An Pfingsten ergreift uns Christen eine Kraft und eine Wesenheit, die wir nie wieder loswerden: der Geist. Wer heute an Geist und Geister glaubt, gilt als nicht ganz dicht. Dichte ist ein typischer Ausdruck der geistigen Kraft, die Konzentration genannt wird und nicht mit Bewusstsein zu verwechseln ist. Das hohe Gut der Aufmerksamkeit gibt es nur in der Geistkonzentration mit Selbstbegrenzung. Diese Anforderung treibt die Materialisten und anderen Leugner des Geistes in die Irre: in den Größenwahn der „Großen Abschaltung“ und „Großen Erweckung“.
Der Geist ist grenzen- und ruhelos, neigt dazu verwirrt und verloren zu gehen. Er bedarf der Führung und Furche, der liebevollen Dominanz und Disziplin. Aktuell dominiert das Delirium, eine extreme Form der Selbstzerstörung des Geistes. Sie zeigt sich in der Besessenheit und Zerrissenheit zwischen allmächtigem Größenwahn und ohnmächtiger Selbstaufgabe. Zehn Thesen nehmen den Puls der Zeit zwischen den beiden Polen der Geistesverwirrung:
- Wokismus als Konstruktionen allmächtiger Geistlosigkeit ohne Bodenhaftung,
- Identitätspolitik als Konstruktion ohnmächtiger Subjektlosigkeit in Kollektivhaft.
Geistige Verwirrung (I)
Kindern wird heute mit aller pädagogischen Kraft der Geist ausgetrieben und dann eine Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert.
Geistige Verwirrung (II)
Geister erkennen wir an ihrer Beton und Körpergrenzen überwindenden Ausstrahlung. Wer Kernkraftwerke wegen kaum messbarer Strahlung sprengt glaubt entweder an Geister oder hat einen an der Waffel
Geistige Verwirrung (III)
Bis vor kurzem waren Geister studierbar und witzig. Jetzt heißt Geisteswissenschaft - ohne Witz und im Plural - Sozialwissenschaften. Der Geist ist verschwunden und hat die humorlose Wissenschaft zurückgelassen. Oder kennen Sie einen witzigen Sozialwissenschaftenstudierten?
Geistige Verwirrung (IV)
Sie glauben, dass Geist aus Materie entsteht, dass Geist der geistlosen Materie eingehaucht wird. Kehren Sie zurück auf Los, nehmen Sie 400 Euro ein. Falls Sie glauben der Wert des erhaltenen Fiatgeldes wurde dem Materialwert spontan eingehaucht und die europäische Masse gebiert den Geldsegen durch den Geistesblitz des Götterfunkens - dann wenden Sie sich bitte an die Selbsthilfegruppe anonymer Exorzisten bei der EZB.
Geistige Verwirrung (V)
Gute und böse Geister heissen im Neuen Testament gleichermaßen Dämon und sind moralisch noch nicht gespalten. Ahriman und Luzifer sind Momente in einem Kontinuum triebdynamischer - hervorbringender und zerstörender - Kräfte und Gewalten. Erst im religiösen Fundamentalismus und in der fundamentalistischen Rhetorik wird das Kontinuum der triebhaften Geisteswesen polar ausgerichtet und damit spaltbar. Die Dämonen machen das nicht mit, sie wechseln weiterhin nach Belieben die Seiten
Geistige Verwirrung (VI)
Der Geist ist nicht politisch gerichtet und droht die menschlichen Kategoriebildungen und Sprachgrenzen zu sprengen. An Pfingsten weht er wo er will, spricht mit flammenden Zungen in allen Sprachen. Seither wirken feurige Reden als Brandbeschleuniger, während kalter Zynismus die Grundfesten der Brandmauern zementiert. In den Händen politischer Propaganda wird der Hauch zum Rauch der Opferfeuer; in Zeiten allgemeiner Mobilisierung wird Vielsprachigkeit zum Katastrophengeschrei.
Geistige Verwirrung (VII)
Geist ordnet nach geistigen Gesetzen und zieht so den Hass der weltlichen, materialistischen Erlösungsreligion - allen voran die der woken und anti-woken Sozialisten - auf sich. Geister formen und verformen, begrenzen und entgrenzen, und selbst die Perversion (Umdrehung) der Sünde ist ihnen vertraut. Geister können beschworen, gebannt und ausgetrieben werden. Sie kommen wieder.
Geistige Verwirrung (VIII)
Geister mischen sich. Dabei versalzen sie den gereinigten Bewusstseins- und Haltungskriegern die säuberliche Trennung ihrer Buchstabensuppe. Im Geisterreich ist Vermittlung ebenso schwierig wie überlebensnotwendig. Vermittlungsbereite Geister beleben und bewässern Zwischen- und Übergangsräume, was zur Geistesgegenwart beiträgt. Das Bewusstsein, mein Lieber, ist dabei kein zureichendes Entmischung- und Zerschneidungsinstrument - warnt Charlotte ihren Gatten Eduard; vergebens, wie in der sich entwickelnden Zerstörung der Beziehungen und der Subjekte in den Wahlverwandtschaften (Goethe) nachzulesen. Der aktuelle Haltungsfundamentalismus kennt nur Freund und Feind. Stammes- und Verwandschaftsbeziehungen sowie vermischungsbewahrende Geistesgegenwart scheut er wie ein Vampir das Tageslicht.
Geistige Verwirrung (IX)
Ohne Geist gibt es keine Wahrheit, auch keine geschichtliche. Erinnerung ist eine kreative Konstruktion. Wer geschichtliche Wahrheit kreieren will muss Tatsachenwissen und Erinnerung durch geistige Ordnung in einer Erzählung verbinden - wie es Hanna Krall* in ihren Reportagen getan hat. In diesen geht es auch um Geister, die ihre Protagonisten besetzen und plagen. Das ist Geschichte, so entsteht Geschichte, so lässt sich der Geschichte eine Reportage abringen.
Geistige Verwirrung (X)
Wer nichts von Besessenheit wissen will, den wird die Realgeschichte der Geister einholen. Wo der revolutionäre Geist den Sinn zum Tanzen bringt, entsteht Freiheit als neue constitutio libertatis. Ebenso entsteht Freiheit durch Privateigentum und Recht. Das gilt auch für Geister in der Gemeinschaft. Wer sich nicht selbst zum Eigentum macht, wer sich kein Recht gibt, wer von Geistern besessen wird - ist nicht frei.
* Hanna Krall, wurde am 20. Mai 91 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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