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	<title>Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
	<lastBuildDate>Thu, 04 Jun 2026 13:44:01 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Drei Missgeburten und ein Pflegefall. Eine deutsche Bilanz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2026 11:28:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die AfD in Sachsen-Anhalt steht in Umfragen kurz vor der absoluten Mehrheit. Sollte sich wider Erwarten der für Demokratien selbstverständliche Wechsel von Regierung zu Opposition ohne Abgleiten in bürgerkriegsähnliche Zustände bewältigen lassen, wäre die Regierungsverantwortung der AfD nur der Auftakt... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2026/05/drei-missgeburten-und-ein-pflegefall-eine-deutsche-bilanz/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Die AfD in Sachsen-Anhalt steht in Umfragen kurz vor der absoluten Mehrheit. Sollte sich wider Erwarten der für Demokratien selbstverständliche Wechsel von Regierung zu Opposition ohne Abgleiten in bürgerkriegsähnliche Zustände bewältigen lassen, wäre die Regierungsverantwortung der AfD nur der Auftakt einer weit größeren politischen Herausforderung, die uns die letzten fünf bis sechs Generationen durch ihre jeweiligen Versäumnisse hinterlassen haben.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm8">Die erste Missgeburt: Das Kaiserreich von 1870/71</span></strong></p>
<p class="Normal"><span class="tm7">&nbsp;</span><span class="tm7">Ein Volk unter Waffen ist der Albtraum jeder feudalen Elite, die ihre Privilegien über die Zeit retten will. Auf dem berühmten Gemälde der Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles sieht man nur bunte Uniformen. Das Gemälde stammt vom kurzfristig herbei georderten Hofmaler Anton von Werner. Die bekannteste Version hängt öffentlich zugänglich im Bismarck-Museum Friedrichsruh. Alle Versionen zeigen eine bestimmte Gruppe, die sich am Ort absolutistischer Herrschaftskonzentration selbst feiert. Vergleicht man dieses ikonisch gewordene Bild mit dem nicht weniger ikonischen Bild der freien Republik Siena im Zeitalter des frühen politischen Denkens, dem Fresco der guten und schlechten Regierung, gemalt von Ambrogio Lorenzetti 1338-1339 für den </span><span class="tm7">Saal der Neun, </span><span class="tm7">ein kleines Zimmer im Palazzo Publico, in dem der Oberste Rat die Angelegenheiten der Stadt entschied, so sieht man sofort, was fehlt. Im Gemälde der Kaiserproklamation sieht man vor lauter Spiegeln und Uniformen weder Land, Landsleute noch den Zustand des Landes. Das oberste Entscheidungsorgan von Siena hatte dagegen an den umliegenden Wänden eine ausdrucksstarke Darstellung, was die Konsequenzen ihrer politischen Entscheidungen sein können, im positiven wie im negativen Sinne. Sie brauchten nur an die Wand zu schauen, um zu verstehen, was auf dem Spiel steht.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">Das Kaiserreich von 1870/71 war eine politische Missgeburt, nicht Fisch nicht Fleisch, und als solches nicht überlebensfähig. Es zerfiel an seinen inneren Widersprüchen. Man hat die innenpolitisch nutzlose preußische Soldatenelite konserviert, ihnen als Staat im Staat ein Spielfeld zur Selbstinszenierung eingeräumt, das aufstrebende Bürgertum politisch entmachtet, auf seine gesellschaftliche Rolle reduziert und die in den freien Städten gesammelten politischen Erfahrungen dem Vergessen überantwortet. Abgeschottet von politischen Entscheidungen präsentierte der Adel Uniform und Orden, der Bürger seinen behaglichen Salon. Das Bürgertum hat sich bis heute von dieser politischen Niederlage nicht erholt. Der feudale Adel, vertraut mit Kriegshandwerk und Guts- oder Landesherrschaft, aber politisch unfähig, konzentrierte sich auf seine Selbstdarstellung. Das Bürgertum füllte gleichermaßen die ihr zugewiesene gesellschaftliche Rolle aus, zeigte, was es hat, kulturell und ökonomisch durchaus beachtlich, aber politisch ohne Belang.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">Das feudale Preußen wiederholte fünfhundert Jahre später den Fehler der Franzosen in der Schlacht von Azincourt 1415 gegen die Engländer. Die Franzosen stellten den Hochadel in die erste, den mittleren in die zweite und den niederen in die dritte Reihe. Das verachtete Volk wurde nach hinten verfrachtet und während der Schlacht nicht eingesetzt. Die politisch klügeren Engländer hatten schon Jahrzehnte zuvor Bogenschießen als Volkssport etabliert und per Gesetz jeden Engländer verpflichtet, am Sonntag das Schießen mit dem Langbogen zu trainieren. Die Engländer stellten sich in einer Reihe nebeneinander auf im Verhältnis zwei Drittel Volk und ein Drittel Adel. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, gewannen sie die Schlacht. Shakespeares Drama Henry V. verewigte die politische Bedeutung dieser Erinnerung, und als es mit den absoluten Herrschaftsansprüchen König Charles I. ernst wurde, hatten die Engländer wenig Probleme, ein Parlamentsheer auf die Beine zu stellen, in dem Offiziere nach Leistung statt nach Geburtsadel ihren Rang erwarben. Der übergriffige König verlor seinen Kopf.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">Der preußische Adel des Kaiserreichs hingegen pflegte seine feudale Attitüde und blockierte im Offizierskorps die Ausweitung der Zahl der Krieger ebenso wie die Ausweitung der politischen Partizipation im Reichstag. Die Republik Frankreich hatte vor dem ersten Weltkrieg, gemessen an der Bevölkerung, mehr Bürger unter Waffen als das wegen seines Militarismus geschmähte Preußen. Frankreich konnte prozentual doppelt so viele Krieger mobilisieren. Die deutsche Nation erwies sich als ideologische Hülle ohne politische Substanz. Als man im Krieg die Nation mobilisieren wollte, stellte man fest: es war keine da</span><span class="tm10">.</span><span class="tm7"> Die Illusion zerplatzte. Die Soldaten verschwanden durch einen „verdeckten Militärstreik“, die Matrosen probten den antifeudalen Aufstand, der Reichskanzler bat um Entlassung, der Operettenkaiser schlich sich ins Ausland und der gescheiterte Feldherrn-Heros flüchtete unter falschem Namen nach Schweden. Der Preis für die Missgeburt: der verlorene Erste Weltkrieg. Carl Schmitt sah in „Staatsgefüge und Zusammenbruch des zweiten Reiches“ das Problem, fand aber den Ausgang nicht.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5 tm9"><strong><span class="tm8">Die zweite Missgeburt: Die Weimarer Republik</span></strong></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">Auch die Weimarer Republik war als politische Missgeburt nicht überlebensfähig. Die Genossen organisierten vortrefflich und vertrauten blind auf die Gesetze der Geschichte, die schon von selbst den Fortschritt bringen würden. Den erfolgreichen Umgang mit täglich wechselnden Lagen und Gelegenheiten (</span><em><span class="tm11">fortuna und virtus)</span></em><span class="tm7"> hatten sie weder geübt noch als erforderlich wahrgenommen. Von Politik verstanden sie so wenig wie der auf seine Selbstdarstellung fixierte Adel, eine Steilvorlage für Schuldzuweisungen und gegenseitige Aufhetzungen, die jede auf den Zustand des Landes bezogene Eintracht schon im Ansatz blockierte. Den jahrzehntelang als “Reichsfeind“ verteufelten Genossen genügte es, am Tisch der alten Eliten Platz nehmen zu können. Sie glaubten, mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts hätten sie ihr politisches Versprechen erfüllt und eine Demokratie etabliert. Während sich die englischen Kolonisten nach dem überraschend erfolgreichen Unabhängigkeitskrieg fünf Jahre Zeit ließen und gründlich studierten, was ein stabiles Gemeinwesen ausmacht, das nicht in wenigen Generationen wieder der inneren Korruption verfällt, schrieben die politisch unerfahreneren Deutschen eine paar wohlfeile Sätze aufs Papier und bildeten sich ein, sie hätten damit ein halbes Jahr nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs eine neue politische Ordnung gestiftet. Sie ließen die alten Strukturen des Kaiserreichs weitgehend intakt, versäumten es, mit neuen Gesetzen auch einen neuen Geist einzuführen, und zogen keine politischen Konsequenzen aus der Niederlage. Ein Großteil der Bürokratie bleib unverändert, die Richter urteilten so, wie sie auch schon im Kaiserreich geurteilt hatten. Ein konsequenter Austausch der alten Eliten fand nicht statt. Bis heute hört man die immer gleichen Bedenkenträger: einen Neuanfang dürfe es nicht geben, ohne die Mithilfe der alten Bürokratie würde Chaos ausbrechen, eine notwendige Übergangsphase zwischen Auflösung einer alten und Konstitution einer neuen Ordnung scheint in Deutschland panische Urängste auszulösen. Natürlich gab es für den Zerfall der Weimarer Republik auch äußere Einflussfaktoren. Ich konzentriere mich hier auf die Fehler, aus denen man hätte lernen können. Die Konsequenz: Als die Nazis offen den Staatsterror etablierten, war keine politische Schicht vorhanden, die dem wirksam hätte Widerstand entgegensetzen können. Der Preis ist bekannt. (vgl.: Karl Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik und Arthur Rosenberg: Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik).</span></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><strong><span class="tm8">Die dritte Missgeburt: Die Bundesrepublik</span></strong></p>
<p class="Normal tm5 tm9"><span class="tm7">Die Bundesrepublik wiederholte den Fehler von 1918, schrieb ein paar wohlfeile Sätze aufs Papier und arbeitete mit dem ganzen Bürokratie- und Verwaltungsapparat weiter. Die akademische Elite der Nazis blieb weitgehend intakt. Stellvertretend: Der Volksgerichtshof hat in der Zeit seines „Wirkens“ geschätzte 5200 Todesurteile vollstreckt. </span><span class="tm12">„Die bundesdeutsche Nachkriegsjustiz zog keinen der etwa 570 Richter und Staatsanwälte strafrechtlich zur Rechenschaft. Viele blieben während der Nachkriegsjahre in Westdeutschland im Richterdienst“ (Wikipedia). Die Kontinuität einer autoritär-antiparlamentarischen Justizelite zieht Martin Hirsch von Bismarck, der sie zum Kampf gegen die Revolutionäre von 1848 aufgebaut hatte, bis heute (Vorwort 1987 von Ingo Müllers: Furchtbare Juristen.) </span><span class="tm7">Eine Verarbeitung der Niederlage fand erneut nicht statt. </span><span class="tm12">Die Konsequenz wurde in der „Pandemie“ unmittelbar sichtbar: </span><span class="tm7">In der Hochphase der medial geschürten Hysterie schützten die Richter den Staat gegen seine Kritiker und vernichteten ausgerechnet jene, die sich am Gesetz statt am kriminellen Staat orientierten. Und nichts demonstriert die politische Wertlosigkeit des Grundgesetzes klarer als die vielfach belegte Tatsache, dass sogenannte „Ordnungshüter“ Bürger kriminalisierten, die nichts weiter taten, als eine Ausgabe des Grundgesetzes schützend vor ihren Körper zu halten. Die feudalen Strukturen Deutschlands stammen noch immer aus der reaktionären Antwort auf den revolutionären Geist von 1848. Allmählich müsste auch den letzten Liberalen das Licht aufgehen, dass sie mit ihrem Vertrauen auf den Rechtsstaat einer Illusion aufgesessen sind.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">Unter Kohl war die Demokratie in ihren Institutionen noch grundlegend intakt, aber bereits weitgehend korrupt. Selbst der Flick-Skandal um die gekaufte Republik setzte keine Selbstreinigungskräfte frei. Die anti-autoritären jungen Rebellen suchten verzweifelt nach einer Autorität, an der sie sich hätten orientieren und wachsen können, fanden aber unter den besiegten Vätern keine. Ohne Widerstand der Alten konnten sie ihre pubertierenden Fantasien zur neuen Gesellschaftsutopie etablieren. Die zentralen Schwächen der Republik erkannten auch andere. Eine skrupellose SED-Machtpolitikerin genügte, um die nur auf dem Papier vorhandene Machtbalance außer Kraft zu setzen. „Mutti“ inszenierte sich für die politisch Infantilisierten als neue Führerin und legte fest, dass ihr Wille die Quelle des Rechts sei: Eine unverzeihliche Wahl müsse rückgängig gemacht werden. Die Geführten folgten brav und machten sie rückgängig. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><strong><span class="tm8">Der Pflegefall Deutschland</span></strong></p>
<p class="Normal tm5 tm6"><strong><span class="tm8">&nbsp;</span></strong><span class="tm7">Das Gemeinwesen steht kurz vor dem Exitus. Gelingt es nicht, den Selbstzerstörungskurs der alten Eliten aufzuhalten, zerfällt Deutschland und wird zur Beute rivalisierender Clans, die man unkontrolliert hat einwandern lassen. Sie werden ihre Claims über Bandenkriege abstecken und dem Land den Rest geben. Was das im Detail bedeutet, kann man am Bandenkrieg der 80er in Sizilien studieren. Die jetzt schon erhebliche Auswanderungswelle der Leistungsträger wird noch zunehmen. Die übrig Gebliebenen werden den Preis bezahlen. Stirbt Deutschland, verschwindet der potenziell mächtigste Ordnungsfaktor Europas mit ungeahnten Folgen für old europe. Drei Aspekte machen mich vorsichtig optimistisch: </span></p>
<p class="Normal tm5 tm13"><span class="tm7">1. Eine erfolgreiche Revolution wie die der Ostdeutschen von 1989 sickert ins kollektive Gedächtnis ein. Was schon einmal gelungen ist, senkt die Hürde seiner Wiederholung. Ich spreche deshalb statt der „ersten friedlichen“ von der „unterbrochenen Revolution von 1989“, die gesamtdeutsch zu Ende gebracht werden muss, sofern den Deutschen an Freiheit noch etwas liegt.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm13"><span class="tm7">2. Das Vertrauen gegenüber dem fürsorglichen Staat ist durch die „Pandemie“ irreparabel beschädigt. Bis es sich politisch auswirkt, ist keine Frage des ob, sondern nur des wann.</span></p>
<p class="Normal tm5 tm13"><span class="tm7">3. Die RKI-Files bilden eine öffentliche Sache, um die herum Netzwerke von Republikanern entstehen, die diese Sache eifersüchtig hüten und vehement gegen alle verteidigen, die sie mit ihren Lügen wieder zunichte machen wollen. Das ist, politisch gesprochen, ein Anfang. </span></p>
<p class="Normal tm5 tm14"><span class="tm7">Ein kühne Vision, gewiss: Würde aus diesen Anfängen eine Verfassungsbewegung entstehen, die die Aufgabe des Provisoriums annimmt, die Fehler der Missgeburten genauestens studiert und eine wirklich neue politische Ordnung entwirft, die allgemein anerkannt wird, dann könnte sich ein erneuertes Deutschland an die Seite derjenigen Länder stellen, die sich einer globalen Herrschaftsverdichtung in den Weg stellen.</span></p>
<p>________________</p>
<p>Publiziert: <a href="https://www.dersandwirt.de/deutsche-bilanz/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a></p>
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			</item>
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		<title>Zehn Thesen zur aktuellen Geistesverirrung</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2026/05/zehn-thesen-zur-aktuellen-geistesverirrung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 May 2026 07:52:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>An Pfingsten ergreift uns Christen eine Kraft und eine Wesenheit, die wir nie wieder loswerden: der Geist. Wer heute an Geist und Geister glaubt, gilt als nicht ganz dicht. Dichte ist ein typischer Ausdruck der geistigen Kraft, die Konzentration genannt... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2026/05/zehn-thesen-zur-aktuellen-geistesverirrung/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">An Pfingsten ergreift uns Christen eine Kraft und eine Wesenheit, die wir nie wieder loswerden: der Geist. Wer heute an Geist und Geister glaubt, gilt als nicht ganz dicht. Dichte ist ein typischer Ausdruck der geistigen Kraft, die Konzentration genannt wird und nicht mit Bewusstsein zu verwechseln ist. Das hohe Gut der Aufmerksamkeit gibt es nur in der Geistkonzentration mit Selbstbegrenzung. Diese Anforderung treibt die Materialisten und anderen Leugner des Geistes in die Irre: in den Größenwahn der „Großen Abschaltung“ und „Großen Erweckung“. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Geist ist grenzen- und ruhelos, neigt dazu </span><span class="tm6">verwirrt und verloren zu gehen. Er bedarf der Führung und Furche, der liebevollen Dominanz und Disziplin. </span><span class="tm6">Aktuell dominiert das Delirium, eine extreme Form der Selbstzerstörung des Geistes. Sie zeigt sich in der Besessenheit und Zerrissenheit zwischen allmächtigem Größenwahn und ohnmächtiger Selbstaufgabe. Zehn Thesen nehmen den Puls der Zeit zwischen den beiden Polen der Geistesverwirrung: </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- </span><span class="tm6">Wokismus als </span><span class="tm6">Konstruktion allmächtiger Geistlosigkeit ohne Bodenhaftung, </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- </span><span class="tm6">Identitätspolitik als Konstruktion ohnmächtiger Subjektlosigkeit in Kollektivhaft.</span></p>
<h4>Geistige Verwirrung (I)</h4>
<p>Kindern wird heute mit aller pädagogischen Kraft der Geist ausgetrieben und dann eine Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (II)</h4>
<p>Geister erkennen wir an ihrer Beton und Körpergrenzen überwindenden Ausstrahlung. Wer Kernkraftwerke wegen kaum messbarer Strahlung sprengt glaubt entweder an Geister oder hat einen an der Waffel</p>
<h4>Geistige Verwirrung (III)</h4>
<p>Bis vor kurzem waren Geister studierbar und witzig. Jetzt heißt Geisteswissenschaft - ohne Witz und im Plural - Sozialwissenschaften. Der Geist ist verschwunden und hat die humorlose Wissenschaft zurückgelassen. Oder kennen Sie einen witzigen Sozialwissenschaftenstudierten?</p>
<h4>Geistige Verwirrung (IV)</h4>
<p>Sie glauben, dass Geist aus Materie entsteht, dass Geist der geistlosen Materie eingehaucht wird. Kehren Sie zurück auf Los, nehmen Sie 400 Euro ein. Falls Sie glauben der Wert des erhaltenen Fiatgeldes wurde dem Materialwert spontan eingehaucht und die europäische Masse gebiert den Geldsegen durch den Geistesblitz des Götterfunkens - dann wenden Sie sich bitte an die Selbsthilfegruppe anonymer Exorzisten bei der EZB.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (V)</h4>
<p>Gute und böse Geister heissen im Neuen Testament gleichermaßen Dämon und sind moralisch noch nicht gespalten. Ahriman und Luzifer sind Momente in einem Kontinuum triebdynamischer - hervorbringender und zerstörender - Kräfte und Gewalten. Erst im religiösen Fundamentalismus und in der fundamentalistischen Rhetorik wird das Kontinuum der triebhaften Geisteswesen polar ausgerichtet und damit spaltbar. Die Dämonen machen das nicht mit, sie wechseln weiterhin nach Belieben die Seiten</p>
<h4>Geistige Verwirrung (VI)</h4>
<p>Der Geist ist nicht politisch gerichtet und droht die menschlichen Kategoriebildungen und Sprachgrenzen zu sprengen. An Pfingsten weht er wo er will, spricht mit flammenden Zungen in allen Sprachen. Seither wirken feurige Reden als Brandbeschleuniger, während kalter Zynismus die Grundfesten der Brandmauern zementiert. In den Händen politischer Propaganda wird der Hauch zum Rauch der Opferfeuer; in Zeiten allgemeiner Mobilisierung wird Vielsprachigkeit zum Katastrophengeschrei.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (VII)</h4>
<p>Geist ordnet nach geistigen Gesetzen und zieht so den Hass der weltlichen, materialistischen Erlösungsreligion - allen voran die der woken und anti-woken Sozialisten - auf sich. Geister formen und verformen, begrenzen und entgrenzen, und selbst die Perversion (Umdrehung) der Sünde ist ihnen vertraut. Geister können beschworen, gebannt und ausgetrieben werden. Sie kommen wieder.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (VIII)</h4>
<p>Geister mischen sich. Dabei versalzen sie den gereinigten Bewusstseins- und Haltungskriegern die säuberliche Trennung ihrer Buchstabensuppe. Im Geisterreich ist Vermittlung ebenso schwierig wie überlebensnotwendig. Vermittlungsbereite Geister beleben und bewässern Zwischen- und Übergangsräume, was zur Geistesgegenwart beiträgt. Das Bewusstsein, mein Lieber, ist dabei kein zureichendes Entmischung- und Zerschneidungsinstrument - warnt Charlotte ihren Gatten Eduard; vergebens, wie in der sich entwickelnden Zerstörung der Beziehungen und der Subjekte in den Wahlverwandtschaften (Goethe) nachzulesen. Der aktuelle Haltungsfundamentalismus kennt nur Freund und Feind. Stammes- und Verwandschaftsbeziehungen sowie vermischungsbewahrende Geistesgegenwart scheut er wie ein Vampir das Tageslicht.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (IX)</h4>
<p>Ohne Geist gibt es keine Wahrheit, auch keine geschichtliche. Erinnerung ist eine kreative Konstruktion. Wer geschichtliche Wahrheit kreieren will muss Tatsachenwissen und Erinnerung durch geistige Ordnung in einer Erzählung verbinden - wie es Hanna Krall* in ihren Reportagen getan hat. In diesen geht es auch um Geister, die ihre Protagonisten besetzen und plagen. Das ist Geschichte, so entsteht Geschichte, so lässt sich der Geschichte eine Reportage abringen.</p>
<h4>Geistige Verwirrung (X)</h4>
<p>Wer nichts von Besessenheit wissen will, den wird die Realgeschichte der Geister einholen. Wo der revolutionäre Geist den Sinn zum Tanzen bringt, entsteht Freiheit als neue constitutio libertatis. Ebenso entsteht Freiheit durch Privateigentum und Recht. Das gilt auch für Geister in der Gemeinschaft. Wer sich nicht selbst zum Eigentum macht, wer sich kein Recht gibt, wer von Geistern besessen wird - ist nicht frei.</p>
<p>* Hanna Krall, wurde am 20. Mai 91 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!</p>
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		<title>Die Rache des Philosophen</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 17:52:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meyer, Thomas: Hannah Arendt, Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe, Piper Verlag, München, November 2025, 525 Seiten Im November 2025 kommt zwei Jahre nach der Hardcover Version die Taschenbuchausgabe einer neuen Arendt Biografie von Thomas Meyer auf den deutschen Büchermarkt. Der Autor... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5 tm6"><em><span class="tm7">Meyer, Thomas: Hannah Arendt, Erweiterte und aktualisierte Taschenbuchausgabe, Piper Verlag, München, November 2025, 525 Seiten</span></em></p>
<p class="Normal tm6 tm7"><span class="tm8">Im November 2025 kommt zwei Jahre nach der Hardcover Version die Taschenbuchausgabe einer neuen Arendt Biografie von Thomas Meyer auf den deutschen Büchermarkt. Der Autor ist außerplanmäßiger Professor für Philosophie an der Universität München und beschäftigt sich laut eigenen Angaben mit der Ideen- und Philosophiegeschichte der griechischen Antike und des 20. Jahrhunderts. Der Piper-Verlag hat ihn mit der Herausgabe der Studienausgabe von Hannah Arendt betraut, ein Experte also. In die Neugier mischt sich eine erste Irritation: auf dem Umschlag prangt ein roter Aufkleber „SPIEGEL Bestseller“. Hannah Arendt ein Bestseller und das zu einer Sache, mit der man sich nach dem Lübbe Wort vom „kommunikativen Beschweigen“ besser nicht beschäftigt? Der Klappentext verheißt einen ‚radikal‘ neuen Zugang zum ‚revolutionären Denken‘ Hannah Arendts, der eine Neubewertung notwendig mache. Auch ein Buch will verkauft und konsumiert werden. Die Rezensenten der klassischen Medien zeigen sich begeistert: „absolut sensationell“ (SZ), „völlig überraschende Biografie“ (DIE ZEIT), der Rezensent der H-Soz-Kult zeigt sich schon skeptischer, das Buch habe Längen und Lücken, aber den Geschmack des Publikums getroffen. Der Rezensent der</span><em><span class="tm9"> Jüdischen Allgemeinen</span></em><span class="tm8"> ist zwar mit der Fokussierung Arendts auf eine öffentliche Intellektuelle und politische Aktivistin nicht ganz einverstanden, geht aber diesem Eindruck nicht weiter nach und reiht, wie die meisten anderen auch, die üblichen nichtssagenden Textbausteine aneinander. The Games must go on.<br>
</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Geht es in dieser Biografie um Hannah Arendt? Aber natürlich, wird es mir unisono entgegen schallen. Was für eine unmögliche Frage? Auf dem Titel steht Hannah Arendt, auf Hunderten von Seiten werden durch akribisches Quellenstudium und viel Fleißarbeit Kindheit und Jugend in Königsberg, ihre Zeit in Paris sowie die ersten Jahre in New York ausgebreitet. Sind Sie von Sinnen? Ich gebe zu, die Frage war zu provokant gestellt, ich formuliere sie im zweiten Anlauf anders. Um welche Arendt geht es, um eine oder mehrere? Auch diese Frage enthält noch zu viele Mehrdeutigkeiten. Verschiedene, aber als verschiedene gleichrangige Interpretationen des Lebenswerkes einer Person wären legitim. Die Rezeptionsgeschichten berühmter Autoren sind voll davon. Die eine Arendt gibt es ohnehin nicht, ebenso wenig wie die eine Wahrheit. So kommen wir nicht weiter. Oder geht es um ein hergestelltes, ein eigens konstruiertes Arendt-Image, das als Schutzschirm vor die andere Arendt gestellt wird. Geht es um eine gemachte Arendt, mit der man sich die tatsächliche Arendt vom Leibe halten kann? So formuliert, bekommt die Sache schon einen anderen Dreh, denn jetzt geht es ums Lesen. Wie liest Meyer? Liest er über Arendt, mit ihr oder gegen sie?<br>
</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Meyer erwähnt das „Haus der Bücher“ in Königsberg (S. 290), ein Tempel der Lesehungrigen mit 200.000 Büchern, die zur damaligen Zeit sicher größte Buchhandlung Europas, vielleicht sogar der Welt. Meyer erwähnt auch die Stundenpläne der humanistischen Gymnasien, in denen Lesen, zumal der antiken Klassiker, noch einen anderen Rang einnahm als heute. Wir können unterstellen, dass Arendt schon eine gute Leserin war, bevor sie mit dem Studium begann. Als sie Heidegger 1924 in Marburg das erste Mal begegnete - in der Vorlesung zu Platons „Sophistes“ - muss es eine Offenbarung für Sie gewesen sein. Etwas von diesem Schock hört man noch aus einem Brief heraus, den sie Heidegger 50 Jahre später schrieb: „Wie Du liest, liest keiner und hat auch niemand vor Dir gelesen“ (Briefwechsel, S. 250). Das Lesen, vor allem das Lesen Platons hat Arendt von Heidegger gelernt. Hat Meyer das Lesen von Arendt gelernt?</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">&nbsp;</span><span class="tm8">Ich beschränke mich auf zwei Schlüsselstellen. Etwa in der Mitte des 500-seitigen Machwerks finden sich zwei Sätze, die es wert sind, genauer unter die Lupe genommen zu werden. Der Philosoph Thomas Meyer legt fest, was das Politische seiner Ansicht nach sei: „Das Politische ist das, was geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen, Konflikte austragen, einander töten oder lieben“, so der erste Satz (S. 233). Jedem halbwegs geübten Leser wird der Widerspruch auffallen: entweder kommt man ins Gespräch, oder man tötet sich, mit dem Töten tötet man auch das Gespräch, die Gewalt ist stumm. Dagegen Arendt: „Wo die Gewalt in die Politik selbst eindringt, ist es um die Politik geschehen“ heißt es in der Einleitung zum Revolutionsbuch mit Bezug auf die modernen Revolutionen, die im Terror enden. Auch der Verweis auf Kain, der Abel erschlug fehlt nicht. Wie geschieht das Politische, wenn Menschen einander lieben? Auch hier formuliert Arendt präzise: „Die Liebe ist ihrem Wesen nach nicht nur weltlos, sondern sogar weltzerstörend, und daher nicht nur apolitisch, sondern sogar antipolitisch - vermutlich die mächtigste aller antipolitischen Kräfte.“ (Vita Activa, S. 238). Weiter: Das Politische geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen: welche Menschen und was für ein Gespräch? Geschieht das Politische, wenn der Herr mit dem Knecht spricht, die Eltern mit den Kindern oder die Herrschenden mit den Beherrschten? Man könnte zu Meyers Ehrenrettung anführen, dass er wahrscheinlich das Gaus Interview im Sinn hatte, aber es steht nicht da und präzise formulieren ist nicht seine Stärke. Wir konkretisieren in seinem Sinne: das Politische geschieht, wenn Menschen ins Gespräch kommen, die sich als gleichrangig anerkennen. Wie erkennen sich Menschen trotz ihrer natürlichen Verschiedenheit ohne Kampf auf Leben und Tod als gleichrangig an (Hegels Kampf um Anerkennung)? Hier hätte das Gesetz ins Spiel kommen müssen und Arendts Einklammerung der Tradition, die das Gesetz zur Vorschrift umgemünzt hat. Meyer erwähnt weder das Gesetz noch, dass Arendt mit dem geänderten Sinn von Gesetz </span><span class="tm7">hervor holt, was auch der zweite große Verteidiger des Politischen wieder entdeckte: Carl Schmitt. </span><span class="tm8">Sind es bloße Lücken, verzeihliche Ungenauigkeiten? Wir sind noch immer am ersten Satz: Das Politische geschieht. Einfach so, ohne unser Zutun? Der bürgerliche Ort, an dem Menschen ins Gespräch kamen, war der Salon. Geschah dort das Politische? Als 1934 in der „Nacht der langen Messer“ der Staatsterror offenkundig wurde, die Regierung als kriminelle Verschwörung erkennbar war, geschah - nichts. Robert Kempner, seinerzeit Verwaltungsjurist im Berliner Innenministerium und später Ankläger im Nürnberger Prozess sprach aus, was die deutschen Bürger nicht hören wollen: „Es war eine Niederlage in ganz großem Maße, an der die Bürgerschaft, teilweise auch die Arbeiterschaft, beteiligt war.“ (Lebenserinnerungen, S. 92). Eine vergleichbar totale Niederlage beschrieb Sebastian Haffner in der Geschichte eines Deutschen, als SA-Horden das altehrwürdige Berliner Kammergericht stürmten und ohne jede Gegenwehr das Recht austrieben. Kommen wir zum zweiten Satz: „die Frage ist dann, […] wie viel Raum man dieser anthropologischen Konstante gibt, wie sie ausgehandelt, also erst bewusst gemacht wird, da sie ja natürlich ist.“ Das ist, etwas moderner formuliert, die klassische aristotelische Definition vom </span><em><span class="tm9">zoon politikon</span></em><span class="tm8">. Damit bestätigt Meyer, was Arendt 1950, also in dem Zeitraum, der den Biografen ganz besonders interessiert, über die Philosophen schrieb: „Die Philosophie hat zwei gute Gründe, niemals auch nur den Ort zu finden, an dem Politik entsteht. Der erste ist: 1) Zoon politikon: als ob es </span><em><span class="tm9">im</span></em><span class="tm8"> Menschen etwas Politisches gäbe, das zu seiner Essenz gehört. Dies gerade stimmt nicht; der Mensch ist a-politisch. Politik entsteht in dem </span><em><span class="tm9">Zwischen-den</span></em><span class="tm8">-Menschen, also durchaus </span><em><span class="tm9">außerhalb</span></em><span class="tm8"> des Menschen. 2. Die monotheistische Gottesvorstellung - [des Gottes], in dessen Ebenbild der Mensch geschaffen sein soll.“ (Was ist Politik?, S. 11). Damit lässt sich die erste Frage beantworten: Meyer schreibt eine Menge über Arendt, aber er liest sie nicht. Das Resultat führt unmittelbar zur nächsten Frage: was ist der Sinn dieser Biografie, wenn es nicht um das Verstehen Arendts geht?</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Die Schlüsselstelle dazu findet sich auf S. 131. Dass Hannah Arendt Philosophin oder politische Theoretikerin oder beides gleichzeitig war, findet Meyer „eigentümlich“. Eigentümlich schreibt jemand, der nicht genau versteht, warum etwas so ist, wie es ist, aber zugleich keine Neigung verspürt, dieser Irritation Raum zur Entfaltung zu geben, es könnte lieb gewordene Gewissheiten in Frage stellen. Dass sich hinter dem „eigentümlich“ das verbirgt, womit sich Hannah Arendt ihr Leben lang beschäftigte, entgeht so dem akademischen Philosophen. Er muss diktatorisch festklopfen, womit er selbst sich nicht befassen will. Hannah Arendt habe sich von der Philosophie abgewandt und würde nach dem Augustinus-Buch „nie wieder“ (S. 132) eine philosophische Interpretation unternehmen. Die These der Abwendung von der Philosophie könnte chronologisch gemeint sein. Wer sich abwendet, kann sich auch wieder zuwenden. Meyers theoriepolitischer Sinn erschließt sich etliche Seiten später rückwirkend. Wenn er, etwas gönnerhaft im Ton, über Arendts Philosophieren referiert, ist die Verstrickung der philosophischen Tradition in die Erfahrung totaler Herrschaft erfolgreich gekappt, die Metaphysik exkulpiert. Arendts Philosophieren ist dann keine Antwort mehr auf das, „was nie hätte geschehen dürfen“, sondern wird zu etwas wie ihrem Privatvergnügen, ihre Emanzipation vom übermächtigen Lehrer oder einfach nur eine wohlgesinnte Sonntagsrede, die die Langeweile der geschwätzigen Öffentlichkeit vertreibt. Die Bresche in der Mauer der Gewissheiten scheint erfolgreich gestopft. Dass diese auffällige Diskrepanz im Umgang mit Arendt schon vor 30 Jahren von </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/zoltan-szankay/arendtsche-denkungsart-und-offnungsweisen-der-demokratischen-frage/" target="_blank" rel="noopener"><span class="tm8">Zoltán Szankay</span></a></u><span class="tm8"> vermerkt wurde,&nbsp;</span><span class="tm7">zeigt sowohl die Hartnäckigkeit der Ignoranz als auch den außergewöhnlichen Ort Arendts. </span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Tatsächlich hat Arendt das Verhältnis zwischen Philosophie und Politik, dessen Auswirkungen auf die abendländische Tradition, sowie ihren Bezug dazu präzise benannt. In einer Fußnote im Revolutionsbuch heißt es: „seit Sokrates Tod hat eine an Feindseligkeit grenzende Spannung zwischen Philosophie und Politik wie ein Fluch auf der abendländischen Geistesgeschichte gelegen“ (S. 395). Die Rede vom Fluch steht nicht zufällig im Revolutionsbuch, denn der Fluch trifft jene, die Herrschaftsordnungen etablieren, sowie auch solche, die sie zur Befreiung des Menschen umstürzen wollen. Wer liest und seiner Bedeutung nachdenkt, dem wird unmittelbar verständlich, dass ein Lebenswerk wie Arendts, das sich wie kein anderes des 20. Jahrhunderts dem Abbau dieser Feindschaft verschrieben hat, nicht nur beide Perspektiven einnimmt, diese in ihrem Verhältnis zueinander versetzt, sondern auch das Gesetz mitdenkt, das solche Standort-Setzungen einräumt. </span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Es sind im wesentlichen ein Heidegger-Image und drei Arendt-Images, die der Philosoph kreiert, um den Angriff auf das Selbstverständnis seines akademischen Fachs abzuwehren: Heidegger ist ihm so etwas wie ein heidnischer Schamane, der mit Wortzaubereien die orientierungslose Jugend irreführt. Wenn er könnte, würde er ihm noch nachträglich den Schierlingsbecher reichen. Aus der Unruhe stiftenden Arendt macht er drei entschärfte Fassungen: die eine zieht er von der Philosophie ab und entsorgt sie in der Schublade: historisch-soziologische Studien. Die zweite fabriziert er zur jüdischen Aktivistin, womit er sie zu den Klima- und Flüchtlingsaktivisten der Gegenwart anschlussfähig macht und die dritte stilisiert er zur öffentlichen Medien-Intellektuellen, also das, was tagtäglich an Volksverdummung in den Talkshows stattfindet. Die für den Konsum einer Öffentlichkeit zurecht frisierten Arendt-Images vermeiden sorgfältig alles, was die gewohnte Gleichgültigkeit beunruhigen könnte.</span></p>
<p class="Normal tm6 tm10"><span class="tm8">Warum einer sich berufen fühlt, eine Arendt Biografie vorzulegen, der schon ihr zentrales Anliegen verfehlt und dafür Verlag und Lektoren findet, müssen die Beteiligten verantworten. Man muss es wohl als Symptom fortschreitenden geistigen Ruins zur Kenntnis nehmen. Zweifellos wird es für Verlag und Autor ein großartiger ökonomischer Erfolg werden. Es sei ihnen gegönnt. Nur, wer von geistigem Rang will dann noch mit einem solchen Verlag zusammenarbeiten?</span></p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.tabularasamagazin.de/boris-blaha-arendt-zoff-um-bestseller-biografie-zerlegt-dieser-philosoph-hannah-arendt/" target="_blank" rel="noopener">tabularasa Magazin</a>,&nbsp;<a href="https://wir-selbst.com/2026/04/26/die-rache-des-philosophen/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a></p>
<p class="Normal">
</p><p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2026/03/die-rache-des-philosophen-thomas-meyers-versuch-einer-arendt-vernichtung/">Die Rache des Philosophen</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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		<title>Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 12:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen, sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu opfern, politisch hoffnungslos ist“ Alexandre Kojéve an... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das<br>
fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen,<br>
</span></em><em><span class="tm6">sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale<br>
Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu<br>
opfern, politisch hoffnungslos ist“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Alexandre Kojéve an de Gaulle, 1945</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Manchmal frage ich mich, was wohl schwieriger ist, den<br>
</span></em><em><span class="tm6">&nbsp;Deutschen einen Sinn für Politik oder den Amerikanern ei-<br>
</span></em><em><span class="tm6">nen leichten Dunst auch nur von Philosophie beizubringen“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Hannah Arendt an Karl Jaspers, 1949</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>06/1967: Am 2. Juni wurde in einem West-Berliner Hinterhof der Student Benno Ohnesorg von einem Kriminalbeamten in Zivil durch einen Kopfschuss von hinten aus kurzer Entfernung getötet. Die Tat wurde vertuscht, der Täter freigesprochen. Die junge Demokratie erwies sich als unfähig, das verletzte Recht wieder einzurichten. Der kriegerische Modus der Auseinandersetzung bestimmte auch die Wahrnehmung auf der anderen Seite. Der Schuss wurde als Komplott, als „gezielte Aktion zur physischen Ausschaltung der Opposition“ (Kuby) verstanden. 40 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schütze langjähriges Mitglied der SED und Mitarbeiter der STASI war. Ob er im Auftrag gehandelt hat, ist Spekulation. Am 8. Juni wurde der Leichnam von Benno Ohnesorg mit tatkräftiger Unterstützung der DDR nach Hannover überführt. Die DDR verzichtete auf die sonst üblichen Schikanen und postierte entlang der Strecke tausende FDJ’ler mit „Opfer des Polizeiterrors“ Schildern. Während Ohnesorg am 9. Juni in Hannover im Kreis seiner Familie beerdigt wurde, fand in der Innenstadt ein Trauermarsch statt, an dem sich ca. 7.000 Personen beteiligten. Auf dem abendlichen Kongress „Bedingungen und Organisation des Widerstandes“ sprach Rudi Dutschke der bürgerlichen Demokratie die Legitimation ab, weil sie auf der „geistigen Reduziertheit systematisch entmündigter Massen“ beruhe und erklärte ihr den offenen Krieg, was Jürgen Habermas noch am selben Abend als linken Faschismus qualifizierte. Aus einer politischen und rechtlichen Perspektive hätte Dutschkes Ankündigung, die demokratischen Spielregeln nicht zu akzeptieren und durch seine eigenen zu ersetzen, als Hochverrat gewertet werden müssen. Es war jedoch niemand da, der dem Recht Geltung verschaffte. Mit der Verlagerung in radikal-revolutionäre Klassenkampf-Ideologie war die „Deutsche Frage“ für lange Zeit kalt gestellt.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/1988: Der Bundestagspräsident Jenninger hielt im Parlament eine Rede zum 50sten Jahrestag der Reichspogromnacht und wollte den politisch fatalen Eindruck der verantwortungslosen Weizäcker-Befreiungs-Rede korrigieren. Befreit wurden die Lagerinsassen. Wir wurden besiegt. Die Hexenjagd eröffnete ein Mitglied der Fraktion der Grünen. Wenige Tage später war Jenninger vollständig von der politischen Bühne verschwunden. Nie wieder ist ein führender Repräsentant der Bundesrepublik so schnell und so radikal exkommuniziert worden. Die Auffälligkeit dieses Phänomens habe ich hier interpretiert: </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">03/2010: Der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender wurde von einer Clique um Ministerpräsident Roland Koch (Hessen) aus seiner Position entfernt. Er hatte seinen Redakteuren empfohlen, sich inhaltliche Änderungswünsche von Politikern schriftlich geben zu lassen. In einem öffentlichen Protestbrief warnten mehrere Redaktionsleiter vor der „gefährlichen Einmischung der Politik“. Es war das letzte Aufbegehren. Seither befinden sich die ÖRR im freien Fall und verkommen zu Propagandaanstalten. Das schlechte Gewissen wird mit obszönen Gehältern korrumpiert. Ich hatte seinerzeit meinen GEZ-Beitrag um den ZDF-Anteil reduziert und wollte über den Instanzenweg der Verwaltungsgerichte vor das Oberste Gericht ziehen. Bremens seinerzeit bester Verfassungsrechtler hatte seine Unterstützung zugesagt. Als es ernst wurde, zog er angesichts des Arbeitsaufwandes und seinem bevorstehenden Eintritt in den dritten Lebensabschnitt seine Zusage zurück.&nbsp;</span><span class="tm8">Wenn eine wichtige Herausforderung jeden Einzelnen schnell überfordern würde, schließt man sich zusammen. Das gilt für verlegerische Großtaten, die nur über Subskriptionen realisierbar sind, für Patenschaften, die notwendig sind, um qualifizierten Journalismus zu erhalten und </span><u><a href="https://www.beitragsblocker.de/"><span class="tm8">dort</span></a></u><span class="tm8">, wo man in die Mauer der organisierten Lügen eine Bresche schlagen muss. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">08/2010: Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel erklärte das Buch von Thilo Sarrazin, das sie nach eigenen Angaben gar nicht gelesen hatte, für „nicht hilfreich“ und reihte sich damit in die Tradition der National- und anderer Sozialisten ein, die von oben dekretieren, welche Lektüren erlaubt und welche verboten sind (by the way: meinen Vornamen verdanke ich einem damals in der Sowjetunion verbotenen Buch: Dr. Schiwago von Boris Pasternak). Wer das Lesen von Büchern kontrollieren möchte, kontrolliert auch, wer sich öffentlich zu Wort melden darf. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">03/2011: Mit dem Atom-Moratorium entmachtete Bundeskanzlerin Merkel das Parlament und setzte die Gewaltenteilung außer Kraft. Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz kann auch nur von diesem und nicht per Dekret wieder geändert werden. In Fachzeitschriften sprachen Verfassungsrechtler von einem „Tsunami für den deutschen Rechtsstaat.“ Die </span><span class="tm7">Parlamentarier des Bundestages&nbsp;</span><span class="tm6">beklatschten ihre eigene Entmachtung. Spätestens jetzt war die zweite deutsche Demokratie, was ihre offiziellen Repräsentanten anbelangt, gescheitert. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2014: In ihrer <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/neujahrsansprache-2015-798300" target="_blank" rel="noopener">Neujahrsansprache</a> machte Frau Dr. Merkel deutlich, dass sie das politischste aller Rechte - das Versammlungsrecht - nicht im Sinne des Grundgesetzes interpretiert. Sie forderte die Staatsbürger auf, sich nur mit denen öffentlich zu versammeln, die der Regierung auch genehm sind. Ein allgemeiner Aufschrei über diese schleichende Aushöhlung der Verfassung blieb aus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2015: Der formal unqualifizierte Sozialpädagoge Stefan Kramer wurde zum Präsidenten des Verfassungsschutzes Thüringen ernannt. Er sorgte dafür, dass die frei erfundene Parole „gesichert rechtsextrem“ die öffentliche Meinung entsprechend beeinflusste und auf ein Verbotsverfahren der Opposition vorbereitete.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2017: Ein Feuilleton Redakteur des SPIEGEL reagierte auf die Diskursverengung und sorgte dafür, dass ein Denkanstoß des Soziologen Rolf Peter Sieferle (<em>finis germania</em>) auf der Liste der Sachbücher des Monats des WDR erschien. Johannes Saltzwedel wurde daraufhin, der Skandalisierung um Jenninger vergleichbar, öffentlich hingerichtet, das Buch von Rolf Peter Sieferle zählt seither zu den verbotenen Büchern. Der deutsche Mitläufer kam wieder überall zum Vorschein. Rolf Peter Sieferle schied ein Jahr zuvor durch Suizid aus dem Leben und beklagte in einem Brief die katastrophale Politik von Frau Dr. Angela Merkel, die den „urdemokratischen Mechanismus“ eines Wechsels zwischen Regierung und Opposition „außer Kraft“ gesetzt hat. „Für die Wähler bedeutete dies, dass sie einem totalitär-geschlossenen Block gegenüberstanden, bei dem sie wählen konnten, was sie wollten, ohne dass dies Auswirkungen auf die eigentlich entscheidenden Fragen hatte.“ </span><u><a href="https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/"><span class="tm6">https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">08/2018: Die von einem&nbsp;</span><span class="tm7">anti-faschistischen Aktivisten&nbsp;</span><span class="tm6">aufgebrachte Lüge der „Hetzjagden von Chemnitz“ wurde von der Bundesregierung aufgegriffen und verbreitet, obwohl alle Zeugen vor Ort dem widersprachen. Die schlichte Tatsachenwahrheit, dass ein Landsmann von einem Migranten getötet worden war, wurde durch die organisierte Lüge verdeckt. H.G. Maaßen hatte als einer der wenigen bundesweiten Stimmen den Mut, gegenüber einer offenkundigen Propagandalüge Skepsis zu äußern. Er wurde durch einen willfährigen Funktionär ausgetauscht. Merke: Wer sich offen gegen die Regierungspropaganda stellt, verliert seinen Job. Die Wirksamkeit dieser erzieherischen Maßnahme zeigte sich kurz darauf im Verhalten von RKI und PEI während der „Pandemie“.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/2018: Stefan Harbarth wurde als Richter ins Bundesverfassungsgericht bugsiert. Er sorgte für den gewünschten Tabubruch und brachte eine sozialistische Herrschaftsideologie (Klimaschutz) in eine Verfassung, die aus gutem Grund inhaltlich neutral zu sein hat.</span></p>
<p>10/2019: In einem Interview, das auf <a href="https://www.tichyseinblick.de/meinungen/litauens-ex-staatschef-landsbergis-deutschland-gleitet-ein-drittes-mal-in-den-sozialismus-ab/" target="_blank" rel="noopener">Tichys Einblick</a> erschien, formulierte Vytautas Landsbergis, einer der führenden Köpfe der neben Polen erfolgreichsten politischen Revolution des 20. Jahrhunderts und spätere Staatspräsident Litauens, sein Bedauern darüber, „dass die Deutschen ihre Lektion nicht gelernt haben – aus der Geschichte, aus dem nationalen Sozialismus, aus dem DDR-Sozialismus – und dass sie jetzt offenbar ein drittes Mal in den Sozialismus abgleiten.“ Wie viele andere verhallte auch diese Mahnung ungehört und unverstanden.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2020: Eine demokratische Wahl im Landtag von Thüringen wurde von der Bundeskanzlerin Merkel auf einer Pressekonferenz in Südafrika als „unverzeihlich“ bezeichnet. Die untertänigen Parlamentarier folgten ihrer Führerin und machten die Wahl rückgängig. Zwei Jahre später entschied das BVerfG, dass die Einmischung Merkels verfassungswidrig war </span><span class="tm7">(</span><span class="tm6">Az.2 BvE 4/20, 2 BvE 5/20).</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2021: Die Bundeskanzlerin Merkel ließ „Berechtigungsscheine für Masken“ an alle Bürger verteilen und verwandelte damit unter der Hand ein Verfassungsrecht in ein Zuteilungsprivileg. Ich sandte ihr in einem offenen Brief die Berechtigungsscheine zurück. Ich benötige weder Lebensmittel-, Wohnungs- noch andere Berechtigungsscheine, die mir von der Regierung bei entsprechendem Wohlverhalten zugeteilt werden. </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2022: Die Sachverständigenkommission veröffentlichte ihren nach §5 Abs. 9 IfSG erforderlichen </span><a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/BER_lfSG-BMG.pdf"><span class="tm6">Bericht</span></a><span class="tm6"> zur Evaluation der Pandemiemaßnahmen. Im Abschnitt 7.3.2.7 mit dem Titel Absonderung wurden alle freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die ohne richterliche Überprüfung erlassen wurden, als verfassungswidrig eingestuft. Konsequenzen aus diesem massenhaften Amtsmissbrauch sind mir keine bekannt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">05/2024: in einem </span><u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y_dOFk_HWJg"><span class="tm7">taz Talk zur Klimakrise</span></a></u><span class="tm7"> formulierte eine Vordenkerin der Grünen, Prof. Hedwig Richter, einen bemerkenswerten Satz: „… dass es eine der ganz wichtigen Lehren aus dem 20. Jahrhundert war, also damit beschäftigen wir uns auch ausführlich, dass wir für unsere Demokratie viele, viele Lehren aus dem Nationalsozialismus und aus den Faschismen gezogen haben und eine war eben, auf keinen Fall radikal sein, auf keinen Fall Revolution, ähm für die Sozialdemokratie sowieso eine ganz wichtige Lehre, schon aus dem Kaiserreich sozusagen, dass man in der Demokratie mitarbeiten kann, ohne dass man jetzt das ganze System zerstört und ähm, diese Lehre ist jetzt total hinderlich, also das ist wirklich ne Grammatik aus dem letzten Jahrhundert, weil sie keine Radikalität mehr zulässt“ (ca. ab Minute 13:00). Ich habe mir erlaubt, die Aufforderung von Frau Prof. Richter, heute wieder an der Radikalität von Nationalsozialismus und Faschismus anzuknüpfen, </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/"><span class="tm7">hier</span></a></u><span class="tm7"> zu kommentieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">06/2025: Die SPD nominierte zwei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht. Beide machten kein Hehl daraus, dass sie das Recht als Waffe einsetzen wollen, um das, was sie als das Gute und Notwendige erkannt zu haben glauben, durchzusetzen. Gegen eine der beiden formierte sich öffentlicher Widerstand, sie zog ihre Kandidatur zurück. Die politisch gesprochen weitaus gefährlichere hingegen wurde vom Bundestag gewählt.</span></p>
<p>08/2025: Der Wahlausschuss der Stadt Ludwigshafen entschied am 05.08.2025, den aussichtsreichsten Kandidaten für die kommende OB-Wahl am 21. September 25 von der Wahl auszuschließen. Als Begründung wurden von dem sechsköpfigen Wahlausschuss aus Altparteien unter Vorsitz der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (Ex-SPD) Zweifel an der Verfassungstreue des Kandidaten angegeben. Das umgehend veröffentlichte 11-seitige Gutachten des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz enthielt keinerlei belastbare Indizien für derartige Zweifel. Es handelte sich daher bei der Entscheidung des Wahlausschusses um einen eindeutigen Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, vulgo Hochverrat.</p>
<p>10/2025. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt soll privaten Rundfunk und Telemedien im Hinblick auf Jugendmedienschutz, journalistische Sorgfaltspflicht, Werbung und Impressumspflicht beaufsichtigen. Am 21. Oktober 2025 erlies Sie einen <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2025-10-21-nlm-bescheid.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Bescheid</a> gegen den unabhängigen Journalisten <a href="https://www.alexander-wallasch.de/" target="_blank" rel="noopener">Alexander Wallasch</a>, beanstandete mit durchsichtigen Begründungen einer verletzen „journalistischen Sorgfaltspflicht“ drei Beiträge, verhängte ein Zwangsgeld von 500,00 € pro Beitrag plus einer Verwaltungsgebühr von 2.500,00 €. Solche Übergriffe setzen massenmedial mobilisierte Denunzianten voraus. Die 38-seitige <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2026-01-19-begruendung-klage-nlm.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Klageschrift</a> des Verteidigers von Herrn Wallasch, RA Dirk Schmitz, sieht in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen zentrale Grundrechte unserer Verfassung, Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG (Presse- und Medienfreiheit), Art. 5 Abs. 1 S. 3 GG (Zensurverbot),&nbsp; Art. 20 Abs. 3 GG, (Bestimmtheitsgebot), Art. 5 Abs. 2 GG (Verhältnismäßigkeit), Art. 3 Abs. 1 GG (Gleichbehandlung). Nach der Entfernung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (siehe 10/2010) ist dies der eindeutige Versuch, mit der Verhängung von Zwangsgeldern jede Art von unabhängiger privater Berichterstattung zu unterbinden. <span class="tm7">Das Vorgehen bestätigt die </span><u><a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/j.-d.-vance-die-muenchener-rede-des-us-vizepraesidenten-im-wortlaut/100107881.html"><span class="tm7">Aussage</span></a></u><span class="tm7"> von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz: „In Großbritannien und ganz Europa, so fürchte ich, ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug.“</span></p>
<p>ohne Anspruch auf Vollständigkeit .…</p>
<p>======</p>
<p>publiziert auf: <a href="https://globkult.de/politik/deutschland/2489-meilensteine-auf-dem-marsch-in-den-dritten-sozialismus" target="_blank" rel="noopener">GlobKult</a>, eine frühere Fassung erschien auf <a href="https://reitschuster.de/post/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/" target="_blank" rel="noopener">Reitschuster.de,&nbsp;</a></p>
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		<item>
		<title>Mütter werden behindert</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 May 2025 05:19:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mütter sind genial. Sie können nicht nur Kinder in ihrem eigenen Körper heranwachsen lassen und gebären; sie sind nicht nur in der Lage, neues Leben in unsere geriatrischen Gemeinwesen zu bringen; sie können nicht nur völlig hilflose Schreibabys in ihr... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/05/muetter-werden-behindert/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Mütter sind genial. Sie können nicht nur Kinder in ihrem eigenen Körper heranwachsen lassen und gebären; sie sind nicht nur in der Lage, neues Leben in unsere geriatrischen Gemeinwesen zu bringen; sie können nicht nur völlig hilflose Schreibabys in ihr eigenes Leben führen, dass diese schließlich selbst Windeln wechseln. Mütter sind bereit, Schlaf und Gewebespannung für unsere zukünftigen Genies zu verlieren. Zu all dem sind sie, neben ihrem normalen Beitrag als Frau in der Gesellschaft, fähig. Was ist der Dank? Eine Gratisschippe voller Schuldgefühle und einen Blumenstrauß an Ermahnungen und Bevormundungen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9"><a href="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-2249" src="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial-199x300.jpg" alt width="199" height="300" srcset="https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial-199x300.jpg 199w, https://www.hannah-arendt.de/wp-content/uploads/2025/05/MuetterSindGenial.jpg 345w" sizes="(max-width: 199px) 100vw, 199px"></a>&nbsp;</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Mutter-Bashing is opportun</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Anstatt die Leistungen der Mütter zu ehren, ist Mutter-Bashing en vogue. Selbst die kleinen Kinder haben es mitbekommen und ich höre täglich in der Praxis wie kleine - zuweilen noch nicht einmal trockene - Kinder ihre Mütter öffentlich auszählen und herunterputzen. Sie erklären, auch vor anderen, welch schlechte Mutter ihre einzige und „good enough mother“ (Donald Winnicott) ist. Mutter-Bashing is opportun. Oft reagieren Mütter mit Scham und Schuldgefühlen; und lassen sich diese Entwertung von den großen und kleinen Kritikern gefallen. Mütter kennen das: Wer Mütter kritisiert und entmündigt wird gut bezahlt und ist für eine journalistische oder akademische Karriere prädestiniert. Das ist schon seit einigen Jahrzehnten so. Neu ist aber: Mütter gehen mit sich selbst und anderen Müttern heftig ins Gericht und das Zentralkomitee der perfekten Mutterschaft tagt ständig und ist dicht mit Müttern besetzt. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Liebe, Dankbarkeit, Neid</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Einige von denen, die Mütter bashen, sind gleichzeitig diejenigen, die jede mögliche Gelegenheit nutzen, den Einfallsreichtum von Müttern zu stehlen. Bisher waren die Versuche, Mütter zu ersetzen, mäßig erfolgreich. Das Entwicklungsziel der Ambivalenzfähigkeit und Dankbarkeit (Melanie Klein) wird auch durch noch mehr Heil- und Sozialpädagogen in Kndergärten und Schulen nicht erreicht, wenn die Basis der Intervention das Mutter bashing ist.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Fähigkeiten der Mütter werden von jenen, die nie Mutterliebe erfahren haben, mit Neid betrachtet. Insbesondere der sozialistische Erziehungsstaat hält den Daumen auf die Mütter, da er die „<a href="https://www.achgut.com/artikel/die_lufthoheit_ueber_den_kinderbetten" target="_blank" rel="noopener">Lufthoheit über die Kinderbetten“</a> (Olaf Scholz) erlangt hat. Die Botschaft der Heerscharen an Sozialarbeitern, die heute unsere Bildungseinrichtungen unterminiert haben, lassen kaum eine Gelegenheit aus, Müttern klar zu machen: „Du bist ersetzbar“.&nbsp; Der stärkste Mutterersatz, der sich - seit der Französischen Revolution - in das Mutterteam drängt, ist ein mächtiger Akteur mit einer starken Botschaft: Der Wohlfahrtsstaat ist die beste Mutter!</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Ob ein sozialdemokratischer Parteivorsitzender und Herrscher der Lüfte auch am Bett meines fiebernden und sich übergebenden Sohnes sitzen wird, ist eher unwahrscheinlich. Die wohlfahrtsstaatliche Mutter arbeitet in Maschinensprache, bürokratisch regulativ und mit Fernsteuerung. Nichts davon braucht ein Kind. Geduld und Liebe zur kindlichen Kotze ist außerdem noch kein Staatsziel. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Kinder im freien Fall</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Während der mütterliche Staat die echten Mütter ersetzen will, sprechen die Ergebnisse für sich. Die Mutter-Imitate und Mutter-Ersatzprodukte haben kläglich versagt. Anstatt aus Kindern normale und gesunde Menschen zu machen, werden diese völlig hängen gelassen. Jahr für Jahr geht es ihnen daher schlechter. Anstatt selbstkritisch das eigene Versagen zur Kenntnis zu nehmen, werden Mütter auf die schlimmste Art und Weise, die eine Mutter kennt, geschwächt. Erzieher, Lehrer und Sozialpädagogen wiegeln Kinder gegen ihre Mütter auf. Der Sozialstaat wirft sich in die Pose des Kinderschützers und Verteidigers der infantilen Rechte. In der Perspektive des Erziehungsstaates gelten Kinder als die die am wenigsten geschützte Gruppe. Daher sollten sie endlich alle Segnungen des Wohlfahrtsstaates erhalten, der sie vor - wem wohl? - den Eltern schützt. Wer in den Zeiten der Pandemiepolitik den Quarantänebescheid für das eigene Kind mit der Drohung des Kindesentzuges gelesen hat, weiss wie weit der „Schutz“ des Wohlfahrtsstaates gehen kann. Die ständige Drohung mit Kindesentzug ist die hinterhältigste Seite einer Zermürbungstaktik, die ans Eingemachte der Mütter und Väter geht. Wer diesen, oft verdeckten, Drohungen entgegentritt erlebt seltsames. Einerseits wiegeln Sozialarbeiter dann ab - Mann und Frau stehen dann blöd da und werden wie hysterisch gewordene Eltern behandelt. Andererseits kommt es ebeos oft vor, dass die pädagogische Institution oder der behandelnde Arzt im Krankenhaus Klartext redet und deutlich macht, dass Eltern - wenn es hart auf hart kommt – nichts zu melden haben.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Diese Androhung, dem starken Vater sein Kind zu entziehen, ist die Parallelaktion zur Mütterentwertung. Dem Hinweis des Staates, dem Vater könne sein Kind entzogen werden, kommt die symbolische Kastration des Mannes im Vater gleich: Ein Mann der seine eigene Brut und Frau nicht schützen kann ist kein Mann. Erinnert sich noch jemand an die Sofa-Helden der Pandemie: jene Männer, deren Heldenmut darin bestand, sich selbst und ihre Familie in vorauseilendem Gehorsam in Quarantäne zu nehmen? Das waren die glücklichen, selbst-kastrierenden Männer, die der Staat den behinderten Müttern zur Seite stellt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Aufwachsen als Ausnahmezustand?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Kinder gegen Mütter und Eltern aufzuwiegeln zerstört die Lebensgrundlage und die Ökosphäre der Kinder, die Familie. Während Mütter auf allen Kanälen und Plattformen demontiert werden, bekommen Kinder „Rechte“, die nur - wer wohl? - der Staat garantieren kann. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Im März 2025 war in der Online-Ausgabe von „Die Welt“ die Überschrift zu lesen: „<a href="https://x.com/welt/status/1904162682925928865" target="_blank" rel="noopener">Vorstellung, Eltern könnten Ihre Kinder wirksam vertreten, kaum noch haltbar</a>“. Das war das Zitat eines Professors dessen Lehrstuhlkombination so waghalsig klingt wie seine Forschungsergebnisse: „Erziehungs- und Migrationswissenschaft“. Der Artikel beginnt mit der Behauptung, dass Kinder eine Minderheit ohne Schutz sind, die im Ausnahmezustand des Aufwachsens leben. Wer nun, nach den Erkenntnissen der Erziehungs-, Umerziehungs- und Umzugswissenschaften, Schuld am Unverständnis-Notstand ist, liegt auf der Hand: Eltern haben sich einfach zu weit von der Realität ihrer Kinder entfernt. Ein Schalk, der fragt: Wie konnte es nur zu einer solchen Entkopplung der Lebensbereiche in einem Land kommen, das kein staatliches Erziehungsprogramm ausgelassen hat und keine Gelegenheit verpasst hat, die Ideologie der Bindungstheorie heilbringend und flächendeckend umzusetzen. Offenbar fehlt aber noch der letzte Streich beim Putschversuch des Kinderparlaments: Kinder an die Macht!</span><span class="tm7"> Der</span><span class="tm7"> Staat wird demnächst nicht nur die Rechte der Kinder schützen, sondern auch das neue Recht des Menschen, verstanden zu werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><strong><span class="tm9">Böckenförde-Dilemma der Mutter</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die moderne Mutter scheitert an der mütterlichen Version des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Böckenförde-Diktum" target="_blank" rel="noopener">Böckenförde-Dilemmas</a>. Sie lebt von Grundannahmen, die sie selbst - nicht mehr - erschaffen kann. Ihr Dilemma besteht darin, dass sie jene gemeinsamen Werte, die eine Mutter unterstützen, weder in sich, im Kind noch im gesellschaftlichen Umfeld erzeugen kann. Die Kultur, in der sich Mütter um ihre Kinder kümmern, hat sich vollkommen verändert. Kinder werden von der sozialpädagogischen Propaganda-Wissenschaft und vom Sozialstaat wie mündige Erwachsene behandelt, während die</span> <span class="tm7">Erwachsenen wie Kinder erzogen werden. Eine Mutter soll ihr maximal abhängiges und inkompetentes Baby zu einem verantwortungsvollen, an der Realität orientiertem und interessierten Erwachsenen erziehen und zugleich einer Ideologie und Kultur zustimmen, die:</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- Mütter entwertet und Kinder gegen Eltern aufwiegelt,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- schwachen Vätern die Rolle der besseren Mutter zuschiebt,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">- Kinder „auf Augenhöhe“ inthronisiert und Rechte zuspricht, die nur der Staat garantieren kann,</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Deshalb stellen wir zur Verteidigung der Mütter fest: Mütter werden behindert.</span></p>
<p class="Normal tm6">
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		<title>Israelische Demokratie - ein Exportschlager?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Mar 2025 16:05:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In den politischen Machtkämpfen in Israel spielt ein Amt und eine Person eine Rolle, die hierzulande Autokraten träumen lässt. Gali Baharav-Miara, Rechtsberaterin der Regierung, tritt auf als wäre sie eine eigene Gewalt im Gefüge der Gewaltentrennung. Anstatt die Regierung in... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/israelische-demokratie-ein-exportschlager/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">In den politischen Machtkämpfen in Israel spielt ein Amt und eine Person eine Rolle, die hierzulande Autokraten träumen lässt. Gali Baharav-Miara, Rechtsberaterin der Regierung, tritt auf als wäre sie eine eigene Gewalt im Gefüge der Gewaltentrennung. Anstatt die Regierung in Rechtsfragen oder vor dem Obersten Gericht zu vertreten, liest sie dieser regelmäßig und ungefragt die Leviten. Anstatt Regierungshandeln vor den dafür zuständigen Gerichten zu rechtfertigen, schwingt sie sich selbst zur obersten Richterin auf. </span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Gouvernante von Gottes Gnaden</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie keine andere, die dieses Amt bisher innehatte, greift Gali Baharav-Miara in die alltäglichen und akuten Entscheidungsprozesse der Regierung ein. Israelis fragen sich inzwischen, wie sich die Macht ihres Amtes, ihr Mut aber auch ihre Anmaßung legitimiert. Sie tritt auf wie eine Gouvernante von Gottes Gnaden. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Baharav-Miara‘s Anmaßungen sind nur möglich, da Israel keine Verfassung besitzt und der Oberste Gerichtshof eine Kultur der Selbstermächtigung der Richterklasse etabliert hat. Wenn Baharav-Miara der Regierung ins Besteck greift, landet der von ihr kreierte “Fall“ vor dem Obersten Gerichtshof, also wieder bei der Allmacht der Vernünftigkeit von Richterkönigen - ausführlich dazu hier <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/03/propheten-koenige-richter/" target="_blank" rel="noopener">im Blog</a>. In einer Mischung aus Richter und prophetischem Gotteskönigtum hat der langjährige Vorsitzende des Obersten Gerichts, Aharon Barak, die Vernünftigkeitsklausel („reasonable clause“) eingeführt, die es obersten Richtern ermöglicht - in Abwesenheit einer geschriebenen und ratifizierten Verfassung - die Willkür der eigenen Vernunft zum Verfassungsgrundsatz umzudeuten. Baharav-Miara handelt als der verlängerte Arm dieser richterlichen Selbstüberhebung und Unfehlbarkeitsfantasie, die den Obersten Gerichtshof über die letzten Jahrzehnte immer mehr von der israelischen Realität entfernt hat. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Baharav-Miara agiert wie eine Vertreterin der Opposition auf der Regierungsbank und präsentiert ihre Interventionen im Gestus einer Verfassungsrichterin – angeblich alles ohne politische Interessen und natürlich nur, um die „israelische Demokratie zu retten“. Faktisch kollabiert in ihrem Amt und wie sie es auslegt die Gewaltentrennung. Das hält aber ihre Fans nicht davon ab, sie als Garant der Demokratie zu verkaufen. Demokratie ohne Gewaltentrennung – kommt uns das nicht bekannt vor?</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Spaßbremse und Klotz am Bein</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Konstruktion des Rechtsberaters der Regierung ist in Israel so sonderbar und seltsam, dass sich der Vergleich mit anderen Ländern eigentlich verschlägt. Dennoch wird Baharav-Miara in den hiesigen Medien immer als „Generalstaatsanwältin“ bezeichnet.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Mir ist keine Republik und kein Rechtsstaat bekannt, der sich einen ähnlichen Bremsklotz in der Exekutive leistet. Wenn sie eine Reise in ein fernes und aufregendes Land unternehmen, ist es ratsam, Spaßbremsen und Klötze am Bein zu Hause zu lassen. Ansonsten kann es sein, dass sie nach einer mitternächtlichen Landung in Astana (Hauptstadt von Kasachstan) mit ihrer Reisegruppe in die bereitgestellten Jeeps einsteigen wollen, nur um zu erfahren, dass die Fahrer der Geländewagen vom ADAC und dem deutschen Tourismusverband bestellt wurden und den Arbeitszeiten der „Gewerkschaft deutscher Reisefüher*innen“ unterliegen - sie also erst noch fünf Stunden warten müssen, um loszufahren. Spätestens dann ahnen sie, was die institutionellen Spaßbremsen aus ihrer Abenteuerreise machen werden. Zwar ist Regieren mehr als nur Abenteuer, aber ein Land wie Israel braucht eine Regierung, die auf der Basis aktueller Lage-Einschätzungen handlungsfähig ist. Kein Wunder, wenn vielen Israelis die höchstrichterliche Gouvernante nicht als Reiseführerin akzeptieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Behördenleiterin, Rechtsberaterin, Gerichtsvertreterin </span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die offizielle Jobbeschreibung von Gali Baharav-Miara klingt zwar wie jene des „Attorney General“ in den USA, aber die Realität sieht ganz anders aus. Pam Bondi wurde von Präsident Trump als Justizministerin (Attorney General) vorgeschlagen und sie wurde gemäß der Verfassung der USA nach Anhörung vom US-Senat bestätigt. Das Amt wurde kurz nach der Ratifizierung der Verfassung schon 1789 geschaffen. Erst 1870 kam ein Justizministerium als Behörde hinzu. Der amerikanische Attorney General vereint daher was bei uns auf zwei Ämter verteilt ist:</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einen von der Regierung bestimmten politischen Beamten, den Generalbundesanwalt, und</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- den der Regierung angehörigen Justizminister. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Attorney General in den USA hat die Aufgabe die Regierung und den Präsidenten zu beraten und vor Gerichten (z.B. Supreme Court) zu vertreten, wenn Entscheidungen der Exekutive auf dem Rechtsweg in Frage gestellt werden. Dazu muss der Attorney General gegebenenfalls auch gegen die Richterbürokratie vorgehen. So hat Pam Bondi gerade erwirkt, dass die berühmten „Epstein files“ aus den Kellern des zuständigen Gerichts herausgeholt werden, da dieses offenbar kein Interesse an einer Strafverfolgung und öffentlichen Aufklärung hatte. Nochmals im Reisegruppen-Vergleich: der Attorney General wird von der Reisegruppe ausgewählt und verfolgt dieselben abenteuerlichen Ziele wie die Führung der Reisegruppe. Er oder sie gehören zum Team und haben nicht die Rolle der Spaßbremsung.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Behörde, die Baharav-Miara anführt, ist weder dem deutschen Generalbundesanwalt noch dem US-Attorney General vergleichbar. Die Kompetenzen und Befugnisse, die sie hat oder sich anmaßt, sind weitreichend und weder politisch durch eine gewählte Instanz noch (rechtlich) durch eine Verfassung begrenzt. Obschon sie weder über ein politisches Mandat noch durch eine öffentliche Anhörung legitimiert wurde, greift sie in die tägliche Praxis der Exekutive und in die Auseinandersetzung über aktuelle, politische Themen ein. Sie kann zwar vom Obersten Gerichtshof ermahnt und kritisiert, aber nicht abberufen werden. Ihre Auswahl und Abwahl wird in einem kleinen Kreis verhandelt, dessen Besetzung förmlich nach Inzucht und politischen Seilschaften riecht. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein Fünfer-Gremium, angeführt von einem ehemaligen Richter des Obersten Gerichts, und je einem </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- ehemaligen Justizminister oder Attorney General,</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einem Vertreter der Knesset (Parlament), </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">- einem Vertreter der juristischen Fakultät (Universität)</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">&nbsp;- einem Vertreter der Anwaltsvereinigung (Berufsverband)</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">empfiehlt die Ernennung und Enthebung, die dann vom Kabinett bestätigt oder abgelehnt werden kann. Aus dem Fünferkreis muss sich nur der Knesset-Vertreter vor dem Souverän des Wählers verantworten. Die Sitzungen des Fünfer-Gremiums sind nicht öffentlich und lange Zeit wurden deren Protokolle geheim gehalten. Schon die Einberufung des Gremiums ist angesichts der aufgeheizten öffentlichen Debatte zur Justizreform ein Problem. Es ist fraglich, ob der Justizminister jemand findet, der bereit ist im Gremium mitzuarbeiten.</span></p>
<p class="Normal tm5"><strong><span class="tm7">Israelische Demokratie als Exportschlager?</span></strong></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Da Gali Baharav-Miara nicht - wie unser Generalbundesanwalt - dem Justizministerium unterstellt ist, versucht der derzeitige israelische Justizminister Yariv Levin (keine Verwandtschaft mit dem Autor) sie seit Monaten abzusetzen. Baharav-Miara wurde von einer vorherigen Regierung eingesetzt und ihre Amtszeit ist auf 6 Jahre bestimmt. Sie kann vorher abberufen werden, aber der Justizminister schafft es kaum das Gremium, das zu ihrer Absetzung nötig ist, einzuberufen. Kein Wunder also, wenn hiesige Autokraten von israelischen Verhältnissen träumen. In ihren Träumen stellen sie sich eine zukünftige, deutsche Kanzlerin vor, die den Justizminister und Generalbundesanwalt der vorherigen Regierung übernehmen muss und sich - trotz Wählerauftrag und politischem Mandat -der göttlichen Vernünftigkeit der vorherigen Regierungen unterwerfen muss. In den Träumen der Autokraten ist das ebenso unproblematisch, wie die Festlegung zukünftiger Generat</span><strong><span class="tm7">ionen </span></strong><span class="tm6">durch den Todesseufzer eines bereits ausgedienten Parlaments.</span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Hurra - endlich wieder Katastrophe</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/03/hurra-endlich-wieder-katastrophe/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 08:27:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Westen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Reaktionen der alt-europäischen Eliten auf die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz und der Triumphzug, den sie dem ukrainischen Präsidenten Selenskyi nach dem Eklat, den dieser im Oval Office provozierte, ermöglichten, haben der US-Administration klargemacht: die... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/hurra-endlich-wieder-katastrophe/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die Reaktionen der alt-europäischen Eliten auf die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz und der Triumphzug, den sie dem ukrainischen Präsidenten Selenskyi nach dem Eklat, den dieser im Oval Office provozierte, ermöglichten, haben der US-Administration klargemacht: die dominierende Klasse in den meisten Ländern der Europäischen Union ist sinnvollen Argumenten nicht mehr zugänglich. Amerikas Versuch, ihnen im 20. Jahrhundert ein paar <em>basics in politics</em> nahezubringen, sind trotz umfangreicher militärischer und wirtschaftlicher Begleitbemühungen gescheitert. Die korrupten europäischen Eliten mussten derweil zur Kenntnis nehmen, dass die Trump-Administration weder die verschärften Zensurbemühungen noch den Notbehelf einer Wahlannulierung goutieren wird. Personalentscheidungen wie Kash Patel (siehe sein Buch „Government Gangsters“) dürften auch dem Letzten klar gemacht haben, dass der Anti-Korruptionszug vor den Toren Europas nicht haltmachen wird. Das Tischtuch der gemeinsamen Räuberbande war zerschnitten.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">&nbsp;</span><span class="tm7">Es schien den neofeudalen Eliten daher geboten, gegenüber der amerikanischen politischen Erneuerung, erst recht gegenüber dem Brandherd einer gefährlichen Pandemie-Aufklärung einen neuen Schutzwall zu errichten. Dazu muss die ehemalige Befreiungs- und Schutzmacht zur neuen Inkarnation des Bösen mit infektiöser Ansteckungsgefahr umdeklariert werden. Das an seinem politischen Unvermögen zerfallene Europa schickt sich an, gleichzeitig die russische Despotie im Osten und den amerikanischen Faschismus im Westen erfolgreich besiegen zu wollen. Gewisse Parallelen zur irrationalen Kriegsbegeisterung zu Beginn des Ersten Weltkrieges drängen sich auf. Einkreisungsphobien in Zeiten bröckelnder Herrschaftslegitimierung sind sowohl aus der Geschichte Frankreichs, wie der Deutschlands bekannt. In beiden Fällen führte die Flucht nach vorne zum Ende der bestehenden Ordnung. Amerika hingegen wird sich seine Freunde unter denen suchen, die die Freiheit zu schätzen wissen. Aus ihrer Sicht gibt es jetzt Wichtigeres als die Ewiggestrigen aus Old Europe. Man sollte daher die aufgeregte „Verrat am freien Westen“ Rhetorik als das nehmen, was sie ist: blanke Verzweiflung einer Clique, die vor einem riesigen Trümmerhaufen und, würde der allgemein bekannt werden, einem Nürnberg 2.0 steht.</span></p>
<p><strong>Die Rechtgläubigen und der Abfall</strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Krisen führen im christlichen Abendland in schöner Regelmäßigkeit zu einem Rückfall in Verhaltensweisen, deren Spuren sich bis auf die Durchsetzung der </span><em><span class="tm9">Rechtgläubigkeit</span></em><span class="tm8"> in der Spätantike zurück verfolgen lassen. Der schier unerschöpfliche Fundus christlicher Traditionen bei gleichzeitigem fast vollständigem Fehlen politischer Paradigmen begünstigt die Verlagerung von politischen Herausforderungen in religiöse Konflikte, was die Krisen nicht entschärft, sondern eigens noch auf gewaltsame Entladungen hin zuspitzt. Das in der Spätantike entstandene Konzept der „Rechtgläubigkeit“, das zunächst nur die Absicht verfolgte, die eine geoffenbarte Wahrheit gegen alle anderen Meinungen abzusondern, die dadurch als Abfall vom wahren Glauben definiert werden konnten, erhielt etwa ab der Jahrtausendwende eine zusätzliche politische Aufladung. Der einzige Sinn der christlichen Offenbarungswahrheit konnte von oben diktiert, alles andere als Abweichung definiert werden. Zwischen der Offenbarungswahrheit, die vorgeschrieben und der Tatsachenwahrheit, über deren Bedeutung stets gestritten werden muss, wurde eine Trennungslinie gezogen, die, aller Aufklärung zum Trotz, bis heute in der Alten Welt Bestand hat. Der ursprünglich neutrale Begriff Häresie, der nur die Auswahl unter verschiedenen Möglichkeiten bezeichnete, wurde genutzt, um aus den vom wahren Glauben Abgefallenen den Häretiker als Feindbild zu extrahieren und damit jegliche unerwünschte innerkirchliche Reformbestrebung schon im Ansatz unterbinden zu können. Der Stoffwechsel einer Ordnung aus Rechtgläubigen benötigt keine Alternativen, zwischen denen man wählen und entscheiden könnte. Das Unverdauliche kann als Abfall ausgeschieden und entsorgt werden. Egal, wie gut begründet, Reformbewegungen wurden als heuchlerische Verschwörung des Antichristen, wo nötig mithilfe einer peinlichen Befragung, entlarvt und, sofern sie nicht freiwillig in den Schoss der Kirche zurück kehrten, mit Endzeitklängen bekämpft bis hin zu gewaltsam vernichtet. Das, was wir heute als zivile Streitkultur bezeichnen, konnte ihn diesem Rahmen weder entstehen, noch sich als Gewohnheit verwurzeln. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm8">Natürlich nutzten auch die weltlichen Herrn alsbald die probaten Methoden von Herrschaftssicherung und Vermögensvermehrung. Als Philipp IV, König von Frankreich, unter Geldsorgen litt, wurde der Templerorden wegen Ketzerei, Götzenanbetung, Sodomie und anderer teuflischer Praktiken verurteilt, ein Großteil der Ordensritter inklusive des Großmeisters verbrannt, was im entstehenden Absolutismus nicht nur einen Machtkonkurrenten ausschaltete, sondern zusätzlich Geld in die Kassen des Königs spülte. Seither ist es ein vertrautes Muster: Reformansprüche - einerlei ob religiöser oder politischer Natur - werden durch ihre erst religiöse, heute moralische Verketzerung politisch delegitimiert, um den eigenen Status Quo zu retten. Es gehört zum Standardrepertoire europäischer Machtbehauptung, sich vor allem in den Innenverhältnissen unliebsamer Konkurrenz durch moralische Dehumanisierung zu entledigen.</span></p>
<p class="Normal"><strong><span class="tm5">Religion und Politik - reloaded</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Eine mit Besonnenheit, Geduld und Klugheit lösbare Aufgabe wird aus dem politischen Feld in das religiöse übertragen, was eine politische Herausforderung in einen potenziell religiösen Konflikt umwandelt und eine normale Krise erst in eine Frage von Leben und Tod im Kampf gegen das Böse künstlich eskaliert. Die Selbstwahrnehmung Europas als Herz der „Freien Welt“, das seine Lebensenergie gleichzeitig gegen Russland, Amerika und China behaupten müsse, liegt so fernab vom tatsächlichen Krankheitszustand des einstmals großen Kriegers, dass man am Geisteszustand der europäischen Eliten ernsthafte Zweifel anmelden muss. Europa hat seinen Bedeutungsverlust nach der Hochphase der Herrschaft über den gesamten Erdball offenbar noch immer nicht verkraftet und fantasiert sich eine Größe, die längst der Vergangenheit angehört. Die Zeiten, als Papst Alexander VI. nach der Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus den Globus in zwei Hälften teilte und eine den Portugiesen, die andere den Spaniern zur Ausplünderung übergab, Zeiten, in denen sich Europa als die Sonne fühlen konnte, um die sich alles dreht, sind definitiv vorbei. Freud sprach von den drei großen narzisstischen Kränkungen, der von Kopernikus, der die Erde aus dem Zentrum rückte, der von Darwin, der erklärte, dass die gottgleichen Geschöpfe vom Affen abstammen und der von Freud selbst, der belegen konnte, dass das souveräne Ich nicht Herr in eigenen Haus ist.</span></p>
<p><strong>Amerika und „der Westen“</strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Die beiden zentralen Machtfaktoren des westlichen Kontinentaleuropas sind in einem beklagenswerten Zustand. Frankreich, mittlerweile bei der Fünften Republik angekommen, hat seit der französischen Revolution sein eigenes Souveränitätsproblem nicht gelöst und jagt als einzige westeuropäische Atommacht alten absolutistischen Träumen europäischer Hegemonialmacht hinterher. Deutschland, das sich nach zwei Niederlagen an ihrer Weltherrschaftsfantasie die Finger verbrannte, hat sich politisch so weitgehend infantilisiert, dass es als ernst zu nehmender Machtfaktor ausfällt, zumal es schon mit der Verketzerung einer alternativen politischen Partei überfordert ist, von der vorauseilenden Unterwerfung unter einen eingewanderten fundamentalistischen Islam gar nicht zureden. Ein Land mit umfangreicher Erfahrung in der Perversion des Rechts, das erneut die eigene Justiz für den Machterhalt politisiert, will sich als kontinentaler Rechtsträger aufspielen? Nach den zwei angezettelten Weltkriegen darf Deutschland im europäischen Konzert ohnehin nur mit dem Scheckbuch wedeln. Den jungen Amerikanern, die statt aufs College zu gehen am Omaha Beach auf den Strand liefen und zusammengeschossen wurden, konnte Präsident Roosevelt noch annähernd glaubhaft vermitteln, wofür sie ihr Leben opfern. Welcher halbwegs intelligente europäische Student soll für diesen faulenden Apfel sein Leben aufs Spiel setzen?</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Der Machtauseinandersetzung mit Russland war verloren, als „der Westen“ entschied, die Russen in die Ukraine einmarschieren zu lassen und kein Stoppschild aufstellte. Inzwischen ist aus der ursprünglich als „Spezial-Operation“ deklarierten Maßnahme ein zynischer Abnutzungskrieg geworden, von dem nur wenige profitieren, aber viele den Preis bezahlen. Handfeste US-Interessen im Land wären die beste Sicherheitsgarantie, die die Ukraine bekommen kann, weit vor allen internationalen Verträgen und anderen liberalen Illusionen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm8">Aktuell gibt es lediglich drei globale Machtakteure mit je unterschiedlichen Vorstellungen einer politischen Großraumordnung, von denen die chinesische für jede freiheitliche Perspektive am gefährlichsten ist. Nach dem Zerfall des Sowjetimperiums kämpft Russland darum, überhaupt wieder ernst genommen zu werden - Fukuyama’s Ende der Geschichte bedeutete nicht das Ende des Kampfes um Anerkennung - China will den Globus in ein riesiges Lager verwandeln und die Menschheit in eine dressierte Affenhorde transformieren, während Amerika sich zum Teil wieder seiner Wurzeln erinnert. Europas Problem ist weder Russland noch die USA, sondern ausschließlich Europa selbst und das schon ziemlich lange. Europa als vernachlässigbare Größe sollte sich gut überlegen, welche Ordnung seinen Bürgern am ehesten zukommt und sich dieser als nützlicher Gefährte anbieten.</span></p>
<p>=====</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.dersandwirt.de/hurra-endlich-wieder-katastrophe/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>, <a href="https://www.globkult.de/politik/welt/2451-hurra-endlich-wieder-katastrophe" target="_blank" rel="noopener">GlobKult Magazin</a>,</p>
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		<title>Glücklicher Du</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Mar 2025 08:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In unserer Hafenstadt küsst dich der Wind, Unsere Wale, unsere Zwerge, alle tanzen, wenn ein Kind erwacht Wir schaukeln und singen, im Bauch und in tiefer See Heute wie damals in Ninive Jona winkt, uns zu sich Glücklicher Du, weißt... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/03/gluecklicher-du/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In unserer Hafenstadt küsst dich der Wind,<br>
Unsere Wale, unsere Zwerge,<br>
alle tanzen, wenn ein Kind erwacht<br>
Wir schaukeln und singen,<br>
im Bauch und in tiefer See<br>
Heute wie damals in Ninive<br>
Jona winkt, uns zu sich</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Ich wache auf, Augen sperrangel weit offen,<br>
sehen kann ich nichts, kein Wunder<br>
meine Geburt, Anfang und Ende.<br>
Da küsst wer - ich weiss wer es ist -<br>
meine Äpfel, ihre keimenden Triebe<br>
meine Tränen, ein Ozean der Liebe.<br>
Meine Güte, was soll mir schon passieren</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Der trübe Blick lichtet sich<br>
ein Geist der Leben erschafft<br>
ein Hauch, kein Rauch<br>
eine Schöpfung ohne Opfergeruch.<br>
In Stadt und Land, es wird gesungen<br>
tröstlich und gnädig, aus allen Lungen<br>
berührbar und mutig, sie finden sich</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Auf Bauten, über Brücken<br>
In Gondeln und gigantischen Schiffen<br>
Gezeter und Geschrei,<br>
Scharren und Knarzen<br>
der knurrende Magen einer hungrigen Nation<br>
gestillt an der Fülle der letzten Generation</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Kräftige Hände zerren, zarte Füsse<br>
über stolpernde Steine, die Gebeine<br>
wie Flügel schwingen, Engelsstimmen erklingen<br>
auf offenen Fluren, Steinway auf dem Highway<br>
eine Hymne, vom größten gemeinsamen Nenner<br>
in allen Sprachen, auf hohen Hacken und barfuß als Penner<br>
heilende Geistesblitze, einen Freunde und Feinde</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Ein Knallen und Blitzen, die Gemüter erhitzen.<br>
Ein Schrei aus der Wunde, der Kluft die klafft,<br>
Chirurgen rennen, elegant zu trennen,<br>
Wunder und Feuer, die in allen brennen.<br>
Ein Türknall der Geschichte, in der Seele ein Hall<br>
das unsichtbare Band, übersteht den Brand<br>
Gott sei’s gelobt, Wunden und Menschen sind verbunden</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist</p>
<p>Sie tanzen in Trachten, auf Plätzen und Krachten<br>
werfen sich, die Arme hoch, fangen mich<br>
das Knie beschwingt, in die Himmel dringt<br>
die Stadt, zwischen zwei Meeren und Heeren<br>
Im Wechsel der Zeiten und Gezeiten<br>
Trägt das alte Gesetz in alle Weiten:<br>
Im Lieben die Kraft, die den Wandel schafft.</p>
<p>Glücklicher Du, weißt was Liebe ist<br>
__________<br>
Copyright: Peter Levin &amp; Valbona Ava Levin, Hamburg, 2025.<br>
Public Domain: Frei verfügbar, für alle, die guten Willens sind.<br>
Geschrieben<br>
- für jene, die Mut haben<br>
- und jene, die Ermutigung brauchen:<br>
1: Veränderung ist gut, schön und aufregend!<br>
2: Ein Leben ohne Mauern: was sonst!<br>
3: Wer gemeinsam singt und tanzt braucht keine Angst vor Bränden und Katastrophen</p>
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		<title>Feind oder Feindbild</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2025 08:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du mit deiner Partnerin durch die Fußgängerzone schlenderst, bei einigen Schaufenstern verweilst, dich angeregt unterhältst, im Augenwinkel etwas Ungewöhnliches registrierst, deinen Kopf umdrehst und einen Fremden wahrnimmst, der mit einem blutenden Messer auf dich zustürmt, dann machst du eine... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/02/feind-oder-feindbild/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn du mit deiner Partnerin durch die Fußgängerzone schlenderst, bei einigen Schaufenstern verweilst, dich angeregt unterhältst, im Augenwinkel etwas Ungewöhnliches registrierst, deinen Kopf umdrehst und einen Fremden wahrnimmst, der mit einem blutenden Messer auf dich zustürmt, dann machst du eine existentielle Feinderfahrung. In Sekundenbruchteilen geschieht eine Menge in deinem Körper, das Herz schlägt wie wild, Angst und Adrenalin steigen hoch und du realisierst: wenn du jetzt das Falsche machst, bist du verletzt oder tot.</p>
<p>Eine solche Erfahrung war lange Zeit bis auf wenige Kriminalfälle fast vollständig aus dem friedlichen Alltag in Deutschland verschwunden. Seit der Grenzöffnung durch „Mutti“ und dem Beginn der „Herrschaft des Unrechts“ kehrt der Krieg auf unsere Straßen und Plätze zurück. Es kann jeden treffen, es traf schon viel zu viele, aber die meisten wollen keine Erfahrung, schon gar keine des Krieges und schauen lieber weg. Einige versetzen sich in die Lage derjenigen, die durch solche Erfahrungen nahe Angehörige verloren haben und fordern angemessene Maßnahmen. Andere nutzen die vielen medialen Angebote, die Sinneseindrücke zu filtern, den unangenehmen Kontakt mit der Wirklichkeit zu meiden und sich in bequeme Ersatzwelten zu flüchten. Wer eine TV-Sendung gemütlich auf der Couch anschaut, ist vor lebensgefährlichen Überraschungen sicher. Die künstlich erzeugte Erregung könnte man fast für Leben halten.</p>
<p>Die risikolose Zivilgesellschaft hat das Erfahren an den Staat delegiert. Sie gibt dem Staat dafür mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen. Dass der Staat sein Versprechen der inneren Sicherheit nicht mehr erfüllt, beunruhigt und irritiert die Menschen. Die zurück gekehrte Erfahrung des Krieges ist so ungewohnt, dass die meisten vor der Konsequenz aus dieser Erfahrung zurückschrecken. Sie möchten wenigstens das Gefühl der Sicherheit zurück.</p>
<p>Wenn du dich abends mit deinen Freunden auf dem Marktplatz triffst und ein Zeichen gegen rechts setzt, gibt es weit und breit keinen Feind. Du fühlst dich mitten in der Menge der Gleichgesinnten sicher und aufgehoben. Was die Menge zusammenbringt, ist ein gemeinsames Feindbild, das sie teilt. Der Faschist, der sie versammelt, existiert aber nur in ihrem Kopf. Das Feindbild ist buchstäblich eine Einbildung – es ist Ein Bild. Und weil es ein Feindbild ist, blockiert es die Erfahrung. Würde sich einer mit Frau Dr. Weidel eine Stunde lang angeregt in einem Café unterhalten, hätte er an Erfahrung gewonnen, aber den Faschisten verloren. Das geteilte Feindbild erlaubt der Menge, gemeinsam eine Einbildung zu genießen, die sie vor der individuellen Erfahrung schützt.</p>
<p>Gott ist eine Einbildung. Damit etwas von Gott in die tatsächliche Erfahrung kommt, bedarf es Mittlerfiguren wie Moses, Jesus oder Mohammed. Was sie erzählen, muss man glauben, man kann es nicht selbst erfahren. Das Teilen einer Einbildung, die nur in der Vorstellung existiert, aber nicht in der Wirklichkeit erfahren werden kann, ist die Grundlage der drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam. Denken, so hat es einmal Arendt formuliert ist eigentlich immer ein Nachdenken von etwas, was zuvor in der Wahrnehmung, also Teil einer Wirklichkeitserfahrung war. Das unterscheidet das Denken vom Glauben.</p>
<p>===========</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://reitschuster.de/post/feind-oder-feindbild/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>,</p>
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		<title>Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 11 Jan 2025 07:21:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Herrschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die bloße Ankündigung eines privaten Gesprächs zwischen einem Unternehmer und einer oppositionellen Politikerin löst eine hysterische Blase aus, die seinesgleichen sucht. Man fühlt sich an längst vergangene Zeiten erinnert, als die „Türken vor Wien“ vergleichbare Massenpsychosen hervorbrachten, Kreuzzugsmentalität inbegriffen. Während die einen den Untergang des Abendlandes an die Wand malen, ersehnen die anderen seine Rettung. Der massive Realitätsverlust hat beide Lager gleichermaßen erfasst.</span><span class="tm6">&nbsp;</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">IT-Krieger, ob beauftragt oder proaktiv, suchten im Vorfeld die Server, die das Gespräch für den deutschsprachigen Raum weiterverbreiteten, mit <em>denial-of-service</em> Attacken lahm zu legen. Ein Spezialtrupp von 150 EU-Beamten wurde zur Feindaufklärung für die Gegenoffensive in Stellung gebracht. Üblicherweise lösen feindliche Mobilisierungen solche Gegenmaßnahmen aus. Für den aktuellen Zustand Deutschlands genügt eine Gesprächsankündigung</span>.</p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine neo-feudale Negativelite, die mit dem Rücken zur Wand steht und schon vor Jahren hätte abtreten müssen, versammelt das letzte Aufgebot zum letzten Gefecht gegen das eigene Volk. Bevor das Volk falsch wählt, soll es entwaffnet und entmachtet werden. Einen Vorteil hat die martialische Rhetorik: der einzige Sinn der nächsten Bundestagswahl ist, ihre Annullierung zu provozieren. Dann hat auch der letzte begriffen, was diese EU unter Demokratie versteht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nach 45 kommentierte A. Kojève, ein russisch-französischer Philosoph, dass nur ein politisch hoffnungsloses Land wie Deutschland einer Illusion bis zur Erschöpfung nachlaufen könne, was der Kabarettist Pispers auf die Formel brachte: Der Deutsche glaubt noch an den Endsieg, wenn der Russe schon vor der Tür steht. Das es diese Leute wirklich gab, konnte ich einem Bericht der Schwester von Bonhoeffer entnehmen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Interessanter als das letzte Gefecht der Linken, die in ganz Mitteleuropa schon 1989 gescheitert waren, sind allerdings die zahlreichen Reaktionen des anderen Lagers nach dem Gespräch. Sie verraten viel über die Defizite, die Kojève zur Einschätzung „politisch hoffnungslos“ brachten. Ich beschränke mich auf die auffälligsten Punkte.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gastgeber des Gesprächs war Elon Musk, woraus sich auch der vorrangige Adressatenkreis ergab, der zu Beginn des Gesprächs genannt wurde. Frau Weidel wurde gebeten, den amerikanischen Zuschauern zu erläutern, um was für eine Partei es sich bei der AfD handele. Bei der weit überwiegenden Zahl der Kommentatoren musste man den Eindruck gewinnen, dass ihnen schon die Fähigkeit fehlte, ihren Platz in einer Konstellation unterschiedlicher Plätze verorten zu können. Die deutschen Kommentatoren saßen weder in der ersten Reihe, noch drehte sich das Gespräch um sie, was zahlreiche „Intellektuelle“, für die Arendt nach der Erfahrung der freiwilligen Gleichschaltung nur noch Verachtung übrig hatte, dazu verleitete, sich in elaborierter Stammstichpöbelei zu ergehen. Wer verstehen will, was gegenwärtig auf dem Spiel steht, braucht keine der Fähigkeiten, deren Mangel dort wortmächtig beklagt wurde.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Frau Weidel stottere mit stümperhaftem Englisch herum, verwechsle Kommunisten mit Sozialisten, sei intellektuell peinlich, ein provinzielles Groupie und würde bei Israel nur herum eiern, um nur ein paar zu nennen. Es fehlten nur noch die Blondinenwitze. Erinnern Sie sich noch, als Kohl vom gleichen Milieu zur Birne gemacht wurde? Intellektuelle sind bessere Hofnarren. Sie suchen die Nähe des Herrn, der sie für ihr Geschwätz alimentiert. Zahlreiche dieser Invektiven verraten daher mehr über die Sprecher, als über das, worüber sie sich echauffieren. Ich lese sie als Indiz für die unverändert verbreitete Sehnsucht noch dem mythisch-romantischen Helden, dem Erlöser, der sie endlich aus der Dunkelheit ins Licht führt. Dass Hitler auf dieser Welle nach oben gespült wurde, scheint bei aller Vergangenheitsbewältigung unverstanden.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Frage, ob Hitler ein Linker oder Rechter war, ist so sinnlos wie ein Kropf, weswegen sie ein Lieblingsspiel der Einfaltspinsel bleibt, die aus dem geistigen Horizont der Religionskriege nicht herauskommen. Politisch betrachtet gab es zwei Hitler. Der private soll ein freundlicher, zugewandter, sogar charmanter Zeitgenosse gewesen sein. Der öffentliche war weder Individuum noch Charakter. Als Führer einer Bewegung war er eine Hohlform ohne eigenes Selbst. Als Wille des Volkes saugte, sammelte, konzentrierte und verkörperte er all das, was diejenigen, die ihn nach oben trugen, in ihm sehen wollten. Deshalb ist die Bild headline bei der Wahl Ratzingers zum Papst noch immer die trefflichste Formulierung. Wir waren Hitler. „Ein Mensch. Ein Wort“&nbsp; - heißt es heute beim Führer der neuen Bewegung, womit er getreulich die Vorgabe seiner Vordenkerin erfüllt, an die <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/" target="_blank" rel="noopener">revolutionäre Radikalität der Nationalsozialisten</a> anzuknüpfen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Nur ganz wenigen war aufgefallen, dass man Zeuge eines Gesprächs war, einer lockeren, entspannten Feierabendplauderei über Gott und die Welt, einer Selbstverständlichkeit, die in normalen Gemeinwesen Alltag ist, aber in Deutschland längst Seltenheitswert hat, weil so gut wie alles und jedes sofort zum Gesinnungskrieg umfunktioniert wird. Dass Frau Weidel nicht der Siegfried ist, der in funkelnder Rüstung den linken Drachen bekämpft, hätte man auch vorher wissen können.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Freiheit in dieser Hinsicht ist sowohl die Eigenschaft einer Gesprächsumgebung, die gut genug sein muss, als auch die Bedingung der Möglichkeit, Fehler machen zu können. Mir sind authentische Personen, die Fehler zulassen können und unmittelbar aus ihnen lernen, weitaus lieber, als solche, die in Heldenpose ein Projekt verwirklichen müssen und selbst dann noch eisern weitermachen, wenn das Scheitern längst offenkundig ist</span><span class="tm7">.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Ein Letztes: </span><span class="tm6">Ich halte den Satz von Elon Musk „Nur die AfD kann Deutschland retten“ für irreführend. Die politische Aufgabe der AfD ist deutlich begrenzter, womit ich anschließe, was ich schon früher formulierte („<a href="https://www.tumult-magazine.net/post/boris-blaha-die-afd-der-fu%C3%9F-in-der-t%C3%BCr" target="_blank" rel="noopener">Die AfD - der Fuß in der Tür</a>“). Den Durchmarsch einer sozialistisch-autoritären bis totalitären Einheitspartei kann nur die AfD aufhalten. Eine andere politische Macht ist nicht in Sicht. Sie könnte, wenn man sie liesse, den Irrsinn stoppen, eine Schadensbegrenzung einleiten, den Rückwärtsgang einlegen und für uns Zeit gewinnen, mehr nicht. Dafür ist Frau Dr. Alice Weidel ausreichend qualifiziert. Die Frage, warum auch die zweite deutsche Demokratie gescheitert ist, können nur die Deutschen selbst beantworten.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>======</p>
<p>Publiziert auf: eine geringfügig kürzere Fassung erschein bei <a href="https://reitschuster.de/post/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>,</p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/01/deutschland-am-rande-des-nervenzusammenbruchs/">Deutschland am Rande des Nervenzusammenbruchs</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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