Offener Brief an den Polizeipräsidenten von Bremen

Polizei Bremen
Polizeipräsident Lutz Müller
– persönlich –
In der Vahr 76
28329 Bremen

Sehr geehrter Herr Müller,

eine Regel zu befolgen, weil es eine Regel ist, oder ein Gesetz durchzusetzen, weil es ein Gesetz ist, kann unter bestimmten Umständen auch eine gänzlich unkluge Entscheidung sein. Dafür liefert die jüngere europäische Geschichte hüben wie drüben ausreichend Anschauungsmaterial, das sich zur Verfeinerung des Urteilsvermögens nutzen ließe.

Es ist an der Zeit, Ihnen anzuraten, darüber nachzudenken, auf welcher Seite Sie stehen. Wenn Sie sich allen Ernstes widerspruchslos zum Stiefelknecht eines so offenkundig verfassungswidrigen Gesetzes machen lassen, werden Sie sich dafür verantworten müssen. Ich verweise auf Artikel 20, Absatz 4, Grundgesetz. Dieser Absatz steht nicht zufällig da, wo er steht und er kann auf eine lange Tradition zurückblicken, aus der er seine Berechtigung bezieht.

Glauben Sie im Ernst, wir ließen uns mit einer so lächerlichen Begründung einsperren? Auf Grundlage eines Testes, der weder Infektiosität noch Infektion zuverlässig nachweisen kann? Auf Basis von “Inzidenzwerten”, für die es keinerlei wissenschaftliche Begründung gibt und die frei nach politischer Willkür rauf und runter getestet werden können?

Glauben Sie im Ernst, wir wären im Internetzeitalter nicht in der Lage, uns eine eigene, sachliche und fundierte Meinung zu bilden und müssten völlig ahnungs- und kritiklos alles glauben, was uns die Propagandanutten (m,w,d) der öffentlich-rechtlichen Volksverblödungsanstalten und Mainstreammedien von morgens bis abends ins Wohnzimmer posaunen? Wer da behauptet, es handle sich um Qualitätsjournalismus, der glaubt auch an die Kinder vom Klapperstorch. Die geifernden Panikreflexe auf die bei 96% Zustimmung ausgesprochen gelungene Aktion der 53 Schauspieler #allesdichtmachen haben deutlich gemacht: einer neofeudalen polit-medialen Scheinelite, der die Legitimation abhanden gekommen ist, steht das Wasser bis zum Hals. Es ist nur noch eine kleine Minderheit, gefangen in ihrem ideologischen Realitätsersatz.

Momentan befindet sich das Land etwa auf dem Niveau des amerikanischen McCarthyismus in seiner Hochphase. Die Amerikaner waren seinerzeit in der Lage, aus eigener Kraft diesen Irrweg als solchen zu erfassen und ihn politisch zu beenden. Ob wir Deutschen das auch zustande bringen, oder die jakobinisch-bolschewistische Gewaltspirale weiter vorantreiben, hängt von Vielen ab, auch von Ihnen. Davon hängt auch ab, ob uns die anderen attestieren können, etwas aus der eigenen Geschichte gelernt zu haben. Sowohl Margaret Thatcher als auch François Mitterand kamen 1989 zu einem negativen Ergebnis. Bislang sieht alles danach aus, daß sie recht behalten.

Mit politischen Grüßen

PS: Um meine Gesundheit kümmere ich mich selbst.

Boris Blaha
Boris Blaha

Über Boris Blaha

Publizist, geb. 1960 in München; Studium von Geschichte, Soziologie, Sozial- und Kulturwissenschaften an den Universitäten Würzburg, Regensburg und Bremen; Abschluss M.A., Gründungsmitglied "Hannah Arendt Preis für politisches Denken"
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