbst.com/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a> (Nr. 55, April 2024)</p>
<p class="Normal">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/permanente-mobilmachung/">Permanente Mobilmachung</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Russlands Demagoge: Alexander Dugin</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2022/08/russlands-demagoge-alexander-dugin/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Aug 2022 12:58:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Name Dugin erst durch den tatsächlichen oder vermeintlichen Anschlag auf seine Tochter bekannt, zu dem gar der Papst unbedingt meinte, sich äußern zu müssen. Ob der Papst auch die ideengeschichtlichen Hintergründe der öffentlichen Äußerungen von... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/08/russlands-demagoge-alexander-dugin/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Einer breiteren Öffentlichkeit wurde der Name Dugin erst durch den tatsächlichen oder vermeintlichen Anschlag auf seine Tochter bekannt, zu dem gar der Papst unbedingt meinte, sich äußern zu müssen. Ob der Papst auch die ideengeschichtlichen Hintergründe der öffentlichen Äußerungen von Vater und Tochter genauer durchleuchtet hat, darf bezweifelt werden. Wir sollten uns diese Ignoranz nicht leisten. Alexander Dugin, Jahrgang 1962, gilt als einer der maßgeblichen aktuellen politischen Kommentatoren in Russland, Mitbegründer der mittlerweile verbotenen </span><em><span class="tm8">Nationalbolschewistischen Partei</span></em><span class="tm7"> und Autor zahlreicher Bücher und Artikel. Zeitweise besetzte er auch den Lehrstuhl für Soziologie an der Moskauer Lomonossow-Universität</span><span class="tm9">. </span><span class="tm7">Seit etwa 2012 liefert er ideologische Unterstützung für Putins ‚postkommunistischen Mafiastaat‘ (Magyar).</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Ich gehöre ja noch zu diesen altmodischen, weißen alten Männern, die einen Autor lesen, bevor sie über ihn urteilen. Also habe ich, nachdem er so hochgelobt wurde, eine aktuelle Schrift von Alexander Dugin zur Kenntnis genommen: „</span><em><span class="tm8">Das große Erwachen gegen den Great Reset</span></em><span class="tm7">“. Ursprünglich wollte ich auch noch „</span><em><span class="tm8">Die vierte Theorie</span></em><span class="tm7">“ und „</span><em><span class="tm8">Die Grundlagen der Geopolitik</span></em><span class="tm7">“ lesen, aber das ‚große Erwachen‘ erwies sich bereits als so herbe Enttäuschung, dass ich mir den Rest sparen kann. Schon der Vergleich zum Niveau der russischen </span><em><span class="tm8">Vechi</span></em><span class="tm7"> (Wegzeichen) und </span><em><span class="tm8">De profundis</span></em><span class="tm7"> Autoren, die etwa hundert Jahre zuvor ihre fundamentale Kritik an der Urkatastrophe der russischen Revolutionen artikuliert hatten, fällt für Dugin wenig schmeichelhaft aus.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Russlands rühriger Demagoge ist bloß ein pseudo-intellektueller Scharlatan. Fundierte Bildung - Fehlanzeige. Das Ganze ist nicht mehr als ein aus beliebigen Versatzstücken zusammengerührter ungenießbarer Weltanschaungsbrei. Woran mag es liegen, dass russische Zaren eine Vorliebe für so höchst zweifelhafte Figuren wie Rasputin oder Dugin entwickeln, wobei man fairerweise zugeben muss, dass Rasputin mehr die Zarin als Nikolaus II. in seinen Bann gezogen hat?</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Das neue ideologische Feindbild, der Titel lässt es ahnen, ist der Liberalismus. Dugin verweist zwar gerne auf Carl Schmitts Definition des Politischen, schmückt sich mit Heidegger und anderen, hat aber schon den Unterschied zwischen Feind und Feindbild nicht verstanden. Ein politischer Feind und ein ideologisches Feindbild sind zwei gänzlich unterschiedliche Angelegenheiten. Beim persischen Großkönig Dareios I., dessen Einmarsch im Mutterland der poleis 490 v. Chr. zu der für die dadurch entstandenen Griechen erfolgreichen Schlacht von Marathon führte, handelte es sich um einen politischen Feind, ebenso wie Putin aus Sicht der Ukraine ein politischer Feind ist, dagegen handelt es sich bei der „jüdischen Weltverschwörung“ oder dem, was Dugin unter Liberalismus verstanden wissen möchte, um ein ideologisches Feind</span><em><span class="tm8">bild</span></em><span class="tm7">. So gibt es in Dugins Darstellung nur einen Liberalismus als zentrales Feindbild und auch nur eine einzige allumfassende Geschichte, die ungebrochen vom Universalienstreit im 12. Jahrhundert bis zur heutigen Globalisierung reicht. Geschichtsphilosophisch winken ganz von ferne Hegel &amp; Marx. Nur das mit der Dialektik war Dugin zu kompliziert. Personalisiert heißen die beiden Hauptfeinde Joe Biden und George Soros. Vor allem letzterer erweist sich als taktischer Schachzug. Damit lässt sich auch im Westen ordentlich Proselytenmacherei betreiben.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Liberalismus, insbesondere die Herauslösung des Individuums aus allen vorherigen traditionellen Bindungen, steht bei Dugin zum einen für die Moderne schlechthin, die in Bausch und Bogen als zivilisatorische Fehlentwicklung abgelehnt wird, zum anderen aber, weil er keinerlei Vorstellung davon hat, was sich politisch mit einem freigesetzten Individuum anfangen ließe, für das Andere des EINEN. Über Entwurzelung als unbeabsichtigte Nebenfolge der durch die Trennung von Staat und Gesellschaft hervorgerufenen Atomisierung ließe sich ja noch diskutieren, aber Auseinandersetzungen sind hier nicht vorgesehen. Die Masse muss zusammengepresst eine einzige gewaltige Kraft und dann in Bewegung gesetzt werden. Damit eine Ideologie Massen mobilisieren kann, muss sie einfach und leicht verständlich sein, eine Erfahrung, die ganz nebenbei auch Hitler bei seinen ersten Erfolgserlebnissen als Redner ermutigte. Hatte er zu Beginn seiner Rednerkarriere Kritik und Hetztiraden gegen mehrere unterschiedliche Personen verteilt, war der erwünschte Effekt weitaus schwächer. Zuhörer lassen sich dramaturgisch nur dann aus der Besonnenheit herauslocken und in die gezielte Erregung versetzen, wenn man sich als Redner auf ein einziges Feindbild beschränkt, dies aber zum Inbegriff alles Negativen verdichtet. Unterschiede dürfen da keinerlei Rolle spielen, nicht die zwischen Frankreich und Deutschland, nicht die zwischen kontinentaleuropäischem und angelsächsischem Denken und erst recht nicht, dass die amerikanische eine gänzlich andere Revolution war und nicht bloß der kleine Bruder der französischen. Wo die Wirklichkeit zu störend ins Bild kommt, wie beim Phänomen Trump, macht Dugin Liberalismus 1.0 und 2.0 daraus. Schon passt es wieder. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Bezogen auf einen metaphysischen, allgemeingültigen Wahrheitsbegriff, der den menschlichen Angelegenheiten von Zeit und Raum entzogen ist, wären individuelle Wahrheiten der Abgrund des Allgemeinen. Sammlung, Zeitlichkeit, Vermittlung kann Dugin nicht denken. In einer orthodoxen ideengeschichtlichen Tradition, die weder das (römische) Recht als ein Verhältnis zwischen Personen, noch eine Person nicht nur als Träger von Rechten und Pflichten, sondern auch als Überträger von wahrgenommer und mitgeteilter Wirklichkeit kennt und der EINE die einzige Person und damit auch die einzige Quelle von Gerechtigkeit ist, muss jede individuelle Abweichung als das metaphysisch Böse schlechthin bekämpft werden. Von hier aus speist sich das Motiv der Verteufelung des Individuums. Dugin muss deshalb mit zwei Liberalismen hantieren, einem historisch, ideengeschichtlich, politisch wie ökonomisch bestimmten, der Moderne, und einem, der mehr einer alttestamentarischen Grundkonstante gleicht. Aus allen Kontexten herausgeschält ist der zweite Liberalismus nicht nur irgendein Feind, sondern muss zum „uralten Feind der gesamten Menschheit“ hypostasiert werden. Bei so viel religiösen Anleihen wundert es nicht, dass dieser Liberalismus von Dugin als </span><em><span class="tm8">satanisch</span></em><span class="tm7"> qualifiziert wird. Bei den Nationalsozialisten übernahm diese Position im Weltanschauungskonstrukt die jüdische Weltverschwörung. Und natürlich geht es auch bei Dugin um Armageddon, die letzte Schlacht. Wenn es nur einen Gott gibt, kann es auch nur einen Auserwählten geben. Bescheidener wird es daher nicht, schließlich „geht es nicht nur um die Rettung des Westens […], sondern um die Errettung der Menschheit […] von der totalitären Diktatur der liberal-kapitalistischen Eliten.“</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Mit Differenzierungen hält sich Dugin nicht auf. Wo es nur gut und böse gibt, weder Unsicherheit noch Zweideutigkeit irgendeine Rolle spielen dürfen, sind die beiden Felder beiderseits der Front jeder Auseinandersetzung entzogen - tertium non datur. Grenzgängerei wäre da ein Kapitalverbrechen. Alle Differenzen werden ausgelöscht zugunsten einer einzigen, die alles erklärt. Man setzt auf Gewissheiten und eindeutige Zuordnungen. „Es gibt nur zwei Parteien auf der Welt: die globalistische Partei des Great Resets und die antiglobalistische Partei des großen Erwachens. Und nichts in der Mitte.“ Mit westlicher Kreuzzugsrhethorik muss der Kampf gegen eben diesen Westen universell werden, denn die Globalisten seien das absolut Böse.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Für eine Neuauflage des Widerstandes gegen die liberale Zerstörung der Menschheit wird gar Orwell ins Reich heimgeholt. „Die Dystopie von Orwells 1984 wird nicht von einem kommunistischen oder faschistischen, sondern von einem liberalen Regime verkörpert.“ Dugins einfache Lösung der Links-Rechts Blockade: Die Linke müsse ihren Anti-Faschismus, die Rechte ihren Anti-Kommunismus aufgeben. Nur vereint sei der Liberalismus zu schlagen. Aus Dugins Perspektive sind russischer und deutscher (National)-Sozialismus kein Zivilisationsbruch, sondern legitime Widerstandsformen gegen das absolute Böse. Ihr einziger Nachteil war nur, dass sie noch zu modern und deshalb nicht siegreich waren. Dugins Vorschlag: Man muss über den Westen und die gesamte Moderne zurückgehen und sich am Osten orientieren. Iran, Indien, China, selbst das archaische Afrika sollen die Vorbilder für die erneuerte Zivilisation sein. Da reichen sich, ideologisch gesprochen, </span><span class="tm9">Ayatollah Khomeini und Alexander Dugin die Hände, aber nicht auf Augenhöhe. </span><span class="tm7">Russland sei, so Dugin, die Avantgarde und daher berufen, sich an die Spitze zu stellen, um den internationalen Kampf der Völker gegen die Globalisten anzuführen. Solche Textbausteine, minimal angepasst, klingen vertraut. Es waren auch nur die westlichen Demokratien, die sich „angesichts einer Pandemie rasch in totalitäre Gesellschaften verwandeln“. Dass China dafür das Modell lieferte, muss Dugin’s Konstrukt verschämt verschweigen.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Nicht, dass es an Liberalismus und Globalisierung nichts auszusetzen gäbe, aber doch bitte nicht so. Arendt hat sich ja nicht umsonst schon Anfang der Fünfziger in einem Brief an Blücher über die ‚Wiederkehr des verstunkenen Liberalismus‘ empört. Wer Scharlatanen wie Dugin auf den Leim geht, sollte vielleicht doch noch einmal über ein Studium nachdenken. Es gibt in Russland keine Tradition politischen Denkens, nicht einmal als verborgene oder verschüttete, oder haben Sie schon mal was von einem russischen Machiavelli oder einem russischen Thukydides oder Tocqueville gehört. Am deutlichsten spürt man das in den Texten der oben erwähnten </span><em><span class="tm8">Vechi</span></em><span class="tm7"> und </span><em><span class="tm8">De profundis</span></em><span class="tm7"> Autoren, denen es trotz radikaler Kritik an den russischen Revolutionen nicht gelingt, ihre Kritik von einer politischen Perspektive aus zu artikulieren. Irgendwie kommt immer eine Variante der Theokratie dabei heraus.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die griechische Erfindung des Politischen und das römische Recht mit Person und Körperschaft als Träger von Rechten und Pflichten sind aus abendländischer Sicht Hoffnungsanker gegen einen erneuten Rückfall in die Barbarei, während sie für Dugin die größte Bedrohung seiner Vorstellung eines geordneten orthodoxen Gemeinwesens darstellen. Folgerichtig schwärmt Dugin von Platons drei Stände Modell. Ganz oben herrschen die Priesterphilosophen, die Aristokraten machen die Krieger und der Rest sind Bauern, die kurz und dumm gehalten werden. Jeder an seinem Platz. Vertikale Mobilität, auch bekannt als „vom Tellerwäscher zum Millionär“, ist nicht vorgesehen.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die Unfähigkeit, zwischen Person und Persönlichkeit, zwischen Amt und Amtsinhaber unterscheiden zu können, eine für das römische Recht zentrale Differenz, verleitet Dugin zu einer für Russland fatalen Fehleinschätzung. Aus Bidens Schwäche liest er die Schwäche Amerikas und eine Einladung für Russland. „Im Moment - solange in den USA ein Idiot an der Macht ist - hat Russland die historische Chance, […] seinen Einflußbereich fast weltweit dramatisch auszudehnen.“ Dass Amerika weit mehr ist als das, was Dugin unter Liberalismus versteht, dass die abendländische Tradition politischen Denkens nach Amerika ausgewandert war, bevor sie sich in der kontinentaleuropäischen Moderne verwurzeln konnte, hat Dugin übersehen. Der Preis dieser Ignoranz ist hoch.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Hannah Arendt schrieb in den Fragmenten zur Politik: Die politische Philosophie beginnt mit Platon und endet mit Marx. Soll heißen: das Politische kam innerhalb dieser Tradition nicht zu Wort. Außerhalb dieser Tradition, dafür lieferte die amerikanische constitutio libertatis ein überzeugendes Beispiel, war das anders.</span><span class="tm9"> Wer die entpolitisierenden Effekte des Liberalismus der Moderne korrigieren möchte, braucht dafür nicht nach Indien, China, Iran oder Russland gehen.</span></p>
<p>_____</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/2022/09/02/russlands-demagoge-alexander-dugin/">Weissgerber Freiheit</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/russlands-demagoge-alexander-geljewitsch-dugin/">tabula rasa magazin</a>, <a href="https://www.pt-magazin.de/de/gesellschaft/aufgespiesst/russlands-demagoge-alexander-dugin_l7kgjq93.html">PT-Magazin</a>,</p>
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		<title>Gesetzloses Russland</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2022/07/gesetzloses-russland/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Jul 2022 18:52:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nirgends in Europa hat der Absolutismus in einem solchen Ausmaß alle gesellschaftlichen Kräfte vernichtet wie in Rußland. A.S. Izgoev, Moskau 1910 &#160; &#160; Deutschland und Russland teilen die Besonderheit, sich in politischen Krisenzeiten für Anführer zu begeistern, die aus einer... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/07/gesetzloses-russland/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Nirgends in Europa hat der Absolutismus in einem</em><br>
<em> solchen Ausmaß alle gesellschaftlichen </em><br>
<em>Kräfte vernichtet wie in Rußland</em>.</p>
<p style="text-align: right;">A.S. Izgoev, Moskau 1910</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Deutschland und Russland teilen die Besonderheit, sich in politischen Krisenzeiten für Anführer zu begeistern, die aus einer lösbaren Herausforderung durch ihre herausragenden Fähigkeiten erst eine um ein Vielfaches potenziertere Katastrophe machen können. Man würde wohl nicht allzu fehl gehen, ein solches Phänomen der in beiden Ländern mangelnden Tradition politischer Urteilskraft zuzuschreiben. Während Deutschland den Vorzug hat, wie schon Napoleon und die Franzosen zuvor, mit der vollständigen Niederlage gegenüber der vereinten Macht einer militärischen Allianz eine unmißverständliche Lektion erhalten zu haben, konnte Russland der Dynamik einer vergleichbaren Erfahrung unter dem schützenden Dach der Lorbeeren des großen vaterländischen Sieges bislang entkommen. Dies scheint nun vorbei zu sein.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Russlands gegenwärtiges Problem ist nicht der Westen. Russlands Problem sind auch nicht die USA oder der propagandistische Popanz NATO-Osterweiterung. Noch schwachsinniger ist die von von etlichen Nostalgie-Konservativen nach dem Motto, der Feind meines Feindes muss mein Freund sein, dogmatisch verbreitete Ansicht, Russland hätte eine konstruktive Antwort auf die zweifellos drängenden Dekadenzprobleme des Westens. Russlands Problem ist ausschließlich Russland selbst. Ein kurzer Blick in die Geschichte mag das erläutern.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nach gründlicher theologischer Vorarbeit entstand im Westen als Reaktion auf die exzessiven Todeserfahrungen des Dreißigjährigen Krieges eine Ordnungsphantasie, die nach ihrer Verwirklichung Absolutismus genannt wurde. Die Angst rückte ins Zentrum von Überlegungen, die von der Sorge ums reine Überleben dominiert wurden. Freiheit spielte da plötzlich keine Rolle mehr. Hobbes wurde einer ihrer wirkmächtigsten ideengeschichtlichen Vordenker. Aus der Wortbedeutung von ab- als etwas wegmachen, abtrennen, und solus als ein von allen anderen getrennter Einzelner entstand ein politisches Phantasma, das sich im Auspruch Ludwig XIV. „Der Staat bin ich“ verdichtete.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die schon in sich paradoxe Kompensationsphantasie eines allmächtigen Einen konnte nur aus einer tatsächlichen Ohnmachtserfahrung heraus entstanden sein, einer Situation absoluter Verlassenheit, in der keine anderen mehr da waren, an die man sich hätte wenden können. Das Fehlen aller anderen macht diese Phantasie zu einer radikal a-politischen, denn echte politische Macht entsteht und vergeht nur zwischen Menschen, aber niemals im Menschen selbst. Ein Einzelner ist per se machtlos, ein allmächtiger Einzelner ein fundamentaler Widerspruch in sich. Maßlos gefährlich wird eine solche Phantasie, wenn Sie aus der Verlassenheit in den Kreis der anderen zurückkehrt, in das Politische eindringt und es zu beherrschen sucht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Allen europäischen Ländern, mal früher mal später, mal dauer- mal wechselhafter, gelang es, das destruktive Potential dieses a-politischen Phantasmas durch eine Re-Politisierung wieder zu entschärfen, mit einer Ausnahme: Russland. Die Polen als klassische Adelsrepublik waren weitgehend immun gegen diese theologische Vergiftung des Politischen und daher durchaus naheliegend das erste Land im sowjetischen Herrschaftsbereich, das mit Solidarność und „Rundem Tisch“ ein erfolgreiches politisches Gegenmodell etablierte. Die Engländer köpften ihren König schon im 17. Jahrhundert und fanden in der Formel „king in parliament“ einen sprechenden Ausdruck für die Wiedereinsetzung des abgetrennten Einen in den Kreis der anderen. Auch die Franzosen realisierten das ab-solute, guillotinierten ihren Souverän, erhielten aber mit Napoleon kurz darauf die nächste Verkörperung. Es bedurfte der vereinten Macht einer anti-napoleonischen Allianz, um auch diese gesamteuropäische Gefahr zu neutralisieren. Im Unterschied zu den Deutschen schafften es die Italiener immerhin selbst, ihren „Duce“ zu entmachten, während es auch bei den Deutschen einer Anti-Hitler Allianz bedurfte, um die gewaltigen Destruktionskräfte, die ein solches a-politisches Phantasma freisetzen kann wieder einzuhegen. Spanier und Portugiesen hatten irgendwann genug von ihren Diktatoren, der Vollständigkeit halber gibt es etliche konstitutionelle Monarchien in Europa und die Litauer, Letten und Esten demonstrierten am fünfzigsten Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes mit einer beeindruckenden Menschenkette durchs gesamte Baltikum die politische Macht eines „acting in concert“.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">An der Art des Umgangs der Sowjetunion mit der Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl konnten die Ukrainer am eigenen Leib überaus schmerzhaft erfahren, wie wenig ihr Überleben und ihre Sicherheit dem Mann in Moskau wert waren. Das Aufrechterhalten der Lüge war Gorbatschow wichtiger. Dass eine derartig existentielle Erfahrung zur Konsequenz führt, die Dinge wieder in die eigenen Hände nehmen zu müssen, ist nicht weiter verwunderlich. Ein Jahr nach dem Unfall entstand in der sowjetischen Ukraine die erste legale politische Partei seit den 1920er Jahren (vgl. Serhii Plokhy, Die Frontlinie, Hamburg 2022).</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nur in Russland vergiftet mit tatkräftiger Unterstützung der orthodoxen Kirche die mit Peter dem Großen aus dem Westen importierte Phantasie des allmächtigen Einen das gemeinschaftliche Zusammenleben bis heute vollständig ungebrochen. Das allerdings ist Russlands Problem. Ob und wie sie es lösen, ist ihre Sache. Was unseren Umgang mit Russland betrifft, sollte man allerdings einen entscheidenen Faktor nicht aus dem Auge verlieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schon Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zogen einige russische Intellektuelle aus dem Scheitern der Revolution von 1905 etliche Schlussfolgerungen, die nicht nur über einhundert Jahre danach noch Bestand haben, sondern darüber hinaus auch für unsere eigene Lage überaus lesenswert sind. Ich beziehe mich auf eine Aufsatzsammlung, die unter dem Titel „Vechi - Wegzeichen“ 1909 in Moskau erschienen ist und in einer deutschen Übersetzung unter dem Titel „Wegzeichen - Zur Krise der russischen Intelligenz“ 1990 als Band 67 der Anderen Bibliothek beim Eichborn Verlag heraus kam. Ich beschränke mich auf den Aspekt, der die verbreitete westliche Vorstellung, man müsse mit Putin verhandeln, ad absurdum führt.</span></p>
<p>Die Ablösung von archaischer Gewalt durch eine zivilere Verrechtlichung ist in der abendländischen Tradition tief verankert, man denke nur an die griechische Orestie oder die römische Rechtstradition. Auch das Entscheidende an Arendts Eichmann Buch ist nicht das Individuum Adolf Eichmann, sondern seine Wiedereinsetzung in einen rechtlich instituierten Raum.</p>
<p>In Russland hingegen kam 1909 der Rechtsgelehrte Bogdan Kistjakovskij, der die jüngere Vorgeschichte der russischen Negation jeglicher Rechtsordnung aufarbeitete, zu dem Schluss, dass es in der russischen Literatur im Unterschied zu allen anderen europäischen Ländern wie England, Frankreich, Deutschland keine einzige Studie gibt, die sich dem politischen Sinn von Rechtsordnung widmen würde. Zu Namen wie Montesquieu, Locke, Althusius oder Kant und Hegel, um nur ein paar zu nennen, gäbe es in der russischen Tradition kein Äquivalent. Das westliche „bürgerliche“ Konstrukt eines Rechts- und Verfassungsstaates, dessen Kern die Freiheit und Unantastbarkeit der Person ist, hätte die russische Intelligenz schon Ende des 19. Jahrhunderts im naiven Glauben abgelehnt, man könne diese Phase überspringen und gleich im sozialistischen Paradies landen. Gegen die Herrschaft des Einen hatte in Russland die Herrschaft der Gesetze keine Chance. Während es in Deutschland in der Zwischenkriegszeit eine breite rechtshistorische bis rechtsphilosophische Auseinandersetzung gab, von Verfassungsrecht und Widerstand im Mittelalter, über die Rechtsfindungspraktiken der Germanen bis zum Nomos der Erde, waren spätestens durch die Schauprozesse der späten 20er und 30er Jahre die von Zar Alexander II. eingeleiteten Rechtsreformen Makulatur. Überflüssig zu erwähnen, dass der ältere Bruder Lenins wegen Beteiligung an der Ermordung jenes vergleichweise „liberalen“ Zaren hingerichtet wurde.</p>
<p>Es gibt wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich seither Wesentliches geändert haben sollte. Bis heute ist Russland ein gesetzloses Land. Oppositionelle können mitten am Tag auf offener Straße ebenso hingerichtet werden, wie verwöhnte Oligarchenkinder in St. Petersburg ihre Autorennen a<span class="tm6">uf belebten Hauptverkehrsstraßen </span>ohne jegliche Rücksicht auf den Tod Unbeteiligter austoben können.</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es gibt Schlachten, die deswegen berühmt und im kollektiven Gedächtnis erhalten geblieben sind, weil eine Ordnung sich gegenüber dem expansiven Vordringen einer anderen Ordnung erfolgreich behaupten und dadurch gewährleisten konnte, dass mindestens zwei unterschiedliche Ordnungen nebeneinander gleichzeitig, wenn auch in unterschiedlichen Räumen existieren können. Das eine wurde vom anderen durch eine zwar durchlässige aber erfahrbare Grenze getrennt, ein Aspekt, den es heute gegenüber den Ideologen einer allumfassenden Weltinnenpolitik zu betonen gilt. Der ursprüngliche Sinn von Gesetz stammt nicht aus einem moralischen, sondern räumlichen Kontext. Eine auf dem Land gezogene Furche trennt einen gesetzlosen von einem gesetzten Raum und schützt dadurch letzteren vor der Gewalt, die im anderen vorherrscht.<br>
</span></p>
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<p>&nbsp;</p>
<hr>
<p>&nbsp;</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.weissgerber-freiheit.de/2022/07/28/gesetzloses-russland/">Weissgerber-Freiheit</a>, <a href="https://wir-selbst.com/2022/07/31/gesetzloses-russland/">wir selbst</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/gesetzloses-russland/">tabularasa</a>,</p>
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		<title>Den Ungeimpften sei Dank</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jun 2022 05:41:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ungeimpfte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vorrede: Den Text fand ich auf der Seite einer fb-Freundin. Er hat keinen Autor. Er soll von einem geimpften australischen Schriftsteller stammen, was sich weder veri- noch falsifizieren läßt. Meine vergeblichen Versuche, ihn in fb zu posten (er wurde umgehend... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2022/06/den-ungeimpften-sei-dank/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vorrede</strong>: Den Text fand ich auf der Seite einer fb-Freundin. Er hat keinen Autor. Er soll von einem geimpften australischen Schriftsteller stammen, was sich weder veri- noch falsifizieren läßt. Meine vergeblichen Versuche, ihn in fb zu posten (er wurde umgehend von fb gelöscht, meine fb-Reichweite eingeschränkt), machte ihn noch interessanter. Zwei Tage später war er auch auf der Seite der fb-Freundin verschwunden. Das alleine rechtfertigt seine Verbreitung. Entscheidend für den Rang eines Textes ist nicht der Name des Autors, sondern zwei Bezüge: der Bezug zu einer Wirklichkeitserfahrung und der Bezug zur Angewiesenheit auf andere, um mit Ihnen Sinn und Bedeutung dieser Erfahrung zu teilen. Der Text enthält ein Moment, das auch der amerikanische Filmklassiker „Die zwölf Geschworenen“ enthält. Das macht ihn zu einem politischen Text. Er macht Mut, den massiven Praktiken der Zersetzung Widerstand entgegenzusetzen. Ich bedanke mich ganz besonders bei dem namenlosen Autor.</p>
<p>_____________________</p>
<p>„Die Ungeimpften sind die Helden der letzten zwei Jahre, denn sie haben es uns allen ermöglicht, eine Kontrollgruppe in dem großen Experiment zu haben und die Unzulänglichkeiten der Covid-Impfstoffe aufzuzeigen.</p>
<p>Die Ungeimpften tragen viele Kampfnarben und Verletzungen davon, denn sie sind die tapferen Menschen, die wir versucht haben, mental zu brechen, doch niemand will darüber sprechen, was wir ihnen angetan haben und was sie „die Wissenschaft“ gezwungen haben, zu enthüllen.<br>
Wir wussten, dass die schwindende Immunität der vollständig Geimpften das gleiche Risikoprofil hatte wie die Minderheit der Ungeimpften. Dennoch haben wir die Ungeimpften für eine besondere Verfolgung gebrandmarkt.</p>
<p>Wir sagten nämlich, sie hätten nicht „das Richtige für das Allgemeinwohl getan“, indem sie ihren Körper und ihre medizinische Autonomie dem Staat überließen. Viele der so genannten Gesundheitsexperten und politischen Führer in Australien gaben zu, dass das Ziel darin bestand, den Ungeimpften das Leben nahezu unmöglich zu machen. Der Kampf wurde vom kollektiven Mob um ein Vielfaches verstärkt und am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und bei Familientreffen ausgetragen.</p>
<p>Heute ist die harte Wahrheit, dass nichts davon gerechtfertigt war, da wir schnell von der Rechtschaffenheit zur absoluten Grausamkeit abglitten. Wir mögen unseren Führern und Gesundheitsexperten die Schuld an dem Vorstoß geben, aber jeder Einzelne in der Gesellschaft muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass er in die gut ausgelegte Falle getappt ist. Wir haben dies getan, obwohl wir genau wussten, dass prinzipieller Widerstand unbezahlbar ist, wenn es darum geht, was in unseren Körper gelangt, und wir haben uns vorgaukeln lassen, dass eine weitere unwirksame Impfung die Schuld der Ungeimpften und nicht die Schuld der giftigen Politik der unwirksamen Impfstoffe und tödlichen Impfungen sei.</p>
<p>Wir fanden Gefallen daran, die Ungeimpften zum Sündenbock zu machen, denn nach monatelangen, von machtbesessenen Politikern inszenierten Abriegelungen fühlte es sich gut an, jemanden zu haben, den man beschuldigen und auf dem Scheiterhaufen verbrennen konnte.<br>
Wir glaubten, wir hätten die Logik, die Liebe und die Wahrheit auf unserer Seite, und so war es ein Leichtes, den Ungeimpften den Tod zu wünschen, was ironisch ist, weil die meisten Menschen, die sterben, geimpft sind, was bequemerweise und stillschweigend vertuscht wird.</p>
<p>Diejenigen von uns, die sich über die Ungeimpften lustig gemacht haben, taten dies, weil wir uns für ihren Mut und ihre Prinzipien schämten und nicht glaubten, dass die Ungeimpften es unversehrt überstehen würden, und wir machten die Verweigerer zu Boxsäcken. Hunderte von Darstellern in prominenten Rollen müssen dafür zur Rechenschaft gezogen werden, dass sie die Ungeimpften in der Öffentlichkeit verunglimpft und den wütenden Mob in den sozialen Medien angeheizt und ermutigt haben. Der Mob, die Masken-Nazis und die Impfjünger haben sich blamiert, indem sie gegen die Ungeimpften „gewettet“ haben, denn Mandate hatten nur die Macht, die wir ihnen gegeben haben.</p>
<p>Es war nicht die Einhaltung der Vorschriften, die die Vorherrschaft der großen Pharmakonzerne, Bill Gates und seiner vielen Organisationen und des Weltwirtschaftsforums beendete…</p>
<p>Es war DANK der Menschen, die wir versucht haben, zu beschämen, lächerlich zu machen, zu verspotten und niederzumachen.<br>
Wir sollten alle versuchen, etwas innere Dankbarkeit für die Ungeimpften zu empfinden, denn wir haben den Köder geschluckt und sie gehasst, weil ihre Beharrlichkeit und ihr Mut uns die Zeit verschafft haben, zu erkennen, dass wir falsch lagen.</p>
<p>Wenn also jemals wieder Impfvorschriften für Covid oder andere Krankheiten oder Viren eingeführt werden, werden hoffentlich mehr von uns den aufkommenden Autoritarismus erkennen, der sich nicht um unser Wohlergehen kümmert, sondern mehr auf Macht und Kontrolle aus ist.</p>
<p>Der Krieg gegen die Ungeimpften wurde verloren und wir sollten alle sehr dankbar dafür sein.“</p>
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