§ 38, Abs. 1 Grundgesetz

Die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges wer­den in all­ge­mei­ner, unmit­tel­ba­rer, frei­er, glei­cher und gehei­mer Wahl gewählt. Sie sind Ver­tre­ter des gan­zen Vol­kes, an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen nicht gebun­den und nur ihrem Gewis­sen unterworfen.

Druck­sa­che 19/23944: Ent­wurf eines Drit­ten Geset­zes zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Tragweite

Sehr geehr­te Damen und Herren,

am 28. Febru­ar 1933 wur­de vom Reichs­prä­si­den­ten Paul von Hin­den­burg die Not­ver­ord­nung erlas­sen, die spä­ter als Reichs­tags­brand­ver­ord­nung bekannt wer­den soll­te. Die Par­al­le­len zur geplan­ten drit­ten Ände­rung des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes, das zur Ver­hin­de­rung jeg­li­cher Dis­kus­si­on und Beson­nen­heit in aller Eile durch­ge­peitscht wer­den soll, sind auffällig.

Auch die dama­li­ge Ver­ord­nung dien­te zum Schutz von “Volk und Staat” – heu­te zum “Schutz der Bevöl­ke­rung”. Als erwach­se­ner Mensch ent­schei­de ich selbst, wel­che Lebens­ri­si­ken ich ein­ge­he und wel­che nicht. Jede unqua­li­fi­zier­te Für­sor­gean­ma­ßung leh­ne ich mit Ver­weis auf mein Recht auf Selbst­be­stim­mung ent­schie­den ab. Wer sich ein­bil­det, Staats­bür­ger als Kin­der behan­deln zu kön­nen, will nicht regie­ren, son­dern herr­schen. Eine geleb­te Ver­fas­sung, in der die ele­men­ta­ren Grund­rech­te von allen Betei­lig­ten respek­tiert wer­den, wür­de mir voll­auf genü­gen. Die Bedeu­tung einer lega­len Zer­stö­rung der Lega­li­tät für den wei­te­ren Ver­lauf soll­te bekannt sein.

Damals wie heu­te war die Kluft zwi­schen der tat­säch­li­chen, in der Wirk­lich­keit erfahr­ba­ren Gefahr und ihrer ideo­lo­gi­schen Fik­ti­on so offen­kun­dig, dass der instru­men­tel­le Cha­rak­ter der “Gefahr” für jeden, der noch halb­wegs bei Ver­stand war, klar auf der Hand lag.

Die damals als Begrün­dung ange­ge­be­ne kom­mu­nis­ti­sche Gefahr war eben­so maß­los über­trie­ben wie die Pan­de­mie, der selt­sa­mer­wei­se die tat­säch­li­chen Toten feh­len. Bis heu­te kann das Bun­des­amt für Sta­tis­tik in Deutsch­land kei­ne Übersterb­lich­keit fest­stel­len. Fragt man die Pan­de­mie-Gläu­bi­gen, auf wie vie­len Beer­di­gun­gen sie im letz­ten hal­ben Jahr waren, ern­tet man nur ver­ständ­nis­lo­se Bli­cke. Offen­sicht­lich sind sehr vie­le nicht mehr in der Lage, zwi­schen einer medi­al ver­mit­tel­ten Rea­li­tät und einer erfahr­ba­ren Wirk­lich­keit zu unter­schei­den. Die media­le Rea­li­tät hat die Wirk­lich­keit ersetzt. Eine gefähr­li­che Krank­heit ist kei­ne epi­de­mi­sche Lage natio­na­le Trag­wei­te, die der­ar­ti­ge Ein­grif­fe in Grund­rech­te rechtfertigt.

Die damals mit der Not­ver­ord­nung ein­ge­lei­te­te Zer­stö­rung der recht­li­chen Ver­fasst­heit des Gemein­we­sens war ein ent­schei­den­der Schritt in Rich­tung Dik­ta­tur. Dem Par­la­ment der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land fällt daher in die­ser Situa­ti­on eine her­aus­ge­ho­be­ne Ver­ant­wor­tung zu.

Es hät­te die ein­ma­li­ge Gele­gen­heit, mit einer Abwehr die­ses neu­er­li­chen Ermäch­ti­gungs­ge­set­zes sei­ner geschicht­li­chen Ver­an­wor­tung gerecht zu wer­den, sei­ne Selbst­ach­tung als Par­la­ment wie­der zu gewin­nen und aller Welt zu zei­gen, dass man etwas aus der eige­nen Geschich­te gelernt hat.

Rea­lis­tisch scheint die­se Per­spek­ti­ve nicht. Recht­li­che Ver­hält­nis­se beru­hen auf Gegen­sei­tig­keit. Ein tran­szen­den­ta­ler Garant für die Gel­tung von Men­schen­rech­ten ist eine nai­ve Fik­ti­on. Die bewuß­te Zer­stö­rung einer Rechts­ge­mein­schaft macht daher jeden, auch sie selbst, vogel­frei, mit allen Kon­se­quen­zen, die der recht­lo­se Sta­tus eines Vogel­frei­en mit sich bringt.

Die nament­li­chen Abstim­mun­gen wer­den hier dokumentiert.

HINWEIS: Bit­te neh­men Sie auch den Offe­nen Brief zum Ent­wurf eines Drit­ten Geset­zes zum Schutz der Bevöl­ke­rung bei einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te (Deut­scher Bun­des­tag Druck­sa­che 19/23944) der Rechts­an­wäl­tin und Hoch­schul­do­zen­tin Frau Jes­si­ca Hamed zur Kenntnis.

Der Offe­ne Brief legt ein­drück­lich dar, war­um es unver­zeih­lich wäre, die­sem Gesetz­ent­wurf zuzustimmen.