Droht uns nun zusätz­lich auch der Deut­sche Bür­ger­krieg? Es scheint so. Man ach­te auf heu­te gän­gi­ge anti-faschis­ti­sch/-nazis­ti­sche Sprach­fi­gu­ren. 

“Ein Dorf steht auf.” So, empha­tisch, die Lokal­zei­tung. Sie berich­tet seit län­ge­rem über ein dörf­li­ches Netz­werk. Es pro­pa­giert Auf­marsch, Auf­stand, Wider­stand: eine recht heroi­sche Kampf­po­si­ti­on, drei­fach ent­fal­tet. Zudem ist man ent­schlos­sen: ein Glanz­wort deut­scher Gewalt­kul­tur der 20er bis 40er Jah­re des 20. Jahr­hun­derts. Wei­te­re Ansa­gen der Wider­stands­grup­pe: Hirn ein, Nazis raus! Bun­te Viel­falt, brau­ne Ein­falt! 

Was ist Bunt­heit und Viel­falt? Das bleibt unklar. Der Wider­stand ist „zivil­ge­sell­schaft­lich” sank­tio­niert: d. h. staat­lich und kirch­lich genehm und geför­dert. Ziel­grup­pe: (Neo-)Nazis und (Neo-)Faschisten – die Brau­nen. Gemeint ist die NPD. Die Brau­nen ver­schan­zen sich, so monie­ren die Bun­ten, im abseits vom Dorf gele­ge­nen brau­nen Heim. Dort, so stel­len die Bun­ten fest, wer­den Sonn­wend- und Ern­te­fes­te gefei­ert, Plä­ne geschmie­det, Kon­tak­te her­ge­stellt. Es wird “kon­spi­riert”. Nach­wei­se der Kon­spi­ra­ti­on legen die Bun­ten nicht vor.  

Eine Wider­stands­ak­ti­on. Sechs oder neun (6 oder 9) Brau­ne mar­schie­ren durchs Dorf. Ver­folgt von ca. 350 Bun­ten. Alle beschützt von einem gera­de­zu spek­ta­ku­lä­ren Poli­zei-Auf­ge­bot. Schon bald Rück­zug der Brau­nen ins Haupt­quar­tier. Sieg der Bun­ten. Lokal­zei­tung: “Die Glo­cken haben geläu­tet.” 

Die Prä­senz der Faschis­ten, im Rück­zugs­nest, ist “uner­träg­lich”. So kla­gen die Bun­ten vom dörf­li­chen Wider­stand. Der Innen­mi­nis­ter soll ein­grei­fen. Das befrem­det. Obrig­keits­hö­ri­ge Auf­stän­di­sche? Was kann die Exe­ku­ti­ve tun? Das brau­ne Heim ist abge­si­chert; das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz erklärt die NPD für ver­fas­sungs­feind­lich, nicht aber für verfassungswidrig.

Der anti-faschis­ti­sche Wider­stand, heu­te, ist Wider­stand aus zwei­ter Hand. Ein nach­ge­hol­ter, im Rück­blick als hero­isch ima­gi­nier­ter Wider­stand. In Wirk­lich­keit ein vom heu­ti­gen Staat, von der Grund­ge­setz-Demo­kra­tie, bequem behü­te­tes Schau­stück. Man meint, heu­te, sich im Jah­re ‘44 zu befin­den, rei­nen Tisch zu machen, und die NPD als Hort leib­haf­ti­ger Nazis, SS-Ein­satz­grup­pen­füh­rer, KZ-Scher­gen zu ent­tar­nen – wenn doch der Auf­stand aus ers­ter Hand, der ech­te, gegen den mör­de­risch deut­schen, heu­te so auf­dring­lich wie unin­for­miert “faschis­tisch” genann­ten Staat schei­tern muss­te. 

Wir befin­den uns, heu­te, im demo­kra­ti­schen Deutsch­land. Nicht im Nazis­mus, nicht im Faschis­mus. Die Titel „Natio­nal­so­zia­lis­mus“ und „Faschis­mus“ sind gebun­den. Sie kön­nen, grund­sätz­lich, nur auf den Zeit­raum 1920 bis 1945 ange­wen­det wer­den - Faschis­mus pri­mär auf Ita­li­en: auf die män­ner­bün­di­sche (fascio, das Bün­del) Para­de­kul­tur jener Jah­re. Die hat die spe­zi­fisch deut­sche Aus­rot­tungs­kul­tur nicht mitgemacht.

Die ech­ten Auf­stän­di­schen, damals, konn­ten an kei­nen Innen­mi­nis­ter appel­lie­ren. Die “Kom­pli­zen­schaft” (Han­nah Arendt) der deut­schen Gesell­schaft – des deut­schen „Vol­kes“ – war nahe­zu total: genährt näm­lich von der spe­zi­fisch deut­schen, aus dem deut­schen Abson­de­rungs-Idea­lis­mus des 19. Jahr­hun­derts, aus der Kul­tur der Rei­nen Mensch­lich­keit, ent­stan­de­nen völ­ki­schen Rein­heit, völ­ki­schen Sitt­lich­keit, bis zur völ­kisch legi­ti­mier­ten Ver­nich­tung und Aus­rot­tung des Schmut­zes, des Ekels, des undeut­schen Materialismus.

Volk, völ­kisch, Volks­ge­mein­schaft. Das war die Ideo­lo­gie des deut­schen Aus­rot­tungs­na­tio­na­lis­mus. Es ist die Ideo­lo­gie des Natio­nal­de­mo­kra­tis­mus. Des­we­gen ist aber die NPD nicht Nazis­mus und Faschis­mus. Der Grund­be­griff, in bei­den Fäl­len, ist völ­kisch. Die Gefahr, heu­te, ist völ­kisch; nicht aber faschis­tisch. „Völ­kisch“: das impli­ziert die Vor­stel­lung einer„ethnischen“ Gleich­ar­tig­keit. Das Wort éth­nos – Schar, Grup­pe – sagt aber nichts über Gleich­ar­tig­keit. Die Volks­ge­mein­schaft ist eine Schi­mä­re. Es gibt die Gesell­schaft. Sie ist die Gemein­schaft. Die Grund­la­ge der deut­schen Gesell­schaft ist aus­schließ­lich das Grund­ge­setz von 1949. NPD- Poli­tik, so das Par­tei­pro­gramm, grün­det jedoch „im Geist des deut­schen Idea­lis­mus“. Da ist die NPD an den fal­schen Geist gera­ten: den Klein­geist des (Her­der­schen) Volks­tums, der unbarm­her­zi­gen (Kan­ti­schen) Pflicht, des (Goethe/Schillerschen) Rein­men­schen­tums etc. etc. – man lese deut­sche Feld­post­brie­fe 1941/42 – bis zur hämi­schen Aus­gren­zung und fina­len Säu­be­rung im Groß­deut­schen Reich. 

Das gibt es nicht mehr. Wir leben in der GG-Demo­kra­tie. NPD ist nicht NS/SS/KZ. Die NPD als Nazi­par­tei beschwö­ren: das heißt den völ­kisch-idea­lis­ti­schen Terror,‘33 bis ‘45, ver­harm­lo­sen.  

Zwei Bezugs­punk­te: NS, GG. Der Bezugs­punkt des heu­ti­gen, des her­auf­be­schwo­re­nen, ima­gi­nä­ren, des auf­ge­don­nert bun­ten Wider­stands ist nega­tiv. Näm­lich das Böse, das omni­prä­sen­te Gespenst NS/KZ/SS, ahis­to­risch, ver­stei­nert, sakral. Man geht, abge­si­chert, poli­zei­lich behü­tet, gegen das Böse vor: und ver­schafft sich damit ein gutes Gefühl.

Der Bezugs­punkt dage­gen der Demo­kra­tie, heu­te, ist beja­hend, ist das Grund­ge­setz von 1949, ins­be­son­de­re Art. 3 bis 1 – in die­ser Rei­hen­fol­ge. Von hier aus ist die NPD, und sind die “Rech­ten“, hier und in allen unse­ren Nach­bar­staa­ten, rund­her­um, von DK über PL, CZ, A, CH, F, L, B, bis NL, zu beur­tei­len. – „Rechts?“ Das ist: Volk, Rein­heit, Idea­lis­mus – und, nicht zu ver­ges­sen, „Männ­lich­keit„. Die völ­ki­sche Vie­rer­ban­de. Ihr, nicht aber ima­gi­nier­ten „Brau­nen“, gilt es ent­ge­gen­zu­tre­ten. 

Das Pack und die Men­schen­feind­schaft. Der Braun-beses­se­ne, ent­schlos­sen heroi­sche, der deutsch-idea­lis­ti­sche Wider­stand, aus Zwei­ter Hand, ist müßig. Es ändert sich nichts. Oder viel­mehr: NPD, AfD, Pegi­da, und wei­te­res „Pack“ wer­den wei­te­ren Zulauf haben – solan­ge von Poli­tik, Medi­en, Ämtern, Schu­len sowie ekla­tant wider­christ­lich „welt­ver­än­dern­den“ Kir­chen zur gene­rö­sen Ent­gren­zung, zur selbst­er­he­ben­den Ret­tung, zum auf­ge­setz­ten Fei­ern­Ge­nie­ßen­Ent­span­nen, zur halt­lo­sen Welt­läu­fig­keit, zum gou­ver­nan­ten­haf­ten Ein-Zei­chen-Set­zen sowie, neu­er­dings, zum Auf­stand gegen eine glo­bal wuchern­de „Men­schen­feind­schaft“ – ein Mode-Arti­kel der Fir­ma V & B, wel­cher, im Krei­se von ca. 200 Län­dern der Welt, nur in D ein Ver­kaufs­schla­ger sein kann – auf­ge­ru­fen und ermun­tert und ange­feu­ert wird. Armes Deutsch­land. 

Was tun? Das Eige­ne – im Rah­men deut­scher Geschich­te und Kul­tur. Nur die Erkennt­nis des Eige­nen kann zur Ände­rung füh­ren. Was wir brau­chen, ist nicht eine hap­py-go-lucky Viel­falt & Bunt­heit, und ist erst recht nicht ein stim­mungs­vol­les Geden­ken ohne hand­fes­te Erkennt­nis. 

Was wir brau­chen, ist die Aner­ken­nung einer deut­schen (ja, schlicht deut­schen), von allen Par­tei­en getra­ge­nen Kul­tur des Eige­nen, der Eigen­heit und Eigen­ge­sin­nung, ein­schließ­lich vor­be­halt­lo­ser Wahr­neh­mung eigen­ver­schul­de­ten Ter­rors, unab­ding­bar im Rah­men einer mör­de­risch idea­lis­ti­schen deut­schen Geschich­te – einer Geschich­te, die zum Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land von 1949 geführt hat. 

Das heu­te alles beherr­schen­de, völ­lig ahis­to­ri­sier­te, nahe­zu hys­te­ri­sche Zere­mo­ni­um der Nazi-Ver­dam­mung muss außer Betrieb genom­men wer­den. Es führt zu pathe­ti­schen Koali­ti­ons­ver­wei­ge­run­gen und zu voll­mun­dig empör­ten Rufen nach Sat­zungs- und Sitz-Ände­run­gen in Par­la­men­ten. Der thea­tra­lisch anti­fa­schis­ti­sche jedoch erkennt­nis­lo­se „Wider­stand“ för­dert nicht eine gesell­schafts­stär­ken­de deut­sche Eigen­heit, son­dern den Pro­test der als lach­haft „braun“ Vor­ge­führ­ten. Der Pro­test, wie­der­um, müss­te auf­ge­fan­gen und, nach GG-Maß­ga­be und Ver­fas­sungs­schutz-Kri­te­ri­en, in die Gestal­tung der Gesell­schaft ein­ge­bracht wer­den. Nicht auf­nah­me-geeig­net wäre, in jedem Fall, die Kate­go­rie „Volk“. 

Grund­ge­setz-com­pli­an­ce! Das Ver­mei­den völ­kisch moti­vier­ter Aus­gren­zung kann aber nicht hei­ßen, frem­de Kul­tu­ren – auch „Reli­gi­on“ und „Glau­be“ sind nichts als Kul­tur -, unbe­fragt zu emp­fan­gen und dem töner­nen Bei­fall durchs Dorf mar­schie­ren­der Bunt­heit & Viel­falt zu über­las­sen. Eine soli­de und anhal­ten­de Über­prü­fung der GG-com­pli­an­ce, der Pas­sung (spe­zi­ell: Art. 3), von Zuwan­de­rern – ins­be­son­de­re sol­cher, die dazu nei­gen, von vorn­her­ein „Hei­li­ge“ Schrif­ten und dar­auf beru­hen­des Ver­hal­ten über das GG zu stel­len – ist uner­läss­lich. Solan­ge in deut­schen Medi­en, bunt & viel­fäl­tig, vom „Ehren-Mord“ berich­tet wird, als sei das eben ein Mord aus Ehre, folk­lo­ris­tisch abzu­ha­ken unter „Sit­ten und Gebräu­che„, solan­ge wird das Deut­sche GG, unse­re Eigen­heit, unse­re Ehre, missachtet.

Schließ­lich: die Anti­fa! Unter­stützt wird viru­lent anti­na­zis­ti­sche Bunt­heit & Viel­falt von der Anti­fa, der Anti­fa­schis­ti­schen Akti­on: Schwar­ze Schar, wild ent­schlos­se­ne Befrei­er der Frau, Lützow´sche Jäger unse­rer Zeit; einst KPD-Ein­greif­trup­pe, gegrün­det 1932. Der Dorf-Bür­ger­meis­ter: “Die Anti­fa gehört nicht zu den Ver­fas­sungs­fein­den, ist nicht ver­gleich­bar mit der NPD.” Die­se Anti­fa nun setzt sich ein, recht erfreu­lich, für Soli­da­ri­tät und freie Gesell­schaft, und gegen die “patri­ar­cha­le Kul­tur“. Eine Dro­hung in der Selbst­vor­stel­lung ist aber bedrü­ckend: “Faschis­ti­sche Täter haben Namen und Adres­sen.” Wie bit­te ? Man möch­te das zustän­di­ge Anti­fa-Kom­man­do ersu­chen, den Satz zu streichen.