Es häu­fen sich Mel­dun­gen von Fra­gen, die “Nach Coro­na” anzu­ge­hen sind. Hier eine wei­te­re Fra­ge. Sie lau­tet: demo­kra­tisch deut­sche Eigen­heit oder unver­bind­lich welt­läu­fi­ge Bunt­heit und Vielfalt?

In Varieta­te Con­cordia: in Viel­falt geeint. Das Mot­to der EU. Man hat dabei an Viel­falt als Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner natio­na­ler Eigen­hei­ten gedacht. So wie ja die Mensch­heit aus Men­schen in ihren jewei­li­gen Eigen­hei­ten besteht. Ohne Eigen­hei­ten kei­ne Gemein­schaft. Impli­ziert, in der EU-Con­cordia, ist die gemein­sa­me Basis der natio­na­len Eigen­hei­ten: die Demokratie.

Die Wirk­lich­keit der Eigen­hei­ten und das Kri­te­ri­um der Demo­kra­tie sind der B&V‑Ideologie fremd. Welt­frem­des Mot­to: Alles ist gut. Traum­haft ent­spannt. Aus­ge­las­sen bum­melnd. End­los feiernd.

Natio­na­le – und damit kul­tu­rel­le Eigen­hei­ten – zei­gen sich, in Euro­pa und andern­orts, jetzt und im his­to­ri­schen Rück­blick, in der Poli­tik im all­ge­mei­nen – Han­nah Arendt: “Der Sinn von Poli­tik ist Frei­heit” -, sodann etwa auch in der Frau/­Mann-Bezie­hung, in For­men der Fami­lie, im Ver­hält­nis zu Nach­bar­na­tio­nen, und ins­ge­samt, seit eini­gen Jahr­hun­der­ten, im Fort­schritt und/oder in der oft “reli­gi­ös” begrün­de­ten und damit men­schen­freund­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­on ent­zo­ge­nen Unter­drü­ckung von Demokratie.

Demo­kra­tie, Grund­ge­setz, Eigen­heit: deutsch. Die doku­men­ta­ri­sche Grund­le­gung deut­scher demo­kra­ti­scher Eigen­heit ist das Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vom 23. Mai 1949. Die zwei zen­tra­len GG-Bestim­mun­gen sind: Aus­schluss männ­li­cher Objek­ti­vie­rung der Frau (Art. 3); freie Ent­fal­tung des ein­zel­nen Men­schen in der Gemein­schaft (Art. 2).

Von daher: pass­ge­recht, für deut­sche Eigen­heit, für deut­sche Kul­tur, im Sin­ne des GG, kön­nen nicht, wie bunt und viel­fäl­tig vor­ge­führt auch immer, durch­weg alle – habi­tu­ell unde­fi­nier­ten und unwei­ger­lich, über die Jahr­hun­der­te, main­stream-getreu­en – “Reli­gio­nen” und Sit­ten und Gebräu­che sein, wel­che in deut­sche Kul­tur mit­ge­bracht und mit­tels auf­ge­setz­ter “Tole­ranz” beher­bergt werden.

Die ver­ant­wor­tungs­los eigen­heits­ab­weh­ren­de Aller­welts-Tole­ranz gegen­über Neu-Ankömm­lin­gen, in Deutsch­land, hat zu schreck­li­chen Unta­ten geführt. Man ging und geht – rela­ti­vie­rend „sta­tis­tisch“ – dar­über hin­weg. Der umstands­los, in welt­läu­fi­gem Gut-Sein, noch vor insti­tu­tio­na­ler Kon­trol­le zum “Flücht­ling” oder, gewieft aus­wei­chend, zum “Geflüch­te­ten” geweih­te Migrant – näm­lich der “Aus­län­der“ (so, pro­fan, das Asyl­ge­setz) – muss als Agent erkennt­nis­los zere­mo­nia­ler Til­gung deut­scher Schuld erhal­ten und bemut­tert werden.

Im Zen­trum deut­scher Eigen­heit: der Grund­ge­setz­pa­trio­tis­mus. Ein deut­scher Innen­mi­nis­ter, Georg Mai­er, Thü­rin­gen, hat kürz­lich den Mut auf­ge­bracht – ja, man muss hier tat­säch­lich von Mut spre­chen -, für einen spe­zi­fisch deut­schen Patriotismus,“Verfassungspatriotismus”, zu wer­ben. Die­ser müs­se sich als Stär­kung grund­ge­setz­ge­schütz­ter Insti­tu­tio­nen – vor­an die Poli­zei – aus­wir­ken. Ein erfreu­lich demo­kra­ti­sches und hand­fest prag­ma­ti­sches – näm­lich eigen­stän­dig deut­sches und gera­de­zu insti­tu­tio­nen­be­ja­hen­des – Bekenntnis.

Vor­herr­schend, in heu­ti­ger deut­scher Belie­big­keits­kul­tur, ist das anti-insti­tu­tio­na­le Res­sen­ti­ment, die blan­ke Geschichts­lo­sig­keit, die voll­mun­di­ge Gren­zen­lo­sig­keit; und da passt, so haar­ge­nau wie haar­sträu­bend, die Ankün­di­gung, heu­te, im vol­len lock­down, eines gigan­ti­schen “Volks­fests” (hart­nä­ckig über­le­ben­des Erbe deut­scher Feu­dal­herr­schaf­ten), in einer deut­schen Lan­des­haupt­stadt, für den Herbst 2021, weil näm­lich dann – so das auch schon im Hin­blick auf das “Fest”, Weih­nach­ten 2020, vor­ge­brach­te Armuts-Argu­ment – die heu­te all­gen­wär­ti­ge Coro­na irgend­wie magisch “christ­lich” des Plat­zes ver­wie­sen sein wird.

FCK CPS! Wenn man, habi­tu­ell, wie nicht weni­ge deut­sche Medi­en und Poli­ti­ker, nahe­zu McCar­thy-haft (jede Bun­des­tags­sit­zung beherrscht, mehr oder min­der, vom Gespenst deut­scher Ver­gan­gen­heit), die grund­wich­ti­ge Insti­tu­ti­on “Poli­zei”, gene­rell, mit wohl­feil mora­lis­mus­schwe­ren Anwür­fen – Nazis, Faschis­ten, neu­er­dings Hass & Het­ze (dem­nächst als GG-Amend­ment?) sowie, end­gül­tig ver­nich­tend, “AfD” – zu beden­ken nicht müde wird, dann darf man sich nicht wun­dern, wenn sol­cher­ma­ßen staat­lich legi­ti­mier­te Mit­bür­ger in unse­ren Städ­ten beken­ne­ri­sche Wand­auf­schrif­ten wie “FCK CPS” zu hin­ter­las­sen sich hoch­mo­ra­lisch bevoll­mäch­tigt und bunt­päd­ago­gisch ermäch­tigt fühlen.

Ein Sym­bol patrio­tisch deut­scher Eigen­heit: Kyff­häu­ser oder Ham­bach? Als Ver­eh­rungs­ob­jekt des grund­ge­setz­lich gesi­cher­ten Patrio­tis­mus – demo­kra­tisch deut­scher Eigen­heit also -, führt der thü­rin­gi­sche Innen­mi­nis­ter das Kyff­häu­ser­denk­mal, an. In Thü­rin­gen, nahe Nord­hau­sen.  Da aller­dings ist Zwei­fel ange­bracht. Ein Monu­ment – ein­ge­weiht 1896 – zur Ehrung eines im frag­wür­di­gen Sin­ne preu­ßi­schen Feu­dal­herr­schers? Eines kon­sti­tu­tiv anti­de­mo­kra­ti­schen, hart durch­grei­fen­den Mili­tär­füh­rers? Eines – wider­wil­lig deut­schen – Allein­herr­schers, mit dem längst schon inhalts­lee­ren Titel “Deut­scher Kaiser”?

Näm­lich Wil­helm I. Er regier­te, über die Preu­ßen hin­aus, die Deut­schen von 1871 bis 1888. Als “Kar­tät­schen­prinz“ hat­te er sich in der hoch­herr­schaft­li­chen Nie­der­schla­gung des demo­kra­ti­schen Auf­stands (“Wohl­stand, Bil­dung, Frei­heit für alle”), in Baden, 1849, her­vor­ge­tan. 27 Todes­ur­tei­le wur­den vollstreckt.

Ein füh­ren­der Kreis der Auf­stän­di­schen war der “Club des ent­schie­de­nen Fort­schritts”. Ein deut­scher, ein hoff­nungs­vol­ler Name. Mit­glie­der, u.a.: Mat­hil­de Fran­zis­ka Anne­ke, Fried­rich Engels, Carl Schurz, Wil­helm Lieb­knecht. Wah­re Patrio­ten. Gro­ße Demo­kra­ten. Wo bleibt da die heu­ti­ge FDP, eine Nach­fol­ge­rin des “Club“ von 1849? Sie pro­pa­giert “Digi­tal-Frei­heits­zo­nen“. -

Kann aber nun das mas­siv anti­de­mo­kra­ti­sche Preußentums-(Kyffhäuser-) denk­mal grund­ge­setz­pa­trio­tisch sein? Nein.

Echt patro­ti­sche Mahn­ma­le: aus deut­scher Demo­kra­tie­ge­schich­te? Ja. Da wäre doch, zunächst, die Schloss­rui­ne Ham­bach bei Neu­stadt an der Wein­stra­ße – Ham­ba­cher Fest 1832, “Wie­ge der deut­schen Demo­kra­tie”, Mas­sen­an­drang froh­ge­mu­ter Demo­kra­ten schwarz-rot-gold geklei­det, bei Glo­cken­läu­ten, Böl­ler­schie­ßen, Freu­den­feu­er – vor­zu­zie­hen. Sodann auch, natür­lich, die Pauls­kir­che in Frankfurt/M., 1848/49 Ort des ers­ten deut­schen, wenn auch wei­ter­hin repres­si­ver Ober­auf­sicht anhäng­li­chen Par­la­ments. Und schließ­lich das Wei­ma­rer Natio­nal­thea­ter – Enste­hungs­ort der demo­kra­ti­schen Ver­fas­sung von 1919. – Und da sind wir wie­der in Thüringen.

Deut­sche Eigen­heit, deut­scher Grund­ge­setz­pa­trio­tis­mus, deut­sche Kul­tur: die­se Drei­heit! Und nicht an schwär­me­ri­scher Bunt­heit und sub­stanz­lo­ser Viel­falt soll­te sie sich ori­en­tie­ren, son­dern an den weni­gen his­to­ri­schen Augen­bli­cken mutig gewag­ter deut­scher Demo­kra­tie – etwa an jenem groß­ar­tig deut­schen Club des ent­schie­den demo­kra­ti­schen Fort­schritts, im Revo­lu­ti­ons­jahr 1849.