Offener Brief an den S. Fischer Verlag

S. FISCHER Verlag GmbH
z.Hd. der Geschäftsführung
Frau Bublitz, Frau Bischoff
Hedderichstraße 114
60596 Frankfurt am Main

per FAX an: 069/6062-319

18. Oktober 2020

Rausschmiss der Schriftstellerin Monika Maron

Sehr geehrte Frau Bublitz, sehr geehrte Frau Bischoff,

der Rausschmiss von Frau Monika Maron ist an Niedertracht nicht mehr zu überbieten und zwar nicht nur, was den Umgang mit einer Person anbelangt, die seit vierzig Jahren Autorin beim S.Fischer Verlag ist und gegenwärtig zu den wenigen prominenten Stimmen gehört, die verstehen, was auf dem Spiel steht, sondern mehr noch, was den Zeitpunkt anbelangt.

Zu den beunruhigensten Erfahrungen der Gegenwart gehört, dass die Generationen heute noch erheblich leichter ideologisierbar sind als die Generationen von 1933, was den Analysen von Hannah Arendt eine geradezu unheimliche Aktualität verleiht.

Nun muß man einer Verlagsleitung, wie jedem anderen auch, die Freiheit zugestehen, Fehler zu machen. Sollte der Verlag diesen Kardinalfehler nicht in kurzer Zeit korrigieren, würde ich es für angemessen halten, wenn der S. Fischer Verlag in Vergessenheit gerät und wir Monika Maron in andenkender Erinnerung halten.

Mit freundlichen Grüßen

Boris Blaha
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Boris Blaha

Über Boris Blaha

Publizist, geb. 1960 in München; Studium von Geschichte, Soziologie, Sozial- und Kulturwissenschaften an den Universitäten Würzburg, Regensburg und Bremen; Abschluss M.A., Gründungsmitglied "Hannah Arendt Preis für politisches Denken"
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3 Antworten zu Offener Brief an den S. Fischer Verlag

  1. Avatar Jürgen Probst sagt:

    Ich habe mich über den offenen Brief gefreut.
    Auch ich habe gerade den Verlag angeschrieben. Mein letzter Satz war: Schämen Sie sich!

  2. Die zeitgeisthörigen Entscheiddungsträger bei S. Fischer entledigen sich in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der politmedialen Obrigkeit einer ebenso renommierten wie kritischen Schriftstellerin und merken dabei noch nicht einmal, wie sehr sie damit den Erfüllungsgehilfen der roten und braunen Sozialisten ähneln. Samuel Fischer, der Namensgeber des Verlags, der zahlreichen nonkonformistischen Schriftstellern eine verlegerische Heimstatt gab, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wie seine Nachfolger den einst renommierten Verlag literarisch und moralisch ruinieren. Nun stehen also “Munin” und “Artur Lanz” wie dereinst in der DDR “Flugasche” für ideologisch unerwünschte Literatur. Ein Trost allerdings bleibt: An Monika Maron und ihr Werk wird man sich auch dann noch erinnern, wenn die Namen der heutigen Kultur-Apparatschiks von S. Fischer längst vergessen sind so wie heute die der damaligen SED-Kulturfunktionäre.

  3. Avatar Richard Ellinorsson sagt:

    Offener Brief an S. Fischer :

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich bin durch Neigung und frühe Prägung ein Mensch der Bücher und habe eine Bibliothek von einigen tausend Bänden geerbt, die ich in den letzten Jahren nach Kräften auszubauen bemüht war. Dabei waren die von ihrem Haus verlegten Autoren und Werke ein selbstverständlicher, ja unverzichtbarer Bestandteil.
    Mit grossem Bedauern habe ich gestern von ihrer Entscheidung zur Trennung von Monika Maron erfahren.
    Einen solch unsouveränen, geradezu servil anmutenden Akt der hechelnden Zeitgeisthuldigung hätte ich von ihrem Hause nie erwartet.
    Was für eine Demütigung für eine grosse, unbequeme Autorin und was für eine Dürftigkeit des Urteils hinsichtlich der Halbwertszeit der gegenwärtigen medial inszenierten Hysterien…
    Ich habe die Vierzig schon überschritten und es mag sein, dass meine Freude an der Verbindung von haptischer und intellektueller Stimulation in wenigen Jahren kaum noch nachvollziehbar erscheint.
    Trotzdem habe ich noch die Hoffnung, meine Bücher eines Tages, wenigstens zum Teil, in liebevolle Hände weiterzugeben.
    Ich überlasse es der nächsten Generation, dann auch wieder Bücher des S.Fischer Verlages zu erwerben.

    Hochachtungsvoll R.Ellinorson

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