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	<title>Antifaschismus - Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</title>
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	<description>Verstehen heißt immer verstehen was auf dem Spiel steht</description>
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		<title>Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2025 12:38:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen, sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu opfern, politisch hoffnungslos ist“ Alexandre Kojéve an... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Man könnte sagen, dass ein Land wie Deutschland, das<br>
fähig ist, einer Illusion bis zur Erschöpfung nachzulaufen,<br>
</span></em><em><span class="tm6">sich für einen romantischen Traum zu begeistern, reale<br>
Werte einem überholten und nicht tragfähigen Ideal zu<br>
opfern, politisch hoffnungslos ist“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Alexandre Kojéve an de Gaulle, 1945</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="Normal tm5" style="text-align: right;"><em><span class="tm6">„Manchmal frage ich mich, was wohl schwieriger ist, den<br>
</span></em><em><span class="tm6">&nbsp;Deutschen einen Sinn für Politik oder den Amerikanern ei-<br>
</span></em><em><span class="tm6">nen leichten Dunst auch nur von Philosophie beizubringen“</span></em><span class="tm7"><br>
</span><span class="tm8">Hannah Arendt an Karl Jaspers, 1949</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>06/1967: Am 2. Juni wurde in einem West-Berliner Hinterhof der Student Benno Ohnesorg von einem Kriminalbeamten in Zivil durch einen Kopfschuss von hinten aus kurzer Entfernung getötet. Die Tat wurde vertuscht, der Täter freigesprochen. Die junge Demokratie erwies sich als unfähig, das verletzte Recht wieder einzurichten. Der kriegerische Modus der Auseinandersetzung bestimmte auch die Wahrnehmung auf der anderen Seite. Der Schuss wurde als Komplott, als „gezielte Aktion zur physischen Ausschaltung der Opposition“ (Kuby) verstanden. 40 Jahre später stellte sich heraus, dass der Schütze langjähriges Mitglied der SED und Mitarbeiter der STASI war. Ob er im Auftrag gehandelt hat, ist Spekulation. Am 8. Juni wurde der Leichnam von Benno Ohnesorg mit tatkräftiger Unterstützung der DDR nach Hannover überführt. Die DDR verzichtete auf die sonst üblichen Schikanen und postierte entlang der Strecke tausende FDJ’ler mit „Opfer des Polizeiterrors“ Schildern. Während Ohnesorg am 9. Juni in Hannover im Kreis seiner Familie beerdigt wurde, fand in der Innenstadt ein Trauermarsch statt, an dem sich ca. 7.000 Personen beteiligten. Auf dem abendlichen Kongress „Bedingungen und Organisation des Widerstandes“ sprach Rudi Dutschke der bürgerlichen Demokratie die Legitimation ab, weil sie auf der „geistigen Reduziertheit systematisch entmündigter Massen“ beruhe und erklärte ihr den offenen Krieg, was Jürgen Habermas noch am selben Abend als linken Faschismus qualifizierte. Aus einer politischen und rechtlichen Perspektive hätte Dutschkes Ankündigung, die demokratischen Spielregeln nicht zu akzeptieren und durch seine eigenen zu ersetzen, als Hochverrat gewertet werden müssen. Es war jedoch niemand da, der dem Recht Geltung verschaffte. Mit der Verlagerung in radikal-revolutionäre Klassenkampf-Ideologie war die „Deutsche Frage“ für lange Zeit kalt gestellt.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/1988: Der Bundestagspräsident Jenninger hielt im Parlament eine Rede zum 50sten Jahrestag der Reichspogromnacht und wollte den politisch fatalen Eindruck der verantwortungslosen Weizäcker-Befreiungs-Rede korrigieren. Befreit wurden die Lagerinsassen. Wir wurden besiegt. Die Hexenjagd eröffnete ein Mitglied der Fraktion der Grünen. Wenige Tage später war Jenninger vollständig von der politischen Bühne verschwunden. Nie wieder ist ein führender Repräsentant der Bundesrepublik so schnell und so radikal exkommuniziert worden. Die Auffälligkeit dieses Phänomens habe ich hier interpretiert: </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2014/12/furor-teutonicus-jenninger-sarrazin-pegida/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">03/2010: Der Chefredakteur des ZDF, Nikolaus Brender wurde von einer Clique um Ministerpräsident Roland Koch (Hessen) aus seiner Position entfernt. Er hatte seinen Redakteuren empfohlen, sich inhaltliche Änderungswünsche von Politikern schriftlich geben zu lassen. In einem öffentlichen Protestbrief warnten mehrere Redaktionsleiter vor der „gefährlichen Einmischung der Politik“. Es war das letzte Aufbegehren. Seither befinden sich die ÖRR im freien Fall und verkommen zu Propagandaanstalten. Das schlechte Gewissen wird mit obszönen Gehältern korrumpiert. Ich hatte seinerzeit meinen GEZ-Beitrag um den ZDF-Anteil reduziert und wollte über den Instanzenweg der Verwaltungsgerichte vor das Oberste Gericht ziehen. Bremens seinerzeit bester Verfassungsrechtler hatte seine Unterstützung zugesagt. Als es ernst wurde, zog er angesichts des Arbeitsaufwandes und seinem bevorstehenden Eintritt in den dritten Lebensabschnitt seine Zusage zurück.&nbsp;</span><span class="tm8">Wenn eine wichtige Herausforderung jeden Einzelnen schnell überfordern würde, schließt man sich zusammen. Das gilt für verlegerische Großtaten, die nur über Subskriptionen realisierbar sind, für Patenschaften, die notwendig sind, um qualifizierten Journalismus zu erhalten und </span><u><a href="https://www.beitragsblocker.de/"><span class="tm8">dort</span></a></u><span class="tm8">, wo man in die Mauer der organisierten Lügen eine Bresche schlagen muss. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">08/2010: Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel erklärte das Buch von Thilo Sarrazin, das sie nach eigenen Angaben gar nicht gelesen hatte, für „nicht hilfreich“ und reihte sich damit in die Tradition der National- und anderer Sozialisten ein, die von oben dekretieren, welche Lektüren erlaubt und welche verboten sind (by the way: meinen Vornamen verdanke ich einem damals in der Sowjetunion verbotenen Buch: Dr. Schiwago von Boris Pasternak). Wer das Lesen von Büchern kontrollieren möchte, kontrolliert auch, wer sich öffentlich zu Wort melden darf. Wer Bücher verbrennt, verbrennt auch Menschen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm6">03/2011: Mit dem Atom-Moratorium entmachtete Bundeskanzlerin Merkel das Parlament und setzte die Gewaltenteilung außer Kraft. Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz kann auch nur von diesem und nicht per Dekret wieder geändert werden. In Fachzeitschriften sprachen Verfassungsrechtler von einem „Tsunami für den deutschen Rechtsstaat.“ Die </span><span class="tm7">Parlamentarier des Bundestages&nbsp;</span><span class="tm6">beklatschten ihre eigene Entmachtung. Spätestens jetzt war die zweite deutsche Demokratie, was ihre offiziellen Repräsentanten anbelangt, gescheitert. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2014: In ihrer <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/service/newsletter-und-abos/bulletin/neujahrsansprache-2015-798300" target="_blank" rel="noopener">Neujahrsansprache</a> machte Frau Dr. Merkel deutlich, dass sie das politischste aller Rechte - das Versammlungsrecht - nicht im Sinne des Grundgesetzes interpretiert. Sie forderte die Staatsbürger auf, sich nur mit denen öffentlich zu versammeln, die der Regierung auch genehm sind. Ein allgemeiner Aufschrei über diese schleichende Aushöhlung der Verfassung blieb aus.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">12/2015: Der formal unqualifizierte Sozialpädagoge Stefan Kramer wurde zum Präsidenten des Verfassungsschutzes Thüringen ernannt. Er sorgte dafür, dass die frei erfundene Parole „gesichert rechtsextrem“ die öffentliche Meinung entsprechend beeinflusste und auf ein Verbotsverfahren der Opposition vorbereitete.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2017: Ein Feuilleton Redakteur des SPIEGEL reagierte auf die Diskursverengung und sorgte dafür, dass ein Denkanstoß des Soziologen Rolf Peter Sieferle (<em>finis germania</em>) auf der Liste der Sachbücher des Monats des WDR erschien. Johannes Saltzwedel wurde daraufhin, der Skandalisierung um Jenninger vergleichbar, öffentlich hingerichtet, das Buch von Rolf Peter Sieferle zählt seither zu den verbotenen Büchern. Der deutsche Mitläufer kam wieder überall zum Vorschein. Rolf Peter Sieferle schied ein Jahr zuvor durch Suizid aus dem Leben und beklagte in einem Brief die katastrophale Politik von Frau Dr. Angela Merkel, die den „urdemokratischen Mechanismus“ eines Wechsels zwischen Regierung und Opposition „außer Kraft“ gesetzt hat. „Für die Wähler bedeutete dies, dass sie einem totalitär-geschlossenen Block gegenüberstanden, bei dem sie wählen konnten, was sie wollten, ohne dass dies Auswirkungen auf die eigentlich entscheidenden Fragen hatte.“ </span><u><a href="https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/"><span class="tm6">https://www.klonovsky.de/2016/10/der-ganz-europa-destabilisierende-wahnsinn-der-grenzoeffnung/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">08/2018: Die von einem&nbsp;</span><span class="tm7">anti-faschistischen Aktivisten&nbsp;</span><span class="tm6">aufgebrachte Lüge der „Hetzjagden von Chemnitz“ wurde von der Bundesregierung aufgegriffen und verbreitet, obwohl alle Zeugen vor Ort dem widersprachen. Die schlichte Tatsachenwahrheit, dass ein Landsmann von einem Migranten getötet worden war, wurde durch die organisierte Lüge verdeckt. H.G. Maaßen hatte als einer der wenigen bundesweiten Stimmen den Mut, gegenüber einer offenkundigen Propagandalüge Skepsis zu äußern. Er wurde durch einen willfährigen Funktionär ausgetauscht. Merke: Wer sich offen gegen die Regierungspropaganda stellt, verliert seinen Job. Die Wirksamkeit dieser erzieherischen Maßnahme zeigte sich kurz darauf im Verhalten von RKI und PEI während der „Pandemie“.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">11/2018: Stefan Harbarth wurde als Richter ins Bundesverfassungsgericht bugsiert. Er sorgte für den gewünschten Tabubruch und brachte eine sozialistische Herrschaftsideologie (Klimaschutz) in eine Verfassung, die aus gutem Grund inhaltlich neutral zu sein hat.</span></p>
<p>10/2019: In einem Interview, das auf <a href="https://www.tichyseinblick.de/meinungen/litauens-ex-staatschef-landsbergis-deutschland-gleitet-ein-drittes-mal-in-den-sozialismus-ab/" target="_blank" rel="noopener">Tichys Einblick</a> erschien, formulierte Vytautas Landsbergis, einer der führenden Köpfe der neben Polen erfolgreichsten politischen Revolution des 20. Jahrhunderts und spätere Staatspräsident Litauens, sein Bedauern darüber, „dass die Deutschen ihre Lektion nicht gelernt haben – aus der Geschichte, aus dem nationalen Sozialismus, aus dem DDR-Sozialismus – und dass sie jetzt offenbar ein drittes Mal in den Sozialismus abgleiten.“ Wie viele andere verhallte auch diese Mahnung ungehört und unverstanden.</p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2020: Eine demokratische Wahl im Landtag von Thüringen wurde von der Bundeskanzlerin Merkel auf einer Pressekonferenz in Südafrika als „unverzeihlich“ bezeichnet. Die untertänigen Parlamentarier folgten ihrer Führerin und machten die Wahl rückgängig. Zwei Jahre später entschied das BVerfG, dass die Einmischung Merkels verfassungswidrig war </span><span class="tm7">(</span><span class="tm6">Az.2 BvE 4/20, 2 BvE 5/20).</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">02/2021: Die Bundeskanzlerin Merkel ließ „Berechtigungsscheine für Masken“ an alle Bürger verteilen und verwandelte damit unter der Hand ein Verfassungsrecht in ein Zuteilungsprivileg. Ich sandte ihr in einem offenen Brief die Berechtigungsscheine zurück. Ich benötige weder Lebensmittel-, Wohnungs- noch andere Berechtigungsscheine, die mir von der Regierung bei entsprechendem Wohlverhalten zugeteilt werden. </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/"><span class="tm6">https://www.hannah-arendt.de/2021/02/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-dr-angela-merkel/</span></a></u></p>
<p class="Normal"><span class="tm6">06/2022: Die Sachverständigenkommission veröffentlichte ihren nach §5 Abs. 9 IfSG erforderlichen </span><a href="https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/S/Sachverstaendigenausschuss/BER_lfSG-BMG.pdf"><span class="tm6">Bericht</span></a><span class="tm6"> zur Evaluation der Pandemiemaßnahmen. Im Abschnitt 7.3.2.7 mit dem Titel Absonderung wurden alle freiheitseinschränkenden Maßnahmen, die ohne richterliche Überprüfung erlassen wurden, als verfassungswidrig eingestuft. Konsequenzen aus diesem massenhaften Amtsmissbrauch sind mir keine bekannt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">05/2024: in einem </span><u><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y_dOFk_HWJg"><span class="tm7">taz Talk zur Klimakrise</span></a></u><span class="tm7"> formulierte eine Vordenkerin der Grünen, Prof. Hedwig Richter, einen bemerkenswerten Satz: „… dass es eine der ganz wichtigen Lehren aus dem 20. Jahrhundert war, also damit beschäftigen wir uns auch ausführlich, dass wir für unsere Demokratie viele, viele Lehren aus dem Nationalsozialismus und aus den Faschismen gezogen haben und eine war eben, auf keinen Fall radikal sein, auf keinen Fall Revolution, ähm für die Sozialdemokratie sowieso eine ganz wichtige Lehre, schon aus dem Kaiserreich sozusagen, dass man in der Demokratie mitarbeiten kann, ohne dass man jetzt das ganze System zerstört und ähm, diese Lehre ist jetzt total hinderlich, also das ist wirklich ne Grammatik aus dem letzten Jahrhundert, weil sie keine Radikalität mehr zulässt“ (ca. ab Minute 13:00). Ich habe mir erlaubt, die Aufforderung von Frau Prof. Richter, heute wieder an der Radikalität von Nationalsozialismus und Faschismus anzuknüpfen, </span><u><a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/05/radikal-fuers-klima/"><span class="tm7">hier</span></a></u><span class="tm7"> zu kommentieren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">06/2025: Die SPD nominierte zwei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht. Beide machten kein Hehl daraus, dass sie das Recht als Waffe einsetzen wollen, um das, was sie als das Gute und Notwendige erkannt zu haben glauben, durchzusetzen. Gegen eine der beiden formierte sich öffentlicher Widerstand, sie zog ihre Kandidatur zurück. Die politisch gesprochen weitaus gefährlichere hingegen wurde vom Bundestag gewählt.</span></p>
<p>08/2025: Der Wahlausschuss der Stadt Ludwigshafen entschied am 05.08.2025, den aussichtsreichsten Kandidaten für die kommende OB-Wahl am 21. September 25 von der Wahl auszuschließen. Als Begründung wurden von dem sechsköpfigen Wahlausschuss aus Altparteien unter Vorsitz der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (Ex-SPD) Zweifel an der Verfassungstreue des Kandidaten angegeben. Das umgehend veröffentlichte 11-seitige Gutachten des Verfassungsschutzes Rheinland-Pfalz enthielt keinerlei belastbare Indizien für derartige Zweifel. Es handelte sich daher bei der Entscheidung des Wahlausschusses um einen eindeutigen Angriff auf die demokratischen Grundlagen der Bundesrepublik Deutschland, vulgo Hochverrat.</p>
<p>10/2025. Die Niedersächsische Landesmedienanstalt soll privaten Rundfunk und Telemedien im Hinblick auf Jugendmedienschutz, journalistische Sorgfaltspflicht, Werbung und Impressumspflicht beaufsichtigen. Am 21. Oktober 2025 erlies Sie einen <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2025-10-21-nlm-bescheid.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Bescheid</a> gegen den unabhängigen Journalisten <a href="https://www.alexander-wallasch.de/" target="_blank" rel="noopener">Alexander Wallasch</a>, beanstandete mit durchsichtigen Begründungen einer verletzen „journalistischen Sorgfaltspflicht“ drei Beiträge, verhängte ein Zwangsgeld von 500,00 € pro Beitrag plus einer Verwaltungsgebühr von 2.500,00 €. Solche Übergriffe setzen massenmedial mobilisierte Denunzianten voraus. Die 38-seitige <a href="https://www.alexander-wallasch.de/service/klageschrift-ungekuerzt-was-die-landesmedienanstalt-macht-ist-verfassungswidrig?file=files/content/files/2026-01-19-begruendung-klage-nlm.pdf&amp;cid=30154" target="_blank" rel="noopener">Klageschrift</a> des Verteidigers von Herrn Wallasch, RA Dirk Schmitz, sieht in diesem Vorgehen einen Verstoß gegen zentrale Grundrechte unserer Verfassung, Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG (Presse- und Medienfreiheit), Art. 5 Abs. 1 S. 3 GG (Zensurverbot),&nbsp; Art. 20 Abs. 3 GG, (Bestimmtheitsgebot), Art. 5 Abs. 2 GG (Verhältnismäßigkeit), Art. 3 Abs. 1 GG (Gleichbehandlung). Nach der Entfernung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender (siehe 10/2010) ist dies der eindeutige Versuch, mit der Verhängung von Zwangsgeldern jede Art von unabhängiger privater Berichterstattung zu unterbinden. <span class="tm7">Das Vorgehen bestätigt die </span><u><a href="https://www.handelsblatt.com/politik/international/j.-d.-vance-die-muenchener-rede-des-us-vizepraesidenten-im-wortlaut/100107881.html"><span class="tm7">Aussage</span></a></u><span class="tm7"> von J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz: „In Großbritannien und ganz Europa, so fürchte ich, ist die Meinungsfreiheit auf dem Rückzug.“</span></p>
<p>ohne Anspruch auf Vollständigkeit .…</p>
<p>======</p>
<p>publiziert auf: <a href="https://globkult.de/politik/deutschland/2489-meilensteine-auf-dem-marsch-in-den-dritten-sozialismus" target="_blank" rel="noopener">GlobKult</a>, eine frühere Fassung erschien auf <a href="https://reitschuster.de/post/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/" target="_blank" rel="noopener">Reitschuster.de,&nbsp;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/07/meilensteine-auf-dem-marsch-durch-die-institutionen/">Meilensteine auf dem Marsch in den dritten Sozialismus</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
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		<title>Feind oder Feindbild</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2025/02/feind-oder-feindbild/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Feb 2025 08:23:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Denken und Glauben]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn du mit deiner Partnerin durch die Fußgängerzone schlenderst, bei einigen Schaufenstern verweilst, dich angeregt unterhältst, im Augenwinkel etwas Ungewöhnliches registrierst, deinen Kopf umdrehst und einen Fremden wahrnimmst, der mit einem blutenden Messer auf dich zustürmt, dann machst du eine... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2025/02/feind-oder-feindbild/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2025/02/feind-oder-feindbild/">Feind oder Feindbild</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn du mit deiner Partnerin durch die Fußgängerzone schlenderst, bei einigen Schaufenstern verweilst, dich angeregt unterhältst, im Augenwinkel etwas Ungewöhnliches registrierst, deinen Kopf umdrehst und einen Fremden wahrnimmst, der mit einem blutenden Messer auf dich zustürmt, dann machst du eine existentielle Feinderfahrung. In Sekundenbruchteilen geschieht eine Menge in deinem Körper, das Herz schlägt wie wild, Angst und Adrenalin steigen hoch und du realisierst: wenn du jetzt das Falsche machst, bist du verletzt oder tot.</p>
<p>Eine solche Erfahrung war lange Zeit bis auf wenige Kriminalfälle fast vollständig aus dem friedlichen Alltag in Deutschland verschwunden. Seit der Grenzöffnung durch „Mutti“ und dem Beginn der „Herrschaft des Unrechts“ kehrt der Krieg auf unsere Straßen und Plätze zurück. Es kann jeden treffen, es traf schon viel zu viele, aber die meisten wollen keine Erfahrung, schon gar keine des Krieges und schauen lieber weg. Einige versetzen sich in die Lage derjenigen, die durch solche Erfahrungen nahe Angehörige verloren haben und fordern angemessene Maßnahmen. Andere nutzen die vielen medialen Angebote, die Sinneseindrücke zu filtern, den unangenehmen Kontakt mit der Wirklichkeit zu meiden und sich in bequeme Ersatzwelten zu flüchten. Wer eine TV-Sendung gemütlich auf der Couch anschaut, ist vor lebensgefährlichen Überraschungen sicher. Die künstlich erzeugte Erregung könnte man fast für Leben halten.</p>
<p>Die risikolose Zivilgesellschaft hat das Erfahren an den Staat delegiert. Sie gibt dem Staat dafür mehr als die Hälfte ihrer Einnahmen. Dass der Staat sein Versprechen der inneren Sicherheit nicht mehr erfüllt, beunruhigt und irritiert die Menschen. Die zurück gekehrte Erfahrung des Krieges ist so ungewohnt, dass die meisten vor der Konsequenz aus dieser Erfahrung zurückschrecken. Sie möchten wenigstens das Gefühl der Sicherheit zurück.</p>
<p>Wenn du dich abends mit deinen Freunden auf dem Marktplatz triffst und ein Zeichen gegen rechts setzt, gibt es weit und breit keinen Feind. Du fühlst dich mitten in der Menge der Gleichgesinnten sicher und aufgehoben. Was die Menge zusammenbringt, ist ein gemeinsames Feindbild, das sie teilt. Der Faschist, der sie versammelt, existiert aber nur in ihrem Kopf. Das Feindbild ist buchstäblich eine Einbildung – es ist Ein Bild. Und weil es ein Feindbild ist, blockiert es die Erfahrung. Würde sich einer mit Frau Dr. Weidel eine Stunde lang angeregt in einem Café unterhalten, hätte er an Erfahrung gewonnen, aber den Faschisten verloren. Das geteilte Feindbild erlaubt der Menge, gemeinsam eine Einbildung zu genießen, die sie vor der individuellen Erfahrung schützt.</p>
<p>Gott ist eine Einbildung. Damit etwas von Gott in die tatsächliche Erfahrung kommt, bedarf es Mittlerfiguren wie Moses, Jesus oder Mohammed. Was sie erzählen, muss man glauben, man kann es nicht selbst erfahren. Das Teilen einer Einbildung, die nur in der Vorstellung existiert, aber nicht in der Wirklichkeit erfahren werden kann, ist die Grundlage der drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum und Islam. Denken, so hat es einmal Arendt formuliert ist eigentlich immer ein Nachdenken von etwas, was zuvor in der Wahrnehmung, also Teil einer Wirklichkeitserfahrung war. Das unterscheidet das Denken vom Glauben.</p>
<p>===========</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://reitschuster.de/post/feind-oder-feindbild/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>,</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Die Verschwörung</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/die-verschwoerung-2/</link>
					<comments>https://www.hannah-arendt.de/2024/12/die-verschwoerung-2/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Dec 2024 06:22:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1989]]></category>
		<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Stalinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarność]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte die ZEIT unter dem fast schon prophetischen Titel Mehr Demut, weniger Illusionen am 17.12.1993 ein Streitgespräch zwischen dem deutschen Vorzeige-Intellektuellen Jürgen Habermas und dem Polen Adam Michnik. In einem zehnjährigen politischen Aufbruch hatten die Polen... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/die-verschwoerung-2/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Vor gut dreißig Jahren veröffentlichte die ZEIT unter dem fast schon prophetischen Titel </span><em><u><a href="https://www.zeit.de/1993/51/mehr-demut-weniger-illusionen/"><span class="tm8">Mehr Demut, weniger Illusionen</span></a></u> </em><span class="tm7">am 17.12.1993 ein Streitgespräch zwischen dem deutschen Vorzeige-Intellektuellen Jürgen Habermas und dem Polen Adam Michnik. In einem zehnjährigen politischen Aufbruch hatten die Polen mit streikenden Arbeitern, solidarischen Intellektuellen und einem Ausnahmepapst die in der Verfassung verankerte führende Rolle der kommunistischen Partei gekippt und die selbst ernannte Avantgarde an einen politischen Runden Tisch zurück gezwungen. Die deutsche Wiedervereinigung konnte dagegen ohne politischen Aufbruch in trockene Tücher gebracht werden. Die längst auch im Westen entstandenen neofeudalen Strukturen blieben unbeschädigt erhalten. Der westdeutsche Privatbürger wollte von den politischen Unannehmlichkeiten nicht gestört werden, die leidige Angelegenheit nebenbei aus der Portokasse bezahlen und sich lieber mit der Frage beschäftigen, wohin man nächstes Jahr in Urlaub fährt.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Wozu Stalinismus diskutieren?</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Das europäische Nachbarland Jugoslawien versank derweil im Bürgerkrieg. Der erste Völkermord in Europa nach dem zweiten Weltkrieg war am Horizont schon zu erahnen (Srebrenica). Auch der deutsche Vorzeige-Intellektuelle wollte sich mit Politik nicht die Finger schmutzig machen und forderte unverblümt: da sollen gefälligst die Amerikaner einmarschieren, vierzig Jahre bleiben und Demokratie herstellen. Was die Amerikaner mit einer europäischen Ordnung zu tun haben, interessierte den Philosophen nicht. Da stellte ihm der listige Fuchs Michnik eine Falle und fragte ihn, warum man denn in Westdeutschland nach 45 so wenig über den Stalinismus gesprochen hätte. Habermas, der 1988 das erste Mal in der DDR war und dann erst bemerkte, was andere schon 1953 verstanden hatten, musste zugeben, dass er sich mit dem Totalitarismus in seiner stalinistischen Ausprägung nicht beschäftigt hatte. Der antifaschistische Kampf gegen Adenauers Antikommunismus war ihm wichtiger.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Die intellektuellen Nachkriegsversäumnisse machen sich jetzt unangenehm bemerkbar. Viele glauben noch immer, die Grünen seien eine Partei. Es ginge Ihnen doch um das Gute und die Demokratie, nur bei den Mitteln würden sie gelegentlich spätpubertierend etwas über die Stränge schlagen. Weit gefehlt: Die lange erfolgreiche Fassade der schrulligen, aber politisch harmlosen Ökopaxe hat inzwischen deutliche Risse bekommen. Das strukturierte Vorgehen zur Aushöhlung der Demokratie wird in Umrissen erkennbar. Die Grünen orientieren sich seit ihren Anfängen an Lenins Avantgarde Konzept. Sie beanspruchen für sich die führende Rolle einer Vorhut, die eine ganze Gesellschaft ohne vorher deren Einwilligung eingeholt zu haben, mobilisieren, transformieren und in Richtung neues Paradies bewegen will, was nur funktionieren kann, wenn sie von Orwell’schen Schweinen, die gleicher sind als andere, dazu angeleitet und Abweichler konsequent vernichtet werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Dazu muss man gewisse Schalthebel der Macht besetzen. Zu Lenins Zeiten genügte eine skrupellose bewaffnete Minderheit, die zum rechten Zeitpunkt eine legitime Regierung verhaftete, den Verfassungskonvent auflöste und mit einer Geheimpolizei Terror verbreitete. Aus dem Scheitern der RAF zogen die links-grünen Neo-Stalinisten den Schluss, dass man im entwickelten Westen dezenter vorgehen müsse. Das mit der Revolution hatte ja schon 1918 nicht geklappt. Man gab den bolschewistischen Putsch nicht auf, verlegte sich aber auf Mittel, die auf der Zeitachse gestreckt und auf den ersten Blick nicht als gewaltsam und kriegerisch erkennbar waren, obwohl sie den gleichen Zweck verfolgten. Über die Unterwanderung des ÖRR wurde bereits ausführlich berichtet, konzentrieren wir uns auf Behörden. Der <a href="https://apollo-news.net/der-kramer-komplex/" target="_blank" rel="noopener">Fall des Thüringer Verfassungsschutzes</a> kann exemplarisch herangezogen werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm9">Deutsche Behörden: Zwischen Putsch und Widerstand</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Man setze einen Gesinnungsfreund an die Behördenspitze. Wie bei der Kollegin aus dem Völkerrecht sind selbst rudimentäre berufliche Qualifikationen nebensächlich und werden durch erhöhten Gesinnungseifer mehr als wett gemacht, der künftig dafür sorgt, dass disziplinarisch nach innen Angst und Verunsicherung verbreitet werden. Niemand soll sich mehr sicher fühlen. Nach außen wird unter dem Deckmantel einer neutralen, korrekten und rechtsstaatlich einwandfreien Behördenarbeit die Propaganda der bereits unterwanderten Medien mit entsprechenden Gutachten und wohlfeilen Formulierungen („gesichert rechtsextrem“) unterfüttert. Es dauert, bis das Schmierenstück in der Breite der Medienkonsumenten angekommen ist, zumal es von den meisten begierig aufgegriffen wird, weil es bestätigt, was sie ohnehin schon immer zu wissen glaubten. Das hat nicht nur den Effekt, dass man dadurch ein weiteres Standbein hat, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Der wichtigere Effekt betrifft die Mühlen der Justiz, die bekanntlich langsam mahlen. Wie die Bolschewisten die Macht erobert haben, gehört gewöhnlich nicht zu den Curricula einer juristischen Standardausbildung. Die meisten Juristen gehen daher noch davon aus, dass Stellungnahmen, die aus Behörden kommen, politisch neutral und rechtsstaatlich korrekt erarbeitet wurden. Sie werden, versehen mit dem Heiligenschein staatlicher Tätigkeit, ungeprüft übernommen, ihr Propagandazweck und Einsatz als Kriegsgerät bleiben verborgen. Massenhaft werden die Richter so zu nützlichen Handlangern einer sozialistischen Aushöhlung der Gewaltenteilung und merken nicht einmal, an welch langer Leine sie gerade hängen. Das Gros der Richter hatte sich nach 45 mehr mit der Sicherung von Beamtenstatus und -Pension beschäftigt als mit der Frage, wann und warum sie auf die schiefe Bahn gerieten. Was heute politisch längst als Hochverrat einzustufen wäre, kann strafrechtlich nicht einmal angemessen belangt werden, weil der Hochverrats Paragraf noch von einem gewaltsamen Umsturz mit bewaffneten Kräften ausgeht. Ein Parlament, das mehrfach ohne Not den Notstand verhängt, wird sich für die Freiheit nicht ins Zeug legen. Es würde daher Sinn machen, sich daran zu erinnern, warum und wie die Amerikaner in den Nürnberger Prozessen „Verschwörung“ ins Spiel brachten, ein Begriff, der wie Hochverrat ein ähnliches Ziel verfolgt, aber deutlich unkriegerischer und mehr im Hintergrund auf leisen Sohlen daherkommt. Bekanntlich blieb auch die Weimarer Verfassung im Dritten Reich innerlich völlig ausgehöhlt, rein formal aber in Kraft.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Das RKI-Leak hat die Illusion neutraler Behörden nachhaltig enttäuscht. Es wird allerdings dauern, bis die Konsequenzen auch beim letzten Provinzgericht angekommen sind. In der Zwischenzeit gilt es, jene Helden zu stützen, die sich aus klassisch preußischer Beamtentradition einem Missbrauch widersetzen. In der ersten Phase war es ein Stefan Kohn, Referatsleiter im Innenministerium, der den Corona Fehlalarm publik machte und sofort von Herrn Seehofer suspendiert wurde, es war ein Familienrichter Dettmar, der für das Kindeswohl eintrat und kürzlich in einem höchstrichterlichen Schandurteil dafür verurteilt wurde und es war ein Grundschulleiter, der die Maskenpflicht für seine Schüler remonstrierte und von Brandenburgs Kultusministerin sofort suspendiert wurde. Auf meine erboste Email schickte mir die damalige Ministerin, zugleich Ehefrau von Olaf Scholz, auf dem Wege der Bremer Amtshilfe frühmorgens drei Polizisten ins Haus, die mich mit einer Gefährderansprache einschüchtern sollten. Auf die Frage, wo denn die Sprengstoffgürtel seien, reagierten die Polizisten verständnislos. Zeit also, umzudenken: der Hochverrat kommt nicht mehr als Militärputsch und mit Attentaten daher, sondern aus den Spitzen weisungsabhängiger Behörden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm7">Heute sind es die anonymen Whistleblower und die zahlreichen </span><em><span class="tm10">kleinen Leute</span></em><span class="tm7"> die nach dem Motto <em>„B</em></span><em><span class="tm10">estrafe einen, erziehe Tausend“</span></em><span class="tm7"> unsere Aufmerksamkeit und Sorge wecken sollten. In Polen hatte sich schon im Vorfeld der Solidarność 1976 das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter (KOR) gegründet, um Landsleuten, die mit dem übergriffig repressiven Staat in Konflikt gerieten, sowohl rechtlich als auch finanziell unter die Arme zu greifen. Ein Vorbild auch für uns?</span></p>
<p>=======</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://reitschuster.de/post/zwischen-hochverrat-und-preussentum/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>, <a href="https://www.dersandwirt.de/hochverrat-und-preussentum/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>,</p>
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		<title>Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 09:30:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[Revolution]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Hommage an Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt Kattowitz In Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2024/12/das-ende-der-verklaerung-teil-1-die-verliebten/">Das Ende der Verklärung - Teil 1: Die Verliebten</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3 class="Normal tm6"><span class="tm7">Eine Hommage an </span><span class="tm7">Henryk M. Broder und seine Geburtsstadt </span><span class="tm7">Kattowitz</span></h3>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">In </span><span class="tm9">Kattowitz ist nicht nur Henryk M. Broder, der Herausgeber der Achse des Guten – Gott möge sein Haupt vor den Strahlen des Wahnsinns schützen - geboren. In Kattowitz kam auch der polnische Papst Karol Wojtyla zur Welt und erwarb dort seinen freiheitlichen Charakter. Und in Kattowitz startete </span><span class="tm9">Greta Thunberg ihre internationale Panik-Show. Beim Treffen der </span><span class="tm9">Propheten und Profiteure des Untergangs war auch Al Gore als Prototyp des Politikers und Katastrophen-Wissenschaftler dabei. Das war im Dezember 2018 und ein Jahr später lief schon die nächste Panik-Show, in der das Zeitalter der Verklärung zu Ende geht. Es gab Ankündigungen und wir wussten natürlich, dass das Herz vieler Klima-Aktivisten nicht nur für Mutter Erde schlug, sondern auch für ihre eigene, totalitäre Machtergreifung. Daher war es nicht Gretas </span><span class="tm9">Herz für Gaza, die das Ende der Verklärung einläutete, sondern </span><span class="tm9">die Freude der Klima-Aktivisten am Zerstörungswerk der globalen Politik der Pandemie. </span>Ausgerechnet in Kattowitz wurde dieser Zeitenwandel angekündigt. „Katowice for a change“ heißt die Werbekampagne der polnischen Stadt, der historischer ausfstieg ganz im Zeichen der Kohle stand: Mal was Neues - Kattowitz!</p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Verliebten </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Irgendwo müssen wir die zu Ende gehende Geschichte beginnen lassen und ich setze mit dem Jahr 1964 ein, das den Gipfel der Nach-Kriegs-Euphorie durch Kinderreichtum markiert hat. John F. Kennedy wurde im November 1963 ermordet und die Gemüter brauchten Leichtigkeit und Frohsinn, schrille Farben und Feuerwerk. Das neue Jahr begann mit der deutschen TV-Premiere von „Dinner for One“. Verliebt war diese Generation in die Beatles und Schlager, die das Leben feierten. Nach fast 20 Jahren konzentrierter Schaffenskraft und sachlicher Rechtschaffenheit waren die Menschen offen für intensive Gefühle, auch für die Liebe. Ihr Lieblingstier war der Schmetterling, der für Wiedergeburt und für globale Effekte lokaler Bewegungen stand. Mit Edward Lorenz‘ Chaostheorie wurde dieses geflügelte Insekt zum Sinnbild der guten und schönen Ordnung („butterfly attractor“). Kein Wunder also, wenn in dieser Zeit auch die marginalsten Befreiungsbewegungen, von Che Guevara Im Westen bis zur PLO im Nahen Osten, auch ihre Anziehungskraft (Attraktion) entwickelten. Die Befreiung des nahe gelegenen Ostens, der Länder des Ostblocks, lag dieser Generation vergleichsweise fern. Kattowize kannten vor allem die Flüchtlinge aus dem Osten. Die revolutionären Subjekte dieser Generation kämpften in den Entkolonialisierungskriegen auf der ganzen Welt. Ihr katastrophales Subjekt war eine neue Kategorie, um die sich bis dahin kaum jemand gekümmert hatte: „die Menschheit“.</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">Ich schlage vor, die letzten beiden Generationen als </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verliebten (1964 bis 1994) und </span></p>
<p class="Listenabsatz tm12"><span class="tm13">- die Verklärten (1994 bis 2024)</span></p>
<p class="Normal tm11"><span class="tm9">zu bezeichnen. Die Generation der Verklärung tritt gerade von der öffentlichen Bühne ab und es wird spannend zu sehen, ob die nächste Generation mit enttäuschtem Desinteresse reagiert, oder ob sie den Mut aufbringt, das Bröckeln des Heiligenscheins willkommen zu heißen. Gerade weil der äußere Glanz der Verklärung erlischt, kann in einer momentanen Verdunkelung wieder Selbstaufklärung als innere Erhellung entstehen. Falls Ihnen, liebe Leser, diese Sprache zu religiös oder blumig daherkommt, gebe ich zu bedenken: Verstehen Sie den Wahnsinn der Wirklichkeit noch mit den Mitteln des normalen Menschenverstands oder der natürlichen Wissenschaftlichkeit – also durch Lernen aus Erfahrung? Ich komme hier täglich an Grenzen und greife deshalb auf fundamentale Worte zurück, die mir noch geeignet erscheinen, die Realität zu beschreiben: Liebe und Hass, Hoffnung und Enttäuschung, Mut und Gefahr, Kairos (Glücksmoment) und Katastrophe, Gastfreundschaft und Dankbarkeit, Verführung und Schuld, Böses und Dämonisches, Freund und Feind, Geburt und Tod. </span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Die Zeit der Verklärung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">War die Studentenbewegung anfangs der 60er Jahre eine „letzte Liebeserklärung“ (Klaus Heinrich) an den Anspruch einer Universität, Selbstbestimmung mit der Selbstaufklärung der Gattung Mensch zu verbinden, versank sie spätestens ab 1967 in der Selbstverliebtheit. Der Anspruch auf Selbstaufklärung wurde als erster zu Grabe getragen. So konnte sich Verliebtheit nicht zur Liebe entwickeln und die Bewunderung schlug in Verklärung um. In der Verklärung hängen wir dem Objekt des Begehrens einen Heiligenschein an, der dann uns - von außen – erwärmt und anstrahlt. Dann können wir uns trotz innerer Leere für etwas begeistern und es fühlt sich an als ob wir selbst leuchten. Heute scheinen nur noch wenige, den Unterschied zwischen innerem Leuchten und äußerer Bestrahlung zu kennen. Aber dieser Unterschied wäre heute wichtig, denn wer von innen strahlt kann viel weniger durch Propaganda verstrahlt werden.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Früh bahnte sich in den Verliebten eine Wende in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus an. Die noch in den Kinderschuhen steckende Beschäftigung mit den Verbrechen in den Zeiten totaler Herrschaft wurde zugunsten ökonomisch-marxistischer Theorien aufgegeben. Als Hannah Arendt 1964 bei Günter Gaus ihr <a href="https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw" target="_blank" rel="noopener">berühmtes Interview</a> gab, hatte die Auseinandersetzung mit der Erfahrung der Selbstabschaffung der bürgerlichen Mitte gerade erst begonnen. Die studentische Protestbewegung war aber schon dabei, ihre anti-bürgerlichen und anti-republikanische Liebäugelei in eine handfeste Schlagseite auszubauen. Arendt wusste aus eigener Erfahrung, wie leicht es den Nationalsozialisten gelang den republikanisch-demokratischen Widerstand einzuverleiben oder auszuschalten. Das bürgerliche Lager hatte 1932 „die sozialistische Entscheidung“ (Paul Tillich) für ein Bündnis gegen Selbstzerstörung verschlafen oder verweigert; die Anbiederung an die Kräfte des Nationalsozialismus und Internationalsozialismus hat sie nicht vor deren Terror bewahrt. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die verliebte Generation flirtet heute immer noch mit den Kräften des Internationalsozialismus. Das hat – wie wir heute deutlich erkennen können - ihren Realismus und ihre Liebesfähigkeit sehr gestört. Enttäuschungen waren vorprogrammiert.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9"> </span><strong><span class="tm10">Erste enttäuschte Liebe</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft ist es die erste große Liebe, die eine Biografie prägt und die Verliebten hatten einen besonders schweren Anfang. Ihre erste große Liebe galt einem katastrophalen Subjekt, der Menschheit. Diese war eine Verführung und eine tickende Zeitbombe. Wer sich in sie verliebte, wurde in den Strudel lustvoller Selbstzerstörung gesogen. Die Menschheit galt damals als extrem suizidgefährdet. Das Ehepaar Anna und Paul Ehrlich veröffentlichte 1968 ein Buch über die explodierende Bevölkerungsbombe („The population bomb“), das die Faszination und Obsession dieser Generation mit der Menschheit auf den Punkt brachte. Die beiden hatten an Schmetterlingen geforscht und ihre Erkenntnisse auf die Menschheit übertragen. Paul war promovierter Insektenforscher an einer renommierten US-amerikanischen Universität. Bei der Recherche zu Annas akademischer Karriere begegnen wir einem heute wohlbekannten Phänomen: es findet sich fast nichts Handfestes, dafür aber eine lange Liste an staatsfinanzierten, politischen Gremien in denen sie aktiv war. Die Ehrlichs sahen nicht nur Afrika und Indien durch den Zuwachs menschlicher Subjekte in Armut versinken; Paul Ehrlich prophezeite zudem, dass die 7-Millionen-Stadt London im Jahr 2000 verschwunden sein wird. Das provozierte den Ökonomen Julian Simon. Dieser schlug eine <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Simon–Ehrlich_wager" target="_blank" rel="noopener">Wette</a> vor, die Ehrlich annahm und auf ganzer Linie verlor. Simon widersprach Ehrlichs Unterstellung, dass sich der Preis für wichtige Grundelemente der industriellen Produktion massiv verteuern werde. Simons Vorhersage war: vorausgesetzt es gibt keine staatlichen Preiskontrollen, werden diese Materialien billiger, nicht teurer. Tatsächlich waren 10 Jahre später die Weltmarktpreise für Kupfer, Chrom, Nickel, Zinn und Wolfram gefallen und die Stoffe im Durchschnitt um mehr als ein Drittel billiger. Wer nun denkt, dass Simon durch seine Wette zum Millionär oder zumindest zum Wirtschaftsberater der Regierung ernannt wurde, hat die Zeichen der damaligen Zeit nicht mitbekommen. Wissenschaftler, die korrekte Vorhersagen machen, haben zwar die Grundlagen ihres Faches verstanden, eignen sich aber nicht so sehr für politische Kampagnen und für die Politisierung ihrer Wissenschaft. Das zeigt die Karriere von John Haldron, dem späteren Co-Autor von Paul Ehrlich. Dieser war aus der Astronautik in die irdischen Gefilde der sexuellen Reproduktion der Gattung gewechselt. Dieser ungewöhnliche Sprung aus der kalten Ruhe und Einsamkeit des menschenleeren Kosmos ins laute Gewimmel einer zeugungsfreudigen Menschheit wurde entsprechend belohnt. Zuerst war Haldron Wissenschaftsberater bei Präsident Clinton, dann „Wissenschafts-Zar“ </span><span class="tm9">(Director of the Office of Science and Technology Policy) bei Präsident Obama. Wer politisch genehme Wissenschaft produziert, bekommt politische Posten zugeschoben. Haldron wurde dabei noch nicht einmal zum Fallstrick, dass er in den 70ern mit Ehrlich zusammen allzu laut über die Durchsetzbarkeit der wünschenswerten Ein-Kind-Politik, über Sterilisation durch Trinkwasser und über Zwangs-Adoptionen und Zwangs-Abtreibungen nachgedacht hat. Wenn die Wissenschaft die Welt retten soll, darf sie eben nicht zimperlich sein. Sie muss dem Sog in </span><span class="tm9">die lustvolle Selbstzerstörung auch gegen bessere Einsicht und den Einbruch der Realität nachgeben. </span><span class="tm9">London steht immer noch, die Armut nahm in den letzten 40 Jahren deutlich ab, während die Menschheit weiter zunahm.</span><span class="tm9"> Die Verliebten waren vom Objekt der Begierde (der Menschheit) enttäuscht und reagierten wie Verliebte das eben tun, wenn Hingabe und Liebe zurückgewiesen wird. Sie zetern, jammern, klagen und klagen an, bashen und stalken.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das katastrophale Subjekt wird revolutionär</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zum Glück für die Enttäuschten stand der selbstmörderischen Menschheit das Selbstbestimmungsrecht der Völker zur Seite. Die unterdrückten Völker der Erde wurden zur Rettung der Menschheit angerufen. Sie sollten die hemmungslose Selbstverwirklichung der Einzelnen, die Befreiung vom Kolonialismus und die Selbsthemmung der sexuellen Reproduktion der Gattung verbinden. Das war möglich, indem das katastrophale Subjekt revolutionär wurde. Katastrophal und revolutionär – das ist harter Tobak und gelang nur wenigen. In dieser Zeit begann die Verklärung, und der Terror.</span> <span class="tm9">Die erzwungene Entschärfung der Populationsbombe fand ihre Entsprechung im Selbstmordattentat für die Selbstbestimmung der Völker. Das Selbstmordattentat wurde zum </span><span class="tm9">Kennzeichen der verliebten Generation. Es ist eine sinnlose Zerstörung und Selbstzerstörung mit einer einfachen aber zynischen Botschaft: Wenn die Verdammten dieser Erde sich schon nicht selbst retten können mögen sie wenigstens den Planeten von ihrer störenden Anwesenheit befreien. Oder dann wieder ganz praktisch im terroristischen Befreiungskampf: Da wir euch sowieso ins Meer treiben, könnt ihr auch aufhören euch zu vermehren. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Immer wieder gibt es Hinweise auf eine deutsche Besonderheit was die Radikalität des katastrophalen Subjekts angeht. Offenbar gehört es auch zum nationalen Charakter beim Selbstmord Unbeteiligte mit ins Verderben zu ziehen. Der Anlass zur Vergemeinschaftung in der Selbstzerstörung kann neben der Weltrettung auch die individuelle Depression sein. Die sicherste Fluggesellschaft der Welt ist offenbar nur so sicher wie der depressivste ihrer Piloten. Warum jemand in seinem Elend gleich das voll besetzte Flugzeug mit in den Abgrund nimmt, bleibt ein zu verstehendes Rätsel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Das Lächeln der Kinder und die Selbstreproduktion der Gattung</span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Oft wurde </span><span class="tm9">das Selbstmordattentat - </span><span class="tm9">angesichts der Abwesenheit realer Strategien und erreichbarer politischer Ziele </span><span class="tm9">– zur Fortsetzung des Befreiungskampfes als Bevölkerungspolitik. Es geht beim Selbstmordattentat nicht darum, eine bestimmte Forderung durchzusetzen. Es geht darum, den Gehassten die Lust und die Freude am Leben und - stellvertretend dafür - am Kinderkriegen und Kinder groß ziehen, zu nehmen. Die Logik ist allen Eltern klar: So viel Aufwand und Einsatz, um Kinder auf die Erde und ins Leben zu bringen; all das, um dann zu spüren, dass andere das eigene Glück so sehr stört, dass ihnen alle Mittel recht sind, einem das Leben zu vermiesen.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die diversen </span><span class="tm9">Palästina-Befreiungs-Organisationen liefern hier anschauliche Beispiele. Sie wollten den Juden in Israel und auf der ganzen Welt das Leben so schwer machen, dass sie das tun was sie selbst als die größte Katastrophe empfinden, die eigene Heimat verlassen. Da ihre militärische Stärke die direkte Konfrontation nicht zuließ, wählten sie Angst und Schrecken. Der Terror im eigenen Haus sollte </span><span class="tm9">den Israelis die Lust an der Erhaltung des Hauses und an der Reproduktion nehmen. Jene, die beim Anblick des Lächelns ihrer Kinder schon glücklich sind, müssen aushalten, dass Eltern bereit sind, das Lächeln ihrer eigenen Kinder dafür ein zu tauschen, anderen die Freude am Kinderkriegen zu vermiesen. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Steigerung des Terrors im Selbstmordattentat</span><span class="tm9"> signalisiert die Bereitschaft des revolutionär-katastrophalen Subjekts sich selbst zu opfern, um den anderen das Überleben zum Albtraum zu machen. Kaum ein Volk verkörpert das katastrophale Scheitern dieses Versuchs dramatischer als die Palästinenser. Heute, 60 Jahre nach der Gründung der Palästina-Befreiungs-Organisation (PLO) ist das Gegenteil von dem eingetreten was die PLO angestrebt hatte. Das Leben der meisten Palästinenser ist ein Albtraum. Israel ist das geburtenreichste Land (3,5 Kinder pro Frau) der westlichen Welt; es strotzt vor Lebenswille; während jeder getötete, junge Soldat in den israelischen Medien mit vollem Namen und Siegerlächeln gezeigt wird, ist die PLO vergreist und die jungen, palästinensischen Männer kämpfen und sterben namenlos und maskiert im Tunnel. Von außen betrachtet: Für welches Land will ein junger Mensch leben und sterben? Jede Anstrengung, jeder Kampf und jede Armee braucht ab und zu das Schild: Mission accomplished! (Mission erfüllt!). Was aber ist die Mission der Palästina-Befreiungs-Organisationen? Die PLO wurde 1964 auf Druck arabischer Staaten gegründet und ihre Mission war von Anfang an fragwürdig: Wer sollte eigentlich befreit werden? Sollte die PLO eine Volksgruppe befreien, deren Mehrheit in den arabischen Staaten lebte? Sollte die PLO, die von Ägypten und Jordanien besetzten Gebiete (Gaza, West-Jordan-Land) befreien? Oder sollten die PLO die „Befreiung“ des gesamten Mandatsgebietes Palästina von Juden erwirken, also die 1948 von den arabischen Nationen vermasselte Zerstörung Israels erneut versuchen? </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">1964 ist lange her und manche der arabischen Geburtshelfer von damals distanzieren sich von ihrer eigenen Kreation. Kein Wunder, denn die Geburtsfehler von 1964 haben sich inzwischen zur häufigsten, nicht-natürlichen Todesursache entwickelt. Die Geschichte der PLO zeigt exemplarisch, wie die selbstverliebte Umdeutung der eigenen Geschichte zum Befreiungskampf eine ganze Generation und Region in den Abgrund ziehen kann. Das gilt insbesondere dann, wenn das Böse immer nur im Anderen zu finden ist und dadurch die Fähigkeit zur Politik und zum Kompromiss gänzlich auf der Strecke bleibt. Und sie zeigt auch die Bedeutung hoher Geburtenraten und der damit einhergehenden Geschlechterbeziehung in einem Freiheitskampf, der bereit ist die kommende Generation zu opfern. Nach 60 Jahren haben wir eine „explodierende Bevölkerungs-Bombe“ im doppelten Sinne. Über 50% der Bewohner von Gaza und der Westbank sind unter 20 Jahre und haben kaum eine Aussicht auf ein normales Leben mit Kindern. Die Bereitschaft der Führung und Anhängerschaft die eigenen Söhne als Selbstmord-Bomben oder als „Bombenfutter“ zu verheizen, wäre aber ohne die hohe Geburtenrate nicht zu halten.</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die Geschichte der Palästinenser ist ein trauriges Beispiel für die ideologische Erbarmungslosigkeit, mit der diese Generation ihre eigenen Kinder für edle Ziele verkauft. Eine Kritik dieser Bereitschaft, die eigenen Leute selbst für kurzfristige Erfolge zu verheizen, ist nahezu unmöglich. Wer Selbstmord als Politik öffentlich kritisiert, ist entweder übermütig oder suizidal. Durch die Verklärung der Selbstmörder zu Märtyrern in den islamistischen Nachfolge-Organisationen, der Hamas und des Palestine Islamic Jihad (PIJ), ist die öffentliche Diskussion dieser selbstzerstörerischen Politik praktisch unmöglich. Gewalt und Terror ohne Politik hat auch im Falle der PLO dazu geführt, dass das zu befreiende Subjekt (die Palästinenser) zu den bedauerlichsten Objekten der Geschichte des 21. Jahrhunderts geworden sind. Sie bringen sich selbst und jenen, die sich für sie einsetzen kein Glück. Heute wissen die arabischen Regierungen der Region aus eigener Erfahrung: palestinians are bad luck. Die Invasion Israels durch den arabischen Widerstand (Hamas) hat dazu geführt, dass heute (Dezemebr 2024) die arabischen Nationen kaum noch etwas zu melden haben, wenn es um die Zukunft der Region geht. Im Moment sieht es so aus, als würden die drei nicht-arabischen Nationen im Nahen Ostens den Ton angeben: Iran, Türkei, Israel.</span></p>
<p class="Normal tm6"><strong><span class="tm10">Terror und Gastfreundschaft </span></strong></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Zuerst hat die PLO es sich mit ihrem Gastgeber Jordanien verdorben und wurde rausgeworfen. Den Staat der nächsten Zufluchtsstätte (Libanon) hat sie destabilisiert und musste sich daher 1982 erneut eine neue Bleibe suchen. Als der Anführer des Befreiungskampfes, Jassir Arafat, </span><span class="tm9">1990 Saddam Hussein umarmte, nachdem dieser gerade seinen arabischen Nachbarn und vielfachen PLO-Unterstützer in Kuwait überfallen hatte, deportierte Kuwait nach dem Abzug der irakischen Armee kurzerhand die in Kuwait lebenden Palästinenser. Von den ca 400.000 Palästinensern, die vor dem Überfall 1990 in Kuwait lebten waren am Ende kaum noch 20.000 übrig. Ein Massenexodus und eine Deportation - 200.000 in einer Woche. </span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm9">Die PLO brachte den Palästinensern ebenso wenig Glück, wie ihren Asyl- und Gastgebern. Am Ende blieb ihr nur noch der verzweifelte Versuch, bei den Objekten ihres Befreiungskampfes selbst um Zuflucht zu bitten. Durch die Oslo-Verträge konnte die PLO (endlich?) bei ihren Schwestern und Brüdern in der Westbank und in Gaza ihren Platz finden. Aber selbst das war nicht vom Glück geküsst. Nachdem die PLO dann noch 2000/2001 den Glücksmoment eines maximalen Angebots der Israelis verpasste, verlor selbst das saudische Königshaus die Geduld und sprach aus, was viele dachten: Allah hat den Palästinensern die schlechtesten aller Politiker gegeben. Dem PLO-Hamas-PSJ-Kontinuum blieb dann wenig übrig, als beim schiitischen Erzfeind anzuklopfen. Inzwischen wird die sunnitische Hamas vorwiegend von der schiitischen Hisbollah und von der schiitischen Republik Iran unterstützt, die anderenorts Sunniten massakrieren, einfach weil sie als Sunniten Widersacher im Kampf um schiitische Dominanz sind. Das Massaker am 7. Oktober 2023 hat das Ende der PLO-Hamas-Ära besiegelt. Die Hamas wollte die „islamische Welle“ der Zerstörung von allen Seiten über Israel rollen lassen. Nur die Hisbollah war - mehr oder weniger und halbherzig - bereit, sich für den verlorenen Befreiungskampf selbst ins Elend zu stürzen. Das Ergebnis ist für die Palästinenser seit Jahrzehnten das Gleiche: Selbstzerstörung und Hoffnungslosigkeit. Auch die Schiiten wissen nun Bescheid und die Hisbollah hat erlebt was es heißt, beim Befreiungskampf der Palästinenser mitzumachen. Es könnte gut sein, dass auch sie in Zukunft einen Bogen um die ebenso revolutionären wie katastrophalen, palästinensischen Subjekte machen. Manche funktionalisieren das Leid der Palästinenser, im eigenen Land mag sie in der Region kaum noch jemand haben. Die Selbstverliebtheit und Verklärung ihrer Führer hat sie an den Rand des Abgrunds geführt. Nur bei den westlichen Linken und Grünen schlägt noch das „Herz für Palästina“ und herrscht Freude, Palästinenser ins eigene Boot und Haus zu holen. Nur geht das Boot, in dem sie gemeinsam sitzen, gerade unter. Das ist außerordentlich erstaunlich, denn es waren die Grünen, denen die Synthese von revolutionärem und katastrophalem Subjekt in unnachahmlicher Weise gelang.</span></p>
<p>Teil 2 veröffentlichen wir am nächsten Sonntag</p>
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		<title>Die gescheiterte Generation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Nov 2024 10:46:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<category><![CDATA[Ordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Welt]]></category>
		<category><![CDATA[Generation]]></category>
		<category><![CDATA[Generationenkonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fragt man die allwissende Müllhalde Google, zu welcher Generation man selbst gerechnet wird, so sortiert sie einen aus dem Jahrgang 1960 zur Baby Boomer Generation. Im Vergleich zur Vorgänger-Generation, die als Generation Silent bezeichnet wird, fehlt bei Baby Boomer ein... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/11/die-gescheiterte-generation/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Fragt man die allwissende Müllhalde Google, zu welcher Generation man selbst gerechnet wird, so sortiert sie einen aus dem Jahrgang 1960 zur Baby Boomer Generation. Im Vergleich zur Vorgänger-Generation, die als Generation Silent bezeichnet wird, fehlt bei Baby Boomer ein Hinweis, der für das 1928 vom Soziologen Karl Mannheim eingeführte Generationenkonzept essenziell ist: so etwas wie eine gemeinsame, prägende Erfahrung, die mehr oder weniger intensiv alle dieser Generation kennzeichnet, bei vor- und nachfolgenden Generationen aber fehlt. Baby Boomer heißt einfach nur viele, ob mit oder ohne Erfahrung. Die Bezeichnung silent für die Vorgängergeneration ist da schon deutlich sprechender, denn wahrscheinlich kennt in meiner Altersklasse so gut wie jeder mindestens einen in seiner Verwandtschaft, der über seine Erfahrungen im Dritten Reich sein Lebtag lang nichts erzählt hat oder noch fataler einen Großvater, der in den tradierten Familiengeschichten offiziell nicht vorkommt, als Gespenst aber sein Unwesen treibt, weil sein Name auf staatlichen Urkunden noch vorhanden ist.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Vor kurzem wurde im Fernsehen ein Film mit dem Titel „Das Schweigen“ gezeigt, der von der Begegnung zwischen einem Täter-Enkel und einer Opfer-Enkelin berichtete, die zwar in Kontakt kamen, sich offen ausgetauscht und auch gemeinsam auf die Suche nach den „Wirkungs“-Stätten ihrer Großeltern gemacht hatten, aber mit der Erfahrung konfrontiert wurden, dass auch noch die Enkelgeneration an gegenseitige Verständnisblockaden stößt, die sie auch bei bestem Willen nicht ohne weiteres überspringen kann. Man kann also nicht nach silent einfach einen Strich ziehen und so tun, alle hätten alle „Befreiten“ nichts mehr mit der Last der Verantwortung zu tun. Das Phänomen ist auch auf jüdischer Seite bekannt. Die „Schuld“, als Einziger überlebt zu haben, kann noch an Enkel und Urenkel untergründig weitergegeben werden und Symptome generieren. Das legt den Verdacht nahe, dass mit dem Begriff Baby Boomer etwas übersprungen wird, was zwischen der Silent und der nachfolgenden Generation liegt. Wer zu lesen und von Freud’s Hören auf die Versprecher gelernt hat, ahnt, dass das Ungesagte in Text oder Gespräch manchmal sprechender als alles andere sein kann.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Einen entscheidenden Hinweis auf das prägende Erfahrungselement der Baby Boomer Generation erhielt ich von Bernward Vesper, dem zeitweiligen Lebensgefährten von Gudrun Enslin und Vater des gemeinsamen Kindes Felix Enslin, das er, nachdem sich Gudrun Andreas Baader an den Hals geworfen und ganz dem Terror verschworen hatte, als alleinerziehender Vater bis zu seinem Selbstmord aufzog. Er liegt zwar als 1938 Geborener noch etwas vor der offiziellen Baby Boomer Generation, hatte aber in einem stark autobiografisch angelegtem Roman aus dem Konflikt mit seinem erfahrungsresistenten völkischen Vater und einer Bourgeoisie, die sich nur um sich selbst drehte, den Schluss gezogen: „wir müssen erst zur totalen Verantwortungslosigkeit zurück finden, um uns überhaupt zu retten.“</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Satz formuliert eine radikale Umkehr: um zur Verantwortungslosigkeit zurück zu finden, muss man erst auf dem normalen Weg der allmählichen Verantwortungsübernahme gewesen sein, vor dieser aus noch nicht näher geklärten Umständen zurückgeschreckt und dann einen Weg zurück eingeschlagen haben. Aus dem lateinischen „regressio“ für umkehren, zurückgehen hat die Psychologie das Konzept der Regression abgeleitet, womit ein von nicht beherrschbarer Angst ausgelöster Rückzug auf frühere Entwicklungs- oder Reifestufen gemeint ist, der sich, sofern er sich verhärtet, mit zunehmendem Alter in mehr oder weniger auffälligem Sozialverhalten Bahn bricht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Gut fünfzig Jahre nach Vespers Satz nennt eine Gesellschaft seine Kanzlerin „Mutti“, ein 55-jähriger Kanzlerkandidat erweist sich als so dünnhäutig, dass er schon bei kleinsten Zweifeln an der Integrität seiner Person wild um sich schlägt. Zahlreiche Organisationen werden mit der Aufgabe betraut, politische Auseinandersetzungen zu verhindern, man fördert erneut die „Tugend“ der Denunziation und eine professionell organisierte Angstkampagne genügt, um eine ganze Gesellschaft an den Rand des Abgrunds zu treiben. Die Folgen der zunehmenden Infantilisierung sind so unübersehbar, dass es sich lohnen könnte, auf den Satz von Bernward Vesper zurück zu kommen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Übergang von der einen zur nächsten Generation verläuft normalerweise über einen klassischen Generationenkonflikt. Die heranwachsende Generation will zunächst alles völlig anders als die der Väter machen, man reibt und streitet sich aneinander, am Ende bleiben ein paar wenige Neuerungen übrig und im wesentlichen wird von den Vätern übernommen, was sich schon seit Generationen bewährt hat. Für die Väter geht es in diesem Konflikt, so hat es einmal Winnicott formuliert, nur darum, einfach da zu sein und da zu bleiben. Sie müssen die Tötungswünsche der Söhne nur überleben und eine Umgebung repräsentieren, die in wesentlichen Aspekten unzerstörbar ist. Hält die Umgebung dieser Probe stand, kann sie als verlässlich wahrgenommen werden. Die Väter der Silent Generation hatten den Krieg überlebt, für Ihre Söhne hatten sie weder Kraft noch Standpunkt und die Umgebung, die sie vertraten, war extrem zerbrechlich. Dem Ansturm der Anti-Autoritären hatten sie außer Gewalt und einer blutleeren Rigidität nichts entgegenzusetzen. Die schon seit mehr als einer Generation verlorene Sittlichkeit war durch keine Rechtschaffenheit wieder aufgebaut worden und befeuerte so die Flucht in einen zwanghaften Moralismus, an dessen Ende die Gewalt des Terrors stand.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der amerikanische Soziologe Theodore Abel hatte im Juni 1934 in Nazizeitungen Preise von insgesamt 400 Mark für die beste Antwort auf die Frage ausgeschrieben, warum jemand Anhänger der Nazibewegung geworden sei. Die Frist für das Einreichen war der September 1934. An dem Preisausschreiben konnte sich jeder, ob männlich oder weiblich, mit einer Lebensgeschichte beteiligen, der vor dem 1. Januar 1933 Mitglied der NSDAP geworden war oder mit ihr sympathisiert hatte. Es kamen 683 Berichte zusammen, von denen 581 mit einem Umfang von 3700 Seiten erhalten sind. Wieland Giebel, der im Rahmen der Planungen für eine Ausstellung in Berlin auf erste Hinweise zu dieser Quelle stieß, hat 2018 erstmalig 83 dieser Dokumente in Deutschland unter dem Titel „Warum ich Nazi wurde“ veröffentlicht. Etwa zeitgleich erschienen zwei weitere Publikationen von Felix Sven Kellerhoff und Katja Kosubek, die von dieser „wertvollsten Primärquelle“ ausführlich Gebrauch machten. Das Erstaunlichste an diesen Biogrammen ist die Tatsache, dass und wie lange sie verschwiegen wurden. Giebel schreibt: „Ich sprach mit Historikern, was das für Material sei, ob das vertrauensvolle Quellen sein können, aber keiner konnte mir helfen. Diese Berichte sind einfach nicht wahrgenommen worden. Sie kommen an keinem der vielen Lehrstühle vor, die sich mit dem Nationalsozialismus befassen, und auch keines der zahlreichen ebenso staatlich finanzierten Institute hatte sich darum gekümmert.“ </span><span class="tm6">Ein bemerkenswerter Kontrast zum Lärm der Erinnerungs- und Betroffenheitsindustrie.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Handelte es sich beim Übergang von der Generation Silent zur Baby Boomer Generation um einen „normalen“ Generationswechsel, wie er seit Jahrtausenden stattfindet? Schon die Zuschreibung „silent“ deutet darauf hin, dass nichts von den Vätern oder Großvätern übergeben wurde, sei es, weil sie nicht mehr vorhanden waren, sei es, weil sie selbst geschwiegen haben und andere dies Schweigen unterstützten. Zudem waren schon die Väter zu einer Zeit aufgewachsen, in der das, was man gewöhnlich Mores nennt, die Gewohnheiten, die Stabilität, Zeitlichkeit und eine haltende Umgebung verleihen, nicht mehr vorhanden waren. Was sie und ihre Väter in den zwei Kriegen und der Zwischenkriegsphase an Erfahrungen erleiden mussten, kam zum bereits vorhanden Zerstörungswerk noch oben drauf. Was hätten sie ihren Kindern an Bewährtem übergeben sollen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Schweigen generierte einen weiteren Effekt: solange nichts erzählt wurde, hatten die heranwachsenden Kinder keine Möglichkeit, in homöopathischen und damit verarbeitbaren Dosen an das herangeführt zu werden, was man den Holocaust nennt. Sie lernten auch innerhalb der Familien keine unterschiedlichen Perspektiven des Umgangs damit kennen, der eine bestreitet, der nächste verdrängt, der dritte suhlt sich in Schuld usw. Ich habe weder in der Schule noch im Elternhaus irgendetwas inhaltliches aus der Nazizeit vermittelt bekommen. Meine erste Konfrontation erlebte ich in einem winzigen kommunalen Schachtelkino, das einen Holocaust Film vorführte, den die meisten Dritten Programme ausgestrahlt hatten. Der Bayerische Rundfunk hingegen hatte sich verweigert. Ich war Anfang 20, wohnte in einer WG, wir waren zu dritt im Kino und brauchten mehrere Tage, bis wir die Sprache wiedergefunden hatten. Die Silent Generation hatte uns die Last, die sie selbst nicht schultern wollte oder konnte, vor die Füße geschmissen - sollten wir sie aufheben? Wir haben aus dem Schweigen ein beredtes Schweigen gemacht, die Last aber liegen gelassen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Eine gesunde Lösung des Generationenkonfliktes vermeidet die beiden Extreme, das Individuum gibt weder das Selbst zugunsten der Gemeinschaft, noch die Gemeinschaft zugunsten des Selbst auf. Der ausgefallene Generationenkonflikt hatte jedoch zur Folge, dass viele von uns Antifaschisten wurden, um überhaupt irgend etwas zu sein. Hatte es für solche mit Herz und Verstand andere sinnvolle Identifikationsangebote gegeben? Hatte man uns andere Helden gezeigt, denen man hätte nacheifern können? Den Namen Schindler erfuhr ich von Steven Spielberg. Jede Einfügung in die vorhandene symbolische Ordnung, jede Weiterführung galt es zu vermeiden. Der Kulturbruch wurde zum Programm. Wir sprachen im Ausland englisch, um nicht als Deutsche erkannt zu werden. Die Einbildung ersetzte nicht nur Genealogie und Tradition, sondern auch die Realität. Ohne (Realitäts-) Erfahrung gibt es keinen Standpunkt von dem aus man sich mit anderen Standpunkten auseinandersetzen könnte; man schließt sich einer Bewegung an, um wenigstens das Leben und den Zusammenhalt der Gesinnungsfreunde genießen zu können. Was eine Gesinnungsgemeinschaft zusammenbindet, ist das geteilte, aber erfahrungslose Feindbild, das ihnen allen ihr Anderssein garantiert, zugleich aber nur auswechselbare Automaten hervorbringt, die außer den immer gleichen sinnfreien Parolen nichts zu sagen haben, auch dies eine Form des Schweigens. Sloterdijk, der jene sektenähnlichen Meinungsgenossenschaften als Regressionssystem erläuterte, in denen in kleinkindlicher Weise der gemeinsame Irrsinn geteilt werde, meinte inhaltlich richtig, zielte aber völlig daneben, indem der damit die skeptischen Querdenker abqualifizierte, statt den Finger auf die eigentliche Wunde zu legen: der Umgang mit den Ungeimpften hatte die zentrale Lebenslüge der „Vergangenheitsbewältigung“ so deutlich offenbart, dass man bei der erforderlichen Aufarbeitung auch zu Bernward Vespers Rettung in die Verantwortungslosigkeit zurück kommen wird.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Regression in die totale Verantwortungslosigkeit musste, um als wahrer Kern verschleiert zu werden, von einer omnipotenten Scheinverantwortung umhüllt werden, ein Konstrukt, dessen wirkliche Schäden selbst mit höchst bezahlter Propaganda nun nicht mehr verdeckt werden können. Die Folgen der Selbstzerstörung machen sich überall hartnäckig bemerkbar. Aus der Erfahrung des Scheiterns der grünen Bewegung, die nie die Welt, sondern nur sich selbst retten wollte, gilt es nun, die politischen Konsequenzen zu ziehen. Die Umkehr von der Umkehr könnte der Anfang sein, sich wieder auf den Weg zu machen und Verlorenes nachzuholen.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Die Mutigsten in der postheroischen Ära nehmen das unterbrochene Gespräch mit der eigenen Genealogie dort wieder auf, wo etwas zu finden ist, in Tagebüchern, Schuhkartons mit vergilbten Fotos, in alten Zeitungen, Gerichtsprotokollen und bei solchen, die noch aus eigener Anschauung darüber berichten können. Die Allermutigsten reisen in die Orte, in denen Ihr Groß- oder Urgroßvater gewütet hat und suchen den Kontakt zu Angehörigen der Opfer, sofern sie noch vorhanden sind. Kommt es dort zu einer Begegnung auf Augenhöhe und zu einem gegenseitigen Erzählen, kann man von Wiedereingliederung in die eigene Geschichtlichkeit sprechen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>=====</p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.achgut.com/artikel/generation_verantwortungslosigkeit" target="_blank" rel="noopener">Die Achse des Guten,</a> <a href="https://reitschuster.de/post/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">Boris Reitschuster</a>, <a href="https://www.dersandwirt.de/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">Der Sandwirt</a>, <a href="https://wir-selbst.com/2024/12/01/die-gescheiterte-generation/" target="_blank" rel="noopener">wir selbst</a>,</p>
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		<title>Programmbeschwerde an den ZDF-Fernsehrat</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Sep 2024 15:02:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Verfassung]]></category>
		<category><![CDATA[Demagogie]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Förmliche Programmbeschwerde nach §21 ZDF-Satzung vom 11.12.2015 im ZDF heute journal am 01.09.2024 äußerte die Chefredakteurin Frau Bettina Schausten wörtlich folgendes: &#160;„Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg mit dem Angriff der Wehrmacht auf Polen. Deutschland überzog die ganze... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/09/programmbeschwerde-an-den-zdf-fernsehrat/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4><strong>Förmliche Programmbeschwerde nach <a href="https://www.zdf.de/zdfunternehmen/zdf-fernsehrat-foermliche-programmbeschwerde-100.html" target="_blank" rel="noopener">§21 ZDF-Satzung</a> vom 11.12.2015</strong></h4>
<p class="Normal"><span class="tm5">im ZDF heute journal am 01.09.2024 äußerte die Chefredakteurin Frau Bettina Schausten wörtlich folgendes:</span></p>
<p class="Normal" style="padding-left: 40px;"><span class="tm5">&nbsp;</span><span class="tm5">„</span><em><span class="tm7">Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg mit dem Angriff der Wehrmacht auf Polen. Deutschland überzog die ganze Welt mit Leid und Tod, ermordete sechs Millionen Juden. Am 1. September 2024 auf den Tag 85 Jahre danach wird im deutschen Bundesland Thüringen eine Partei stärkste politische Kraft, die laut Verfassungsschutz erwiesen rechtsextremistisch ist, mit einem Kandidaten an der Spitze, der wie ein Faschist redet und auch so genannt werden darf.</span></em><span class="tm5">“</span></p>
<p class="Normal tm6"><span class="tm5">Es wurden bereits Strafanzeigen gegen Frau Schausten wegen des Verdachts der Volksverhetzung nach § 130 Abs. 3 Strafgesetzbuch gestellt.</span></p>
<h4 class="Normal"><strong><span class="tm5">Was ist an dieser Aussage zu bemängeln:</span></strong></h4>
<p class="Normal"><span class="tm5">1. Im Unterschied zum Dritten Reich ist die Bundesrepublik nach Art. 20 GG ein föderaler Bundesstaat. Thüringen ist ein Bundesland. Selbst wenn die Thüringer AfD die Absicht hätte, Polen militärisch anzugreifen: über den Einsatz der Bundeswehr entscheidet der Bundestag und nicht der Landtag in Thüringen.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">2. Mir sind keine schriftlichen Belege oder irgendwelche Aussagen im AfD Kontext bekannt, die darauf hinweisen, dass ein Kriegseinsatz gegen ein Nachbarland geplant sein soll. Beim beklagenswerten Zustand der Bundeswehr wären solche Planungen rein militärisch gesehen auch völlig absurd. Frau Schausten hat in ihrer Aussage keine belastbaren Belege für ihre Analogiebildung zwischen der AfD Thüringen und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges angeführt. Sie stützt ihre Aussagen auf Bewertungen des Verfassungsschutzes.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">3. Der Verfassungsschutz ist wie das RKI eine Behörde und damit weisungsabhängig. Sie dient der Exekutive. Wer sich mit den RKI-Files beschäftigt hat, konnte nachlesen, zu welchen Verzerrungen der Wirklichkeit ein solches Dienstverhältnis führen kann. Aussagen einer weisungsabhängigen Behörde sind deshalb grundsätzlich skeptisch zu bewerten, dies umso mehr, als der ehemalige Präsident, Hans-Georg Maaßen, entlassen wurde, weil er eine Propagandalüge der Ex-Kanzlerin („Hetzjagden von Chemnitz“) nicht mitgespielt, sondern als korrekter Beamter als solche dargestellt hat.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">4. Über die Frage, welche Parteien sich an der politischen Willensbildung beteiligen, entscheiden in Deutschland weder selbst ernannte Demokratieretter, abhängige Behörden und schon gar nicht irgendwelche Journalisten, sondern ausschließlich das Bundesverfassungsgericht. </span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">5. Der Versuch von Frau Schausten, über das Datum 1. September eine Analogie zwischen dem Beginn des Zweiten Weltkrieges mit geschätzten 60 – 80 Millionen Toten, dem Abwurf der ersten Atombomben, der industriellen Vernichtung der Juden in Europa, der Verwüstung ganzer Länder und der AfD in Thüringen herzustellen, stellt eine derart krasse Geschichtsfälschung und Verharmlosung des Nationalsozialismus dar, dass man entweder am Verstand von Frau Schausten berechtigte Zweifel anmelden muss oder ihre Aussagen als Demagogie auf dem Niveau von Joseph Goebbels zu werten sind. Tiefer kann ein Journalist in Deutschland nicht sinken. Beide Möglichkeiten disqualifizieren Frau Schausten in einer Art und Weise, die keinen weiteren Verbleib auf der Position der Chefredakteurin einer öffentlich-rechtlichen Anstalt dulden.</span></p>
<p class="Normal"><span class="tm5">Die Diffamierung des politischen Gegners hat demokratiegefährdende Ausmaße angenommen. Sie wird hauptsächlich von den Kräften betrieben, die in den letzten Jahren beispiellos versagt haben. Ich darf Sie daher freundlich bitten, das Notwendige zu veranlassen, um wieder zu politisch-sachlichen Auseinandersetzungen zurück zu finden.</span></p>
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		<title>„So genau wollte ich es nicht wissen“</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Peter Levin]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Feb 2024 16:12:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche und Juden]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr. Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2024/02/so-genau-wollte-ich-es-nicht-wissen/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h5 class="Normal tm5"><span class="tm6">Sprechakt statt Geschlechtsakt - das Problem der Mitte im Rechtsverkehr.</span></h5>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Den Moment, als eine dänische Kollegin sich für ihr Zu-spät-kommen zum Meeting in schönstem Dänisch-Deutsch mit „ich hatte Verkehr“ entschuldigte, werde ich nie vergessen. Spontan rutschte ihrer Freundin und Nachbarin heraus: „So genau wollte ich es nicht wissen“ und die ganze Runde brach in fröhliches Lachen aus. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wie genau wollen Sie - lieber Leser und Leserin - es wissen, warum jemand zu spät kommt, die Zeichen der Zeit nicht erkennt und Geschichte verpennt? Interessiert Sie dann, ob es der Rechts- oder Linksverkehr, Geschichts- oder Geschlechtsverkehr war? Oder sind Sie wie viele schon, verdrossen und unberührbar geworden - nur noch in Sorgen?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Glauben auch Sie, es sei schon zu spät, für ein fröhliches Lachen und ein Morgen? Fühlen sich schwach, ohne Macht? Wir wissen doch noch wie es kracht, wenn wer die Geschichte verpasst. Dann hilft weder Staat noch Stasi, nicht einmal diese verbleiben den Kummer zu vertreiben. Sanssauci - ohne Sorge - gibt’s nur in Potsdam, nicht im ganzen Land. Dort gab es früher mal eine Brücke, einen geheimen Grenzverkehr für die Spione der geheimen Dienste. Die Brücke steht noch, das Land ist verbunden, die Wunden der Spaltung sind …. so genau wollte ich es nicht wissen! Geheim ist nichts mehr, auch nicht wer wem zu Dienste, und wer welchen Geschlechtsverkehr. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Wer braucht die geheimen Dienste noch, wenn alles am Boden liegt: Hände hoch! Faktenbestimmer im eigenen Wohnzimmer? Wo einmal eine vermittelnde Mitte war, tönt es heute aus allen Kanonen: Nie wieder! Das Brandmauern muss sich lohnen. Die Spaltung, die lohnt sich, immer noch. Mut zur Mitte, bitte nicht doch. Mut zur Lücke, die bringt uns voran. Zu genau will es sowieso niemand wissen. Lieber halten wir uns an die Staatsräson: „Wissenslücken aus freien Stücken. Der Staat ist Allah, und er ist allmächtig“ - im Alltag funktioniert das prächtig. Gestern, als mein sechs-jähriger Sohn mit Mama im öffentlich rechtlichen Bus des VerkehrsVerbunds saß. Es sind die Meinen, wie stolz ich war, dachte: welch ein Anblick, welch ein Paar. Beim Wegfahren im Konterfei der <a href="https://vhhbus.de/olivia-jones-diversity-bus/" target="_blank" rel="noopener">HHV-Bus-Außenwerbung</a> ich sie sah, eingerahmt von kecken HVV-Kanaken und lasziven Transtravestiterinnen - welch ein Anblick, welch ein Paar. Als stolzer Kanake, darf ich doch, meine nicht weniger stolzen Mit-Kanaken Kanaken nennen. Geht das noch? </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Es geht viel mehr, meine Tochter in der sechsten Klasse lernt gerade ihre Klassenlehrerin kennen. Es braucht kein Schlüsselloch, sie kann mir die Facebookseite nennen. Die Kaiserin ist nackt, ihre Tatsachen sind nackt … nein, nicht was Sie denken, sie ist kein Trottel, nur eben Talent zum Dessou-Model. </span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Kaum etwas bleibt ungesagt, gezeigt nur im Verborgenen. Die Kleinen, die nicht wissen was es alles gibt, für diese sind Papa und Mama groß und allmächtig. Heute schreiben Ihre Eltern Geschichte, und so es daneben geht auch mal ein Gedicht, das mehr als zwölf „aufregende Zukunftsbilder“ verspricht. Sie denken wie ich an Sonnen-Auf- oder Untergänge, nicht? Wie naiv wir nur sind! Sie dichtet, kaum zu glauben aber wahr, über ihre schönsten „<a href="https://www.amazon.de/Die-besten-Weltuntergänge-aufregende-Zukunftsbilder/dp/395470255X" target="_blank" rel="noopener">Weltuntergänge</a>“. Gewiss, sie ist nicht ganz dicht. Und wenn Sie sagen - das war er nicht selbst, es war nur die Frau des Ministers - wie recht Sie haben. Der eine ist katastrophal, sie nur katastrophenlüstern. Welch ein Ausblick, welch ein Paar, was wissen wir schon über deren Links- oder Schlechtverkehr?</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Was glauben Sie, ob diese Gemengelage - Untergänge und Wissenslücken von nationaler Tragweite - ihren oder meinen Sohn in auch nur geringster Weise anspricht. Ich kann sagen, meinen ficht das nicht. Die sexuelle Revolution, kalter Kaffee ihm ist. Mit seinen kaum siebzehn Jahren ist er Experte schon, für die Beziehung einer alten Frau mit dem Sohn einer anderen. Dieser ist gerade mal 15 Jahre alt und muss schon jobben, als Vorleser und Bettvorleger für eine, die nicht Lesen und nichts Besseres kann („<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser" target="_blank" rel="noopener">Der Vorleser</a>“). Sozial und empathisch, wie gerne hätte ich so einen Sohn. Meiner ist da ganz anders. Bei diesen Sprüchen seines Vaters, wie soll ich es ihm verdenken: Brot für die Welt, die Wurst können sie auch bald haben. Wir geben alles her, Lesen können braucht niemand mehr. Er hat allen Grund sich zu beklagen, nicht einmal bedaure ich seinen Frust bei der Pflicht-Lektüre ganz ohne Wissensdurst. „Ekelig“ und „nie wieder“ quittiert er Erotik und Kinderverführung, eine Erzählung pervers und ohne Lust, ich erspar ihm nicht das Gewicht des hohen Gericht. Er muss ihn aushalten, den Richterspruch seiner Generation, der Schlächter- und Gerechtigkeitsfraktion. Weh tut es mir schon, zu sehen wie sein Gesicht fällt. Er ist ein Kind, kein Kain, dem das</span><span class="tm7"> „Antlitz fiel“ als er den Bruder erschlug im ungerechten Zorn. Auch ein Abel ist er nicht: das Opfer für den gerechten und barmherzigen Herrn? Er weiß es schon, wie der Herr Präsident heute spricht, das ist der Brüderspaltung bitterer Lohn. Nur Lug und Trug, mehr ist es nicht; der Abel sein Opfer abbricht.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Das Urteil ist gefallen, welch ein Glück, nur Bewährung mit Auflagen: Das Buch ist zu gut, Lektüre ist nicht genug. Zur Strafe der Film zum Buch, dann das Theaterstück zum Film; und weil die Rekonvaleszenz ist unsere Pflicht, schlußendlich die englische Verfilmung des unansehlichen Stoffs im Englisch-Unterricht. Hartes Urteil meinen Sie? Keine Sorge, die Kinder verstehen diese Botschaft immer und es ist gut: der Stoff ist wichtig, Widerstand nichtig. Direkt an zweiter Stelle unter Gerechtigkeit kommt das Geschlecht, nicht schlecht? Wer wie mein Kind rechnen kann, auch mit dem Transgerechtgeschlecht-Rechenschieber, der bekommt heraus: Geschlecht ist gerecht und auf keinen Fall „Rechts“. Auch bei hohem Aufkommen in der Gauss*****schen Mitte lässt sich das spielend ver-rechnen. Das Ergebnis erstaunt nur jene, die niemals die Mitte im römischen Kreisverkehr halten sollten: Mittelstreifenverkehr ist Kamikaze, die Mitte ist schon viel zu weit rechts. Streifenwechsel ist Pflicht, angezeigt wird er nicht. Die Linksfahrer drehen im Kreis, die Rechtsausleger wollen raus. Sie wissen doch, im Kampf gegen ungerechten Rechts-Verkehr geht es darum Zeichen zu setzten: links blinken, rechts rausfahren.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Endlich klärt die Klassenlehrerin die aufgeklärten Eltern auf, was wirklich hier die Sache ist. Das macht sie gern, das sieht sie als ihre höchste Pflicht. Im Buch geht es weder um jenes, was die Jugendlichen sticht noch was mich als Vater anspricht. Die Sache ist - sie ahnen es schon - die Erinnerungs- und Schulddiskussion. Der Hanna im Roman fehlt das H und ihre HER-story die ER-innerung. Denkt bitte jetzt nicht an die Hanna ohne H, mit R wie Resch und mit der ARD. Die hatte es auch schwer mit der Erinnerung. Ihr fiel zumindest noch ein was wichtig ist: der Israeli ein rechter Schurke ist („<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Fq-ecR6Arpw" target="_blank" rel="noopener">Hanna Resch sammelt sich</a>“). Dann musste sie sich sammeln - ich mich auch, und die Runde brach in schmerzlich-hysterisches Lachen aus. Pfui, wer gar an die Hannah mit H und Arendt dacht. Welch ein Hohn, ein deutscher Schurke du bist! Verstehen was auf dem Spiel steht bei jeder Tat? Das war ihr Auftrag, ihr Bündnis und Verkehrsverbund, der „Integrität der Tatsache“ verpflichtet. Sie stand aufrecht auch wenn sie saß, inspirierte während sie öffentlich-rechtlich ihre Fluppe qualmte. Ihr Element, die amerikanische Revolution, das town hall meeting in lebendiger Diskussion - der Geruch von Freiheit und die Macht der öffentlichen Tat, er vertreibt den bullshit, der uns in allen Kanälen küsst. Im Abflussrohr sitzen Faktenkleckerer, mit Mundgeruch und konspirativen Abhörinstrumenten. Sie Klotzen und Kotzen, bis einer sich ver ….</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Der Arendt’sche Mut war groß, wie ihrer Widersacher viele. Im Jammertal der Pädophilie hat sie ebenso wenig verloren wie als poster child auf dem Bus der Anarchie. Meine Lehrerin damals, schaute mir tief in die Augen ins Herz, und sagte: Sie müssen Hannah von A bis Z lesen. Heute sagt die Lehrerin dem Vater vom Sohn, warum zu lesen sei die story der Hanna ohne H, der pädophilen Kindermörderin ohne Kind. Wen es stört, der möge sich bei jenen beklagen, die an höchster Stelle steh‚n. Beamte führen nur aus was die Führer sagen: Demokratie fördern, Spritzen und Spitzen verteilen, alle Eichmänner und Eichfrauen bei Fuß - oh je, welch ein Graus.</span></p>
<p class="Normal tm5"><span class="tm6">Schade ist es schon, denn wie sollte ich beim Werther oder bei Antigone sagen: „Mein Sohn, schau mal, Vorlesen lohnt sich, schlag Gold aus der üblen Pflicht. Deine Chancen bei den Girls steigen exponential, eröffne deinen eigenen Vorlesekanal“. Er war Feuer und Flamme für diesen Staat und hatte den Titel schon parat: „Weder Rechts noch Sex“. Hier ist er voll auf Spur, streaming on line und mainstreaming auf der PubertätsVerhinderungsMittel-Spur: „Sei du selbst“ und verarsch deine Eltern mit dem Gesetz das Selbstbestimmung macht zum ehernen Gesetz: Kinder gehören dem Staat, ihr Eltern habt den Windelsalat. Das Motto des Sprechkanals ist solchen Lappalien entronnen, seiner Zeit weit voraus: „Sprechakt statt Geschlechtsakt“ - es klatschen alle Applaus. </span></p>
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		<title>Widerstand aus Zweiter Hand. Über den entschlossen heroischen Anti-Nazismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[A. K. Hermann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Dec 2020 09:45:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gut & Böse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Droht uns nun zusätzlich auch der Deutsche Bürgerkrieg? Es scheint so. Man achte auf heute gängige anti-faschistisch/-nazistische Sprachfiguren.&#160; “Ein Dorf steht auf.” So, emphatisch, die Lokalzeitung. Sie berichtet seit längerem über ein dörfliches Netzwerk. Es propagiert Aufmarsch, Aufstand, Widerstand: eine... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2020/12/widerstand-aus-zweiter-hand-ueber-den-entschlossen-heroischen-anti-nazismus/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1">Droht uns nun zusätzlich auch der Deutsche Bürgerkrieg? Es scheint so. Man achte auf heute gängige anti-faschistisch/-nazistische Sprachfiguren.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>“Ein Dorf steht auf.” </b>So, emphatisch, die Lokalzeitung. Sie berichtet seit längerem über ein dörfliches Netzwerk. Es propagiert Aufmarsch, Aufstand, Widerstand: eine recht heroische Kampfposition, dreifach entfaltet. Zudem ist man entschlossen: ein Glanzwort deutscher Gewaltkultur der 20er bis 40er Jahre des 20. Jahrhunderts. Weitere Ansagen der Widerstandsgruppe: Hirn ein, Nazis raus! Bunte Vielfalt, braune Einfalt!<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Was ist Buntheit und Vielfalt? </b>Das bleibt unklar. Der Widerstand ist „zivilgesellschaftlich” sanktioniert: d. h. staatlich und kirchlich genehm und gefördert. Zielgruppe: (Neo-)Nazis und (Neo-)Faschisten - die Braunen. Gemeint ist die NPD. Die Braunen verschanzen sich, so monieren die Bunten, im abseits vom Dorf gelegenen braunen Heim. Dort, so stellen die Bunten fest, werden Sonnwend- und Erntefeste gefeiert, Pläne geschmiedet, Kontakte hergestellt. Es wird “konspiriert”. Nachweise der Konspiration legen die Bunten nicht vor. <span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span><span id="more-1185"></span></p>
<p class="p1"><b>Eine Widerstandsaktion</b>. Sechs oder neun (6 oder 9) Braune marschieren durchs Dorf. Verfolgt von ca. 350 Bunten. Alle beschützt von einem geradezu spektakulären Polizei-Aufgebot. Schon bald Rückzug der Braunen ins Hauptquartier. Sieg der Bunten. Lokalzeitung: “Die Glocken haben geläutet.”<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Die Präsenz der Faschisten, im Rückzugsnest, ist</b> <b>“unerträglich”. </b>So klagen<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span>die Bunten vom dörflichen Widerstand. Der Innenminister soll eingreifen. Das befremdet. Obrigkeitshörige Aufständische? Was kann die Exekutive tun? Das braune Heim ist abgesichert; das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärt die NPD für verfassungsfeindlich, nicht aber für verfassungswidrig.</p>
<p class="p1"><b>Der anti-faschistische Widerstand, heute, ist Widerstand aus zweiter Hand. </b>Ein nachgeholter, im Rückblick als heroisch imaginierter Widerstand. In Wirklichkeit ein vom heutigen Staat, von der Grundgesetz-Demokratie, bequem behütetes Schaustück. Man meint, heute, sich im Jahre ‚44 zu befinden, reinen Tisch zu machen, und die NPD als Hort leibhaftiger Nazis, SS-Einsatzgruppenführer, KZ-Schergen zu enttarnen - wenn doch der Aufstand aus erster Hand, der echte, gegen den mörderisch deutschen, heute so aufdringlich wie uninformiert “faschistisch” genannten Staat scheitern musste.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1">Wir befinden uns, heute, im demokratischen Deutschland. Nicht im Nazismus, nicht im Faschismus. Die Titel „Nationalsozialismus“ und „Faschismus“ sind gebunden. Sie können, grundsätzlich, nur auf den Zeitraum 1920 bis 1945 angewendet werden -<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>Faschismus primär auf Italien: auf die männerbündische (fascio, das Bündel) Paradekultur jener Jahre. Die hat die spezifisch deutsche Ausrottungskultur nicht mitgemacht.</p>
<p class="p1">Die echten Aufständischen, damals, konnten an keinen Innenminister appellieren. Die “Komplizenschaft” (Hannah Arendt) der deutschen Gesellschaft - des deutschen „Volkes“ - war nahezu total: genährt nämlich von der spezifisch deutschen, aus dem deutschen Absonderungs-Idealismus des 19. Jahrhunderts, aus der Kultur der Reinen Menschlichkeit, entstandenen völkischen Reinheit, völkischen Sittlichkeit, bis zur völkisch legitimierten Vernichtung und Ausrottung des Schmutzes, des Ekels, des undeutschen Materialismus.</p>
<p class="p1"><b>Volk, völkisch, Volksgemeinschaft. </b>Das war die Ideologie des deutschen Ausrottungsnationalismus. Es ist die Ideologie des Nationaldemokratismus. Deswegen ist aber die NPD nicht Nazismus und Faschismus. Der Grundbegriff, in beiden Fällen, ist völkisch. Die Gefahr, heute, ist völkisch; nicht aber faschistisch. „Völkisch“: das impliziert die Vorstellung einer„ethnischen“ Gleichartigkeit. Das Wort éthnos - Schar, Gruppe - sagt aber nichts über Gleichartigkeit. Die Volksgemeinschaft ist eine Schimäre. Es gibt die Gesellschaft. Sie ist die Gemeinschaft. Die Grundlage der deutschen Gesellschaft ist ausschließlich das Grundgesetz von 1949. NPD- Politik, so das Parteiprogramm, gründet jedoch „im Geist des deutschen Idealismus“. Da ist die NPD an den falschen Geist geraten: den Kleingeist des (Herderschen) Volkstums, der unbarmherzigen (Kantischen) Pflicht, des (Goethe/Schillerschen) Reinmenschentums etc. etc. - man lese deutsche Feldpostbriefe 1941/42 - bis zur hämischen Ausgrenzung und finalen Säuberung im Großdeutschen Reich.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1">Das gibt es nicht mehr. Wir leben in der GG-Demokratie. NPD ist nicht NS/SS/KZ. Die NPD als Nazipartei beschwören: das heißt den völkisch-idealistischen Terror,‚33 bis ‚45, verharmlosen. <span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Zwei Bezugspunkte: NS, GG</b>. Der Bezugspunkt des heutigen, des heraufbeschworenen, imaginären, des aufgedonnert bunten Widerstands ist negativ. Nämlich das Böse, das omnipräsente Gespenst NS/KZ/SS, ahistorisch, versteinert, sakral. Man geht, abgesichert, polizeilich behütet, gegen das Böse vor: und verschafft sich damit ein gutes Gefühl.</p>
<p class="p1">Der Bezugspunkt dagegen der Demokratie, heute, ist bejahend, ist das Grundgesetz von 1949, insbesondere Art. 3 bis 1 - in dieser Reihenfolge. Von hier aus ist die NPD, und sind die “Rechten“, hier und in allen unseren Nachbarstaaten, rundherum, von DK über PL, CZ, A, CH, F, L, B, bis NL, zu beurteilen. - „Rechts?“ Das ist: Volk, Reinheit, Idealismus - und, nicht zu vergessen, „Männlichkeit„. Die völkische Viererbande. Ihr, nicht aber imaginierten „Braunen“, gilt es entgegenzutreten.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Das Pack und die Menschenfeindschaft</b>. Der Braun-besessene, entschlossen heroische, der deutsch-idealistische Widerstand, aus Zweiter Hand, ist müßig. Es ändert sich nichts. Oder vielmehr: NPD, AfD, Pegida, und weiteres „Pack“ werden weiteren Zulauf haben - solange von Politik, Medien, Ämtern, Schulen sowie eklatant widerchristlich „weltverändernden“ Kirchen zur generösen Entgrenzung, zur selbsterhebenden Rettung, zum aufgesetzten FeiernGenießenEntspannen, zur haltlosen Weltläufigkeit, zum gouvernantenhaften Ein-Zeichen-Setzen sowie, neuerdings, zum Aufstand gegen eine global wuchernde „Menschenfeindschaft“ - ein Mode-Artikel der Firma V &amp; B, welcher, im Kreise von ca. 200 Ländern der Welt, nur in D ein Verkaufsschlager sein kann - aufgerufen und ermuntert und angefeuert wird. Armes Deutschland.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Was tun? Das Eigene - im Rahmen deutscher Geschichte und Kultur. </b>Nur die Erkenntnis des Eigenen kann zur Änderung führen. Was wir brauchen, ist nicht eine happy-go-lucky Vielfalt &amp; Buntheit, und ist erst recht nicht ein stimmungsvolles Gedenken ohne handfeste Erkenntnis.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1">Was wir brauchen, ist die Anerkennung einer deutschen (ja, schlicht deutschen), von allen Parteien getragenen Kultur des Eigenen, der Eigenheit und Eigengesinnung, einschließlich vorbehaltloser Wahrnehmung eigenverschuldeten Terrors, unabdingbar im Rahmen einer mörderisch idealistischen deutschen Geschichte - einer Geschichte, die zum<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland von 1949 geführt hat.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1">Das heute alles beherrschende, völlig ahistorisierte, nahezu hysterische Zeremonium der Nazi-Verdammung muss außer Betrieb genommen werden. Es führt zu pathetischen Koalitionsverweigerungen und zu vollmundig empörten Rufen nach Satzungs- und Sitz-Änderungen in Parlamenten. Der theatralisch antifaschistische jedoch erkenntnislose „Widerstand“ fördert nicht eine gesellschaftsstärkende deutsche Eigenheit, sondern den Protest der als lachhaft „braun“ Vorgeführten. Der Protest, wiederum, müsste aufgefangen und, nach GG-Maßgabe und Verfassungsschutz-Kriterien, in die Gestaltung der Gesellschaft eingebracht werden. Nicht aufnahme-geeignet wäre, in jedem Fall, die Kategorie „Volk“.<span class="Apple-converted-space">&nbsp;</span></p>
<p class="p1"><b>Grundgesetz-compliance!</b> Das Vermeiden völkisch motivierter Ausgrenzung kann aber nicht heißen, fremde Kulturen - auch „Religion“ und „Glaube“ sind nichts als Kultur -, unbefragt zu empfangen und dem tönernen Beifall durchs Dorf marschierender Buntheit &amp; Vielfalt zu überlassen. Eine solide und anhaltende Überprüfung der GG-compliance, der Passung (speziell: Art. 3), von Zuwanderern - insbesondere solcher, die dazu neigen, von vornherein „Heilige“ Schriften und darauf beruhendes Verhalten über das GG zu stellen - ist unerlässlich. Solange in deutschen Medien, bunt &amp; vielfältig, vom „Ehren-Mord“ berichtet wird, als sei das eben ein Mord aus Ehre, folkloristisch abzuhaken unter „Sitten und Gebräuche„, solange wird das Deutsche GG, unsere Eigenheit, unsere Ehre, missachtet.</p>
<p class="p1"><b>Schließlich</b>: <strong>die Antifa</strong>! Unterstützt wird virulent antinazistische Buntheit &amp; Vielfalt von der Antifa, der Antifaschistischen Aktion: Schwarze Schar, wild entschlossene Befreier der Frau, Lützow´sche Jäger unserer Zeit; einst KPD-Eingreiftruppe, gegründet 1932. Der Dorf-Bürgermeister: “Die Antifa gehört nicht zu den Verfassungsfeinden, ist nicht vergleichbar mit der NPD.” Diese Antifa nun setzt sich ein, recht erfreulich, für Solidarität und freie Gesellschaft, und gegen die “patriarchale Kultur“. Eine Drohung in der Selbstvorstellung ist aber bedrückend: “Faschistische Täter haben Namen und Adressen.”<span class="Apple-converted-space">&nbsp; </span>Wie bitte ? Man möchte das zuständige Antifa-Kommando ersuchen, den Satz zu streichen.</p>
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		<title>Offener Brief an den S. Fischer Verlag</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Oct 2020 11:34:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Das Politische]]></category>
		<category><![CDATA[Totalitarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Monika Maron]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>S. FISCHER Verlag GmbH z.Hd. der Geschäftsführung Frau Bublitz, Frau Bischoff Hedderichstraße 114 60596 Frankfurt am Main per FAX an: 069/6062-319 18. Oktober 2020 Rausschmiss der Schriftstellerin Monika Maron Sehr geehrte Frau Bublitz, sehr geehrte Frau Bischoff, der Rausschmiss von... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2020/10/offener-brief-an-den-s-fischer-verlag/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="kvgmc6g5 cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<p dir="auto"><span class="d2edcug0 hpfvmrgz qv66sw1b c1et5uql rrkovp55 a8c37x1j keod5gw0 nxhoafnm aigsh9s9 d3f4x2em fe6kdd0r mau55g9w c8b282yb iv3no6db jq4qci2q a3bd9o3v knj5qynh oo9gr5id hzawbc8m" dir="auto">S. FISCHER Verlag GmbH</span><br>
z.Hd. der Geschäftsführung<br>
Frau Bublitz, Frau Bischoff<br>
Hedderichstraße 114<br>
60596 Frankfurt am Main</p>
<p dir="auto">per FAX an: 069/6062-319</p>
<div dir="auto"></div>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<p dir="auto" style="text-align: right;">18. Oktober 2020</p>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<div dir="auto">
<p><strong>Rausschmiss der Schriftstellerin Monika Maron</strong></p>
<div class="nc684nl6"></div>
</div>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<p dir="auto">Sehr geehrte Frau Bublitz, sehr geehrte Frau Bischoff,</p>
</div>
<div dir="auto">
<p>der Rausschmiss von Frau Monika Maron ist an Niedertracht nicht mehr zu überbieten und zwar nicht nur, was den Umgang mit einer Person anbelangt, die seit vierzig Jahren Autorin beim S.Fischer Verlag ist und gegenwärtig zu den wenigen prominenten Stimmen gehört, die verstehen, was auf dem Spiel steht, sondern mehr noch, was den Zeitpunkt anbelangt.</p>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<div dir="auto">
<p>Zu den beunruhigensten Erfahrungen der Gegenwart gehört, dass die Generationen heute noch erheblich leichter ideologisierbar sind als die Generationen von 1933, was den Analysen von Hannah Arendt eine geradezu unheimliche Aktualität verleiht.</p>
</div>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<div dir="auto">
<p>Nun muß man einer Verlagsleitung, wie jedem anderen auch, die Freiheit zugestehen, Fehler zu machen. Sollte der Verlag diesen Kardinalfehler nicht in kurzer Zeit korrigieren, würde ich es für angemessen halten, wenn der S. Fischer Verlag in Vergessenheit gerät und wir Monika Maron in andenkender Erinnerung halten.</p>
</div>
</div>
<div class="o9v6fnle cxmmr5t8 oygrvhab hcukyx3x c1et5uql ii04i59q">
<p dir="auto">Mit freundlichen Grüßen</p>
</div>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2020/10/offener-brief-an-den-s-fischer-verlag/">Offener Brief an den S. Fischer Verlag</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>„Antifaschismus-Klausel“ - Änderung der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen (Drucksache 20/375)</title>
		<link>https://www.hannah-arendt.de/2020/05/antifaschismus-klausel-aenderung-der-landesverfassung-der-freien-hansestadt-bremen-drucksache-20-375/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Boris Blaha]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 May 2020 13:23:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Antifaschismus]]></category>
		<category><![CDATA[Hannah Arendt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.hannah-arendt.de/?p=1045</guid>

					<description><![CDATA[<p>Offener Brief an den Fraktionsvorsitzenden der CDU in der Bremer Bürgerschaft Herrn Thomas Röwekamp Sehr geehrter Herr Röwekamp, sich eine eigene Meinung zu bilden kostet Zeit, zuweilen viel Zeit. Will man z.B. zur Frage, warum das protestantische Milieu in Deutschland... <a class="more-link" href="https://www.hannah-arendt.de/2020/05/antifaschismus-klausel-aenderung-der-landesverfassung-der-freien-hansestadt-bremen-drucksache-20-375/">Weiterlesen &#8594;</a></p>
<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2020/05/antifaschismus-klausel-aenderung-der-landesverfassung-der-freien-hansestadt-bremen-drucksache-20-375/">„Antifaschismus-Klausel“ - Änderung der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen (Drucksache 20/375)</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Offener Brief an den Fraktionsvorsitzenden der CDU in der Bremer Bürgerschaft Herrn Thomas Röwekamp</h3>
<p>Sehr geehrter Herr Röwekamp,</p>
<p>sich eine eigene Meinung zu bilden kostet Zeit, zuweilen viel Zeit. Will man z.B. zur Frage, warum das protestantische Milieu in Deutschland eines der Haupteinfallstore zur Entstehung einer nationalsozialistischen Massenbewegung war, einen substanziellen Beitrag leisten, muss man sich in komplexe Zusammenhänge zwischen Ideen-, Struktur und Ereignisgeschichte vertiefen.</p>
<p>Die mediale Erwartungshaltung an Politiker, zu allem und jedem eine möglichst kurze, leicht verständliche Stellungnahme abzugeben, führt jedoch dazu, dass immer mehr politisch Verantwortliche eine fundierte und abgewogene Meinung vermissen lassen, was insgesamt gesehen die Qualität politischer Entscheidungen merklich verschlechtert. Die eigentliche Bedeutung der gegenwärtigen Corona-Krise liegt weniger im medizinischen oder epidemiologischen Bereich, sondern darin, die verwundbarste Stelle moderner Mediendemokratien westlichen Zuschnitts schonungslos offen gelegt zu haben.<span id="more-1045"></span></p>
<p>Die CDU-Fraktion in der Bremer Bürgerschaft hat in Erster Lesung am 14.05.2020 einem Antrag der Rot-Rot-Grün-Fraktionen zur Änderung der Bremischen Landesverfassung zugestimmt (<a href="https://www.bremische-buergerschaft.de/drs_abo/2020-05-07_Drs-20-375_48aed.pdf">Drucksache 20/375</a>). Der Änderungsantrag wird damit begründet, der ‚antifaschistische Geist der Bremer Landesverfassung‘ müsse dringend gestärkt werden.</p>
<p>Die darin enthaltene Formulierung: „… sowie rassistische, antisemitische und weitere menschenverachtende Hetze nicht zuzulassen, ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt und Verantwortung jeder und jedes Einzelnen“ halte ich für eine Steilvorlage zum politischen Missbrauch. Die Menschenverachtung kommt darin bei denen am klarsten zum Vorschein, die von sich behaupten, zu ihrer Bekämpfung anzutreten. Bei all diesen Begriffen, am allermeisten beim Begriff „Hetze“ handelt es sich um Worthülsen ohne Inhalt. Sie werden von Leuten verwendet, die sich damit der sachlichen, politischen Auseinandersetzung entziehen, häufig genug, weil sie mangels entsprechender Bildung dazu gar nicht mehr in der Lage sind. Mit der gebetsmühlenartigen Verwendung solch entwürdigender Etiketten zielt man auf die Vernichtung des politischen Gegners, auf den man in einer funktionierenden Demokratie sowohl innen- wie außenpolitisch angewiesen ist. Der Rufmord ist hier nur die Vorstufe einer physischen Vernichtung, die in allen sozialistischen Ordnungen zum gewöhnlichen Herrschaftsinstrumentarium gehört hat.</p>
<p>Dazu zwei Bemerkungen: Antifaschismus ist ein ideologischer Kampfbegriff, propagandistisch eingeführt von Stalin im Spanischen Bürgerkrieg. Ihm fehlt, insbesondere auf Deutschland bezogen, jede geschichtliche Substanz. Es gab faschistische Ordnungen in Italien und Spanien. In Deutschland gab es eine nationalsozialistische Revolution und Massenbewegung, wobei der ideengeschichtliche Schwerpunkt auf dem sozialistischen und revolutionären liegt, das ‚Nationale‘ entstand zunächst aus der Abgrenzung gegen die kommunistisch ersehnte Weltrevolution, später aus der Rivalität gegen Stalins ebenfalls nationale Begrenzung des Sozialismus. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hat nicht die Wehrmacht Polen überfallen, sondern Hitler und Stalin haben sich gewaltsam ein freies Land als Beute geteilt. Die Verantwortung für die Massenvernichtung großer Teile der polnischen Intelligenz (Katyn) wurde erst Jahrzehnte später von Gorbatschow offiziell eingeräumt. Wenn ‚Antifaschisten‘ von geschichtlicher Verantwortung reden, sollten man ihnen deshalb als allererstes einen großen Spiegel vorhalten.</p>
<p>Zweitens: Der Antifaschismus war und ist die Staatsräson der DDR-Diktatur und ihrer ideologischen Nachfolger. Sein eigentlicher Sinn ergibt sich daraus, dass die Kommunisten in der Sowjetisch besetzten Zone keine einzige demokratische Wahl gewannen und, um ihre Herrschaft zu sichern, auf organisierte Lüge, ein massenwirksames, regelmäßig neu an die Wand gemaltes Feindbild und stets präsente Gewaltandrohung zwingend angewiesen waren. Es gehört zu den besonders menschenverachtenden Zügen des Genossen Ulbricht, sich nach der Rückkehr aus Moskau im Frühjahr 1945 angesichts einer ausgebompten und ausgehungerten Bevölkerung nicht etwa um die Linderung der Not, sondern vorrangig um die eigene Machtsicherung gekümmert zu haben.</p>
<p>Der Begriff „Hetze“ hat als Teil politischer Auseinandersetzungen zu ganz bestimmten Zeiten Hochkonjunktur und wird von ganz bestimmten Gruppierungen verwendet. In einer, was die beteiligten Kräfte anbelangt, austarierten, rundlaufenden Demokratie kommt er eher selten vor. Man kann sein verstärktes Auftreten daher auch als Indikator einer gefährlichen Schieflage nehmen. Sie finden den Begriff in der Agitation der extremistischen Parteien in der Weimarer Republik (zunächst der Kommunisten, später auch der Nationalsozialisten) und Sie finden ihn vor allem in der Anfangsphase der Herrschaftssicherung der SED, intensiviert in der Zeit nach dem Volksaufstand. Es genügt, sich im Archiv Ausgaben des ’neuen deutschland‘ aus der Zeit nach dem 17. Juni 1953 vorzunehmen, um die erstaunliche Verwandtschaft damaliger und heutiger Rhetorik zu bemerken.</p>
<p>Wer heute antifaschistische Ideologie gegen totalitäre Erfahrung ausspielt, zu Gulag und den sozialistischen Menschheitsverbrechen schweigt, knüpft bewusst an die Tradition der untergegangenen DDR an, betreibt Geschichtsrevisionismus und verhöhnt diejenigen, die mit ihrem Mut und Freiheitswillen wenigstens die zweite totalitäre Ordnung auf deutschem Boden aus eigener Kraft heraus gestürzt haben. Sollte die CDU-Fraktion der Bremer Bürgerschaft mit ihren Stimmen eine solche Verfassungsänderung ermöglichen, müsste ich konstatieren, dass Sie aus den zwei Diktaturen auf deutschem Boden nicht viel gelernt haben kann. Eine solche Entscheidung läge vom Niveau her auf gleicher Ebene, wie die verabscheuungswürdige Ernennung einer SED-Kader Juristin und bekennenden Linksextremistin zur Verfassungsrichterin. Es kann bei vernünftiger Betrachtung nicht im Sinne der CDU sein, das Risiko einzugehen, sich als Steigbügelhalter einer dritten sozialistischen Diktatur aus der Geschichte zu verabschieden.</p>
<p>Bremen, 26.05.2020<br>
Boris Blaha</p>
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<p>Nachtrag vom 29.05.2020: Der Versuch, die Erfahrung totalitärer Einbrüche in eine antifaschistische, sprich stalinistische Ideologie umzuwandeln, ist nicht neu. Bereits 2001 legte die PDS im Bundestag eine entsprechende Grundgesetzänderung vor. Man beachte den Fortschritt: 2001 will nur die PDS das Grundgesetz ändern, heute in Bremen sind sich alle Parteien einig, nur ein paar Unruhestifter der AfD spucken noch in die Suppe.</p>
<p>Dass die CDU heute keine Berührungsängste mehr vor Stalinisten hat, zeigte sich schon an der Entfernung des untadeligen Wissenschaftlers, Dr. Hubertus Knabe, eine Gemeinschaftsaktion von Monika Grütters (CDU) und Klaus Lederer (LINKE).</p>
<p>Damals gab es zumindest noch CDU-Abgeordnete mit Geschichtskenntnissen.</p>
<p>„Wolfgang Götzer (CDU) erinnerte daran, dass das Grundgesetz „eine antitotalitäre Verfassung“ ist. Der Abgeordnete verwies unter dem Gelächter der PDS auf die ideologische Geschichte des Begriffes Antifaschismus, den er zutreffend als zentralen „Kampfbegriff und festen Bestandteil der kommunistischen Terminologie und Strategie“ charakterisierte. Als er sich zur „wehrhaften Demokratie“ bekannte, „die entschlossen ist, die Freiheit gegen ihre Feinde zu verteidigen, gleich, woher diese Feinde kommen, von rechtsaußen oder von linksaußen“, quittierte die PDS diese Verfassungsinterpretation mit Gelächter.“ zitiert aus: Manfred Wilke: <a href="https://www.kas.de/documents/252038/253252/7_dokument_dok_pdf_1628_1.pdf/0d3f2252-8ac9-68d1-177b-62fad3431c5b?version=1.0&amp;t=1539667888196">Die „antifaschistische“ Republik</a></p>
<p>Publiziert auf: <a href="https://www.tumult-magazine.net/post/boris-blaha-offener-brief-an-den-fraktionsvorsitzenden-der-bremer-cdu">TUMULT - Magazin</a>, <a href="https://www.tabularasamagazin.de/antifaschismus-klausel-aenderung-der-landesverfassung-der-freien-hansestadt-bremen-drucksache-20-375/">tabularasa</a>, <a href="https://vera-lengsfeld.de/2020/05/27/der-verlogene-antifaschismus-jetzt-mit-hilfe-der-cdu-in-die-bremer-landesverfassung/">Vera Lengsfeld</a></p>
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<p>The post <a href="https://www.hannah-arendt.de/2020/05/antifaschismus-klausel-aenderung-der-landesverfassung-der-freien-hansestadt-bremen-drucksache-20-375/">„Antifaschismus-Klausel“ - Änderung der Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen (Drucksache 20/375)</a> first appeared on <a href="https://www.hannah-arendt.de">Hannah Arendt - Der Sinn von Politik ist Freiheit</a>.</p>]]></content:encoded>
					
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