Das erstaun­lichs­te an die­sem Buch ist die Tat­sa­che, dass es über­haupt ein Buch gewor­den ist. Jeder halb­wegs nor­mal gebil­de­te Lek­tor hät­te das Manu­skript nach weni­gen Sei­ten in den Papier­korb schmei­ßen müs­sen, so indis­ku­ta­bel unter­ir­disch ist das Niveau. Es gab eine Zeit in den sieb­zi­ger Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts, da hat­te der Ull­stein Ver­lag, was Sach­bü­cher anbe­langt, eine Hoch­pha­se. Ich erin­ne­re stell­ver­tre­tend für vie­le ande­re nur an die Hegel-Aus­ga­ben „Frü­he poli­ti­sche Sys­te­me“ und „Geist des Chris­ten­tums“ mit der gran­dio­sen Arbeit von Wer­ner Hama­cher. Von der­lei Hoch­kul­tur ist man heu­te weit ent­fernt. Was den Ull­stein-Ver­lag bewo­gen hat, einen sol­chen Text­müll auf den Markt zu brin­gen, bleibt wahr­schein­lich sein eifer­süch­tig gehü­te­tes Geheim­nis, aber wenns den Leu­ten dre­ckig geht, ver­kau­fen sie auch Pornos. 

Ein paar Stil­blü­ten gefäl­lig: Faschis­mus ist eine Ant­wort auf die Frau­en­be­we­gung. Als Refe­renz für die­se Weis­heit müs­sen The­we­leits Män­ner­phan­ta­sien her­hal­ten, die lei­der kei­ne Männer‑, son­dern nur The­we­leits Phan­ta­sien sind. Dass Faschis­mus eben­so wie Bol­sche­wis­mus eine bis dato unbe­kann­te neue poli­ti­sche Ord­nung eta­blie­ren, die nicht auf Indi­vi­du­al­neu­ro­sen zurück­zu­füh­ren sind, Schwamm drü­ber, dass kann so ein jun­ges Ding (Jahr­gang 1964) ja auch nicht wis­sen. Die zahl­rei­chen von und für Hit­ler stark beweg­ten Frau­en, von Hele­ne Bech­stein über Mag­da Goe­b­bels, Unity Mit­ford bis hin zu Winifried Wag­ner, um nur ein paar weni­ge zu nen­nen, nicht zu ver­ges­sen all die begeis­ter­ten Müt­ter, die ihr Müt­ter­kreuz noch Jahr­zehn­te spä­ter in Ehren hiel­ten, pas­sen nicht ins vor­ge­fer­tig­te Bild und kom­men dem­ge­mäß nicht vor. 

Der reli­gi­ös moti­vier­te Ter­ror hat natür­lich nichts mit der Wen­de von den poly­the­is­ti­schen Reli­gio­nen zu der einen, allein gül­ti­gen mono­the­is­ti­schen Reli­gi­on zu tun, eine Wen­de, die „ent­schei­den­der als alle poli­ti­schen Ver­än­de­run­gen die Welt bestimmt hat, in der wir heu­te leben“ (Jan Ass­mann, Die mosai­sche Unter­schei­dung), son­dern ist eine Ant­wort auf die struk­tu­rel­le Gewalt des Wes­tens (S. 16). Wenn wir (meis­tens trifft es jün­ge­re Mäd­chen) also heu­te von tes­to­ste­ron­über­lau­fen­den mus­li­mi­schen Män­nern abge­sto­chen wer­den, ist das nur die gerech­te Stra­fe für unse­re Ver­sün­di­gung an der Drit­ten Welt, die heu­te im lin­ken Kate­chis­mus die Rol­le des Rous­se­au­schen „Edlen Wil­den“ spie­len muss.  

Der Euro war nicht etwa Mit­ter­an­ds Bedin­gung für die Zustim­mung zur Wie­der­ver­ei­ni­gung (das sind nur Legen­den, die von Rechts­po­pu­lis­ten in die Welt gesetzt wur­den) son­dern „wur­de ein­ge­führt, weil die deut­schen Kon­zer­ne den Preis der Wäh­rungs­schwan­kun­gen, die sich in Deutsch­land immer in Auf­wer­tun­gen abge­bil­det haben, nicht mehr bezah­len woll­ten“ (S. 33). Is klar. Und „die Sozi­al­sys­te­me Grie­chen­lands wur­den durch die Euro­kri­se liqui­diert“ (S. 36), Grie­chen kön­nen da bei der Aus­ge­stal­tung Ihrer Sozi­al­sys­te­me unmög­lich im Spiel gewe­sen sein. Es geht in die­sem Stil so wei­ter und lohnt nicht.  

Eine klei­ne For­mu­lie­rung gegen Ende offen­bart das völ­lig apo­li­ti­sche des gan­zen Unter­fan­gens: Damit das Euro­päi­sche Pro­jekt wie­der Fahrt auf­nimmt und den einen Geist der Auf­klä­rung in der einen Demo­kra­tie voll­endet, muss das Poli­ti­sche auf’s rich­ti­ge Gleis gesetzt wer­den. Auf einem Gleis kann man ste­hen blei­ben, dann wäre es kei­ne Bewe­gung, und sich vor­wärts oder rück­wärts bewe­gen. Nur eines kann man nicht, wenn die Rich­tung schon vor­ge­schrie­ben ist, näm­lich poli­tisch mit ande­ren über den ein­zu­schla­gen­den Weg strei­ten. Das Wag­nis eines poli­ti­schen Neu­an­fangs mit unge­wis­sem Aus­gang ist voll­ends unmög­lich, wenn vor­ab schon über rich­tig, Rich­tung und End­sta­ti­on ent­schie­den wur­de. Dass ein Mot­to von Han­nah Arendt am Beginn die­ses Tex­tes steht, ist als Ver­lu­de­rungs­ef­fekt des Arendt-Rum­mels wohl nicht zu verhindern.

Das Geschöpf, das die­sen kin­di­schen Schwach­sinn von sich gibt, wird als „Pro­fes­so­rin und Lei­te­rin des Depart­ments für Euro­pa­po­li­tik und Demo­kra­tie­for­schung an der Donau-Uni­ver­si­tät Krems/Österreich” vor­ge­stellt. Sie sei zwan­zig Jah­re lang in diver­sen Think-Tanks gewe­sen. Ja dann …